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Wann schaltet Blizzard die WoW Server ab

Geschrieben von echterman , 16 October 2015 · 1687 Ansichten

Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, soll dies kein Abgesang auf WoW werden, wie er in der Community häufig zu hören ist a´la: „OmG, WoW ist so tot. Kein Content, blöde Community alles langweilig. Hab ich von Anfang an gesagt und ihr wisst das das wahr ist. ***“
***: Hier bitte den gewünschten Flame einfügen der nicht im entferntesten etwas mit dem Thema zu tun hat.
 
Hier soll es einmal nüchtern darum gehen, wann Blizzard sich dazu entscheidet, die WoW Server abzuschalten. Denn wir alle wissen, dass alles ein Ende hat, außer eine Wurst, die hat nämlich zwei. Denn in letzter Zeit schafft es das Vorzeige-MMORPG von Blizzard nicht wirklich, an alte Erfolge anzuknüpfen. Deshalb sei es erlaubt, einmal urteilsfrei darüber nachzudenken, unter welchen Umständen WoW für Blizzard nicht mehr rentabel betrieben werden kann.
 
 
Abonnenten, der kleinste gemeinsame Nenner
 
WoW ist ein Spiel mit Abo und dementsprechend muss der Spieler ca. 13 Euro im Monat dafür bezahlen, um in Azeroth seinem Spieltrieb nachgehen zu können. Hier hätten wir schon einmal den Hauptgrund, der für eine Abschaltung in Frage kommt. Denn mit abnehmender Spielerzahl sinkt auch eine der festen Einnahmequellen von Blizzard. Kleines Beispiel hierzu:
 
Zu Höchstzeiten von WoW gab es ca. 12 Millionen aktive Accounts. Man multipliziere nun die 13 Euro Abogebühr mit den 12 Millionen Accounts und kommt auf 156 Millionen Euro. Auch wenn diese Zahl schon anständig hoch ist und andere Spiele das als Jahresumsatz verbuchen, sind dies monatliche Umsätze aus Abogebühren. Letzte offizielle Zahlen von Blizzard sprechen von 5,6 Millionen aktiven Accounts. Dazu sagt der Taschenrechner folgendes: 5,6 Millionen multipliziert mit 13 Euro ergibt 72,8 Millionen Euro aus Abogebühren pro Monat. Auch jemandem, der keine Ahnung von Mathe hat, dürfte aufgefallen sein, dass da gut was an Kohle fehlt. Um genau zu sein 83,2 Millionen Euro. Naja, die ganz genauen Zahlen hält Blizzard zurück und auch aus den Quartalsberichten wird nicht jeder sofort schlau.
 
Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie viel Geld dahinter steckt, und das nur im Abo. Die ganzen anderen Umsätze aus Werbeverträgen, Merchandising, Printmedien, InGame-Umsätzen ect. sind noch gar nicht mitgerechnet. Hier kann man aber sicher davon ausgehen, dass diese Umsätze sich auch im mehrstelligen Hundertmillionen-Bereich befinden. Wie gesagt, alles nur von WoW.
 
 
Kosten, Kosten, Kosten
 
Von anderen MMORPGs kennt man es, dass diese den Betrieb einstellen, wenn zu wenig Abonnenten da sind um den fortlaufenden Betrieb gewährleisten zu können. Und dies trifft irgendwann auch auf WoW zu. Irgendwann ist das Minimum an Abonnenten erreicht, mit denen WoW betrieben und weiter entwickelt werden kann. Hier hätten wir den nächsten Aspekt, der für eine Abschaltung spricht. Die Kosten.
 
Ja, es stimmt, ein MMORPG fährt nicht nur Gewinn ein. Kaum zu glauben oder? Aber welche Kosten hat denn ein MMORPG? Da wären zum ersten die Entwicklungskosten. Die sind bei Videospielen schon anständig hoch. Mittelmäßige Spiele kommen gerne mal auf 50 Millionen Euro Entwicklungskosten. Dann kommt noch das Marketing hinzu, bei Online-Spielen auch noch Serverkosten und Ausgaben für die Wartung der Spieleserver. Dann kommen weitere Entwicklungskosten dazu für Bugfixes und neue Inhalte für das Spiel. Die Liste mit den einzelnen Posten der Ausgaben lässt sich seitenweise fortführen.
 
Und das ganze ist ja auch nicht ohne Risiko. Denn starte mal ein 50-100 Millionen Euro Projekt mit 3-5 Jahren Entwicklungszeit und habe dann mal keinen Erfolg am Markt. Da kommen die Verantwortlichen mehr als nur ins Schwitzen. Ottonormal-Bürger bangt schon wegen dem 5000 Euro Kredit, was glaubt ihr, was los ist, wenn ihr mit 50-100 Millionen Euro in der Kreide steht. Da hat man schon die eine oder andere schlaflose Nacht.
 
Wer sich mal mit BWL befasst hat wird wissen, was da alles zusammenkommt. Aber auch der nicht sonderlich Eingeweihte wird sich denken können, dass eine Firma, die im internationalen Geschäft ist, nicht wenige Ausgaben hat, nur um die Firma am Laufen zu halten. Wer sich für genauere Zahlen interessiert, kann sich ja einmal einen Quartalsbericht von Blizzard anschauen und wird sich wundern, was da alles aufgeführt wird.
 
Morgen ist WoW offline
 
Keine Panik, das wird so schnell nicht passieren. Gesamt gesehen kann man bisher folgendes logisches Fazit ziehen: Wenn die Ausgaben von Blizzard für WoW die Einnahmen durch WoW übersteigen, wird es kritisch. Denn dann müsste Blizzard von anderen Bereichen Geld abzweigen, um WoW am laufen zu halten. Aber das wird so schnell nicht passieren. WoW ist, einfach gesagt, eine Gelddruckmaschine. Mit jedem neuem Addon kommen sehr viele Spieler wieder zurück zu WoW. Dadurch steigen die Einnahmen sehr stark an. Ab ca. 6 Monate nach Addon-Release geht die Zahl bekanntlicher Maßen etwas zurück und erreicht nach 1-1,5 Jahren wieder einen Tiefpunkt, bis das nächste Addon vor der Tür steht.
 
Wenn man die Tiefpunkte als Anhaltspunkt nimmt, kann WoW noch mehr als 4 Addons lang gewinnbringend betrieben werden. Bei einem durchschnittlichen Veröffentlichungszyklus von ca. 2 Jahren pro Addon sind das noch ca. 8 Jahre, die uns WoW mindestens erhalten bleibt. Aber bevor die Server abgeschaltet werden, hat Blizzard ja noch den Buy2Play oder den Free2Play Joker im Ärmel ... Spielprinzipien, mit denen andere Spiele sehr erfolgreich am Markt bleiben.
 
Aber eine Sache habe ich ja noch völlig vergessen zu erwähnen. Der Warcraft-Film. Wenn der ein Blockbuster wird, wie wir ihn alle erwarten, dann könnt ihr sicher sein, dass die Abo-Zahlen drastisch steigen werden. Und durch den Film wird ja auch noch Geld in die Kassen von Blizzard gespült. Guter Film plus gutes Spiel ergibt jede Menge Aufmerksamkeit für die Marke Warcraft und World of Warcraft und damit Umsatz. Das selbe Schauspiel startet übrigens Ende des Jahres, wenn Star Wars - Battlefront und der neue Star Wars Film erscheinen. Eine Win Win Situation.
 
 
Gesamt Fazit
 
Wenn man alle bisher betrachteten Dinge einbezieht, dann werden wir noch sehr lange in Azeroth unsere Runden drehen können. Wir können weiterhin neue Gebiete entdecken, Bösewichten den Garaus machen und der Held der Helden im bisher erfolgreichsten MMORPG seit Anbeginn der Aufzeichnungen sein. Ich freue mich auf viele weitere Stunden in dem Spiel, welches mich bisher am längsten fesseln konnte, mit all seinen Facetten.



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