3. Stollen des Todes (2)

Dencarion

Rare-Mob
Mitglied seit
12.06.2006
Beiträge
104
Reaktionspunkte
0
Kommentare
13
Er konnte es nicht glauben!
Schon eine ganze Weile war er munter durch die Gänge wandert, und hatte sich an den Schätzen des Berges ergötzt. Unter all den Spinnweben, hatte Ibdavkii mit angeborener Sicherheit immer wieder seltene Edelsteine entdeckt, und sie geschickt mit seinem Hammer aus dem Fels geschlagen. Sein Beutel war bis zum Bersten mit edlen Metallen und seltenen Steinen gefüllt, und er hatte sich auf den Rückweg gemacht, als er den Menschen bemerkt hatte. Dich an die Wand des Stollens gepreßt stand er im Schatten und beobachtete ganz offensichtlich etwas.
Vorsichtig war Ibdavkii näher heran getreten. Als er entdeckte, was die Aufmerksamkeit des Menschen so in Bann zog, konnte er nur verwundert den Kopf schütteln. Dort, in der Abzweigung des Hauptstollens stand eine von diesen elendig großen und langbeinigen Nachtelfinen, mit ihrem tierischen Begleiter; einem Wildschwein. Dann bückte sie sich auch noch zu ihrem Tier hinunter, und ihr sowieso viel zu kurzes Wams war hochgerutscht, und gab einen ziemlich großzügigen Ausblick auf ihr kleines, rundes und vollkommen haarloses Hinterteil. Er mußte sich angewidert schütteln.
Er konnte es nicht glauben! Da stand der Kerl versteckt im Stollen und spannte der Nachtelfe unter den Rock!
Da bemerkte er, daß der Mensch plötzlich verschwunden war. Er starrte auf die Stelle, wo der Mann eben noch gestanden war. Doch dort sah er nur noch ein dunkles Loch in der Wand. Vorsichtig, doch neugierig, näherte sich Ibdavkii der Öffnung in der Wand. Mit geübtem Blick erkannte er den in die Tiefe führenden Stollen. Er schnupperte kurz in die Tiefe und zog alarmiert seinen Hammer. Neben dem allgegenwärtigen Geruch nach Höhlenspinnen, den er auch aus den Bergen seiner Heimat kannte, hatte er auch eine ganz seltene Note erschnuppert.
Er atmete tief mit dem Mund ein, und schmatzte ein, zwei Mal, um den Geschmack auf der Zunge zu analysieren.
Er nickte grimmig.
Dort unten, in der Tiefe, wo er die Spinnen wahrnehmen konnte, und wohin der Mensch, in seiner triebhaften Unachtsamkeit gefallen war, dort gab es noch etwas anderes.
Der Geruch und Geschmack war eindeutig.
Dort unten gab es Adamiterz.
Dieses unvorstellbar kostbare Edelmetall gab es nur hier auf der Scherbenwelt. Die Juwelenschleifer würden ihm förmlich aus den Händen fressen, wenn er es ihnen anbieten würde. Gierig sog er nochmals die Luft ein. Er konnte schon das viele Gold in seiner Börse hören. Er kicherte verzückt und trat dann vorsichtig in den steilen Stollen.
Leider war der Boden des Stollens ganz schlüpfrig von den Spinnweben, und ehe er sich’s versah, verlor Ibdavkii das Gleichgewicht und rutschte auf dem Hosenboden in die Tiefe.
Unglücklicherweise war der steile Stollen nicht sehr gleichmäßig geformt und hatte so etwas wie Stufen, und bei jeder Stufe, über die Ibdavkii rutschte, hob er kurz ab – um sich dann den Hintern nur um so fester wieder auf den Boden zu stauchen. Die letzte Stufe war höher als die vorhergehenden, und so hob er regelrecht ab, verlor die Balance und landete bäuchlings auf dem Boden, direkt hinter dem Menschen in der zerrissenen Kutte und dessen Leerwandler.
Erschrocken fuhr Argamil herum, mit den Händen einen Zauber webend. Zwischen seinen Fingern bereitete sich bereits das Glühen der magischen Energien aus, als er den Zwerg erkannte, und sich schnell wieder zu den Spinnen umdrehte, die nun erzürnt in den Angriff übergingen.
Er schleuderte seinen Verderbenszauber gegen die Spinnen, während sein Diener die Spinnen körperlich attackierte.
Mit einem ärgerlichen Knurren tauschte Ibdavkii seinen Bergwerkspickel gegen den Kriegshammer aus seinem Gürtel und stellte sich neben Argamil.
„Das kommt davon, wenn man Frauen heimlich unter den Rock schaut.“
Vollkommen entsetzt schaute Argamil zu dem Zwerg hinunter, und sein Lebensentzug, den er auf eine der Spinnen gerichtet hatte, verpuffte unwirksam. Seine Ohren glühten rot. Was hatte der Zwerg alles gesehen?
Argamil öffnete den Mund, obwohl er gar nicht so recht wußte was er erwidern sollte, doch Ibdavkii kam ihm zuvor.
„Was glotzt Du so? Kämpfe! Dein kleiner, blauer Dämon tut’s auch!“
Mit diesen Worten holte er weit aus und schmetterte seinen Kriegshammer mitten auf den Schädel einer bleichen Spinne. Mit lautem Knirschen brach der harte Chitinpanzer der Spinne, und grünes Sekret drang aus der Wunde, während die Beine der Spinne einknickten und sie zu Boden sank. Sofort wurden die Augen trübe und reflektierten das Licht nicht mehr.
Wütend biß Argamil die Zähne zusammen und konzentrierte sich wieder auf die Angreifer. Seine Flüche und Zauber gruben eine breite Schneise des Verderbens in die Masse der Spinnenleiber. Doch im Licht seiner Zauber erkannte er immer mehr Spinnen die aus den dunklen Winkeln der Höhle hervor krochen und sie angriffen.
Bereits jetzt spürte er daß seine Zauberkraft nachließ, er würde bald seinen Manavorrat auffüllen müssen. Vorsichtig tastete seine Kutte ab, und mußte fluchen, denn beim Sturz hatte er sich die Kutte noch mehr zerrissen, und nun war eine der Taschen beschädigt worden, und das kleine Fläschchen mit Manatrank verloren gegangen.
Er warf einen Blick auf seinen dämonischen Diener und war erleichtert zu sehen, daß dieser weiterhin mit viel Kraft und Energie die Spinnen aufhielt. Er gab dem Zwerg ein kurzes Zeichen, und Ibdavkii nickte grimmig, während Argamil einen Schritt zurück trat und begann seinen Rucksack zu durchwühlen.
Erleichtert zog er die Phiole mit dem Manatrank hervor und trank ihn mit hastigen Schlucken. Sofort spürte er wie seine Zauberkraft wiederkehrte und sich seine Energie wieder auflud.
Er sah wie sich eine Spinne an seinem Leerwandler vorbei zwängte und direkt auf ihn zukrabbelte. Er warf ihr einen Schwächefluch entgegen und hob dann seinen Zauberstab. Dunkle Kugeln der Schattenkraft schossen aus der Spitze des Zauberstabs und hüllten den Spinnenkörper in wabernde Energiefäden. Mit einem lauten, entsetzten Kreischen brach die Spinne zusammen und bleib zuckend auf dem Rücken liegen; die Beine über ihrem Bauch eingeklappt.
Befriedigt nahm er die nächste Spinne ins Visier und schleuderte seine Flüche und die Schattenblitze des Zauberstabs auf sie.
Vor ihm stand der Zwerg und schlug mit seinem Hammer auf die Spinnenleiber. Bereits jetzt hatte sich ein regelrechter Wall aus toten Spinnen um ihn herum aufgetürmt. Doch immer mehr Spinnen kletterten über ihre toten Artgenossen und griffen den Zwerg an. Seine Kleidung trug bereits zahlreiche Zeichen der Angriffe. Giftiges Sekret tropfte von seinem Wams und seine Arme waren von mehreren Kratzern und Rissen verunziert. Doch immer und immer wieder hoben sich seine Arme und der Kriegshammer fuhr erbarmungslos hernieder. Glücklicherweise schien der Zwerg nicht müde zu werden.
Allerdings sah er mit Besorgnis, daß die Angriffe der Spinnen nicht spurlos an seinem Leerwandler vorüber gingen, und seine Energie immer schwächer wurde. Er mußte wohl oder übel seinem Begleiter ein bißchen seiner Kraft übertragen, um ihn weiter kampffähig zu halten. Widerstrebend wob Argamil den Zauber und lenkte etwas von seiner eigenen Lebensenergie auf den Diener. Sofort spürte Argamil wie er schwächer wurde, und wie sich das flaue Gefühl des Lebensentzugs sich in seinem Magen breit machte.
Mit grimmiger Befriedigung stellte Ibdavkii fest, daß die Wucht der Angriffe nachließ. Langsam spürte er wie es ihm immer schwerer fiel den schweren Hammer zu heben. Seine Schultern waren schon ganz verkrampft von der Anstrengung, doch es schien, als würden die Spinnen nun in längeren Abständen angreifen. Schwer schnaufend ließ er den Hammer sinken und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Tatsächlich, er konnte sich etwas Zeit lassen, bevor die nächste Spinne, mit bleichen, haarigen Beinen über die toten Gliedmaßen ihrer Vorgängerinnen krabbelte.
Wütend zischend hob sie ihre langen, vorderen Beine und ließ sie drohen vor ihm Zittern. Er betrachtete sie kalt, und wartete darauf, daß sie die Beine herunter krachen ließ und auf ihn zugeschossen kam. Zu spät erkannte er, daß sie ihn gar nicht direkt angreifen wollte und statt dessen ihr Gift in den Kiefern sammelte. Er versuchte noch auszuweichen, doch der Schwall des Gifts traf ihn voll auf die Brust. Glücklicherweise war er noch nicht in die Knie gegangen, denn dann hätte ihn das Gift im Gesicht getroffen, und ihm die Haut und Augen verätzt. So zischte es nur laut auf seinem Brustharnisch und die stinkenden Dämpfe drangen ihm in die Nase und ließen seine Augen tränen.
Er konnte die Spinne nur verschwommen wahr nehmen, und machte sich auf den unvermeidlichen Angriff bereit. Da bemerkte er eine weitere Gestalt, die auf die Spinne eindrang. Es war der Leerwandler des Hexers.
Anscheinend wurden sie im Moment nur von dieser einen Spinne angegriffen, und so konnten sie mit vereinten Kräften gegen die Spinne kämpfen. Obwohl er die Hilfe natürlich nicht nötig hatte, war Ibdavkii doch erleichtert, daß er nicht mit verschleiertem Blick gegen das Ungetüm kämpfen mußte. Den Hammer noch immer abwehrend erhoben, hörte er das Kreischen des Tieres, als es unter den Zaubern des Hexers zusammenbrach.
Erleichtert sank er zu Boden. Dort wühlte er in seinen Taschen, bis er den Beutel mit Wasser fand. Vorsichtig ließ er es sich über das Gesicht laufen, und spülte sich die Augen aus. Er blinzelte ein paar Mal heftig, dann konnte er wieder klar sehen. Neben ihm saß der Hexer, in seiner vollkommen zerschlissenen Robe, und trank in hastigen Schlucken aus seinem Trinkbeutel, während der kleine, blaue Dämon teilnahmslos daneben stand und sie beide betrachtete.
„Ein schöner, zünftiger Kampf war das. Nicht wahr?“
Argamil warf dem Zwerg mit dem leuchtend, roten Bart einen undefinierbaren Blick zu, und sagte dann:
„Ich hätte gut darauf verzichten können. Ich mag Spinnen nicht sonderlich.“
„Ganz anders als halbnackte Elfen, gelle?“
Ibdavkii zwinkerte Argamil anzüglich zu, und wieder schoß das Blut in Argamils Ohren.
„Also ich weiß nicht was Du meinst. Ich habe mich nur in den Schatten gedrückt, da ich nicht wußte ob da ein Feind kam…“
Ibdavkii kicherte amüsiert und sagte:
„Ja, ja, und um das besser beurteilen zu können, hast Du ihr schnell mal unter das Wams geschaut.“
Er schlug sich vergnügt auf den Schenkel.
„Also, ich weiß ja nicht was Du an diesen haarlosen, langbeinigen Dingern findest, aber jeder nach seinem Geschmack.“
Er biß in ein Stück kalter Hammelkeule und mampfte munter darauf herum. Argamil überlegte fieberhaft was er sagen sollte. Er konnte sich doch nicht einfach so von diesem kleinen Höhlenwühler aufziehen lassen. Er mußte sich wehren! Was würden die Anderen denken, wenn sie davon erfuhren. Obwohl…er überlegte kurz.
Das würde Aldrassil den Wind aus den Segeln nehmen, denn wenn er davon erfuhr würde er sicher nicht mehr denken, daß er irgendwie an der kleinen Gnomin interessiert war. Zufrieden mit seiner Argumentation nickte er kurz und hab zu einer Antwort an.
Das Kreischen ließ den Beiden das Blut regelrecht in den Adern gefrieren. Ibdavkii ließ entsetzt die Reste der Hammelkeule fallen, und Argamil sprang auf seine Füße, wobei er sich in seiner Hast mit einem lauten Ratschen einen weiteren Streifen Stoff aus seiner Kutte riß. Beide starrten angestrengt in die Dunkelheit, auch der Leerwandler wandte sich dem dunklen Ende der Höhle zu. Wieder ertönte das Kreischen, und wurde vom lauten Klackern der Spinnenbeine ergänzt, die über den Felsboden kratzten.
Vorsichtig ließ Argamil einen Zauber in seiner Hand erblühen, der die Höhle in rotes Licht tauchte.
Zunächst konnten beide nichts erkennen, doch dann schauten beide etwas weiter nach oben, und entdeckten mit Entsetzen die gigantische Spinne, die auf sie zu gekrabbelt kam. Ihre bleichen Beine hoben den gewaltigen, aufgeblähten Leib bis fast zur Decke der Höhle empor.
Dies mußte die Brutmutter der Spinnen sein, die sie gerade erschlagen hatten. Wütend über den Verlust ihrer Kinder zischte sie die Spinne an. Ihre zehn Augen funkelten böse und reflektierten das Leuchten aus Argamils Hand. Die Zangen der Spinne klackerten wütend, und Gift tropfte auf den Felsboden, wo es sich mit leisem Zischen in den Stein fraß.
Ibdavkii schauderte bei der Größe dieses Monsters. Bis er mit seinem Hammer nahe genug an die Spinne heran kam um sie zu attackieren, wäre er schon lange in Reichweite ihrer Beine geraten und würde ihr wohl erliegen, bevor er auch nur einen Schlag ausgeführt hätte.
Er schaute zu dem Hexer hinüber.
Argamil preßte die Lippen fest aufeinander, und fixierte die Spinne mit seinem Blick. Er konzentrierte sich auf den Zauber den er nun auszuführen gedachte. Gegen dieses riesige Tier hätte er bestimmt nur eine Chance für einen Angriff. Sollte dieser fehlschlagen, wären sie verloren.
Die Brutmutter kam immer näher, bald wären sie in Reichweite ihrer langen Beine.
Argamil riß seinen linken Arm hoch, und schickte seinen Dämonendiener gegen das Ungetüm. Der Leerwandler ließ ein wütendes, widerstrebendes Knurren hören, doch dann fügte er sich dem Befehl des Hexers, und stürmte auf die Spinne zu.
Als Ibdavkii sah wie der Dämon auf die Spinne los ging, schnappte auch er sich seinen Kampfhammer, erhob ihn zum Schlag und rannte dann mit lautem Kriegsschrei los.
„KHAZ MODAAAAAAAN!“
Die Brutmutter reagierte sofort, und stieß ihre vorderen Beine gegen den Leerwandler. Die Wucht der Hiebe riß regelrecht Fetzten aus der Essenz des Dämonen, der vor Schmerzen laut aufschrie und dann seine Attacken gegen den Kopf der Spinne richtete.
Ibdavkii wich unterdessen den wütenden Hieben der Spinnenbeine aus, und versuchte zum ungeschützten Hinterleib der Spinne zu gelangen. Im Zickzack rannte er zwischen den Beinen durch.
Argamil sandte seine ganze Konzentration in seine geballten Fäuste.
Langsam erhob er die rechte Faust und richtete sie gegen die Spinne.
Er nahm nicht die gequälten Schreie seinen Dieners war.
Er hörte nicht das befriedigte Grunzen des Zwergs, als sein Schlag den Unterleib der gewaltigen Spinne traf.
Er hörte nicht das tobende Kreischen der Brutmutter.
Er sah nur die glühenden Augen der Bestie.
Er wirkte den Zauber mit seiner ganzen Macht.
Seine rechte Faust erglühte in der Energie des Seelenfeuers.
Blitzschnell öffnete Argamil die Faust und schleuderte den gewaltigen Zauber gegen die Spinne.
Augenblicklich wurde das Tier in gewaltige, verzehrende Flammen gehüllt.
Das Zischen der Spinne ging in einen irrwitzigen Schrei über.
Vor Schmerzen von Sinnen schlug die Bestie mit ihren Beinen und Klauen um sich, doch sie konnte den Flammen nicht entkommen.
Der Leerwandler wurde ein weiteres Mal getroffen, und von dem wahnsinnigen Hieb förmlich in Stücke gerissen.
Auch Ibdavkii wurde von einem der Beine getroffen, doch glücklicherweise wurde er nur umgeworfen, und rollte zur Seite.
Gerade rechtzeitig, den nun brach die lodernde Spinne zusammen.
Die Glieder zuckten noch ein paar Mal.
Das Chitin des Panzers knackte unter der Hitze der Flammen.
Dann war Stille.

***

„Das sieht nicht gut aus, Chef“
Jazz, der Untote, blickte zu den Gestalten, die zwischen den Felsen aufgetaucht waren.
„Keine Panik…“
„Das sagtest Du bereits.“
Der Ork schob die Bemerkung seines Untergebenen wütend zur Seite.
Die Wesen mit ihren mehrgliedrigen Beine, die in Vogelfüßen mündeten, und ihren vier Armen, mit gewaltigen Klauen schlichen langsam näher. Ihre langen Schwänze mit der buschigen Fellquaste zuckten unruhig, während ihre Augen gelb aus den katzenähnlichen Gesichtern glühten. Die Fellkämme hatten sie aggressiv aufgestellt.
„Felsklauen.“ sagte Golotha, und begann einige seiner Kampftotems um sich aufzubauen. Jazz nickte den beiden kurz zu, und verschwand dann im Schatten zwischen den Felsblöcken.
„Keine Panik, mit denen werden wir fertig.“
Der Krieger und drehte sich um, als er hinter seinem Rücken ein Knurren vernahm. Auch von dieser Seite kamen mehrere der Felsklauen auf sie zu.
Ärgerlich knurrte der Ork und hob sein Schwert. Mit seinen Füßen tastete er nach festem Stand und begab sich in Abwehrstellung. Golotha, nun von seinen Totems umgeben, hob ebenfalls seinen Stab und stellte sich Rücken an Rücken mit dem Krieger. Der Ork neigte seinen Kopf von Seite zu Seite, ließ seine Muskeln laut über die Wirbel knacken, und schnaubte nochmals laut durch die Nase.
Gespannt warteten sie auf den unvermeidlichen Angriff.
Mit ihrem grauen Fell waren die Felsklauen im Dämmerlicht kaum zwischen den Felsbrocken auszumachen. Nur ihre Bewegungen und das Glühen ihrer Augen verriet ihre Position.
Mit einem markerschütternden Schrei stürzte sich die erste Bestie auf die Kämpfer. Der Ork parierte den ersten Angriff mit seinem Schild und setzte schnell einen Hieb mit seinem Schwert nach. Er traf einen der vier Arme und schnitt tief in das Muskelgewebe. Die Felsklaue stieß einen lauten Schmerzensschrei aus und drang nun um so wütender auf den Krieger ein. Mit zwei Armen versuchte sie den Schild zu packen, während der dritte, unverletzte Arm nach dem Schädel des Orks hieb. Der Krieger hatte arge Mühe den Angriff abzuwehren.
In seinem Rücken wehrte Golotha den Angriff einer Felsenklaue mit seinem Stab ab, während sein Feuertotem einige Feuerbälle in das Fell der Bestie schleuderte. Von den immer wieder treffenden Feuerbällen abgelenkt, gelang es dem Angreifer nicht richtig sich auf den Angriff zu konzentrieren, und so konnte der Schamanen relativ schnell die Deckung der Felsklaue zu durchbrechen, und ihm mit einem gewaltigen Hieb den Schädel zu zertrümmern. Noch während sein Gegner fiel, begann Golotha schnell seine Totems und Zauber zu erneuern, doch schon stürmte die nächste Bestie auf ihn zu.
Wie aus dem Nichts tauchte Jazz hinter der Felsklaue auf und hieb der Felsklaue seinen vergifteten Dolch in den Rücken. Von unerträglichen Schmerzen geplagt versuchte sich die Bestie herumzudrehen, doch der Schock lähmte ihn, und so drang der Untote immer wieder auf ihn ein, tanze seinen tödlichen Tanz mit den Dolchen, und ohne daß die Bestie auch nur die Gelegenheit zu einem Schlag gehabt hätte, fiel sie von zahlreichen Schnitten und Stichen übersäht zu Boden. Zwischen den Felsen hauchte sie ihren letzten Atem aus.
Sofort huschte der Untote wieder in die Schatten, und verschwand in der Dunkelheit. Die Attacke hatte Golotha Gelegenhit gegeben seine Zauber zu erneuern, und nun wartete er gelassen auf den nächsten Angriff. Auch der Ork hatte seinen ersten Gegner endlich besiegt, und atmete einmal tief durch. Er rückte seinen Schild wieder zurecht, und schaute nach seinen Gegnern.
Anscheinend hatte die energische Gegenwehr der vermeintlichen Beute die Felsklauen überrascht, denn nun sie hielten sich knapp außerhalb der Reichweite ihrer Waffen, und umrundeten die beiden Kämpfer vorsichtig. Der Krieger hatte Blut geleckt, und nun hielt ihn nichts mehr zurück.
Mit einem schrecklichen Schlachtruf stürmte er mitten in die Bestien hinein und wirbelte mit seinem Schwert um sich. Auch den Schild nutze er zu zahlreichen Stößen. Immer wieder verspottete er seine Gegner, während er ihre Hiebe abwehrte.
Doch langsam gelang es den Felsklauen ihren Schreck zu überwinden, und sie begannen nun koordinierter gegen den Ork vorzugehen. Schon trafen ihn die ersten Klauen am Helm, und am Rücken. Immer wieder wirbelte er, wie ein Berserker herum und ließ sein Schwert in ihre Körper fahren. Schweiß rann seinen Rücken hinab, und sein Atem wurde immer schwerer.
Und wieder tauchte Jazz aus dem Dunkeln auf und stieß seine vergiftete Klinge in die Rücken der Felsklauen. Hin und her gerissen zwischen dem lauten und aggressiven Krieger vor ihnen und der leisen, doch um so tödlicheren Bedrohung in ihrem Rücken, wankten die Bestien in ihren Bemühungen und wurden so Opfer der beiden Kämpfer.
Doch immer mehr von ihnen drangen auf sie ein, und es wurde deutlich, daß es ihrer zahlenmäßigen Übermacht früher oder später gelingen würde sie zu bezwingen. Der Krieger und der Schamane standen nun wieder Rücken an Rücken, und wehrten die Bestien ab, während der Untote immer wieder aus der Dunkelheit auftauchte und seinen blutigen Tribut forderte. Zahlreiche Felsklauen lagen bereits tot zwischen den Felsen.
Obwohl er vollkommen in seinem Element war, und immer wieder schnell in den Schatten verschwand hatte auch Jazz zahlreiche Hiebe und Kratzer abbekommen, und blutete an mehreren Stellen. Er lehnte sich kurz an einen Felsen um Luft zu schnappen.
„Das sieht nicht gut aus.“
In dem Moment nahm er eine Bewegung im Augenwinkel wahr, und fuhr blitzschnell herum.
Vor ihm standen zwei kleine Gnominnen, ganz in schwarz gekleidet, und giftig schimmernden Dolchen in den Händen.
Jazz fielen fast die Augen aus dem Schädel, als er die linke der Gnominnen als ihr Opfer vom Tor wieder erkannte. Noch während er die Beiden mit offenem Mund anstarrte, grinsten ihn die beiden an, nickten kurz und verschwanden in den Schatten.
Ungläubig schüttelte Jazz den Kopf, blinzelte zweimal, als könne er nicht glauben was er gerade gesehen hatte, und wandte sich wieder dem Überlebenskampf seiner beiden Gefährten zu.
Immer noch standen die Beiden Rücken an Rücken, und wehrten die Angriffe der Felsklauen ab. Golothas Stab wehrte die scharfen Klauen der Bestien ab, und konterte immer wieder mit schnellen Gegenstößen. Auch das Schwert des Orks hielt blutige Ernte unter den Felsklauen, doch für jeden Gegner den sie so bezwangen, drang eine weitere Bestie auf sie ein. Da sah Jazz plötzlich wie eine der Felsklauen mit lautem Jaulen zu Boden ging, und erkannte hinter ihm eine der kleinen Gnominnen, die ihm mit ihrem Dolch zuwinkte, bevor sie wieder im Schatten verschwand, und sich dem nächsten Gegner zuwandte.
Ob dieser unerwarteten Hilfe von neuem Mut erfüllt, huschte auch Jazz wieder hinunter, zwischen die Kämpfenden, und meuchelte die Felsklaue direkt vor ihm. Er erhaschte den Blick seines Vorgesetzten der ihm lächelnd zurief:
„Ich sagte doch: Keine Panik…Uff!“
Der Krieger schnaubte laut, als eine der Felsklauen mit ihrem vollen Gewicht in sein Schild krachte. Er strauchelte, und sein Fuß verlor den Halt.
Sein Knie knickte ein.
Er verlor die Balance, und riß sein Schild hoch, um die nun von Oben kommende Attacke abzuwehren.
Da sprang ein kleiner, dunkler Schatten über ihn hinweg, und landete der total verdutzten Bestie direkt auf der Brust. Ehe sich die Felsklaue auf den neuen, kleinen Gegner konzentrieren konnte, wurde ihm schon die Kehle aufgeschlitzt und er fiel röchelnd zu Boden.
Überrascht schaute der Krieger auf die Felsklaue, doch der Schatten war schon wieder verschwunden. Schnell erhob er sich, und wandte sich dem nächsten Gegner zu.
Immer wieder wehrte er die Felsklauen ab, hieb mit seinem Schwert durch die Deckung der Bestien, und sah, wie Schatten aus der Dunkelheit auftauchten und ihre Dolche in ihre Gegner trieben. Zunächst hatte er noch gedacht, es wäre sein treuer Untergebener, doch mittlerweile war ihm Bewußt, daß es mehrere Schurken sein mußten, die da unter den Felsklauen wüteten. Doch es war ihm auch egal. Seine Arme waren bleischwer, und es fiel ihm immer schwerer mit dem Schwert nach seinen Gegnern zu schlagen. Auch Golotha hinter ihm atmete schwer und wehrte die Felsklauen nur noch ab, statt selbst in den Angriff zu gehen.
Schließlich verebbten die Angriffe, und die Beiden standen keuchend in einem Kreis von Kadavern. Golotha richtete sich auf, und schaute sich um, als zunächst Jazz aus den Schatten trat. Auch er keuchte schwer und blutete aus zahlreichen Wunden.
Erschreckt sog Golotha den Atem ein, als zwei weitere Gestalten aus den Schatten traten. Geradezu winzig klein im Vergleich zu den Felsklauen.
Auch der Ork drehte sich überrascht um und starrte die Beiden an.
Jazz deutete auf die beiden Gnominnen und sagte:
„Darf ich vorstellen: unsere Retterinnen.“
Verdutzt richteten sich Golotha und der Krieger auf und starrten die Schurkinnen an. Ein drohendes Knurren drang aus der Kehle des Orks als er die kleine Gnomin wieder erkannte.
„DU?!“
Die Gnomin kreuzte ihre Arme vor der Brust, die Hände zu Fäusten geballt und verbeugte sich vor dem Ork.
„Dana.“ Sagte sie nur, und deutete auf sich selbst.
Neben ihr trat die andere Schurkin einen Schritt vor, vollführte dieselbe Geste, und sagte:
„Liubee.“
Der Untote reagierte als erstes, schlug sich mit der rechten Faust vor die linke Brust, bevor er sie grüßend hob und sagte:
„Jazz.“
Der Schamane schob kurz seine Unterlippe vor, bevor auch er sich verbeugte und dann seinen Namen nannte:
„Golotha.“
Die Augen der Vier ruhten erwartungsvoll auf dem Ork, der die Gnominnen wütend anfunkelte. Schließlich räusperte er sich, deutete ein kleines Nicken an und sagte:
„Don…“
Nochmals räusperte er sich.
„Dontpanic.“
Die beiden Gnominnen nickten ihnen nochmals zu, winkten kurz und verschwanden ebenso unheimlich wie sie gekommen waren wieder in der Dunkelheit.

***

Nun rannte ich also, inmitten meiner Kameraden, durch die Stollen. Irgendeiner rannte voran, den Markierungen unserer Kundschafter folgend, und ohne daß ich genau wußte wohin, rannte ich im Pulk mit. Die Stollen, durch die wir rannten waren von Spinnweben bedeckt, und zahlreiche kleine Knochen, die auf dem Boden lagen, wurden unter unseren schweren Stiefeln zu Staub zermalmt. Schwer donnerten unsere Schritte durch die Gänge, und ich vernahm den keuchenden Atem meiner Kameraden, während unsere Waffen und Rüstungen klirrten.
Langsam wurde es kälter, und die Wände waren zunächst von Reif, dann von massivem Eis überzogen. Glitzernd reflektierte es den Schein unserer Fackeln, und es schien als liefen wir durch einen Tunnel voller Sterne.
Keiner von uns hatte Augen dafür. Stumm rannten wir durch den Tunnel. Ab und zu sah man einen der Unseren einen Luftsprung machen. Wie von Sinnen rannten wir. Wie ein Haufen ausgelassener, aufgeregter Kinder rannten wir durch die Stollen. Es schien als wollten alle so schnell als möglich wieder aus den Stollen heraus.
Plötzlich ertönten Schreie vor uns, und als ich aufblickte, sah ich den grellen Schein von Blitzen über die eisverkrusteten Wände huschen. Schnell rief ich Elvenshrek an meine Seite, und nahm die Armbrust von meinem Rücken. Immer lauter wurde der Lärm, und ich konnte Rauch riechen. Wir rannten um eine Biegung des Stollens, und ich kam schlitternd zum Stehen.
Vor mir sah ich die Mitglieder der Kampfgruppe im dichten Getümmel mit Kämpfern der Allianz. Dieses elende Pack hatte die Stollen also auch gefunden!
Zornig hob ich die Armbrust, und schoß auf den nächst besten Gegner den ich entdeckte. Da wurde ich auch schon von einem Flächenzauber getroffen und taumelte.
Mit zornigem Fauchen stürmte Elvenshrek los, und attackierte den Nachtelfen, der den Zauber gewirkt hatte. Sofort schwenkte ich die Armbrust herum, und half meinem treuen Begleiter, indem auch ich den Magier angriff.
Immer mehr Kämpfer trafen hinter mir ein, und beteiligten sich an dem Kampf. Innerhalb von Sekunden hatte sich ein vollkommen unübersichtliches Knäuel von Kämpfern gebildet, die wie besessen aufeinander einschlugen.
Flüche schossen über unsere Köpfe, während feurige Blitze in unsere Reihen schlugen.
Eisige Kugeln rissen Kämpfer zu Boden, während die Zauberer von Bolzen und Pfeilen niedergestreckt wurden.
Rauch wallte durch den Stollen, und ich konnte kaum etwas erkennen.
Ich bemerkte, daß wir etwas an Schwung verloren hatten, und sich einige Kämpfer der Schlachtgruppe zurückzogen.
Schnell legte ich eine Sprengfalle in die Mitte des Stollens, um so einen etwaigen Rückzug zu sichern.
Gerade als ich mich wieder aufrichtete, traf mich ein gewaltiger Feuerball und hüllte mich in lodernde Flammen.
Zwar schützte mich meine Rüstung ein bißchen vor den Flammen, doch schon wurde ich von zahlreichen Flüchen getroffen, und ich konnte spüren wie meine Kraft immer schneller schwand. Mit letzter Kraft schickte ich noch eine Salve von Bolzen in die Reihen meiner Gegner, bevor ich zusammen brach.
Befriedigt erkannte ich, daß einige meiner Gegner ebenfalls fielen, während die Nachfolgenden von der Explosion meiner Falle schwer verletzt wurden.

Dann wurde alles schwarz.
Still.
Friedlich trieb ich durch die Schwärze.
Schließlich vernahm ich die vertraute Stimme Ansaars:
„Dencarion, ich hohle Dich jetzt zurück. Bist Du bereit?“
Obwohl er mich gar nicht sehen konnte nickte ich. Dann sandte ich meinen Gedankenruf:
„Jo Maan, bring mich zurück.“

Wieder einmal stolperte ich aus dem Runenkreis.
Kurz schaute ich mich um.
Wie immer war Ansaar sehr mutig, und hatte seinen Runenkreis sehr nahe dem Kampfgeschehen gezogen. Er mußt wohl sofort reagiert haben, als er die ersten Schreie hörte.
Leider brachte ihn das nun selbst in Gefahr, da uns die vordersten Reihen der Allianz fast erreicht hatten. Glücklicherweise war es Ansaar gelungen eine größere Gruppe von uns gleichzeitig aus dem Nether zu holen, und so konnten wir nun gemeinsam den Angriff abwehren. Die Kämpfer der Allianz wurden nun ihrerseits wieder zurückgedrängt.
Vor mir erkannte ich den vertrauten, gewaltigen Rücken Rágnáròks, der mit seinem Schwert eine breite Schneise in seine Gegner hieb. Ich hielt mich hinter ihm, und sandte meine Bolzen an ihm vorbei in die Reihen der Allianz. Elvenshrek griff jeden Kämpfer an, der sich an Ragna vorbei schlich, oder gar versuchte unseren Kämpfern in den Rücken zu fallen.
Wieder einmal übernahm mein Erbe die Kontrolle, und mein geradezu unstillbarer Blutdurst wurde geweckt. Sobald ich eine Nachtelfe entdeckte nahm ich sie ins Visier. Mein Atem beschleunigte sich und das Blut rauschte laut in meinen Ohren, wann immer ich einen dieser langbeinigen Baumkuschler entdeckte. In einem kleinen, entfernten Winkel meines Bewußtseins, war mir klar, daß ich jegliche Objektivität verlor, und nur noch meinen tief sitzenden, vererbten Hass auf alle Elfen spürte.
Wieder hatte ich eine Nachtelfe im Visier, eine Magierin. Langes weißes Haar umspielte ihr schmales Gesicht, und ihr zierlicher Körper steckte in langen, bunt geschmückten Roben. Alleine ihre gestelzten Bewegungen – Bäh! – Sofort jagte ich eine Salve meiner Bolzen in ihren unwürdigen, blassen Körper. Die Treffer forderten ihren Tribut, und die Elfe wankte. Siegessicher grinste ich und entblößte meine langen Hauer. Da begann sie sich zurück zu ziehen!
Doch sie konnte mir nicht entkommen.
Ich setzte ihr nach, Schritt für Schritt folgte ich ihr.
Bolzen nach Bolzen schoß ich ab.
In meiner irrationalen Wut, bemerkte ich gar nicht, daß ich die Reihen meiner eigenen Kämpfer schon hinter mir gelassen hatte, und nun mitten in den Gegnern stand.
Wieder ein Bolzen.
Wieder wankte die Elfe, doch sie fiel noch immer nicht.
Hasserfüllt stieß ich ein lautes Knurren aus.
„Mashar.“
Keine verfluchte Nachtelfe konnte mir, dem Stolzen Nachkommen des Gurubashi-Imperiums, entkommen.
Wieder drückte ich den Abzug durch.
Die ersten Schläge und Schnitte bemerkte ich gar nicht.
Wie durch einen roten Schleier sah ich nur diese Elfe.
Dann drang der Schmerz in mein Bewußtsein.
Ich stand inmitten der Allianz-Kampfgruppe.
Da erst bemerkte ich, daß ein Paladin und ein Krieger mit ihren Schwertern auf mich einschlugen.
Ich versuchte noch meine Waffen zu ziehen, doch es war zu spät.
Mit einem wütenden Schrei der Enttäuschung sank ich auf die Knie.
Der finale Hieb traf mich.

Während ich durch den Nether trieb, und darauf wartete, daß mich Ansaar zurück holte, beruhigte ich mich wieder etwas. Die Wut, der unglaubliche Hass verpuffte, und ich wurde wieder ganz ruhig. Ich spürte wie mich Ansaar vorsichtig zu sich zog, dann stolperte ich auch schon wieder aus dem Runenkreis. Verlegen grinste ich Ansaar an, der nur eine Augenbraue hochzog, und sich schon auf den Nächsten konzentrierte.
Ich ging nun zwar etwas umsichtiger vor, doch der Kampf selbst war noch immer vollkommen verworren und chaotisch. Durch das ständige vor und zurück fand sich so mancher Heiler oder Zauberer plötzlich in vorderster Linie, wo er ungeschützt dem Ansturm der Gegner ausgesetzt war.
Immer wieder hörte ich das vertraute Stöhnen, wenn ein weiterer Kämpfer aus dem Nether zurück kehrte, und sofort wieder in den Kampf eingriff.
Ein ständiges Hin und Her entstand, immer wieder wurde ich von Flüchen, Pfeilen, Zaubern und Schwertern getroffen. Ich bemühte mich die Ruhe zu bewahren, und von hinten den Überblick zu wahren, doch es war schwer. Zumal mich die Enge des Stollens immer wieder erdrückte. Mehrmals mußte ich die Armbrust absetzten, und tief Luft holen, um so das beengende Gefühl zu vertreiben. Auch Elvenshrek litt unter dem chaotischen Gemetzel, und ich mußte ihn mehr als einmal aus höchster Gefahr retten, und ihn verarzten.
Da tippte mir jemand auf die Schulter.
Ich drehte mich um und schaute in das verschwitzte Gesicht von Ursharok.
„Das hat so keinen Sinn. Wir kommen hier nicht weiter.“
Ich nickte ihm zustimmend zu.
„Wir ziehen uns ein Stück zurück…“
Ich riß überrascht die Augen auf. Rückzug?
„…wir lassen nur so viele von uns zurück um Ansaar abzusichern, und suchen uns einen anderen Weg. Sollen sich doch die Allies ihre Köpfe hier einrennen.“
Ich verstand und nickte begeistert.
„Tastingo.”
„Schnapp Dir die anderen des Zugs, und komm dann nach hinten. Wir sammeln uns dort.“
Er deutete auf eine Biegung im Stollen hinter sich.
Schnell gab ich den anderen Bescheid, und wir sammelten uns bei Ursharok.

***

Erschöpft setzte er sich auf den Boden und schnaufte einmal tief durch. Dann nahm er den Helm ab. Er lehnte sich an die Tunnelwand, und rieb sich mit der Hand durch die schweißnasse Mähne. Schließlich schaute Rágnáròk zu dem Troll neben sich und meinte:
„Was für ein Chaos. Auf einer Kälberweide geht es nicht schlimmer zu!“
Der Magier grinste und seine großen Hauer glänzten im fahlen Licht.
„Jo. Wie eine Kneipenschlägerei!“
Bulljin schüttelte den Kopf.
„Weißt Du eigentlich wo wir jetzt sind?“
Rágnáròk schnaubte einmal unwillig und schüttelte den Schädel.
„Nein. Hier in diesen Stollen, tief unter der Erde hab’ ich keine Orientierung. Ohne Sterne, ohne den Wind in meinen Nüstern lauf ich etwas ziellos umher. Ich bin einfach Dir hinterher gelaufen.“
Ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
Bulljin kicherte.
„Maan, Du kannst doch keinem Troll nachlaufen. Ich hätt’ ja gerade etwas geraucht haben können!“
Nun mußte auch Rágnáròk kichern.
„Apropos. Hast Du etwas zu rauchen dabei?“
Überrascht schaute der Troll zum großen Tauren neben sich.
„Maan! Wo lebst Du? Kennst Du auch nur einen anständigen Troll, der nichts zum Rauchen dabei hat?“
Rágnáròk tat so als überlegte er angestrengt, bevor er dann mit sehr ernster Stimme antwortete:
„Nein.“
„Na siehst Du.“
Bulljin nickte nochmals sehr bestimmt, und zog dann seine Trollpfeife aus dem Beutel. Gewissenhaft stopfte er sie, während der Taure ihm interessiert zuschaute.
„Mach kein Meisterwerk draus.“
Doch der Magier zog nur die Augenbraue hoch, fuhr unbeirrt fort die Pfeife vorzubereiten, und sprach ganz ernst:
„Na, na, wir machen das hier nicht zum Spaß! Nur wenn die Pfeife richtig vorbereitet ist, kommen wir beim Rauchen auf die richtige Bewußtseinsebene, auf der unsere Ahnen mit uns in Verbindung treten können, und uns den Weg hier heraus weisen können.“
Vollkommen perplex hob der Krieger den Blick von der Pfeife in das Gesicht des Trolls. Mit einem breiten Grinsen erwiderte der Troll den Blick, und kicherte dann.
„Du hast das doch wohl nicht geglaubt, oder?“
Rágnáròk zog eine Schnute und erwiderte:
„Natürlich nicht! So ernsthaft denkt kein Troll! Und so kompliziert könnt ihr auch gar nicht denken.“
Darauf knuffte ihn der Troll mit dem Ellbogen in die Seite.
„Ruhe jetzt! Hast Du Feuer?“
Sofort wurde der Taure wieder ernst. Zunächst langsam, dann immer hektischer, klopfte er seine Taschen und Rüstung auf der Suche nach einer Zunderbüchse ab.
„Oh Mist!“
Bulljin hatte sich belustigt zurück gelehnt und betrachtete Rágnáròk bei seinem hektischen Treiben. Dann nahm er einen etwa faustgroßen Stein vom Boden neben sich, und legte ihn in die Mitte des Stollens. Dann hob er den Zeigefinger und sagte:
„Paß auf!“
Rágnáròk blinzelte kurz verwirrt, dann sah er, daß der Magier wohl einen Zauber beschwor.
Plötzlich schien die Luft vor ihm zu explodieren.
Ein gewaltiger Kegel aus Feuer und Blitzen schoß aus Bulljins Hand.
Wie ein Fächer breiteten sich die Flammen aus.
Kleine Flammenbälle wurden davon geschleudert.
Über dem Kopf des Magiers erschien der gewaltige Schädel eines Drachens.
Eine Flammenzunge schoß hervor.
Dann trat Ruhe ein.
Helle Flecken und Blitze tanzten vor Rágnáròk Augen.
Neben ihm kicherte Bulljin und sagte:
„Drachenodem, Maan.“
Der Stein, in der Mitte des Stollens glühte nun hellrot, und kleine Flammen umzüngelten ihn. Der Troll griff zufrieden in seine Robe und holte einen kleinen Holzspan hervor, den er dann am glühenden Stein entzündete.
Gierig sog Rágnáròk den Duft des Trollkrauts ein, als die ersten Rauchschwaden aus Bulljins Pfeife stiegen. Bulljin nahm ein paar genüßliche Züge, bevor er die Pfeife an den Krieger weiterreichte und sich selbst entspannt an die Stollenwand zurück lehnte.
„Tastingo…das ist guuuut.“
Der süßliche Duft des Krauts waberte durch den Stollen, während die Beiden abwechselnd an der Pfeife sogen. Zufriedenes Grunzen und lobende Ahs und Ohs trieben durch den Raum.
„Bei der großen Erdenmutter! Was ist das für Zeug? Ich bin ja total zugedröhnt! Wie in Watte gepackt.“
Auch Bulljin schien überrascht und schüttelte verwundert den Schädel.
„Jo, ich versteh’ das auch nich’.“
Er bemühte sich aufzustehen, doch zweimal landete er wieder auf dem Hosenboden. Erst beim dritten Versuch kam er schwankend auf die Füße.
„Alles dreht sich. Das is’ nich’ gut.“
Auch Rágnáròk versuchte nun aufzustehen. Zunächst kniete er auf allen Vieren am Boden, bevor er mühsam auf die Beine kam. Ein entnervtes Schnauben entsprang seinen Nüstern.
„Wir müssen wieder nüchtern werden!“
Schwankend bückte er sich nach seiner Ausrüstung, und Bulljin brach in lautes Gekicher aus.
„Holla Großer! Wenn Du mir nochmals so Deinen Hintern entgegenstreckst, könnte ich mich versucht fühlen mal reinzutreten.“
Wütend fuhr der Taure herum.
„Versuch es gar nicht erst!“
Damit stopfte er sich den Helm auf den Schädel.
Nun brach Bulljin in schallendes Gelächter aus.
„Verkehrt ’rum! Du siehst total bescheuert…“
Rágnáròk versuchte nach dem Troll zu schlagen, doch die Rauschwirkung der Pfeife leitete den wohlgezielten Schlag fehl, und so stolperte der Taure vorwärts, riß den Magier um, und Beide landeten mit einem dumpfen Aufschlag auf dem Boden.
„Argh! Runter, ich bekomm keine Luft mehr!“
Wütend trommelte Bulljin gegen die Schultern des Taurens, da dieser mit seinem vollen Gewicht auf ihm lag.
Grunzend und schnaubend rollte sich der Krieger von ihm herunter, und blieb atemlos neben ihm am Boden liegen.
„Kazzaks Höllenhunde! Sowas hab’ ich ja noch nie erlebt!“
Kopfschüttelnd erhob sich Bulljin auf einen Ellenboden, und schaute auf den Tauren neben sich – der Helm war ihm glücklicherweise wieder vom Schädel gerutscht, denn sonst hätte Bulljin bestimmt wieder angefangen zu lachen.
Auf dem Rücken liegend rieb sich Rágnáròk mit beiden Händen über das Gesicht. Dann schmatzte er trocken.
„Hast Du etwas Wasser für mich? Ich hab’ einen schrecklichen Geschmack im Mund.“
Er rollte einmal mit dem Augen.
„Als hätt’ ich in einen Dunghaufen gebissen!“
Angewidert schob er die Zunge aus dem Mund, und verzog das Gesicht. Schnell kramte Bulljin einen Wasserschlauch hervor und reichte ihn dem Tauren. Mit gierigen Schlucken trank dieser den Schlauch fast leer. Dann nahm er noch einen großen Schluck und spülte damit in seinem Maul, bevor er ihn ausspuckte.
„Besser ist das.“
Damit reichte er den leeren Schlauch dem Troll zurück. Bulljin nahm den leeren Schlauch mit einer Grimasse entgegen, verstaute ihn dann in seinem Rucksack, und zog einen neuen Schlauch hervor. Auch er nahm einige gierige Schlucke, und spülte seinen Mund mit einem letzten Schluck aus.
„Sehr unangenehm, Maan.“
Verwundert legte er den Kopf schief, kniff die Augen etwas zusammen und sagte dann:
„Ich glaub’ das war ein Zeichen des großen Zul! Ich muß den großen Voodoo-Zauber des Trollkrauts wieder ernster nehmen.“
Mit neuer Überzeugung nickte der Troll, während der auf dem Knöchel seines Zeigefingers kaute.
„Ja. Ja, ich habe das alles nur noch als großen Spaß gesehen.“
Wieder ein heftiges Nicken.
„Und jetzt werde ich bestraft, weil ich meine Wurzeln vergessen und verleugnet habe.“
Seine Stimme wurde etwas schriller und er sprach schneller.
„Ohje, jetzt muß ich büßen, und werde auf ewig in diesen Stollen herum irren. Wir sind verloren! Wir…“
Laut klatschte Ohrfeige durch den Stollen.
„Komm wieder zu Dir! Das ist kein Zeichen der Götter!“
Rágnáròk packte den Troll bei den Schultern und schüttelte ihn einmal kräftig – naja eher heftig – und dessen Kopf schleuderte wie wild auf seinem Hals.
„Die Luft hier drin ist nicht gut! Sie verstärkt einfach die Wirkung, und jetzt haben wir…Aki Washte…einen schlechten Geist.“
Bulljin blinzelte verwirrt, dann drückte er gegen Rágnáròks Brust.
„Laß los, du schüttelst mir ja noch die Hauer aus dem Kiefer!“
Vorsichtig ließ der Krieger den Magier los. Jederzeit bereit ihn wieder zu packen, sollte er auch nur die geringsten Zeichen eines Rückfalls haben.
„Du hast Recht. Wir müssen schnell wieder klar werden.“
Hektisch kramte er in seinem Rucksack und zog schließlich zwei kleine Phiolen heraus. Eine reichte er dem Tauren.
„Hier, das sind Heiltränke. Mit etwas Glück sollten sie die Wirkung des Krauts vertreiben.“
Zweifelnd betrachtete der Taure das Fläschchen, während Bulljin den Inhalt schnell herunter schluckte. Er blickte einen Moment ins Leere, nickte dann, und sagte zu Rágnáròk:
„Los trink. Davon wirst Du nüchtern.“
Der Krieger nickte, und schluckte widerwillig den Inhalt des Fläschchens. Er hatte sich noch nie an den bitteren Geschmack der Heiltränke gewöhnen können. Doch sofort verspürte er die reinigende Wirkung des Tranks. Der Schwindel verschwand, die Gedanken kamen wieder zur Ruhe und er konnte sich wieder konzentrieren.
„Ich hab’ Hunger.“
Gerade zur rechten Zeit, denn in diesem Moment stürmte eine massige Gestalt mit einem lauten Schlachtruf und gewaltigem, hoch erhobenen Knüppel durch den Tunnel auf sie zu.

***
 
Oben Unten