Wikipedia sagte:
Gängige Behauptungen über das Gähnen [Bearbeiten]
Gähnen verbessert die Sauerstoffsättigung des Blutes [Bearbeiten]
Provine[11] konnte die Hypothese entkräften, dass Gähnen etwas mit einem erhöhten Kohlendioxid- bzw. verringerten Sauerstoffgehalt im Blut zu tun hat. Studenten, die reinen Sauerstoff oder Luft mit 3 bis 5 % erhöhtem Kohlendioxidgehalt zum Atmen erhielten, gähnten nicht signifikant öfter oder anders.
Gähnen ist ein Zeichen für Müdigkeit [Bearbeiten]
Diese Behauptung stimmt teilweise. Wir gähnen, wenn wir schläfrig sind, aber auch verstärkt nach dem Aufstehen. Bei Versuchen, bei denen die Probanden eine Woche ein „Gähntagebuch“ führten, gähnten die Probanden in der Stunde nach dem Aufstehen und am Abend vor dem Zubettgehen signifikant häufiger. Überraschend war, dass am Morgen das Gähnen häufig von Strecken begleitet wurde, während es das am Abend kaum war.[11] Diese Beobachtung lässt sich ebenfalls bei Haustieren wie Hunden und Katzen machen.
Gähnen ist ein Zeichen für Langeweile [Bearbeiten]
Provine kann die Behauptung bestätigen, dass gelangweilte Menschen signifikant häufiger gähnen. Gähnen kann außerdem eine starke Äußerung von Emotionen sein. Will jemand seine Langeweile anderen unmissverständlich deutlich machen, wird Gähnen auch dazu instrumentalisiert.
Gähnen ist ein Zeichen für Stress [Bearbeiten]
Es gibt etliche anekdotische Geschichten von verstärktem Gähnen vor aufregenden Ereignissen. So wird von „Gähnanfällen“ vor dem ersten Fallschirmsprung, sportlichen Wettkämpfen oder öffentlichen Auftritten berichtet. Dies würde eventuell zu der Theorie passen, dass Gähnen das Verhalten und den physiologischen Zustand einer Gruppe synchronisieren kann. Von Hunden ist bekannt, dass sie bei Konflikten mit Artgenossen Gähnen als Beschwichtigungsgeste einsetzen. Dies ist nicht scharf gegen in Konfliktsituationen auch auftretende Übersprunghandlungen abgrenzbar.
Gähnen ist ansteckend [Bearbeiten]
Gähnen wird häufig als ansteckend beschrieben. Gähnt eine Person, gähnen alle anderen mit.[11] Eine andere Person gähnen zu sehen, regt schon zum Mitgähnen an, besonders wenn die Augen der Person zu sehen sind. Dieser Mechanismus ist auch dann wirksam, wenn die Person nicht physisch anwesend und beispielsweise nur auf Video sichtbar ist. Bei ähnlichen Versuchen, bei denen Probanden zum Mitlächeln animiert werden sollten, war die Response bei weitem geringer. Sogar schon über das Gähnen zu lesen, kann zum Gähnen anregen. Versuche von Provine, eine ähnliche Resonanz auf schriftlich beschriebenen Schluckauf zu erhalten, misslangen.[34]
Ergebnisse der Forschung über Spiegelneuronen weisen daraufhin, dass sie an dem Prozess des Gähnens zumindest beteiligt sind.[35] Da Spiegelneuronen als treibende Kraft hinter der Nachahmung und damit als Grundlage menschlichen Lernens gesehen werden, liegt diese Vermutung nahe. Anderson & Meno fanden bei Experimenten allerdings kein ansteckendes Gähnen bei Kindern bis zu einigen Jahren.[36] Daraus kann man schließen, dass dem ansteckenden Gähnen zumindest noch eine andere Komponente zugrunde liegt und es relativ jungen evolutionären Ursprungs ist.
Eine weitere Vermutung zu den Ursachen der Ansteckung besteht in der Notwendigkeit einer in Gruppen lebenden Spezies, diese Gruppe zu synchronisieren. Bereits 1894 schrieb der Mülheimer Völkerkundler Karl von den Steinen (1855–1929), der als erster Europäer in Zentralaustralien den Kontakt mit den Bakiri aufnahm: Wurde es ihnen mit dem Geplauder zuviel, so gähnte alles aufrichtig und ohne die Hand vor den Mund zu halten. Dass der wohltuende Reflex auch hier ansteckte, ließ sich nicht verkennen. Dann stand einer nach dem anderen auf, und ich blieb allein mit meinem Dijour.
Die Ansteckung führt dazu, dass alle Personen etwa gleichzeitig müde werden und schlafen gehen. Eine solche Synchronisation des Alltags ist durchaus wichtig. Denn würden nur einzelne schläfrig, um schließlich vor Müdigkeit umzufallen, andere dagegen zum Beispiel weiterziehen, wäre der Zusammenhalt der Gruppe gefährdet.
Platek konnte einen Zusammenhang zwischen Empathie und Nachahmungsverhalten herstellen. Personen, die sich nicht oder nur schwer vom Gähnen anderer anstecken lassen, haben danach eine geringere Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Diese These konnte von Iacaboni insofern bestätigt werden, als dass Beobachten und Nachahmen von Emotionen von anderen fast dieselben Erregungsmuster im Gehirn wachrufen.[37] Bei Schimpansen konnte beobachtet werden, dass sie sich ebenso vom Gähnen ihrer Artgenossen anstecken lassen. Britische und japanische Wissenschaftler sehen darin einen Beleg, dass Schimpansen ebenfalls über Einfühlungsvermögen verfügen.
Die genauen neuronalen Abläufe bei der Ansteckung des Gähnens sind noch unklar.[21]
Wiki sei dank