Die Trennung der Mächte - Kapitel II - Teil 1

Creativa

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KAPITEL II: DIE BOTSCHAFT


Erschrocken und von den Erinnerungen sichtlich mitgenommen wurde Tal´el von einem grellen, plötzlich aufkommenden intensiven Lichtschein geweckt ... in der Hoffnung es wäre alles nur ein Traum gewesen, und es wäre in Wirklichkeit noch alles in bester Ordnung, öffnete er langsam die Augen. Das blendende, grelle Licht ließ seine Pupillen schnell kleiner werden, sodass sie die Größe eines Stecknadelkopfes hatten, nicht viel größer. Immer noch konnte er nicht wirklich etwas erkennen. Erst als er seine Augen zu feinen Schlitzen formte, sodass seine glasigen Augen zwischen den Augenliedern fast verschwanden, konnte er schwache Umrisse erkennen. Langsam gewöhnte er sich an das helle Licht und sah Umrisse einer Hand, die ihm entgegenragte. Tal´el ergriff sie und richtete sich mit Hilfe des Fremden auf. Eine seltsame, vertraute Wärme ging von ihm aus und erst als der Fremde ein Stück Pergament zum Vorschein brachte, erkannte Tal´el wem er da gegenübergestanden war, all die Zeit ... es war einer der beiden Wächter, die dem Ritual beiwohnten ... war es also doch kein Traum?

Suchend blickte Tal´el um sich und sah nun erstmals klar die Zerstörung, die sein Vater und sein Zwillingsbruder hinterlassen hatten ... es war kein Traum gewesen. Seufzend ließ sich Tal´el auf die Knie fallen und blickte den regungslos vor ihm stehenden Wächter mit großen Augen an ... was sollte das nur für ein Pergament sein? Wie könnte ihm das helfen, den Schmerz vergessen zu lassen? Langsam und unentschlossen griff Tal´el danach und rollte es auf, nachdem er das goldene Siegel gebrochen hatte. Tief in Gedanken versunken und starren Blickes auf die Niederschrift merkte er gar nicht, dass das Licht um ihn herum langsam abnahm und der Wächter erst nur noch verschwommen wahrzunehmen war und schließlich ganz verschwunden war...

Immer noch überflog Tal´el die Zeilen doch las er sie nicht wirklich. Vielleicht wollte er dies auch nur vortäuschen um den Boten Gottes endlich loszuwerden und um mit seinen Gedanken endlich alleine zu sein. Prüfend erhob Tal´el den Blick von dem Stück Pergament und sah, dass sein Plan gelungen war. Er war wieder alleine, denn helfen konnte ihm zu dieser Zeit ohnehin niemand, zu tief waren die Wunden, zu verletzt sein Herz. Voller Wut, dass die Götter zulassen konnten das sein Vater zu solch Werkzeug des Bösen geworden war, warf er das vermeintliche Stück Pergament in das lodernde Feuer und wandte sich ab. Nichts was auf dem Pergament stand war wissend von ihm gelesen worden, er glaubte nicht mehr daran, dass sein Leben noch einen Sinn hatte, zuviel hatte er verloren. Ein letztes Mal wollte er noch voller Genugtuung auf das sich krümmende und verbrennende Pergament blicken, doch konnte das Feuer ihm nichts anhaben, als sich Tal´el diesem wieder zugewandt hatte. Er starrte regelrecht auf das Feuer und konnte nicht glauben was er sah, doch nun schien nichts mehr unmöglich zu sein ... er verstand die Welt nicht mehr.

All die Magie, all das Wissen das er besaß, konnten ihn die vorgefallenen Ereignisse nicht verstehen lassen. Neugierde keimte in ihm auf, als das Pergament weiter unversehrt im Feuer lag, doch immer wieder versuchte er sich davon abzuwenden. Immer wieder jedoch musste er einen kleinen Blick darauf werfen, bis er sich langsam dazu überwand das Feuer löschen zu wollen, um an den Inhalt des Pergamentes zu gelangen.

Suchenden Blickes prüfte er die Umgebung nach einem Eimer Wasser, einer Decke oder ähnlichem, mit dem er es löschen konnte, doch nichts war auffindbar. Sogar der Burgeigene Brunnen, der noch einigermaßen unversehrt in mitten des Hofes stand, fasste kein Wasser mehr, denn die Flammen der Hölle hatten es regelrecht verdunsten lassen, so heiß waren sie. Kurz besann sich Tal´el und ging in sich um erstmals alleine mit der Magie umgehen zu versuchen. Bisher wurde ihm immer alles gezeigt, gesagt was wann zu tun war, doch nun war er auf sich alleine gestellt, wie auch schon sein Vater, sein einstiges Vorbild, schon oft auf sich alleine gestellt war.

Tal´el hob die Hände beschwörend gen Himmel und stieß noch ein kurzes Gebet aus, bevor er sich der magischen Formeln besann, die er im Laufe seines Lebens gelernt hatte. Schon früh wurden er und sein Bruder Kuj´ha von ihrem Vater unterrichtet wie man mit Hilfe der mentalen Kräfte materielle Dinge bewegen und beschwören konnte. Immer wieder wiederholte er mystische Wortfolgen, die keinen Sinn zu ergeben schienen, doch es tat sich etwas ... der Brunnen schien sich wieder zu füllen obwohl die Steine rund um ihn immer noch glühten. Dampf stieg auf, doch das Wasser schien stärker zu sein als das Feuer, und kühlte die Steine langsam ab. Immer höher stieg das Wasser, fast unaufhaltsam, bis der ganze Brunnen gefüllt war. Tal´el jedoch wusste genau was er tat, als er weiterhin die mystischen Worte beschwor und bis das Wasser schließlich auch aus dem Brunnen austrat. Auch wenn es zu Beginn so aussah, das alles Wasser nur verdampfen würde, löschte es nach und nach das lodernde Feuer, ließ die Flammen regelrecht ersticken. Die Elementare des Wassers hatten ihren Teil getan, das Feuer war gelöscht.
 
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