Die Sterne über Dalaran - Vierter Abschnitt, Teil 14 (4.14)

Melian

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Irgendwann in der Nacht

Ein wehleidiges, fast tonloses Kreischen weckte ihn aus seinem Halbschlaf. Es kam von Phönix. „Schh“, murmelte er, und rieb sich die Augen. Erneut jammerte das Tier, dann hörte Dairean nichts mehr. „Phönix?“, fragte er in die Stille.
Es war ihm klar, was das bedeutete, aber er wollte es nicht akzeptieren. Er erhob sich von seiner sitzenden Position und kroch in die Ecke, in der der Drachenfalke gelegen hatte. „Phönix“, murmelte er. Er wollte mehr sagen, aber keine Worte kamen ihm in den Sinn. Für ihn war Phönix mehr gewesen als nur ein Tier. Treu und tapfer hatte er alles mitgemacht, was Dairean erlebt hatte.
Nichts mehr war zu spüren. Der Drachenfalke lebte nicht mehr. Es war kein Wunder. Die Kälte war zu viel gewesen für einen an Sonne aus Quel'thalas gewöhnten Falken.
Dairean strich einmal über den Leib des Drachenfalken. Er musste leer schlucken.
„Dairean?“, drang Ylarias Stimme an sein Ohr, doch er antwortete nicht. Er kam sich lächerlich vor, dass Phönix' Tod ihn so mitnahm. Ein Drachenfalke hatte nur eine begrenzte Lebensspanne, irgendwann wäre es sowieso so weit gewesen. < Aber nicht so! >, ging es durch seine Gedanken, dann erhob er sich. In diesem Moment erfüllte ein Knistern die Luft, und ein hell flackerndes Licht erschien in Ylarias Händen. „Da.. Dai..rean?“, fragte sie erneut und ihre Stimme zitterte dabei. Sie bemühte sich wohl, dass er ihr Zähneklappern nicht auch vernahm.
Dairean drehte sich zu ihr. „Verfluchte Expedition“, kam es ihm laut über die Lippen, und er stapfte wieder zurück zu dem Ort, wo Ylaria mittlerweile wieder sass. „Verfluchte, verdammte Expedition.“
Ylaria blickte ihn an. Ihre Lippen waren dunkel gefärbt, doch im Schein des magischen Feuers konnte er die genaue Farbe nicht ausmachen. Er vermutete, dass sie bläulich waren. Sie zitterte leicht.
„Dein. F.. Falke?“
„Ja“, erwiderte er knapp. „Phönix ist tot. War zu erwarten.“
„T.. tut.. mir.. l.. leid..“ Jedes Wort aus ihrem Mund offenbarte er, wie sehr sie mittlerweile unter der Kälte litt.
„Lösch' das Licht, das strengt dich nur an“, erwiderte er unwirsch und setzte sich neben sie. Sie gehorchte ihm nicht sofort, sondern blickte ihn an.
„Schau mich nicht so an“, murmelte er,
„D.. das t.. tue ich g..gar nicht“, empörte sie sich und abrupt erlosch das magische Feuer, sie sassen wieder im Dunkeln.
Einige Momente lang herrschte Stille.
„Du frierst“, stellte Dairean fest.
„W.. wundert.. dich.. das?“, entgegnete sie. Sie versuchte jedes Wort klar und deutlich auszusprechen. Wie wenn es noch nötig gewesen wäre, ihm gegenüber Stärke zu zeigen. Wie wenn er nicht gewusst hätte, dass es eisigkalt war, und dass sie nahe dran war, zu erfrier.. Dairean dachte den Gedanken nicht zu Ende, sondern biss sich hart auf die Lippen.
„Ich wärme dich“, entschied er.
„Das.. ist.. nicht.. notwendig“, fuhr sie ihn an. Ein Rascheln kündete davon, dass sie sich wieder auf den Umhang gelegt hatte.
„Sei nicht töricht.“ Dairean starrte an die Höhlenwand. Warum war sie bloss so stur? Er bekam keine Antwort, stattdessen hörte er ihre Zähne klappern.
< Sture Hochelfe >, dachte er.

Ihr Schweigen dauerte nur wenige Minuten.
„Dai.. rean?“, fragte sie leise.
„Ja?“
„M.. mir ist.. so.. kalt.. es schmerzt. K.. könntest du.. vielleicht..“

„Natürlich“, murmelte er. Üblicherweise hätte er jetzt einen Scherz gemacht, oder sie damit aufgezogen, wie schnell sie ihre Meinung änderte. Aber es war nicht üblicherweise. Die Satteltasche lag direkt neben ihm, und er zog sie mit sich, als er die kurze Distanz zu Ylaria rutschte.
Ganz sachte hob er ihren Kopf hoch und zog sie dann unter den Schultern in eine halb aufrecht sitzende Position, lehnte sie an seine Brust. Den Umhang wandelte er zu einer Decke um, und legte ihn über sie und ihn.
„Ich habe noch etwas Pulver.. nur wenig.. Es wird dich nicht schlafen schicken, aber dir etwas den Schmerz nehmen.“
Sie nickte nur, und liess es zu, dass er ihr etwas Pulver ins Zahnfleisch rieb. Die letzte Portion. Er warf das Säcken zur Seite.
Draussen zog ein eisiger Wind durch die Schlucht, und fuhr irgendwo in der Höhle schaurig heulend durch eine Vertiefung, eine Senke oder ein Loch. Dairean legte die Hände auf ihren Bauch, und schloss die Augen wieder, lauschte ihrem Atem, der so flüchtig war, wie eine Schneeflocke an einem Sommertag.

Frühmorgens, etwas südlich der Kristallschlucht


„Los, beeilt euch“, befahl Magister Jorith Hathorel seinen Leuten. Er hatte ganze sieben Sonnenhäscher von ihren Posten abziehen können. Der Erzmagier war einverstanden gewesen mit seinen Plänen, und so waren sie nur einen halben Tag nach der Gruppe von Tyballin auf dem Landeplatz von Dalaran in die Lüfte gestiegen. Der schwere Sturm hatte sie einen Vierteltag gekostet. Nur dank der guten Schutzschilde, die sie gemeinsam errichtet hatten, waren ihre Zelte relativ unbeschädigt geblieben, und es gab keine Erfrierungen oder Verletzungen zu beklagen. Dennoch war er ungeduldig. Nach der Drohung, die er von Feuerblüte bekommen hatte, war ihm klar, dass Dairean wirklich enttarnt worden war. Die Nachricht würde also nicht erst durch Tyballin überbracht werden, den Hathorel bereits bei der Gruppe vermutete.
Er rechnete jeden Moment mit einem Zusammentreffen, und so trieb er seine Leute zu noch mehr Eile an.
„Beeilt euch“, wiederholte er sich. „Laut meinen Berechnungen könnten wir jederzeit auf sie stossen, es kann aber auch sein, dass sie einen anderen Weg genommen haben. Packt ein, wir müssen uns beeilen.“
„Ja Sire“, schallte es ihm von einer Ecke zusammen.
Nur wenige Momente später waren auch die letzten Zelte zusammen geräumt, und die sieben Sonnenhäscher sassen auf ihren Windreitern. Sie hatten nicht genügend Drachenfalken gehabt, obwohl Hathorel diese Reittiere den stinkenden Fluglöwen der Orcs bei weitem bevorzugte.
„Haltet die Augen offen!“, befahl er. „Abflug!“
Acht Windreiter erhoben sich mit diversen Brülllauten und mächtigen Sätzen in die Luft, und flatterten in die sonnenbeschienene Weite in der Drachenöde.

Vormittag – Feste Wintergarde, auf dem Hof vor dem Gasthaus

„Seid ihr bereit?“, fragte Tyballin die Quel'dorei, die vor ihm standen, ein jeder vor dem ihm zugewiesenen Greifen. Ein Vorteil der Feste war es, dass sie ihre Greife längst hatten eintauschen können, so dass sie ihre Suche am vorherigen und am heutigen Tage mit frischen, ausgeruhten Greifen starten konnten.
„Ja, das sind wir“, antwortete Imenia stellvertretend für alle.
„Gut. Dann setzt euch auf eure Greifen. Wir werden heute ein letztes Mal nach der Vermissten suchen.“
Imenia nickte und setzte sich auf ihren Greifen, Himmelsflamme und die zwei Silberbundler von seinem hergebrachten Trupp taten es ihr nach.
„Himmelswispern, worauf wartet ihr?“, fragte er Verian, der ihn anstarrte, und keinerlei Anstalten machte, seinem Befehl folge zu leisten.
„Sire“, sagte dieser, „verzeiht, aber ich glaube ich habe mich verhört. Sagtet ihr gerade 'ein letztes Mal'? Ich bin sicher, ich muss mich geirrt haben.“
Tyballin musterte den Magier in seiner für den Silberbund typischen Tracht, die nach der längeren Expedition nun schon etwas ramponiert wirkte. Sein Haar war zerzaust, und dicke, dunkle Ränder umrahmten seine Augen.
„Wir müssen zurückkehren“, sagte Tyballin schlicht.
„Sire, wir können doch nicht einfach die Suche abbrechen“, brauste Verian auf, und trat einen Schritt nach vorne, zog den Greifen somit an den Zügeln mit sich.
„Und ob wir das könne.n Wir werden sie heute nämlich finden. Ansonsten hat das keinen Zweck mehr“, entgegnete Tyballin. „Und wenn ihr das nicht begreift, dann seid ihr töricht.“
„Ich bin nicht töricht!“, wagte der Narr ihm immer noch entgegenzusetzen.
Tyballin zog eine Augenbraue hoch und stieg wieder vom Greif, baute sich vor Verian auf, obwohl der etwas grösser war als er. „Doch, das seid ihr, Himmelswispern. Und ihr seid nicht diszipliniert. Sollten wir Silbersang nicht finden, dann ist das bedauerlich, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass es eine Verschwendung wäre, weiter nach ihr zu suchen. Seht euch doch einmal um!“ Tyballin machte eine grosse Handgeste.
„Ihr wisst so gut wie ich, dass diese eisige Wüste hier niemandem länger als einen Tag Überlebenschancen bietet, gerade ohne Vorräte oder Rückzugsort.“
„Sie.. könnte sich.. in den Tempel.. gerettet haben“, erwiderte Verian, wirkte aber schon deutlich eingeschüchterter.
„Denkt ihr, ich würde das nicht kontrollieren? Drei der Silberbundler, die ich hergebracht habe, sind doch längst schon auf Kontrollflügen. Wir versuchen auch Informationen zu bekommen, ob sie es womöglich in eines der Hordenlager geschafft hat.“
„Horden.. lager?“
„Ja, falls es in euren grossen Kopf passt: Südlich dieses Gebirges befindet sich das Lager Gallgrimm, es gehört den Verlassenen.“
„Die hätten sie doch längst schon getötet.“
„Wenn sie klug ist, hat sie sich als Blutelfe ausgegeben, dann geschieht ihr nichts. Und nun hört auf, weiter zu diskutieren. Jede Sekunde, die ihr hier verschwendet, geht von der Suchzeit nach eurer Freundin um. Habt ihr das verstanden, Himmelswispern?“
Der Angesprochene starrte ihn immer noch an. Eine Hand war zur Faust geballt.
„Verian“, sagte Himmelsflamme, die leise hinter ihn getreten war. „Komm schon.. Wir müssen sie jetzt suchen.“ Dabei zog sie an seiner Hand.
Er gehorchte langsam, und liess sich von ihr zu seinem Greifen führen.
Tyballin warf Imenia einen vernichtenden Blick zu. Sie schaute nur zu Boden.
„Aufbruch“, befahl er.
Sein Greif machte einen Satz, und erhob sich dann in die Lüfte.
Er konnte die Sorgen des Elfen ja nachvollziehen, aber er musste Prioritäten setzen, schliesslich hatte er sich vor Windläufer zu verantworten. Und die würde überhaupt nicht erfreut sein vom Verlauf dieser Expedition. Bereits jetzt dauerte sie zu lange, und verschlang zu viele elfische Ressourcen, die eigentlich an anderen Orten viel dringender gebraucht wurden. Dabei war es nur eine Reise gewesen, um Informationen zu bekommen. Etwas, was eigentlich Routine sein sollte.
Während er die Gruppe aus dem Gebirge und der Feste hinausführte, und sie gen Süden lenkte, verfluchte sich selber, dass er so verblendet gewesen war, und den Späher nicht besser geprüft hatte. Dann wäre es gar nie soweit gekommen.

Mittags in der Schlucht

„Dairean“, murmelte Ylaria. Die Sonne war längst schon aufgegangen, mutmasste sie, denn die Höhle war in einen schummrigen Lichtschimmer getaucht, gerade genug, um die Höhle etwas zu erhellen. Der Schnee liess nicht viel durch, aber noch war Dairean nicht aufgestanden, um den Zugang zu verbreiten.
Sie war erst vor wenigen Minuten wieder aufgewacht, doch bereute es jetzt schon. Ihr Bein pochte und zerrte an ihr, ihr Magen knurrte, und in ihrer Kehle war es trocken. Wenigstens war ihr etwas wärmer, auch wenn sie tunlichst ausblendete, warum dem so war.
„Dairean?“, fragte sie, etwas lauter.
„Bin da“, kam die Antwort.
„Hast du..“ Sie räusperte sich, und setzte noch einmal an. „Wir haben nichts zu essen, hm?“ Wenigstens klapperten ihre Zähne nicht mehr, als wäre sie ein Skelett. Die Frage war dennoch bescheuert. Natürlich hatten sie nichts zu essen. Die letzte kleine Ration Nüsse, die Dairean aus der Satteltasche gefischt hatte, hatte sie bereits verdrückt. Alles zusammen. Für ihn war nichts übrig geblieben.
„Nein, haben wir nicht“, sagte er. Seine Stimme klang müde.
Sie drehte den Kopf nicht, denn sie wusste, dass er es wohl sein musste. Irgendwann in der Nacht hatte er sie zu sich gezogen, damit sie es wärmer hatte. Sie hatte geschlafen.
„Bist du müde?“, fragte sie, und erneut ärgerte sie sich. Auch diese Frage w2ar unsinnig. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde kein Blut durch die Adern fliessen, sondern träger, dickflüssiger Honig. „Mmh.. Honig“, murmelte sie, bevor sie realisierte, dass sie es nicht nur gedacht hatte, sondern ausgesprochen.“
„Honig? Wie kommst du jetzt auf Honig?“ sie dachte ein leichtes Schmunzeln aus seinen Worten zu hören.
„Ich.. habe nur gerade gedacht, was ich gerne essen würde.“ Ihr Gesicht färbte sich etwas rötlich.
„Und was?“
„Ein.. dickes Stück Brot, mit frischer Butter und Honig“, flüsterte sie. Sie spürte, wie sein Daumen über ihren Bauch fuhr, doch wehrte sie sich.
„Mh.. das klingt lecker“, antwortet er.

Einen Moment lang schwiegen sie, doch Ylaria hielt die Stille nicht aus. Das hatte sie schon oft an sich beobachtet, zuletzt auch auf der Expedition. Manchmal verfluchte sie diese Eigenschaft von ihr. Schweigen war wie eine Leere, die sie füllen musste. Sie hielt Leere nicht aus. Sie machte ihr Angst.
„Dairean?“, fragte sie leise. Er brummte nur. „Denkst du.. das wir.. hier sterben werden?“
„Du solltest nicht drüber nachdenken“, entgegnete er nach einigen Atemzügen.
„Ich .. wie soll ich nicht darüber nachdenken? Weil.. es ist..“ Sie seufzte.
Dairean hob eine Hand. „Möglich ist es“, sagte er dann nüchtern. „Wir kommen hier nicht weg.“
„Falsch“, murmelte sie. „Du kommst mit mir hier nicht weg.“
Erneut brummte er.
„Du solltest ohne mich gehen“, sagte sie schliesslich. Sie drehte den Kopf an seiner Brust etwas, um zu ihm hochzuschauen.
Sein Blick ging an die gegenüberliegende Wand. An seinem Kinn hatten sich einige Stoppeln gebildet, wohl dort, wo er den Bartwuchs einschränkte. Sie hob die Hand und strich darüber.
„Ich mein's ernst. Du solltest ohne mich gehen. Dann überlebt wenigstens einer von uns.“ Sie war sich nicht sicher, ob sie es ernst meinte. Langsam blickte er zu ihr.
„Nein“, sagte er dann schlicht.
„Warum nicht?“, fragte sie. Ihr Atem hatte sich etwas beschleunigt und sie blickte wieder von ihm weg. Albern war sie, albern. Hier, im Angesicht des drohenden Todes, der Schmerzen, die sie erlitt, des Hungers, des Dursts.. Hier in diesem elenden Moment, weitab von jeder Zivilisation, gefangen in einer dreckigen Höhle mit einem Drachenfalkenkadaver in irgendeiner Ecke, mit zerschlissener Ausrüstung und der Ungewissheit, ob sie überhaupt überleben würde, und ob sie nicht ein Bein verlieren würde.. fragte sie sich tatsächlich, ob Dairean sie vielleicht doch mehr mochte, als er zugeben wollte. < Du bist eine verdammte Närrin >, schalt sie sich selbst und schloss die Augen.
Sie hoffte, Dairean hätte ihre Frage überhört, für die sie am liebsten im Mahlstrom versunken wäre. Und tatsächlich antwortete Dairean eine Weile lang nicht. Sie spürte nur aufgrund des Daumens, der über ihren Bauch strich, dass er nicht wieder eingeschlafen war.
„Wär doch sinnlos, wenn ich dich jetzt liegenlassen würd', wo ich dich doch schon her geschleppt hab“, sagte er schliesslich.
„Ach, also muss es Sinn machen, mich liegenzulassen“, ätzte sie. Sie war wirklich albern, auf eine andere Antwort gehofft zu haben.
„Nein, muss es nicht. Ich werde dich nämlich nicht liegenlassen“, sagte er, immer noch ruhig.
„Wie gnädig“, murmelte sie.
„Ich kann es nicht.“
„Du kannst es nicht?“ Ihre Stimme klang wieder normal, einigermassen überrascht. „Warum? Hast du dich auch verletzt?“
Dairean schmunzelte. „Nein, habe ich nicht. Ich kann es nur nicht.“
„Das verstehe ich nicht.. Warum kannst du es nicht?“
„Ich glaube nicht, dass wir im Angesicht des drohenden Todes über solche Dinge reden sollten“, wich er ihr aus.
„Oh doch.. Gerade im Angesicht des drohenden Todes sollte man das. Auch wenn's mit einem.. Blutelf ist.“
„Tut mir leid, dass ich gerade keinen Ersatz für mich bieten kann“, sagte er trocken. „Ich kann dich auch wieder loslassen, wenn es dich so sehr ekelt, dass ich ein Sin'dorei bin.“
„Nein.. ich meine.. Es.. tut mir leid, ich hab das nicht so gemeint, ich meinte nur.. ich..“ Sie wurde erneut etwas rot.
Er zog eine Augenbraue hoch. „Ach?“
„Ich.. hätte nur nie gerechnet.. mit.. einem Blutelfen.. ich weiss nicht..“
„Ylaria, vergiss nicht. Eigentlich sind wir dasselbe Volk.“
„Das weiss ich, nur seid ihr die Verräter.“
Ein leises Lachen liess sie ihren Mund verziehen.
„Verräter?.. Oh je, müssen wir dies noch einmal durchkauen? Leireths Parolen am Lagerfeuer vor einigen Tagen haben mir eigentlich gereicht. Verräter sind nicht wir. Verräter war Marschall Garithos. Verräter waren die Menschen, die uns nicht zu Hilfe gekommen waren, als wir sie am nötigsten gebraucht hätten.“, ereiferte er sich.
„Das ist nicht wahr. Garithos hat .. nur nicht geholfen, weil Kael'thas zu dem Zeitpunkt schon korrupt war..“
„Ach.. Erzählt man euch das?“, höhnte Dairean. „Und hinterfragst du nie das, was die Obrigkeit dir sagt?“
„Doch.. ich..“ Sie brach die Worte ab. Eigentlich hatte sie wirklich nie darüber nachgedacht. „Ich..“
„Du bist auch ein Elf. Du musst den Verlust des Sonnenbrunnens genauso gespürt haben. Du weisst, wie die Auswirkungen waren, wie schrecklich, wie verzehrend“, fuhr er fort.
Sie nickte. Oh ja, sie erinnerte sich sehr gut daran. Es war kaum aushaltbar gewesen.
„Kael'thas hat für uns gesorgt, er hat verzweifelt versucht, Verbündete zu suchen. Er ist in seinem Wesen natürlich auch ein Verräter gewesen, aber geboren aus Korruption, Verzweiflung. Er hätte uns das niemals absichtlich angetan. Und für eine Zeit waren wir ja auch von den Leiden befreit. Ihr haltet uns ständig vor, wir hätten wissen sollen, was geschieht, aber wie? Ihr wusstet es ja auch nicht. Und anstatt uns zu helfen und zu vergeben, zu sagen, 'Wegen unseren Fehlern seid ihr noch weiter abgedriftet, es tut uns leid', schlägt die Allianz weiter auf uns ein, und verdreht die Tatsachen.“ Daireans Stimme klang wütend, und Ylaria duckte sich unweigerlich etwa.s Sie hatte gar keine solche Diskussion lostreten wollen.
„Ich.. es tut mir leid, ich wollte nicht..“
„Natürlich, du wolltest nicht. Aber das wollt ihr nie. Ihr beschuldigt nur gerne, ihr ach-so-sauberen Quel'dorei. Dabei ist es nur reiner Zufall, dass du nicht zu einer Blutelfe wurdest, Ylaria. Reiner Zufall. Wärst du in Silbermond gewesen, zu dem Zeitpunkt, hättest du auf unseren Prinzen gehört, auf unseren Lordregenten. Du wärst wie ich.. Uns würde kein unsinniger Graben trennen.“
Die letzten Worte aus seinem Mund klangen etwas ruhiger, und er zog eine Hand von ihrem Bauch weg, hob sie hoch, und strich ihr über die Wange. Die Berührung hatte etwas zärtlicheres an sich.
Ylaria schweig. Sie konnte nichts darauf antworten, selbst wenn sie gewollt hätte. Noch nie hatte sie die Sache aus diesem Blickwinkel gesehen. Aber offensichtlich hatte Dairean mehr Zugang zu allen möglichen Informationen. Kein Wunder, wenn er in beiden Welten wandelte, selbst wenn die eine für ihn nur als Spion zugänglich war.
„Dieser ganze Konflikt ist unsinnig“, murmelte er.
Ihr Herz pochte schneller. Sein Wutausbruch war überraschend gekommen, doch dass es so schnell wieder abgeflaut war, liess sie noch verwirrter zurück. Sie seufzte etwas.
„Ich wünschte.. ich.. hätte dich.. früher gekannt“, sagte sie leise, und schloss die Augen.
„Das wünsche ich mir auch“, flüsterte er gegen ihr Ohr.

Etwas später, einen halben Kilometer von der Schlucht entfernt.

Tyballin seufzte. Natürlich hatten sie bisher nichts gefunden. Himmelswispern grub sich wie ein Besessener durch den Schnee, während Imenia und Himmelsflamme etwas systematischer vorgingen.
Er selber blickte sich um. Die anderen zwei Silberbundler hatte er aus geschickt, um die Gegend von oben zu prüfen. Dort, wo sie jetzt standen, hatte es von oben nach einer etwas grösseren, unregelmässigen Schneewehe ausgesehen, also gruben sie jetzt. Es war lächerlich, das wussten alle ausser Himmelswispern. Sie gruben auf reine Vermutungen, die ziemlich sicher falsch waren. Und wofür? Um eine Leiche zu finden.
Das glich einer Suche nach einer Silbermünze im goldenen Staatsschatz Silbermonds – es war genauso unsinnig.
Dennoch wollte er Himmelswispern noch einige Zeit lassen. Er hoffte ja selbst, dass Silbersang noch auftauchen würde, oder die Leiche des Spions, oder.. womöglich sogar der Griff. Allerdings sagte ihm sein Verstand, der leider realistisch arbeitete, dass dies eine verlorene Hoffnung war.
Er kletterte auf den Greifen, und wollte gerade Himmelswispern anweisen, als zwei Dinge passierten.
„Da“, rief Leireth. Er wandte den Kopf zu ihr, doch sie zeigte nicht etwa auf den Boden, sondern in den Himmel im Norden. Er folgte ihrem Fingerzeig und stöhnte. Auch das noch.. Windreiter.
Gleichzeitig landete einer der Elfen neben ihm auf dem Greifen. „Sire, Sire“, sagte er atemlos. „Ich habe etwas gefunden!“
Alle Augen wandten sich auf ihn.
„Schnell, Aufsitzen. Wir müssen weg hier. Das sind die Sonnenhäscher“, befahl er den Anwesenden.
„Die.. Sonnenhäscher?“
„Stellt keine Fragen. Sie sind es. Los, Methil, führ' uns hin“, herrschte er denjenigen an, der die Entdeckung gemacht hat. „Wir müssen zuerst da sein.“
Natürlich war er sich nicht sicher, ob sie es waren, aber es blieb kaum eine andere Möglichkeit.

Trotz seiner Mahnung, Schnelligkeit walten zu lassen, dauerte es viel zu lange, bis Himmelswispern sich auf seinen Greifen gesetzt hatte. Sie waren nicht weit gekommen, als ihnen vier Windreiter den Flugraum absperrten, und sie notgedrungen landen mussten. „Es ist gleich hier, Sire“, raunte ihm sein Untergebener zu, und deutete in eine Richtung.
Sie befanden sich nahe einer Schlucht, oder etwas ähnlichem. In einem abgestorbenen Baum an der gegenüberliegenden Klippe war etwas befestigt, golden, rot, glitzernd. Für ein Stück Stoff war es zu klein, es wirkte fast wie ein...
„Ein Sattel“, sagte Feuerblüte, die neben ihm gelandet war. Die Sonnenhäscher hatten sich als Sonnenhäscher herausgestellt, und hatten sie kreisförmig umzingelt, waren von ihren Windreitern gestiegen.
Tyballin musterte seine kleine Schar, die den anderen Elfen unterlegen war, und nahe am Klippenrand eingekesselt war.

„So trifft man sich wieder, Melodir“, sagte dann eine ihm wohlbekannte Stimme. Ein Elf trat vor, und schlug die Kapuze zurück. Er war in den Farben der Sonnenhäscher gekleidet, und eine Fülle von hellblonden, glatten Haaren kam zum Vorschein. Er blickte Tyballin ernst an, was nichts daran änderte, dass dieser ihn sofort hasserfüllt anstarrte.
„Hathorel“, zischte er.
„So ist es. Und ich glaube, wir haben euch gerade rechtzeitig abgefangen, wenn es mich nicht täuscht.“
Tyballin verschränkte die Arme und starrte den anderen an. „Wenn ihr euren kleinen Spion retten wollt, der ist längst tot“, spie er den Sonnenhäschern entgegen. „So machen wir das mit allen Spionen, die wir erwischen.“
Hathorel verzog das Gesicht. „Lüg' mich nicht an, Tyballin. Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, wann du das tust.“
Sein Tonfall klang doch tatsächlich tadelnd. Tyballin starrte den anderen an, verschränkte die Arme. Schon allein der Anblick seines ehemaligen Freundes brachte ihn zur Weissglut. Verraten und betrogen hatte er ihn. Verraten, betrogen, und geblendet von den Elenden, die sich Sin'dorei nannten.
„Siehe.. Irgendetwas sucht ihr hier. Und selbst wenn es nicht Sonnenhoffnung ist, dann ist es etwas anderes. Vielleicht einer eurer Leute?“
Hathorel blickte sich um, lächelte jeden einzeln an. < Ich glaube es nicht >, stöhnte Tyballin innerlich. Himmelswispern schaute betreten zu Boden.
„Ah, so muss es sein“, grinste Hathorel. „Melodir, ich denke, wir sollten zusammenarbeiten.“
„Vergiss es“, spie Tyballin sofort aus. Dieser elende Taugenichts, er machte ihn wütend. Er wusste genau, dass Hathorel nur so überlegen und siegessicher war, weil sioe ihnen unterlegen waren. Es würde ganz anders aussehen, wenn die Situation anders herum wäre. Dann wäre Hathorel nämlich furchtbar nervös. Oder er bluffte auch nur.
„Sei vernünftig. Ich schlage dir etwas vor.. Ich habe den Sattel da hinten am Baum nämlich auch schon entdeckt. Die Frage ist nur, wer die Beute für sich beschlagnahmen darf.“
„Das ist ganz klar – wir natürlich. Ihr habt hier nichts zu suchen.“ Leireth Himmelsflamme war vorgetreten und starrte Hathorel an. Sie war immerhin vernünftig genug, um nicht sofort anzugreifen. „Leireth, zurück“, zischte Feuerblüte.
„Also..?“, grinste Hathorel. „Wisst ihr, ihr habt etwas, was wir wollen, nämlich ein Relikt. Und offrensichtlich ist da unten in der Schlucht irgendwo etwas, was ihr wollt.“
„Was wir wollen? Woher willst du wissen, was wir wollen, Jorith?“ Tyballin spie Hathorels Vornamen aus und starrte ihn an.
„Mmh.. Ich nehme an, einer eurer Kämpfer.“, sagte Hathorel, erneut mit einem Seitenblick zu Verian, der zu Boden schaute.
„Es könnte auch der Spion sein“, sagte Tyballin. „Oder beides zusammen. Was dann?“ Solange Hathorel noch dachte, der Griff sei in ihren Händen, hatte er einen Triumph auf der Seite. Er konnte Hathorel erpressen. Und wenn er es geschickt machte, kamen sie hier alle heil heraus.
Sein ehemaliger Freund wiegte den Kopf hin und her, und strich sich über den Nasenflügel. Eine Hand hatte er an die Seite gelegt. Nähme in diesem Moment jemand Wetten an, hätte Tyballin seinen Monatssold darauf gesetzt, dass die Hand zitterte vor Aufregung und Nervosität. Er wurde etwas siegessicher und trat einen schritt vor, kam direkt vor Hathorel zu stehen.
Dieser senkte die Stimme und sagte die folgenden Worte so leise, dass niemand der Umstehenden etwas davon hörte.„Wir wollen nur den Griff. Ein fairer Austausch für euren Mann.“
„Du beantwortest meine Frage nicht, Jorith.“ Erneut sagte er den Namen verächtlich, senkte aber ebenso die Stimme. Nicht alle mussten ihre Verhandlungen mitbekommen.. „Was ist mit eurem Spion Sonnenhoffnung?“
„Falls er sich da unten befindet.. dann... hm.. Betrachtet ihn als Finderlohn.“ Hathorel sprach in normaler Lautstärke weiter.
„Finder.. lohn?“ Tyballin war so erstaunt, dass er das Wort lauter sagte, als beabsichtigt. Sowohl seine als auch Hathorels Leute blickten ihn an.
Hathorel nickte. „Für den Griff haben wir mehr Verwendung als für ihn. Ihr könnt ihn haben. Was ist? Haben wir eine Einigung?“
Tyballin antwortete einen Atemzug nicht, um Hathorel das Gefühl zu geben, dass er um seine Fassung rang. Dann nickte er. „abgemacht.“
„Sehr gut“, sagte Hathorel.

Drei Meter weiter unten drückte Dairean sich an die nackte Felswand. Die Worte waren zu ihm hinunter gedrungen, obwohl der Felsen über ihm leicht überhängend war. Aber seine Sinne waren übersensibel, und überreizt. ER hatte schon gedacht, er würde sich die Stimmen nur einbilden, als ein vages Echo zu ihnen in die Höhle nach unten gedrungen war. Trotz aller Freude, dass sie offensichtlich gefunden worden waren, hatte er sich vorsichtig hinausgeschlichen, eng an die Wand gedrückt, und war etwa fünfzehn Meter an der Felswand entlang gekrochen, bis er sich sicher sein konnte, dass er sich direkt unter den Sprechenden befand.
Als er Hathorels Stimme erkannt hatte, fiel ihm ein riesig grosser Stein vom Herzen. Fast schon wollte er aufspringen, jubeln, aber er vernahm auch Tyballin, und war sich nicht sicher, was das bedeutete. Wer war stärker? Sollte er sich offenbaren?
Nur wenige Momente später beglückwünschte er sich zu seiner Entscheidung, noch abgewartet zu haben. Er löste sich von der Wand, und schlich sich zurück, vorsichtig bemüht, kein Geräusch zu machen.
< Finderlohn, Finderlohn, Finderlohn >, hallte es in seinem Kopf nach. Er verkrampfte die Faust, und biss die Zähne zusammen. Hathorel hatte ihn als Finderlohn offeriert! Finderlohn! Wie konnte er nur? Der Griff wäre mehr wert, hatte er gesagt. Tyballin hatte dem Handel zugestimmt, obwohl er den Griff nicht besass. Tyballin pokerte hoch, aber in diesem Moment empfand Dairean eine seltsame Verbundenheit mit dem Silberbundischen Arkanisten.
< Nicht mit mir >, dachte Dairean, als er zurück in die Höhle schlüpfte. Ylaria blickte ihn erwartungsvoll an, doch er widmete sich ihr keine Sekunde. Stattdessen schnappte er sich die Satteltasche und zog den rechteckigen Behälter hervor, in dem sich der Griff befand. Er hatte nur noch wenige Minuten,dann würden sie die Höhle entdecken. Seine Fusspuren warne verräterisch genug.
„Dairean? Was.. machst du?“
„Nicht mit mir“, knurrte er nur, und nahm den Griff in die eine Hand, den rechteckigen Kasten in den anderen. Er blickte nur kurz zu Ylaria.
„Ich bin kein Finderlohn.“
Dann drang er tiefer in die Höhle ein, quetschte sich durch einen engen Spalt, den er bereits bei seinem letzten, erzwungene Aufenthalt in der Höhle entdeckt hatte.
„Nicht mit mir“, murmelte er erneut. Der Spalt endete im Nirgendwo, das wusste er. Allerdings gab es da einen kleinen Riss, oben bei dem Spalt, der wohl durch Verschiebungen oder allgemeinem Druck entstanden war. Kaum auffindbar, kaum sichtbar. Er hatte damals gehofft, dass dort etwas Sonnenlicht durchfallen konnte, doch dem war nicht so. Jetzt war dies das beste Versteck, dass er sich denken konnte.
Er klemmte den Griff in den dünnen Riss, und schob ihn mit viel Kraft hoch, so weit es ging. Dann bückte er sich, suchte nach einem Stein in Handtellergrösse, und schob ihn direkt hinterher. Er machte sich nicht die Mühe, sein Werk zu betrachten, sondern eilte sofort wieder in den Hauptraum der Höhle zurück, liess sich neben Ylaria fallen, ausser Atem.
„Was.. hast du .. gemacht?“, fragte sie.
„Etwas, was nötig ist.“, entgegnete er nur. „Rettung naht“, fügte er hinzu, noch bevor sie weitere Fragen stellen konnte.

Wenige Momente später duckten sich sowohl Tyballin und Hathorel durch den Eingang hindurch. Beide hatten es sich offenbar nicht nehmen lassen, selber nachzuschauen. Dairean hatte sich neben Ylaria gesetzt, und die Augen geschlossen, tat so, als würde er schlafen. Er reagierte entsprechend überrascht, brach in Dankesbekundungen aus und schilderte, wie sie hierher geraten waren. Er schauspielerte gekonnt seine Freude und seine Überraschung, und machte den perfekten Eindruck eines Sin'dorei, der einfach nur erleichtert war.
Ab und zu spürte er Ylarias Blick auf ihm, aber er mied es, sie anzuschauen.
Natürlich wurde sein Gepäck durchsucht. Natürlich fand man nichts.
Dairean grinste innerlich, als Tyballin anfing zu fluchen und Feuerblüte, die nach gekommen war, blass um die Nase wurde. Zumindest dachte er, das sie blass wurde. Sie hatte wohl bis zuletzt gehofft, den Griff bei ihm zu finden.
„Wo ist er?“, fuhr sie ihn dann auch an. „Wo ist der Griff? Ich weiss, dass du ihn genommen hast, du elender Spion!“
Dairean setzte ein verstörtes Gesicht auf und blickte sie verständnislos an. „Was... wovon sprecht ihr?“
„Ihr habt den Griff genommen. Ihr wart auch bei Lorethiel und habt ihn getötet!“
Dairean lächelte innerlich.
„Ich habe.. was?“, entgegnete er und spielte seinen Triumph aus. „Seid ihr noch bei Sinnen? Ich habe eure Kämpferin selbstlos gerettet, obwohl ich hätte abhauen können, und nun beschuldigt ihr mich, dass ich euren Lakaien umgebracht habe? Was für einen Sinn macht das bitteschön?“ In diesem Moment hoffte Dairean, dass Ylaria nichts sagen würde. Er spielte hoch, das musste er zugeben. Sie konnte seine Worte auch missverstehen, konnte denken, er hätte sie aus reiner Berechnung gerettet.
Ylaria sagte nichts. Er spürte ihren Blick auf ihm, aber sie sagte nichts. Imenia schnaubte. „Feuerblüte, zurück“, sagte er, und funkelte sie an. Sie gehorchte.
„Aber Melodir. Du hast unfair gespielt“, sagte Hathorel daraufhin, und trat vor den Arkanisten. „Du hättest mir sagen sollen, dass ihr den Griff nicht habt. Ich betrachte unsere Abmachung als erledigt“, teilte er ihm mit.
„Was? Das wirst du nicht“, fuhr ihn Tyballin an.
„Oh doch. Ihr nehmt eure Kämpferin, ich nehme meinen. Ihr kehrt in die Feste zurück, und startet erst morgen früh, wir kehren heute schon nach Dalaran zurück.“
„Das werden wir nicht“, begehrte Tyballin auf.
Hathorel trat dich auf ihn zu. „Oh doch, das werden wir. Und dann werden wir diese ganze, unselige Geschichte vergessen, jetzt wo wir die Gelegenheit haben.“
Tyballin wollte wohl noch etwas entgegen, doch dann schloss er den Mund. Seine ganze Haltung kündete vom Aufgeben. Dairean lachte sich ins Fäustchen.
< Nicht mit mir >, dachte er. < Und das gilt für beide von euch >.

Fünfzehn Minuten später befand er sich auf einem Windreiter in der eisigen Luft über den Drachenhöhen. Das Ziel war Dalaran.
Er blickte zurück, nur um zu sehen, wie mehrere Greifen ebenso abhoben, einen anderen Kurs aufnahmen. Sein Triumphgefühl verflog schlagartig. Als er wieder nach vorne blickte, auf den Rücken des Elfen, der mit ihm auf dem Windreiter sass, seufzte er, und zog den Umhang enger um sich, um sich vor der beissenden Kälte zu schützen.

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