Erlebnisbericht aus Warhammer zum Thema Spielerschwund

Pelorusjack

Quest-Mob
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22.09.2008
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Es war einmal ein gross angekündigt Spiel, das anfänglich viel Spass machte und zahlreiche Mitstreiter zu begeistern vermochte. Tatsächlich war der Server schnell so überrannt, dass man selbst auf der Ordnungsseite noch das Bad putzen konnte, ehe man sich ins virtuelle Schlachtvergnügen stürzen durfte.
Bald fiel auf, dass die Seite des Gegners stärker, d.h. besonders zahlreich war. So waren während des ersten Monats alle Burgen rot, und erst während der anderen zwei Monate wurden einige Burgen am Abend zwar auf Blau gestellt, nur um während des hellichten Arbeitstages wieder einen roten Anstrich zu erhalten.
Um dem Ansturm der Bösen Paroli zu bieten, sammelte ein junger Krieger eine eingeschworene Truppe Kämpfer um sich, bis er den Erzähler selber ansprach und ihn bat, den Segen seiner Heilkünste in den Dienst der Gruppe zu stellen. So wuchs also eine junge, wohlorganisierte Gilde heran. Leider durfte man nur zu sechst in einem Szenario spielen, sodass man sich im Teamspeak absprechen musste, möglichst gleichzeitig mit zwei Gruppen anzumelden. So kam es, dass allerlei wertvolle Zeit verstrich, bis man zu zwölft auf dem Schlachtfeld eintraf. Nichtsdestotrotz war die Schar zufrieden mit dem Gemetzel, denn ihr war das lieber als mit einem Haufen unorganisierter Leute spielen zu wollen, deren einzigstes Ziel der Glanz des eigenen Egos war, ist und bleiben wird.
Doch bald brach eine Seuche unter der Gruppe aus. Die Männer erreichten nach und nach Rang 40 und verloren das Interesse am Zusammenspiel und dem immer-wiederkehrenden Schlangenpass. Sie brauchten Ruf, und hatten kein Grund zu warten, bis auch andere jenen Rang erreicht hatten. Statt sich einzufinden und etwas gemeinsames zu Unternehmen, gab es immer häufiger Diskussionen, was getan werden sollte. Diejenigen, die nämlich schnell gewachsen waren, sahen sich mit der Tatsache konfrontiert, dass sie wenig Ruf ergattert hatten. Andererseits votierten die Kleinen für eine Fortführung des gemeinsamen Levelns und Zusammenspiels im Szenario.
Trotzdem begannen wir mit dem verheissenden Open RvR. Unser allererster Schritt war jedoch eine herbe Enttäuschung, da wir mit Durchschnittslevel 34+ in Praag von einer grossen Horde 40er weggeprügelt wurden. Trotzdem verloren wir den Mut nicht und eroberten viele Schlachtfeldziele und später Burgen, weil die 40er ja diese unbedingt brauchten und entsprechend Druck ausübten. Insbesondere die Burgeroberungen sorgten jeweils für schlechtes Blut, weil man gelegentlich eine Stunde oder Zwei brauchte, um sich den Burgeherren vorzuknüpfen, aber jeder in der Lage war, beim Burgherrenloot abzusahnen, wenn er ihn nur einmal mit einem leichten Schlag auf den Hinterkopf bedachte.
Nach und nach verloren die Leute Lust auf diese oder jene Unternehmung, weil es immer das Gleiche war und zudem langweilig wurde. Entweder war der Gegner zahlenmässig extrem überlegen - oder er war gleich gar nicht anwesend. Erschwerend kam hinzu, dass die Zahl der Staubsauger zunahm und dies vorallem dem Nahkämpfern unter uns auf die Nerven ging. Als erstes verabschiedete sich dennoch der Schattenkrieger aus dem Spiel. Ihn konnten wir eh nur noch als Flaggenträger oder Standartenträger gebrauchen, auch wenn er sich höchste Mühe gab, mit seiner Klasse zu brillieren. Als nächstes startete der Schwertmeister einen Twink und mottete seinen Mainchar ein, später folgte ihm unser zweiter Schwertmeister - "unbrauchbares System, schwach...you know". Damit blieb uns als Tank nur noch ein Eisenbrecher zur Verfügung und weisse Löwen hatten wir die meiste Zeit seit dem Bestehen der Gilde nicht, ausser für etwa zwei Wochen, aber auch der verschwand eines Tages. Ich rede hier übrigens nicht von Leuten, die sich eine bessere Gilde suchten, sondern von Leuten die direkt aus dem Spiel verschwunden sind, die Gilde ist auf dem virtuellen Papier immer noch komplett.

Wir spielten mit einem Setup von 2-3 Hexenjägern, die sich regelmässig über fehlende Heilung beklagten, den wir ihnen aufgrund der Distanz zwischen ihnen und uns nicht immer adäquat liefern konnten. Trotzdem konnten wir immer eine imposante Heilungsleistung von meist 3-5 Heilern aufbieten, wir heilten uns fast schon tot, was der Gegner meist mit kleinen Bewegungseinheiten beim Respawn beantwortete und keine Intentionen zeigte, sich nach vorne zu wagen. Item, ich sprach von den Hexenjägern, und diese verliessen das Spiel auch einer nach dem anderen, weshalb wir zwar mit 3 Erzmagieren, 2 Sigmarpriester und einem Runenpriester das Schlachtfeld betraten, uns aber abgesehen von einem Feuermagier jegliche Schadensklasse fehlte. Die Hexenjäger brauchen im Open RvR übrigens genau so viel Heilung wie im Szenario, aber dort ist sie noch schwerer zu kriegen.
Als statt Schlangenpass endlich auch die anderen Szenarien zwangszugeteilt wurden, löste sich auch noch der Rest von uns auf. In Zahlen ausgedrückt spielen nur noch sechs von vielleicht dreissig Leuten. Ich habe jede Ordnungsklasse durchs T1 gespielt und gewann in der Regel die hälfte der Spiele im Szenario, aber wenn ich heute T4 spiele oder Twinke dann verliere ich 90% aller Spiele. Meist wird mit 9:12 angefangen, weshalb die ersten 100 Punkte beinahe schon geschenkt sind, abgesehen davon, dass die Zerstörung durchs Band schneller an den wichtigen Szenariozielen anlangt. Wenn dann die restlichen Spieler eintreffen, verlassen die je nach Spielstand schnell das laufende Szenario. "Wenn du nicht verlieren kannst spiel Lego", sagte mir heute ein Mitspieler aus der Allianz, wobei er wohl vergass dass Lego tatsächlich mehr Variation hat als Warhammer, und Lego heisst auf dänisch "spiel gut" und gut spielen scheint nicht allen zu liegen. Schwer verständlich sind mir die Aktionen einzelner Mitstreiter in der Schlacht und noch schwerer die fehlenden Schadens - und Heilleistungen. Gelegentlich spiele ich dann einen meiner Twinks um etwa einzuschätzen wie viel Heilung und Schaden ich selber machen würde, und muss dann feststellen, dass alleine die Selbstheilung grösser ist als diejenige des werten Kollegen von vorhin.

Tja das alles erinnert mich doch stark an die ewige Ungleichheit bei der grossen Konkurrenz, wo die Szenarien Battlegrounds heissen und die Guten mit Regelmässigkeit geteert und gefedert werden (dafür aber im Open PvP in massiven Zahlen auftreten). Aber für die Ordnung kommts auch im Open RvR ganz dick: die Servertransfers sind da! Warum gab es überhaupt so viele Server? Weil sie geklont wurden. Die Wartezeiten waren zu lange, es spielten zu viele Leute bei den Bösen. Nun ist es aber so, dass die Ordnungsspieler ja nicht zwangsläufig die Server wechseln mussten, denn die Wartezeiten für Einloggen und Szenarios waren für diese Seite nach drei Wochen mehr als in Ordnung. Die Zerstörung hatte also das Problem, keinen Gegner zu haben. Nun kommen sie dank Chartransfer auf die Server, wo es genug Fressalien hat, also genug Ordnungsspieler. Freunde von mir auf Moot, die sich häufig über fehlende Gegnerschaft beklagten, haben sie nun gefunden. Es kommt einem so vor wie die Einfuhr von Schlangen auf einer Vogelinsel im Pazifik - es wird transferiert ohne sich einen Gedanken über das Balancing des RvR zu machen. Erinnern wir uns an das erste Event! Man wurde überrollt, und bald stand man in oder vor der eigenen Base, im Wissen, dass man es in diesem Leben nicht erleben wird, daran teilnehmen zu können, während der Gegnerschaft wohl die Kills fehlten, das Event zu starten.

Und zum Schluss noch jenes: Noch zur Primetime um 2130 Uhr spielten folgende Zahl 40er Ordnungsspieler RvR: Praag 1, Reikland 0 (gelockt), Chaoswüste 6, Drachenwacht 18, Kadrintal 6. Wird es nun besser, wenn noch zusätzlicher Zerstörungsüberhang von Moot, Solland, Stirland und Wissenland angeschwemmt wird?
 
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