Was ich an diesen Threads immer wieder interessant finde:
Dass es immer wieder Leute gibt, die auf höchst aggressive Weise das Suchtpotential von WoW leugnen.
Fakt ist in meinen Augen: 1. WoW kann natürlich süchtig machen. 2. Ebenso klar ist, dass es nicht süchtig machen muss. 3. Es hängt eben stark davon ab, wer die Person ist, die da vor dem Bildschirm sitzt, in welcher persönlichen Situation sie sich befindet, wie ihre Psyche tickt und wie wie ihre sozialen Kontakte aussehen.
Wer mit seinem Leben unzufrieden ist, wem eine Aufgabe fehlt, wer nur wenig Kontaktpersonen außerhalb des Spiels hat und wer das Leben tendenziell als ständigen Wettbewerb auffasst, ist vermutlich gefährdeter als Menschen, bei denen dies nicht der Fall ist, aber auch da ist kein Pauschalurteil möglich. Menschen funktionieren nunmal selten innerhalb festgefügter Raster.
Es ist lächerlich, leugnen zu wollen, dass es Menschen gibt, die ein solches Problem haben. Und es ist ebenfalls lächerlich, dafür einen psychischen Knacks verantwortlich zu machen. Ich kenne die Mechanismen, die zur Sucht führen, aus eigener Erfahrung. Akute Unzufriedenheit mit der beruflichen Situation - und schon hat man 85 Spieltage auf dem Account. Seit sich meine Situation im real life verbessert hat, sind vielleicht noch fünf dazu gekommen. Ebenfalls äußerst gefährlich: Sogenannte Elitegilden. Die einen drängen, online zu kommen, auch wenn man das gar nicht möchte. Raiden ist bei mir auf ewig abgemeldet.
Wer ruhig und sachlich sagt: Ich spiele zwar viel, aber ich glaube nicht, dass ich süchtig bin, dem kaufe ich das in aller Regel ab. Wer mit Aggressivität reagiert, tut dies meines Erachtens nur aus einem einzigen Grund: Er weiß, dass er ein Problem hat, will aber nicht damit konfrontiert werden, also schaltet er auf Abwehr. Das ist ebenso menschlich wie die Sucht selbst, schafft aber das Problem nicht aus der Welt.
Wünsche dem Threadersteller, dass Du Dein Leben in den Griff bekommst. Soweit es mich angeht, habe ich beginnende Suchttendenzen in den Griff bekommen. Einfach, weil andere Dinge wieder wichtiger geworden sind. Allerdings hatte ich die meisten von diesen Dingens schon, bevor ich mit WoW angefangen hab. Da war es nur notwendig, mich daran zu erinnern, was ich vermisse. In einem so jungen Alter ist das sicherlich sehr viel schwieriger.