A tribute to an old galaxy

Thaxx

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“Die guten alten Zeiten” – Kennt ihr das? Man sitzt mit ein paar Freunden bei einem Bierchen zusammen und gerät darüber ins Schwärmen, was früher denn so alles besser war. Was angesichts meiner knapp 30 Lenze wohl nicht nur meinem Opa ein mitleidiges Lächeln beschwert hätte.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn sich die „Guten, alten Zeiten“ auf Onlinerollenspiele beziehen und obige Stammtischrunde aus leidenschaftlichen MMORPG’lern der ersten Stunde besteht. So geschehen am vergangenen Donnerstag, landläufig auch als „Vatertag“ bekannt. Da saßen wir also nun, und ich ertappte uns dabei, wie wir uns im Laufe des Gesprächs dazu hinreißen ließen, über vergangene Onlinezeiten zu schwadronieren. Objekt unserer Schwärmereien und durch reichlich Weißbiergenuss unterstützten Marktanalyse war ein Spiel, durch das sich ein Großteil unseres heutigen Freundeskreises vor Jahren kennen lernte: „Star Wars Galaxies“ von Sony Online Entertainment (SOE).

Betrachtet man dieses Spiel zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahre 2003, so würde es manch jüngerer Onlinezocker heute gar als unspielbar bezeichnen.

Es begann im Juni 2003. Eine Woche nach Release hat es ein guter Freund endlich geschafft, mich in die Welt der MMORPGs zurückzubringen. Nach den in Pixelgrafik versunkenen Landen von Lord British und der Maustasten-Folter-Software Diablo 2 mein erstes Online-Rollenspiel seit langem.

Freunde und Bekannte infizierten sich mit der Sucht „SWG“. Man traf sich täglich im bekannten Teamspeak-Server. Eine Zeit gemeinsamer Jagdausflüge, Leveln, Resourcensuche und Hausbau begann. Hausbau?

Ja, ihr habt richtig gelesen. SOE, bzw. der damals federführende Gamedesigner Raph Koster verfolgte in „Star Wars Galaxies“ ein bislang nie wiederholtes Spielkonzept. Wir bezeichneten es schlichtweg als „Sandbox“ (=Sandkasten)-System. Mittlerweile dürfte aber in der MMORPG-Szene die Bezeichnung „player driven content“ geläufiger sein. Koster stellte den Spielern eine zwar bugverseuchte, aber liebevoll designte 3D-Welt im „Krieg der Sterne“-Universum zur Verfügung. Diese Welt mit ihren schier unendlich großen Planeten war abgesehen von reichlich digitaler Fauna und Flora völlig leer. Keine Tutorials, Quests, bunte Interfaces oder gar Tooltips. Jeder Gegenstand, jede Waffe, jedes Rüstungsteil, ja… jede Siedlung außerhalb der Startzonen musste von den Spielern selbst erstellt und erbaut werden. Dabei war das Crafting-System so schwer verständlich und kompliziert, dass ein „Armorsmith“ (Rüstungschmied) im Spiel tatsächlich ein Meister seines Faches sein musste, um eine brauchbare Rüstung herzustellen – welche nach getaner Arbeit schließlich immer ein Unikat darstellte.

Es folgten Tage und Wochen des planlosen Learning-By-Doing, nur unterbrochen von nervenden Corpse-Runs, Client-Crashes, (heute undenkbaren,) tagelangen Serverdowns und Bugs, Bugs, Bugs... das Handbuch ist allerdings jetzt noch orginalverpackt und in Folie eingeschweißt.

Am Ende jedoch ging Kosters Konzept auf. Die Community dieses MMOPRGs kreierte sich ihr eigenes Spiel. Mit Städten, Häusern, Events, Rollenspiel, Gildenkriege, Fehden, Hass, Freundschaft und sogar Liebesgeschichten. Selbst die Einschränkung, nur einen einzigen Charakter auf dem Server erstellen zu können, hatte einen gewollten Nebeneffekt: Man identifizierte sich mit seiner Figur – hauchte ihr Leben ein.

Trotzdem wurde SOE nie der Erfolg, zu dem es hätte werden können. Fehler der Developer im Spieldesign, schlechtes Marketing und letztlich auch die viel zu hoch gesteckten Ziele, die in technischer Hinsicht möglicherweise heute noch nicht problemlos umsetzbar wären. Vielleicht auch die spätere Konkurrenz von „World Of Warcraft“, mit dem Blizzard ein Zeitalter der fehlerfreien, leicht zugänglichen und massentauglichen MMORPGs einläutete. Ich gestehe, mir gefällt auch diese neue Zeit mit ihren gesellschaftsfähigen Spielen. Denn früher war nicht alles besser, der Mensch vergisst nur allzu gerne die alten Ärgernisse und erinnert sich viel lieber an die schönen Highlights vergangener Tage. Und doch, ein versonnenes Lächeln bleibt:

„Star Wars Galaxies“ war kein Spiel, es war ein Erlebnis.

Danke, Raph Koster,
Danke SOE,
Und danke an alle Spieler, die jemals Teil dieser Geschichte waren.


Galaxtische Grüße,

Thaxx Sto'Oda,
Einwohner von Kantara City, Tatooine, Gorath Galaxy
 
Hammer-Eintrag, auch wenn ich SWG nie gespielt habe - ich habe ähnliche Gefühle für Anarchy Online... Kennt das überhaupt wer?
 
Wie recht du doch hast und ich sage es selbst ständig, obwohl ich immer noch aktiv in SWG bin: "Früher war alles besser" *g* Die Spieler machen dieses Spiel und durch einige Änderungen in der Community, hat sich auch SWG sehr verändert und das fehlen einiger Charaktere, wie der Deine, haben eine nie zu schließende Lücke hinterlassen. Ich danke SOE dafür, dass ich dich kennen und schätzen lernen durfte, Thaxx :)

Melania Carvello
Bürgermeisterin von Kantara City, Tatooine, Gorath Galaxy
 
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