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Die Abenteuer des Kevin Braun


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#81 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 29 September 2011 - 14:32

Kapitel 7 – Pater Braun

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Die Nacht war über dem Dämmerwald hereingebrochen. Es war eine friedliche Nacht. Kein Lüftchen regte sich. Die Stille wurde jäh von zwei Wanderern durchbrochen, die über die Schotterstraße preschten als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her. Wobei: „Der“ Leibhaftige ist nicht ganz korrekt. „Die Leibhaftigen“ würde vermutlich besser passen.



ICH: „Schneller, schneller Rexxar. Nimm die Beine in die Hand. Sie sind direkt hinter uns.“



Ich wagte es nicht, nach hinten zu blicken. Wäre auch nicht nötig gewesen um zu wissen, ob die Verfolger von uns abgelassen haben. Haben sie definitiv nicht! Hinter mir hörte ich noch immer das Stampfen und das hungrige Schmatzen einer aufgebrachten Meute, die langsam näher zu kommen schien. Nicht deshalb weil sie besonders schnell waren, sondern weil uns langsam drohte die Kraft zu verlassen. Die Meute hinter uns wusste scheinbar nicht, was „Ausdauer“ bedeutet. Sie kannten nur ein Wort: „Hunger“.

Direkt neben mir sprintete Rexxar. Er lief, als hätte er einen Besen geschluckt. Seine Augen sahen aus als würden sie ihm gleich aus den Höhlen quellen. Sein Mund war vor Panik weit aufgerissen. Er schnaufte wie eine alte Dampflock.



REXXAR: „Ich, ich kann bald nicht mehr. Meine Stärke liegt in der Kraft, nicht in der Kondition eines Marathonläufers!“

ICH: „Nicht aufgeben, wenn du stehen bleibst ist das unser Ende. Reiß dich zusammen und renn um dein Leben!“



-KURZE PAUSE-



ICH: „Das ist alles deine Schuld! Ich hab von Anfang an geweigert auf einem Friedhof zu campen, aber nein! Herr Rexxar hat sich das in den Kopf gesetzt und war von dieser wahnwitzigen Idee regelrecht besessen!“

REXXAR: „Der Friedhof heißt „Stiller Garten“, ich dachte, dort wäre es friedlich.“

ICH: „Von wegen friedlich. Kaum war’s dunkel kamen die Zombies aus ihren Gräbern gekrochen. Hättest du dir gestern, wie ich es dir aufgetragen hatte, deine Füße gewaschen, hätten sie sich in ihrer ewigen Ruhe keineswegs gestört gefühlt! Jetzt haben wir den Salat.“

REXXAR: „Willst du damit etwa andeuten, dass ich stinke?“

ICH: „Fakt ist, dass du beginnst Schweißfüße zu entwickeln. Wenn du mich fragst: Mich wundert‘s nicht! Du rennst ja bei der größten Hitze mit deinen Pelzstiefeln herum und am Abend ziehst du sie aus! Entweder du behältst sie an oder du überlegst dir ernsthaft, dir ein paar Sommerschuhe zuzulegen!“

REXXAR: „Die waren ein Geschenk von meiner Großmutter! Willst du mir wirklich verbieten, dass ich die Stiefel meiner Oma nicht mehr anziehen darf?“

ICH: „Nein, will ich natürlich nicht!“

REXXAR: „Na also. Dann bleibt es dabei!“



Ich saugte die Luft zwischen meine zusammengebissenen Zähnen ein. In diesem Punkt kann man mit Rexxar nicht streiten.



ICH: „Reden wir von der selben...Oma, die dir auch die Henkersmaske gestrickt hat?“

REXXAR: „NEIN, die ist von meiner Großmutter der väterlichen Seite.“

ICH: „Dacht ich mir, deine Maske ist ein handwerkliches Meisterwerk. Deine Stiefel hingegen wirken etwas... sagen wir... grobschlächtig. In meinen Augen wirken die... als hätten die die Pranken eines Ogers gefertigt.“

REXXAR: „Eben, ein Meisterwerk! Diese Stiefel wurden mit Liebe gefertigt!“

Ich röchelte: „Das ist ein Scherz oder? Deine Großmutter war ein Oger?“

REXXAR: „Was hättest du denn gedacht? Denkst du ich nenne mich zum Spaß Halb-Ork?“

ICH: „Punkt für dich. Aber ein Oger. Ich weiß nicht. Ein Ork gemeinsam mit einem Oger?“, mich schüttelt‘s bei diesem Gedanken. „Brrr, ein widerlicher Gedanke. Verzeih mir meine Direktheit, aber leidet dein Großvater unter Geschmacksverwirrung?“

REXXAR: „Ich weiß nicht was meine Vorfahren geritten hat. Fakt ist, dass unser Orkstamm mit einem Ogerstamm Frieden geschlossen haben. Sie scheinen wohl die Klausel „vertragt euch und habt euch lieb“ etwas anders ausgelegt zu haben...“



Im Eiltempo flitzten wir die Straße hinunter – dicht gefolgt von Untoten aller Art. Seien es Ghule, Zombies, Skelette... es ist für jeden Geschmack das passende dabei. Ich blinzelte. Am Wegesrand winkte uns eine etwas buckelige Gestalt zu.



GESTALT: „Hierher, folgt mir, ich bringe euch in Sicherheit.“



Seine Stimme kam mir verdächtig vertraut vor. Doch ich hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Mit einem Hechtsprung hüpfte ich mit Rexxar durchs Gebüsch. Durch eine elegante Rolle dämpften wir unseren Sturz, waren mit der selben Bewegung wieder auf die Beine gekommen und stürmten nun mit dem buckeligen Verbündeten eine Böschung hinauf. In der Ferne zeichnete sich langsam die Silhouette eines gigantischen verfallenen Hauses ab – vermutlich eine alte Villa. In einer anderen Situation hätten mich keine zehn Pferde in das unheilverkündende Haus hineingebracht. Aber hatte ich in diesem Augenblich eine andere Wahl?



Die Gestalt war inzwischen bei der Eingangstür angekommen, zückte einen großen, sperrigen, vermutlich verrosteten Schlüssel aus seiner Tasche und begann mit gemächlicher Eile die Tür aufzusperren. Wir stürmten ohne abzubremsen in das Haus. Unser Verbündete schlug die Tür in die Angeln und versperrte ebendiese.



Rexxar und ich schnauften. Wir waren kaum in der Lage vernünftig zu sprechen.



ICH: „Vielen...*schnauf*...dank...*schnauf*...wärt ihr nicht gewesen...*schnauf*...wüsst ich nicht wie das...*schnauf*...für uns ausgegangen wäre.“



Langsam richtete ich mich auf und versuchte mich in dem dunklen Vorzimmer umzusehen. Recht viel konnte ich in der Dunkelheit nicht erkennen. Außer dass sich an den Rändern eine breite Treppe hinaufführten, die in eine Galerie im Obergeschoss mündeten.



ICH: „Wo sind wir hier?“

GESTALT: „Wir kennen dieses Haus nur unter dem Namen „Das Spukhaus der blinden Mary.“



Die Gestalt zündete ein Streichholz an und entflammte eine kleine Kerze die er plötzlich in seiner Hand trug. Das Licht reichte kaum aus um die Umgebung zu erhellen.



GESTALT: „Ich freue mich, dich wiederzusehen Kevin. Auch wenn ich wünschte, dass unser Treffen unter anderen Umständen stattgefunden hätte.“



Im flackernden Schein der Kerze offenbarte sich eine marode aussehende Gestalt. Das Haar war zerzaust, die Augen leblos. Als ich schließlich das Metallkiefer erhaschte, machte mein Herz vor Freude einen Sprung.



ICH: „Hänsel? Bist du’s wirklich?“



Begeistert sprang ich meinem Gegenüber an den Hals, umarmte ihn.



ICH: „Du bist es wirklich. Mann, ich kann dir gar nicht sagen wie froh ich bin, dich zu sehen.“



Hänsel hatte Schwierigkeiten, sich durch den überraschten Ansturm auf den Beinen zu halten. Lächelnd klopfte er mir auf die Schulter. Hinter mir räusperte sich Rexxar. Ihn schien der Anblick, dass ich einfach so bereit war eine verwesende Leiche zu umarmen nicht besonders zu gefallen.



ICH: „Darf ich vorstellen? Hänsel, das ist Rexxar, Rexxar, das ist Hänsel. Hänsel und ich haben uns früher gemeinsam einen kleinen Hof in Brill geteilt.“



Rexxar war noch immer verunsichert: „Es...freut mich...euch kennenzulernen.“

Bei jedem Wort stockte er kurz.

HÄNSEL: „Euch scheint meine Gegenwart nicht besonders zu behagen, hab ich Recht?“

Rexxar wehrte ab: „Nein, überhaupt nicht. Oder doch? Es ist einfach so... ich hab noch nie zuvor...“

Hänsel vervollständigte den Satz: „...einen quicklebendigen, sprechenden Untoten gesehen?“

Rexxar zögerte: „Ja...ich denke das trifft den Punkt soweit.“

Hänsel kicherte: „Wundert mich nicht. Wir sind sozusagen noch... eine Rarität.“

REXXAR: „Noch?“

Hänsel winkte ab: „Lassen wir das. In Wahrheit weiß keiner, wie viele von uns existieren beziehungsweise was passieren würde, wenn der Lichkönig mit einem Schlag die Kontrolle über die gesamte Geißel verlieren würde, ausgelöst durch einen bösartig verursachten Sturz aus einem Hochhaus oder dergleichen...“

REXXAR: „Lichkönig?“

ICH: „Ein böser, böser schwarz gekleideter Mann.“

REXXAR: „Ahhh.“



Ich betrachtete Hänsel ausgiebig. Wie ich zu Recht erkannte hatte sein Verwesungsprozess soweit angehalten. Zumindest sieht Hänsel noch genauso aus wie das letzte Mal, als wir uns gesehen hatte. Erst jetzt bemerkte ich, dass Hänsels Schultern zusammengesunken waren. Ich wurde mit einem Schlag ernst.



ICH: „Hänsel, ist alles in Ordnung?“ Ich sah mich um. Plötzlich dämmerte es mir.

ICH: „Wo ist Liddia, beziehungsweise was verschlägt dich überhaupt in den Dämmerwald?“

Hänsel seufzte nur traurig: „Hach, es ist eine lange Geschichte, aber ich versuche mich kurz zu fassen. Wie du weißt, sind unsereins, die sich nun „die Verlassenen“ nennen, frei denkende Untote, denen es möglich war, entweder durch einen starken Willen oder einfach nur aus Zufall dem Willen des Lichkönigs zu entkommen. Ich und Liddia waren einer der ersten, die sich dieser Kontrolle entziehen konnte...“ er seufzte erneut.



HÄNSEL: „Vor einiger Zeit begann sich schließlich Liddia zu verändern. Erst unmerklich, aber dann immer schneller. Sie bekam furchtbare Angstzustände, wurde still und zog sich immer häufiger in ihr Zimmer zurück. Immer häufiger hörte ich sie in ihrem Zimmer verzweifelt schreien. Sie schrie „er solle sie in Ruhe lassen, und aus ihrem Kopf verschwinden“ und so weiter. Leider verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Eines Tages kurz vor ihrem... Verschwinden... offenbarte sie mir die schockierende Wahrheit. Der Lichkönig versucht wieder die Kontrolle über Liddia und Andere zu erhalten.“



Hänsels Augen wurden leer – noch leerer als ich es bei einem Untoten für möglich gehalten hatte.



Am Ende war sie bereits wie vom Teufel besessen. Sie wurde völlig irre. Eines Tages ist sie schließlich in ihrem Wahn davongelaufen. Ich heftete mich an ihre Fersen und verfolgte sie bis hierher. Einerseits weil ich sie zu mir nach Hause zurückbringen möchte, andererseits weil ich wissen wollte, was der Lichkönig mit ihr, ebenso mit anderen, vorhatte.“



Er schüttelte traurig den Kopf: „Etwas furchtbares ist hier im Dämmerwald im Gange, doch ich bin unfähig, diesen Prozess aufzuhalten...“

Er blickte mich traurig an: „Du hast es vorhin bereits gesehen, was hier im Dämmerwald geschieht. Was der Lichkönig vorbereitet...“

ICH: „Die Untoten?“

HÄNSEL: „Ja. Die Geißel hat hier vor kurzem Fuß gefasst. Nicht mehr lange und der Dämmerwald ist verloren. In Rabenflucht beginnt soeben die Geißel zu wüten, doch ich befürchte, dass die Seuche schon bald hier in Dunkelhain um sich zu schlagen wird, schließlich in Goldhain und schlussendlich in Sturmwind. Wenn nichts geschieht, so fürchte ich, dass die menschliche Rasse schon bald an die Grenze der Ausrottung getrieben wird.“



Stumm lauschten wir seinen Erzählungen, unfähig selbst das Wort zu ergreifen. Diese Offenbarung hatte uns völlig aus dem Konzept gebracht.



HÄNSEL: „Und da schlimmste. Es war meine Liddia, die die Seuche in dieses Land gebracht hatte. Als ich selbst hier im Dämmerwald ankam war es bereits zu spät. Hirnlose Zombies erhoben sich aus ihren Gräbern, die begannen Rabenflucht anzugreifen. Noch versuchen sie der Geißel Einhalt zu gebieten, jedoch fürchte ich, dass sie schon bald überrannt werden.“ Er versank in tiefes Schweigen.



Ich war der Erste, der das Wort ergriff: „Wo befindet sich Liddia gerade?“



Hänsel deutete die Treppe hinauf: „Sie liegt oben im Bett. Ich habe sie dort festgebunden. Ich würde es nicht verkraften, wenn ich zusehen müsste, wie sie noch mehr Unheil stiftet...“

ICH: „Können wir sie sehen?“
HÄNSEL: „Nur zu, jedoch befürchte ich, dass euch der Anblick nicht besonders gefallen wird.“




Wir wurden von Hänsel in das oberste Stockwerk der gigantischen Villa gebracht. Von Weiten vernahmen wir bereits ein Toben und Zetern das uns durch Mark und Bein fuhr. Hänsel öffnete uns die Tür in ein kleines, abgedunkeltes Schlafzimmer. Kerzenschein erleuchtete den finsteren Raum nur notdürftig. Das Zimmer war nur sporadisch eingerichtet. In der Ecke stand ein riesiger morscher Eichenschrank. Die Gardinen waren löchrig und zerfetzt. Überall lag Staub und hangen Spinnenweben. In der Mitte des Raumes stand ein Doppelbett, auf welchem an Armen und Beinen eine Person angebunden wurde. Ich schauderte. Es handelte sich tatsächlich um Liddia. Sie sah noch genauso aus wie früher, doch war sie von einem Wahnsinn befallen, der mir regelrecht einen Stich ins Herz versetzte. Liddia kreischte unentwegt, strampelte herum und versuchte um jeden Preis von ihren Fesseln loszukommen – bisher vergebens. Vorsichtig näherte ich mich dem Bett.



ICH: „Liddia! Oh mein Gott, Liddia. Sieh mich an! Ich bin‘s, Kevin. Erkennst du mich nicht mehr?“



Liddia fixierte mich tatsächlich. Wurde ruhiger.



LIDDIA: „Ke...Kevin, du bist es wirklich... Bitte...h...hilf mir...“, ihr Gesicht verzog sich zu einer Fratze. „Er...will mich holen...lass es nicht zu...Kevin...“



Vor meinen Augen begann sie wieder zu zittern und zu brüllen. Sie begann wieder um sich zu schlagen. Jetzt war sie wieder völlig ihrem Wahnsinn verfallen.



ICH: „...sie ist besessen... völlig verrückt...aber sie hat mich erkannt. Noch ist nicht alles verloren...“

HÄNSEL: „Gelegentlich kommt sie wieder zu sich, doch diese Zustände werden immer seltener.“

ICH: „Noch ist nicht alles verloren. Noch können wir sie zurück holen.“

Hänsel blickte auf: „Was um alles in der Welt hast du vor?“

ICH: „Ich? Ich hole einen Priester!“



-ZWEI TAGE SPÄTER-



Frustriert hockte ich in mich zusammengesunken auf der Veranda. Mein Kopf pochte und fühlte sich unendlich schwer an. Ich stützte ihn auf meine Handflächen um ihn wenigstens irgendwie oben halten zu können. Doch selbst dies war heute eine Anstrengung für mich. Ich hole einen Priester, haha! Wie naiv ich nicht war. Als ob sich irgend ein Pfarrer freiwillig dazu bereit erklären würde einen Exorzismus bei einer Untoten durchzuführen. Fakt ist, dass Liddia vom Geißelfürsten besessen ist – was immerhin auch so etwas ähnliches ist wie ein Dämon. Es war nur logisch für mich einen Pfarrer aufzutreiben, der bereit war, ihr den Teufel auszutreiben. Nur hatte ich eine klitzekleine Kleinigkeit nicht beachtet. Der Zustand des Untodes war von den Priestern des Heiligen Lichts verpönt. Es waren zwar einige dabei die bereit waren ihren „Heiligen Zorn“ walten zu lassen, doch war dies nicht ganz in meinem persönlichen Interesse.

Jetzt hocke ich da und weiß nicht was ich tun soll. Ich sprang auf.



ICH: „Ach, wer braucht schon verdammte Priester, ich nehm die Sache einfach selbst in die Hand.“

Ich schrie ins Haus: „REXXAR? Komm mal her!“

Gehorsam kam der Bestienmeister abgetrottet: „Was gibt’s Kevin?“

ICH: „Pack deine Sachen, wir werden der Kathedrale von Nordhain einen Besuch abstatten...“



-VIEL VIEL SPÄTER-
-HINTER EINER DER ZAHLREICHEN RIBISELSTAUDEN AM WEGESRAND VON NORDHAIN-



REXXAR: „Wie wäre es mit dem da?“
ICH: „Nö, der ist mir zu klein.“


REXXAR: „Und der da?“

ICH: „Nein danke, die Robe imponiert mir nicht besonders...“

REXXAR: „Irgendwann musst du dich entscheiden. Jetzt hocken wir bereits seit zwei Stunden hinter der Staude und warten darauf, dass ein Pfaffe vorbeiläuft der deinen persönlichen Geschmack trifft.“

ICH: „ist wieder mal typisch. Du hast bekommen was du wolltest, und jetzt willst du natürlich gleich wieder abdampfen!“

REXXAR: „Ich kann nichts dafür, dass du so wählerisch bist!“

ICH: „Und ich kann nichts dafür, dass du bei der Kleidungswahl so bescheiden bist! Sieh doch deinen Fetzen mal an. Darin schaust du aus wie ein abgebundener Sack!“

REXXAR: „DAS IST EINE MÖCHSROBE. DIE SIND NUNMAL SCHLICHT GEHALTEN!“



Vor uns blieben zwei Priester stehen und starrten neugierig in die Richtung unseres Busches.



ICH: „Pssst, nicht so laut, wenn die uns entdecken können wir einpacken!“

Rexxaar grummelt leise vor sich hin – die Priester setzten ihren Weg fort.



ICH: „Puhhh, das war knapp! Und in Zukunft sei etwas leiser.“
REXXAR: „Jaja, schon gut. Keep cool, take it easy!“




Neugierig spähte ich wieder durch den Busch. Plötzlich machte mein Herz einen freudigen Sprung. Vor mir baute sich eine Gestalt auf, eingehüllt in einer schneeweißen Kutte, verziert mit einer schwarzen Umrandung. Auf der Brust trug er ein feuerrotes Kreuz, welches wiederum mit Goldfaden umrandet war. Am Kopf trug er eine gigantische, zur Kleidung passende Mitra. In der linken Hand trug er einen Stab in Kreuzform, in der anderen ein kunstvoll verziertes Gebetsbuch.



ICH: „Der da. Der ist perfekt!“

REXXAR: Bist du irre? Weißt du nicht wer das ist? Das ist Erzbischof Benedictus persönlich!“

ICH: „Na und? Bischof hin oder her! Den da will ich!“

REXXAR: „Wie du möchtest...“, bei diesen Worten griff Rexxar durchs Gebüsch und packte den Bischof an beiden Fersen. Es folgte ein überraschtes „Hey!“, danach ein lautes *platsch* als Rexxar kräftig an den Beinen des Bischofs zog und dieser wie ein Stück Holz auf der kunstvoll verzierten Pflasterstraße aufschlug, mit einem abschließenden kurzen schleifen, als Rexxar unser Zielobjekt im Gebüsch verschwinden ließ.





-NOCHMALS VIEL VIEL SPÄTER-
-NUR DIESMAL WIEDER ZURÜCK IN DER VILLA DER BLINDEN MARY-



Hänsels Augen zuckten. „Ihr habt WAS getan? Seit ihr von allen guten Geistern verlassen? Hast du überhaupt eine Ahnung von wem du dir das Zeug...ausgeborgt hast?“

Rexxar trocken: „Von Erzbischof Benedictus.“



Bei der Gleichgültigkeit von Rexxars Worten begann Hänsel zu straucheln.



HÄNSEL: „Ohhh...wie konntet ihr das nur tun, wie konntet ihr das nur tun...?“

REXXAR: „Hey, es war nicht meine Idee.“, er deutete auf mich, „Kevin hat sich den Fetzen eingebildet. Hätte ich noch ein paar Stunden hinter dem Gebüsch hocken sollen?“

ICH: „Was regt ihr euch so auf? Das war ein Pfaffe wie jeder anderer! Der hatte wenigstens Ansatzweise Geschmack.“

HÄNSEL: „Ohhh... du hast keine Ahnung...ohhh nein...was habt ihr überhaupt mit ihm gemacht?“

ICH: „Hinter das Gebüsch gezogen, ihn geknebelt, danach ihm seiner Kleidung entledigt, gefesselt, und anschließend im angrenzenden Stall verschwinden lassen, warum?“

Hänsel schüttelte nur ungläubig den Kopf: „Lieber Kevin, wie erkläre ich dir das nur... es war das Oberhaupt der Bruderschaft des Heiligen Lichts. Sollte jemals jemand herausfinden, wer ihm das angetan hast...tja... lass es mich so ausdrücken... dann wird wahrscheinlich die halbe Marineflotte von Sturmwind hinter euch her sein...“

ICH: „Nur die Ruhe. Keiner hat was gesehen, keine Zeugen. Was wollt ihr eigentlich? Sein Fummel schaut einfach großartig aus!“



Hänsel und Rexxar schüttelten nur wortlos den Kopf.



Ich sollte Recht behalten. Die Robe war eine Klasse für sich. Außerdem passte sie mir wie angegossen. Nur an die Bischofsmütze musste ich mich noch gewöhnen. Jetzt weiß ich wenigstens, warum die meisten alten Pfarrer einen Katzenbuckel entwickeln. Das Ding wog gut und gern ein paar Kilo.



Kurz darauf standen wir bereits wieder am Fußende von Liddias Bett. Ich in der Mitte in meiner vollen Priestermontur, rechts von mir Rexxar in Möchsrobe, dem die Ehre zuteil wurde, als Ministrant zum passenden Zeitpunkt die Glöckchen zu schlagen, während Hänsel etwas abseits stand, um dem ganzen Spektakel aus sicherer Entfernung beizuwohnen.



Hänsel unsicher: „Ähhh...Kevin, hast du sowas vorher schon mal gemacht?“

ICH: „Nö, wieso?“

HÄNSEL: „Sagen wir so: ich zweifle etwas an der Sinnhaftigkeit dieser Aktion.“

Ich grinste: „Du zweifelst hoffentlich nicht an meine göttliche Macht? Wo ist denn bloß dein Optimismus geblieben? REXXAR, LEUTE DIE GLÖCKCKEN.“



*ding*



Ich holte tief Luft. Ich blickte Liddia herausfordernd in die Augen, die bei dem Anblick nur diabolisch zu Lachen begann, bevor ich begann, langsam drei Kreuze in die Luft zu zeichnen.

Ich holte tief Luft, schlug das Gebetsbuch auf und begann mit meiner Predigt:



ICH: „In nomine lumine sancti Dei et Domini nostri, intercedente immaculata Dei Genetrice Terra et beato Elune, et sacra ministerii nostri auctoritate confisi, ad infestationes diabolicae fraudis repellendas securi aggredimur.”



Während ich das Gebet herunter ratschte wurde meine Stimme immer leiser und unsicherer. Nach der ersten Strophe versagte mir meine Stimme endgültig. Meiner Kehle entwich nur noch ein karges röcheln. Der Grund: Liddia kicherte vor sich hin und hatte offensichtlich Spaß an unserem kleinen Ritual. Sprich: Ich stand kurz davor, mich vor allen Zusehern lächerlich zu machen. Rexxar und Hänsel starrten mich während meiner Predigt nur entgeistert an.



LIDDIA: „Köstlich, köstlich, macht nur weiter so, ich amüsiere mich großartig!“

REXXAR: „Du Kevin...“

LIDDIA: „...hihihihi...“

REXXAR: „ich glaube nicht...“

LIDDIA: „...hrch hrch hrch...“

REXXAR: „...dass sie das *grrrrr*...“

LIDDIA: „...huhuhuhuhu...“

REXXAR: „*grmbl* besonders beeindruckt.“

LIDDIA: „...harharhar...“



Der Ork explodierte vor Zorn. Das ewige gekicherte scheint ihm bereits den Nerv zu rauben. Er lief blutrot an, wirbelte zu Liddia herum und brüllte los: „Halts Maul Dämon. Ein Sturm von Kopfnüssen wird auf dich niederhageln, meine stählerne Faust wird dich in tausend Stücke schlagen.“



Es schien zu wirken. Liddia hatte sich vor Angst in die Matratze gepresst und biss sich gleichzeitig auf ihre blutleeren Lippen. Sie hatte einen entsetzen Ausdruck aufgesetzt. Rexxar entspannte sich wieder. Inzwischen hatte er bereits wieder seine hellbraune Farbe angenommen.



Ich klopfte Rexxar auf die Schultern: „Geht’s wieder?“
Rexxar murmelte irgend etwas in seinen nicht vorhandenen Bart.




Ich kam nicht dazu mich wieder Liddia zuzuwenden. Plötzlich flog hinter uns die Tür mit einem lauten Knall auf. Wir fuhren zusammen als insgesamt vier Soldaten von Sturmwind im Militärschritt ins Zimmer getrottet kamen und sowohl links als auch rechts von der Tür Stellung bezogen. Aus allen Wolken fiel ich jedoch erst, als eine fünfte Person mit langsamen Schritt ins Schlafzimmer marschiert kam. Auf der Höhe der Soldaten blieb er stehen. Er war nur mit einem dünnen hellblauen Nachthemd bekleidet, welches nur notdürftig seine geheiligten Knie bedeckte. An seinem Füßen trug er flauschige weiße Häschenpantoffel.



Ich, Rexxar und Hänsel gleichzeitig: „Erzbischof Benedictus!“



Der Bischof hatte mich bereits fixiert. Betrachtete mich lange. Sein linkes Auge zuckte, während sein Mund vor Zorn bebte. Mein Anblick musste sein Blut ja regelrecht in Wallungen bringen. Denn ich stand vor ihm, bekleidet mit den kürzlich von ihm entwendeten Accessoires.



ICH: „Wie...wie habt ihr uns gefunden?“

BENEDICTUS: „Das Licht hat mich geführt...außerdem ist in meiner Robe ein Zauberfaden eingearbeitet damit ich sie im Zweifelsfall wiederfinde...“, er betrachtete mich erneut: „Was picht euch an, mir mein geheiligtes Hab und Gut zu entwenden? Euch ist hoffentlich bewusst, dass dieses Sakrileg ein Nachspiel haben wird?“

Ich trotzig: „Das nehme ich in Kauf. Daran ist nur euer #@%$?@ Verein schuld. Hätte sich wenigstens irgendjemand bereit erklärt, mir bei einem Exorzismus bei Seite zu stehen, wäre es nicht nötig gewesen zu solch drastischen Maßnahmen zu greifen! Deshalb nehme ich die Sache jetzt selbst in die Hand!“

Benedictus explodierte nun endgültig: „WIE BITTE? Wie könnt ihr es wagen? Ihr wollt ALLEINE einen Exorzismus durchführen? IHR? Ein Amateur? Dass ich nicht lache!“



-kurze Pause-



„Gebt mir den Stab! Und meine Kleidung! Jetzt lasst mal einen Profi ran!“



Wortlos schlüpfte ich aus seinem Gewand. Als er es wieder angezogen hatte, krempelte sich der Bischof die Ärmel hoch uns stapfte Richtung Bett. Mit einer raschen Bewegung hatte er drei Miniatur-Kruzifixe, die auf einem langen Silberkettchen aufgefädelt waren, aus der Tasche geangelt, und hielt diese Liddia vor die Augen. Deren Gesichter waren dabei kaum eine handbreit voneinander entfernt.



BENEDICTUS: „Im Namen des heiligen Lichtes fange ich die Ausgeburten der Finsternis und mache sie unschädlich. Höre mich an du böser, garstiger Dämon. Kraft meines Amtes befehle ich dir: Lass‘ ab von deiner schändlichen Tat und fahre aus diesem Weibe.“



Gleichzeitig fingen die Kruzifixe an der Kette an zu leuchten die einen kegelförmigen Lichtstrahl in Liddias Richtung warfen.



BENEDICTUS: „Durch die Kraft des heiligen Lichtes verbanne ich dich von dieser Welt und verdamme dich in die tiefsten Abgründe der Hölle!“



Ein weiterer greller Lichtstrahl erhellte das Zimmer. Danach kehrte wieder dämmriges Kerzenlicht in den Raum zurück. Der Bischof grinste zufrieden und packte wieder die Kruzifixe weg.



Benedictus zu uns: „Seht ihr? Kein Grund zur Aufregung...“

Hinter ihm begann sich etwas zu regen.

Liddia begann wieder diabolisch zu gackern: „Ist das etwa schon alles? Denkt ihr wirklich, ihr könnt mich austreiben alter Mann? Kommt her, ich fordere euch heraus!“



Der Bishof ballte die Fäuste: „Wachen! Verlasst den Raum. Das hier ist eine persönliche Angelegenheit!“



Wortlos wuselten die Wachen mit strengster militärischer Disziplin wieder aus dem Zimmer.



Der Bischof zu uns: „Verriegelt die Tür und schließt die Fenster. Danach verzieht euch in eine Ecke und seit still!“



Ohne etwas darauf zu erwidern kamen wir diesem Befehl nach.



BENEDICTUS: „Ich beschwöre die geheiligte Kraft der vier Elemente. Erde, Feuer, Wasser, Luft. Kommt zu mir und seit mir zu Diensten.“



Der Körper des Pfarrers begann unscheinbar im weißen Licht zu leuchten. Danach legte er die Flache Hand auf Liddias Brust und jagte ihr einen Lichtstrahl aus reinster Energie durch den Körper. Liddia kicherte bei der ganzen Prozedur unentwegt. Als auch dies keine Wirkung zeigte, änderte der Bischof seine Taktik. Er fokussierte seine Energie und ließ im Sekundentakt eine Säule aus reiner Energie auf den untoten Körper niedergehen. Rexxar und ich hatten bereits unsere Sonnenbrillen gezückt und verfolgten gebannt die Prozedur.



BENEDICTUS: „Durch die Kraft des Lichtes, von Elune und...“

*knurps*

„...der Erdenmutter...“

*knurps knurps*

„...bitte ich euch um eure Unterstützung...“

*knurps knurps knurps*



Der Erzbischof wirbelte zu uns herum und brüllte uns an.



BENEDICTUS: „Seit ihr von allen guten Geistern verlassen? Seit verdammt nochmal ruhig!“



-kurze Pause - *knurps*



BENEDICTUS: „Himmelherrsakramentnochmal!“



Wortlos packten wir wieder unser Popcorn weg. Schade. Gerade jetzt wo es spannend wird.



Die nächsten zehn Minuten zuckten wieder Lichtblitze durch den Raum mit einer abschließenden Lichtsäule, die vermutlich noch in den Vororten von Lordaeron zu sehen war.

Benedictus schweißgebadet: „Weihwasser! Wir brauchen mehr Weihwasser!“

ICH: „Wir haben keins mehr!“

BENEDICTUS: „Dann bringt mir einen Ersatz!“



Ich nickte Rexxar zu: „Du weißt was zu tun ist?“

Er nickte mir zu und huschte aus dem Zimmer. Kurze Zeit später kehrte er mit einer Schüssel wieder zurück.“



BENEDICTUS: „Was dauerte da so lange? Kommt gefälligst her!“



Ich nickte Rexxar dankend zu, nahm ihm die Schüssel ab und näherte mich dem Erzbischof. Dieser murmelte einen seiner Standardsegen und bat mich danach, Liddia mit dem „geheiligten Wasser“ zu bespritzen. Ich hatte jedoch andere Pläne! Mit gemächlichen Schritten trat ich ans Bett. Ich starrte zuerst in die wabernde Flüssigkeit in der Schüssel, danach auf Liddia und begann zu grinsen. Ihr Lachen verstummte schlagartig.



DÄMON: „Wage es ja nicht...!“



Ich hob die Schüssel über den Kopf: „Mit der Kraft meines Amtes und mit der Kraft des Koffeins befehle ich dir, diesen Körper fallen zu lassen, Dämon. Mögest du an der Bitterkeit von ungezuckerten Kaffees von innen heraus verbrennen!“



Mit einer raschen Bewegung hatte ich Liddia die Schüssel an die Lippen geführt und zwang sie dazu, die ganze Schüssel der vom Licht gesegneten schwarzen Köstlichkeit auszutrinken. Plötzlich wurde ein schwebender Schädel Raum sichtbar. Es war das Abbild von Arthas, dem Prinzen von Lordaeron.



ARTHAS: „Dieser Geschmack... kommt mir verdächtig vertraut vor. Ich erinnere mich an die östlichen Königreiche... an ein kleines Gasthaus in Lordaeron, welches ich besuchte als ich von Nordend zurückkehrte... ich erinnere mich an die saftigen Schnitzel und das schwarze Göttergetränk – wie nennt man es noch schnell? Richtig! Kaffee!“



Liddia schlug die Augen auf und glupschte irritiert. Plötzlich erschien ein zweiter Kopf links von Arthas. Es war die hässliche Visage eines alten Orks.



NER’ZHUL: „Verdammt Arthas, konzentriere dich, du verlierst die Kontrolle!“

ARTHAS: „Heyhey nur die Ruhe, alter Mann. Willst du mir verbieten in meinen Erinnerungen zu schwelgen?“

NER’ZHUL: „Natürlich nicht! Aber pass besser auf, an was du denkst! Ich will nicht riskieren, dass du die Verbindung zu dieser Untoten verlierst. Sie ist für meinen finsteren Plan unentbehrlich!“

Arthas Kopf wuchs zu neuer Größe an: „DEIN FINSTERER PLAN? Nummer eins: War das verdammt noch mal meine Idee, Sturmwind mit der Geißel zu überrennen, und Nummer zwei: würdest du dir ohne meine Hilfe noch immer deinen Arsch am Frostthron abfrieren!“



Sein Kopf schrumpfte wieder zur normalen Größe zusammen.



NER’ZHUL: „Du hast schon mal gar nichts zu melden! Ich hätte mir auch jeden anderen Idioten angeln können der dumm genug wäre mich aus dem Eis zu fischen.“

ARTHAS: „So ist das also! Ich bin ein Idiot sagt er. Ich würde nicht der geistigen Norm entsprechen, sagt er. Nur schade, dass der werte Nerz’hul alias der Lichkönig nicht in der Lage war, sich ohne die Hilfe eines Idioten aus dem Eisblock zu befreien!“



Benedictus mischte sich ein: „Du sagst... diese hässliche grüne Visage war einst der Lichkönig? Kein Wunder, dass er in einen Eisblock gesperrt wurde!“



Ner’zhul plusterte sich auf: „Was für ein kleiner nichtsnutziger Wicht wagt es, den großen Ner’zhul von hinten anzuquatschen?“

Arthas flüsterte ihm von der Seite zu: „Der Pfaffe da drüben. Der war übrigens mein Religions-Lehrer.“

Ner’zhul zu Benedictus: „DU! Für diese Frechheit wirst du mit Konsequenzen zu rechnen haben.“ Der Kopf presste seine Lippen zusammen und bebte und stöhnte als würde er versuchen ein Überraschungsei zu legen. Plötzlich gingen die Pantoffel des Bischofs in Flammen auf. Dem Pfarrer entwich ein überraschter Schrei und hüpfte im Zimmer herum wie der große Schamane Thrall, der versuchte einen Regentanz auszuführen. In diesem Fall versuchte der Pfarrer jedoch nur, irgendwie die Flammen zu löschen.



NER’ZHUL: „Sei froh, dass meine Macht über die große Distanz etwas eingeschränkt ist. Sonst wäre es für dich nicht so glimpflich ausgegangen. Lass dir das eine Lehre sein!“

Arthas aufgelöst: „Ner’zhul. Warum hast du seine Häschenpantoffel angezündet? Sie waren doch so...so...flauschig! Hättest du nicht einfach seine hässliche Mitra anzünden können? Jetzt reicht‘s! Jetzt hab ich die Faxen endgültig dicke! Raus mit dir! Raus aus meinem Helm!“

NER’ZHUL: „Hey, immer mit der Ruhe, komm wieder runter!“

ARTHAS: „Nein, ich beruhige mich nicht! Seit Ewigkeiten tanzt du mir auf der Nase herum und mimst den großen Obermacker der meint, er könnte mein ganzes Leben diktieren. Sicher nicht! Dort ist die Tür, und jetzt raus mit dir. Das ist MEIN Helm, und DU bist hier nicht willkommen!“

NER’ZHUL: „Warum kommst du nicht rüber und sagst mir das ins Gesicht Mister Supertaff?“

ARTHAS: „Mister? Dein letztes Wort wird Sir sein, und zwar laut! Hast du das verstanden?“

NER’ZHUL: „Ansprüche stellen auch noch, du kannst mich mal!“

ARTHAS: „Wenn du jetzt nicht augenblicklich verschwindest, dann garantiere ich für nichts mehr! Wenn ich mit dir fertig bin werden deine Überreste locker in eine Fischdose passen!“



Ein heftiges Gerangel zwischen den beiden Köpfen entsteht



ARTHAS: „Raus mit dir!“

NER’ZHUL: „Nein!“

ARTHAS: „DOCH!“

NER’ZHUL: „Nein, Nein, Nein!“

ARTHAS: „Doch, doch, doch!“



Liddia wird endgültig wach. Mühsam setzte sie sich auf. Ihr scheint noch etwas schwindlig zu sein.



NER’ZHUL: „Arthas, was hast du getan? Du hast sie verloren!“

ARHTAS: „Was schaust du mich an? Das ist alles deine Schuld!“



Der Kampf wird intensiver.



NER’ZHUL: „Arthas, pass auf! Hinter uns! Das Fenster!”

Arthas grinste sadistisch: „Wie wahr mein Liebster, wie wahr!“

Der Kopf von Ner’zhul verschwand. Es folgte ein lauter Schrei mit abschließenden *platsch* das klang, als würde Ner’zhul im Tiefschnee aufschlagen!“



ARTHAS: „Wenn du schon mal draußen bist, dann nimm dein Zeugs auch gleich mit. Hier! Deine Zahnbürste, deine Unterhosen! Kannst du alles haben! Nur deinen Kaktus, den behalt ich mir! Was hast du gesagt? Ich soll’s mir nochmals überlegen? Vergiss es! Jetzt sehe ich das erste Mal, wie viel Platz ich hier drinnen ohne dich habe! Komm ja nicht auf die Idee zurückzukommen. Ab morgen sind die Türschlösser ausgetauscht, Verstanden?“



Arthas schien uns völlig vergessen zu haben. Er meckerte und murmelte noch immer herum, während sein Kopf langsam verblasste. Der Fluch ist gebrochen. Der Dämon hatte von Liddia abgelassen.



Hänsel stürzte zu Liddia ans Bett: „Liebste? Wie geht’s dir? Ich habe mir solche sorgen um dich gemacht! Ist alles in Ordnung mit dir?“

Liddia lächelte, während sie liebevoll Hänsel umarmte: „Keine Sorge, mir geht es gut, vielen Dank, dass du mich nicht aufgegeben hast!“



Hänsel drehte sich zu uns um: „Bedanke dich nicht bei mir, bedanke dich lieber Bei Kevin, bei... ähhh... dem Ork...“

REXXAR: ...Rexxar...“

HÄNSEL: ...Rexxar, richtig, und bei unserem Erzbischof Benedictus, das Oberhaupt von der Bruderschaft des Lichts. Ohne ihre Hilfe würdest du nicht mehr unter uns weilen.“



Benedictus selbstzufrieden: „Ach, das war doch gar nichts.“, er wandte sich zu uns um, „Und jetzt zu euch, seit ihr bereit, für euer Vergehen die Faust Elunes zu spüren zu bekommen?“

ICH: „Ich bitte darum, doch würde ich es mir in eurem Fall nochmals gut überlegen. Immerhin war ICH es, der den Exorzismus durch mein heldenhaften Eingreifen erfolgreich abschließen konnte. Was mich zur Frage führt: Wie würden eure Ordensanhänger reagieren, wenn ich mich verplappern sollte? Möglicherweise würden sie eure Position als Erzbischof in Frage stellen. Solltet ihr es jedoch belassen... bin ich mir sicher, dass ich dieses Ereignis bestimmt beizeiten vergessen würde.“

Benedictus bebte vor Zorn: „Erst überfällt ihr mich, und jetzt bestecht ihr mich auch noch. Mister Braun, ihr habt es in der Tat faustdick hinter den Ohren.“, er reichte mir die Hand. „Also abgemacht. Ich vergesse den Übergriff auf meine Person und Ihr vergesst dafür eure Rolle in dieser Teufelsaustreibung.“

Ich schlug ein: „Abgemacht.“

Benedictus machte kehrt: „Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet. Ich hab heute noch ein Meeting mit dem Zwielichts...“, er begann lautstark zu husten, „ich meinte mit einem kleinen Clan, der meine Anwesenheit erwünscht.“

Eilig huschte er mit seinem Gefolge die Treppe hinunter.



Ich nachdenklich: „Da geht er hin, der einzige Streiter des Lichts, der bereit war, einem Untoten zu helfen – ohne Fragen zu stellen. Dazu bereit, jeden Unschuldigen wieder zurück ans Licht zu führen.“

Liddia huschte neben mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange: „Ich danke dir, dass du mich zurückgeholt hast Kevin. Es ist eine Tat, die ich dir vermutlich niemals vergelten kann.“
Ich lächelte: „Ach, bedanke dich nicht bei mir, sondern bei meinem Kaffe. Durch die Macht des Koffeins ist er in der Lage, sogar wieder Tote zum Leben zu erwecken – und den Lichkönig zu vertreiben, auch wenn es sich bei letzteren um meinen viel geschätzten Freund Arthas handelte. Ich seufzte traurig.


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#82 DamnedFreak

DamnedFreak

    Freakadin

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Geschrieben: 30 September 2011 - 07:12

danke! ;)
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#83 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 13 October 2011 - 15:56

Hey hey :P

habe dich natürlich nicht vergessen ! Bin aber jetzt erst wieder dazu gekommen, wir zu schreiben. Ich bin wie immer begeistert :P Und ich will mehr !

Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich jedoch noch: Und zwar finde ich, das du zu Beginn eines Kapitels, vllt noch einmal kurz das vorherige Kapitel erwähnen könntest. Also nur einem kleinen Satz: Nach dem Rexxar und Kevin... so z.B. Weißte ? Und zwischen den Dialogen vllt auch mal als Erzähler einspringen^^

Aber ansonsten bleibe ich dir auch weiterhin treu !
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#84 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 17 October 2011 - 09:54

Hallo Elroth :)
Vielen Dank für dein Feedback und deine Verbesserungsvorschläge.
Ich bin mir leider nicht ganz sicher, wie du das mit dem Kapitelanfang meinst. Meinst du, die Kapitel setzen zu abrupt an einer anderen Stelle an, bzw. dass der Bezug zum vorigen Kapitel fehlt und die Geschichte deshalb schwerer nachzuvollziehen ist?
In diesem Fall wäre es natürlich kein Problem, die Kapitelübergänge etwas fließender zu gestalten.

Der zweite Punkt ist schon etwas schwerer zu realisieren. Die Geschichte spielt aus der Sicht von Kevin, das heißt, eigentlich ist Kevin der Erzähler. Das ist auch der Grund, warum ich Kevin nur als "ICH" auftreten lasse. Ich denke nicht, dass ich mich jetzt noch erfolgreich als Erzähler einbringen kann, ohne das Bild, wie die Geschichte zu lesen ist, zu zerstören. Generelle Erzählpassagen, die in den letzten Kapiteln in der Tat nur sehr spärlich gestreut waren, kann ich natürlich wieder vermehrt einbauen. Aber eben nur aus der Sicht von Kevin, und nicht aus "meiner" Sicht als Geschichtenschreiber :)

Liebe Grüße
Mafi
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#85 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 18 October 2011 - 09:18

Hey :P

Ja, so wie du es geschrieben hast meinte ich es. Es muss ja auch nicht in jedem Kapitel passieren, aber manche setzen zu abrupt an. Ja, meinte auch Erzählungen aus der Sicht von Kevin :-)

Ich muss dir echt sagen, würdest du Geld verlangen fürs Lesen, würde ich es bezahlen :D

Freue mich auf die weiteren Teile ;-)

Lg
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#86 DamnedFreak

DamnedFreak

    Freakadin

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Geschrieben: 14 November 2011 - 11:45

kann man bald auf ne fortsetzung hoffen? :)
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#87 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 15 November 2011 - 13:04

Hallo :)
eine Fortsetzung wird es natürlich geben, nur leider stellt mich das nächste Kapitel vor nicht unerhebliche Schwierigkeiten was die Handlung anbelangt. Ich hab mir zwar schon auf eine Grundhandlung festgelegt, nur geht mir das Kapitel alles andere als einfach zur Hand. Sprich: Es fällt mir inhaltlich verdammt schwer es zu schreiben.

Ich hoffe aber, dass ich das nächste Kapitel noch im Laufe dieses Monats (eher Ende bzw Anfangs nächsten Monats) veröffentlichen kann.

Liebe Grüße
Mafi
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#88 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 25 November 2011 - 13:41

Kapitel 8 – Die Jagd nach dem rosa Elefanten
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Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr und werd nicht mehr! Mir ist heiß, und die Kleidung klebt regelrecht an meinem Körper. Ich weiß nicht woran es liegt. Entweder daran, dass ich wie ein Weltmeister schwitze, oder daran, dass hier im Dschungel des Schlingendorntals eine Luftfeuchtigkeit herrscht, dass ich die Luft um mich herum schon beinahe schlürfen konnte. Außerdem fühle ich mich permanent beobachtet, als würde irgend eine Bestie am Wegesrand nur auf den richtigen Moment warten um zuzuschlagen.

Ohhh jaaa... Wie sehr wünsche ich mir das dunkle Dickicht des Dämmerwaldes zurück. Dort musste ich zwar auch jederzeit damit rechnen, dass mir irgend ein dahergelaufener Untoter das Hirn aussaugen möchte, aber wenigstens herrscht dort eine angenehme Temperatur. Ich verstehe die Welt sowieso nicht mehr. Bis vor einem Augenblick war es noch schön kühl, doch kaum hielten wir nur eine Zehe ins Schlingendorntal und schon wurden wir von der heißen, stickigen Luft regelrecht erschlagen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Typen mit Kreislaufproblemen bei einer Reise in den Dschungel einen plötzlichen Kreislaufkollaps erleiden. Jetzt verstehe ich auch, warum die Tiger am Waldrand vom Dämmerwald so fett sind: Massenweise Beute, die einfach so nebenbei wegen eines spontanen Hitzeschlags aus den Latschen kippt.

Was war seit unserem erfolgreichen Exorzismus geschehen... ich überlegte. Nicht sehr viel muss ich zugeben. Wir leisteten Hänsel und Liddia noch etwas Gesellschaft, bevor wir uns herzlich verabschiedeten und wieder getrennte Wege gingen. Während wir uns auf den Weg Richtung Süden machten, schlugen unsere untoten Verbündeten ihren Weg nach Norden ein. Zurück nach Lordaeron in ihre neue Heimat. Weiter konnte ich den Gedanken nicht weiterspinnen, denn just in dem Moment blieb Rexxar abrupt stehen. Er riss seinen linken Arm mit einer zackigen Bewegung in die Höhe und deutete mit seinen Wurstfingern in die Ferne.

REXXAR: „Wir sind fast da, da vorne ist es!“

Ich glubschte angestrengt in die Ferne. Das einzige was ich zu Gesicht bekam war die gigantische Sonnenscheibe, am Rande des Meeres hinter dem Horizont verschwand. Vom Licht der Sonne geblendet, wendete ich meinen Blick wieder ab.

ICH: „Ich kann nichts erkennen, außer eine weitläufige Küste.“
REXXAR: Genau das! Und irgendwo hier in der Nähe befindet sich unser Ziel. Das Basislager von Grom’gol, und somit auch der Zeppelinturm nach Kalimdor.

Stumm setzten wir wieder unseren Weg fort. Es dauerte nicht lange, bis ich mich wieder im Gedanken verlor. Ich dachte zurück an den kürzlich ausgeführten Exorzismus und an ihn... Arthas. Ich weiß echt nicht mehr, was ich von ihm halten soll. Einerseits hatte er keinerlei Skrupel, das letzte Bastion der Menschheit, Sturmwind, mit der Geißel zu überrennen, andererseits deutete an seiner Art, wie er sich gab, nicht darauf hin, dass er zu einem hasszerfressenen Monster geworden war. War es überhaupt Arthas‘ Idee die Menschheit auszurotten? Oder lag es ausschließlich am Geflüster des boshaften Möchtegern-Schamanen Ner’zhul? Warum muss das alles nur so kompliziert sein? Von dem ewigen nachdenken bekomme ich bereits Kopfschmerzen.

In der Ferne konnte ich bereits die Umrisse eines kleinen Dorfes erkennen. Mein Herz wollte vor Freue beinahe einen Sprung machen. Doch die Vorfreude währte nicht lange. Je näher wir kamen und je mehr Details ich erkennen konnte, desto unwohler fühlte ich mich.
Erkannte ich anfangs nur ein befestigtes Dorf, aus dem ein paar Rauchschwaden aufstiegen, so erkannte ich bereits bald darauf einen morschen Palisadenzaun, eingegrabene blutverschmierte Speerpflocke und grimmig dreinschauende, vernarbte Ork-Wachen, die mit rostigen Spaltbeilen bewaffnet waren.

ICH: „Ich glaub nicht, dass es besonders klug ist, dort aufzutauchen.“
REXXAR: „Warum? Das ist ein Dorf wie jedes andere. Ich verstehe deine Bedenken nicht.“
ICH: „Ein Dorf wie jedes andere? Hast du dir das Dorf schon mal genauer angeschaut? Das ist eine rückständige, vom Krieg gezeichnete Dschungelfestung!“
REXXAR: „Das heißt gar nichts. Gelegentlich gibt es ein paar Reibereien mit ein paar ansässigen Ogern und Trollen, aber das ist nicht der Rede wert.“
Ich sarkastisch: „Nur Reibereien? Da bin ich aber erleichtert! Wäre es mehr, dann würde garantiert noch etwas mehr als ein bisschen Blut an den Speerfallen des Lagers kleben! Würde es Krieg geben, dann würden vermutlich ein paar abgeschlagene Ogerköpfe die Speerspitzen zieren!“
Rexxar trocken: „Ganz genau!“

Ich schluckte erschrocken.

Rexxar schien meine Bedenken, beziehungsweise meine Angst zu spüren, denn er versuchte mich mit einer väterlichen Stimme etwas zu beruhigen. Er scheiterte kläglich!

Rexxar: „Mach dir nicht zu viele Sorgen. Wir sind kein so blutrünstiges Volk wie es vermutlich für dich den Anschein hat. Wir haben noch keinem Fremden den Kopf abgerissen..., also abgesehen von ein paar Ogern, ein paar Trollen, ein paar Allianzlern, ein paar...“

Meine Augen weiteten sich immer mehr vor Panik, je länger Rexxar die Liste fortführte. Als er meinen entsetzten Blick bemerkte, räusperte er sich nur rasch und versuchte verlegen zu lächeln.
Inzwischen waren wir so nahe, dass ich bereits das Weiße in den Augen der Dorfwachen erkennen konnte. Erschrocken musste ich feststellen, wie sie in meine Richtung blickten und einen sadistischen, mordlustigen Blick aufsetzten. Einer bleckte sogar die Zähne und fuhr mit dem Daumen über die Schneide seiner rostigen Axt.

REXXAR: „Ich, ähhh... was ich damit ausdrücken wollte war... ähhh, dass du dir keine Sorgen machen musst, solange du in meiner Nähe bleibst.“
Ich sarkastisch: „Na da bin ich aber beruhigt! Können wir jetzt trotzdem umkehren?“
REXXAR: „Zu spät!“.

Mit gemächlicher Eile schlenderten die beiden Wachen in unsere Richtung und nahmen links und rechts von uns Aufstellung.

WACHE 1: „Sieh an, sieh an, was haben wir denn da? Sieht ganz danach aus, als hätte unser Ork-Kollege Allianz-Abschaum beim bespitzeln gefunden. Nicht wahr Bruderherz?“
WACHE 2: „Wie wahr, Bruder. Ich frage mich, was wir mit ihm anstellen? Köpfen, Vierteilen oder Aufknüpfen?“
Ich hob abwehrend die Hände: „Hey, nicht so voreilig! Ich hab hier niemanden bespitzelt. Mein Kollege kann’s bezeugen!“
WACHE 1: „Ein schwächlicher Mensch bezeichnet einen Ork als seinen Kollegen? Ist heute etwa schon Weihnachten? Dass ich nicht lache. Ha!“
REXXAR: „Es stimmt aber! Wir kommen in friedlicher Absicht. Wir wollen nur mit dem Zeppelin nach Kalimdor reisen. Mehr nicht! Lasst uns passieren.“

Die Wachen starrten sich gegenseitig überrascht an.

WACHE 2: „Du, ein Ork ist mit einem Menschen befreundet? Ist das dein Ernst?“
REXXAR: „Naja, ganz so stimmt es auch nicht. Eigentlich bin ich kein Ork. Ich bin eine Mischung aus Ork und Oger...“
WACHE 1 + 2: „EIN OGER! SCHNAPPT IHN!“

*KLATSCH* Mit einem gekonnten Faustschlag ließ Rexxar dem ersten Angreifer seine gestählte Faust schmecken. Grunzend ging die Wache in die Knie. Mit der linken Hand bedeckte er sein schmerzendes Maul. Die zweite Wache stockte in der Bewegung.

REXXAR: „Was ist jetzt? Dürfen wir jetzt passieren oder nicht?“
Die zweite Wache stammelte: „Also, schon rein aus rechtlicher Sicht dürften wir euch nicht vorbei lassen. Bei dir als Halbork könnten wir noch eine Ausnahme machen, aber nicht bei deinem menschlichen Begleiter.“
REXXAR: „Verdammt noch mal! Wir wollen doch nur den Zeppelin nehmen. Verstehst du? Den Zeppelin! Hättet ihr diese verdammte Anlegestelle VOR dem Lager aufgebaut, dann müssten wir doch eure Festung gar nicht betreten! Und jetzt lasst uns durch!“
WACHE 2: „Wie gesagt, Gesetz ist Gesetz, wir dürfen euch nicht...“

Im Dorf ertönte eine krächzende Stimme. „Lasst sie durch!“ Rief sie. Kurz darauf kam ein kleiner grüner Knilch angewuselt. Es war ein hässlicher kleiner Goblin mit einem Monokel im rechten Auge, sowie eines gigantischen Nasenrings. Sein Zinken war so lang, dass ich mich insgeheim fragte, wie er es fertig brachte, diese nicht im Boden vor ihm vor sich her zu schleifen. Seine Kleidung bestand aus einem grün gefärbten Fliegeroutfit, einschließlich massiver Lederhandschuhe sowie völlig überproportionierten braunen Lederstiefeln. Von seiner Taille baumelte ein kleines hübsch verziertes Kurzschwert welches unsereins eher als Zahnstocher benutzen würde. An seiner linken Brust war ein kleines Emblem mit der Aufschrift „Himmelskapitän Bombenkracher“ befestigt. Er verbeugte sich vor uns mit einer eleganten Bewegung.

BOMBENKRACHER: „Darf ich vorstellen? Mein Name ist Bombenkracher. Himmelskapitän von „der eiserne Adler“. Ich habe gehört, ihr sucht nach einer Mitfahrgelegenheit nach Kalimdor? Dann seit ihr bei mir goldrichtig!“

Der Kapitän wendete den Blick von uns ab, starrte die Wachen mit einem verächtlichen Blick an und gab dem ohnehin schon geohrfeigten Ork einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf. Ich vermute dass die kniende Wache deshalb für die Prügel herhalten musste, weil der Goblin beim anderen (stehenden) Ork gar nicht an seinen Hinterkopf gelangt wäre.

BOMBENKRACHER: „Seit ihr von allen guten Geistern verlassen? Wie könnt ihr es wagen, zahlende Kundschaft aus dem Lager fern zu halten? Wie haben eine Abmachung. Der Turm untersteht uns Goblins. Somit seit ihr verpflichtet unsere Kunden ins Lager zu lassen!“
WACHE 1: „Tut uns wirklich leid, das wussten wir nicht. Ich dachte, da es unser Lager ist, dann...“

Eine weitere Ohrfeige folgte: *Klatsch*

BOMBENKRACHER: „Ihr denkt einfach zu viel! Wenn eine solche Dummheit nochmals vorfällt, dann kann ich für nichts mehr garantieren!“ Er wendete sich wieder uns zu: „Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, bitte verzeiht ihnen ihr rüdes Verhalten. In ihrem Herzen sind sie nur Peons. Für die gewöhnlichen Arbeiten zu klug, aber für den normalen Militärdienst zu dumm, um die einfachsten Zusammenhänge zu verstehen...“

Die Wachen funkelten den Goblin hasserfüllt an, aber sie waren klug genug nichts darauf zu erwidern. Laut unbestätigten Gerüchten sollen schon öfters Personen, die einen Goblin beleidigt hatten, innerhalb kürzester Zeit eines unnatürlichen Todes gestorben sein. Böse Zungen bastelten sich deswegen die verrücktesten Verschwörungstheorien zusammen. Hinter hervor gehaltener Hand flüstert man über einen Geheimbund, der abwertend auch „Goblin-Mafia“ genannt wird. Aber in Wirklichkeit ist es ganz bestimmt ganz anders und die plötzlichen Todesfälle sind wirklich nur reiner Zufall. Aber wer weiß das schon...

BOMBENKRACHER: „Wie dem auch sei, es freut mich, euch auf meinem Schiff begrüßen zu dürfen.“

Der Kapitän fischte eine kleine Papierrolle aus einer seiner unzähligen Taschen und riss zwei Streifen davon ab. Bei genauerem hinsehen erkannte ich, dass es sich bei dieser Rolle um ein Papierband voll vorgedruckter Flugtickets handelte.

BOMBENKRACHER: „Aufgrund der schwierigen Umstände, in die ihr verwickelt wart, biete ich euch sogar einen exklusiven Rabatt von saftigen zwei Prozent an! Das heißt statt fünfundzwanzig Gold pro Ticket zahlt ihr nur vierundzwanzig fünfzig. Na? Ist das kein Angebot?“
REXXAR: „Na Kevin, ist das nicht großartig? Lass uns zuschlagen!“ leise flüstere er mir zu. Kannst du mir bitte etwas Geld vorstrecken? Wie du weißt besitze ich so etwas nicht.“

Ich starrte entgeistert in die Ferne. Es dauerte kurz, bevor ich in der Lage war zu sprechen: „Besonders viel wirst du nicht brauchen. Eigentlich gar nichts. Wir werden von dem leben, was die Natur uns zu bieten hat.“

Rexxar blinzelte verwirrt: „äh, was?“
Ich blickte ihn zornig an: „Das waren deine Worte vor unserer Abreise! Das heißt im Klartext: „Ich hab kein Geld einstecken. Gar nichts. Nischto! Nothing! Und das Geld, das wir im Dämmerwald bei unserem kleinen Wettbewerb verdient haben kannst du auch vergessen. Das ist bei unserer kleinen Schmiergeldaktion draufgegangen!“
BOMBENKRACHER: „Moment mal. Auszeit, Auszeit! Wollt ihr etwa sagen, ihr hab kein Geld?? Überhaupt nichts? Wie stellt ihr euch denn vor, die Tickets zu bezahlen?“
REXXAR: „Wir gingen davon aus, dass die Überfahrt gratis ist.“
ICH: „Pssssst!“
BOMBENKRACHER: „Sagt, habt ihr sie noch alle? Denkt ihr allen ernstes, die „G.I.M.P.-Schaft“ wäre eine Wohlstandsorganisation?“

Meine Mundwinkel zuckten vor Erheiterung: „G.I.M.P.? Was ist das?“
BOMBENKRACHER: „Habt ihr noch nie was von der G.I.M.P.-Schaft gehört? Das ist die „Gallywix‘ international mobile Piloten-Gewerkschaft.“ Wir sind eine Art Verkehrsverband, die regelmäßige öffentliche Transporte zu Lande, zu Wasser und in der Luft garantieren. Also so etwas wie die „D.B.“ oder die „Ö.B.B.“ wenn euch die ein Begriff sein sollte.“
Ich spürte wie sich meine Mundwinkel langsam nach oben zogen.
ICH: „Gallywichs? Was ist denn das für ein dämlicher Name?“

Bombenkrachers Laune hatte einen neuen Tiefpunkt erreicht: „Das, mein werter Herr, ist der Name des größten Handelsprinzen des Bilgewasser-Kartells! Und jetzt verschwindet von hier! Kommt erst dann wieder, wenn ihr das Geld beisammen habt! Für euch Spezialgäste werde ich die Ticketpreise jedoch um hundert Prozent anheben. Kommt wieder wenn ihr die hundert Gold in der Tasche habt! Und wenn es sein muss, verdient eure Kröten als Wildtierjäger bei Hemet Nesingwary. Das ist mir ehrlich gesagt schnurz!“

Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie die beiden Ork-Wachen schadensfroh über beide Ohren zu grinsen begannen. Ich kam nur noch dazu, Rexxar am Oberarm zu packen und vom Basislager Grom’gol wegzuzerren. Denn dieser war bereits drauf und dran, das nächste Muskelspiel zu beginnen. Ich flüsterte ihm zu.

ICH: „lass es lieber bleiben, außer du möchtest riskieren, dass uns die Orks mit einer ganzen Armee durch den Dschungel jagt.“
Rexxar entspannte sich: „Du hast recht, das ist es nicht wert. Lass und von hier verschwinden.“
ICH: „Wer ist eigentlich Hemet Nesingwary von dem der Goblin gesprochen hat?“
Rexxar lachte: „Ach der, das ist so ein armer Irrer der immer irgendwelchen nicht existierenden Fabelwesen nachjagt... der Bursche hat sein Lager etwas flussaufwärts aufgeschlagen.“
Es dauerte nicht lange bis wir das entsprechende Lager gefunden hatten. Immerhin war es sehr gut beschriftet. In regelmäßigen Abständen waren hölzerne Wegweiser aufgestellt die, nun ja, den Sinn und Zweck hatten den Weg zu weisen...

Wie dem auch sei, schon bald darauf hatten wir das Lager gefunden und wagten die erste Kontaktaufnahme mit diesen... diesen Wilden. Anders konnte man es nicht beschreiben. Das Lager und die Einwohner waren völlig verwahrlost und vermittelten einen wilden, ungezähmten Eindruck. Von dem Geruch nach ungewaschenen Socken drehte es mir den Magen um. Vielleicht ist auch dies einer der Gründe, warum es hier Nachts zu keinen Überfällen von Wildtieren kommt. Ich kann’s ihnen ehrlich gesagt nicht verübeln.

Wie bereits gesagt versuchten wir eine erste Kontaktaufnahme. Ehrlich gesagt zweifelte ich bereits etwas daran, ob uns diese Wilden überhaupt verstehen würden. In diesem Fall tat ich ihnen Unrecht. Wortlos wurden wir zu einem Zwerg geführt, der sich als Barnil Steinkrug vorstellte. Was für ein passender Name. Ich kicherte fröhlich in mich hinein. Einen recht nüchternen Eindruck machte er in der Tat nicht. Es war ein rothaariger, ungepflegter Zwerg, der es wohl die letzten paar Monate verabsäumt hatte, trotz angrenzenden Fluss, etwas für seine Körperhygiene zu unternehmen. Für seine Kleidung gilt das selbe. Sein klassischer Harrison-Jones-Anzug war über und über mit Dreck verkrustet.

Mit kritischem Blick musterte er uns, das linke Auge zusammengekniffen. Ruhig paffte er seiner Pfeife, geschnitzt aus reinem Elfenbeinholz. Woher er den ganzen Tabak nimmt ist mir zweifelhaft. Vielleicht hat er ein paar gute Kontakte zu den Goblins der Venture Co., die am gegenüberliegenden Flussufer ein gigantisches Sägewerk (mit angrenzender Papierfabrik) errichtet hatten. Der absurde Anblick von Schwerindustrie in dieser idyllischen Region überraschte mich nicht. Holz wächst ja schließlich nicht auf Bäumen. Ach, ich bin unverbesserlich! Ich schweife schon wieder ab!

Barnil: „Ihr sucht also Arbeit?“
Ich: „Exakt. Ich hab gehört, dass ihr auf der Suche nach ein paar zuverlässigen Wildtierjägern seit?“
Barnil betrachtete uns mit einem kritischen Blick. Es vergingen ein paar Augenblicke, bevor er uns antwortete: „Vielleicht. Habt Ihr bereits Erfahrung in dieser Branche?“
Ich zögerte: „Nicht wirklich.“
Barnil: „Und wie siehts mit Schusswaffen aus?“
Ich: „Fehlanzeige.“
Der Zwerg lehnte sich zurück und atmete tief durch: „Ihr könnt keinerlei Erfahrungen vorweisen die für diesen Job unerlässlich sind, und dennoch wollt ihr bei uns anheuern?“
Ich: „So sieht es aus!“
Barnil: „Seit ihr irre oder was? Was genau stellt ihr euch vor, was ihr hier zu erreichen versucht? Wildtierjäger zu sein ist kein Spaziergang. Wir suchen zuverlässige, kräftige Leute, die etwas Ahnung von der Materie haben. Tut mir leid, aber ich befürchte ich kann euch in dieser Angelegenheit nicht helfen.“

Rexxar mischte sich ein: „Es ist wahr. Wir haben weder die Erfahrung, Wildtiere zu töten, noch wissen wir wie man mit Schusswaffen umgeht.“ Er bleckte die Zähne, „Wir fangen und zähmen sie!“ Er winkte seine vier Begleiter heran. „Darf ich vorstellen? Misha, Leokk, Grummel und Geisterschwinge.“

Diese Offenbarung ließ den Zwerg beinahe seine Pfeife schlucken als er das Vierergespann angetrottet kommen sah. Barnil räusperte sich: „Nicht schlecht, nicht schlecht. Zwar etwas ungewöhnlich aber... vielleicht könntet ihr euch für uns doch noch als nützlich erweisen. Wir haben in der Tat gerade einen Fall am dampfen, der, sagen wir mal, etwas mehr Fingerspitzengefühl verlangt.
Rexxar: „Das klingt doch für den Anfang nicht schlecht. Was sollen wir fangen?“
Barnil: „Genau dabei benötigen wir Hilfe. Wir müssen etwas fangen, nur haben meine Leute kaum Erfahrung damit. Die wissen nur, wie man die heimische Tierwelt am Besten aufs Kreuz legt und ausstopft. Ein lebendes Exemplar zu fangen ist schon etwas...kniffliger.“

Rexxar: „Nun endlich raus mit der Sprache! Um was geht es?“
Barnil winkte ab: „Immer mit der Ruhe. Bevor ich zum Punkt komme, möchte ich euch die aktuelle Situation erklären. Wir sind so eine Art „zweite Partei“ der Forscherliga. Wie ihr wisst, versucht die Forscherliga Fakten über die Vergangenheit Azeroths herauszufinden. Während die Partei „Bronzebart“ mit so langweiligen Dingen wie Artefakte auszubuddeln und im Museum auszustellen beschäftigt sind, sind wir von der Partei „Nesingwary“ eher die Partei der Tat. Das heißt wir versuchen lebende und seltene Exemplare von angeblich ausgestorbenen Tierarten aufzustöbern, zu jagen und schlussendlich...im Museum auszustellen. Wir sind der Auffassung, dass uns die Anatomie von lebenden Tieren mehr über die Vergangenheit verraten kann als ein paar verdreckte alte Steinplatten.

Der Zwerg seufzte: „Leider sind wir in unseren Unternehmungen nur mäßig erfolgreich. Die Forscherliga drohte uns bereits, den Geldhahn abzudrehen wenn wir nicht endlich ein paar Ergebnisse vorweisen können.
Rexxar: „Und da kommen wir ins Spiel?“
Barnil: „Genau! Unser Boss ist schon länger auf der Jagd nach einer besonders seltenen Tierart, die ihm schon mehrmals über dem Weg gelaufen ist, aber nie war er in der Lage, es zu fangen.“

Hinter Barnil wurde mit einem Ruck die Zeltplane zur Seite gerissen und ein etwas älterer Zwerg torkelte heraus. Auf dem ersten Blick wirkte er wie ein Gentleman. Das Erste was ins Auge fiel, war sein maßgeschneiderter Anzug und sein handgefertigtes Monokel. Sein Gesicht wurde von einem buschigen, verblichenen Vollbart umrahmt. Seine Stirn zierte eine runzelige Halbglatze. Rexxar klärte mich auf, dass es sich hierbei um Hemet Nesingwary handelte. Wie gesagt: Er wirkte auf dem ersten Blick wie ein Gentleman. Diese Illusion wurde mit einem Schlag zerstört, als er es wagte zu sprechen. Denn sofort machte sich ein beißender Alkoholgeruch breit.

Hemet: „Isch habe ihn mit eigenen Augen geschehen *hicks*. So wahr isch hier vor euch stehe. Erscht heute Nacht hab isch ihn wieder in den Wald flitzen sehen. Esch ischt sehr scheu und schreckhaft. Oh ja, meine Herrschaften, isch spresche vom rosa Elefanten!“

Ich versuchte erneut krampfhaft, ein Lächeln zu unterdrücken. Wie bereits so oft an diesem Tag. Hier im Schlingendorntal scheinen alle verrückt zu sein.

Ich: „Ein rosa Elefant? Ich glaub eher, dass ihr etwas zu tief ins Glas...“
Hemet: „Esch gibt ihn wirklisch! Isch habe ihn bereitsch untschälige Male geschehen. Isch bin nischt verrückt! Meine getreuen Kameraden können selbscht bestätigen, dass sie ihn schon mehrmals geschehen haben. Barnil, sagsch ihnen!
Barnil blickte hilfesuchend um sich, bevor er sich an uns wandte: „Ja, es ist war, Ich habe ihn gesehen. Ebenso auch unsere anderen Begleiter. Sire Erlgadin und selbst die gute Ajeck Rouack.“
Ich trocken: „Wart ihr zu gegebenen Zeitpunkt nüchtern, als der rosa Elefant vor euch herumgesprungen ist?“
Barnil zögerte: „Ich befürchte nein. Zu gegebenen Zeitpunkt hatten wir alle bereits das eine oder andere Gläschen intus...“
Ich: „Aha!“
Bernil: „Es ist die Wahrheit, es gibt ihn wirklich!“
Ich: „Jaja, schon gut... und ich vermute, ihr wollt jetzt, dass wir diesen ominösen rosa Elefanten für euch fangen, weil es für euch bisher nicht möglich war ihn zu fangen?“
Bernil unsicher: „So sieht es aus!“
Ich wandte mich zu Rexxar: „Ich befürchte, wir vergeuden hier unsere Zeit. Lasst uns gehen.“
Bernil: „Wartet! Wir zahlen euch einhundert Gold, wenn ihr uns helft ihn zu fangen!“
Ich blieb abrupt stehen: „Einhundert Gold? Dann wäre es in der Tat eine Überlegung wert, das Angebut anzunehmen!“
Rexxar packte mich an den Schultern und flüsterte mir ins Ohr: „Bist du irre? Weißt du auf was das hinauslaufen wird? Wir werden Jahrzehnte lang einem nicht existierenden Phantom hinterherjagen bis wir irgend wann alt und grau im Urwald ums Leben kommen werden. Vergiss es! Das Gold werden wir niemals zu Gesicht bekommen!“
Ich: „Vermutlich hast du Recht. Lassen wir das Thema. Lasst uns gehen.“

Wir setzten unseren Marsch fort. Plötzlich raschelte es hinter uns im Gebüsch, dicht gefolgt vom Schrei einer Frauenstimme. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich um Ajeck von der Barnil vorher gesprochen hatte.
Ajeck: „Der rosa Elefant. Er ist zurück. Schnappt ihn!“

Ich witterte leicht verdientes Geld. Wie von der Tarantel gestochen wirbelte ich herum und drückte Barnil die Hand, bevor Rexxar irgend etwas erwidern konnte. Er versuchte mir noch irgend etwas zuzurufen aber dies verhallte ungehört irgendwo in den Tiefen meines Bewusstseins.
Ich: „Abgemacht! Hundert Gold für das Ergreifen des Rosa Elefanten! Wenn ihr mich nun entschuldigen wollt...“

Ich winkte Rexxar zu und deutete ihm mir zu folgen. Dieser blieb jedoch nur wie angewurzelt stehen. Mein Gang wurde langsamer.
Ich: „Rexxar? Was ist los?“
Wortlos deutete er in die Richtung, aus der das Rascheln gekommen war. Gleich darauf quälte sich eine hagere Gestalt durch das dichte Blätterwerk.
Ajeck lächelte verlegen: „Tut mir leid, Fehlalarm, es war nur Sire Erlgadin... *hihihi* Ich bin ja sooo ein Schnellschießer...“
Rexxar stampfte zornig auf. Innerlich wurde ich so klein, dass ich unter einem Teppich Fallschirmspringen könnte. Ich schäme mich ja so!“

Rexxar: „Gut gemacht Kevin, eine echte Glanzleistung! Ich hoffe du weißt, was du gerade gemacht hast? Ich hab dir noch zugeschrien, dass es sich hier um einen Fehlalarm handelt, aber du wolltest ja nicht hören! Echt großartig! Wir sind verdammt, verdammt auf ewig hier im Urwald nach dem großen Nichts zu jagen...“
Hemet: „Aber isch habe doch schon mehrmals geschagt, dasch esch den Elefanten wirklich...“
Rexxar explodierte: „Nein es gibt ihn nicht! Seht das doch endlich ein. Es ist ein Hirngespinst. Versteht ihr? Der Elefant existiert nicht!“
Hemet: „Aber...“
Rexxar: „Genug!“

Ich beobachtete stumm das Geschehen. Unfähig etwas zu erwidern. Mir war sehr wohl bewusst in welche Situation ich uns soeben gebracht hatte.
Ich: „Tja... und was machen wir jetzt?“
Rexxar: „Woher um alles in der Welt soll ich das wissen? Immerhin war das deine Aktion!“

Sire Erldagin mischte sich ein: Bevor ihr über irgend etwas urteilt was ihr nicht kennt, dann solltet ihr mal mit mir mitkommen. Wir haben erst neulich da draußen gefunden, was euch interessieren sollte.
Hemet grölte dazwischen: „Genau dasch versuche isch doch die ganze Zeit su sagen...!“
Wortlos folgten wir ihm. Erldagin führte uns zu einer kleinen Lichtung mitten im Dickicht bevor er etwa in der Mitte stehen blieb und auf dem Boden deutete. „Hier bitte! Dies sollte Beweis genug sein!“
Rexxar und ich blickten zu Boden. Das, was wir zu Gesicht bekamen war mehr als ernüchternd.
Ich: „Großartig. Ihr habt einen Fußabdruck gefunden...“
Erldagin: „Ganz genau! Von einem Elefanten!“
Ich schlug meine Hand vor die Stirn: „Das ist doch kein Beweis! Dieser Abdruck könnte doch genauso gut von irgend einem anderen Elefanten oder ähnlichem Getier stammen.
Erldagin: „Guter Einwand. Nur leider gibt es im Schlingendorntal keine Elefanten! Rasch fügte er hinzu. Zumindest keine normalen.“
Ich: „Dann belassen wir es bei einem >>Fußabdruck von einem ähnlichem Getier<<“.

Rexxar beobachtete die Diskussion schweigend. Stattdessen kniete er sich hin und vergrub seine Hand in der plattgedrückten Erde des Abdrucks. Er schnupperte an der Ausbeute, nickte dann kurz und pfiff dann seinen Windreiter zu sich.

Rexxar: „Leokk, such!“

Der Windreiter schnupperte interessiert daran, bellte dann zustimmend und war dann wie der geölte Blitz hechelnd im Gestüpp verschwunden.
Rexxar: „Los! Hinterher!“

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich stürmte gemeinsam mit Rexxar los. Dicht gefolgt von Hemet Nesingwary, der es in seinem betrunkenen Zustand uberraschend gut schaffte mit uns Schritt zu halten. Unser Weg führte uns bis zur Grenze eines gigantischen Bollwerk, welches sich majestätisch in den Himmel erstreckte. Leokk hüpfte ein paar Schritte vor uns entfernt freudig auf und ab. Als wir näher kamen erkannten wir, was er hier entdeckt hatte. Weitere Fußabdrücke. Doch dieses mal nicht nur die Fußspuren unseres abhanden gekommenen Getiers, sondern auch noch zahlreiche andere. Rexxar vermutete, dass es sich hier um die Abdrücke von Trollfüßen handelte.

Rexxar: „Es sieht so aus, als hätte unsere Beute einen harten Kampf hinter sich.“ Er blickte in die Ferne. „Und es scheint, als hätten unsere trollischen Angreifer diesen Kampf gewonnen.“

Ich folgte seinem Blick. Jetzt sah auch in die zahlreichen anderen Fußspuren die allesamt in die gewaltige Steinfestung vor uns führten. Hemet mischte sich ein: „Dasch ischt die alte Trollstadt Zul’Gurub. Isch kenne keinen, der von dort drinnen jemalsch zurückgekehrt ischt!“

Ich zu Rexxar: „Das ist natürlich sehr schlecht. Sollen wir es wirklich riskieren in eine schwer bewachte Trollfestung einzudringen, nur um einen x-beliebigen Elefanten zu finden? Ich finde, das ist den ganzen Aufwand nicht wert.“
Rexxar: „Ganz deiner Meinung. Weißt du was? Wir machen uns einfach bei der nächstbesten Gelegenheit aus dem Staub. Lieber verdiene ich die hundert Mäuse in der Arena der Gurubashi als bei einem hoffnungslosen Befreiungsversuch in Zul’Gurub ums Leben zu kommen... wo ist eigentlich Hemet Nesingwary abgeblieben? Was ist los Kevin? Warum deutest du in die Ferne? Warum zitterst du?“

Rexxar drehte sich in meine Blickrichtung bevor er sich mit beiden Händen auf seinen Schädel griff.

Rexxar: „Hat der Giftzwerg sein letztes bisschen Verstand im Schnaps ertränkt? Das ist Selbstmord!“

Es war zu spät. Selbst wenn wir gleich hinterhergelaufen wären hätten wir den Zwerg nicht mehr eingeholt. Wir konnten nur mehr hilflos zusehen, wie Hemet Nesingwary zielsicher auf die Trollstadt zutorkelte und durch das Haupttor im Inneren von Zul’Gurub verschwand.

Rexxar knackste mit den Fingerknöcheln: „Ade Arenakampf. Willkommen Zul’Gurub. Sollten wir dies überleben dann erinnere mich bitte daran, dass ich den Giftzwerg in eine Ausnüchterungszelle stecke! Komm Mischa, komm Leokk, Geisterschwinge und Grummel. Und auch du Kevin. Wir haben einen Krieg zu gewinnen!“

---EINIGE ZEIT SPÄTER---

Lass mich das Ganze nochmals Revue passieren. Wir kamen nichtsahnend ins Schlingendorntal getrottet, in der Hoffnung, eine schnelle Überfahrt nach Kalimdor zu ergattern, geraten aber dabei im Streit mit dem Zeppelinbesitzer, der für uns die Ticketpreise verdoppelt, dann verschlägt es uns in ein Jägerlager mittem im tiefsten Dschungel, wo wir gehofft hatten das schnelle Geld zu machen, nur um wegen meiner Dummheit für immer einem nicht existierenden Elefanten, ich wiederhole, einem rosa Elefaten nachzujagen. Als wäre das nicht genug, entschwand unser besoffener Zwergen-Begleiter nach Zul’Gurub, nur weil er der Meinung war, dass dorthin sein Beutetier verschleppt worden war. Und was taten wir? Anstatt diese Sache auf sich beruhen zu lassen, waren wir dumm genug uns ebenfalls einzuschleichen, in der Hoffnung einen Zwerg, der uns über alles unsymphatisch war, zu befreien. Jetzt hocken wir hinter einem Gestrüpp versteckt irgendwo in den Tiefen der alten Trollstadt, etwas östlich vom Haupteingang.

Ich: „Ich kann nicht glauben, dass wir das hier wirklich durchziehen.“
Rexxar: „Wir können Hemet doch nicht einfach so zurücklassen. Ohne uns wäre er doch vollkommen hilflos.“
Ich: „Da hast du vermutlich recht... jetzt müssen wir ihn nur noch finden. Wofür haben wir Leokk. Den Windreiter mit der Supernase.“
Rexxar schüttelte stumm den Kopf: „Tut mir Leid, in diesem Fall ist er nutzlos. Ich hab leider nichts mit Hemet’s persönlicher Geruchsnote bei mir. Wir sind also auf uns selbst gestellt. Wobei...“.

Rexxar stieß einen lauten Pfiff aus. Kurze Zeit darauf kam die fette, übergewichtige Schleiereule angeflattert und ließ sich auf dem ausgestreckten Arm von Rexxr nieder. Er zwitscherte ihr irgendwas zu (und das im wahrsten Sinnde des Wortes) woraufhin sie sich schwerfällig gurrend in die Lüfte enthob und irgendwo am Himmelsfirmanent verschwand.

Ich: „Du beherrschst die Vogelsprache?“
Rexxar: „Natürlich, so etwas simples sollte ein vorbildlicher Bestienmeister auf alle Fälle beherrschen.“
Ich: „Und was hast du ihr zugezwitschert?“
Rexxar zuckte mit den Schultern: „Och, nichts besonderes, ich hab ihr nur gesagt, dass sie die Augen nach unserem Zwerg offenhalten soll und uns informieren soll wenn sie ihn gefunden hat.“
Ich: „Schade, dass wir uns nicht auf Leokks Spürsinn verlassen können. Diese Methode hätte uns einiges an Zeit erspart. Andererseits. Seine Alkoholfahne sollten wir schon zehn Kilometer gegen den Wind riechen können... bis wir den alten Hemet gefunden haben, können wir Leokk ja andersweilig einsetzen. Wir könnten seine gigangische Zunge als Stolperfalle für nichtsahnende Trolle benutzen. Oder zum fesseln. Oder als Kletterseil, oder...“
Rexxar warf mir einen vielsagenden Blick zu: „Halt die Klappe Kevin!“

Ich: Kurze Pause – „Und was machen wir jetzt?“
Rexxar: „Wir könnten uns als Trolle verkleiden.“
Ich sarkastisch: „Gute Idee. Halbnackt mit einem Lendenschurz bekleidet werden wir auch garantiert nicht auffallen!“
Rexxar: „Sorry, vergiss was ich gesagt habe. Ich schlage vor, wir schleichen uns noch etwas tiefer in die Stadt ein. Vielleicht finden wir ja irgendwo Hinweise, wo sich unser verschollener Zwerg aufhält.“

Stimme: „Hey Mann, was denkt ihr was ihr da macht Mann?“
Wir fuhren zusammen. Vorsichtig drehten wir unseren Kopf nach links. Wir schluckten. Vor uns bauten sich die Gestalten von insgesamt fünf Trollen auf. Vermutlich besonders hochrangige Trolle, denn ihre Körper waren in edle Zeremoniengewändern gehüllt. Ihre Gesichter hinter einer Maske verborgen.
Ich: „Es sieht so aus, als wurden wir entdeckt. Und es sieht nicht so aus, als wären sie über unsere Anwesenheit erfreut.“

FORTSETZUNG FOLGT...


Bearbeitet von Mafloni, 25 November 2011 - 13:45,

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#89 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 29 November 2011 - 15:16

Ich bin wie immer begeistert !!!

Und toll, wie du dir meine Ratschläge und Kritik zu Herzen genommen hast. Finde die Rückblicke und die Idee mit Nesingwary (die ja bissle von mir stammt) echt gut und freut mich, dass du sie zum Teil übernommen und in deine Geschichte mit eingebaut hast.

Es hat wieder Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen, nur leider viel zu kurz ! :D

Freue mich auf die Fortsetzung.

Lg, dein treuer Leser Elroth :-)
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#90 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 04 January 2012 - 13:20

Hi Elroth,
das Kapitel an sich ist ja noch nicht abgeschlossen. Ich wollte euch nur nicht so lange warten lassen und habe mich deshalb entschlossen zumindest dieses Kapitel in drei Teilen zu posten. Teil zwei dieses Kapitels ist unterwegs.
Diesmal folgt etwas Unsinn gepaart mit Wahnsinn. Oder so in der Art... ^^

Klar, Hemet Nesingwary war eine großartige Idee und es war für mich von Anfang an klar, dass ich darüber ganz bestimmt ein Kapitel schreiben werde. Auch, dass vermutlich ein rosa Elefant sein Debut feiern wird, aber nicht in welchem Zusammenhang:P

Bearbeitet von Mafloni, 04 January 2012 - 13:22,

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#91 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 04 January 2012 - 13:21

Ich betrachtete die Besucher skeptisch. Hätten sie uns skalpieren wollen, hätten sie es vermutlich bereits längst gemacht. Mutig wie ich war, ging ich sofort in die Offensive: „Wer seit ihr überhaupt? Beziehungsweise was geht es euch an, warum wir hinter einem Gebüsch hocken?"

Troll: „Wer wir sind? WER WIR SIND?" Die Trolle brachen in ein ein irres Gekichere aus.


Was danach folgte, wird mir vermutlich niemals jemand abkaufen. Denn die fünf Getalten begannen mit einem tip-top abgestimmten Kapoera-Tanz und stimmten dazu in eine simple „Dum-dum-dum" Musik ein. Es wurde sozusagen ein gut inszenierter Vorstellungstanz. Immer wieder sprang einer der Trolle aus der im Hintergrund tanzenden Gruppe hervor, stellte sich mit einem Vers vor, und kehrte danach mit einem gekonnten Sprung in die Gruppe zurück. Wie gesagt: Das Ganze wirkte so absurd als auch anmutig zugleich, dass man es kaum in Worte fassen konnte. Mich wundert es, dass wir keinerlei Aufmerksamkeit erregten.


Troll 1: Ich bin Venoxis, Priester von Hethiss, Beschwörer der Schlange.

Refrain: „Hu huuu. Er ist so Hip, er ist so Hep, es gibt keinen der so gut mit Schlangen rappt!"

Troll 2: „Ich bin Jeklik, Diener von Hir'eek!"

Refrain: „Hu huuu. Er ist so taff, er kennt sich aus. Er ist der Hohepriester der Fledermaus!"

Troll 3: „Ich bin Mar'li, Schamane von Shadra.

Refrain: „Hu huuu. Er ist der Meister, er dient der Spinne. Und sein Lieblingsessen ist Tüpfelteufelsfinne!"

Troll 4: „Tekal mein Name, Schutzpatron von Shirvallah."

Refrain: „Hu huuu. Ein Schlammspringer wäre ihm lieber. Doch aus mangelnder Alternative verehrt er nun den Tiger!"

Troll 5: „Ich bin Arlokk, Beschützer von Bethekk."

Refrain: „Hu huuu. Seine Katzenallergie quält ihn sein Stunden. Doch ist er durch das gemeinsame Doppel-K mit dem Panther verbunden!"


Gemeinsam:

„In Trollkreisen sind wir wohlbekannt.

Die Furchtlosen Fünf werden wir genannt.


Ein Unheil ist über diese Welt gebrochen,

ein Nebel aus Hakkar und anderen Bösewichten,

all dieses Gewürm kommt aus den Löchern gekrochen,

über das wir entschieden haben zu richten.


Wir sind bereit, euch zu lassen am Leben,

wenn ihr bereit seit, euch in unseren Dienst zu begeben."


Synchron ließen sich die Tänzer auf die Knie fallen und nahmen eine heldenhafte Siegerpose ein. Lange Zeit starrten wir sie vollkommen weggetreten an. Rexxar war der erste, der das Wort ergriff.


Rexxar: „Was genau wollen die Typen von uns?"

Ich: Soweit ich verstanden haben, wollen sie uns versklaven."


Die Trolle wirkten plötzlich sehr betroffen. Derjenige, der sich Venoxis genannt hatte, war der erste der auf unsere Feststellung reagierte."


Venoxis: „Euch versklaven? Warum sollten wir das tun? Haltet ihr uns für irgendwelche hinterwältlerischen Barbaren?"

Ich: „Ihr habt doch selbst gesagt, dass ihr uns nur am Leben lässt, wenn wir uns in >>euren Dienst begeben<<."

Venoxis grinste: „Achso deshalb. Mir ist auf die schnelle kein anderes Wort eingefallen, das sich auf „begeben" reimt. Deshalb hab ich das Ganze etwas dramatischer gestaltet."


Ich: „Aha. Und was wolltet ihr dann genau ausdrücken?"

Venoxis: „Ihr seht kräftig und kampferfahren aus. Seit ihr bereit, uns bei unserem Kampf gegen Hakkar zu unterstützen?"


Ich: „Eigentlich wollten wir hier nur einen Zwerg abholen, der hier einen... sagen wir... rosa Elefanten befreien will, den die Trolle augenscheinlich gefangen haben."

Venoxis Augen weiten sich: Sie haben bereits DEN rosa Elefanten gefangen?", er schüttelte traurig seinen Kopf, bevor er sich an seine trollischen Gefährten wandte. „Ey Mann, die Sache ist viel ernster als wir dachten Mann! Wenn die Atal'ai es schaffen, den Elefanten zu opfern, dann ist die Beschwörung von Hakkar kaum noch aufzuhalten, Mann! Wir müssen rasch handeln!"


Ich traute meinen Ohren nicht. Es gibt noch mehr Verrückte auf dieser Welt?

Ich: „Habt ihr allesamt einen Knall? Ihr glaubt auch an das Märchen, das uns bereits unzählige vor euch uns auf die Nase zu binden versucht haben?"

Arlokk mischte sich ein: „Er ist kein Märchen. Er entzieht sich nur unseren Blicken. Nur die weisesten Schamanen ist es erlaubt, das Mojo zu trinken, um ihm zu Gesicht zu bekommen. Der rosa Elefant ist sehr weise. Er darf nur in den schwierigsten Lebensfragen zu Rate gezogen werden..."

Ich sarkastisch: „Ohooo. Weise ist er auch noch! Und sprechen kann er natürlich auch! Und er wird nur sichtbar, wenn ihr verbotene Substanzen gurgelt! Wenn ihr mich fragt, wird die gesamte Geschichte immer lächerlicher!"


Die Trolle ignorierten mein Gezeter vollständig. Im Gedanken waren sie bereits wieder einen Schritt weiter. Die fünf Trolle hatten ihre Köpfe zusammengesteckt und tuschelten unentwegt miteinander. Leider verstehe ich kein trollisch um das gesprochene zu verstehen. Die Stimmen klangen auf alle Fälle sehr gereizt. Ist aber nicht so schlimm. Ich wurde schon bald über ihren Plan aufgeklärt.


Venoxis wandte sich wieder uns zu: „Würdet ihr uns bei unserem Vorhaben unterstützen? Wir könnten jede helfende Hand gebrauchen. Wir brauchen ein paar Aufklärer, die für uns die Lage in Zul'Gurub auskundschaften. Bei dieser Mission könnt ihr auch gleich nach eurem zwergischen Freund Ausschau halten. Wir haben bereits vier Späher in die feindliche Stadt entsandt, aber keiner von ihnen ist zurückgekehrt. Wir vermuten bereits das Schlimmste. Wir haben sie entsandt, um einen hochrangigen Hexendoktor der Hakkari, genannt Jin'do der Hexxer, auszuschalten, der an einem verbesserten Mojo experimentiert. Wir befürchten, dass sie gefangen genommen wurden und als Testobjekte für den Mojowahnsinn, den er veranstaltet, herhalten müssen."


Ich: „Das ist aber nicht in unserem Interesse. Wir wollen nur unseren Zwerg hier herausholen und dann von hier verschwinden!"


Venoxis schüttelte den Kopf: Dann befürchte ich, dass unsere gemeinsamen Bestrebungen, die Beschwörung von Hakkar aufzuhalten, fehlschlagen werden. Wir können keinen von uns mehr für diese Mission entbehren. Wenn ihr nicht helft, dann befürchten wir, dass Azeroth den Untergang geweiht sein wird..."

Rexxar: „Wenn das stimmt, dann würde sich das ziemlich kontraproduktiv auf dein Kaffeegeschäft auswirken."

Ich seuftze: „Schon gut, schon gut, wir helfen euch. Als hätte ich nichts besseres zu tun. Und wie kann ich eure vier vermissten Späher erkennen?"

Venoxis grinste über beide Ohren, sichtlich erfreut (oder erleichtert?), dass wir ihm helfen: „Das ist einfach Mann, sie hören auf den Namen Wushoolay, Gri'lek, Renataki und Hazza'rah. Einer ist Schamane, ein anderer ein Berserker, einer ein Schurke und der Letzte ein Druide."

Ich skeptisch: „Das ist alles? Eine Beschreibung würde uns sehr helfen..."

Venoxis trocken: „Ihr werdet sie erkennen, wenn ihr sie findet..., und hütet euch vor Jammal'an dem Propheten, der Kerl hat hier das sagen. Ich weiß nicht, was er mit euch anstellen sollte, sollte er euch finden. Ach ja, und ein Haustier besitzt er auch. Eine Hydra namens Gahz'ranka, aber die sollte nicht das Problem sein. Seit trotzdem vorsichtig..."

Ich: „War das dann alles? Keine Assassinen, die uns bei der nächstbesten Gelegenheit skaplieren, keine tollwütigen Riesenaffen, die uns ans Leder wollen und keine Außerirdischen alias Naaru, die uns in den wirbelnden Nether entführen um uns in ihren kleinen Privatzoo einzugliedern?"

Venoxis: „Ich schwöre im Namen von Hethiss, dass diese Mission vollkommen ungefährlich ist."

Ich: „Und warum verkreuzt du dann die Finger hinter deinem Rücken?"

Venoxis hastig: „Ich? Tu ich doch gar nicht! Ich meine, ganz so ungefährlich ists auch nicht. Wenn ihr entdeckt werdet, kann es schon gut sein, dass es etwas unangenehm für euch werden könnte und ihr kurzerhand skalpiert werdet!"

Ich: „Also doch! Ich habs gewusst! Und wie siehts mit den tollwütign Riesenaffen aus?"

Venoxis: „Keine Riesenaffen, ich schwöre. Achtet jedoch auf blutsaugende Fledermäuse...."

Ich winkte Rexxar zu: „Komm, wir gehen. Ich will mir das nicht mehr länger anhören müssen." Wortlos verschwanden wir im Dickicht, ohne uns nochmals von unseren Gastgebern zu verabschieden. Wenn du mich fragst, haben die allesamt einen an der Waffel. Außerdem: was genau ist ihre Rolle in dieser Geschichte? Stochern sie im Voodopuppen herum, in der Hoffnung, das grausige Schicksal abwenden zu können? Oder lesen sie aus Eingeweiden? Ich wills ehrlich gesagt gar nicht wissen.


-ETWAS SPÄTER-


Ich: „Schon was neues von Geisterschwinge gehört?"

Rexxar: „Noch nicht. Du darfst nicht vergessen, dass sie zuerst den Zwerg suchen muss, und anschließend erst uns wieder finden muss."

Ich: „Eulen haben scharfe Augen. Ich vermute, sie ist einfach zu fett, um sich in angemessener Geschwindigkeit fortbewegen zu können."

Rexxar: „Nimm das wieder zurück. Sie ist bestenfalls gut genährt, aber keinesfalls fett!"

Ich: „Jaja, schon gut. Fakt ist, dass sie bereits seit Stunden unterwegs ist, und und wir noch immer keinen Hinweis auf Nesingwary gefunden haben. Etwas Hilfe wäre nicht schlecht."

Rexxar: „Der jagd bestimmt noch immer seinen Hirngespinsten nach..." Rexxar stockte. „Hörst du das?"


Ich lauschte angestrengt, schüttelte aber den Kopf: „Nein, tut mir leid, Fehlanzeige."

Rexxar deutete gen Westen: „Es kommt aus dieser Richtung. Komm mit, das sehen wir uns an."


Nach einer halben Stunde Schleicherei konnte ich das ominöse Geräusch auch hören. Oder besser gesagt, irgendeinen idiotischen Gesang. Zum Glück verstehe ich noch nicht, was hier gebrabbelt wird. So wie es sich anhört, muss der Sänger bereits ein paar Mojos zu viel intus haben. Wir pirschten uns noch näher durch das Dickicht heran. Am Wandrand angelangt, schielten wir vorsichtig auf die vor uns ausbreitende Lichtung. Vor uns offenbarte sich eine kleine Ritualstätte mit einem kleineren Altar im gotischen Baustil. Wer behauptet, dass dieser Altar trollischer Natur wäre, liegt schlichtweg falsch!

Hinter diesem Altar waren an einer steinernen Wand vier Steintafeln montiert, die soeben von einer buckligen Gestalt, sprich einem Troll, mit Hammer und Meißel bearbeitet werden. Direkt hinter dem Altar brodelte ein kleiner Kupferkessel mit einem nicht näher definierten Inhalt.

Erst jetzt bemerkte ich die vier Gestalten, die direkt vor den entsprechenden Steintafeln aufgebarrt waren. Sehr lebendig wirkten sie auf alle Fälle nicht mehr.


Rexxar: „Meinst du, das sind die vier Späher, von denen der komische Schlangenheini gesprochen hat?"

Ich: „Wäre in der Tat gut möglich, nicht war? Nur schade, dass die so tot sind..."

Rexxar: „Dann müsste dies folglich Jin'do der Hexxer sein."

Ich: „Sieht so aus. Es scheint, als wäre die Mission der Späher gescheitert."

Rexxar: „Vermutlich hast du Recht. Ubrigens: Was zum Teufel macht Jin'do da?"

Ich: „Vermutlich irgend einen esoterischen Pseudo-Schnickschnack. Was auch immer er plant, das kann doch gar nicht funktionieren!"


Vor uns hatte die Gestalt wieder in ein mysteriöses Lied eingestimmt, während er

weitere Vorbereitungen für das kommende Ritual durchführte:


Du musst verstehn!

Aus Eins mach Zehn,

und Zwei lass gehn,

und Drei mach gleich,

so bist du reich.

Verlier die Vier!

Aus Fünf und Sechs,

so sagt der Hexx,

mach Sieben und Acht,

so istґs vollbracht:

Und Neun ist Eins,

und Zehn ist Keins.

Das ist das Hexxer-Einmaleins.


Jin'do nahm nochmals einen kräftigen Zug von seiner Wasserpfeife am Altar, und vollführte danach einen Tanz, der an stark den russischen Trepak-Tanz erinnerte. Ich meinen Augen wirkte das ganze Ritual einfach nur durch und durch lächerlich.

Mit einer gekonnten Bewegung angelte Jin'do eine der zahlreichen Reagenzgläser von seinem vollgespickten Phiolengürtel und tauchte diese in die blau blubbernde Flüssigkeit die im Kessel langsam vor sich hin köchelte.


Mit dieser Flüssigkeit übergoss er zuerst die vier Späher und danach die ersten der vier Steinplatten.


Leichen, Leichen seids gewesen,

seit fortan meine Sklavenwesen.

Seit durch die Steinplatten die ich gefunden,

an meinen Willen gebunden.


Die vier Leichname begannen zu zucken. Zufrieden wendete sich Jin'do der zweiten Steintafel zu.


Dieser war der erste Streich,

doch der zweite folgt sogleich!


Rexxar stürmte kampfbereit aus dem Gebüsch, wohlwissend wie die Sache vermutlich augehen wird. Dieser Jin'do war ein verdammter Totenbeschwörer, der seine gefallenen Feinde zu willenlosen Marionetten versklavt. Rexxar brüllte los!


Halte ein du böser Wicht,

was du hier machst, gefällt mir nicht!


Der Hexxer hielt in der Tat inne. Verblüfft starrt er zuerst auf Rexxar, danach auf seine seine drei Begleiter, die neben ihm aus der Deckung gesprungen waren.


Deinen gereimten Schmarrn braucht hier keiner,

der Dichterpreis, der ist meiner!

Wie kannst du hässlicher Oger dich dazu empören,

mich bei meinem Ritual zu stören?


Rexxar: „Weil ich es kann!", er wedelte mit der Hand herum, „Misha, Grummel, auf ihn. Leokk Fass!"


Der Rest ging übernatürlich schnell. Ich weiß nicht, wie Rexxar es fertigbrachte, dass seine Begleiter Befehle ausführten, die Rexxar in keinster Weise erwähnt hatte, aber das entstehende Tohuwabohu reichte vollkommen, um Jin'do völlig unvorbereitet zu treffen. Während Grummel begann, mit seiner klassischen „Nadelrakete" den Hexxer zu befeuern, der dadurch gezwungen war wie ein Hampelmann herumzuspringen, nutzte Leokk die Gunst der Stunde, um mit einem Hechtsprung die Phiole aus der ausgestreckten Hand des Hexxers zu reißen. Mishas Ziel war hingegen der brodelnde Kochtopf, den die Bärin mit einem kräftigen Prankenhieb von der Kochstelle schupste. Der Topf kippte nach vorne über. Die darin köchelnde Flüssigkeit versickerte, nachdem sie die halbe Ritualstätte unter Wasser gesetzt hatte, in sekundenschnelle im ausgetrockneten Sandboden. Nach getaner Arbeit kehrten Rexxars Begleiter an die Seite seines Meisters zurück. Der Ork grinste über beide Ohren. Jin'do war entsetzt. Aufgrund eines kleinen Schwächeanfalls fiel er auf die Knie.


Jin'do:

Oh nein, du böser Ork,

wie kannst du dich entsinnen,

meinen gefangenen Seelen zu helfen zu entrinnen?


Dein Hund, der glotzt mich an,

er will mich beißen.

Die neue Hose mir zerreißen.


Der Bär nutzte die Gunst der Stunde,

und schlug mir ne tiefe Wunde,

er kippte meinen wohlgefüllten Kessel,

mit dem ich des Feindes Seelen fessle.


Rexxar:

Dazu kann ich leider nur mehr eines sagen,

und mich deine Sirenen im Ohre so plagen,

nachdem ich dich nur hab Reimen gehört,

halte ich dich nun für endgültig gestört.


Auch wenn ich mich muss dazu erdrießen,

muss von deinem Gebräu noch mehr fließen.

Ich wollt die Phiole eigentlich haben,

um damit meine ungeliebten Nachbarn zu plagen.


Ich schleudere sie nun zu Boden,

in der Hoffnung, man wird mich dafür loben.

Eins, zwei, drei, jetzt ist's vorbei,

mit der Übeltäterei!


Rexxar entnahm Leokk die gefüllte Phiole, legte sie zu Boden und zerschmetterte sie unter seinen massiven Pelzstiefeln indem er einfach draufstieg. Leokk hechelte wie immer wieder fröhlich vor sich hin. Rexxar brach in ein schallendes Gelächter aus. Schadensfreude war ihm in der Tat nicht fremd. Jin'do hingegen war einem Nervenzusammenbruch nahe. Er fasste sich kurz darauf wieder und begann zu kichern.


Ihr dachtet wohl ihr könntet siegen

Ein Ass hab ich noch allemal im Arm,

denn ich kann das Schicksal noch immer biegen,

bei diesem Gedanken wird mir im Herzen warm.


Jin'do begann erneut zu tanzen und ließ die unmenschlichsten Töne von sich. Er vollführte kompliziert anmutende Bewegungen von sich, bei denen ich mir unmerklich das Genick massieren musste. Da bekam ich vom zuschauen bereits einen steifen Hals. Auch Rexxar wurde unsicher. Dieser ist bereits unmerklich einen Schritt zurückgewichen.


Jin'do: „Aufgepasst auf mein Plopp, denn Plopp heißt Stopp!"


Die Schrift in der ersten Steintafel begann mit grellem Licht zu leuchten, und begann dann von einer Schrifttafel zur nächsten zu springen.


Jin'do: „Wer es wird, oder wer nicht, sagt euch gleich das Licht!"


Langsam pendelte sich das Licht bei einer der vier Steintafeln ein und kam schließlich bei der vorletzten Tafel zum Stillstand.


Jin'do:

Eine Tafel hab ich übergossen,

bevor ihr kamt so unverdrossen,

um zu unterbrechen mein Ritual,

was werden sollte Brutal-Genial!


Eine Tafel sollte jedoch reichen,

damit du wirst vor Angst erbleichen.


Wen wirst du sehn,

wer wird es sein.

Wessen Seele ist heute mein?


Vor der hell leutenden Schrifttafel wurde der Schemen eines Trolles sichtbar. Ich schluckte. Dieser Geist sah genauso aus wie einer der hier aufgebahrten Trolleichen!


Jin'do:

Renataki solls sein, Mann,

ein Schurke, ein gnadenloser Krieger,

du hässlicher Ork, jetzt bist du dran,

(der Berserker wäre mir dennoch lieber)


Als Geist kannst du ihn nicht verletzen,

doch wird er seine Klingen mit deinem Blut benetzen.

Renataki komm herbei,

beende diese Schurkerei!


Renataki: „Ist geritzt, Boss.", leise hört man den Geist noch murmeln: „ist geritzt, hihihi, und das als Schurke, hihihi, der war gut."


Mit einem lauten Kampschrei ließ Rexxar seine beiden Äxte auf den Schädel von Renataki niedersausen – und glitt durch den Schemen hindurch wie durch Luft. Dieser Renataki war tatsächlich ein Geist. Diese Erkenntnis kam ein paar Augenblicke zu spät. Rexxars Pupillen weiteten sich vor Entzen. Kichernd packte ihn der Geist am Genick und schleuderte ihn zu Boden. Sofort stieß er mit einem seiner Dolche zu. Rexxar drehte sich zur Seite – genau dorthin, wo der zweite Dolch niedersauste. Rexxar brüllte schmerzerfüllt auf. Der geisterhafte Dolch drang mühelos in seinen Oberarm ein. Zurück blieb eine klaffende blutende Wunde. Rexxar schaffte es irgendwie wieder auf die Beine zu kommen, wusste aber sehr wohl, dass dies ein Kampf war, den er nicht gewinnen konnte. Er tat das einzige, was er in dieser Situation tun konnte. Er wandte sich zur Flucht. Ein kräftiger Faustschlag traf Rexxar an der linken Wange. Seinen Kiefer konnte ich hier im Gebüsch noch knacken hören. Jetzt war nicht der passende Moment, sich hier im Dickicht zu verkriechen. Rexxar brauchte Hilfe. Sofort!


Im Hintergrund hörte man Jin'do vergnügt kichern und seinen Champion anfeuern.


Ich sprang aus der Deckung und stürmte auf meinen Freund zu. Dieser kniete gerade am Boden und verub seine Hände im sandigen Untergrund.

Der Troll setzte zu einem weiteren Messerstreich an, den Rexxar der vollen Breitseite nach am Rücken abbekommen hätte. Der Troll hatte wohl eine eine sadistische Freude am Schmerz anderer. Der Schurke ließ seinen Dolch niedersausen – in exakt dem Moment, in dem ich bereits meinen Kameraden erreicht hatte, und konnte nichts anderes tun, als selbst diesen vermutlich tödlichen Dolchstoß abzufangen, indem ich mich einfach mit einem Hechtsprung dazwischen warf. Alles ging so schnell. Ich spürte nur noch den brennenden Schmerz, der sich durch meine linke Wange zog. Ich sah es vor meinem Auge nur noch grell aufblitzen, bevor... es vor meiner linken Gesichtshälfte schwarz wurde.


Mein Auge! Der Mistkerl hat mein Auge verletzt! Ich kann nichts mehr sehen!


Durch die Kraft des Schnittes wurde ich zu Boden geschleudert. Ich konnte nur noch spüren, wie mich eine kräftige Hand packte, und wie ich halb in Trance von dieser Kraft mitgerissen wurde. Dieser Augenblick der Ablenkung hatte gereicht, um Rexxars restlichen Kräfte zu mobilisieren um uns Beide aus dem Schlachtfeld hinauszuziehen. Hinter uns hörte ich nur noch Jin'do zetern, als er erkennen musste, dass seine Seelendiener nicht in der Lage waren uns zu folgen. Sie waren für immer an die Ritualstätte der Gurubashi gebunden, der später nur mehr als „Rand des Wahnsinns" bekannt werden wird.

Was wir durch unsere Einmischung erreicht hatten, wurde uns erst später bewusst. Als wir Jin'do's Ritual gestört hatten, verhinderten wir höchstwahrscheinlich, dass der Hexxer vier Schattenläufer beschwörte, die weit über Zul'Gurub hinaus Angst und Schrecken verbreitet hätten.

Die Aufzeichnungen über den Trank, den Rexxar so beiläufig zerstört hatte, blieben jedoch auf einer der Steintafeln erhalten. Später sollte es aufgrund dieser Aufzeichnungen möglich sein, die Schattenkämpfer erneut heraufzubeschwören – aber nur immer einer, da die vier Seelen durch das unterbrochene Ritual nur an eine Steintafel gebannt wurden. Dieser Trank sollte später von einigen Alchemisten unter dem Namen „Mojowahnsinn der Gurubashi" bekannt werden.


Wo bin ich, wie spät ist es? Ich weiß es nicht. Vor mir drehte sich alles. Ich spürte nur, dass ich relativ weich gebettet wurde, und dass irgendjemand meine Wunden versorgte. Außerdem hörte ich irgendjemanden sagen „Sieht nicht gut aus Mann, ich weiß nicht, ob er jemals wieder mit dem Auge sehen kann."


Hin und wieder vernahm ich in der Nähe Leokk winseln, der mir gelegentlich mit seiner breiten Zunge über meine Handflächen leckte. Ein anderes Mal bildete ich mir ein, das Wort „Schnaps" zu hören. Ich war nicht in der Lage darüber nachzudenken, was dies zu bedeuten hatte. Wie ich mich versah versank ich wieder in einen tiefen, unruhigen Schlaf.


Unsanft wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Meine Wange brannte plötzlich, als hätte mich jemand mit Salzsäure übergossen. Ich versuchte mich aufzusetzen, wurde aber von einer unmenschlichen Kraft wieder auf den Boden gedrückt. Ich vernahm Rexxars Stimme: „Liegen bleiben Kevin, wir müssen deine Wunde versorgen!" Dann wieder dieses brennen, das sich anfühlte, als würde jemand mit einer Nadel in meinen Gesichtsknochen herumstochern."


„So, das sollte reichen", hörte ich eine andere Person sagen. Rexxar klärte mich auf, dass es sich hier um Venoxis handelte.


Eine dritte Stimme meinte nur nüchtern dazu: „Schnaps desinfiziert." Wann beziehungsweise wo haben sie Hemet Nesingwary aufgegabelt?

Auf meine Frage hin grinste Rexxar nur schelmisch: „Ich hab dir doch gesagt, dass auf Geisterschwinge Verlass ist. Sie hat unseren Trunkenbold irgendwo zwischen einem Rudel Tiger gefunden, als dieser versuchte, dort seinen Rausch auszuschlafen. Tja... dann hat sie den guten Hemet einfach so gepackt und zum ausnüchtern hierher gebracht." Rexxar grummelte. Darf ich dir was verraten? Der Kerl hat seit zwei Tagen keinen Alkohol mehr angerührt und verhält sich noch immer wie ein Besoffener! Ich beginne langsam zu glauben, dass der Kerl die ganze Zeit über nüchtern war, aber aufgrund seiner Wesensart auf andere einfach nur so wirkt, als wäre er permanent betrunken... Hemet weigert sich, zu dieser Aussage zu äußern..."


Ich: „Zwei Tage! So lange war ich wegen einer Fleischwunde bewusstlos?"

Rexxar: „Fleischwunde? Du solltest dich selbst mal im Spiegel anschauen. Du warst im Fieberwahn. Du kannst dich glücklich schätzen, dass sich unsere trollschen Freunde hier mit dem behandeln von, sagen wir speziellen Wunden auskennen."

Ich: „Inwiefern speziell?"

Rexxar duckste herum: „Lass es mich so ausdrücken. Hätte uns Venoxis nicht mit seinem Spezialmojo behandelt, wäre die Wunde immer schlimmer geworden. Durch die spezielle Art und Weise, auf die wir die Verletzung davongetragen haben, wären unsere Wunden nicht geheilt – nenn es Hexerei oder wie auch immer."


Venoxis begann in der Zwischenzeit meinen Kopf zu heben und mit einem dichten Verband einzuwickeln. Schlussendlich war meine gesamte linke Gesichtshälfte, einschließlich Stirn und Kinn bandagiert. Lediglich das rechte Drittel meines Gesichtes blieb frei.

Vorsichtig fragte ich: „Was ist mir meinem Auge? Werde ich wirklich wie wieder sehen können?"

Rexxar und Venoxis starrten sich an: „Du hast uns gehört?"

Ich: „Ich bildete mir ein, so etwas in die Richtung gehört zu haben."

Kurzes Schweigen: „Ja, es ist gut möglich, dass dein Auge für immer verloren ist. Der Schnitt war in der oberen Gesichtsregion noch vergleichsweise tief. Venoxis ist aber dennoch vorsichtig optimistisch, dass du bald wieder sehen könntest. Aber dies kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand mit Gewissheit sagen."

Ich versuchte von dem Thema irgenwie abzulenken: „Wie geht es dir eigentlich?"

Rexxar zuckte mit den Schultern: „Im großen und Ganzen wieder blendend. Mein Arm ist bereits wieder sehr gut verheilt, nur mit meiner Kieferprellung hab ich meine liebe Müh'."er zwinkerte mir zu. „Vollkornbrot könnt ich vermutlich noch nicht zu mir nehmen." Kurze Pause: „Wärst du nicht gewesen, wäre die Sache für mich nicht so gimpflich ausgegangen. Ich danke dir."

Ich zuckte mit den Schultern: „Ach, nicht der Rede wert, sowas tut man doch gerne für Freunde."

Zu Tränen gerührt wendete sich Rexxar ab: „Verzeihe, ich glaub ich hab eine Glasscherbe von der Phiole ins Auge bekommen."

Ich: „Aber das war vor zwei Tagen!"

Rexxar explodierte: „Und wenn schon! Wenn ich sage ich hab einen Glassplitter im Auge, dann hab ich auch einen Glassplitter im Auge!"


Hinter mir hörte ich die Trolle kichern. Rexxar war ihnen einen harschen Blick zu. Sofort wurde es wieder ruhig.


Jetz war ich es, der in ein schallendes Gelächter ausbrach: „Okay, belassen wir es dabei, dass du Glas im Auge hattest. Aber ich bitte dich nur um eins."


Ich starrte Rexxar an, er starrte mich an. „Was denn Kevin?"


Ich: „Bitte erinnere mich daran, dass ich bei der Krankenkasse 50% Invalidität beantrage sobald wir wieder zurück sind."


Das Lachen, auf das alle beteiligten Personen einstimmten, hallte noch lange im Urwald nach.


Bearbeitet von Mafloni, 01 March 2012 - 16:48,

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#92 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 01 March 2012 - 16:47

-ETWAS SPÄTER-


Ich: „Nein, ich will nicht! Weg! Pfui! Das ist überhaupt nicht nötig, ich schwörs!“
Rexxar: „Da meint unser Herr Doktor aber ganz was anderes!“
Ich: „Hat das Venoxis nicht schon vorher gewusst?“
Rexxar: „Nobody is perfect... und jetzt lass endlich deine Hand unten, sonst bin ich gezwungen dich zu fesseln.“
Ich senkte meine Hand. „Okay, okay, du hast gewonnen. Aber ich verstehe noch immer nicht, das dies für einen Sinn haben soll.“

Rexxar wickelte mir einen fransingen Leinenstoffverband um mein gesundes Auge: „Hast du es noch nicht gehört? Wenn ein Auge verletzt ist, soll man auch das andere verbinden, weil man sonst das verletzte Auge unter der Binde unterbewusst mitbewegt und dadurch die Verletzung nur schlimmer werden würde...“
Ich: „Und darauf wärt ihr vorher, als ihr mich verbunden habt, nicht darauf gekommen?“
Rexxar: „Wie bereits gesagt...nobody is perfect.“

Ich konnte nicht anders, als herzzerreißend weiterzujammern: „Sieh mich doch mal an. Ich bin blind wie ein Stockfisch. Mit dieser Binde über dem Kopf schau ich aus wie ein billiger Illidan-Verschnitt!“
Rexxar: „Reiß dich doch zusammen! So schlimm ist’s jetzt auch wieder nicht!“
Ich: „Und ob! Hast du eine Ahnung, wie ich mich hier in diesem Trollstadtdschungel zurecht finden soll?“
Rexxar: „Wenns weiter nichts ist... Ich weise dich.“
Ich sarkastisch: „Na großartig. Jetzt darf ich als Blinder im Kriegsgebiet quer über die Fronten torkeln. Da kann ja gar nichts mehr schief gehen!“

Rexxar überhörte bewusst meine Einwände:“ Höre zu und lerne...“


-EINIGE ZEIT SPÄTER-
-IRGENDWO IM DSCHUNGEL-


Ich: „Sind wir schon da?“
Rexxar: „Nein.“
Ich: „Sind wir schon daaaa?“
Rexxar: „NEIN!“
Ich: „Und jetzt?“
Rexxar: „Verdammt noch mal, nein! Und jetzt halte bitte einfach mal die Klappe! Nur für FÜNF Minuten!“
Wundert’s dich? Ich sehe überhaupt nichts. Ich hab das Gefühl, als würden wir bereits tagelang durch den Dschungel irren. Ich hab jegliches Zeitgefühl verloren.“
Rexxar: „Jetzt mach‘ aber mal halblang. Wir sind doch erst seit einer halben Stunde unterwegs.“
Ich: „Erst? Und wie lange sind wir etwa unterwegs?“

Rexxar schnaubte. An seiner Statt meldete sich Mar’li zu Wort: „Nur Geduld, Mann. Ein paar Minuten noch und wir sind am Tempel, Mann!“
Arlokk: „Dann können wir endlich unser neues Bräu ausprobieren. Das geht ab wie nix *Gnihihihi*“
Hemet: „Bräu?“, Hemet streckte eine Hand nach einer der Flaschen aus. Arlokk ließ seine flache Hand auf die gierig ausgestreckten Griffel des Zwerges sausen.“
Arlokk: „Nix da Mann. Das ist Mojo-Bräu. Nix für deine empfindliche Zwergen-Leber.“
Hemet: „Eine Zwergen-Leber und empfindlich? Dasch isch nischt lache. Damit einsch klar ischt. Wir Zwerge sind geeicht!“
Ein ziehender Schmerz durchzuckte meine rechte Wange. Mit einem lauten *klatsch* wurde ich nach hingen gerissen. Unsanft landete ich auf einem weichen Erdhaufen.

Ich: „Rexxar, solltest du mich nicht den Weg durch dieses Dickicht weisen, und mir nicht den erstbesten Ast mitten ins Gesicht sausen lassen?“
Ich bildete mir ein ein leises kichern durch die Menge gehen zu hören. Rexxar antwortete mir mit einem (vermutlich breiten Grinser im Gesicht): „Sorry, Kevin. Ich vergesse gerne, dass du im Moment etwas... kurzsichtig bist. –kurze Pause- übrigens... du solltest besser aufstehen...auch wenn ein Ameisenhaufen ein weicher Ort zum hinsetzen ist, muss ich dich darauf hinweisen, dass die Ameisen in dieser Region besonders bissig sind.“
Mit einem lauten Schrei war ich in windeseile auf den Beinen. Aber zu spät, überall fühlte ich es auf meinem Körper wuseln.

Ich: „Igitt. Tut doch irgend etwas, nehmt sie ab, nehmt sie ab!“

*schwapp* Ein plötzlicher Wasserstrahl durchtränkte mich von oben bis unten.

„Vielen Dank, grummelte ich.“Diesmal dröhnte ein schallendes Gelächter durch die Menge. Mir war hingegen gar nicht zu Lachen zumute –kurze Pause- „Wo habt ihr eigentlich auf die Schnelle den Eimer Wasser her?“

-in der Nähe hörte ich ein leises Wässerchen plätschern-

Ich: „Nein, ich will es gar nicht wissen!“
Arlokk kicherte: „Nein Mann, es ist nicht das was du denkst. Hier gurgelt nur ein kleine Quelle Mann, wo wir öfters unsere Feldflaschen auffüllen.“
Ich, noch vor Kälte zitternd: „Ihr Trolle habt Feldflaschen?“
Arlokk trocken: „Natürlich, Mann. Von unserem Pfadfinderverein, Mann!“
Ich schwieg.


-WIEDER ETWAS SPÄTER, LINKS VON MIR SPÜRE ICH EINE MAUER-
-ANGEBLICH DER TORBOGEN/EINGANG IN DEN TEMPEL VON HAKKAR-


Rexxar: „Also sind wir am Ziel?“
Jelik: „So sieht es aus Mann.“
Rexxar: „Und was sind das für Rauschschwaden, die unerlässlich aus dem Inneren herausquellen?“

Jelik trat näher heran und schnupperte vorsichtig daran: „Wohooo, das ist der Geruch von Jamaika! Echt starkes Mojo. Tut mir Leid Leute, aber gegen dieses Mojo ist kein Kraut gewachsen!“
Rexxar: „Ihr wollt aufgeben?“ Wegen etwas Rauch?“
Jelik: „Nicht nur Rauch. Der stärkste Stoff von allen! Wir würden es da drinnen nicht besonders lange aushalten.“
Rexxar: „Dann geh‘ ich rein, wenn ihr euch von ein paar Nebenschwaden abschrecken lässt. Ich geh‘ da jetzt rein und sorge für etwas Zugluft!“
Jelikk: „Ey, Thaz Dingooo, Alter! Wärst echt groovie wennst das schaffst!“

Rexxar blickte sich um – die anderen Trolle nickten nur stumm: „Groovie... bei diesen Worten machte Rexxar kehrt und stürmte in den Tempel.“
Meine Zurechtweisungen und Bedenken gingen in den Jubelschreien der Trolle unter.

-ZEHN MINUTEN SPÄTER-

Venoxis: „Mir scheint, er hat es nicht geschafft, Leute.“
Jelik: „Sieht so aus, Leute, er ist schon viel zu lange da drinnen, Mann!“
Arlokk: „So lange hält das keiner aus, Mann.“
Tekal: „Echt schade, er war ein toller Krieger...“
Hemet: „Etwasch rüde, aber im Hertschen nett...“
Mar’li: „Traurig. Ich begann gerade, ihn zu mögen...“
Ich: „Das kann nicht euer Ernst sein, oder? Wir müssen da rein und ihm helfen. Wir können doch nicht tatenlos zusehen?“

Tekal schüttelte traurig den Kopf: „Tut mir echt leid Mann, aber das können wir nicht.“
Arlokk: „Tekal hat Recht, es gäbe nur unnötig weitere Opfer.“
Mar’li: „Ich stimme Arlokk in diesem Punkt zu!“
Venoxis: „Ich bin selber Meinung wie Mar’li.“
Arlokk: „Venoxis Worten ist nichts weiteres hinzuzufügen.“

Ich blickte Hemet an. Dieser hob abwehrend die Hände: „Wasch schaust misch so an? Isch habe nischts weiteres hinzuzufügen!“

Bevor ich mir Gedanken über einen Nervenzusammenbruch machen konnte, hörte man irgend ein Schlufen aus dem Tempel, welches rasch näherzukommen schien. Kurz darauf steckte Rexxar seinen Kopf aus der Dunstwokle.“

Rexxar: „Wohooo, Ey Leute, ihr hattet Recht! Echt starkes Mojo. Da konnt ich leider nichts machen!“
Erschöpft lehnte sich Rexxar an die Wand und ließ sich langsam zu Boden gleiten. Zwischendurch begann er unablässig zu kichern.“

Arlokk: „Ey Kevin, dein Freund kann echt was wegstecken, kannst echt stolz auf ihn sein.“
Ich musterte die kichernde Gestalt vor mir: „Oh ja, das bin...“
Rexxar brüllte dazwischen: „Ihr hattet Recht! Es gibt ihn wirklich.“
Ich: „...bin...“
Rexxar: „Isch hab ihn mit eigenen Augen gesehen!“
Tekal: „Du hast IHN gesehen? Er ist wirklich da drinnen? Was machen Sie mit ihm?“
Ich: „...bin...“
Rexxar: „Sie halten ihn gefangen, ey! Sie wollen ihn bald dem Blutgott opfern.“
Ich: „...bin...“
Rexxar: „Er winkte mich traurig heran und flüsterte mir zu: Nur du kannst mich retten. Sag deinen troll’schen Freunden, dass ich hier bin. Sie wissen was zu tun ist. Und nun geh‘!“, Rexxar fing wieder an zu kichern: „Genau das hat er zu mir gesagt! Genau das und nix anderes!“
Ich: „...bin mir nicht mehr so sicher.“
Arlokk glupschte verwirrt: „Hast du was gesagt?“
Ich murmelte: „Neinnein, alles ok...“, insgeheim dachte ich mir jedoch: „Oh mein Gott, jetzt ist Rexxar auch noch vollkommen von der Rolle!“

Venoxis stampfte mit dem Fuß auf. Mit einem Schlag wurde es mucksmäuschenstill.

Venoxis: „Okay Leutz, ihr wisst was das heißt...let’s fetz! Ausscheren!“

Wie von der Tarantel gestochen flitzten vier der Trolle in alle Himmelsrichtungen davon. Jeder der vieren nahm Aufstellung an einer der Ecken des Tempels – lediglich bewaffnet mit einem kleinen Erste-Hilfe-Mojo-Koffer. Der Rettungskoffer für den Notfall. Der Großteil der restlichen Reagenzien blieben zu Füßen von Venoxis liegen.

Soweit ich das verstanden habe, leitet Venoxis das Ritual, während die restlichen vier Hohepriester lediglich die Aufgabe hatten, mit der Macht der fünf Tiergötter Venoxis bei seinem Unterfangen zu unterstützen – uns jedoch riet er für den Fall der Fälle wieder in Deckung zu gehen...und Hemet Nesingwary... verdammt! Wo ist denn der verflixte Zwerg nun jetzt wieder hin?“
Ich schüttelte den Kopf. Soll er doch bleiben wo der Pfeffer wächst. Ich persönlich werde keinen Gedanken mehr an unseren geliebten Nesingwary verschwenden...
-WIEDER ETWAS SPÄTER, DIESMAL ETWAS SÜDLICHER...-


Rexxar, inzwischen wieder etwas nüchterner: „Sooo...von hier aus sollten wir einen guten Überblick über das ganze Geschehen haben...“
ICH: „Für dich vielleicht, für mich macht dies keinen Unterschied.“
Rexxar: -kurze Pause- „Stimmt. T’schuldigung, hab wieder vergessen dass du vollkommen vermummt bist.“
Ich: „Wenn ich schon nichts sehe und Löcher in die Luft starren muss, kannst du mir wenigstens erklären, was da vor sich geht.“
Rexxar: „Alsooo. Unsere vier Trolle an den Tempelecken klatschen gerade in die Hände und beginnen ihren Kapoera-Tanz...tanzen...tanzen noch immer...halt, jetzt sind sie synchron stehen geblieben. Nun knien sie sich hin...hmmm...kramen in ihrem Koffer herum...hmmm...nehmen eine Phiole und leeren den Inhalt...hmmm...ja... jetzt tanzen sie wieder...und... *schwafel...rhabarbar...rhabarbar...rhabarbar*


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Hallo Tagebuch,
Aufgrund der besseren Verfständlichkeit kürze ich die nächste halbe Stunde des traditionellen Ritualtanzes einfach heraus, und setze dort an, wo es wieder interessanter wird...

Ps. Und ab morgen schreibe ich mit Kugelschreiber weiter, erneut hab ich ein Tintenfass über meinen Aufzeichnungen verschüttet.

Pps.: *lol* -.-´

Liebe Grüße
Kevin
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Rexxar: *schwafel, schwafel, schwafel*...und jetzt bückt sich Venoxis und kramt in seinen Taschen...kramt weiter...und weiter...und jetzt...schreit er...“

Venoxis: „Hemeeettt, was hast du getan???“

Rexxar: „Hemeeettt, was hast du getan???“
Ich: „Danke, ich hab’s gehört... und wie geht’s weiter im Text?“
Rexxar: „Venoxis verlässt gebeutet die Tanzfläche...hmmm...er kramt in einem Gebüsch rum...und zack...hat er einen kleinen Zwerg am Bein gepackt und ihn hervorgezogen...“

*klatsch, klatsch, klatsch*

Ich: „Was war das?“
Rexxar: „Venoxis hat unseren lieben Onkel Hemet ein paar Ohrfeigen verpasst...und jetzt...uiuiui... schüttelt er ihn wie am sprichwörtlichen Watschenbaum...oho...jetzt vollführt er einen gekonnten Bodyslam...zack...boah...die Schmerzen will ich mir gar nicht vorstellen...Venoxis hat was drauf sag ich dir...jetzt vollführt er eine Drehung und setzt nun zu einem...einem...einem...Double Underhook Facebuster an...Kevin, das ist einfach unglaublich! Das musst du dir ansehen...hahahaaa! Der gute Hemet hat in der Tat nichts mehr zu Lachen....Venoxis entfernt sich...setzt nun an, Hemet verbal zur Schnecke zu machen...“

Venoxis: „Du wiederlicher kleiner Wurzelzwerg! Mann ey, was hast du dir dabei gedacht, ey!“
Hemet: „Wasch! Du hascht gesagt isch habe eine mickrige Tschwergenleber. Das konn’t isch nischt auf mir sitzen lassen. Bei der Ehre aller Tschwerge!!!“
Venoxis: „Aber du kannst das doch nicht persönlich nehmen und unser geheiligtes Mojo austrinken! Das war einfach so dahergesagt, um die angespannte Atmosphäre aufzulockern, Mann! Verstehst du keinen Spaß?“
Hemet: „Wenn jemand behauptet, Zwerge wären nicht trinkfescht, dann ischt das Ein Angriff auf den Stolz aller Zwerge. Hier gibt es keine Tollerantschgrenze für Spaß!“

Venoxis: „Oh, bei der geheiligten Schlange Sethiss! Hast du jetzt eine Ahnung was jetzt passieren wird?“
Hemet: „Wir besorgen neues Mojo?“
Venoxxis griff sich auf die Stirne: „Nein, Mann, nein! Viel schlimmer! Es...“

Ein langsames Klatschen ertönte. Sofort wurde jeglicher Zwist unterbrochen. An die Spitze des Tempels war eine breit gebaute und ebenso dürre Gestalt getreten. Diese war in eine weiße, für seinen Körperbau viel zu enge Stoffrobe gequetscht. Die Robe sah nicht aus, als wäre sie für Trolle maßgeschneidert worden. Und erst sein krummes Kreuz! Der Glöckner von Notre Dame ist nichts dagegen!
Die Kapuze der Robe rutschte ihm hingegen soweit nach vor, dass er eigentlich gar nichts mehr sehen sollte.

Venoxis: „Jammal’an, endlich erhebst du erneut dein hässliches Haupt. Komm herunter, damit ich dir deine Visage polieren kann.“

Rexxar flüsterte mir zu: „Ohooo. 1:0 für Venoxis.“

Der Prophet brach in ein leises Kichern aus. Diplomatisch wie eh und je. Genauso wie früher...bevor ich von euch mit meinen Anhängern verstoßen wurde Venoxis.“

Venoxis: „Weil du wahnsinnig bist Jammal. Betest weiterhin einen Blutgott an, der einst beinahe unseren Untergang bedeutet hat!“
Jammal’an: „Ich? Verrückt???“ Er brach in ein wahnsinniges kichern aus. „Oh, nein, ich bin nicht verrückt. Ihr seit der Narr, der sein Leben im Schatten verbringen möchte!“ Er breitete seine Arme aus. „Seh dich doch mal um, Mann! Die Hakkari sind nur noch ein Schatten ihrer selbst! Doch Ihr, Venoxis, seit ein schwacher Häuptling, ihr seit nicht in der Lage, euren Stamm wieder zu alter Macht zu verhelfen!“
Venoxis: „Lieber ein Leben im Schatten, als der sichere Tod durch einen wahnsinnigen Gott! Ich will und werde mein Volk nicht dieser Gefahr aussetzen!“
Jammal’an: „Weil du schwach bist!“
Venoxis: „Warum ist dies eine Schwäche? Das große Zeitalter der Trolle ist seit Jahrtausenden vorbei! Sieh das doch endlich ein! Imperien kommen und vergehen. Nichts ist unendlich!“
„Jammal’an: „Weil...weil...weil...weil es nicht richtig ist! Wir waren eine Weltmacht, und wir können es wieder werden! Hakkar kann uns diese Macht erneut schenken!“

Jammal klatschte erneut in die Hände. Plötzlich wurden die Trolle von allen Seiten von Anhängern der Atal’ai eingekreist. Hinter uns raschelte es kurz. Als sich Rexxar umdrehte, hielt ihm ein muskulöser Berserker-Troll einen vergifteten Speer unter die Nase. Rexxar betrachtete das günlich schimmernde Gift, welches von der Speerspitze tropfte. Er schnupperte kurz daran und starrte dann wieder den Berserker an.

Rexxar: „Pürrierter Wirsingkohl! Sehr toxisch für Orks. Nicht schlecht, Jungchen, nicht schlecht...!“

Der Troll bleckte schnippisch sein mit Zahnbelag überzogenen Gebiss. Mit einem kopfnicken gab er Rexxar zu verstehen, dass es besser wäre sich in Bewegung zu setzen. Ohne zu wissen wie mir geschieht, wurde ich von Rexxar mitgeschliffen. Dicht gefolgt von Rexxars Begleitern. Kurz darauf betraten wir die Lichtung und trafen mit den anderen Hohepriestern zusammen. Der Kreis der Atal’ai hatte sich inzwischen vollständig um uns geschlossen.
Jammal’an: „Die Trolle werden wieder auferstehen, aber ich befürchte, ohne euch!“
Rexxar blickte sich um: „Wo ist eigentlich Hemet schon wieder? Die Hohepriester zuckten mit ihren Schultern.“
Rexxar: „Ich verstehe...“
Jammal’an fauchte Rexxar an: „ICH rede jetzt, und sonst niemand! Hab ich mich klar ausgedrückt?“
Rexxar nickte nur stumm.
Jammal’an: „Warum wurden dem Menschen die Augen verbunden?“
Ich: „Weil...“
Rexxar rasch: „Bindehautentzündung. Sehr ansteckend. Sehr heimtückisch.“
Jammal’an verzog mitleidig das Gesicht: „Ohjeeeee. Wie schade, dass er das Ritual verpassen wird. Da entgeht dir was, sag ich dir!“
Ich grummelte: „Vielen Dank für das...Mitgefühl!“

Jammal’an machte wortlos kehrt und klatschte erneut in die Hände. Mir scheint, er habe eine Vorliebe dafür: „Jin’do! Die Fackel!“

Kurz darauf war dieser bereits zur Stelle, und drückte Jammal besagte Fackel in die Hand.“

Jammal’an: „Sehet her und staunet. Kniet nieder vor der Macht der Atal’ai. Bei diesen Worten schüpfte er die Fackel mit einer lässigen Bewegung auf einen Scheiterhaufen im Hintergrund. Knisternd ging der Holzhaufen in Flammen auf. Und ihr werdet nun Zeuge unserer grenzenlosen Macht. Möget ihr unter der Macht eurer einstigen Verbündeten zugrunde gehen. Jin’do, schaff deine gebundenen Seelen herbei!“
Jin’do räusperte sich:

Tut mir leid, das kann ich nicht,
Das Ritual wurd‘ zerstört von so nem Wicht.
Jetzt steh ich hier, ich arme Tor,
und bin so klug wie nie zuvor.
Eine Seele hab ich gefunden,
doch sind diese nun an einen Ort gebunden.


Jammal’an: „Sprich deutlicher! Wer war es? Wer hat es gewagt, das Ritual zu unterbrechen??
Der Hexxer deutete in unsere Richtung.

Dort unten stehen sie mein Herr,
Ihr Anblick betrübt mich sehr.
Leider sind sie mir entkommen,
als sie ihre gerechte Strafe sollten bekommen.


Jammal’an: „Dann liebster Jin’do, sollte Sie ein ganz besonderer Tod ereilen.

Jelik: „Sie?“
Jammal’an: „Ja, Sie!“
Jelik: „Uns?“
Jammal’an: „Nein, Sie!“
Jelik deutete auf uns: „Sie?“
Jammal’an: „Genau, Sie!“

Ich warf Jelik einen zornigen Blick zu, aber nachdem mein Gesicht völlig mit Leinen eingewickelt war, ein vollkommen sinnloses Unterfangen. Ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt in seine Richtung starrte.

Ich: „Und was habt ihr jetzt genau mit uns vor?“
Jammal’an: „Och, Ihr werden durch die Hände eurer Freunde gerichtet werden!“
Jammal brach in ein irres Kichern aus: „Sehet her und staunet. Erzittert vor Ehrfurcht von meiner Macht!“

Der Prophet drehte sich von uns weg Richtung Lagerfeuer: „Kompanieeee, angetreten.“
Ein lautes gleichmäßiges Fußstapfen ertönte, als eine nicht unerheblich große Trollmasse die Treppen hochgestampft kam. Die Trolle nahmen in einer Zweierreihe Am Fuße des Lagerfeuers Aufstellung.

Akrolyten: „Ja Sir, Ja Sir!”
Jammal: „Präsentieeert eure Stäbe!”

Mit einer synchronen Bewegung zogen die in schwarze Roben gehüllten Akrolyten der Atal’ai ihre Waffe vom Rücken und präsentierten diese stolz in ihrer rechten Hand.“

Jammal: „Akrolyten! Beginnt das Ritual nach Aufstellung A-37B!“

*schrapp, schrapp, schrapp* Im Gleichschritt nahmen die Trolle um das Lagerfeuer Aufstellung. Sie rammten Ihren aus Eichenholz geschnitzten Stab in den Boden und begannen ihre Kräfte auf das magisch angehauchte Lagerfeuer zu kanalisieren. Laut Rexxars Aussagen begannen sich die Flammen die Farben von grünem Höllenfeuer anzunehmen. Schwarze Rauchschwaden stoben unheilverkündend aus dem Feuer. Die Flammen schienen an Intensität zuzunehmen. Gierig lechzten sie nach neuer Nahrung. Schlimmer. Das Feuer schien immer mehr die Gestalt von einem Dämonen aus einer anderen Welt anzunehmen. Ein Flammenarm züngelte in Richtung einer der Akrolyten – ließ ihn in Flammen aufgehen. Ein Troll nach dem Anderen erlitt das gleiche Schicksal – ohne auch nur einen Schrei von sich zu geben. Wie lebende Fackeln vollführten Sie einen absurden Tanz, als die Feuersäulen immer schneller werdend das Lagerfeuer umkreisten. Zu guter Letzt glich dieses Spektakel einem brausenden Feuersturm, in dessen Zentrum ein Dämon thront, der nun begann immer mehr Gestalt anzunehmen. Langsam wurden die Umrisse einer riesigen geflügelten Schlange sichtbar.

Venoxis brüllte los, riss seine Arme in die Höhe : „Höret her meine Brüder. Am heutigen Tage wird ein furchtbares Übel diese vom Krieg geplagte Welt heimsuchen. Einer unserer mächtigsten Loa, der Rosa Elefant wurde von unseren abtrünnigen Brüdern gefangen genommen, um ihn einer Monströsität zu opfern, deren Boshaftigkeit allem dargewesenen in den Schatten stellen wird!“, er seufzte: „Doch leider, meine Brüder, ist es uns nicht möglich, dieser Gefahr einhalz zu gebieten! Unser mächtigstes Mojo, welches uns ermöglicht, unsere allerheiligsten Loa heraufzubeschwören, entschwunden – ausgetrunken von einem rachsüchtigen Zwerg! Möge er das Erste Opfer des Blutgottes werden!
Das Ungetüm, das wir den letzten Jahrhunderte dazu benutzt haben, als Schrankmonster für unsere Kleinsten herzuhalten ist Realität geworden. Trotzdem werden wir kämpfen. Kämpfen und dabei untergehen. Aber vorher werden wir dem Blutgott noch eins lehren: Furcht! Eine Furcht davor, zu was wir Trolle fähig sind!“

Großes Schweigen. Kein Jubeln, gar nichts. Von der Vorstellung, heute das Zeitliche zu segnen schien wohl keiner der anwesenden Trollpriester begeistert zu sein...

Eine Stimme erbebte: „Eine herzzerreißende Ansprache, aber euer Wiederstand bingt euch gar nichts. Wie ihr mit Sicherheit feststellen werdet, wird euch eure mickrige Trollmagie nichts nützen...

Trolle: „Hakkar! Er ist zurückgekehrt!“
Hakkar: „Ohhh ja... ich bin zurück. Und jetzt verneigt euch! Verneigt euch vor eurem Gott!“

Alle anwesenden Atal’ai-Mitgliedern kamen unverzüglich dieser Bitte nach.
Hakkar: „Ihr habt mich beschworen, weil Ihr erneut meine Dienste benötigt. Gehe ich Recht der Annahme, dass es um die Selbe alte Leier wie eh und je geht?“
Jammal stotterte: „Ahhh...ja. Bitte hilf uns dabei, wieder eine mächtige Trollnation wie früher zu werden!“
Hakkar: „Ha! Ich wusste es! Bin ich gut oder bin ich gut?“

-Schweigen-

Hakkar: „Wie dem auch sei: ich helfe euch, unter einer Bedienung...“
Jammal: „Blut?“
Hakkar: „Himmelkreuznochmal! Du sollst mich nicht unterbrechen! Ja, ich fordere Opfer. Er blickte sich um: Schreiber! Ich brauche einen Schreiber!“

Ein Troll näherte sich zaghaft: „Hier Herr!“
Hakkar: „Hier! Nimm diese beiden Steintafeln und graviere da die Bedienungen ein, die ich dir gleich diktieren werde. Heißen soll es: DIE 20 GEBOTE! Bist du bereit? Dann lasst uns loslegen!“


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Welcher unter euch dem Blutgott ein Opfer tun will, der tue es von dem Vieh, von Rindern und Schafen.

1. Will er ein Brandopfer tun, so opfere er es auf dem Altar des Tempels, daß es dem Blutgott angenehm sei.

2. und lege seine Hand auf des Brandopfers Haupt, so wird es angenehm sein und ihn versöhnen.

3. Und soll das Opfer schlachten vor dem Blutgott; und die Priester, Atal'ais Söhne, sollen das Blut herzubringen und auf den Altar umher sprengen, der vor der Tür der Hütte des Tempels ist.

4. Und man soll dem Brandopfer die Haut abziehen; und es soll in Stücke zerhauen werden.

5. Und die Söhne Atal'ais, des Priesters, sollen ein Feuer auf den Altar machen und Holz oben drauf legen;

6. Und sollen die Stücke, nämlich den Kopf und das Fett, auf das Holz legen, das auf dem Feuer auf dem Altar liegt.

7. Das Eingeweide aber und die Schenkel soll man mit Wasser waschen, und der Priester soll das alles anzünden auf dem Altar zum Brandopfer. Das ist ein Feuer zum süßen Geruch für den Blutgott.

8. Wenn eine Seele dem Blutgott ein Speisopfer tun will, so soll es von Semmelmehl sein; und soll Öl drauf gießen und Weihrauch drauf legen...

9. und also bringen zu den Priestern, Atal'ais Söhnen. Da soll der Priester seine Hand voll nehmen von demselben Semmelmehl und Öl samt dem ganzen Weihrauch anzünden zum Gedächtnis auf dem Altar. Das ist ein Feuer zum süßen Geruch des Blutgotts.

10. Das Übrige aber vom Speisopfer soll Atal'ais und seiner Söhne sein. Das soll das Allerheiligste sein von den Feuern des Blutgotts.

11. Will er aber kein Speisopfer tun vom Gebackenen im Ofen, so nehme er Kuchen von Semmelmehl ungesäuert mit Öl gemenget, und ungesäuerte Fladen, mit Öl bestrichen.

12. Ist aber dein Speisopfer etwas vom Gebackenen in der Pfanne, so soll's von ungesäuertem Semmelmehl, mit Öl gemenget, sein.

13. Und sollst es in Stücke zerteilen und Öl drauf gießen, so ist's ein Speisopfer.

14. Ist aber dein Speisopfer etwas auf dem Rost geröstet, so sollst du es von Semmelmehl mit Öl machen.

15. Und sollst das Speisopfer, das du von solcherlei machen willst dem Blutgott, zu dem Priester bringen; der soll's zu dem Altar bringen...

16. und desselben Speisopfer heben zum Gedächtnis und anzünden auf dem Altar. Das ist ein Feuer zum süßen Geruch des Blutgotts.

17. Das Übrige aber soll Atal'ais und seiner Söhne sein. Das soll das Allerheiligste sein von den Feuern des Blutgotts.

18. Alle Speisopfer, die ihr dem Blutgott opfern wollt, sollt ihr ohne Sauerteig machen; denn kein Sauerteig noch Honig soll darunter dem Blutgott zum Feuer angezündet werden.

19. Aber zum Erstling sollt ihr sie dem Blutgott bringen; aber auf keinen Altar sollen sie kommen zum süßen Geruch.

20. Alle deine Speisopfer sollst du salzen, und dein Speisopfer soll nimmer ohne Salz des Bundes deines Gottes sein.

Das ist das Schuldopfer, das er dem Blutgott darbringen soll.
-------------------------------------------------------

Hakkar: „Alles klar soweit? Guuuut. Jetzt wo wir die Bedienungen ausgehandelt haben...wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, wie haben hier ein paar abtrünnige Trolle, die sich meinem Willen wiedersetzen wollen. Na das haben wir gleich.“

*blink*

Hakkar: „Sooo, das wäre erledigt.“
Rexxar blickte sich um: „Ähhh. Und was ist jetzt anders als sonst?“

Venoxis: „Lang lebe der Blutgott.“
Jeklik: „Ich stehe zu Diensten, Herr!“
Mar’li: „Ey Mann, ich ebenso!“
Tekal: „Wann gibt’s was zu essen?“
Arlokk: „Hey Hakkar! Ich bin dein Mann!“

Rexxar: „Ohhh... ich verstehe...“

Würde eine geflügelte Schlange grinsen können...

(was aber vermutlich nicht der Fall ist, auch wenn noch nicht das Grinsverhalten von geflügelten Schlangen erforscht wurde. Generell ist mir nichts bekannt, dass es überhaupt geflügelte Schlangen geben soll. Nein! Windnattern zählen nicht! Windnattern sind Eidechsen, keine Schlangen! Auch wenn der Name irreleitend ist!“)

...hätte es Hakkar vermutlich getan: „Ohhh ja. Eure Freunde sind jetzt meine willenlose Sklaven. Sie sind lebendiger nützlicher als tot. Außerdem müsste es mit ihrer Hilfe leicht fallen, ihre Schutzgötter unter Gewalt zu bringen.“ Er lachte diabolisch.

Rexxar trocken: „Schön für dich. Hat mir gefreut. Dürfen wir jetzt gehen?“
Hakkar: „Hmmm... warum eigentlich nicht... ich hab nur einen Pakt mit den Trollen und ihr seid für mich nicht von Belang...“

Jammal flüsterte Hakkar irgend etwas zu.

Hakkar: „...aber wenn ich es mir Recht überlege...es wäre um einiges sicherer, und in gewisser Weise auch spaßiger euch einfach zu töten...hmmm Jammal...was sagt ihr...ein Kampf auf Leben oder Tod mit unseren neuen Trollverbündeten? Ist zwar ein sehr einseitiger Kampf, aber was solls. Den Spaß will ich um nichts in der Welt verpassen.“, er drehte sich Jammal um, „Und IHR Jammal, bereitet die Opferung des rosa Elefanten vor. Nur durch seine Opferung wird es mir möglich sein, meine Macht über ganz Azeroth auszubreiten!“

Plötzlich ging alles sehr schnell. Unsere einstigen Trollfreunde, jetzt sabbernde schief grinsende halbintelligente Trollsklaven haben uns eingekreist und kommen langsam näher. In ihren Augen zeichnete sich die pure Mordlust ab. Rexxar war ein paar Schritte zurückgewissen und hatte bereits seine Äxte gezückt. Der Boden begann zu vibrieren. Von der Tempelfassade lösten sich einzelne Steinfragmente, die teils ein paar Zentimeter von uns entfernt auf dem Boden aufschlugen. Es schien mir, als bräche erneut die Hölle auf Erden aus. Was ich so hören konnte, ergriffen einige Trolle panisch die Flucht. Manche stießen unverständliche Flüche aus, andere stammelten in gebrochenen Sätzen „Er ist Frei“, „rettet euch!“, „wir sind verloren“ bis hin zu „tut doch was, fangt ihn!“

Ich spürte wie ich plötzlich von irgend etwas gepackt und in die Höhe gerissen wurde. Danach spürte ich nur mehr, wie ich mit hoher Geschwindigkeit auf unwegsamen Gelände durch den Urwald „geschliffen wurde. Entsetzt schrie ich auf. Eine bekannte Stimme versuchte mich zu beruhigen: „Nur keine Angscht, esch ischt alles in Ordnung!“

Zu behaupten, ich wäre überrascht, wäre haushoch untertrieben. Jetzt Hemets Stimme zu vernehmen, wäre das Letzte, was ich erwartet hatte!“

Weiter setzte er fort: „Er wird unsch beschützen...uns retten. Hab einfasch Vertrauen!“
Ich: „Er?“
Hemet: „Isch sag‘ nur eins. Es gibt ihn wirklisch!“
Ich seufzte: „Nicht diese alte Leier schon wieder!“
Rexxar: „Wenn du es nicht, glaubst, dann schau selbst nach!“
Ich seufzte: „Würd ich ja gerne, nur leider hab ich grad keine Hand frei! Ich fühle mich wie gefesselt!“
Hemet grinste: „Vom Rüssel fest umschlungen!“

Im Hintergrund hörte ich Hakkar lautstark jammern: Fast so, als hätte man einem wahnsinnigen Diktator mit einem Schlag seine gesamte Macht genommen.

Und ich? Mir blieb nichts anderes übrig als abzuwarten. Und mich durchrütteln und schütteln zu lassen...und...und...und.

Einige Zeit später, weit entfernt von unserem letzten Standort. Hakkar fluchte noch immer lautstark. Aber seine Stimme war nur noch ein Flüstern am Horizont.

Ich: „Verdammt, ich krieg ihn nicht ab! Rexx, hilf mir doch mal.“
Rexxar: „Du weißt, dass dies keine gute Idee ist. Denk an dein verletztes Auge!“
Ich: „Ist mir egal! Ich will diesen ominösen rosa Elefanten jetzt mit eigenen Augen sehen!“

Rexxar seufte. Mit einem Ruck hatte er die Leinenfetzen auf meinem gesunden Auge heruntergerissen. Ich blinzelte. Einige Zeit sah ich gar nichts – und dabei blieb es auch. Vor mir zeichnete sich eine idyllische Landschaft ab – typischer Urwald halt. Links von mir Rexxar, rechts von mir Hemet.
Ich: „Und wo ist dieser ominöse Elefant jetzt?“
Rexxar deutete nach hinten: „Er ist bereits wieder verschwunden.“

Ich drehte mich um. Ich bildete mir ein am Ende der Lichtung ein rascheln im Gestrüpp festgestellt zu haben. Aber mit Sicherheit kann ich dies nicht sagen.

Ich zuckte mit den Schultern: „Ich bleib dabei. Einen sprechenden rosa Elefanten gibt es nicht! Selbst wenn es ihn geben würde: wurde der nicht von den Trollen geopfert?“

Rexxar klopfte auf Hemets Schultern: „In der Tat, das hätten sie, hätte nicht unser Hem‘ nicht eingegriffen!“

Hemet: „Ohhh ja, isch hab ihn befreit. War überhaupt kein Ding. Da drinnen herrschte gutes Mojo. Ein wahnsinns Stoff sag isch euch. Die Wachen waren so benebelt von dem Zeuch, dass sie gar nicht mitbekommen haben, dass isch den rosa Elefanten befreie. Daraufhin hat er mir die Hand geschüttelt und gemeinsam sind wir in die Freiheit entritten.“

Ich: „Die Hand geschüttelt? Klingt das nicht etwas lächerlich und unlogisch?“
Hemet: „Ach wasch, was ist auf dieser Welt denn nicht unlogisch?
Ich: „Und wie kommt es, dass dir dieses „Mojo“ nichts angetan hat?“
Hemet: „Wie gesagt. Wir Zschwerge sind geeicht. Das Mojo war nichts im Vergleich zu unserem Dunkeleisenbier. Dasch geht ab, sag isch euch!“

Ich fühlte mich so hilflos. Ich muss eingestehen, dass uns irgendetwas gerettet hat, aber in mir sträubt sich alles dagegen, dass uns irgend ein Hirngespinst das Leben gerettet hat.

Ich versuchte vom Thema abzulenken: „Was unsere Bezahlung anbelangt...“
Hemet: „Vergesst es! Ausgemacht waren 100 Gold bei Gefangennahme. Und habt ihr ihn gefangen? Nö!“
Ich: „Er ist vor euch gestanden! Warum habt ihr es nicht getan?“

Rexxar: „Ähhh...er hat uns gerettet...“
Hemet: „...weil esch das weiseste Wesen ist, das man sich erträumen kann!“
Rexxar: „...weil es einzigartig ist...“
Hemet: „...Es hat einen kräftigen Händedruck...“
Rexxar: „...und einen markanten Schnurrbart...“

Hemet und Rexxar starrten hielten inne, starrten sich an, und stimmten gemeinsam in ein schallendes Gelächter ein.

Ich: „Das ist jetzt ein Scherz oder?“

Die Beiden zuckten mit den Schultern: „Wer weiß Kevin, wer weiß...“

Ich seufzte: „Elefant hin oder her... bei diesem Abenteuer haben wir nichts gewonnen, nur sehr viel Zeit verloren. Und an unserer Situation hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Durch unsere Schuld haben wir ein vergangenes Übel entfesselt, welches, wenn es könnte, ganz Azeroth zerstören würde.
Rexxar: „Vergiss nicht, dass es nicht unsere Schuld war. Vergiss nicht, dass es Hemet war, der das heiige Mojo in seinem Suff ausgetrunken hat.“
Hemet: „Na und? Isch wurde beleidigt. Ich und ne kleine Leber *pfff*. Das konnt ich nicht auf mir sitzen lassen. Vergesst nicht, dass Hakkar durch die Befreiung des Elefanten jetzt in seiner geschwächten Form an Azeroth gebunden ist. Weitere Helden werden kommen und diese Welt nun endgültig von diesem Übel befreien.“

Ich: „Und was machen wir jetzt? Wir sind nach wie vor hier im Urwald gestrandet.
Rexxar sog die Luft ein: „jetzt, lieber Kevin, jetzt machen wir Beide einen Abstecher nach Beutebucht. Dort verkehrt ein Schiff nach Ratschet in Kalimdor. Dort liegt unser Ziel!“
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#93 DamnedFreak

DamnedFreak

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Geschrieben: 08 March 2012 - 11:44

danke,

wie immer bin ihc gespannt auf die fortsetzung! :)
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#94 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 03 April 2012 - 14:25

Ich bin dir immer noch treu ! :D

Vielen Dank für diese Geschichte :-)

Auch ich freue mich auf die Fortsetzung. Ich hoffe, sie folgt bald :P



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#95 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 23 September 2014 - 11:36

Ich bin nach 3 Jahren immer noch treu ! Schade, dass es hier nicht weiter gegangen ist :( 


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#96 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 10 May 2016 - 23:52

Tut mir echt leid Elroth, ich bin i wirklich dankbar dass du mir so lange die Treue gehalten hast. Leider hat es in meinem Leben Änderungen gegeben die es mir nicht möglich machten, viel Zeit in neue Geschichten zu investieren. Solltest du diesen Beitrag je lesen dann sei versichert, dass ich das Projekt nie wirklich aufgegeben habe. Jedoch wird eine Fortsetzung noch mindestens ein-zwei Jahr warten müssen. Ich studiere im Moment und dies nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Außerdem muss ich eingestehen dass ich schon sehr lange von WoW weg bin und mich erst wieder in die Materie einlesen muss um den bisher üblichen Canon einhalten zu können - was aber keine Ausrede sein darf! Mein Plan sieht vor zumindest dieses Buch noch fertigzuschreiben aber mehr als Ideen und Zitate sammeln war bisher nicht drinnen. Tut mir echt leid.

wenn du mir ein PN hinterlässt kann ich dich gern auch außerhalb dieses Forums informieren wenn es Neuigkeiten geben soll - damit du nicht vergebens wartest...


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#97 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 11 May 2016 - 00:15

Ein weiterer Grund weshalb ich so sehr mit einer Fortsetzung hadere ist einfach die Tatsache, dass ab nun die künstlerische Freiheit sehr eingeschränkt ist, da ab nun mit "die Gründung von Durotar" die wir aus Warcraft 3 kennen der Erzählstrang sehr eingeschränkt wird, da hier nun Rexxar als Hauptcharakter auftritt. Da ich sehr darauf erpicht bin, keine Geschichtsverdrehungen zu schreiben macht die Sache noch komplizierter. Im Grunde handelt es sich ab nun um eine Aneinanderknüpfung von Quests wie "säubere die Höhle" und "Töte die Harpye" die laut Canon stattgefunden haben, das aber in geschriebener Form bisher nicht befriedigend rüberzubringen ist - außer man streckt die Geschichte ungemein um mit dem Geschichtsstoff ein drittes Buch zu schreiben - was an sich keine Absicht von mir war. Eigentlich sollte sich jedes zukünftige "Buch" um eine Erweiterung von WoW handeln (Wobei ich für WOW Klassik schon eine Möglichkeit gefunden habe, die losen Geschichtsstränge miteinander zu verbinden)

SPOILER zu WoW Klassik (Kevin Braun Band 3):
Durch seine Taten bei der Gründung von Durotar ist Kevin nun endgültig zur Legende geworden. Als er in einem Interview erwähnte, er sei "Abenteurer" haben sich plötzlich viele Möchtegernhelden mit klingenden Namen wie der Frostmagier "Savon" mit seinem Wasserelementar "Liquide" (weshalb er entgegen seinen Verständnis immer veräppelt wird - zusammengesetzt heißt das so viel wie "Flüssigseife" *höhö*) oder der einfältige Schurke EpicRoxxor aufgemacht in Kevins Fußstapfen zu treten. Außerdem gibt es ein Paladin-Dreiergespann, einen stummen Jäger, einen Hexer der über drei Ecken mit Guldan verwandt ist und und und... Kevin, der hier Profit wittert,  kommt deshalb auf die Idee, eine "Abenteurerschule" zu gründen um den "Abenteurern" zu zeigen wie man ein richtiger Held wird....

 

Kevin wird dabei aber der Hauptheld bleiben - auch wenn mir bisher noch nicht ganz klar ist wie dieser Spagat zu bewerkstelligen ist. Und die Möchtegernhelden werden die gleichen bleiben (max je ein Held pro Spezialisierung, was an sich eh schon viel zu viel ist. Vermutlich werden viele nur als Nebencharaktere auftreten. Und da Rexxar, Illidan und Arthas andersweilig beschäftigt sind, wird Kevins ein/zwei fixe "Möchtegernhelden" als Partner zur Seite gestellt bekommen). Nichtsdestrotrotz wird es Großteils um existierende Charaktere aus WoW handeln. Und die Möchtegernhelden bleiben die einzigen Neukreationen. Ach ja, der Goblin "Armin Armab" der seinen Verdienst als Sanitäter bei der "Schlacht um Hyjal" gemacht hat feiert ebenso wieder sein Debut.

 

Die größte Änderung hierbei ist, wie euch wahrscheinlich auffällt, dass als mehr oder weniger Hauptcharaktere erstmals "fantasiehelden" eingeführt werden welche als repräsentation der Millionen von "Helden" auf Azeroth unterwegs sein werden um mehr oder weniger epische Abenteuer zu erledigen. Und diese Quests beginnen zumeist ganz einfach wie frische Socken für den frischgebackenen Kriegshäuptling Pfrall (oder wie er heißt) zu besorgen - was in einem neu besiedelten Land gar nicht so einfach ist....


Bearbeitet von Mafloni, 11 May 2016 - 00:40,

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#98 Elroth

Elroth

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Geschrieben: 28 July 2016 - 14:00

Habe dir geantwortet :)


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#99 Mafloni

Mafloni

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Geschrieben: 18 August 2016 - 08:45

Kapitel 9 - Ein kleiner Gefallen

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Nach einiger Wanderzeit gen Süden machten wir es uns gegenüber einer Arena gemütlich, welches damals einem halbkreisförmigen Amphitheater gleich in eine Richtung geöffnet war. So hatten wir einen netten Einblick in das Geschehen bei dem ein paar Raufbolde versuchten, eine unscheinbare Truhe in der Mitte der Arena zu öffnen. Die Belohnung ist eine spezielle blecherne Anstecknadel ohne nennenswerten Wert, die man anheften konnte um so seine Überlegenheit demonstrieren zu können. Da dieses Event alle paar Stunden stattfindet kann es natürlich auch sein, dass man auch alleine in der Arena steht. In diesem Fall fällt das Plündern natürlich leicht – protzen kann man mit der Anstecknadel dafür genauso gut. Während unserer Anwesenheit war glücklicherweise Ersteres der Fall.

 

ICH: "Einfach köstlich. Hast du gesehen wie der Ork dem Troll von hinten einen Topf übergestülpt und ihm die überstehenden Haare abgeschnitten hat? Aber der Goblin ist auch nicht ohne. Der hat dem Ork in die Wade gebissen. Ja, wenn man drei Äpfel groß ist, muss man alles einsetzen was einem die Natur gegeben hat."

 

REXXAR: "Haha, wie wahr. Einfach unverständlich wie man sich wegen so einem nichtssagenden Abzeichen so ins Zeug legen kann. Was macht man damit? An die Brust heften um zu zeigen hey-seht-mich-an? Naja, die Einheimischen haben hier im Schlingendorntal außer der Gurubashi-Arena wohl sonst nicht sonderlich viel was man sonst unternehmen könnte."

 

ICH: "Keine Ahnung, was für einen Teufel die reitet. Aber wenns auf der Welt nicht ein paar Deppen geben würde, wäre das Leben ja langweilig...übrigens. Das Grillhähnchen das du gefangen hast ist sehr lecker. Wo hast du das her?"

 

REXXAR: "Das ist eine Hyazinthara. Die zu fangen war keine Hexerei. Mit dem blauen Federkleid leuchtet die im Dickicht wie eine Kristbaumkugel. Ein Wunder, dass die noch nicht ausgestorben sind."

 

ICH: "Mit den Federn kann man sicher gut Fliegen für den wöchentlichen Angelwettbewerb bauen. Hab‘ aber überhaupt kein Interesse daran teilzunehmen. Wir wissen schon so wie der Angelwettbewerb ausgehen würde. Ich halt‘ eine Kaffeebohne ins Wasser und die Biester beißen wie verrückt. Zu guter Letzt werden wir wegen Doping noch disqualifiziert. Nein, danke. Außerdem... für was brauch‘ ich eine verchromte Angelrute?"

 

REXXAR: "Laut Gewinnbeschreibung fischt es sich damit leichter. Keine Ahnung wie das funktionieren soll. So wie ich das sehe, ist das ein weiter Trick um den Leichtgläubigen unter uns saftige Startgebühren aus der Tasche zu ziehen."

 

ICH: "Seh ich genauso - brechen wir auf?"

 

Mit einem Ruck stießen wir uns vom Boden ab. Während Rexxar das provisorische Lagerfeuer austrat, begann ich damit unser Gepäck an Misha festzuzurren. Misha knurrte verächtlich.

 

REXXAR: "Kevin, was denkst du wohl was du hier machst? Spinnst du?"

 

ICH: "Warum? Der Grizzly ist doch ein toller Ersatz für einen Packochsen. Das Vieh frisst zwar wie ein Mähdrescher aber besonders viel in die Gruppe eingebracht hat sie sich während unserer Reise noch nicht. Wird Zeit, dass sie auch mal was arbeitet."

 

Hinter mir begann etwas zu kichern.

 

ICH: "Leokk, du bist der Nächste."

 

Das Kichern verstummte.

 

REXXAR: "Hast du vergessen, dass du Dank Misha den Wettbewerb gegen den Gnom im Dämmerwald gewonnen hast, als du Misha an die Kaffeemühle gebunden und wie einen Esel in Kreis laufen hast lassen?"

 

ICH: "Ach, das eine Mal..."

REXXAR: "Das waren acht Stunden!"

ICH: "Ja...und?"

REXXAR: "Und in Zul'Gurub hat sie uns gegen den wahnsinnigen Trollhexer verteidigt. Ist das etwas nichts?"

ICH: "Nun ja, also..."

REXXAR: "Und hat sie dich nicht kürzlich bis hierher getragen als du wegen deinem verletzten Auge handlungsunfähig warst? Der Gurt kommt runter. Trag dein Gepäck gefälligst selbst!"

 

Mürrisch grummelte ich etwas vor mich hin aber ich will mich nicht widersetzen. Wenn Rexxar auf stur schaltet kann man nix mehr machen."

 

Ein Flattern ertönte aus der Ferne, welches langsam näherkommt. Gurrend ließ sich die fette Schleiereule Geisterschwinge auf Rexxars Arm nieder. Rexxar zwitscherte ihr was zu. Geisterschwinge gurrte gelassen zurück. Zufrieden tätschelte Rexxar die Eule, zog einen saftigen Hühnerflügel aus seinem Vorratsbeutel und warf ihn der Eule zu. Freudig schmatzend und geifernd machte sie sich darüber her.

 

ICH: "Ich bin mir nicht sicher, ob man die Eule wirklich mit ihresgleichen füttern sollte..."

REXXAR: "Ach was, etwas Fleisch hat noch niemandem geschadet."

ICH: "Ach, und wenn man dir einen Orkhaxen zum Essen anbieten würde, würdest du ihn auch essen?"

 

Rexxar überlegte kurz, dann fuhr ihm ein Schauder über den Rücken. Natürlich tat er so als würde er die Aussage ignorieren. Aber tief im Innersten war er eindeutig am überlegen ob seine Fütterungstechnik wirklich so weise ist. Schließlich antwortete er.

 

REXXAR: "Geisterschwinge hat die Umgebung ausgekundschaftet. Beutebucht ist nicht mehr weit. Etwa einen halben Tagesmarsch von hier weiter im Süden. Wenn wir uns beeilen, sind wir dort bevor es dunkel wird. Ich freue mich schon darauf, wieder in einem weichen Bett zu schlafen..."

ICH: "Oh schön, heißt das, du bezahlst? Wir haben kein Geld, weißt du noch?"

 

Rexxar schnaubte, erwiederte aber nichts. Schweigend setzten wir uns in Bewegung.

 

REXXAR: "Wenn's schon nichts wird mit einem Nachtlager, dann können wir uns ja genauso gut gleich nach Kalimdor absetzen. Wenn ich mich nicht irre, sollten wir rechtzeitig eintreffen, um mit der "launischen Minna" überzusetzen."

ICH: " Eine Verwandte von dir?"

REXXAR: "Ein Schiff."

ICH: "Wie gesagt, wir haben kein Geld."

REXXAR: "Ach du wirst sehen, das wird ganz einfach."

 

-viel später an Bord der Launischen Minna-

 

FEDERDINGS: "Aber natürlich dürft ihr umsonst an Bord. Wir sind ein Wohlfahrtsverein. Kommt herein, legt die Füße hoch und lasst euch bedienen."

REXXAR: "Das ist ja nett, dankeschön."

 

Rexxar setzte sich in Bewegung.

 

FEDERDINGS: "Nicht so schnell!" Federdings blockierte Rexxar den Weg. "So Spezialisten wie euch hab‘ ich gern. Ihr kommt nicht an Bord, nur über meine Leiche!"

 

Ich zog die Luft zwischen den Lippen ein, wohlwissend was nun passiert: "Ohje, ich hab ein Deja-vu-Erlebnis..."

 

Gesagt, getan. Nachdem Rexxar sein ganzes Vokabular an Ork-Beleidigungen präsentiert hatte, grinste der Goblin dibolisch und klatschte wortlos in die Hände. Praktisch im selben Augenblick bauten sich links und rechts von uns zwei Hobgoblins auf, die uns am Hosenbund packten und mit spielerischer Leichtigkeit im hohen Bogen von Bord beförderten. Stöhnend krümmten wir uns am Boden. Federdings rief und noch nach: "Falls ihr es euch doch anders überlegt wirds besonders teuer. Hundert Gold oder ihr könnt die Überfahrt vergessen."

 

ICH: "Bingo. Deja-vu ist eingetroffen!" Ich warf Rexxar einen giftigen Blick zu.

REXXAR: "Was? Woher sollte ich wissen, dass das Schiff vom Dampdruckkartell betrieben wird?"

 

ICH: "Darum geht‘s doch gar nicht (außerdem wird das Schiff nicht von besagtem Kartell betrieben). Sondern dass du offensichtlich aus deinen Fehlern nicht lernen kannst! Hast du schon vergessen, dass uns erst kürzlich im Lager Grom'gol ähnliches widerfahren ist? Sieh's doch endlich ein. Wir kommen nie umsonst nach Kalimdor!"

REXXAR: "Und wenn wir uns klammheimlich an Bord schleichen?"

FEDERDINGS: "Das hab ich gehört! Zweihundert Gold!"

 

Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Lese schluchzte ich vor mich hin.

 

REXXAR: "Sieh mal Kevin, das schaffen wir schon. Zufällig gibts hier so eine Art Jobbörse in der Nähe. Da ist sicher ein gut bezahlter Auftrag dabei der voll und ganz unseren Fähigkeiten entspricht."

 

 

-etwas später im besagten "Arbeitsmarkt"-

 

 

ICH: "Von wegen Jobbörse. Das hier ist eine zugepflasterte Wand voller Steckbriefe. Ich glaub kaum, dass wir als Auftragskiller eine gute Figur machen..."

REXXAR: "Sieh dir doch die Steckbriefe zuerst an bevor du ein Urteil fällst."

 

Irritiert blickte ich ihn an. Dann ließ ich einen ersten Blick über die Steckbriefe wandern.

 

<<GESUCHT: Mogh der Tote - Hexendoktor der Schädelspalter - Tot - HOHE BELOHNUNG>>

<<GESUCHT: Roloch - Oger - extrem gefährlich - tot oder lebendig - HOHE BELOHNUNG>>

<<GESUCHT: Gluckser - Murlock - gesucht wegen Sittendelikt - Belohnung: roter Umhang>>

<<GESUCHT: Pogeyan - Tiger - lauert bevorzugt unbescholtenen Wanderern auf - Belohnung: Tigerfell>>

 

ICH sarkastisch: "Du hast Recht, da ist für jeden Geschmack das Richtige dabei..."

REXXAR: "Schau‘ etwas weiter rechts."

 

Ich verdrehte die Augen, wagte aber dann einen weiteren Blick. Er hat Recht, es gibt in der Tat noch andere Aufträge. Hier ist ein Steckbrief von einem gewissen Deeg, der jemanden sucht, der ihm 15 Beutel Schnupftaback von den Blutsegelbukanieren besorgt die ihm das Zeug gestohlen haben - Belohnung: 35 Silber. Ha! Für den ganzen Aufwand eindeutig unterbezahlt. Und hier: ein gewisser Sassy Hartzang will sechs Stück Akirischilfrohr für 25 Silber!

 

ICH: "So wird das ja nie was. Bis wir genug Geld zusammenhaben sind wir alt und grau!"

 

Ich suchte weiter. Plötzlich blieb mein Blick an einem Steckbrief hängen. Ich spürte wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete und sich meine Hände zu Fäusten ballten.

 

<<GESUCHT: Die Grünen Hügeln des Schlingendorntals - isch habe mein Lebenswerk bei einer banalen Wette verloren und hätte das gern wieder zurück - mehr Infos bei Hemet Nesingwary - Belohnung: zwei Tickets für die "Launische Minna". Ich stupste Rexxar in die Rippen und deutete stumm auf den Steckbrief. Seine Reaktion war ähnlich. Er bebte am ganzen Körper.

 

REXXAR: "Ich bring ihn um."

ICH: "Ja..."

REXXAR: "Wie stellen wirs an?"

ICH: "Wir ersäufen ihn in seinem eigenen Schnaps"

REXXAR: "Gute Idee, machen wir uns auf den Weg?"

ICH: "Okay..."

 

 

-zwei Tage später zurück im Lager von Nesingwary-

 

 

REXXAR: "Du versoffene Amphore! Bleib stehen und kämpfe wie ein Mann!"

 

Würden ich innerlich nicht vor Wut kochen, würde ich in schallendes Gelächter ausbrechen. Die Situation war einfach nur urkomisch. Rexxar jagte hinter dem Zwerg her als würde er versuchen ein verschrecktes Frettchen zu fangen. Der Zwerg legte hingegen ein Tempo hin, der einen Marathonläufer erbleichen lassen könnte."

 

NESINGWARY: "Isch denk' ja nischt dran. Dasch kommt meiner Gesundheit nicht besonders zugute."

 

Im selben Augenblick huschte er zwischen zwei Stapel Kisten durch.

 

REXXAR: "Ha, das war dein letzter Fehler!"

 

Mit unmenschlicher Kraft stemmte der Ork die Truhen kistenweise. Dann sah ich nur mehr wie er nach hinten griff und irgendetwas zu packen bekam. Mit spielerischer Leichtigkeit zog er den Zwerg in die Höhe. Hemet trat und boxte in alle Richtungen doch vergebens. Im Vergleich zu Rexxars Arm war Hemets Reichweite begrenzt. Rexxar grinste teuflisch. Hemet erbleichte. Mit einem Ruck hatte er den Zwerg an seinen Hosenträger an einer losen Zeltstange aufgehängt. Der Widerstand des Zwergs erschlaffte. Rexxar verschränkte die Arme und betrachtete stolz sein Werk. Er wippte seinen Kopf von einer Schulter zur anderen.

 

REXXAR: "Nun? Du wusstest dass wir Geld brauchen. Warum hast du uns das nicht mitgeteilt als die Jagd nach dem rosa Eletfanten gescheitert ist?"

NESINGWARY: "Aber ihr seid doch ein Kaffeebrauer und ein Bestienmeister! Der Auftrag ist nicht für euch!" - seine Stimme klang mit einem Schlag nüchtern.

ICH: "Warum? Was ist so schwer daran, ein Buch zu besorgen?"

NESINGWARY: "Versteht es nicht falsch! Ich hab vollstes Vertrauen in eure Fähigkeiten. Aber das hier geht über eure Fähigkeiten hinaus!"

ICH: "Wir haben einen alten Gott überlebt. Was soll da gefährlicher sein?"

 

Nesingwary schuckte: "Sieh mal Kevin, ich hab die Wette gegen Käpt'n Kielhol verloren. Glaubt mir, sich mit dem anzulegen kann weitreichende Auswirkungen auf euer Leib und Leben haben! In die Gefahr wollte ich euch nicht bringen! Wisst ihr, wer dieser Käpt'n Kielhol überhaupt ist?"

 

Ich tauschte mit Rexxar einen Blick aus. Er zuckte die Schultern.

 

NESINGWARY: "Kielhol ist der Anführer der Blutsegelbukaniere hier am Schlingendornkap. Er ist ein Piratenkapitän. Und seid mir nicht böse aber ich kenne euch inzwischen gut genug. Wenn ihr eins nicht besitzt, dann diplomatisches Feingefühl."

 

Rexxar warf mir einen Blick zu. Ich nickte. Mit einem Ruck setzte der Ork den Zwerg wieder auf dem Boden ab. Seine Stimme hatte wieder den altbekannten Ton angenommen.

 

NESINGWARY: "Isch hoff ihr seid mir nischt mehr pö...pö...böse *hicks*."

 

Rexxar warf mir einen verwirrten Blick zu. Ich zuckte nur die Schultern.

 

ICH: "Und dieser Kielhol hat dein Buch? Um was ging es überhaupt in dieser Wette?"

NESINGWARY: "Isch wäre froh, dasch nischt vertiefen zu müssen..."

ICH: "Ok, nicht so schlimm. Wir nehmen den Auftrag an!"

 

Nesingwary, wieder nüchtern: "Habt ihr mir überhaupt zugehört? Der Auftrag ist nichts für euch! Wollt ihr eine ganze Piratenflotte als Feind haben?" - kurze Pause - "Seid ihr euch sicher?"

 

ICH: "Absolut, halt die Tickets bereit."

 

Nesingwary, wieder "normal": "Dann ischt es abgemacht. Isch wünsch euch viel Glück!"

 

Nachdem uns Nesingwary gütigerweise noch mitgeteilt hat wie und wo wir Käpt’n Kielhol zumeist auffinden können machten wir uns wieder zurück nach Beutebucht. Zwei Tage später waren wir ohne Zwischenfälle wieder zurück in besagter Stadt. Wie in einem schlechten Westernfilm traten wir durch die hüfthohe Schwingtüre in die „Taverne zum salzigen Seemann“ ein. Ein griesgrämiger alter Barkeeper der lieblos ein milchig-trübes Bierglas trockenschrubbte deutete auf Anfrage halbherzig mit einer gelangweilten Kopfbewegung in eine der düstereren Ecken der Taverne. Gemächlich setzten wir uns in Bewegung.

Als wir uns den Tisch näherten klappten zwei messerscharfe Hellebarden vor uns herunter. Die eine Klinge verfehlte meine Nasenspitze lediglich ein paar Millimeter. Verdutzt betrachteten wir die Waffen. Dann glitt unser Blick langsam die Schäfte hinauf. Unser Blick traf zwei muskulöse Gestalten die völlig in Schatten getaucht waren. Es war unmöglich dessen Gesicht, geschweige denn deren Rasse zu identifizieren. Doch eins war sicher: die Gestalten waren groß – und muskulös – und waren eindeutig nicht zum Spaßen aufgelegt.

 

Ich schritt näher an die Waffen heran, stellte mich auf die Zehenspitzen und blinzelte neugierig hinüber. Die Wachen grunzten und schoben die Hellebarden eine Spur höher. Ich ignorierte den Widerstand, sondern richtete mich direkt an den Tisch vor mir.

 

ICH: „Sind Sie das, Käpt’n Kielhol? Wir müssen reden.“

 

Im Schatten knarrzte etwas bedrohlich.

 

KIELHOHL: „Wer will das wissen?“

 

ICH: „Kevin. Es geht um ein gewisses Buch von Heming Nesingwary beziehungsweise um eine verlorengegangene Wette.“

 

Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit. Inzwischen erkannte ich eine kleinlich wirkende Gestalt, die entspannt auf einem Holzstuhl hin und her wippte, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und einen typisch anmutenden Admiralshut weit in die Augen geschoben hatte. Ansatzweise erkannte ich einen breit grinsenden Mund, danach eine Zunge die sich die Zähne bleckte. Es folgte ein leise beginnendes und immer lauter werdendes Gekichere.

 

KIELHOL: „Ach ja, der gute alte Hemet. Schickt er seine beiden Bluthunde vor um sein Buch wieder einzufordern? Zu feige um mir selbst gegenüberzutreten?“ Der Käpt’n blickte das erste Mal hoch. Sein Blick durchbohrte uns wie zwei Dolchspitzen. „Wenn ihr auf meinen Kopf aus seid, dann seid gewarnt. Schon viele haben es versucht und alle sind kläglich gescheitert!“

 

Ich hob abwehrend die Hände.

 

ICH: „Was? Nein! Wir wurden von Hemet beauftragt, das Buch wieder zu beschaffen. Wie, von dem war keine Rede!“, ich stutzte. „Sie sind ein Goblin?“

 

Kielhols Augen verzogen sich zu einem verächtlichen schlitzförmigen Blick.

 

KIELHOL: „Probleme damit?“

 

ICH: „Nein, überhaupt nicht, es ist nur: Goblins sind mir eher als halsabschneiderische Händler bekannt. Dass aber ein Goblin sprichwörtlich selbst ein Halsabschneider ist, war mir bisher nicht bekannt.“

 

Kielhol entspannte sich. Lächelte.

 

KIELHOL: „Sollte man meinen ja. Doch entgegen allen Gerüchten sind nicht alle Goblins geborene Händler. Wie sagt man dazu: Ich hab‘ einfach nicht die Ohren dazu. Deshalb hab‘ ich mir eine andere Beschäftigung gesucht -kurze Pause– nachdem ihr mich wegen dem Buch nicht meucheln wollt, so frag‘ ich mich, was wollt ihr dann?“

 

ICH: „Seid ihr an einem Handel interessert? Hemet hätte das Buch WIRKLICH gerne wieder. Doch seit gewarnt: wir haben kein Geld!“

 

Der Schwarzmeerpirat brach in schallendes Gelächter aus.

 

KIELHOL: „Ich denke ihr seid in Ordnung.“ Er gab einen kurzen Wink. „Wachen, nehmt die Waffen herunter.“ Die Hellebarden schwanken zur Seite und die Wachen verschwanden wieder im Schatten.

KIELHOL: „Kommt näher, setzt euch!“

 

Wortlos setzten wir uns auf die gegenüberliegende Seite des Tischs.

 

REXXAR: „Nur so aus Interesse: Um was ging es bei dieser ominösen Wette?“

 

Erneut brach der Käpt’n in schallendes Gelächter aus. Im Hintergrund stimmten seine Lakaien heiser ein.

 

KIELHOL: „Stellt auch das vor! Hemet hat behauptet, er würde mehr vertragen als ich. Sagen wir so: ich hab‘ ihm vom Gegenteil überzeugt!“

 

REXXAR: „Und was hätte Hemet bekommen, wenn er gewonnen hätte?“

Kielhol deutete auf seine Stirn: „Diesen hübschen Hut hier.“

 

REXXAR: „Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen euch gegenseitig herauszufordern?“

 

KIELHOL: „Och, ist’s ok wenn ich euch duze? Ich mag euch irgendwie. Ihr wisst wie das ist. In so einer kleinen Ortschaft wie Beutebucht kennt jeder Jeden. Es war unvermeidlich, dass wir eines Tages aneinandergeraten...Doch nun genug geredet: Es gibt in der Tat etwas, was ich für das Buch eintauschen würde: Als ernstzunehmender Kapitän brauche ich einen Papagei. Doch nicht einen x-beliebigen. Als Anführer der Blutsegelbukaniere von Beutebucht braucht man ein repräsentatives Haustier. Ein Hyazinthara zum Beispiel. Sehr selten, und die Biester lassen sich nur sehr schwer fangen. Man sagt, diese Aras sind schlau und wissen genau, wem sie sich gefahrlos nähern können. Denn grundsätzlich sind die Vögel sehr anhänglich. Für mich als König der Piraten gilt diese Vertrauenswürdigkeit natürlich nicht.“

 

Während Kielhol seine Geschichte erzählt hatten wir uns bereits zwei Humpen feinstes Edelweizen bestellt. Als uns die Geschichte des Hyazintharas erzählte nahmen wir gerade einen kräftigen Schluck. Die Offenbarung ließ uns spontan am Bier verschlucken. Der Schaum fuhr praktisch als Fontäne aus dem Glas.

 

Wir antworteten beinahe synchron: „DAS IST NICHT DEIN ERNST ODER?“

 

Etwas überrascht von dieser Reaktion hob Kielhol abwehrend die Hände. Innerhalb eines Augenblicks waren die Wachen wieder hinter uns. Ein bedrohliches Schnaufen blies uns ins Genick. Wir erschauderten. Kielhol winkte die Wachen ein weiteres Mal weg. Ich war der Erste der sich wieder fasste.

 

ICH: „Tut mir leid für den Ausbruch, aber wir hatten heute morgen Grillhähnchen. Wie hast du den Vogel genannt, Rexxar?“

 

REXXAR: „Hyazinthara...“

 

KIELHOL: „Tja, das ist schlecht...schlecht für euch zumindest.“, er grinste hämisch. „ich tausche das Buch nur gegen einen Hyazinthara. Doch nachdem ihr bereits einen der überaus seltenen Artgenossen verspeist hat, so könnt ihr damit rechnen, dass die Suche nach einem würdigen Ersatz sehr, ich wiederhole, sehr lange dauern wird... euer Massaker hat sich vermutlich inzwischen unter seinen Artgenossen rumgesprochen.“

 

Rexxar stand auf: „Ach was, das wird schon nicht so schlimm. Immerhin bin ich Bestienmeister. Komm Kevin, wir gehen!“

 

Ich stand gehorsam auf und wir gingen.

 

Rexxar: „Kielhol, halt das Buch warm, wir sind bald zurück!“

 

Kielhol grinste: „Wir werden sehen, wir werden sehen.“

 

Im Hintergrund hörten wir ein schelmisches Gekichere, welches langsam leiser wurde und erst verstummte, als wir wieder durch die Schwingtür der Taverne schritten. Ich fürchte, das Buch zu besorgen wird schwieriger als erwartet.

 

 

 

-sehr viel später, irgendwo in den tiefsten Tiefen des Dschungels des Schlingendornkaps-

 

 

 

Mittagszeit. Wie um diese Uhrzeit üblich herrscht um diese Zeit erdrückende Stille im dichten Dschungel des Schlingendornkaps. Kein Lüftchen regt sich, keine Zikarde zirpte ihr trauriges Lied. Plötzlich durchbrach das Flattern eines zu groß geratenen Kanarienvogels das Dickicht. Innerhalb von zwei Sekunden zog dieses Geräusch vorüber. Es folgte das Gelächters das ähnlich klang wie das Gekichere eines gewissen Woody Woodpecker (man verzeihe mir diesen Vergleich). Erneut Stille. Dann, weit abgeschlagen, ertönte das Krachen und Knirschen von berstendem Unterholz, als würde sich ein altmodischer Belagerungspanzer durchs Dickicht quälen. Panisch brachten sich Lebewesen aller Art, die das Pech hatten in dessen Weg zu sein in Sicherheit. Langsam kam das Geräusch näher. Inzwischen kann man das Keuchen und Schnaufen eines traurig dreinschauenden Männchens und dessen Orkbegleiters vernehmen die offenbar denselben Weg hatten wie besagter übergroßer Kanarienvogel.

 

ICH: „Schneller Rexxar! Er entkommt!“

REXXAR: „Ich tu was ich kann!“

 

-kurze Pause-

 

ICH: „Seit fünf Tagen jagen wir dem Vieh hinterher, doch es wird einfach nicht müde. Und sämtliche Fangversuche sind bisher fehlgeschlagen. Hättest du Geisterschwinge nicht so fettgefüttert, wäre sie wahrscheinlich in der Lage gewesen das Zielobjekt einzufangen. Aber nein, Rexxar meint, ihn mit Cholesterinhaltigen Hühnerhaxen füttern zu müssen!“

 

Geisterschwinge, die auf Rexxars Schultern hockte und sichtlich den Fahrtwind genoss drehte den Kopf um 180° (ich lief genau hinter Rexxar) und gurrte mir verächtlich zu. Ich erschauderte. Rexxar schnaubte griesgrämig, erwiderte jedoch nichts.

 

ICH: „Ich versteh das einfach nicht. Für den Hyazinthara scheint dies nur ein Spiel zu sein. Zu allem Überfluss übernachtet er immer am Ast über unserem Lager, gerade außerhalb unserer Reichweite. Das Biest ist schlau und kostet seine Überlegenheit in vollen Zügen aus.

 

Weiter geht’s im vollen Galopp quer durch den Dschungel. Leokk, etwas abseits von Rexxar schien die Jagd auch zu genießen. Wie für den Windreiter üblich hechelte er unentwegt. Die Zunge wehte im Wind und endete irgendwo gefühlt einen Meter hinter ihm. Ein geübter Fährtenleser hätte wohl keine allzu großen Schwierigkeiten, uns anhand der deutlichen Sabberspur durch den Wald zu verfolgen. Von der Schneise der Verwüstung, die wir hinterliesen ganz zu schweigen. Plötzlich war der Dschungel zu Ende und wir stolperten auf einen weitläufigen Kiesstrand. Irgendwo rechts von unserer Position erstreckte sich die Skyline von Beutebucht am Horizont. Erneut ertönte das nervenzerreißende Gelächter, danach war der Hyazinthara irgendwo am Horizont verschwunden. Völlig außer Atem brachen wir an Ort und Stelle zusammen. Der Schweiß tropfte uns von der Stirn, der Brustkorb hob und senkte sich in unregelmäßigen Abständen. Wir waren völlig am Ende. Uns gegenüber ließ sich Leokk nieder und starrte uns mit seinen kugelrunden Glubschaugen an. Er schien überhaupt nicht außer Atem zu sein. Gemächlich gesellte sich auch Mischa zu uns und ließ sich gelangweilt neben uns nieder. Und Geisterschwinge flatterte gemächlich von Rexxars Schultern, ließ sich am Kiesstrand nieder und begann wie ein Suppenhuhn im Sand zu scharren. Und Grummel? Der suchte vermutlich wieder nach Trüffel. Generell hält sich das Warzenschwein seit der Ankunft im Schlingendorntal eher im Hintergrund auf. Nicht, dass wir unsere Notration irgendwo vergessen.

 

Ich schaute mich um und war überrascht, keine zwei Meter von uns eine Gestalt zu erblicken, die uns mit einem ähnlich überrascht interessierten Blick begutachtete wie ich ihn. Ich glaube es handelt sich um einen Menschen. Denn Yetis bzw. Bigfoots waren in diesem Bereich der östlichen Königreiche meines Wissens ausgestorben. Dennoch ließ seine haarige Statur darauf schließen. Nein das kann nicht sein. Yetis tragen üblicherweise keine Hosenträger. Die Gestalt starrte mich weiter an und schien zu überlegen ob ich genießbar bin. Erst jetzt bemerkte ich den farbenprächtigen Hyazinthara, der auf seinem Unterarm hockte. Ich knuffte Rexxar in die Hüften und deutete auf den Wilden. Rexxar bleckte die Zähne und grummelte zufrieden. Die Gestalt begann nun nervos von einem Bein aufs andere zu springen, ergriff aber schließlich das Wort.

 

YETI: „Ähmmm... kann ich euch irgendwie helfen?“

 

Wir starrten ihn weiter an, erwiderten jedoch nichts – oder noch besser: nicht ihn, sondern den Hyazinthara. Der Vogel schien den Kopf einzuziehen und sich fester am Unterarm des Yetis festzukrallen.

 

YETI: „Geht es euch nicht gut? Soll ich erste Hilfe leisten?“

Erst jetzt wurden wir aus unseren Gedanken gerissen. Noch etwas verwirrt brachen wir das Schweigen.“

 

ICH: „Verzeihung, aber ist das dein Hyazinthara?“

YETI: „Natürlich! Ich hab sogar vier davon!“

 

Er pfiff in die Finger und plötzlich brachen drei weiter Hyazintharas aus dem Dickicht und ließen sich nacheinander auf besagten Unterarm nieder. Die drei Neuankömmlinge starrten uns entgeistert an. Die vierte Hyazintara ließ ein fragendes Gurren ertönen. Eine gurrte zurück. Die vierte Hyazinthara erbleichte (was durch das strahlend blaue Federkleid sicher nicht einfach war). Der Yeti zuckte kurz zusammen als sich die restlichen drei Hyazintharas ebenfalls tiefer in seinen Unterarm bohrten.

 

YETI: „Alpha, Beta, Gamma und Ferdinand! Jetzt ist aber mal Schluss!“

 

Der Wilde hob strafend seinen Zeigefinger in Richtung der Vögel. Der Griff der Hyazintharas schien sich zu lockern, denn das Gesicht des Wilden entspannte sich wieder. Dann drehte sich die Gestalt zu uns um.

 

YETI: „Und nun zu euch. Ein Vögelchen hat mir soeben gezwitschert, dass ihr leidenschaftlich seltene exotische Haustiere verspeist.“

 

ICH: „Was? Ich doch nicht! Sondern er!“

 

Ich deutete auf Rexxar. Der Ork starrte mich überrascht an.

 

REXXAR: „Jetzt aber mal halblang! Wer von uns hatte geschrien: boah, jetzt hätte ich voll Bock auf Grillhähnchen? Ich etwa? Nein mein Guter, du steckst da genauso drinnen wie ich!“

 

ICH: „Aber... ich hatte Hunger!“

 

Der Fremde beobachtete die Diskussion interessiert, oder eher amüsiert? Ich blickte die Hyazintharas auf dem Arm des Fremden wieder an.“

 

ICH: „So, jetzt ist es raus! Ja, wir haben einen eurer Artgenossen verspeist!“

 

Erneut verzog der Fremde schmerzerfüllt sein Gesicht, als sich die Vögel erneut panisch in den Arm krallten. Der Fremde wedelte mit den Armen als würde er selbst versuchen davonzufliegen. Doch die Biester blieben elegant sitzen. Kurze zeit später schienen sich die Vögel zu beruhigen, denn der Fremde beendete seinen Freudentanz ebenfalls wieder.

 

YETI: „Und was treibt euch wie vergiftet durch den Dschungel?“

 

REXXAR erfreut: „Wir haben einen weiteren Ara gejagt!“

 

Erneut erfolgte ein Freudentanz nach altbewährtem Schema.

 

YETI: „So... jetzt... ist... es... aber... genug. Ich hab genug gehört!“

 

ICH: „Ja, aber wir hatten kein Glück. Dürfen wir dir einen Ara abkaufen?“

 

Der Yeti jaulte vor Schmerz auf. Diesmal dauerte der Tanz deutlich länger als sonst. Die Aras zitterten ängstlich da sie fürchteten, der nächste zu sein, der von diesen Barbaren verspeist wurde.

 

Ich gelassen: „Wer bist du überhaupt? Und wozu brauchst du vier dieser komischen Vögel?“

 

YETI: „Verzeiht, hab ich mich noch gar nicht vorgestellt? Mein Name ist Bill Schildbuckel und bin Meistertierzähmer hier am Schlingendornkap.“
 

REXXAR erfreut: „Oh schön! Das bin ich auch. Darf ich vorstellen? Mischa, Leokk, Grummel und Geisterschwinge!“

 

Er deutete nacheinander auf seine vier Begleiter und machte eine ähnliche Vorstellung wie bei mir damals in Shattrath. Als er fertig war hob Bill abwehrend die Hände.

 

BILL: „Nein, Meistertierzähmer sind etwas anderes, wir haben uns eher auf Begleiter spezialisiert, die maximal Taschengröße erreichen. So kann man sie bequem transportieren und ohne Probleme durch den Zoll schmuggeln, versteht ihr?“

 

Wir schüttelten nur nichtswissend den Kopf.

 

BILL: „Na gut, ich erklärs euch: Wir sind eine Elite in den so genannten Haustierkämpfen. Dabei treten jeweis zwei Spieler gegeneinander an, wobei jeder drei Haustiere in den Kampf schickt. Der Spieler der gewinnt, erhält in der Regel Ruhm und Ehre. Es gibt sehr viele Vierzehnjährige die von zu Hause in die gefährliche Welt reisen um die besten Haustierzähmer der Welt zu werden! Am Ende treten sie gegen die Top 4 an, zu denen auch ich zähle, und wenn sie es schaffen alle zu besiegen, werden sie zu neuen Champions!“

 

ICH: „Aha...und wo genau ist hier der Unterschied zu den illegalen und grausamen Hahnenkämpfen?“

BILL trocken: „Dass sie legal sind...“

ICH: „Oh!“

 

REXXAR: „Und ich darf mit meinen Haustieren nicht antreten?“

BILL: „Nein!“

 

Rexxar seufzte. Es folgte eine kurze Pause.

 

ICH: „Um wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukehren. Würdest du einen Ara verkaufen? Wenn ich das richtig verstanden habe, brauchst du sowieso nur drei. Un nein! Wir werden ihn nicht essen! Das soll ein Geschenk an Käpt’n Kielhol werden um es gegen etwas anderes einzutauschen...“

 

BILL: „Jetzt wo ihr Kielhol erwähnt... ich suche tatsächlich etwas was man nicht mit Geld kaufen kann. Ein Piraten-Memory! Und zufälligerweise hat Käpt’n Kielhol genau das, was ich möchte.“

 

ICH: „Wir sind hier in Beutebucht, der Hochburg der Piraten! Warum gehst du nicht zum ansässigen Spielzeugladen und kaufst dir eins, welches sie dir vermutlich zum Spottpreis nachwerfen werden?“

 

BILL: „Ja, genau hier ist das Problem.“ Er grinste verlegen. „An Piraten-Memorys mangelt es hier in der Tat nicht, aber um ehrlich zu sein, die sind mir alle zu „piratig“. Ich tausche nur gegen das im Besitz von Käpt’n Kielhol! Wenn ihr es mir besorgt, dann kommen wir ins Geschäft.“

 

Ich verdrehte die Augen, nickte Rexxar zu und sagte nur: „Rexxar, wir gehen.“

 

-etwa zwei Stunden später zurück im salzigen Seemann-

 

 

Käptn Kielhol war glücklicherweise wieder an seinem Stammtisch aufzufinden, der mit einer gewissen Belustigung mit seinem Sessel vor und zurück wippte.

 

ICH: „...und deshalb brauchen wir das Piraten-Memory.“

 

Während ich die tragische Geschichte erzählte, wurde das grinsen von Käpt’n Kielhol immer breiter. Inzwischen ähnelte das Lächeln einer gewissen Grinsekatze aus dem Wunderland.

 

KIELHOL: „Da ihr sowieso nicht aufgeben werdet, bevor ich euch das Memory aushändige, komme ich gleich zum geschäftlichen. Es gibt in der Tat etwas, was ich haben möchte...“

 

Ich verdrehte die Augen und flüsterte Rexxar zu: „Warum überrascht mich das nicht?“

 

Kielhol plauderte inzwischen munter drauflos: „Kennt ihr die Gurubashi-Arena etwa einen halben Tagesmarsch von hier?“

 

 

-wieder etwas später, etwa einen halben Tagesmarsch von Beutebucht entfernt, etwa an der Stelle wo man vor etwa einer Woche blöde Witze über Deppen gerissen hat, die sich wegen einer blöden blechernen Anstecknadel verkloppen-

 

 

ICH: „Das schlägt den Fass den Boden aus! Wollen die uns auf den Arm nehmen? Es kann doch nicht sein, dass wir uns wegen ein paar so blöden Tickets zu solchen Witzfiguren machen müssen! Jetzt müssen wir dem Käpten noch die blecherne Anstecknadel besorgen.“

 

REXXAR: „Mach dir nicht so viele Sorgen deswegen. Du weißt ja wie es abläuft. Der Kampf um die Kiste beginnt in regelmäßigen Intervallen, unabhängig ob es Bewerber gibt oder nicht. Wir warten einfach ab und wenn sich keiner zeigt, schnappen wir uns das Teil und machen uns aus dem Staub.“

 

 

-drei Tage später-

 

 

ICH: „Langsam wird’s lächerlich. Das Turnier findet alle drei Stunden statt aber trotzdem finden sich in den letzten fünf Minuten Horden zwielichter Abenteurer ein, die versuchen zur Legende zu werden. Und wozu das alles? Damit sie einen Sternchenstempel in ihr „Erfolgslogbuch“ erhalten um damit prahlen zu können. Und wenn das Logbuch voll ist, was dann?“

 

REXXAR: „Dann bekommen sie ein Neues!“

 

ICH: „Na klasse! Hört das denn nie auf? Ich wäre in der Tat gewillt, einen Versuch zu wagen. Meine Kinnhaken sind inzwischen legendär. Wie damals, als ich den Torwächter Drathir eine verpasste, oder später wie ich in Karazhan einige Blutelfen auf die Bretter schickte.“

 

Während ich so darüber nachdenke, hat mein heiliger Zorn bisher nur Blutelfen getroffen. Nicht falsch verstehen, ich mag Blutelfen – ist alles nur ein blöder Zufall.

 

REXXAR: „Kevin, warum grinst du so?“

ICH: „Wer, ich? Weil...weil...weil ich da jetzt reingehe und die Anstecknadel hole.“

REXXAR: „Ich würde mir das nochmals gründlich überlegen Kevin.“
ICH: „Warum? Traust du es mir nicht zu?“

 

Rexxar biss sich auf die Lippen bevor er sachte antwortete.

 

REXXAR: „Auch wenn ich großen Respekt vor deinen Kinnhaken hab, denk ich nicht, dass sich diese hartgesottenen Burschen davon besonders beeindrucken lassen. Außerdem bist du auf deinem linken Auge praktisch blind. Es wäre ein leichtes für deine Widersacher, sich von der Seite anzuschleichen.“

 

Ich ließ meine Schultern sinken: „Ja, ich weiß, aber ich muss das tun, verstehst du?“

 

Rexxar betrachtete mich mit besorgter Mine, nickte aber schließlich.

 

REXXAR: „Geht klar Kevin, aber falls du Hilfe brauchst, gib mir Bescheid.“

ICH: „Danke Rexxar, du bist ein wahrer Freund. Sei so nett und warte vor der Arena.“

 

Als ich diese Worte gesagt hatte, machte ich kehrt und begab mich in die Arena.

 

 

 

-fünf Minuten später-

 

 

 

ICH: „So, alles erledigt, lass uns aufbrechen.“

Rexxar sprang überraschend auf: „Was? Du hast gewonnen? Ich hörte einen heftigen Kampf in der Arena wüten – vermutlich der schlimmste den wir bisher erlebt haben. Wie hast du das nur gemacht?“

 

ICH: „Was ich gemacht hab?“, mein Atem stockte, dann brach ich in schallendes Gelächter aus. „Nein nein, ich hab mit Störtebrecher gesprochen, den einheimischen Arenameister, der das Ganze Tamtam hier leitet. Ich hab mit ihm einen Handel abgeschlossen. Wenn wir ihm eine verchromte Angelrute besorgen, überlässt er uns zum Dank eine Anstecknadel.“ Ich schwieg einen Augenblick. „Dachtest du wirklich ich würde mich da drinnen verkloppen lassen? Tut mir leid, wenn es so geklungen haben soll...“

 

Rexxar explodierte, packte mich und schüttelte mich heftig durch.

 

REXXAR: „Heißt das, ich hab mir unnötig Sorgen gemacht? Ich sag‘ dir eins Kevin, mach das nie wieder!“

ICH: „Ich hab doch gar nichts gemacht. Kann ich was dafür, wenn du mich falsch verstehst?“ – kurze Pause – „Siehs mal so: das Buch haben wir schon so gut wie in der Tasche. Wie gesagt, den Angelwettbewerb haben wir schon so gut wie gewonnen. Der Rest wird ein wahres Kinderspiel.“

 

In der Ferne ertönt ein Muschelhorn.

 

ICH: „Ach, so ein Zufall! Der Wettbewerb beginnt gerade. Lasst uns aufbrechen. Rexxar! Bau` uns inzwischen eine Angelrute. Etwas Schnur um einen Ast gewickelt sollte reichen. Den Rest erledigt der Köder. Die Leckerfische, die wir fangen müssen heißen nicht umsonst so. Sie sind wahre Schleckermäulchen und werden einen guten Köder sicher nicht verschmähen“, ich öffnete einen Beutel, „Diese Kaffeebohnen!“

 

In gemächlichem Tempo, aber nicht mit besonders viel Eile joggten wir zum Strand in der Nähe, wohlwissend, dass die anderen Angler keine Chance haben werden. Als wir schließlich am Strand ankamen, stockte uns der Atem. Aufgefädelt wie auf einer Perlenkette zwängte sich ein Angler an den nächsten, und zwar in beide Richtungen gleichermaßen. Selbst am Horizont scheint diese Kette nicht abzureißen.

 

REXXAR: „Kevin...“

Meine Stimme versagte. Mir entwich nicht mehr als ein Röcheln: „Ja?“

REXXAR: „Ich glaube wir haben ein Problem...“

 

Ich zögerte kurz, fasste mich aber schnell wieder.

 

ICH: „Rexxar, du bist wie immer ein Schwarzmaler. Wir suchen uns ein hübsches Plätzchen, schnappen uns die vierzig Leckerfische und holen uns die Angelrute.“

REXXAR: „Zweiteres ist einleuchtend, nur das mit dem hübschen Plätzchen wird etwas schwieriger. Gestatte, dass ich uns dabei ein bisschen zur Hand gehe.“

 

Rexxar schnippte in die Finger: „Leokk, Grummel, Geisterschwinge kommt näher.“  Die vier steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Zwischenzeitlich begann Leokk zu kichern, doch er verstummte schnell wieder als Rexxar mit erhobenem Zeigefinger symbolisierte still zu sein. Es war unmöglich ein Wort zu verstehen. Dann war es schließlich so weit.

 

REXXAR: „Seid ihr bereit? Gibt’s noch Fragen? Wenn nicht, dann lasst uns anfangen.“

 

Leokk flitzte nach links, Grummel nach rechts, und Geisterschwinge begab sich in die Lüfte, flog seewärts, machte aber dann kehrt und flog in Richtung der Anglermeute.

Bevor ich mich erkundigen konnte, wie der Plan genau funktionieren soll, war er bereits voll im Gange.

 

Rexxar brüllte aus Leibeskräften: „ACHTUNG! TOLLWUT, VOGELGRIPPE, SCHWEINEGRIPPE! BRINGT EUCH IN SICHERHEIT!“

 

Im selben Augenblick stürzten sich die drei Begleiter in die Menge, brüllten und kreischten. In einem breiten Abschnitt der Küste liesen zahlreiche Angler ihr bestes Angelwerkzeug fallen und liefen panisch durcheinander. Chaos brach aus. Die Angler stießen aneinander, einige stolperten oder wurden über den Haufen getrampelt. An einem Kustenabschnitt von gut und gern einem Kilometer drängten plötzlich alle Richtung Dschungel (wo bereits die fetten Schlingendorntiger die Zähne bleckten, von denen ich euch bereits erzählt hab).

 

Wie man später in Zeitungen lesen soll, gab es nur leicht Verletzte (Wobei man in Azeroth vorsichtig sein soll, wenn man von einer „leichten Verletzung“ spricht. Ein fehlender Arm fällt, soweit ich weiß, noch unter „leichte Verletzung“. Auch die Floskel „keine Vermisste“ sollte man mit Vorsicht genießen. Bei den meisten selbsternannten „Abenteurer“, die in ferner Zukunft noch von größerer Bedeutung sind, sind die familären Verhältnisse nicht ganz klar beziehungsweise nicht existent. Wenn in der Zeitung geschrieben steht, dass niemand vermisst wird, so bedeutet dies lediglich, dass es niemanden gibt, der einen vermissen kann! Aber nun genug, ich schweife schon wieder ab!)

 

Betrachtet man also nüchtern den Zeitungsausschnitt, so gab es bei diesem Event lediglich leicht Verletzte und keine Vermisste.

 

Mit einem Schlag war, wie bereits erwähnt, ein „ein“ Kilometer langer Küstenstreifen leergefegt. Rexxar stemmte die Arme in die Hüften und genoss das Schauspiel. Mit der linken Hand streichelte er Mischa, die sich neben ihn gesellt hatte. Ich war geistesgegenwärtig genug, schon während der „Evakuierung“ den ersten Köder ins Wasser zu lassen. Doch meine anfängliche Freude schlug schnell in Panik um.

 

ICH: „Rexxar, die Fische beißen nicht!“

Rexxar wirbelte zu mir herum: „WAS?“

ICH: „Die Fische nehmen den Köder nicht an, es will nichts beißen. Gar nichts!“

REXXAR: „Aber das ist...UNMÖGLICH! Gib die Angel her!“

 

Jetzt versuchte es Rexxar – fummelte unbeholfen mit der Angel rum.

 

REXXAR: „Du hast Recht, so wird das nichts. Den Fischen schmeckt dein Kaffee nicht, auch wenn dies, rein statistisch betrachtet, gar nicht sein kann! Aber noch ist nicht alles verloren...MISCHA! KOMM HER!“

 

Kevin trat an Mischa heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie brüllte etwas und stürzte sich mit Begeisterung ins Meer.

 

REXXAR: „Siehst du Kevin, Mischa ist und bleibt ein riesiger Grizzly. Und wie es bei Grizzlys üblich ist, sind sie passable Fischer. Du wirst sehen, den Anglerwettbewerb können wir noch gewinnen.

 

So war es auch. Die schaufelradgroßen Tatzen mähten durchs Wasser und holten mühelos Unmengen an Fischen an Land. Innerhalb von gefühlt zwei Minuten war das Pensum von vierzig Leckerfischen erreicht. Schlussendlich waren es ein paar mehr. Bei siebzig hab‘ ich aufgehört zu zählen. Hastig füllten wir unsere sämtlichen Taschenplätze mit dem begehrten Fischfilet, zu welchem auch Hosentaschen und ähnliches zählen. Mit (sprichwörtlich) vollen Hosen watschelten wir in Eiltempo Richtung Beutebucht und knallten dem Preisrichter die Fische just in dem Moment auf dem Tresen, als ein schlecht ausbalanciertes Muschelhorn das Ende des Anglerwettbewerbs einläutete. Es scheint as hätte es wegen besagter Massenpanik sonst niemand geschafft, die vierzig Fische zusammenzukratzen.

 

Ab jetzt ging alles sehr schnell. Der Preisrichter Riggle Barschfang überreichte uns gelangweilt die verchromte Angelrute, die wir umgehend bei Störtebrecher ablieferten. Der war heilfroh, dass er nun als „Schrecken der Meere“ in seiner kargen Freizeit die Ozeane unsicher machen durfte. Denn insgeheim war er leidenschaftlicher Angler. Weiter ging es zu Käpf’n Kielhol, der uns als Gegenleistung das Piratenmemory aushändigte. Auf die Frage hin, wofür er das Abzeichen denn brauchte, antwortete er nur, dass er als Anführer der Blutsegelbukaniere auch respektiert werden müsste. Dies war ihm mit dieser Anstecknadel sicher. Seine Stimme klang sehr heiser. Wie es aussieht, brütet er gerade eine Erkältung aus.

 

Der Yeti Bill freute sich unheimlich über das versprochene Piraten-Memory, wofür er mit Freuden einen seiner Aras hertauschte. Die Wahl fiel auf Gamma, da dieser laut Bill namentlich sowieso nicht in die Gruppe der Aras reinpasste. Der Abschied fiel ihm sehr schwer. Nicht weil er den Ara vermissen täte, sondern weil er sich so an seinem Arm festkrallte, dass es nur mit Mühe und großen Schmerzen möglich war, den Vogel zu pflücken.

 

Erneut ging es zurück zu Käpf’n Kielhol, um uns das Buch „Die grünen Hügel des Schlingendorntals“ abzuholen. Der Käpt’n lehnte diesmal nicht so gelassen in seinem Holzstuhl sondern rutschte nervös von einer Popacke auf die Andere.

 

KIELHOL: „Kevin, Rexxar, ich bin euch überaus dankbar, dass ihr den Ara und das Abzeichen besorgt habt, doch nun...“

REXXAR: „Nun?“

KIELHOL: „...seht, ihr wart so lange weg, dass ich nicht mehr damit rechnete, dass ihr zurückkehrt und deshalb...“

REXXAR: „Raus mit der Sprache!“

KIELHOL: „Nunja, wie soll ich das schonend sagen... ich hab es heute im neutralen Aktionshaus hier in Beutebucht eingestellt...“

REXXAR: „Wo ist das Problem? Das Buch hast du erst kürzlich eingestellt und niemand wird das Buch kaufen wollen. Brich die Auktion einfach ab und gib‘ uns das Buch.“

 

Kielhol wurde nun noch nervöser: „Grundsätzlich hast du Recht.“

Kielhol zog die Luft zwischen die Zähne ein: „Aber bedauerlicherweise gab es doch einen Interessenten. Die Sache geht ganz nach oben.“

 

Rexxar trocken: „Du bist der Anführer der Blutsegelbukaniere. Kläre die Sache mit der Person, übe Druck aus oder was auch immer! Einem Piraten wie dir wird er die Bitte nicht ausschlagen können. Vor allem dann nicht, wenn deine zwei Wachen ihm die Hellebarden unter die Nase halten.“

 

Kielhol wiederholte seine letzten Worte: „Grundsätzlich hast du Recht. Grundsätzlich hast du Recht...“

REXXAR: „Wo ist dann das Problem?“

Kielhol vergrub sein Gesicht zwischen den Armen. Der Käufer des Buchs ist der König der Zwerge von Eisenschmiede. Magni Bronzebart.“

 

Der Ara auf seiner Schulter begann zu krächzen.

 

GAMMA: „Magni Bronzebart, ihr seid geliefert *krächz*.“

ICH: „Die Aras können sprechen?“

KIELHOL: „Nicht alle, nur die von Piratenkapitänen.“

GAMMA: „Ihr seid geliefert.“

Ich wendete mich an den Ara: „Halt schön den Schnabel, sonst landest du wirklich noch im Topf!“

 

Der Ara duckte sich verlegen. Rexxar ergriff wieder das Wort: „Der König der Zwerge, hinter den sieben Bergen... du Kevin, das ist schlecht, sehr schlecht!“

 

KIELHOL: „Gibt es etwas anderes, das ich euch als Gegenleistung anbieten kann?“

ICH: „Das gibt es tatsächlich: „Besorg und zwei Tickets von der Launischen Minna!“

Kielhol keuchte: „Die Schwarzmeerpiraten sind die Erzfeinde der Blutsegelbukaniere! Wenn ich dort auftauche ist mein Leben verwirkt! A.U.S.G.E.S.C.H.L.O.S.S.E.N!“

ICH: „Dann bezahl unsere Tickets. 200 Gold!“

Kielhol: „Ihr müsst ja ordentlich was ausgefressen haben, um den Preis so in die Höhe zu treiben, aber 200 Gold sind die Anstecknadel und der Vogel bei weitem nicht Wert. Tut mir leid!“

ICH: „Aber es war dein Verschulden! Wir hatten einen Deal!“

Kielhol: „Und dass der Deal geplatzt ist tut mir außerordentlich leid. Aber ich will nicht undankbar sein. Als Gegenzug ernenne ich euch zu Ehrenpiraten in meinem Verein. Solltet ihr irgendwann meine Hilfe brauchen, lasst es mich wissen! Ein Piratenkapitän hält sein Versprechen.“

 

Ich tauschte mit Rexxar Blicke aus, schließlich lies ich die Schultern fallen: „Also abgemacht!“

 

Kielhol schien sich zu entspannen. „Dann nehmt dies!“, er griff an seinen Kopf und nahm seinen Admiralshut von Kopf. „Wenn ihr den Hut aufsetzt, dann zeichnet er euch als Ehrenmitglied unserer Piratenbande. Damit sind auch viele Vergünstigungen möglich, wie z.B. kostenloser Rum auf Lebenszeit...“

 

Ich flüsterte Rexxar zu: „Deshalb war Nesingwary so scharf darauf!“

Rexxar nickte zustimmend.

 

KIELHOL: „...und noch vieles mehr!“

 

ICH: „Den willst du uns schenken? Und was ist mit dir?“

KIELHOL: „Ich hab von denen noch fünf weitere in meinem Kleiderschrank. Nehmt ihn ruhig. Und wie gesagt, solltet ihr mal irgendwas brauchen, was nicht unbedingt mit dem Zwergenkönig oder mit den Schwarzmeerpiraten zu tun hat, so lasst es mich wissen! Das mit dem Buch tut mir wirklich sehr leid. Aber es ist schon zu spät. In einer Stunde kommt der königliche Kurier und holt das Buch ab. Ich kann es mir nicht leisten, den König als Feind zu haben.“

ICH: Bist du das als Pirat nicht sowieso schon?“

KIELHOL: „Ja schon, aber...das ist was anderes. Bronzebart kann sehr nachtragend sein. Stur wie ein Zwerg könnte man schon fast sagen. Es ist besser, wenn er mich nicht namentlich kennt, beziehungsweise keinen persönlichen Groll gegen mich hegt.“

 

Wir verbeugten uns und verließen die Taverne.

REXXAR: „Du, Kevin, wir könnten Nesingwary die Blutsegelbuckaniere auf den Hals hetzen um ihm die Tickets zu entwenden?“

ICH: „Den Gedanken hatte ich auch schon, aber ich will nicht unbedingt ein schlechtes Bild von uns hinterlassen. Immerhin hatten wir viel zusammen durchgemacht.“

REXXAR: „Na gut, und was schlägst du jetzt vor?“

ICH: „Wir werden den Kurier abfangen und uns da Buch besorgen.“

 

Kurze Zeit später versteckten wir uns bereits hinter einem Stapel Kisten in einer dunklen Seitengasse des Aktionshauses.

 

ICH: „So, jetzt sollte er bald die Lieferung abholen.“

REXXAR: „Und du bist dir sicher, dass uns das Ganze nicht in Schwierigkeiten bringt?“
ICH: „Natürlich nicht, er kennt uns doch gar nicht, was soll er schon groß machen?“

 

Während wir diskutierten, kamen zwei muskulöse Hafenarbeiter und stemmten die Kisten hoch, hinter denen wir uns verkrochen hatten.“
 

ICH: „Hey!“

 

Doch es brachte alles nichts, fast so, als hätten sie uns gar nicht bemerkt, hievten sie die Kisten hoch und trugen sie an ein unbekanntes Ziel. Unsere Deckung war somit deutlich geringer geworden.

 

ICH: „Na egal, wer braucht schon Kisten? Halt! Ich glaube da kommt er!“

 

Tatsächlich! Just in diesem Moment tribbelte ein, selbst für einen Gnomen kleiner Gnom heran, nahm das Paket entgegen und wuselte wieder in entgegensegesetzte Richtung davon.

 

Als er auf unserer Höhe war, konnte unser Plan in die Tat umgesetzt werden.

 

REXXAR: „Mischa! Jetzt!“

 

Mit einem Satz tauchte der Grizzly vor dem armen Gnomen auf, der auf den armen Gnomen wie King Kong gewirkt haben muss. Überrascht von der plötzlichen Gefahr erbleichte er schlagartig, griff sich ans Herz, verdrehte die Augen und kippte wie ein Stück Holz um. Rexxar packte den Gnom schlagartig und zog ihn in die finstere Gasse.

 

ICH: „Ganz klasse Rexxar. Du hast das arme Kerlchen zu Tode erschreckt. Zum Glück scheint er nur bewusstlos zu sein. Der Schreck war wohl zu viel für ihn.“
REXXAR: „Kevin! Woher sollte ich wissen, dass der Kurier ein Gnom ist? Wäre es ein Mensch gewesen, wäre die Reaktion etwas milder ausgefallen!“

ICH: „Ist doch egal, hier schnapp dir das Paket und verschwinden wir!“

 

Kaum waren wir außer Reichweite, setzte sich der Gnom gelassen auf, ergriff eine Art Funkgerät und begann zu sprechen: „Sir? Wir haben ein Problem, anbei folgt der Name und die Beschreibung der Personen...“

 

 

Irgendwo weit im Norden im Hochgebirge des Königreichs Khaz Modan eilte ein Zwerg mit einem Silbertablett in die privaten Gemächer des Königs Bronzebarts. Auf dem Tablett liegt ein kleiner Brief in einem Umschlag. Der König nahm den Brief entgegen, offnete ihn und begann ihn still zu lesen:

 

Magni: „...überfallen...Buch gestohlen...Name der Täter... *blah blah*“

 

Das Gesicht des Königs verzog sich zu einer Grimasse, begann zu schnauben und entriss dem Diener das Silbertablett. Wutentbrannt schleuderte er das Tablett Richtung Fensterscheibe. Das Glas zersplitterte. Der Diener setzte sich unbemerkt ab. Er scheint wohl keine Lust auf einen der Wutausbrüche des Königs zu haben. Er brüllte aus Leibeskräften, doch niemand schien ihn zu hören.

 

MAGNI: „KEVIN! REXXAR! ICH WERDE EUCH VERFOLGEN, EUCH FINDEN, UND EUCH EURER GERECHTEN STRAFE ZUFÜHREN!“

 

Wie sich später herausstellte, war Magni ein großer Fan von Nesingwarys Tätigkeiten, der den Zwerg auch schon des Öfteren bei seinen Expeditionen finanziert hatte. So war es nicht verwunderlich, dass er die Chance, Nesingwarys erstes Buch zu besitzen, beim Schopfe packen würde.

 

Fernab im Schlingendornkap waren wir inzwischen wieder im Lager von Nesingwary angekommen und überreichten ihm feierlich das Buch. Nesingwary war außer sich vor Freude.

 

NESINGWARY: „Isch weiß gar nicht wie ich euch danken soll. Ihr habt mein Lebenswerk wieder besorgt *hicks*. Ach ja, ich weiß! Hier sind die versprochenen Tickets für das Schiff.“

 

ICH: „Wir sind durch das ganze Schlingendorntal gezogen, haben Vögel gejagt, uns mit Piraten angelegt, einen Angelwettbewerb gewonnen und Gnome überfallen und alles was wir jetzt bekommen sind zwei schäbige Tickets? Tut mir leid, aber das wird dich etwas mehr kosten!“

NESINGWARY: „Wasch kann ich dafür, dass ihr das alles unternommen habt? Isch wollte doch lediglisch das Buch wieder haben.“

 

Ich lies mich wohl etwas hinreißen und lies einen Urschrei ertönen. Nesingwary sprang erschrocken einen Schritt zurück. Er wurde wohl etwas eingeschüchtert.

 

NESINGWARY: „Na gut, eigentlich waren nur die zwei Tickets ausgemacht, aber für eure Mühen überreiche isch euch nun zusätztlich das hier...“

Er wühlte kurz in seinem Zelt und dückte uns dann ein weiteres Objekt in die Hand.

 

ICH: „Pflaumensaft?“

NESINGWARY: „Ja, einer der beschten Jahrgänge. Handgemacht von meiner Oma Inge. Nehmt ihn ruhig. Ihr braucht mir nischt zu danken.“

ICH: „Ich hätte mir zwar etwas anderes erwartet, aber trotzdem...danke...“

 

Schon kurz darauf machten wir uns zum letzten Mal auf den Weg nach Beutebucht, überreichten den Kapitän der launischen Minna die Tickets, der uns nur widerwilig an Bord lies. Als er jedoch las, dass wir dritter Klasse reisen werden (was Nesingwary vergessen hatte zu erwähnen), grinste er wieder diabolisch.

 

FEDERDINGS: „Willkommen an Bord der launischen Minna. Wir hoffen ihr habt eine angenehme Reise. Smutje Stahlbauch kann es kaum erwarten, euch kulinarische Köstlichkeiten anbieten zu dürfen.“

Federdings grinste nun noch breiter, uns wurde Angst und Bang‘: „Stahlbauch trägt nicht umsonst diesen Namen! Möge euch sein Essen besonders schwer im Magen liegen!“

 

Verzweifelt tauschten wir Blicke aus, Leokk stimmte mit einem traurigen Gejaule ein: „Na großartig, diese Reise wird wahrscheinlich sehr, sehr lange dauern!“


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