Die Elite Rabbits

Gilmenel

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Die Elite Rabbits

(Eine nicht ganz ernstzunehmende Entstehungsgeschichte der ehemaligen gleichnamigen WoW - Gilde)

‚Was will der nur von mir?’, fragte sie sich, als sie durch die Wälder Teldrassils schlenderte. Es war genau vor zwei Tagen. Ihre kleine Schauspieltruppe hatte gerade eine neue Komödie aufgeführt. Leider nur mit mäßigen Erfolg. Doch die vorgestrige Vorstellung war die schlimmste. Viele Monate waren sie durch die Provinzen getingelt und hatten vor allerlei Volk ihre Kunst aufgeführt, als die Einladung nach Darnassus kam. Die Nachtelfenhauptstadt! Das gesamte Ensemble war schon Tage vor dem Auftritt in Darnassus unruhig. Humor und Spaß waren einfach keine vorrangigen Eigenschaften der Nachtelfen. Viele Nachtelfen rümpften daher die Nase über ihre kleine Gruppe an Schauspielern als sie in die Stadt kamen. Was aber der Auftritt in Darnassus für sie persönlich bedeute, dass wusste keiner aus der bunten Truppe von Menschen, Zwergen und Gnomen, in der sie der einzige Nachtelf war.
Die Kriegerterrasse bot eine prächtige Kulisse für ihre Aufführung an jenen lauen Mittsommernachtsabend. Er war ihr sofort aufgefallen. Er saß zwar etwas abseits, aber dieses stets ernste Gesicht könnte sie nie vergessen. Die Aufführung verlief reibungslos, obwohl sie den Eindruck hatte, dass er sie ständig anblickte. Nach der Aufführung erhob er sich und ging, während einige andere Nachtelfen doch einen spärlichen Applaus zustande brachten. Als sie zurück zu den Wagen ging, der ihnen als Garderobe und Wohnung diente, trat ein Nachtelf an sie heran. Er sagte nur sehr kurz angebunden, „Er will dich in zwei Tagen um diese Zeit am Tempel sprechen.“. Darauf drehte er sich um und ging, ohne auf ihre Antwort zu warten. Wer gemeint war, war ihr sofort klar.

Am nächsten Tag war er nicht mehr in der Aufführung. Es war ihre letzte in Darnassus. Der nächste Tag war spielfrei, da sie tags darauf wieder weiterziehen wollten. Sie nützte den freien Tag um durch die Wälder ihrer Kindheit zu wandern. Ihre Eltern hatten Teldrassil bereits lange verlassen. In ihrer Hütte kurz vor Darnassus betrieb nun ein Kürschner sein Handwerk. Die Dämmerung setzte bereits ein. Seit der Nachricht von ihm hatte sie nachgedacht. Viele Erinnerungen gingen ihr dabei durch den Kopf. Ihre Eltern hatten damals beschlossen, dass sie zu den Druiden gehen sollte. Nur mühsam fügte sie sich der strengen Disziplin, der Würde und dem Ernst der Druiden. Ihr bisweilen überschäumender Humor fand nur bei sehr wenigen in der Enklave des Cenarius Gefallen. Besonders ihr Ausbilder Farnhelm Baumspross mahnte sie immer zu mehr Ernst. Doch konnte sie das nicht. Daher beschloss sie die Druiden zu verlassen. Und nun war er wieder aufgetaucht und hatte ihr die Nachricht geschickt. Sie betrat die Terrasse vor dem Tempel der Elune.
„Ah! Gut, gut. Timmelande“, grüßte sie der bereits wartende Druide.
Sie zuckte zusammen. Ihren alten Namen hatte sie damals abgelegt, als sie der Truppe beitrat. Timmelande Flüsterwald erschien ihr zu bieder für die Bühne.
„Grüße Druide Baumspross. Bitte nennen sie mich doch Astrada.“, erwiderte sie daher den Druiden.
„Ah! Nun gut, nun gut. Die große weite Welt?“, schüttelte der Druide seinen Kopf, „Hast du gefunden nach was du gesucht hast, nachdem du uns verlassen hast? Du warst trotz allen eine sehr viel versprechende Schülerin.“
„Ich habe meinen Spaß.“, lächelte Astrada den alten Druiden an.
„Ah! Mag sein, mag sein.“, murmelte er in seinen Bart, „Doch komm lass uns ein wenig spazieren gehen, dann erklär ich dir, warum ich dich gerufen habe.“
Sie gingen langsam um den See in der Mitte von Darnassus.

„Ah! Nun, Nun. Ich, nein, wir benötigen deine Hilfe, Timmelande“, flüsterte der Druide.
„Meine? Wie kann ich den Druiden helfen?“, zuckte Astrada mit den Schultern.
„Du bist ein Glücksfall. Du bist fast eine Druidin, deshalb hoffe, dass du unser Anliegen verstehst. Außerdem kannst du mit deiner Truppe dahin gehen, wohin wir nicht hingehen können.“, antwortete Baumspross ihr.
„Und das wäre?“, flappte sie den Druiden an.
„Ah! Hört, hört. Immer noch so ungeduldig? Aber nun gut. Bitte höre mir zu, und entscheide dann. Wir Druiden vom Zirkel des Cenarius hören besorgniserregende Neuigkeiten. Die Blutelfen sind am erstarken. In geheimen Labors forschen sie nach etwas. Was das ist wissen wir nicht. Aber einer ihrer untergebenen Arbeitssklaven konnte fliehen. Diesen müssen wir finden und befragen.“, erklärte der Druide.
„Was kann ich da tun? Das klingt nach Gefahr. Und warum tut ihr das nicht selbst? Ich sehe nicht, wie ich euch dabei helfen könnte.“, unterbrach ihn Astrada.
„Ah! Schade, schade.“, resignierte der Druide, „Wir hatten gehofft, als wir euren Auftritt in Darnassus organisierten, dass du zustimmen würdest. Aber vielleicht kann ich es dir erklären, und du hilfst uns doch. Wie wir sicher wissen, werdet ihr ihn Gadgetzan erwartet. Auf den Weg dorthin müsst ihr durch das Brachland. Der entflohene Arbeiter wurde dort von den Tauren aufgegriffen und wird nun in einem ihrer Posten festgehalten. Leider können wir aus Rücksicht auf unsere taurischen Mitdruiden im Zirkel nicht selbst tätig werden. Daher war es mein Vorschlag, jemanden zu suchen, der Druide genug ist um uns zu verstehen, aber keinen Verdacht bei den Tauren weckt.“
„Und das soll ich sein?“, wunderte sich Astrada.
„Ah! Ja, ja, du. Als ich hörte, was aus dir geworden ist, hielt ich es sofort für ideal. Eure Truppe ist harmlos genug um ohne Behelligung durch die Tauren und Orcs ins Brachland zu kommen.“, erklärte er.
„Ja, aber dann? Wie sollen wir mit Perücken, Kostümen und Holzschwertern einen Taurenposten überwältigen?“, fragte sie ihn nun vollständig verblüfft.
„Ah! In der Tat, in der Tat. Ja, da geht nicht. Aber auch hier haben wir einen Plan. Die hohe Hüterin der Elune ist in unsere Pläne eingeweiht. Sie sieht ebenfalls die Gefahr. Deshalb wird dich eine ihrer besten Hüterinnen begleiten. Sie hat sich schon in vielen Auseinadersetzungen mit der Horde bewährt, und hat große Erfahrungen mit den Tauren.“, erklärte Baumspross.
„Nur eine Hüterin? Es bräuchte Krieger für so was!“, lachte Astrada.
„Ah! Krieger, Krieger? Ach ja, Krieger. Gewiss, gewiss.“, sinnierte der Druide, „Die wird es auch geben. Die Hüterin wird beizeiten dafür sorgen.“
„Na, das klingt doch alles reichlich verrückt, aber doch nach einer Menge Spaß. Fast könnte ich zustimmen.“, sagte Astrada.
„Du solltest es. Denn wenn ihr erfolgreich seit gibt es für jeden Ehre, Ruhm und vielleicht etwas Gold. Doch dich erwartet die Ernennung zum Druiden, mit allen Geheimnissen, die du noch nicht kennst.“, sagte Baumspross.
„Druide? Ich? Blödsinn! Ich bin Schauspielerin.“, zickte Astrada.
„Wirklich?“, sagte der alte Druide mit tiefer Stimme und einen Blick, die beide zusammen bis tief in die Seele von Astrada vordrangen.
„Ich…. Öhm….. Naja….. Ah! Gut, gut. Ihr habt gewonnen. Ich mach es.“, gab Astrada auf.
Ein Lächeln huschte über die Lippen des alten Druiden.

Der Tross packte die letzten Dinge in den Wagen. Astrada saß nachdenklich auf einen nahen Baumstamm, und überlegte, wie der alte Fuchs sie herumbekommen hatte.
„Elune sei mit euch.“, sprach eine Elfin sie an. Der prächtigen Gewandung nach war sie eine Hüterin.
„Ah, die Hüterin. Sehr dezent gekleidet für das, was wir vorhaben.“, blaffte Astrada sie an.
„Das?“, lachte sie, „Das lässt sich ändern.“ Eine flinke Bewegung ihres Stabes verwandelte ihre Robe in dieselben Gewänder, wie sie Astrada trug.
„Ich bin beeindruckt.“, staunte Astrada, „Aber wo sind die Krieger?“
„Danke. Alles andere später und zu seiner Zeit. Unser druidischer Freund hat mir alle Instruktionen gegeben.“, antwortete sie.
„Nur gut, dass du alles weist.“, grummelte Astrada.
„Aber nun zu unserer Aufgabe. Bitte stelle mich eurem Ensemble als Tänzerin vor. Ich denke das sollte gehen.“, lächelte sie.
„Gut. Wie heißt du?“, sagte Astrada.
„Duniade Waldzorn.“, antwortete die Hüterin.
„Hm. Nein, das geht nicht. Das klingt nicht gut. Eine Tänzerin sollte die Phantasie des Publikums anregen. Genau. Phantasia. So nennen wir dich. “, sagte Astrada.
„Wenn es sein muss. Wenigstens klingt der Name sehr hübsch.“, antwortete ihr die neue Phantasia.
„Komm mit. Ich stell dich der Gruppe vor. Vielleicht kannst du Ihnen ja was vortanzen.“, sagte Astrada.
Nachdem sich alle aus dem Ensemble, teilweise mit sehr kalten Duschen, von der betörenden Darstellung des neuen Ensemblemitgliedes erholt hatten, war die Zustimmung für die Neue keine Frage mehr. Morgen würden sie alle Richtung Gadgetzan aufbrechen.

„Und wann kommen die Krieger?“, fragte Astrada Phantasia als sie hinter dem Wagen hertrotteten. Sie waren nun schon fast in Astranaar.
„Ganz ruhig. Es ist für alles gesorgt. Aber wenn es dich beruhigt. Die beiden werden in Astranaar zu uns stoßen.“, antwortete Phantasia.
„Beide?“, stutzte Astrada, „Nur zwei? Ein bisschen wenig gegen einen Posten Tauren.“
„Glaube ich nicht.“, lächelte die Hüterin verschmitzt, „Ich habe schon oft mit den beiden gekäm… öhm… gearbeitet. Die beiden besitzen das große Zeichen von Imba. Außerdem ist einer mein Bruder. Der bringt auch noch eine ganz spezielle Freundin mit.“
„Na dann bin ich ja etwas beruhigt.“, seufzte Astrada, „Aber was sollen die beiden in unserem Ensemble darstellen?“
„Gar nichts. Wir riskieren es, sie als Eskorte durch das Brachland auszugeben. Ich hoffe, es schöpft niemand Verdacht. Aber das wir ein wenig Schutz durch feindliches Gebiet mitnehmen, das sollte jeder verstehen.“, antwortete sie.

Der Tross machte Rast im Wirtshaus von Astranaar. Von den beiden Kriegern hatte Astrada bis jetzt noch nichts gesehen. Astrada und Phantasia saßen alleine beim Wagen.
„Vorsicht!“, rief eine Stimme.
Eine große Säbelzahntigerin schoss geradewegs auf Phantasia zu. Diese schien unbeeindruckt und blieb felsenfest stehen, als die mächtige Katze zum Sprung auf sie ansetzte.
„Alatariel! Kusch!“, befahl sie der Katze. Die Katze brach ihren Angriff ab, und legte sich zu ihren Füssen mit einem zufriedenen Schnurren nieder.
Astrada fielen vor Staunen die Augen aus dem Kopf.
„Du kennst die Katze?“, stammelte sie.
„Ja, klar doch. Sie gehört meinen Bruder. Und wo sie ist, ist er nicht weit.“, sagte Phantasia, „Komm raus du nichtsnutziger Jäger!“
Ein Nachtelfenjäger erschien wie aus dem Nichts vor ihnen.
„Hallo Schwesterchen. Na, gehen wir wieder Horde kloppen?“, grüßte der Nachtelf Phantasia.
„Immer doch, Eldor.“, antwortete sie ihn, „Aber bitte etwas mehr Diskretion. Es muss nicht jeder hier das wissen. Wo ist der andere Lump?“
„Zoroo?“, sagte Eldor, „Der schaut sich mal wieder das Schwertsortiment des örtlichen Waffenschmieds an. Ich hoffe ihr habt in eurem Wagen noch genug Platz für seine Schwertsammlung.“
Ein Krieger kam aus dem gegenüberliegenden Gebäude auf sie zu. Er schwang ein nagelneues Schwert.
„Ah, wenn man vom Teufel redet.“, sagte Phantasia, „Unsere Eskorte ist komplett.“
Astrada hatte einige Mühen den Rest von der Notwendigkeit zu überzeugen. Einige fürchteten, dass sie eine zu große Bedrohung für die Patroullien der Horde im Brachland darstellen würden. Erst als Phantasia in den düstersten Farben die Gefahren und Grausamkeiten der Horde ausmalte, stimmten alle plötzlich zu.

Der Orc-Posten der Horde zum Brachland lag schon weit hinter ihnen. Eldor und Zoroo hatten sich kurz vorher von ihnen getrennt, und waren lieber einen etwas heimlicheren Weg ins Brachland gegangen. Sie waren noch nicht wieder zu ihnen gestoßen. Phantasia war sich aber sicher, dass die beiden sie nicht aus den Augen ließen.
„Ar’a na ne’ju!“, rief plötzlich eine zornige Stimme.
„Blutelfen!“, schrie Astrada. Die Fahrt von der Grenze war bisher auch zu reibungslos verlaufen. Die Pferde blieben wie angewurzelt stehen.
„Nein. Keine Angst. Das ist nur ein weiteres Mitglied unseres speziellen Ensembles.“, flüsterte ihr Phantasia zu.
Eine Blutelfin ritt auf sie zu.
„Halt! Wohin wollt ihr?“, fragte sie den Führer des Wagens nun in fehlerfreien Darnassisch, als Phantasia auf sie zu ging, und dabei wie beiläufig ihren Schal schwenkte.
„Wir wollen nur durch das Brachland ziehen, um Gadgetzan zu erreichen. Wir sind harmlose Schauspieler.“, antwortete Phantasia ihr.
Ein Trupp von fünf schwerbewaffneten Orcs näherte sich ihnen von vorne mit gezogenen Schwertern. Der Anführer der Orcs schrie der Blutelfin etwas zu. Diese stellte sich in Positur und raunzte den Orc an. Der Orc wich einige Schritte zurück, und salutierte vor der Blutelfe. Die Krieger steckten ihre Schwerter ein.
Die Blutelfe wandte sich wieder Phantasia zu, „Nun gut, wir werden sehen. Wir müssen euren Wagen durchsuchen.“
Sie rief den Orcs. Zwei von ihnen näherten sich den Wagen und durchsuchten ihn. Als sie die Perücken fanden, brachen sie in schallendes Gelächter aus. Ein Orc erstattete der Blutelfe Bericht. Der andere seinem Anführer. Nachdem sie mit dem Anführer der Orcs einige Worte gewechselt hatte, sagte die Blutelfe zu Phantasia, „Gut. Ihr könnt passieren. Allerdings werde ich euch begleiten, und ich werde beim geringsten Problem Alarm geben.“

Als Eldor und Zoroo wenig später wieder zu ihnen gestoßen waren, schienen beide von der Blutelfe nicht überrascht zu sein. Den leidenschaftlich vorgetragenen Bericht von Astrada schenkten beide kaum Aufmerksamkeit, zu intensiv schauten sie sich um einen Rastplatz für die hereinbrechende Nacht um. Der Tross machte schließlich halt an einer kleinen Wasserstelle. Ein wärmendes Lagerfeuer erhellte die Gemüter aller. Die Blutelfin hatte bis jetzt Distanz gehalten. Nun kam sie auf sie zugeritten, und stieg ab.
„Ich werde alleine im Wagen nächtigen. Löscht das Feuer!“, rief sie laut. Astrada wollte gerade zum Protest ansetzen, doch Phantasia schüttete rasch Wasser auf das Feuer. Die Blutelfe stieg in den Wagen und zog die Plane zu.
„Was? Was?“, stammelte Astrada.
„Legt euch alle schlafen. Eldor, Alatariel und Zoroo übernehmen die Wache.“, beruhigte Phantasia sie.
Die Nacht war erfüllt von vielen Tierstimmen. Ein Vogel sang ein kurzes Lied. Das Pferd der Blutelfe hob lauschend den Kopf und trottete davon.
Der Morgen dämmerte. Die Nacht auf den harten Boden war Astrada nicht gewöhnt. Sie hatte zwar auch nur eine Hängematte, die sie in der Nacht im Wagen aufspannte, aber besser als der Boden war sie allemal.
Die ganze Truppe war bereits auf den Beinen, da wurde die Plane des Wagens beiseite geschoben, und eine Nachtelfin trat heraus.
„Wa… Was?“, stotterte Astrada.
„Guten Morgen alle zusammen. Mein Name ist Gilmenel.“, sagte die Nachtelfin mit einem verschmitzten Lächeln, „Aber nun mal im Ernst. Ihr wart nahe dran bei den Orcs im Kerker zu landen, wenn ihr Pech gehabt hättet.“
„Pech?“, sagte Phantasia.
„Ja. Wenn ihr Glück gehabt hättet, dann hätten sie euch vorher niedergemetzelt.“, scherzte Gilmenel.
Astrada erholte sich langsam von dem Schock, und auch die anderen Ensemblemitglieder waren erstaunt.
„Wer bist du? Und wo ist die Blutelfe?“, fragte sie Gilmenel.
„Nun sagen wir einmal so. Ich bin eine Freundin, die Elune sei Dank, rechtzeitig genug da war.“, antwortet sie Astrada, „Und die Blutelfe ist gar nicht so weit weg.“ Sie zwinkerte Astrada zu.
„Leider ist aber jetzt diese Tarnung flöten. Ihr müsst mich nun als Eine des Ensembles ausgeben.“, sagte sie an Phantasia gewand.
„Gut.“, sagte Phantasia, „Das sollte kein Problem sein.“

„Das war einmal wieder einer deiner dramatischen Auftritte, Gil.“, sagte Phantasia vorwurfsvoll etwas später als sie wieder in Ruhe hinter dem Wagen hergingen, „Die werden dir noch einmal zum Verhängnis. Du bist viel zu achtlos.“
„Ich hatte keine Zeit für große Planungen. Als ich den Spähtrupp Orcs sah, war mir klar, dass ich improvisieren musste, und nicht am vereinbarten Treffpunkt zu euch stoßen konnte. Zum Glück haben Eldor und Zoroo dein Schalsignal richtig gedeutet.“, erwiderte sie.
„Nur, wie ich meinen Freunden beim SI:7 nun beibringe, dass sie ihre Blutelfenspäherin hier verloren haben, dass weis ich noch nicht. Ich denke Baumspross muss da helfen.“, seufzte Gilmenel.
„Das wird sich schon regeln lassen. Wo ist übrigens dein Pferd?“, sagte Phantasia.
„Ich habe es weggeschickt. Aber keine Sorge. Khal’El wird nicht auffallen.“, erklärte Gilmenel, „Außerdem sind wir heute Nacht am Ziel. Wenn der Tross gleich das Nachtlager aufschlägt sind wir dem Taurenkerker ganz nahe. Wir sollten die Aufgabe heute Nacht erledigen. Elune ist ebenfalls verhüllt. Das gibt uns zusätzliche Deckung.“
„Ja, heute Nacht werden wir es tun.“, sagte Phantasia.
Astrada schloss sich ihnen an.
„Wer ist sie nun wirklich?“, fragte er Phantasia.
„Sie ist eine Freundin, die von Baumspross benachrichtigt wurde. Sie sollte uns allerdings erst später treffen.“, antwortete sie.
„Elune sei Dank kam sie früher.“, sagte Astrada.
„Leider.“, seufzte Phantasia.
„Wie sollst du uns bei dieser Aufgabe helfen?“, fragte Astrada Gilmenel.
„An scho’wa te Thalas?“, sagte Gilmenel.
„Ich verstehe nicht.“, stutzte Astrada.
„Kannst du Thalassisch?“, wiederholte Gilmenel nun in Darnassisch.
„Nein. Aber wozu brauchen wir das? Wir töten die Wachen, holen den Gefangenen, und befragen ihn. Dann werde ich Baumspross über eine Schale der Weitsicht kontaktieren, und fertig. Einfach!“, erklärte Astrada ihr stolz.
„Du kleine Möchtegernspionin. Wie willst du dich mit dem Gefangenen unterhalten?“, fragte Gilmenel sie mit einem Grinsen im Gesicht.
„Ich… öhm…. Kein Darnassisch? Keine Gemeinsprache?“, hielt Astrada inne.
„Nein.“, erklärte nun Phantasia, „Baumspross geht davon aus, dass der Gefangene nur Thalassisch oder bestenfalls Orcisch spricht. Und außerdem wird es ihn beruhigen, wenn eine Blutelfe ihn aus der Zelle holt und befragt.“
„Woher kannst du so gut Thalassisch, Gilmenel?“, wollte Astrada wissen.
„Das ist eine sehr lange Geschichte. Sagen wir einmal so. Ich hatte ziemlich lange Zeit Thalassisch zu lernen, als ich…..“
„Das kann warten, Gil.“, fuhr ihr Phantasia ins Wort, „Wir sollten nach einem Nachtlager Ausschau halten.“
„Ja, du hast Recht, Phanta.“, antwortete Gilmenel ihr.

„Los aufstehen es geht los.“, flüsterte Phantasia Astrada ins Ohr.
„Was? Jetzt? Lass mich schlafen.“, gähnte Astrada sie an.
„Ich gebe dir gleich einen Tritt.“, flüsterte Phantasia.
„Warum soll ich mit? Ihr schafft das auch ohne mich. Ich bin eh keine große Hilfe.“, sagte Astrada.
„Baumspross besteht darauf. Warum auch immer.“, sagte Phantasia und zuckte mit den Schultern.
„Gut. Gut. Ich komme.“, antwortete Astrada müde.
Leise schlichen sie zum Rand des Nachtlagers. Aber bei dem Schnarchen der Zwerge des Ensembles bestand keine Gefahr, dass einer sie gehen hören würde. Die anderen warteten bereits auf sie.
„Wohin, Gil?“, fragte Eldor.
„Den einfachen, oder den schweren Weg?“, scherzte Gilmenel.
„Na den schweren.“, zwinkerte Eldor ihr zu.
„Gut. Dann müssen wir hier durch das kleine Tal mit der dort liegenden Elitegarnison Tauren mit ein paar Dutzend schwerbewaffneten und allzeit bereiten Kriegern.“, antworte sie.
„Schon recht, schon recht.“, gab sich Eldor geschlagen, „Dann den einfachen. Den Druidenweg.“
„Sicher, sicher. Also nur diese fast unbezwingbare Wand vor uns rauf klettern, und die paar Posten auf dem Weg zum Kerker, der sich auf diesem Hochplateau befindet, ausschalten.“, erklärte sie.
„Na dann los. Obwohl ich dann leider Alatariel hier zurücklassen muss.“, seufzte Eldor.
„Nein.“, sagte Phantasia, „Gib ihr das zu trinken.“
Eldor gab Alatariel den Inhalt der kleinen Phiole. Die große Katze schleckte nur sehr widerwillig die Tropfen auf. Erstaunt sah Astrada zu, wie die mächtige Säbelzahntigerin plötzlich auf die Größe einer Hauskatze schrumpfte.
„Hält eine Stunde, oder bis zum Gegenmittel.“, erklärte Phantasia der verdutzten Astrada, als Eldor die geschrumpfte Alatariel in seinen Rucksack setzte.

Astrada dachte sehr intensiv darüber nach, wie sie sich nur auf das Alles einlassen hatte können, als sie die steile fast senkrechte Felswand halb selbst hinaufkletterte und halb von Zoroo mit einem Seil hochgezogen wurde. Sie zeterte über Baumspross und verfluchte den ersten Tag als sie die Druidenschule betrat.
„Ruhe! Wir sind gleich oben.“, flüsterte Gilmenel, „Macht euch kampfbereit!“
Sie kletterten leise auf das Hochplateau. Der Kerker lag vor ihnen in dessen Mitte. Einige Tauren patrouillierten mit ihren Worgs um den einsamen Turm. In Eldors Rucksack begann sich etwas zu bewegen. Eine Stunde war um. Schnell holte er Alatariel heraus. Ziemlich wütend von der ganzen Prozedur griff sie ohne Zögern den nächsten Worg an. Mit jedem Schritt wurde sie größer. Als sie den Worg erreichte, hatte dieser nicht einmal die Gelegenheit zum Knurren, bevor er tot umfiel. Die Wache zückte ihr Schwert, aber ein gezielter Schuss aus Zoroos Bogen setzte sie außer Gefecht, bevor sie Alatariel erreichte.
„Eldor, deine Katze!“, zischte Phantasia.
„Entschuldigung. Wird nicht mehr passieren. Aber nach der Behandlung ist es kein Wunder. Da wärst du auch mächtig sauer.“, antwortete Eldor, und pfiff Alatariel zu sich.
Die restlichen Wachen hatten ihnen auch nicht wirklich etwas entgegen zusetzen, als sie den Weg in das düstere Innere des Turmes fortsetzten. Von der Wachstube führte eine dunkle Treppe zum Kerker. Aus dem Dunkel drangen eilige Schritte auf sie zu. Irgendjemand brüllte Kommandos auf Orcisch.
„Ein Hinterhalt! Die Tauren kommen!“, schrie Gilmenel.
Aus den oberen Stockwerken des Turms kamen Tauren auf sie zu.
„Fein!“, sagte Eldor und zog sein Schwert, „Das wird nun endlich ein Spaß!“
Der Kerkermeister kam mit seinen Gesellen die Treppe hoch. Astrada erschrak. Der Kerkermeister war ein Orc, der doppelt so groß und stark war wie die bereits riesigen Tauren, die sie bis jetzt gesehen hatte. Er schwang eine enorme Streitaxt.
Astrada und Phantasia wichen zur Seite. Gilmenel suchte eine erhöhte Position. Astrada zählte vierzehn Tauren und den Kerkermeister. Eldor und Zoroo kämpften Rücken an Rücken, um sich gegenseitig Deckung zu geben. Phantasia stärkte die Beiden mit mächtigen Gesundheitszaubern. Alatariel kam Gilmenel zur Hilfe, die gegen zwei Tauren auf der Turmtreppe mit Zornesfeuer kämpfte.
Das Schlachtenglück stand nicht allzu gut für sie. Der Kerkermeister bedrängte Eldor und Zoroo sehr. Astrada spürte tiefe Wut in ihr. Sie wollte nicht nur dabei stehen und zuschauen, sie wollte ihren Freunden helfen. Die Wut auf die Tauren wurde immer mächtiger. Sie brannte in ihr, und suchte ein Ventil.
„Nein, das geht nun zu weit!“, schrie sie, „Lasst meine Freunde in Ruh… Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!“
Sie spürte die Kraft des Bären, die Wut freizulassen. Sie spürte ihre mächtigen Fänge als sie wie ein Berserker auf die Tauren losstürmte. Der Terrorbär! Nun wusste sie, warum Baumspross sie dabeihaben wollte. Er erinnerte sich noch daran, dass sie die Klassenbeste in den Tiergestalten war.
Die Tauren hatten der Wut des Bären wenig entgegenzusetzen. Der Kerkermeister wehrte sich tapfer etwas länger, bevor auch er den Prankenhieben Astradas zum Opfer fiel.
„Das war knapp.“, sagte Gilmenel, „Aber ich denke wir haben eine neue Mitkämpferin.“
Sie deutet auf Astrada die sich gerade das Blut der Tauren aus den Fängen schleckte.
„Ich hatte das schon vergessen.“, sagte nun die raue Stimme des Bären.
„Gut, dass du dich rechtzeitig daran erinnern konntest.“, sagte Phantasia, „Weiter zum Verlies.“
Gilmenel nahm die Schlüssel des toten Kerkermeisters.

„Hier sind die Türen zu den beiden Zellen.“, sagte Gilmenel und deutete auf die Zelltüren. „Leider haben sie keine Fenster. Wir müssen also beide versuchen.“
Plötzlich stand wieder die Blutelfin im Raum, wo gerade noch Gilmenel stand. Sie nahm eine Fackel, ging zu einer Türe und schloss sie auf.
„An no scho … Bei Elbereth! Wer bist du?“, rief sie erstaunt.
Sie öffnete die Türe komplett. Das Licht der Fackeln viel in die Zelle. Ein Nachtelf kauerte mit matten Augen im Eck.
„Nein! Nicht! Ich sage nichts!“, stammelte der Elf.
„Nilknarf!“ schrie Phantasia.
„Nein! Nicht!“, zuckte der Elf.
„Nilknarf, ich bin es Duni.“, sagte Phantasia zärtlich, und rannte in die Zelle. Der Nachtelf schaute sie mit großen Augen an. Sie begannen wieder zu leuchten.
„Duni! Du bist es? Ihr habt mich gefunden?“, stammelte Nilknarf.
„Ja, ich bin es. Wie kommst du hierher?“, fragte sie ihn.
„Ich…. Ich…. sollte einen entflohenen Arbeiter suchen. Doch leider kam ich nicht weit. Die Tauren griffen mich bald auf, und verschleppten mich hierher. Ich habe versagt.“, schluchzte Nilknarf.
„Nein. Das hast du nicht.“, sagte Phantasia, „Der Arbeiter ist vermutlich nur eine Zelle neben dir. Komm raus. Eldor und Zoroo sind auch hier.“
Nilknarf erhob sich wankend. Phantasia stützte ihn, als er die Zelle verließ. Als er Gilmenel sah kamen plötzlich alle seine Kräfte zurück, und er stürzte sich wie ein Besessener auf die getarnte Nachtelfe.
„Ihr dreckiges Hordenpack!“, schrie er als er sie würgte.
„Nil! Nicht!“, schrie Phantasia, „Das ist eine Freundin.“
Eldor und Zoroo hatten den Tobenden aber bereits von Gilmenel weggezerrt.
„Danke.“, röchelte sie.
„Wie das?“, staunte Nilknarf.
„Erklärung später, Nil.“ beruhigte ihn Phantasia.
„Gut. Das ist geklärt. Wieder zurück zur eigentlichen Aufgabe.“, sagte Gilmenel, die sich immer noch ihren Hals rieb, als sie die zweite Zellentür öffnete.
„An no scho’ka te?“, rief Gilmenel in die Zelle, als sie hineinging. Sie kam wieder heraus.
„Ja. Er ist da drin. Dieses Mal ist es die richtige, obwohl ich auch froh bin, dass wir die falsche zuerst geöffnet haben.“, sagte sie mit einem intensiven Blick auf Nilknarf, „Aber ich fürchte der Arbeiter wird uns nicht viel sagen können. Er ist mental blockiert worden.“
„Egal, hol ihn raus.“, sagte Astrada.
Gilmenel verschwand abermals in der Zelle. Dieses Mal kam sie mit einem kleinen Peon zurück. Als er die Nachtelfen sah rief er etwas, um gleich wieder zu verstummen.
„Was hat er gesagt?“, wollte Astrada wissen.
„Nichts von Bedeutung.“, wiegelte Gilmenel ab.
„Gut dann frag ihn, was ihr… ähm… die Blutelfen treiben.“, sagte Astrada.
Gilmenel fragte den Peon etwas auf Thalassisch.
„Mana Mana Dih Dih Dihdihdiiii…… Mana Mana Dih Dih Dihdih……“, sang der Peon stupide immer wieder. Gilmenel schrie ihn an. Der Peon schwieg.
„Mehr sagt er dazu nicht. Vielleicht wird Baumspross ja daraus klug.“, schüttelte sie den Kopf.

Alle kamen zu der Überzeugung, dass der Peon in seiner Zelle gut aufgehoben war, als sie ihn wieder einsperrten. Sie verließen Turm schon wieder, da sahen sie von der Garnison am Fuße des Berges einen Trupp Tauren den Weg heraufkommen.
„Die Wachablösung! Nun aber schnell weg!“, rief Eldor.
Alatariel lies sich nur widerwillig davon überzeugen nochmals den Zaubertrank zu nehmen, aber Eldor konnte sie mit vielen Extrafleischstücken davon überzeugen.
„Irgendwann frisst die mich noch mal arm.“, sagte er, als er die geschrumpfte Säbelzahntigerin in den Rucksack setzte.
Nilknarf wurde von Phantasia so gut geheilt, dass er die Klettertour nach unten selbst bewerkstelligte. Selbst Astrada kam nun ohne Seil aus, denn sie hatte den Bären in sich wieder gespürt, und war nun sehr selbstbewusst.
„Wir müssen schnell los mit der Truppe.“, sagte Gilmenel als sie wieder unten waren.
Eilig rannten sie zu den Wagen. Der Morgen dämmerte und einige waren bereits wach.
„Schnell! Tauren! Wir müssen fliehen!“, schrie Astrada.
Das Lager war binnen Sekunden abgebrochen, und der Kutscher gab den Pferden die Peitsche. Alles rannte, wie wenn Thrall persönlich hinter ihnen her wäre.
„Ich denke wir können nun halten.“ sagte Gilmenel nach einer Weile.
„Ja, ich sollte Baumspross informieren.“, stimmte Astrada zu.
Astrada stellte die Schale der Weitsicht auf den Boden. In der Wasseroberfläche begann sich ein Bild von Baumspross zu zeigen.
„Grüsse, Baumspross.“, sagte Astrada.
„Ah! Sieh da, sieh da. Timmelande! Wart ihr erfolgreich?“, fragte der alte Druide.
„Ich heiße Astrada, und wir waren erfolgreich.“, antwortete sie resolut.
Astrada sang dem Druiden das Lied des Peon vor.
„Ah! Wirklich, wirklich. Sehr komisch.“, sagte der, „Aber ich denke ich weis um was es geht. Astrada, hättest du nicht Lust noch einen Auftrag für mich mit deiner Truppe zu erledigen?“
„Kommt drauf an. Wird er gefährlich?“, fragte Astrada.
„Ah! Ja, ja, sehr sicher sogar.“, antwortete der Druide.
„Na, dann her damit!“, rief Astrada. Der Druide erklärte ihr den nächsten Auftrag.
„Wieso warst du dir so sicher, dass wir alle mitmachen?“, fragte Gilmenel Astrada, als sie weitergingen.
„Naja, also so wie ihr auf Abenteuer aus seit, war das keine Frage. Und ich habe auch genug von der Schauspielerei.“, sagte die wiedererwachte Druidin zu Gilmenel.
„Abenteuer? Oja, davon gibt es genug. Ich kann dir viele Geschichten erzählen. Damals an den Toren von Quel’Thalas …“, sagte Gilmenel.
„Später.“, unterbrach Astrada sie, „Später. Mich würde vorher erst noch eines interessieren.“
„Was denn?“, fragte Gilmenel.
„Was hat der durchgeknallte Peon gesagt, als er uns gesehen hatte?“, wollte Astrada wissen.
„Oh… das. Nun. Er hat gesagt: ‚Oh, die Ohren. Das sind aber große Hasen.’“, lächelte Gilmenel.
„Große Hasen?“, lachte Astrada, „Nein. Wenn schon Hasen, dann sind wir sind Elite Hasen.“
 
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