3. Stollen des Todes (4)

Dencarion

Rare-Mob
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Er war sprachlos – und das sah man ihm auch an.
Die Augen waren weit aufgerissen, der Mund stand offen, und die letzten, traurigen Überreste seiner Robe lagen vor ihm auf dem Boden.
Ihm gegenüber stand Golghatorr und umarmte überschwenglich seine Schwester und berichtete ihr von seinem Sturz in die Ogerfalle und seiner Befreiung durch Argamil. Die Schwester drehte sich zu Argamil, hob eine Augenbraue und sprach dann:
„Soso, nun bist Du also doch noch zu etwas zu Nutze.“
Dana trat vor streckte ihm die Hand entgegen.
Noch immer vollkommen perplex streckte auch Argamil die Hand aus, und ergriff Danas Hand.
Schnell packte sie zu, zog ihn zu sich herunter, packte ihn mit der linken Hand im Nacken, und drückte ihm einen langen, dicken und lauten Kuß auf die Lippen.
„Danke“
Dann drehte sie sich wieder um, und ging zu ihrem Bruder hinüber.
Er konnte es nicht glauben. Ausgerechnet Dana. Noch immer stand er vorgebeugt da, mit nacktem Oberkörper, die Augen weit aufgerissen, und die Lippen geschürzt. Er blinzelte kurz überrascht, schüttelte den Kopf und richtete sich wieder auf.
Er holte tief Luft, und wollte gerade zu sprechen ansetzten, als er von Dana unterbrochen wurde.
„Mein holdes Bruderherz hat Dir also eine Ersatzrobe versprochen, weil Du so großherzig Deine wertvolle Robe für ihn geopfert hast.“
Sie kicherte kurz.
„Nicht daß es da viel zu opfern gab, nicht wahr?“
Sie erwartete keine wirkliche Antwort, und bevor Argamil auch nur Nicken konnte fuhr sie fort.
„Aber versprochen, ist versprochen. So, Deine Maße sind etwa einsneunzig, bei fünfundneunzig Kilo und etwas zuviel auf den Hüften und am Hintern, oder?“
Wieder wartete sie Argamils entrüstete Antwort gar nicht ab.
„Hmm, für Deine Maße brauch’ ich zwar etwas mehr Stoff als gewöhnlich, aber es wird schon klappen.“
Sprach’s und verschwand hinter einem Stapel Kisten.
Warum nur fühle sich Argamil immer vollkommen übergangen wenn er mit Dana zusammen traf. Irgendwie konnte er nie seine tollen, schlagkräftigen Antworten anbringen. Nie ließ sie ihn zu Wort kommen, ständig ließ sie ihn wie einen dummen Jungen stehen. Mit hochrotem Kopf stand er da, wollte die Hände wütend in seine Taschen stecken, als er bemerkte, daß sein Kilt, gar keine Taschen hatte. Also verschränkte er die Arme vor der Brust.
Golghatorr, der ihn die ganze Zeit, auf einem Stapel Kisten sitzend, beobachtet hatte, kicherte vergnügt vor sich hin.
„Sie mag Dich – wirklich.“
Als er Argamils ungläubigen Blick sah, brach er in schallendes Gelächter aus, und klopfte sich vergnügt auf den Schenkel.
„Hehe, ich bekomme einen Menschen als Schwager …“
Nun lachte er noch lauter, und verlor vor lauter Überschwang das Gleichgewicht und fiel nach hinten um.
Mit lautem Krachen fiel er hinter die Kisten, und landete ganz offensichtlich auf seiner Schwester.
„Aua! Mist, jetzt hast Du die Naht verdorben. Mann! Wie sieht das denn nun aus!“
Erbost, und mit zerzauster Frisur kam Dana hinter den Kisten hervor. In den Händen hielt sie ein Bündel dunkelvioletten Stoffs. Schnell fuhr sie sich noch einmal durch die Haare, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, und überreichte Argamil das Stoffbündel.
„Hier, probiere sie mal an.“
Skeptisch nahm Argamil das Bündel an sich, dann schüttelte er den Stoff aus.
Das Bündel entfaltete sich.
Es fächerte sich zu einer wunderschönen, blau schimmernden, Robe aus dunkelviolettem Stoff, mit goldenem Besatz auf.
Ehrfürchtig betrachtete Argamil die Robe genauer.
„Netherstoff.“
„Ja, eine magieerfüllte Netherstoffrobe.“
Vorsichtig schlüpfte Argamil in die Robe. Sofort fühlte er wie der Zauber des Stoffs auf ihn über ging. Er fühlte sich kräftiger, seine Gedanken flossen freier, er fühlte sich wunderbar. Er spürte wie sich seine magischen Kräfte regenerierten.
„Phantastisch.“
Begeistert drehte er sich im Kreis.
Dana legte den Kopf schief und betrachtete ihn kritisch.
Golghatorr kam hinter den Kisten hervor und betrachtete ihn. Er nickte.
„Sieht gut aus.“
Nochmals drehte sich Argamil stolz im Kreis damit sie ihn und seine wunderbare neue Robe auch richtig betrachten konnten.
„Sehr schön Argamil, damit siehst Du nun standesgemäß aus.“
Sie drehte sich um, blieb dann aber stehen und schaute nochmals über ihre Schulter zu Argamil.
„Aber mach’ sie nicht gleich wieder kaputt.“

***

Gespannt warteten wir vor der Biegung des Stollens. An den Wänden konnten wir das orangene Glühen von Fackeln oder Flammen sehen. Die Kundschafterin hatte uns das Zeichen zum Warten gegeben, und war vor einigen Minuten alleine um die Biegung geschlichen. Gespannt warteten wir auf ihre Rückkehr.
Ich überprüfte nochmals meine Ausrüstung und fütterte Elvenshrek. Zufrieden kaute er auf seiner gerösteten Wachtel und schnurrte munter vor sich hin. Auch der Rest unserer Truppe nutzte die Pause um die Ausrüstung zu überprüfen und sich mental auf eventuell ausbrechende Kämpfe vorzubereiten. Nun da wir mit dem ersten Höhlenoger zusammengetroffen waren, wußten wir ja mehr oder weniger was uns erwartete. Von den Allianzkämpfern selbst hatten wir nichts mehr mitbekommen, doch ein kurzer Gedankenruf an Witeman und Sajuuk, bestätigte, daß die Allianz sich nach wie vor ihre dicken Schädel an unserer zurückgelassenen Verteidigung einschlug. Ansaar sei zwar sehr beschäftigt, die Kämpfer immer wieder schnell aus dem Nether zu holen, doch er selbst sei bisher nie in Gefahr geraten.
Schließlich kehrte Clar’Aroft zurück, und erstattete Bericht.
„Der Stollen mündet in einer großen Höhle, in der ein Stamm der Höhlenoger sein Lager aufgebaut hat.“
Sie blickte kurz in die Runde.
„Ich konnte ein großes Lagerfeuer in der Mitte sehen, das von mehreren Zelten umgeben ist. Auch einige Käfige konnte ich sehen, allerdings weiß ich nicht wer darin steckt.“
Wir alle wußten, daß Oger nur zu gerne Humanoide fraßen, und waren uns der enormen Gefahr bewußt, sollte einer von uns gefangen genommen werden.
„Ich konnte so ungefähr zwanzig Wachen sehen, die jeweils paarweise die Höhle und das Lager umrunden. Am anderen Ende der Höhle ist der Stollen, der uns auf die andere Seite der Gebirges führt.“
Wir alle nickten kämpferisch, als uns bewußt wurde, daß wir die Oger in jedem Fall bekämpfen mußten, wenn wir das Gebirge auf der anderen Seite verlassen wollten.
„Es gibt auch noch Stollen links und rechts der Höhle, aber ich konnte leider nicht sehen woher sie kommen, oder wohin sie führen.“
Nun ergriff Dontpanic das Wort.
„Also gut, wenn wir uns die Oger vornehmen, sollen immer ein paar von uns ein Auge auf diese Stollen haben – wir wollen ja nicht unangenehm überrascht werden.“
Zustimmendes Gemurmel.
„Gut, sonst noch etwas, Clar’?“
Die vollbusige Trollin schüttelte ihr hübsches Köpfchen und entblößte ihre kräftigen Hauer zu einem grimmigen Grinsen.
„Außer daß ich den widerlichen Gestank der Oger hasse, gibt es nichts mehr zu berichten.“
Ich mußte kichern. Wir alle wußten, daß die Kundschafter der Horde einen sehr ausgeprägten und empfindlichen Geruchssinn hatten, den sie auch immer wieder trainierten und verfeinerten. Und natürlich war uns allen der penetrante Gestank der Höhlenoger nur zu bewußt.
Wir beschlossen also in zwei Gruppen zunächst die patrouillierenden Wachen auszuschalten, und uns dann von der jeweils gegenüberliegenden Seite in das Lager selbst zu kämpfen. Ursharok und Panic würden die eine Gruppe führen, während Ràgnàrók und Myrr die zweite Gruppe führen würden. Und so fand ich mich wieder mit Smokefist, Lilium und Tynstar in Ragnas Gruppe, während Jazz, Bulljin und Pamram die erste Gruppe komplettierten.
Gemeinsam umrundeten wir die Biegung des Stollens, und konnten einen ersten Blick auf die große Höhle werfen. Wie Clar’ berichtet hatte, wurde die Höhle vom Lager der Oger zu großen Teilen belegt, welches wiederum vom gewaltigen Lagerfeuer in der Mitte dominiert wurde. Die schmutzigen, grauen Zelte standen in loser, unordentlicher Formation um das Feuer und waren von zahlreichen primitiven, und meist sehr häßlichen, Totems umgeben. In der Nähe des Feuers konnten wir zahlreiche große Käfige sehen, und ich konnte einige zusammengekauerte Gestalten erkennen.
Auf Ragnas Zeichen nahmen wir uns die linke Seite der Höhle vor, während Panics Gruppe nach rechts ging.
Das erste Wachpaar tauchte vor uns auf und sofort stürmten die beiden Krieger vor. Tynstar feuerte einige Flüche gegen den rechten Oger, während ich meine Bolzen auf den linken schoß. Lilium und Smokefist übernahmen sofort den Schutz und die Heilung der beiden Krieger. Bevor die beiden Oger auch nur halbwegs ihre Überraschung abschütteln konnten, lagen sie schon tot im Staub des Höhlenbodens.
Schnell schlichen wir uns weiter an der Höhlenwand entlang und schalteten die nächsten beiden Wachen aus. Bisher schienen die Oger im Lager unsere Anwesenheit noch nicht bemerkt zu haben. Wir untersuchten schnell die beiden Toten, und konnten ihren klammen Fingern ein paar Silbermünzen entreißen.
Nun kamen wir zur Einmündung eines der erwähnten Seitenstollen. Dort standen zwei weitere Wachen der Oger und bewachten ganz offensichtlich den Eingang. Wieder griffen wir routiniert an, und die beiden Krieger blockten die Oger, während wir sie von hinten mit unseren Zaubern und Bolzen angriffen.
Da bemerkte ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Ich drehte mich entsprechend zur Seite und erkannte, daß zwei weitere Wachen, auf ihrem Weg um das Lager direkt auf uns zu kamen. Ich gab den Anderen eine kurze Warnung, und schickte Elvenshrek den beiden Ogern entgegen. Mit lautem Brüllen stürzte er sich auf den vorderen der Oger. Vollkommen überrascht versuchte er die Katze abzuwehren, doch Elvenshrek sprang ihm direkt an die Kehle und verbiß sich in seinem Hals. Der zweite Oger schüttelte nun seine Überraschung ab, und begann nach Elvenshrek zu schlagen.
Ich lud mehrere Bolzen gleichzeitig in die Armbrust und schoß so auf beide Wachen. Während der Eine weiterhin mit Elvenshrek um sein Leben rang, stürmte nun der Zweite direkt auf mich zu. Ich grinste grimmig, und griff schnell in meine Tasche. Ein wütendes Zischen antwortete meinem Griff, als ich den Sack mit äußerst giftigen Schlangen hervorzog. Diesen plazierte ich schnell vor mir auf dem Boden, und zog mich ein paar Schritte zurück.
Ich konnte noch einen Bolzen auf den Oger abschießen, bevor er zu nahe war. Nun rannte er direkt über den Sack mit den Schlangen, die ihn sofort wütend angriffen und mit zahlreichen Bissen und Angriffen von mir ablenkten.
Schnell schaute ich nach Elvenshrek und schickte ihm einen kurzen Stärkungszauber, während ich dem Oger mit dem er kämpfte einen Giftbolzen in den Rücken schoß. Gerade als ich die Armbrust senkte und die Axt in meine Hände nahm, um mich dem zweiten Oger zu widmen, sah ich eine Gestalt an mir vorüberspringen.
Ich erkannte Tynstar, die nachdem sie den Oger mit einem gewaltigen Fluch belegt hatte nun mit ihrem Stab angriff. Ihr Überbringer des Todes krachte auf den Schädel des Ogers, der sich vollkommen verwirrt zu ihr herumdrehte, doch da traf ihn auch schon der nächste Schlag, direkt in den Unterleib. Schmerzerfüllt brach der Oger zusammen, und Tynstar erledigte ihn mit einem kurzen, heftigen Schlag.
Ich wandte mich wieder Elvenshrek und seinem Gegner zu. Mein treuer Begleiter hatte seinen Gegner bereits zu Boden gerungen, und so bedurfte es nur noch einen einzelnen Schusses von mir um den Kampf endgültig zu beenden.
Ich bedankte mich rasch bei der Hexerin für ihre Hilfe, die ihrerseits abwinkte.
„Kein Problem, Du hast uns schließlich den Rücken frei gehalten.“
Wir sammelten uns wieder und Smokefist und Lilium kümmerten sich schnell um unsere kleinen Wunden und Verletzungen. Myrr tauschte unterdessen einen Gedankenruf mit Dontpanic.
„Gut, die anderen sind soweit auch fertig, und wir können nun das Lager selbst angreifen.“
Wir nickten dem Tauren zu.
Noch einmal rückten wir unsere Ausrüstung zurecht, wischten uns den Schweiß aus dem Gesicht und von den Händen, griffen unsere Waffen fester, und warteten auf den Gedankenruf von Panic.
Schließlich ertönte der laute Ruf in unseren Köpfen:
„ANGRIIIIIIF“
Mit lautem Gebrüll stürmten die beiden Tauren zwischen die Zelte.
Die Oger wandten sich uns zu, wurden jedoch vom fast zeitgleichen auftauchen der beiden Orks am anderen Ende das Lagers verwirrt. So bedrängt, sammelten sich die Oger um das Feuer und begannen unseren Angriff abzuwehren.
Ràgnàrók, Myrr und Elvenshrek kämpften direkt mit den Ogern, während Smokefist, Tynstar und ich wieder auf der Entfernung angriffen.
Da wurde ich von einer Flammenkugel getroffen.
Ich stolperte zur Seite.
Glücklicherweise hatte mich der Zauber nur gestreift.
Zwischen den Zelten erkannte ich den Oger, der bereits einen weiteren Zauber vorbereitete.
Ein Magus!
Eine etwas unangenehme Überraschung, denn keiner von uns hatte gedacht daß auch die Oger auf Shat’Alor der Magie mächtig waren. Ich überwandt meine Überraschung und schickte bereits die ersten Bolzen in den Oger. Da der Oger auf Magier spezialisiert war, und eher unerfahren im Kämpfen, wurde er von meinen Bolzen aus dem Konzept gebracht und mußte seinen Zauber abbrechen. Also schnappte er sich seinen Stab und stürmte auf mich los.
Mit grimmigem Grinsen ließ ich die Armbrust sinken und griff nach meiner Axt. Ich konnte seinen Angriff mit Leichtigkeit abwehren, und der unerfahrene Oger stolperte ungeschickt an mir vorbei. Sofort setzte ich ihm nach und schlug ihm die Axt in den Rücken.
Mit lautem Kreischen fuhr der Oger herum, wobei ich fast meine Axt verlor.
Wie von Sinnen drosch der Oger nun nach mir, und ich mußte mich anstrengen seine Angriffe abzuwehren. Doch die Kraft des Ogers schwant schnell, und seine Angriffe wurden schwächer und langsamer. Ich schlug den Stab zur Seite und nutzte den Schwung der Axt zum Konter.
Vollkommen ungehindert traf sie seinen Hals und grub sich tief in sein Fleisch.
Röchelnd brach der Oger zusammen.
Ich begab mich wieder zu den Anderen, und Smokefist gab mir einen aufmunternden Klaps auf die Schulter, bevor sie sich wieder den Ogern vor ihm zuwandte. Schnell versuchte ich mir einen Überblick zu verschaffen.
Ich konnte zahlreiche tote Oger am Feuer sehen, erkannte aber auch, daß noch immer acht oder neun der Oger auf Ragna, Myrr und Elvenshrek eindrangen. Dankbar erkannte ich, daß sich Lilium auch um Elvenshrek kümmerte und ihn bei Bedarf heilte.
Über das Feuer hinweg konnte ich bereits die andere Gruppe erkennen. Ich sah wie sich Sherman mit seinem dicken Panzer durch die übriggebliebenen Oger wühlte und sie regelrecht umwarf während Panic und Ursharok ihre Klingen und Schilde gegen die Oger schlugen. Bulljins Feuerzauber schlugen eine Schneise der Verwüstung in die Reihen der Oger. Ich erkannte Jazz, den Schurken wie er mit seinen Dolchen zustach, und dazwischen immer wieder den beiden Kriegern half, und sie blitzschnell verband, wenn die Orks verwundet wurden.
Smokefist gab mir ein Zeichen, und zog sich dann schnell ein Stück zurück.
*Ich helfe der anderen Gruppe, die können ein paar meiner Heilzauber gut gebrauchen*
Ich nickte ihr zu, und begann nun meinerseits die Oger am Feuer mit Bolzen zu beschießen, während die Trollin schnell um das Feuer herumrannte und sich neben Pamram stellte und ihre Heilzauber zu Panic und Ursharok sandte.
Schnell hatten wir den Widerstand der Oger gebrochen und sie waren nun in der Unterzahl. Ein paar Pfeile später lag auch der letzte Oger im Dreck des Höhlenbodens. Erleichtert klopften wir uns auf die Schultern und tasteten uns selbst nach Wunden und Verletzungen ab. Doch keiner von uns war ernsthaft verletzt. Es gab ein paar Beulen in den Rüstungen, und ein paar Risse in den Gewändern, doch im Großen und Ganzen hatten wir den Kampf ohne Schaden überstanden.
Gierig trank ich ein paar Schlucke Wasser aus meinem Trinkschlauch.

***

Wir schauten uns um und begaben uns schnell zu den Käfigen. Ich kniete mich vor einen der Käfige und schaute hinein. Ich erblickte eine ziemlich schmutzigen und zerzausten Goblin, der mich mit dunkel geränderten Augen anstarrte.
„Wer bist Du?“
Er blinzelte einige Male überrascht. Es schien als tauche er aus den Tiefen eines Traumes auf.
„Du sprichst Goblin?“
Ich kicherte.
„Ja sicher, sonst würdest Du mich ja nicht verstehen, oder?“
Mittlerweile drängten sich die Anderen hinter mir und schauten in den Käfig.
„Also, wer bist Du, und wie kommst Du hierher?“
Mit steifen Gliedern reckte sich der Goblin ein bißchen, bevor er antwortete.
„Ich bin Josef B. Strauß. Chefingenieur der Sand-Franz-Zirkus-Brückenbauer. Wir wurden bereits vor ein paar Monaten vom Dampfdruckkartell hierher geschickt.“
Überrascht schaute ich von Josef zu den Anderen. Wie konnten diese Goblins schon seit Monaten hier sein, wenn wir die Scherbe erst vor ein paar Tagen entdeckt hatten, und das Tor erst gestern geöffnet hatten?
„Schaut nicht so überrascht! Das Kartell weiß schon seit einem Jahr von der Scherbe, und auch vom Schiffsfragment. Wir haben nur eine Weile gebraucht um einen geeigneten Transporter hierher zu entwickeln.“
Er rieb sich seinen wunden Hintern, der von den rauhen Gitterstäben ganz aufgescheuert war.
„Viele meiner Kollegen sind bei dem Versuch hierher gestorben, oder ernsthaft verstümmelt worden.“
Hinter mich kicherte Dontpanic.
„Klar, bei euren Transportern kann man ja nie sicher sein was passiert.“
Josef warf dem Ork einen wütenden Blick zu, fuhr dann aber fort:
„Wie dem auch sei. Wir wurden dummerweise auf der falschen Seite des Gebirges abgesetzt. Also suchten wir nach einem Paß über die Berge. Als wir keinen fanden, kauften wir uns die Hilfe zweier Zwerge, die für uns die Stollen unter den Bergen erkunden sollten.“
Ursharok knurrte böse. Wenn es etwas gab, das er noch weniger als Oger mochte, so waren das Zwerge, die er abgrundtief haßte. Er drehte sich um, und begann mit Pamram und Jazz das Lager zu durchsuchen, und die anderen Käfige zu untersuchen.
„Die beiden Zwerge, Großwildjäger nannten sie sich, fanden für uns dieses Stollensystem, und auch den Ausgang auf der anderen Seite. Doch als wir uns auf den Weg machten, wurden wir an der tiefen Schlucht von den Ogern überfallen.“
„Tiefe Schlucht?“ fragten wir wie aus einem Mund.
Josef runzelte kurz die Stirn.
„Naja, am anderen Ende der Höhle geht es weiter, und dort gibt es eine tiefe Schlucht, die jegliches Weiterkommen blockiert, aber von zwei Brücken überspannt wird. Und dort, wurden wir von den Ogern überfallen.“
Er berichtete wie sie von den Ogern überrascht wurden und sich nach Kräften verteidigt hatten. Leider waren die beiden Zwerge im Gefecht so verzweifelt gewesen, daß sie mit Sprengstoff geworfen hatten. Diese hatte zwar die Zwerge und einige Goblins gerettet, doch die Brücken waren dabei eingestürzt und alle anderen Goblins wurden von den Ogern gefangen genommen.
„Dumme Zwerge! Immer müssen sie alles in die Luft sprengen.“
Ernüchtert setzte ich mich zurück auf meine Fersen. Wenn die Brücken zerstört waren, gab es keinen Weg hinüber.
„Wenn ihr mich und meine Kollegen befreit, dann können wir versuchen die Brücken wieder aufzubauen, und so hier heraus zu kommen.“
Ich schaute zu Panic und Ragna, die mir beide nach kurzem Überlegen zunickten.
„Gut, dann beeilen wir uns.“
Bevor ich auch nur reagieren konnte, krachte der Stab von Tynstar auf das primitive Schloß am Käfig, und die Tür sprang auf. Langsam humpelte Josef aus dem Käfig, streckte sich mühsam, und umarmte dann die vollkommen überraschte Hexerin dankbar.
Wir begannen die anderen Käfige zu öffnen, als Bulljin nach mir rief. Ich fand ihn zwischen einem Stapel Kisten.
„Hey Denc, schau mal was ich hier gefunden habe.“
Er hielt mir eine große, lange Schußwaffe entgegen. Das Gewehr glänze silbern, war mit einer großen Zielvorrichtung an beiden Enden ausgestattet, und der Abzug wurde von einem großen Totenkopf geschmückt. Ich nahm Bulljin die Waffe ab, und stellte überrascht fest, wie leicht und handlich das Gewehr war. Unterdessen bückte sich Bulljin nochmals, und richtete sich mit einem großen, schweren Munitionsbeutel wieder auf.
Aufmerksam drehte ich das Gewehr in meinen Händen, bis ich am wunderbar gearbeiteten Schaft eine kleine Plakette sah.
„Hemet Nesingwary“ las ich dort.
„Wirklich ein schönes Teil.“
Ich hob das Gewehr an meine Schulter und schaute durch die Zielvorrichtung, schwenkte es von links nach rechts.
Da entdeckte ich mehrere Gestalten die aus einem der Seitenstollen auf uns zugerannt kamen.

***

„AAAAACHTUUUNG!“
Mein Ruf ließ die anderen hochschrecken. Sofort griffen sie zu ihren Waffen und wandten sich der neuen Gefahr entgegen.
Ich konnte es nicht glauben. Ich starrte durch die Zielvorrichtung des Gewehres und sah den kleinen rothaarigen Zwerg, mit dem ich schon am Katapult und am Tor zusammengetroffen war, auf uns zustürmen. Ihm folgten zahlreiche Kämpfer der Allianz. Ich sah Elfen, Menschen, Gnome und natürlich Zwerge. Dazwischen konnte ich sogar einen der Draenai erkennen.
Da ich das Gewehr ja nun schon an meiner Schulter hatte, beschloß ich es auch gleich auszuprobieren, den rothaarigen Teufel hatte ich ja auch schon im Visier.
Der Abzug war überraschend leichtgängig, und ehe ich mich versah, krachte der Schuß auch schon durch die Höhle. Puh! Verdammt laut. Aber ich war angenehm überrascht, wie sanft der Rückstoß war, und wie schnell das Gewehr wieder nachgeladen und schußbereit war. Da der erste Schuß zu früh losgegangen war, hatte ich den Zwerg natürlich verfehlt. Den zweiten Schuß zielte ich daher sorgfältiger und der Schuß löste sich genau im richtigen Moment.
Ich traf den Zwerg mitten auf die Brust, und der Einschlag brachte den Zwerg sofort zum stehen. Etwas orientierungslos stand er da und glotze hohl ins Leere. Mit einem siegessicheren Grinsen zielte ich erneut.
Aber da blinzelte der Zwerg, entdeckte mich und stürmte mit lautem Schrei auf mich zu. Der Schrei des Zwergs ließ Elvenshrek auffahren, der eben noch zwischen den Kisten herumgestöbert hatte. Sofort kam er hervor geschossen und stürmte auf den Zwerg los. Fieberhaft griff ich wieder in meine Tasche, zog den Sack mit Schlangen hervor, und warf ihn vor den Zwerg.
Doch noch bevor der Sack gelandet war, krachte der Zwerg auch schon in mich hinein, und attackierte mich mit seinem Kriegshammer. Innerhalb eines Wimpernschlags lagen wir drei in einem wilden Knäuel auf dem Boden und rangen miteinander. Ich lag auf dem Rücken und hielt mit beiden Händen den Kriegshammer des Zwerges fest, der nach wie vor versuchte ihn über seinen Kopf zu heben und ihn mir entgegen zu schmettern. Auf seinem Rücken wiederum stand Elvenshrek, schlug mit seinen Pranken auf seine Arme und Schultern, während er immer wieder versuchte in den Kopf des Zwerges zu beißen. Doch dieser vermaledeite Zwerg hatte den typischen Dickschädel seiner Rasse, und Elvenshrek erzielte mit seinen Bissen kaum eine Wirkung.
Um uns herum tobte ein wildes Gefecht. Ein farbenfrohes Lichtspektakel huschte über die Höhlendecke, als starke Zauber und schreckliche Flüche von einer Seite zur andern geschleudert wurden und in die Reihen der Kämpfer einschlugen. Rauch stieg auf, als einige der Ogerzelte und der gestapelten Kisten von Feuerbällen getroffen wurden und nun munter, und rußig qualmend, brannten. Die Schreie der Kämpfer, das Klirren der Waffen, das Kreischen der Zauber und das Heulen der Flüche, mischten sich mit unseren Flüchen und Schmerzenslauten.
Ein unglaubliches Schauspiel.
Der Atem des Zwergs schlug mir ins Gesicht. Ganz offensichtlich hatte er vor nicht allzu langer Zeit dem Alkohol gefrönt – wahrscheinlich hatte sich der Wicht Mut angetrunken – und dabei mußte er wohl auch irgendein bestialisches, zwergisches Gericht genossen haben. Er stank schrecklich, und der Gestank drohte mir den Atem zu rauben.
Wieder hieb Elvenshrek seine Tatze gegen den Zwerg, doch diesmal traf er seinen Schädel von der Seite, und er wurde zur Seite gedrückt. Überrascht versuchte der Zwerg den Hieb auszugleichen, und verlor dabei das Gleichgewicht. Er drohte von mir herunter zu rutschen, und machte eine schnelle Gegenbewegung.
Dabei lockerte sich sein Griff um den Kriegshammer leicht.
Mit einem Schnellen Ruck, riß ich den Zwerg weiter aus dem Gleichgewicht.
Der Zwerg drohte nach vorn umzukippen, und seine Linke ließ vom Hammer ab, um sich abzustützen.
Mein Ellenbogen schnellte vor.
Ich traf ihn direkt auf die Nase.
Ich konnte es knirschen hören.
Blut spritzte.
Der Zwerg verdrehte die Augen.
Und rutschte bewußtlos von mir herunter.
Schnell rappelte ich mich wieder auf.
Ich blickte mich um. Wie es schien wurden wir von einer ungefähr zwanzig Mann starken Truppe der Allianz angegriffen. Sie waren uns also fast zwei zu eins überlegen. Ich bemerkte, daß wir langsam zum nördlichen Stollenausgang gedrängt wurden, also direkt auf die tiefe Schlucht zu. Ich überprüfte kurz Elvenshreks Zustand, der aber glücklicherweise unverletzt war, und so schickte ich ihn mitten ins Gefecht.
Ich entdeckte etwas abseits eine menschliche Priesterin, die von hinten immer wieder ihre Heilzauber zu den Kämpfern der Allianz schickte. Ich hob das Gewehr und zielte sorgfältig.
Der Schuß traf die Priesterin vollkommen überraschend, und bevor sie versuchen konnte sich gegen meine Angriffe zu wehren, landete ich einen Volltreffer und sie brach zusammen. Sorgfältig suchte ich die Gruppe der Kämpfenden ab, fand einen weiteren Heiler und nahm ihn ins Visier, als ich den Gedankenruf Jaabers vernahm.
*Haltet noch einen Moment durch. Die Kundschafterin hat uns geholt, und wir sind fast da.*
Man konnte die Wirkung dieses Rufes regelrecht sehen. Mit neuem Mut, und neuer Kraft wurden die Schultern wieder gehoben, der Rücken durchgestreckt, und die Angriffe der Gegner mit neuem Elan abgefangen.
Auch dieser Heiler der Allianz fiel, und ich konzentrierte mich nun auf die Kämpfer weiter vorn. Ungläubig riß ich die Augen auf.
Da standen sie.
Schulter an Schulter.
Der Taure und der Ork.
Ràgnàrók und Dontpanic.
Ihre Äxte, Schwerter und Schilder forderten einen schrecklichen Tribut unter ihren Gegnern.
Zusammen mit Myrr und Ursharok, bildeten die Vier ein schier unüberwindliches Bollwerk. Immer wieder prallten die Kämpfer der Allianz, ihre Schwerter und ihre Zauber von den Vieren ab. Es sah phantastisch aus!
Doch langsam aber sicher machte sich die Übermacht der Allianz bemerkbar, und wir wurden immer weiter zurück gedrängt.
Ich rannte schnell nach vorn, stellte mich direkt hinter Panic, und zog meinen berüchtigten Schlangebeutel. Das Zischen der Schlangen schien mir sogar noch wütender als sonst. Mit einem fiesen Grinsen warf ich den Sack zwischen den Beinen des Orks hindurch, mitten in die Kämpfer der Allianz.
Sofort griffen die Schlangen an, und attackierten ihre Gegner mit wütendem Zischen und giftigen Bissen.
Ich zog mich wieder ein Stück zurück, und schoß nun recht wahllos in die Menge.
Da krachte von links ein blauglühender Eiszauber in die Reihen der Allianz. Ich drehte den Kopf und erkannte unsere Kämpfer.
Soeben stürmte Niveau, der Tiger Jaabers, nach vorne und sprang einen Draenai an.
Immer mehr unserer Kämpfer quollen nun in die Höhle und fielen der Allianz in die Seite. Durch den dichten Rauch war kaum etwas zu erkennen, und ich drohte kurzzeitig den Überblick zu verlieren.
Ich rief Elvenshrek zurück, um ihm eine kleine Erholung zu gönnen, und um ihn nicht im Getümmel unnötig zu gefährden.
Nun da die Verstärkung die Hauptlast des Angriffs trug, konnten wir uns etwas entspannen, und ich sah, daß sich auch Smokefist und Tynstar etwas zurückzogen und erschöpft auf den Boden sanken. Sofort begannen sie gierig zu trinken.
Nachdem ich meinem Begleiter eine weitere Wachtel ins Maul gestopft hatte, richtete ich mich auf und streckte müde meine Gelenke und Schultern. Mein Nacken krachte laut.

***
 
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