[Geschichte] Die Sterne über Dalaran

Die Reise nordwärts

„Drück dich nicht so an mich", sagte Ylaria und versuchte dabei energisch zu klingen. „Das ist nicht notwendig."

„Möchtest du, dass ich vom Greifen falle?" In seiner Stimme war definitiv ein Schmunzeln, und das gefiel ihr gar nicht. „Ja", zischte sie nur zurück.

„Mmmh", sagte er leise, und eindeutig viel zu nah ihrem Ohr. „Hör auf, bei der Sonne. Hör einfach auf", knurrte sie und bewegte den Kopf etwas seitwärts.

„Pass auf", sagte er leicht spöttisch, „sonst verlieren wir die anderen noch. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte."

Ylaria blickte auf von ihren Händen, auf die ihr unsteter Blick die letzten Minute gelegen war. Sie wusste nicht, ob der Greif dies gespürt hatte, und absichtlich ihre Grenzen austestete, oder ob er womöglich mit der doppelten Ladung überfordert war.

Sie flogen nun ungefähr schon eine Stunde, womöglich länger, schätzte Ylaria, als sie den Kopf noch etwas zur Seite wand, um sich nach dem Sonnenstand zu erkundigen. Die Drachenöde breitete sich weiss schimmernd unter ihnen aus, die Reflexion der Sonne brannte unangenehm in den Augen, wenn man zu lange hinschaute.

Der Greif erhielt von ihr das Zeichen, schneller zu fliegen – bereits lag ein ziemlich grosser Abstand zwischen ihnen und der Hauptgruppe. Irgendwo in der Mitte zwischen ihnen und Imenia flog auch noch Lorethiel, sein Greif schien sich sichtlich anstrengen zu müssen, um das straffe Flugtempo aufrecht zu erhalten, welches ihre Kommandantin angeschlagen hatte.

Sie spürte Dairean hinter ihr ebenso den Kopf etwas zur Seite zu drehen, und befürchtete schon eine weitere Aufdringlichkeit, doch nichts passierte. Der Greif schlug schneller mit den Flügeln, und der mit Gepäck beladene Drachenfalke, der hinter ihnen mit flog, stiess einen weiteren kurzen schrillen Schrei aus.

Ylaria rollte mit den Augen und drehte den Kopf etwas zu Dairean, herrschte ihn an: „Kannst du das Vieh nicht zum Schweigen bringen? Das tut in den Ohren weh! Du bist doch direkt hier, warum vermisst es dich?"

„Phönix vermisst mich nicht", gab Dairean ruhig zur Antwort. Zu ihrem Erstaunen blickte er sie dabei nicht an, sondern hatte die Augen auf das Gebirge gerichtet, welches sich sowohl östlich als auch nördlich von ihnen auftat. Sie folgte seinem Blick.

„Er vermisst mich nicht, er weiss, dass ich gefangen bin", kam es da erneut ziemlich lakonisch von ihm. Das regte sie schon wieder auf.

„Tja.. Deine eigene Schuld", erwiderte sie spitz. „Möchtest du dich etwa darüber streiten, Ylaria?", sagte er und blickte sie kurz an. Sie schnaubte.

„Ich streite mich sicherlich nicht. Das habe ich nicht nötig."

„Stimmt, du hast deinen Standpunkt ja schon die letzte Nacht klargemacht." Auf sein daraufhin folgendes Lachen verzog sie ihre Lippen zu einem dünnen Strich und blickte wieder stur nach vorne. Musste er sie ausgerechnet daran erinnern? Es war ihr peinlich, es beschämte sie zutiefst, dass sie einen derartigen Ausbruch gehabt hatte.



„Das sieht nicht gut aus", kam es plötzlich von Dairean, der immer noch in dieselbe Richtung schaute wie vorhin. „Feuerblüte ist töricht, sie will doch nicht etwa diesen Sturm durchfliegen?"

„Was für ein Sturm?", fragte Ylaria ungehalten. Auf die Frage hin deutete Dairean mit dem Kinn in die Richtung der sich bedrohlich auftürmenden Wolkengebilde. "Schau doch." Tatsächlich schob sich eine dicke Wolkenwand langsam über die nordöstlichen und östlichen Berge, aber es sah nicht so aus, als wäre diese schnell genug, um die Reisegruppe zu erreichen. Und genau das tat sie ihm kund.

„Das Unwetter erreicht uns doch niemals rechtzeitig. Imenia hat gesagt, wir erreichen den Fuss der Gebirgskette in weniger als zwei Stunden, also werden wir bis dahin sowieso Zelte aufgebaut haben."

„Du solltest dennoch Dämmerpfeil oder Feuerblüte warnen. Die Wetterlage hier kann sehr schnell umschlagen, schneller als man denkt."

„Jetzt mach nicht aus einem Manawyrm einen Amanitroll", seufzte sie. „Das ist doch bestimmt nur so ein Trick, um uns abzulenken, und alles zu verzögern."

Eine Weile sagte er daraufhin nichts, drehte einzig den Kopf wieder, um nach vorne zu blicken. Gerade, als sie dachte, sie hätte endlich Ruhe, sprach er wieder.

„Ausnahmsweise nicht", sagte er.

Täuschte sie sich, oder klang seine Stimme ein bisschen zittrig? „Und das soll ich dir glauben?"

„Ja", antwortete er nur.

„Pff", schnaubte sie. „Natürlich. Jederzeit. Das hättest du wohl gerne, so wie die letzten Tage, ja?"

„Ylaria", er holte kurz Luft, und räusperte sich einmal, dann sprach er in seinem normalen Tonfall weiter, und sie war froh, dass sie nun keinerlei Spott mehr hinaus zu hören glaubte. „Schon vergessen? Mein Leben hängt auch an dieser Expedition. In einem Schneesturm würde ich auch sterben."

Sie brummte irgendetwas. „Ich werde jetzt sicher nicht nach vorne fliegen, um eine vage Ahnung von dir zu melden", gab sie schnippisch zur Antwort und war selbst überrascht, WIE schnippisch es wirklich klang.

„Das geht gar nicht. Der Greif kann nicht schneller fliegen", setzte sie nach, etwas versöhnlicher.

Dairean erwiderte nichts mehr, einzig seine Finger krallten sich etwas mehr in den Sattel, wo er sich notdürftig festhielt mit den gebundenen Händen.




Zur selben Zeit weiter nordöstlich




„Duane", brüllte der hochgewachsene männliche Mensch durch die Reihen der Versammelten. „Duane, verdammt, wo steckt ihr? Ich will einen Lagebericht!" Er war in eine schützende Plattenrüstung gehüllt, und trug das Siegel und den Wams der Siebten Legion.

Legionskommandant Tyralion rief erneut nach seinem Untergebenen. „Duane, beim heiligen Licht", erklang seine etwas gehetzte, für seine Statur etwas zu hohe Stimme. Bevor er sich verhaspelte, räusperte er sich. Der Nachtelf neben ihm blickte ihn – so dachte er – fast schon etwas spöttisch an.

Da kam der Gerufene endlich herangeeilt. In der Hand hielt er noch sein Teleskop, mit dem er den Himmel abgesucht hatte. „Sire", meldete er sich zackig, und salutierte, fast schon etwas übertrieben.

„Na endlich. Was habt ihr so lange in dieser Schneedüne gesucht? Ein Schläfchen?", donnerte Tyralion los. „Nein, Sire, natürlich nicht", beeilte sich Duane, ein etwas gedrungener Mensch mit stark gebräunter Haut und einem grossen Schnauzer an der Oberlippe, zu erwidern. „Nein Sire, ich habe den Köderflieger beobachtet, wie ihr es gewünscht habt, Sire." Erneut salutierte er.

Das stimmte Tyralion etwas milder, und er rückte sich die lederne Helmkappe zurecht, die so gar nicht zu seiner restlichen prunkvollen Plattenrüstung passen wollte, genauso wie die ledernen Schulterstücke. „Dann liefert mir endlich einen Statusbericht."

„Sire, Ivarsson ist es zwar gelungen, den Frostwyrm anzulocken, aber.." „Was aber?", fuhr ihm Tyralion ins Wort, und hob energisch die Stangenwaffe, um sie in den Schnee zu stossen.

Duane hob abwehrend die Hände, das Fernrohr immer noch im festen Griff.

„Der Frostwyrm ist klug, Sire. Es dauert länger, als wir dachten, ihn hierher zu locken."

Tyralion fluchte leise.

„Wie lange noch? Und hält Ivarsson das durch?"

„Ich schätze, noch ungefähr 15 – 20 Minuten, wenn nichts unvorhergesehenes passiert", antwortete Duane. Ivarrson war ihr bester Greifenreiter, beauftragt, als eine Art Köder zu dienen. Ein 'Wyrmköder', wie ihn die anderen Soldaten der 7. Legion scherzhaft nannten. Dennoch – so wusste er – bewunderten sie ihn im Grunde genommen zutiefst. Es war eine Kunst, überhaupt einen Frostwyrm anzulocken. Das dann auch noch zu überleben, grenzte schon fast an ein Wunder. Und Ivarsson hatte es schon mehrere Male überlebt. Warum er und die gesamte Front Jagd auf die Drachen machten? Weil es ihnen befohlen wurde.

„Egal, machen wir uns bereit.", rief er dann mit lauter Stimme. „Soldaten der 7. Legion, macht euch kampfbereit! Der Frostwyrm wird fallen!"

Dann wandte er sich an den Nachtelfen. „Sturmfeder, seid ihr und eure Priester bereit? Es gibt sicherlich Verletzte, wenn nicht sogar tote."

„Elune wacht über mich", erwiderte dieser nur und nickte. Tyralion brummelte. Wie üblich war ihm der Nachtelf ein Rätsel, aber das sollte ihn nicht mehr lange kümmern. Diesen Einsatz noch, dann würde er versetzt. Das hatte ihm der Nachfolger von Fordragon bei allen drei Tugenden geschworen. Dieser Einsatz noch, und er würde endlich eine etwas bedeutendere Rolle im Kampfgeschehen einnehmen.

Er schulterte die Stangenwaffe wieder und trat näher an den improvisierten Schutzwall. „Kanoniere bereit, Sire", meldete ihm Duane, und er nickte.

Sollte dieser elende Drache nur kommen &#8211; es wäre sein letzter Flügelschlag, wenn er in die Hände der Front der 7. Legion geriete. So viele Wyrmlinge hatten die tapferen Soldaten nun schon erledigt, und damit den Vormarsch der Allianzstreitkräfte gen den Toren von Angrathar überhaupt ermöglicht. < Hat aber alles nix genützt.. Verfluchter Verrat >, dachte er. < Verfluchter Lichkönig, verfluchte Drachenöde, verfluchte Kälte > Der Wyrm hier sei etwas besonderes, hatte ihm der vor wenigen Stunden eingetroffene Gnom erzählt. Zusammen mit vier weiteren Mitgliedern der Allianz war er eingetroffen, und hatte etwa von Phylakterium gebrabbelt, während seine hellgrünen Haare knisterten von dem Frost, der sich auf ihnen gebildet hatte.

< Um die Allianz steht es auch immer schlechter >, dachte Tyralion, als er einen Blick auf die fünf ziemlich exotisch gekleideten Gesellen warf, < dass die Feste solche Gaukler schickt, um mir diese Nachricht zu übermitteln. Und überhaupt.. Das ist nun schon der 15. Frostwyrm, der angeblich ein Phylakterium eines angeblich ganz gefährlichen Lichs enthält. Wollen die mich alle veralbern?>, regte er sich im Geiste auf, während er den Trupp weiterhin musterte. Täuschte er sich, oder bestand die Rüstung der Menschenfrau wirklich nur aus eng anliegender Platte, die ein grosses Stück Haut freiliess? Die musste doch frieren! Und war das da wirklich eine Zwergin? Nein.. Er musste sich irren.

Er schüttelte den Kopf und fokussierte seine Gedanken wieder auf Tagträumereien von einigen gemütlichen Tagen im Wald von Elwynn oder einen Besuch der Abtei in Nordhain, wenn diese elende &#8211; und für ihn unnötig scheinende &#8211; Drachenhatz endlich ein Ende hatte. Ja, er würde sogar bei der Offensive oben Dienst tun, um seine bei Angrathar gefallenen Kameraden zu rächen, aber alles war besser, als ..

&#8222;Sire, Sire", riss Duanes Ruf ihn aus seinen Gedanken. Hastig blickte er wieder nach vorne.

&#8222;Was denn? Ist er endlich in Sicht?", brummte er.

&#8222;Sire.. Ich habe.. Da sind.. Greifen!"

Alarmiert blickte Tyralion auf. &#8222;WAS? Wo?"

Duane reichte ihm das Fernrohr und zeigte die Richtung an. Tyralion griff es sich, und blickte hindurch. Nach einem Moment des Suchens erkannte er zu seinem Schrecken mehrere Greifen die seelenruhig gen Norden flogen und die erwartete Flugbahn des Drachen ziemlich genau schnitten.

&#8222;Was für Idioten.. Was machen die.. Verflucht", rief er, und sprang auf. &#8222;Hat denen niemand gesagt, dass diese Zone hier Sperrgebiet ist für heute?"

&#8222;Offensichtlich nicht, Sire", erwiderte Duane unnötigerweise. &#8222;Befehle, Sire?"

Tyralion verengte die Augen.

&#8222;Die Tollpatsche können nur hoffen, dass Ivarsson wirklich noch länger braucht, um den Wyrm anzulocken", sprach er schliesslich, und blickte weiterhin durch das Fernrohr.

&#8222;Wenn nicht, dann.. sei ihnen das heilige Licht gnädig."




XXXX




OOC: Vielen Dank für die netten Worte.
Und: Seid mir nicht zu böse wegen dem fiesen Cliffhanger.
 
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Sind wir aber ....

Wenn dein Buch rauskommt, hast du mich schon als Testleser gewonnnen
 
Ich melde mich mal als Korrekturleser^^
 
Dann hättest du ja schon 3.
 
Dairean kniff die Augen zusammen und blickte erneut in die Richtung des nordöstlichen Gebirgszuges, wo sich die Wolkenberge auftürmten. Vielleicht mochte er etwas übertrieben haben, aber es bestand durchaus eine Chance, dass sie von einem Sturm überrascht wurden. Es wäre nicht das erste Mal, dass ihm so etwas zustossen würde. Er konnte sich noch gut an einen fünftätigen Schneesturm in der Drachenöde erinnern, der ihn auf dem Rückflug einer Kuriermission überrascht hatte. Er hatte damals gedacht, er müsste verhungern.

Die Sonne blendete ihn unangenehm in den Augen und so schloss er sie kurz. Ihm war kalt und seine Finger hatten sich im Verlauf der letzten Stunde immer mehr verkrampft. Kaum spürte er sie noch. Er biss die Zähne zusammen, dass sie nicht klapperten.

Wenn er doch nur etwas Blutdistelpulver hätte, dann würde es ihm sofort besser gehen. Er seufzte und öffnete die Augen wieder und blickte nach vorne, wo im Abstand von ungefähr einem halben Kilometer Imenia und der Rest auf ihren Greifen flogen. Irgendwo dazwischen war immer noch Lorethiel. Dairean schätzte, dass sich der Abstand zwischen ihm und ihnen in den letzten Minuten noch mehr verringert hatte. Der Greif hatte seine sichtliche Mühe, nach den Strapazen der letzten Tage das Tempo aufrecht zu halten.

Daireans Magen schmerzte, und nun spürte er einen Schub Hitze, der sich ausbreitete, Schweisstropfen traten aus den Poren seiner Haut. Erneut biss er die Zähne zusammen, doch dieses Mal nicht vor Kälte, sondern um die Schmerzen zu unterdrücken, die langsam in ihm hoch krochen.

< Drachenfalkenpisse >, dachte er bei sich. Kurz riskierte er einen Blick nach hinten zu seinem treuen Reittier Phönix. Das Tier jaulte nur kurz auf, als es seinen Blick wahrnahm, wofür Dairean wiederum einen leichten Hieb von Ylaria erhielt. Er wandte den Blick wieder ab. Vor seinen Augen tanzten Sterne. Der Hieb war nicht einmal besonders fest gewesen, doch in seinem geschwächten Zustand hatte es gereicht. Ein schmerzvoller Laut entwich ihm, und er wollte die Hände auf den Bauch legen, doch noch immer waren sie gebunden. &#8222;Hör auf", murmelte er tonlos.

&#8222;Dann bring den Falken zum Schweigen", erwiderte sie. Er hörte die Gereiztheit in ihrer Stimme heraus.

&#8222;Ich versuche es, aber ich kann..", erwiderte er, doch dann wurde er von einem weiteren Schrei von Phönix unterbrochen. Alarmiert hob er den Kopf wieder, verengte die Augen. Das war keiner der üblichen Zuneigungsbekundungen gewesen, sondern ein Warnruf.




Zur selben Zeit, etwas weiter westlich

'Wyrmköder' Pjotr Ivarsson fluchte einmal laut, und trieb seinem Greifen erneut die Haken in die Seite, riss ihn im selben Moment an den Zügeln zur Seite, als der eisig kalte Atem des Frostwyrms nur knapp ins Leere ging. Immerhin hatte sich seine Beute endlich aus ihrer Ruhestätte auf dem Schnee erhoben.

&#8222;Schneller, Frosti", feuerte er seinen Greifen an, der sofort und routiniert mit grossen Flügelschlägen anfing, Distanz zwischen sich und den gefährlichen Geisselwurm zu bringen. Ivarsson wischte sich über das Gesicht, grinste siegessicher. Der Wyrm war endlich auf ihn eingegangen. Auf seinen und den Geruch des Greifen, auf den Geruch des Lebenden. Für den riesigen Wyrm mochte es den Anschein haben, als wäre es nur ein lästiges Insekt, welches um ihm herumflog, und so schlug es mehrmals mit den Klauen danach. Doch Ivarsson und sein Greif waren zugeschickt, entkamen, und 'flohen' offensichtlich immer schneller. Das machte den Wyrm rasend, und so brüllte er einmal ohrenbetäubend und schlug selbst mit den riesigen, vermoderten Flügeln, um seiner entkommenden Beute zu folgen.

&#8222;Gut gemacht, Frosti", lobte Ivarsson seinen Greifen. &#8222;Endlich haben wir ihn." Er grinste leicht beim Gedanken an die vielen Harpunenkanonen, die den Greifen bei der Front der 7. Legion erwarteten, und ihn sicherlich zu Boden bringen würden. Einer der letzten verbliebenen Frostwyrme, die noch die Gegend unsicher machten.

Erneut zog er an Frostis Zügeln, als der Wyrm dazu ansetzte, seinen Frostatem in ihre Richtung zu schleudern, und wieder entkam er, allerdings weniger knapp als das vorherige Mal. &#8222;Jetzt auf, in Richtung Front, Frosti, dann hast du dir.."

Er verstummte und kniff die Augen zusammen. Vor ihm waren Greifen! Direkt zwischen ihm und der Front. Kaum zwei oder drei Kilometer mochten ihn von der Front trennen, und diese Idioten waren direkt in seiner Flugbahn. < Ja, spinnen die denn? >

Hastig zählte er sie, und griff mit der anderen Hand nach einer Signalflagge, die er wie üblich dabei hatte. Was machte die 7. Legion auf ihren Greifen hier? Die wussten doch, dass heute wieder.. Wüst schimpfte er und machte das entsprechende Zeichen. Er konnte nur hoffen, dass die Greifen schnell landeten oder sich anderweitig ausser Sichtweite brachten, damit der Drache sich weiterhin auf ihn konzentrierte, und nicht auf diese Reiter da vorne.

&#8222;Beim heiligen Licht", rief er. &#8222;Geht aus dem Weg ihr verflixten Idioten". Sie konnten ihn nicht hören, das war ihm klar. So riss er gleichzeitig erneut an den Zügeln, und lenkte seinen Greifen weiter südlich, in der Hoffnung, ass der Wyrm die anderen Reiter nicht sehen würde.

Doch da war es schon zu spät. Der Drache hielt im Flug inne, bremste seinen massigen frostigen Leib ab und brachte sich mit einigen Flügelschlägen in eine fast aufrechte Schwebende Position. Erneut kreischte er schrill, durchdringend, unwirklich, so dass Ivarssons Ohren klingelten und sein Greif sich etwas duckte.

Er wagte einen Blick nach hinten, nur um zu sehen, wie der Frostwyrm zielstrebig die Richtung wieder korrigierte, und ungefähr in die Richtung des kleinen Trupp Greifenreiter zuflog, sogar noch schneller als zuvor.

Ivarsson fluchte und nahm die Verfolgung des Wyrms auf.




Zur selben Zeit

Imenia sah den Frostwyrm noch bevor dessen Kreischen erneut durch die Lüfte hallte. Nur einen Moment lang erstarrte sie, dann zahlte sich die langjährige Routine aus. Sie mussten sofort landen. In der Luft hatten sie keine Chance.

&#8222;Frostwyrm", alarmierte sie die vier, die direkt nahe ihr flogen. &#8222;Sofort landen und Schild bilden. Sofort!"

Sie liess die straff gespannten Zügel des Greifen los, rief ihm den Befehl zum Landen zu. Als der greif in einen steilen Sinkflug überging, wagte sie einen Blick über ihre Schulter und sah, wie ihr drei Greifen folgten.




Zur selben Zeit

Als der Schrei des Frostwyrms schrill durch die Lüfte hallte, fing Phönix wie wild mit den Flügeln an zu flattern und stemmte sich in einem Atemzug auf einmal gegen den die Flugrichtung, die ihm die an dem Greifen befestigten Zügeln auferlegten. Der ruhige Fluss der Flügelschläge wurde dadurch unterbrochen, und der Vogel kreischte ebenfalls wild. Ylaria zog an den Zügeln, und versuchte das Tier wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Dairean wandte den Kopf in die Richtung des Schreis, nur um zu erblicken, was er schon bei Phönix schrillem ersten Kreischen gedacht hatte: Ein Frostwyrm.

&#8222;Binde mich los, Ylaria. Schnell!", herrschte er sie an.

Ylaria hatte die Lage offensichtlich noch nicht wirklich verstanden. &#8222;Was.. aber.. nein.. warum?"

&#8222;Verflucht, Ylaria, das ist ein Frostwyrm. Bind' mich los, oder wir werden beide todsicher sterben!"

Sie wandte den Blick zu ihm, dann zur Seite. Als sie den Frostwyrm sah, keuchte sie erschrocken auf. Sie nahm die Zügel des Greifen, der immer noch gegen Phönix' Gegenzug kämpfte, in eine Hand, und zog dann selbst daran, um den Greifen zu signalisieren, er solle sofort das Tempo drosseln. Mit der anderen Hand versuchte sie den Knoten im Seil zu lösen, der Daireans Hände an den Sattelknauf, und somit den ganzen Elfen an sie band.

&#8222;Beeil' dich", knurrte Dairean. Er blickte kurz nach vorne, und sah Dämmerpfeil, der offensichtlich mühe hatte, seinen Greifen zu kontrollieren. Gefährlich schief hing er in der Luft.

&#8222;Keine Zeit, Rücksicht zu nehmen", rief Ylaria laut, und legte zwei Finger auf das Seil, murmelte etwas. Als das Feuer, welches Ylaria beschwor, sich magisch die Seile frass, und seine Haut ebenso teilweise verbrannte, zog Dairean scharf die Luft ein.

Ein erneutes, durchdringendes Kreischen des Frostwyrms zerschnitt die Luft. Beide blickten nach vorne. Die riesige Klaue des wyrms erwischte Dämmerpfeils Greif an der Brust und riss den Körper des Tieres auf wie dünnes Pergament.

Dairean verlor keine Sekunde. Er griff hinter sich und löste Phönix' Zügel vom Sattel des Greifens. &#8222;Ylaria, bring den Greifen sofort zu Boden, wenn du überleben willst", rief er ihr zu. Dann schrie er &#8222;Phönix, Seite", und Phönix reagierte in geübter Manier sofort, tauchte etwas ab und flatterte mit den Flügeln, so dass er schliesslich seitlich des Greifen flog.

Dairean wickelte sich die Zügel um die Finger. Er schwang das Phönix' abgewandte Bein auf die richtige Seite. Der Greif sackte unter der spontanen Gewichtsveränderung etwas ab. &#8222;Sonne steh mir bei", rief er, fixierte den Sattelknauf von Phönix' Sattel an, und sprang.




Zur selben Zeit

Lorethiels Greif starb noch im Sinkflug. Er trudelte samt Reiter ohne Halt und Schutz dem Boden zu, und kam in einer grossen Schneewehe zu landen. Lorethiel wurde vom dem harten Aufprall zur Seite geschleudert, direkt in den Schnee hinein. Er spürte, wie seine Hüfte gegen etwas Hartes schlug, der stechende Schmerz, der ihm daraufhin durch jede Faser seines Körpers fuhr, liess ihn erstickt aufschreien.

Einen Moment blieb er benommen liegen, während die Schmerzen durch seinen Körper tobten. Doch dann versuchte er sich zu erheben, was nicht gelang. Er keuchte auf, und versuchte es erneut. Er musste seinen Auftrag.. Der Griff.. Er durfte ihn nicht unbeaufsichtigt lassen. Unendlich langsam robbte er vorwärts auf dem kalten Schnee.

Mit einem erneuten Kreischen setzte der Wyrm dazu an, mit den Krallen voran in die Schneewehe zu fahren, um den Greifen samt Reiter endgültig zu töten. Da traf ihn ein feuriger Ball mitten in der Luft, worauf der Frostwyrm ein ohrenbetäubendes Grollen ausstiess und sich von der Schneewehe abwandte.




Zur selben Zeit

Einen kurzen Moment lang dachte Dairean, er hätte verfehlt. Dann schlossen sich seine klammen Finger um den Sattelknauf. Er mobilisierte die letzten Kraftreserven und hievte sich mühselig auf den Sattel. Die Zügel umklammernd holte tief Luft und versuchte sich zu besinnen. Sterne tanzten vor seinen Augen.

Phönix nahm sofort Abstand von Ylarias Greif, wandte sich ab, während Dairean ihm die Haken in die Seite presste. < Bloss weg von hier >, dachte er. Das war seine Chance zu entkommen.

Er blickte zurück. Der Frostwyrm wurde von einem Feuerball getroffen. &#8222;Sie kämpfen..?", entfuhr es ihm ungläubig. Er liess Phönix eine scharfe Kurve fliegen, und dann in der Luft an Ort und Stelle schweben. Tatsächlich. Sie kämpften. Er konnte Imenia an der Front sehen, flankiert von Verian und Leireth.

Ein leichtes Grinsen überzog seine Lippen, als er die Schneewehe ansteuerte, in der er Lorethiel hatte abstürzen sehen. Er brauchte Vorräte. Die Zeit, in der die Quel'dorei damit beschäftigt waren, den Frostwyrm zu töten, konnte er gut gebrauchen. Nur zu genau hatte er sich gemerkt, wo Dämmerpfeil mit seinem Greifen abgestürzt war. Phönix landete. Er rutschte aus dem Sattel, kam vor Schwäche nicht richtig zum Stehen und sank erst einmal auf die Knie.

&#8222;Muss.. verflucht." Er hörte Lorethiels Stimme, erhob sich mühselig und stapfte durch den tiefen Schnee über die Düne

Lorethiel hatte kaum einen Meter geschafft. Er konnte offensichtlich nur kriechen, seine Beine waren unbrauchbar.

Dairean näherte sich dem Greifen, um dessen zerschmetterten, aufgeschlitzten Körper sich eine rote Blutlache gebildet hatte.

&#8222;Hilfe", ächzte Lorethiel, doch als er Dairean erkannte, knurrte er nur. &#8222;Du? Verräter.. du.. wie.." Dairean achtete nicht auf ihn und begann, die Gepäckstücke, die auf dem Greifen geladen waren, zu lösen, und sie zu durchsuchen.

&#8222;Nicht.. den Griff.. Du wirst.. niemals nach Dalaran.. Ich werde.. alles erzählen." Dairean fuhr herum. Hatte dieser Idiot gerade etwas von einem Griff gesagt? Das konnte doch nicht.. Hatte Imenia etwa..

&#8222;Nicht.. der Griff.. Verräter", murmelte Lorethiel fast schon tonlos.

Dairean stand auf und trat wieder auf Lorethiel zu. Sein Atem ging keuchend, und er spürte immer wieder Stiche in der Seite.

&#8222;Vielen Dank für den Hinweis", sagte er verächtlich und trat Lorethiel in die Seite. Der Tritt hatte kaum Kraft, nichtsdestotrotz heulte der Hochelf auf vor Schmerzen.

Dairean lachte erneut leise, dann hustete er. Der Griff befand sich irgendwo im Gepäck des armseligen Silberbundlers. Er kniete sich hin und drückte Lorethiels Gesicht so lange in den Schnee, bis dieser aufhörte, erstickte Laute von sich zu geben und mit dem Armen zu fuchteln.

Als er sich sicher sein konnte, dass Lorethiel tot war, schleppte sich Dairean zurück zum Kadaver des Greifen und durchsuchte weiter das Gepäck.




OOC:
Frage des Tages - Was ist die Mehrzahl von Wyrm? *G*
Danke für eure lieben Worte, sie haben mich angespornt, weiterzuschreiben. Irgendwie bin ich zwar mit dem Kapitel nicht ganz so zufrieden, wie ich es eigentlich gewollt hätte, aber ich denke, es ist lesbar.

Ein Buch von mir.. Erstmal kleine Brötchen backen, und das hier fertig. Dauert auch nochn bisschen. Und dann muss ich erstmal an der Konstruktion meiner Fantasywelt weiterdenken und - arbeiten. Allerdings steht da schon ein Teil. Ich werd aber auf jeden Fall bedenken, dass ihr euch so neugierig gezeigt habt
Lg
Melian
 
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Antwort des Tages: Wyrms!

Quelle: http://en.wiktionary.org/wiki/wyrm

Und der Frostwyrm hat sich tatsächlich von einem Feuerball aufhalten lassen? Was ein Schwächling
Ansonsten sehr gut geschrieben, aber übertreib es nicht mit den Absätzen

Gruß Silmyiél
 
OOC:
Wyrms ist die Mehrzahl vom englischen Frost Wyrm, ja. Aber ich suche ja nach der deutschen Mehrzahl

Das mit den Absätzen macht das Buffed-Forum -.-
Jedes Mal beim Zeilenumbruch macht das einen direkt neuen Absatz, wenn mans vom Word direkt reinkopiert. Da es mir zu doof ist, es jedes Mal vollständig zu überarbeiten, müsst ihr hier halt damit leben.
Ansonsten:Klick
Da ist es mit den Absätzen besser.

Noch hat er sich nicht ganz aufhalten lassen. Aber er wurde halt abgelenkt. Und ein Biest jeglicher Art macht Gegenwehr immer rasend. So zumindest mein Gedanke.

Lg,
Melian
 
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ahh die fortsetzung sehr schön sehr schön *g*

wieder sehr gut geworden und die mehrzahl von wyrm ist.. wyrm
ansonsten kann man natürlich auch drachen sagen oder in diesem speziellen fall mistviecher ^^
 
Eiseskälte


Trotz der beissenden Kälte, die sie umgab, waren Schweisstropfen auf Imenias Stirn getreten, als sie in grösserer Hast wie sonst üblich die Beschwörungsformel für einen feurigen Ball gesprochen hatte. Der Zauber hatte dann auch weniger Durchschlagskraft als üblich, doch hatte es gereicht. Der Frostwyrm liess von seinem Opfer ab.

„Da kommt das Vieh“, rief sie. „Hammerschmied, macht euch bereit“. Leireth und Verian standen rechts und links neben ihr, hatten ein schützendes Schild um sie gehüllt, während sie begann, einen zweiten Zauber zu wirken. Sie sah nicht, wie Connell das Schwert aus der Scheide zog, sie hörte nur das metallische Geräusch, dass das Visier des schweren Plattenhelms machte, als Connell es mit einem „Aye, Ma'am“ zuklappte. Hätte sie hingesehen, hätte sie ein Grinsen auf seinen Lippen gesehen.

Das Brüllen, welches aus der frostigen, zerfallenen knochigen Schnauze des Wyrms kam, fuhr jedem durch Mark und Bein. Brionna wich einen Schritt zurück.

„Seid standhaft, Tallys“, rief Verian ihr zu.

Immer grösser wurde das angesammelte, fast schon flüssig anmutende Feuer zwischen Imenias Händen.

Der Frostwyrm hatte die Distanz zu dem Trupp zur Hälfte überwunden, als das untote Wesen abrupt bremste, sich in der Luft aufstellte. Imenia schien es fast schon, als würde es sich umblicken. Die Flügel des Frostwyrms bewegten sich in mächtigen Schwüngen, wirbelten Neuschnee in ihre Richtung. Die Schnauze des Wyrms stand weit offen.

Leireth legte die Hände auf die Ohren in der Erwartung eines neuen, durchdringenden Kreischens, doch nichts kam.

Einige elfische Atemzüge lang hielt sich das Tier in der Luft, und öffnete die Schnauze immer weiter. Imenia war es, als würde sich Magie im mächtigen Maul des Drachen sammeln, doch in diesem Moment wurden ihre Gedanken auch schon unterbrochen. Der Drache wandte den Kopf etwas ab von der Truppe und entliess einen wahren Sturm an frostigen Winden und Schnee aus seiner weit aufgerissenen Schnauze.

Imenia liess den Feuerzauber aus ihren Händen, lenkte ihn auf die massige Brust des Wyrms. Der Atem traf mit voller Wucht auf den Schildzauber. Verian und Leireth hatten Mühe, ihn aufrecht zu halten. Eisige Winde umhüllten sie, Schneegestöber behinderte ihre Sicht.

Imenia war es, als würde sie zu einem Eisklotz gefrieren, während sie die Hände hob, und den Schildzauber versuchte zu verstärken.




Zur selben Zeit, weiter östlich

„Sire, Sire“. Ivarsson zog hart an den Zügeln des Greifen, und mit einem Satz kam dieser zu Boden, schlitterte über die gefrorene Fläche und rammte fast einen Kanonier, der sofort anfing zu fluchen. Das kümmerte den Menschen nicht. Er sprang aus dem Sattel und eilte zu seinem Kommandanten, als ob ihm tausend Dämonen auf den Fersen wären.

Aus den Augenwinkeln sah er Duane, der ihn anstarrte, doch er hatte keine Zeit. Er kam bei Tyralion an. Dieser wollte ihn gerade anschnauzen, doch Ivarsson schnitt ihm sofort das Wort ab, obwohl er vor Anstrengung kaum Luft bekam.

„Sire..“ presste er hervor, „Elfen. Greifen.. Im.. Flugweg.. Frostwyrm.“ Tyralion starrte ihn an. „Sprecht deutlicher, Ivarsson“, blaffte er. „Die Greifen haben wir gesehen.“

Duane war mittlerweile zu ihm geeilt und drückte ihm einen Schlauch in die Hand, bereits geöffnet. Ivarsson nahm einen Schluck, dann versuchte er einen zusammenhängenden Satz zu bilden. „Da sind Greifen.. In der Flugbahn.. des Wyrms.. Er hat..“

„.. sie angegriffen?“, beendete Duane seinen Satz. Ivarsson nickte. „Voll abgedreht, Sire. Ich konnte nix machen.“

Er keuchte noch immer.

„Dreimal verfluchte Dämonenpforte“, donnerte Tyralion los. „Anfänger, Idioten, was hat sich die Feste dabei nur gedacht, solche Hohlköpfe..“

„Sire, Befehle?“ Duane fiel seinem Kommandanten ins Wort. Er wusste, täte er das nicht tun, würde die Tirade noch einige Minuten weitergehen. Kostbare Zeit, die sie nicht hatten.

Tyralion unterbrach den Monolog und starrte ihn an. Dann räusperte er sich.

„Ivarsson, ihr fliegt schnell zu ihnen, gebt ihnen Bescheid, dass sie sich verflucht noch eins herbewegen sollen, wenn ihnen ihr Leben lieb ist.“ befahl er dann geschäftsmässig. „Duane, schnapp' dir die Leuchtfeuerpistole und folg' ihm, lenk' das Mistvieh ab, und gefälligst hierher.“

„Aber Sire“, wagte Duane einzulenken.

„Widerspreche mir nicht! Sie wird dieses Mal nicht explodieren, das hat mir dieser Gnom dreimal versichert. Schnapp' dir die verdammte Pistole und lenk' den Wyrm zusammen mit Ivarsson hierher. Na los!“

„Ja, Sire!“ Die beiden Männer salutierten und eilten sofort zu ihren Greifen, um die Befehle auszuführen.




Zur gleichen Zeit, weiter südwestlich

Ylaria, bring den Greifen sofort zu Boden, wenn du überleben willst“ - Daireans Worte hallten in ihrem Ohr nach. Der Greif war nach dessen Sprung einige Schrecksekunden lang zu Boden gesackt, ehe er sich hatte fangen können. Ylaria hatte sich nur mühselig festhalten können. Sie wollte dem Greifen schon den Befehl geben zu landen, als sie sah, wie der Frostwyrm sich auf etwas stürzte, was am Boden lag. Ein Greif. Ein leiser, spitzer Schrei des Entsetzens entfuhr ihrer Kehle, ehe ihr Verstand wieder die Oberhand gewann. Sie konnte jetzt nicht landen. Sie würde eine Ewigkeit brauchen, um zu Fuss zu den anderen zu kommen, geschweige davon, dass sie Lorethiel da unten im Stich lassen würde. Das konnte sie einfach nicht.

Sie gab dem Greifen das Zeichen, schneller zu fliegen, direkt auf den Frostwyrm zu, schlang die Zügel um den Sattelknauf.

Dann sprach sie hastig die Worte für einen Zauber.

Es war nur ein mickrig kleiner Zauber gewesen, den Imenia auf den Frostwyrm gewirkt hatte. Einige Salven reiner, purer Magie, ihre Spezialität. Es hatte sie fast zu viel Zeit gekostet, und sie sah, wie der Frostwyrm bereits vorher von Lorethiels Greif abliess, von irgendetwas getroffen wurde. In dem Moment liess sie die Salve los.

Der Frostwyrm entwickelte eine ungeahnte Geschwindigkeit und schon fast sah Ylaria die Geschosse ins Leere gehen, doch dann erwischten sie das untote Tier doch. Sie rissen ein Loch in die Seite des Frostwyrms. Ein Ruck fuhr durch das ekelerregende Wesen, Knochen barsten, untotes Fleisch wurde in Fetzen weg geschleudert. Der Drache hielt im Fluge inne und schwebte an Ort und Stelle. Fast schon dachte Ylaria, ein erneutes Kreischen würde ihre Ohren zum Klingeln bringen, doch nichts geschah.

Ylaria verlor keinen Augenblick mehr, ergriff wieder die Zügel und drückte die Haken mehr denn je in die Seite des Greifen, steuerte mit ihm Imenia und den Rest der Gefährten an. Sie musste ihnen zu Hilfe eilen. Nur gemeinsam waren sie stark.

Als der Greif an Geschwindigkeit gewann, trotz seines protestierenden Krächzen, rauschte Imenia die kalte Luft um die Ohren. Sie sah nur undeutlich, wie sich das Maul des Drachen immer weiter öffnete. Sie sah nur, wie der Körper des Tieres weiterhin offensichtlich nicht in ihre Richtung gewandt war.

Sie sah nicht, wie der Drache in dem Moment, indem er seinen frostigen Atem aus der Schnauze entliess, den Kopf zu einem Grossteil in ihre Richtung drehte.

Ihr Greif kreischte auf, als ihn der frostige Atem seitlich erwischte. Innerhalb weniger Atemzüge war dessen linke, dem Drachen zugewandte Seite, zu Eis gefroren. Den Flügel überzog ein feines Muster aus Eiskristallen. Ylaria schrie auf, liess sich etwas zur Seite fallen. Dennoch frass sich die Kälte sofort durch ihre Glieder, traf sie bis ins Mark, so schien es ihr.

Sofort verlor der Greif an Halt, und trudelte samt Reiterin ungebremst Richtung Boden, einem fallenden Eisklotz ähnlich.


Zur selben Zeit weiter nördlich

Tyballin hörte das Kreischen, bevor er den Frostwyrm sah. Ebenso die fünf Hochelfen, die mit ihm flogen, auf ausgeruhten Greifen.

„Achtung“, rief er. „Da ist irgendwas“.

Sie waren die letzten zwei Tage durchgeflogen, und hatten vor zwei Stunden die Kristallschlucht im Norden der Drachenöde durchflogen. Er erwartete, die Reisegruppe jeden Moment anzutreffen, wenn sie – wie der Plan aussah – zeitig aufgebrochen waren. Wenn nicht, dann.. er wollte eigentlich gar nicht drüber nachdenken, was es bedeutete, wenn er Feuerblüte und den Rest des Trupps nicht antraf. < Dann beginnt wohl das grosse Suchen >, dachte er, während er nach dem Vergrösserungsrohr griff, das er in seinem Umhang verborgen hatte. Mit einer Hand hielt er weiterhin die Zügel, mit der anderen hob er es an ein Auge und blickte hindurch.

Was er sah, beunruhigte ihn. Ein Frostwyrm war nichts ungewöhnliches in der Drachenöde. Ein Frostwyrm, der abseits von der Front und der Feste von einem derart grossen Feuerball getroffen wurde, schon.

„Schneller“, rief er seinen Gefährten zu, und trieb seinem eigenen Greifen die Fersen in die Seiten. „Schneller, da unten ist etwas, wir..“ Als sein Auge endlich gefunden hatte, was er suchte, brach er den Satz mittendrin ab.

Er kniff die Augen zusammen, obwohl es nichts brachte. Er sah dadurch nicht klarer. Er sah nur, wie der Drache aufbäumte, nachdem er von dem Zauber getroffen worden war, und Kurs auf eine versammelte Gruppe Gestalten nahm, die er aus dieser Distanz nicht genau bestimmen konnte. Er zählte vier.. oder waren es fünf?

„Das könnten sie sein. Bereitet euch auf einen Kampf vor“, rief er den Hochelfen zu, und steckte das Fernrohr wieder ein.




Zur selben Zeit, weiter östlich

Die Kälte hatte ihnen nichts anhaben können. Zwar fröstelten sie, doch der magische Schild hatte das meiste abgehalten. Imenia meinte, etwas weiter südlich zu Boden fallen zu sehen, kümmerte sich in dem Moment aber schon wieder nicht mehr darum.

Der Frostwyrm war vor ihnen gelandet. Hammerschmied war einem Klauenhieb erstaunlich geschickt ausgewichen, den zweiten hatte er mit dem Schild abgefangen. Dabei war dieses zerbrochen. Hammerschmied warf es dem Frostwyrm an den Kopf und stiess einen grimmigen Schrei aus. Der dritte Klauenhieb verfehlte Hammerschmied, als Leireths Zauber den Frostwyrm mitten in die Brust traf, und diesen erneut schmerzerfüllt aufkreischen liess.

„Verian, versuch seinen Kopf zu treffen“, befahl Imenia, während sie versuchte, tief Luft zu holen. „Tallys, was TUT ihr da?“, schrie sie dann in die Richtung der Menschenfrau, die ihre Hände aneinander gedrückt hatte, und ängstlich blickte. Sie antwortete nichts, aber hob dann ihre Hände, die leicht golden schimmerten. Ihr Blick ruhte auf Hammerschmied.

Imenia verstärkte den Schild mit mehr Magie, und versuchte es vor Hammerschmied besonders stabil zu machen. Der Krieger stand auch im Schutzschild, doch natürlich war es nicht allmächtig. Das goldene Licht ging auf Hammerschmied über, und er lachte schallend, hieb mit dem Schwert nach dem Frostwyrm.

Imenia wog gerade ab, ob sie es wagen konnte, einen weiteren Zauber zu sprechen, als zwei Dinge auf einmal passierten.

„Brionna!“, brüllte Verian in Tallys' Richtung. „Bekämpft ihn mit eurem heiligen Licht“. Er hatte die Augen auf die Menschenfrau gerichtet, die ihn nur anstarrte. „Na macht schon! Das ist ein untotes Wesen. Tut es.“ Einen Atemzug lang reagierte sie nicht. Verian wollte schon dazu ansetzen, noch einmal etwas in ihre Richtung zu brüllen, als sie sich bewegte, zwei Schritt nach vorn trat, und dann erneut ein Gebet murmelte.

Im selben Moment landete ein Greif neben dem Trupp. Ein in Leder gehüllter Mensch sass darauf. „Helft mit“, japste er, holte Luft. „An der Front sin' Kanonen. Wir versuch'n das Ding wegzulocken. Geht in Deckung.“

Noch bevor Imenia etwas erwidern konnte, hörte sie einen dumpfen Knall, und sah ein leuchtendes Feuerwerk im Himmel explodieren.

„Du hast gut reden“, fuhr Leireth den Boten an. „Wir wissen nicht mal wo das ist.“

„Da lang“, deutete der Bote in die Richtung und hob dann sofort wieder ab.

Ein zweiter Knall dröhnte durch die Luft, und ein Feuerwerk explodierte in der Brust des Frostwyrms. Ein weiteres schrilles, fast schon schmerzerfülltes Kreischen waberte durch die Luft und hinterliess ein schrilles Klirren in Imenias Gehörgängen.

„Stirb, unheiliges Geschöpf“. Brionna hob beide Hände synchron, und ein dicker Strahl des goldenen Schimmern stob in schwindelerregender Geschwindigkeit auf den Frostwyrm zu, traf ihn mitten zwischen die 'Augen', nur Bruchteile nach der Explosion, die seinen Brustkorb zerrissen hatte. Hammerschmied hackte mit seinem Schwert nach der Klaue, die erneut auf ihn zugeschossen kam , und trennte einen Teil davon ab.

„Ja, weiter so“, stiess Imenia hervor, und begann dann wider besseren Wissens einen erneuten Zauber zu beschwören, um ihn dem Frostwyrm entgegen zu schleudern.

Das untote Tier entliess ein weiteres Kreischen, schlug mit den mächtigen Flügeln und machte einen Satz, um sich in die Lüfte zu erheben. Mit dem Schwanz wischte es über den Boden, und verpasste Hammerschmied einen mächtigen Hieb, der ihn einige Meter zur Seite war.

Als der Frostwyrm erneut das Maul öffnete, ohne zu kreischen, waren die drei Magier besser vorbereitet. Imenia brach die Beschwörung für den Zauber ab, und versuchte, so gut es ging, das Schutzschild zu stärken. „Deckung“, krächzte sie mit langsam heiser werdenden Stimme.

„Für das heilige Licht“, schallte es von Tallys.

Erneut brach ein eisiges Chaos über sie hinein, während der Frostwyrm sich ganz in die Lüfte erhob, und dazu überging, die Quelle der Explosion anzufliegen, sie in blinder Wut zu zerstören.




Zur selben Zeit, weiter östlich

„Frostwyrm nähert sich“, warnte einer der Wachposten. Die Kanoniere an der Front machten sich bereit. Die Zündstöcke, die sie schon die ganze Zeit gut gehütet hatten, wurden hervorgeholt.

„An die Arbeit Leute“, röhrte Tyralions Stimme trotz ihrer eigentlich hohen Stimmlage durch die Gegend. „Machen wir das Vieh zu gehacktem Untotenmist.“

Duane landete derweil direkt neben dem Lager, kurz darauf auch Ivarsson, der ihm wohl gefolgt war und dessen schneller Greif ihn fast aufgeholt hatte.

„Guter Schuss, Duane“, lachte der 'Wyrmköder', „Ich hätt's nicht besser gekonnt.“

„Danke“, grinste dieser.

„Quatscht nicht, geht in Deckung“, fuhr ein Soldat der Front die beiden Scherzkekse an.

Der Frostwyrm sah nur, wie die zwei Greifen landeten. In freudiger Erwartung der Beute, die ihn nun so lange genarrt hatte, fuhr er mir ausgestreckten Klauen voran aus der Luft nieder, um mit voller Wucht die kleine Zahl an Menschen zu töten, in der Luft zu zerreissen, und sich endlich zu rächen.

„FEUER“, gab Tyralion den Befehl. Sechs Kanoniere entzündeten die Lunten an ihren Harpunenkanonen.

Fast zeitgleich durchlöcherten die sechs Harpunen den sowieso schon arg zerfledderten und von den Zaubern und der Explosion in Mitleidenschaft gezogenen Körper des Frostwyrms, und kamen auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaus. Der Frostwyrm wurde durch die Wucht der Harpunen zurückgeworfen, kreischte erneut schmerzerfüllt auf, und wollte sofort fliehen.

„Ziehen, ziehen.. LOS ZIEHT DAS MISTVIEH HERAN. Bodentruppen bereit machen“, schallten Tyralions Befehle durch den Trupp.

Sofort begannen die Kanoniere der Kanonen die Harpunen, die an langen Stahlketten befestigt waren, wieder einzuziehen, zusammen mit fleissigen Helfern.

Der Drache wurde an der Flucht gehindert, und die schweren Stahlketten zwangen ihn unweigerlich zu Boden.

„Erledigt ihn“, schrie Tyralion, und warf sich dann als allererstes auf den Frostwyrm, gefolgt von einer Handvoll seiner tüchtigen Soldaten, während der nachtelfische Priester 'Elunes Licht' auf den Wyrm warf.

Es dauerte kaum zwei Minuten, da war der Frostwyrm besiegt. Tyralion schlug ihm eigenhändig mit der schweren Stangenwaffe den Kopf vom untoten Körper. Der Körper zuckte noch etwas, doch hörte bald auf sich zu bewegen, ohne die leitende Energie des untoten Kopfes.

„Verbrennt das Vieh“, keuchte Tyralion, und rümpfte die Nase. Es war doch immer dasselbe mit diesen Frostviechern. Eklig rochen sie, und wenn man ihnen den Kopf vom Rumpf trennte, lebten sie immer noch weiter.

Das einzige, was man da tun konnte, war Feuer. Viel Feuer. Und das Lichtgefunkel von Priestern.

Rasch befestigten zwei seiner Soldaten eine Handvoll gnomischen Sprengstoff am Kopf und Körper des Frostwyrms. Dann gingen alle in Deckung.

Mit einem mächtigen 'Rums' explodierten die Überreste des Drachen in hunderte, tausende kleiner stinkenden Fetzen, die sich über die ganze Umgebung verteilten.

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OOC: Keine Ahnung, aber dieses Forum macht mich manchmal wahnsinnig. Da kopiert man etwas 1:1 ausm Word, und ein Absatz mittendrin ist in anderer Schriftart als der Rest hier.. Lol?

Verzeiht, wenns ein bisschen komisch aussieht bei Ylarias Part, ich hab versucht, die Schriftart hier zu finden, aber es ist mir nicht ganz gelungen.

@Albra: Ich - oder eher Tyralion - bevorzuge die Wortschöfpung: "Untote Mistviecher" :DD
 
wenn sie ärger machen sind sie am ende mausetot egal ob lebend oder untote mistviecher
so ein frostwyrmschaschlik hat was wobei ich zugeben muss das ich leicht froh bin aus der eieskälte rauszusein... wobei feuerlande auch nicht grade das war was ich mir erhoffte...
und da soll man keine erkältung bekommen

nya wieder schön geschrieben auch wenn ich ein bisschen enttäuscht bin das sich der spion nicht mit eingeschaltet hat wobei ich sien zögern durchaus nachvollziehen kann aber man killt so ein biest auch nicht alle tag.. zumindest als nicht spieler *hust*
 
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nya wieder schön geschrieben auch wenn ich ein bisschen enttäuscht bin das sich der spion nicht mit eingeschaltet hat wobei ich sien zögern durchaus nachvollziehen kann aber man killt so ein biest auch nicht alle tag.. zumindest als nicht spieler *hust*

Hrhr Schaschlik.

Nur mit der Ruhe, Dairean kommt auch noch vor - ich habe ihn absichtlich in diesem Kapitel herausgehalten, sonst wär das zu unübersichtlich geworden.
Aber eben: Er ist ein Spion, kein heldenhafter Kämpfer wie bspw. Connell. Er hat einen Auftrag und das hat Prio.
Und ein guter Spion sieht keine Entehrung in der Flucht, wenn es brenzlig wird.
 
Wieder mal ein gelungenes Kapitel. Diesmal etwas mehr in Richtung Action, eine gut eingearbeitete Unterbrechung zum Verschworen und sicherlich perfekt um sich auf den kommenden Teil einzustellen wenn Dairean wieder umherschleicht.
 
Es dauerte nicht lange, und Dairean hatte gefunden, was er suchte. Neben einigen kleinen Rationen Lebensmittel grub er schliesslich einen rechteckigen, aus Holz gefertigten Kasten aus der vom Greifenkadaver begrabenen Satteltasche. Es hatte ihn fast seine gesamte übrige Kraft gekostet, den schweren toten Körper zur Seite zu hieven, doch mit nachdem er sich mit seinem ganzen Gewicht hinein gestemmt hatte, schaffte er es schliesslich.

Er gestattete sich einen kleinen Blick auf den Inhalt, der unscheinbar wie der Kasten selbst war. Ein fast schon verrosteter, dreckig wirkender Griff, der wohl einmal zu einem Schwert gehört hatte. Runen waren in den Stahl geprägt worden, die Dairean immer noch erkennen konnte.

Er klappte den Deckel zu, und hievte sich wieder hoch. Er konnte auch später noch einen Blick darauf werfen. Jetzt war es wichtig, dass er von hier wegkam.

Es dauerte viel zu lange, bis er die wenigen Meter zu Phönix gestapft war. Der Schnee schien an seinen Füssen absichtlich zu verklumpen, und ihn zu hindern. Keuchend kam er bei Phönix an. Eine Satteltasche war noch übrig geblieben &#8211; Dairean konnte nur hoffen, dass sie das enthielt, was er hoffte. Er machte sich keine Illusionen über den Verbleib seiner persönlichen Besitztümer, vor allem der Kommunikationsscheibe, aber er hoffte..

Noch während er nachdachte, die Hände in der Satteltasche vergraben, flatterte Phönix auf einmal mit den Flügeln und kreischte auf. Dairean drehte sich sofort um, nur um zusehen, wie der Frostwyrm sich plötzlich von der Stelle abgewandt hatte, auf die er stetig mit seinen Klauen eingedroschen hatte, nachdem er Lorethiel erfolgreich erwischt hatte.

Der Frostwyrm wandte sich in die Richtung von Ylaria!

&#8222;Närrin", fluchte Dairean leise und wandte sich wieder Phönix zu. &#8222;Still jetzt, wir verschwinden hier gleich." Seine Hand ertastete endlich, was er suchte, und schnell zog er den Beutel mit Blutdistelpulver aus dem Geheimfach in der Satteltasche.

Während er versuchte, mit zitternden Fingern den Beutel zu öffnen, drehte er sich wieder um. Der Frostwyrm war zu weit weg, um ihn und seinen Falken mit seinem Frostatem ernsthaft zu gefährden, doch spürte er den eiskalten Wind, der auch in seine Richtung flog, doch er ging nicht in Deckung. Es war nicht notwendig, und gerade zählte etwas anderes viel mehr.

Er strich sich zwei grosse Portionen Pulver ins Zahnfleisch und rieb es hinein. Die beissende schärfe des Pulvers trieb ihm Tränen in die Augen, aber gleichzeitig spürte er sofort, wie sich Wärme aus seinem Kiefer im ganzen Kopf verbreitet, wie sie weiter hinabfuhr, seinen Hals erfasste, und dann den Brustkorb. Ein leiser, zischender Laut entfuhr ihm, und er blinzelte, rieb sich die Stirn. Blinzelte noch einmal, und verschloss das Säckchen dann.

Der erste Schub wärmte seinen ganzen Körper. Der zweite Schub weckte ihn auf. Energie floss durch seinen ganzen Körper bis in jede Zehenspitze. Seine Handflächen kribbelten, und seine Nase hörte auf zu fliessen. Er blinzelte erneut, und hielt sich an Phönix' Sattel fest. Die Wirkung war fast zu überwältigend. Einen Moment befürchtete Dairean, zu viel genommen zu haben.

Sein Schwindel schwand, und auch die Kopfschmerzen, die ihn geplagt hatten. Stattdessen spürte er auf einmal seinen Magen knurren. Er grinste. Dann lachte er schallend.

Nein, es war nicht zu viel gewesen. Es war genau richtig gewesen.

Belebt mit neuer Energie stopfte er den Kasten mit dem Schwertgriff in eine der Satteltaschen, schloss sie und schwang sich leichtfüssig auf den Drachenfalken.

&#8222;Na dann wollen wir mal, Phönix." Er gab Phönix das Zeichen, sich in die Lüfte zu erheben, und der Drachenfalke antwortet mit einem leisen Laut der Zuneigung, ehe er einen Satz machte, und sich in die Lüfte erhob. Dairean blickte sich in der Umgebung um und versuchte sich zu orientieren. Er musste wissen, wohin er Phönix lenken sollte, um möglichst schnell in ein sicheres Gebiet zu kommen. Er machte sich keine Illusionen &#8211; der Drachenfalke war zwar kurzzeitig belebt davon, dass Dairean ihn wieder führte, aber das Tier musste ebenso erschöpft sein wie die Greifen. Er konnte nicht allzu weit reisen. Zumal er keinen Proviant dabei hatte, der für den Falken passend gewesen wäre. Er wagte es nicht, dem Drachenfalken vom Greifenkadaver Stücke abzuschneiden, dann er wusste nicht, wie viel Verseuchung der Frostwyrm hinterlassen hatte, als seine dreckigen Klauen die Seite des Greifen aufgerissen hatten.

Phönix schlug mehrmals mit den Flügeln, um an Höhe zu gewinnen, während Dairean sich weiter umschaute. Zu seiner Rechten sah er den Wyrmruhtempel, wie er sich elegant in die Höhe wand, selbst auf diese weite Distanz. In der Ferne nahm er die Bergketten wahr, die die Drachenöde östlich und nördlich eingrenzten. Er kniff die Augen zusammen.

Irgendwo hinter der Bergkette befand sich ein Lager der Verlassenen. Es lag sehr nahe. Allerdings kam er dabei der Feste ziemlich nahe, in der die 7. Legion stationiert war.

Er wand den Kopf herum, während er Phönix etwas nördlich fliegen liess. Im Westen erkannte er kaum etwas, was ihm einen Anhaltspunkt gegeben hätte. Dairean seufzte. Er wäre lieber gen Agmars Hammer geflogen, nicht zuletzt, weil er Orcs den Verlassenen eindeutig bevorzugte.

&#8222;Horde", murmelte er verächtlich, und liess Phönix weiterhin langsam über die Landschaft gleiten. Es wäre allerdings eine Wahl zwischen Dreck und Schlamm gewesen, beides etwa gleich schlimm. Er war sich nicht sicher, in welchem der beiden Stellungen der Horde er möglicherweise Kontakt nach Dalaran aufbauen konnte.

Sein Blick fing im Westen nur eine undurchdringliche, fast schon düster wirkende Wolke auf, die langsam in Nebel überging, und ihn immer noch nichts erkennen liess, weder das Gebirge, welches die Drachenöde von der Tausendwintersee abgrenzte, noch die Ausläufer der dunklen Feste des Lichkönigs, die sich im südlichsten Punkt des Eiskronengebirges in dessen Ausläufer gebohrt hatte, und deren dunkles Tor von Stellungen der Allianz und der Horde gleichermassen belagert wurde.

Er seufzte. Dann würde es also nach Osten gehen. Er drehte den Kopf wieder. Um das Verlassenenlager zu erreichen, musste er sich deutlich weiter südlicher ausrichten &#8211; es befand sich am südlichen Ende der Gebirgskette.

&#8222;Phönix, Süden", sagte er und zog an Phönix Zügeln. &#8222;Fliegen wir unserer Rettung entgegen."

Er grinste. Das Blut pochte in seinen Adern, er war erfüllt von einem Hochgefühl, welches er seit Tagen nicht mehr verspürt hatte.




Ylaria versuchte sich abzufangen, aber der eisig kalte Schmerz des frostigen Atems hatte sich so präsent in ihren Geist gefressen, dass sie es nicht schaffte, in der kurzen Zeit, ihn der sie und der Greif in die Tiefe trudelten und schliesslich hart auf den Boden aufschlugen. Dass der Greif ihren Sturz etwas abfederte, nützte auch nicht mehr viel. Sie kam mit dem Fuss zuerst auf. Das Gelenk verdrehte sich und sie stürzte zur Seite. Schmerz durchfuhr sie. Ein Knacksen eines Knochens zuckte ihr bis ins Rückenmark.

Sie schrie, fasste sich mit den Händen an ihr Bein, hielt es fest, versuchte den Schmerz zu stillen.

Der Greif zuckte noch ein paar Mal, ehe er schliesslich verendete.

Sie wünschte, ihr würde schwarz vor Augen werden, aber nichts geschah. Wie glühende Speere fuhr ihr der Schmerz weiterhin durch den ganzen Körper, trieb eiserne Spitzen in ihr Fleisch.

Sie versuchte sich etwas aufzurappeln, aber jede Bewegung schickte neue Stösse durch ihren rechten Unterschenkel. &#8222;Hilfe" entfuhr es ihr, doch niemand hörte sie. Niemand würde sie hören.

Das schrille Kreischen des Frostwyrms drang ein weiteres Mal durch ihren Körper, ein zweites und schliesslich ein drittes Mal. Nichts geschah. &#8222;Hilfe", wimmerte sie erneut. Zu leise, viel zu leise, so konnte das nicht.. Sie brauchte Hilfe..

Keuchend versuchte sie sich aufzusetzen, hielt inne und biss sich auf die Lippen, als erneut Schmerz durch ihren Körper schoss. Schlimmer als alles, was sie bisher gespürt hatte.

Sie wagte einen Blick und sah ihren Unterschenkel in einem unnatürlichen Winkel abstehen, sah ihren eigenen Knochen, der sich durch den Stoff gebohrt hatte.

Dann wurde ihr endlich schwarz vor den Augen.




Phönix flog einen weiten Halbkreis, um die Flugrichtung wie von Dairean befohlen gen Süden abzudrehen. Dairean schaute mehr zufällig als bewusst in die Richtung des Frostwyrms. Er nahm an, dass die Silberbundler längst alle tot waren, doch dem war offensichtlich nicht so. Der untote Drache war weitergeflogen, weiter östlich. Dairean wunderte sich nur einen kurzen Augenblick darüber. &#8222;Phönix, schneller", befahl er, und drehte den Kopf wieder. Dann fiel ihm etwas ins Auge. Ein Greif und eine ausgestreckte Gestalt lagen am Boden.

&#8222;Was bei allen.." Er zog an Phönix Zügeln, und der Drachenfalke protestierte leicht kreischend, als er innerhalb weniger Atemzüge ein zweites Mal die Flugrichtung wechseln musste. Dairean kniff die Augen zusammen und versuchte zu erkennen, wer dort lag. Aber eigentlich gab es keinen Zweifel.

Er hatte nicht mitbekommen, wie der eisige Atem des Frostwyrms Ylaria und ihren Greifen getroffen hatte, aber er konnte es sich denken.

Ein leichtes Grinsen überzog sein Gesicht. < Wunderbar, mehr Vorräte für mich. >, dachte er. &#8222;Und Futter für dich, Phönix. Schnell, die Zeit reicht noch, lass uns hin fliegen und zusammenraffen, was geht." Er tätschelte Phönix die Halskrause. Beim Wort &#8222;Futter", welches Dairean extra betonte, flatterte der Falke schneller mit den Flügeln. Phönix wusste, was das Wort bedeutete.

Nur wenige Momente später erreichten sie die Stelle. Dairean sprang geschmeidig aus dem Sattel. Sein Blick wanderte sofort zum Greifen, dessen halbe Seite dunkel gefärbt und mit Eiskristallen bedeckt war. Es gab keinen Zweifel, dass er fast noch im Flug erfroren war. Der Atem eines Wyrms hatte eine solche Wirkung.

Er griff in seine Satteltasche, aber fand den Dolch nicht, der sich immer darin befunden hatte. Leise fluchte er. Das hatte er nicht bedacht. In seiner Gier nach dem Pulver hatte er gar nicht geprüft, ob er noch Waffen besass.

&#8222;Drachenfalkenpisse", fluchte er, und stapfte ohne Waffe zu dem Greifenkadaver, um dessen Satteltaschen zu durchsuchen.

Lorethiels Leichnam lag jetzt viele Schneewehen weiter südwestlich .- er hätte ihn vorher um seine Waffen erleichtern sollen, denn nun war die Zeit zu knapp, um noch einmal zurückzufliegen. Es konnte nicht mehr lange dauern, und der Wyrm hätte entweder alle Anwesenden eliminiert, und würde sich auf die Suche nach ihm machen, oder die Kämpfer waren erfolgreich. Im letzten Falle würde auch nicht viel Zeit vergehen, ehe sie nach Ylaria, ihm oder Lorethiel suchten.

Ein leises Stöhnen drang an sein Ohr. Er fuhr herum. Ein schmerzerfülltes Wimmern kam von der Gestalt, die bisher leblos im Schnee gelegen hatte. Er hatte gemieden, sie anzusehen.

Ein erneutes Stöhnen, das in einem Keuchen endete.

Sie lebte noch?

Er liess ab von der Satteltasche, in die er gerade seine Hand hatte gleiten lassen, und überwand durch das Blutdistelpulver beflügelt die Distanz zu Ylaria, kniete sich neben ihr nieder.

Nur wenige Blicke genügten ihm, um zu sehen, dass sie ihr Bein stark verletzt hatte. Es war nicht der erste Knochenbruch, den er zu Gesicht bekam, aber es war definitiv einer von der übleren Sorte.

Phönix scharrte mit den Klauen im Schnee herum, und glitt langsam näher zu ihm.

&#8222;H.. hilf.. Hilfe." Ylaria schlug die Augen auf, und murmelte das Worte, ehe sie schluchzte und keuchte. Der Schmerz musste kaum aushaltbar sein.

Er stand auf und blickte auf sie nieder.

Sie erkannte ihn und riss die Augen auf, hob eine Hand, wie um ihn abzuwehren. Lächerlich. Als ob er ein Dämon oder so etwas war. &#8222;Da.. nicht.. was.. Hilfe.." murmelte sie schwach.

Phönix hielt sich dicht neben ihm in einem schwebenden Zustand. Er drehte sich weg von Ylaria und blickte den Drachenfalken an.

Er wusste, was er tun sollte. Er sollte Ylarias Greifen nach ihrem Schwert durchsuchen, die verbliebenen Rationen Proviant zu sich nehmen und für Phönix einen Brocken Fleisch aus dem Greifenkadaver hinaus schneiden. Dann sollte er sich auf Phönix schwingen und zusehen, dass er hier wegkam.

Er wusste, was er zu tun hatte. Und doch tat er es nicht.

Mit einem Seufzen drehte er sich wieder um und kniete sich erneut neben sie.




Brennender, glühender Schmerz durchzuckte sie, selbst als sie lag. Sie wimmerte nach Hilfe,und schwieg dann, öffnete die Augen. Bereits dachte sie, Schritte gehört zu haben, aber es war nicht möglich. Ihr Verstand gaukelte ihr in den letzten Momenten ihres Lebens Halluzinationen ein, so musste das sein.

Sagte man nicht immer, dass kurz vor dem Tod das gesamte Leben als Erinnerungsfolge vor dem Auge erschien? Eine richtige Lüge war das. Sie sah nichts, sie spürte nur diese brennenden Schmerzen.

Sie öffnete die Augen, als sich jemand neben ihr hinkniete und starrte ihn an. Starrte den an, den sie nicht sehen wollte. Nicht so. Nicht der. Der sollte sie nicht retten.

Nein, nein, wollte sie schreien, aber nur ein Krächzen kam aus ihrem Mund. Er erhob sich wieder. Nichts anderes hatte sie erwartet. Er würde sie hier liegen und sterbenlassen, nichts anderes hatte sie..

Als Dairean sich erneut neben sie hinkniete, und mit einer Hand ihren Knöchel packte, mit der anderen ihr Knie, wogte eine Welle von Schmerz über sie, die alle bisherigen Schmerzen in den Schatten stellten. Ein unangenehmes, hässliches knacksen fuhr durch ihren Körper, und sie schien fast zu spüren, wie ihr Knochen zurück ins Bein fuhr, dorthin, wo er hingehören sollte, wie sich die zackigen Stellen des Bruches ineinander fügten, wie wenn sie nicht mehr gebrochen wären. Sie spürte die Kälte nicht mehr, nur noch glühende Lava, so schien es ihr, die über ihr zusammen schwappte, und sie in einen Strudel mitriss. Sie schrie, als er ihr das Bein notdürftig richtete und etwas fest darum band. Als er sie auf den Drachenfalken lud, sank sie erneut in eine Ohnmacht.

Sie bekam nicht mit, wie Dairean Phönix' Zügel in die Hand nahm, und begann, durch den dichten tiefen Schnee zu stapfen, Phönix mit seiner lebenden Fracht in Bodennähe hinter sich herziehend.


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OoC: Entschuldigt, diese Woche hatte ich einige private Probleme, die meine Kreativität geblockt haben. Dafür hat mich heute der Herr hier inspiriert (Klick)
Es sollte jetzt schneller vorwärts gehen, hab ja Urlaub.​
Lg,​
Melian
 
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Jaaa, neuer Nachschub.

Habs aber schon durchgelesen... ich will mehr... ich will mehr... ich will... MEHR!!!!!
 
OoC: Neues Futter? Zu Befehl
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Imenia fror am ganzen Körper. Sie zitterte. „Nur einen Moment hinknien“, murmelte sie, und sank in die Knie, in den kalten Schnee. Sie war erschöpft. Zuviel Magie war durch sie hindurch geströmt, und bereits spürte sie, dass sie drohte, instabil zu werden. Magie war gefährlich, Magie war machtvoll. Zuviel Magie innerhalb kurzer Zeit – selbst von der reinen Leylinienmagie – war eine Gefahr für jeden Wirker.

Sie schloss die Augen und versuchte sich auf ihre Atmung zu konzentrieren, legte ihre Hände in den Schoss.

Nachdem der Frostwyrm von ihnen abgelassen hatte, war Brionna sofort zu Connell geeilt. Verian hatte den Schild weiter aufrecht behalten, während Leireth dem Wyrm einen weiteren Zauber hinterher geschleudert hatte.

Sie hörte ein Geräusch. Es hörte sich fast wie das Flattern von Flügeln an. Aber das konnte nicht sein. Ihre Greifen waren doch mit ihnen gelandet.

Ruckartig öffnete sie die Augen und stand auf. Nur wacklig kam sie auf die Beine, aber sie drehte sich sofort zu den Greifen um. Wenn die Tiere flüchten würden, dann wären sie hier verlo..

„Tarnel, Vyen, fliegt zur Unterstützung an die Front. Seht zu, dass ihr diesen Wyrm erledigt.“ Arkanist Melodir Tyballin rief die Befehle an seine Leute, woraufhin sich ein Elf und eine andere Elfe weiterflogen. „Der Rest bleibt hier!“

Die Flügelschläge waren von Tyballins Greifen gewesen! Imenia atmete auf und lächelte, während Tyballin seinen Greifen landen liess. Nur wenige Momente brauchte er, um die Distanz zu ihr zu überwinden, und ihr eine Hand auf die Schulter zu legen. Die anderen Elfen sicherten sofort die Umgebung, auch wenn der Drache längst weg war, einer versuchte die scheu gewordenen Greifen zu beruhigen, ein anderer eilte zu Brionna und Connell, und versuchte zu helfen.

„Tyballin.. Ihr seid.. hier. Sehr gut“, brachte Imenia noch zustande, versuchte möglichst ruhig zu klingen.

„Imenia, verzeih, wir flogen so schnell wir konnten, als wir den Drachen gesehen haben“, seufzte Tyballin. Imenia gewann langsam etwas an Standfestigkeit.

„Gibt es Verletzte?“, fragte Tyballin.

„Ja.. es hat.. Hammerschmied erwischt. Tallys kümmert sich um ihn.“

Tyballin nickte. „Gut, wir schaffen ihn in die Feste der 7. Legion. Das sind zwar noch einige Stunden Flug, aber wenn er ordnungsgemäss versorgt wird, dürfte das möglich sein. Sonst bauen wir ihm einen Schlitten.“

Imenia klammerte sich an Tyballins Arm, der ihr auf der Schulter lag, und hielt sich fest.

„Dämmerpfeil.. Er.. war hinter uns. Und Silbersang mit dem.. Spion.“

„Also hatten wir Recht“, seufzte Tyballin. „Zum Glück hat euch unsere Nachricht rechtzeitig erreicht.“

„Mhm“, sagte Imenia.

„Wir reden später.“, entschied Tyballin und drehte sich etwas von ihr weg, um Befehle zu erteilen. Es dauerte nicht lange, da war der Mensch, der aus seiner Plattenrüstung geschält worden war, auf einen Greifen gesetzt worden. Er hatte zwar Verletzungen davongetragen, aber offensichtlich keine derart schweren, dass er nicht schon wieder grinsen konnte. Imenia hörte ihn sagen, dass es ein guter Kampf gewesen wäre. Brionna nahm wie selbstverständlich hinter ihm auf dem Greifen Platz. Tyballin befahl seinem Gefolge, den beiden zu folgen und sie bis zur Feste zu eskortieren. Die Silberbundler stiegen auf ihre Greifen und nahmen zusammen mit dem Greif von Brionna und Connell Kurs auf auf die Feste im Osten der Drachenöde.

Tyballin drehte sich zu Imenia, die mittlerweile zu ihrem Greif gegangen war, und sich mühsam auf dessen Sattel gehievt hatte.

„Wo hast du sie zuletzt gesehen?“ Er näherte sich Imenias Greif und nahm die Zügel in die Hand.

Imenia stockte einen Moment. „Hinter uns. Lorethiels Greif.. war langsamer, weil.. er überanstrengt war, glaube ich.“

„Und Silbersang?“

„Noch weiter hinten, glaub ich. Ihr Greif musste doppeltes Gepäck tragen. Ich weiss nicht.. Ich habe mich nicht umgeschaut.“ Imenia liess den Kopf hängen. Wie konnte sie das nicht wissen? Sie schämte sich. Sie war für ihre Leute verantwortlich gewesen, aber sie hatte es zugelassen, dass sowohl Lorethiel als auch Ylaria viele Meter hinter ihnen geflogen waren. Sie hatte angenommen, dass nichts geschehen konnte. „Es tut mir leid, ich sollte das wissen. Ich weiss auch nicht..“

„Und ob du das wissen solltest“, erwiderte Tyballin. „Warum hast du sie überhaupt so weit hinter dir fliegen lassen?“, wollte er wissen.

Verian trat neben Imenia. „Verzeihung, Arkanist. Wir hatten alle wenig Schlaf. Und wir haben alle Ylaria vertraut, dass sie jede Situation bewältigen kann.“

Tyballin brummte. „Das ist keine Antwort, aber lassen wir das vorerst und sehen zu, dass wir die anderen finden, und auch zur Feste schaffen. Inklusive dem Spion.“

„Ja, Sire“, salutierte Leireth, die hinzugetreten war, und eilte zu ihrem Greif.

Imenia wusste nicht, ob Leireths Geschwindigkeit daran lag, dass sie begierig war, den Spion zu erwischen, oder ob sie wirklich pflichtbewusst war. < Früher hätte ich gedacht, sie wäre zweiteres.. Heute.. bin ich mir nicht so sicher >, dachte sie und überhörte eine Frage von Tyballin

„Imenia?“, durchbrach der Arkanist ihre Gedanken.

„Eh.. ja..?“

Tyballin seufzte. „Konzentrier' dich noch einen Augenblick, ihr könnt heute Abend alle ausruhen. Himmelswispern, setzt euch auf euren Greif, na los.“

Verian salutierte, und eitle fort. Erst dann fixierte Tyballin Imenia mit seinem Blick. „Wo ist er?“

Imenia blickte zu Tyballin. Sie wusste, er meinte den Schwertgriff. „Dämmerpfeil hatte ihn“, sagte sie schliesslich. Vermutlich würde sie das ihren Rang kosten, aber sie hatte sich ihre Entscheidung gut überlegt. Tyballin blickte sie immer noch durchdringend an.

„Hör mir zu, wir hatten Kontakt zu..“

„Du kannst es mir nachher erklären, wenn wir das Artefakt wieder in unseren Händen haben. Ich gehe davon aus, dass du einen guten Grund hattest. Ich gehe davon aus.“ Er wandte sich von ihr ab, und stapfte zu seinem eigenen Greif, der aufgeregt mit den Flügeln schlug.

Seine letzten Worte enthielten eine offene Drohung. Imenia wusste, dass er ihr zuhören würde. Sie hoffte nur, dass er ihre Begründung auch akzeptieren würde. „Heiliges Licht sei mir gnädig“, seufzte sie.

Sie gab ihrem Greifen den Befehl, in die Luft abzuheben, und flog dann voran, ungefähr in die Richtung, in der sie Dämmerpfeil und Silbersang erwartete




Es dauerte nicht lang, da erblickte Verians scharfes Auge die Schneewehe, in der ein toter Greif lag. Daneben, nur wenige Meter entfernt, lag eine Gestalt, das Gesicht im Schnee. Imenia konnte in der Luft erkennen, dass der Greif tot sein musste – sein Brustkorb war aufgerissen, und Blut hatte den Schnee weitflächig gefärbt.

Sie liessen ihre Greifen landen.

Imenia hatte die Hoffnung gehabt, dass Lorethiel noch lebte, doch ihre Hoffnung zerstörte sich, als Tyballin die Finger an Lorethiels Hals legte und dann den Kopf schüttelte.

„Er ist tot.“, sagte er, und drehte den Körper des Elfen schliesslich herum.

„Möge die Sonne ihn auf seinem Weg begleiten“, murmelte Verian, und wandte sich etwas ab. Keiner von ihnen hatte Dämmerpfeil wirklich gekannt, aber jeder tote Silberbundler war ein herber Verlust.

Tyballin erhob sich wieder. „Wir nehmen ihn mit“, entschied er. „Himmelswispern, Himmelsflamme, nehmt aus meinem Gepäck die Seilrolle und bindet den Leichnam auf Feuerblütes Greif. Sie wird mit mir fliegen.“

Imenia war zu erschöpft um zu protestieren. Sie hatte sich dem Greifenkadaver genähert, und sich niedergekniet. Es war ihr egal, dass sie mit den Knien in blutgetränktem Schnee aufkam, sie wollte dies hier nur zu Ende führen. Den Kasten zu sich nehmen, aufsitzen, in die Feste fliegen und an ein Feuer sitzen. Nicht mehr. Ein Feuer erschien ihr in diesem Moment wie eine Verlockung, die ihresgleichen suchte. Sie fror, sie war müde, sie war erschöpft, die Versuchung der Magie brannte in ihren Adern.

Ihre Finger fuhren durch die eine Satteltasche und fanden.. nichts?

Sie erhob sich und suchte nach der zweiten Satteltasche, fand sie losgelöst vom Sattel am Boden liegend. Als ihre Hand hineinfuhr, und auch hier nichts fand, starrte sie eine Weile dumpf vor sich hin.

„Hast du den Griff?“, fragte Tyballin, der sich ihr genähert hatte.

Das konnte nicht sein. Sie hatte ihn doch.. „Nein, er ist.. weg.. wie.. kann das.. Ich habe ihn hier hinein getan, ganz sicher.. Ich..“

Tyballin trat einige Schritte näher an den Greif. „Hier sind Fussspuren“, sagte er ruhig und blickte dann in ihre Richtung.

Sie blickte zurück. Sie mussten sich nicht verständigen, um zu wissen, dass sie beide dieselbe Vermutung hatten.

„Sag den anderen vorerst nichts“, befahl Tyballin, und zerrte sie dann mit sich zu seinem Greifen.




Etwas später, viel weiter östlich




Phönix protestierte. Das zweite Mal in wenigen Minuten. Die Abstände zwischen den Flügelschlägen hatten sich immer weiter vergrössert.

Dairean seufzte. Der Drachenfalke war am Ende seiner Kräfte. Er wusste es, und er konnte es nun nicht mehr ignorieren.

Er sah sich um. Noch immer hatte er nicht gefunden, was er suchte.

Trotz der grossen Dosis Blutdistelpulver wurden seine Füsse langsam müde, als er durch den Schnee stapfte. Er wagte es nicht, zurückzublicken. Seit er sie auf den Drachenfalken geladen und sie darauf festgebunden hatte, so gut es ging, hatte sie keinen Ton mehr von sich gegeben.

Er blickte zurück zu ihr, nur um zu sehen, dass sie wohl noch immer ohne Bewusstsein war.

„Na komm Phönix.. Noch ein Stückchen.. Hier um den Felsen, es müsste hier..“

Er brach ab, denn vor ihm tat sich ein Abgrund auf. Nicht tief, vielleicht drei oder vier Meter, aber es war wie eine Schlucht, gehauen direkt aus dem steinernen Untergrund. Die Wände der Schlucht waren reiner Fels, so glatt, dass nicht einmal der Schnee daran haften blieb.

Dairean lächelte.

„Siehst du.. Da unten.. Wir müssen nur noch den Abstieg finden.“

Er zog Phönix mit sich, als er sich umdrehte und begann, der Schlucht zu seiner linken Seite zu folgen.

Wenn ihn nicht alles täuschte, würde dort ein Zugang hinab in die Schlucht führen. Er kniff die Augen zusammen, doch der grelle Schnee blendete ihn, so dass er nicht viel erkannte.

Er hoffte, es war noch so, wie er es damals vorgefunden hatte. Damals, vor wenigen Monaten, als er vom Schneesturm überrascht worden war. Er erinnerte sich ungern an die Stunden zurück, in denen er orientierungslos durch die unendlich wirkende Schneeödnis gestapft war, Phönix an den Zügeln hinter sich her führend, peitschende Winde, die ihm bis ins Mark fuhren. Er hatte gegen den Drang, sich in den Schnee zu legen, ankämpfen müssen, wusste er doch, dass dies für jeden den Tod war, der sich diesem Bedürfnis hingab.

Nach wenigen Minuten und einem weiteren protestierenden Kreischen von Phönix hatte er gefunden, was er suchte – ein Zugang.

Das Hinuntersteigen in die Schlucht war ein Krampf an sich. Phönix schwebte hinunter, doch er rutschte mehr, als er wirklich ging, und landete schliesslich unten Kopf voran im Schnee.

Fluchend erhob er sich wieder, und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht.

Damals war es ihm nicht so gut gegangen. Er war hinuntergestürzt, denn er hatte den Abgrund nicht gesehen, der sich vor ihm abrupt aufgetan hatte. Der Schnee hatte seinen Sturz zwar abgefangen, aber seine Schulter ausgekugelt. Dennoch hatte ihm dieser Sturz damals das Leben gerettet, denn er war direkt vor einer kleinen Höhle gelandet, in die er sich geschleppt hatte.

Sie war nicht warm gewesen, sondern eiskalt, hatte nach verendenden Tierkadavern gestunken aber sie war wenigstens trocken gewesen, und zusammen mit Phönix hatte er ausgeharrt, bis der Sturm endlich vorbei gewesen war.




Und nun stapfte Dairean ein zweites Mal diese Schlucht entlang. Ylaria wimmerte leise, aber ein prüfender Blick von ihm verriet, dass sie immer noch nicht bei Bewusstsein war. Das war wohl auch besser so – er wollte sich gar nicht vorstellen, wie sehr sie schreien würde, wenn sie aufwachte.

Ein Felsen kam ihm bekannt vor, und nachdem sie eine leichte Kurve in der Schlucht hinter sich gebracht hatten, sah Dairean endlich den Zugang zur Höhle. Fast hätte er ihn übersehen, soviel Schnee war davor angehäuft, aber er fand sie.




Er schaufelte den Schnee vom Eingang weg und verfluchte die Ironie des Schicksals, die ihn ein zweites Mal in diese verlassene, elende Höhle geführt hatte. Er wollte nicht darüber nachdenken, warum das so war, denn das würde Fragen aufwerfen, denen er sich nicht stellen wollte.

„Ich hätte hier sowieso halten müssen, nicht wahr, Phönix“, sagte er zu dem Drachenfalken, als er das Tier in die Höhle hinein zerrte. Phönix wehrte sich natürlich, aber gab schliesslich nach, und flatterte durch den engen Zugang.

„Du bist nämlich müde. Sehr müde. Du hättest auch mich nicht die ganze Strecke tragen können, nicht wahr?“

Der Drachenfalke rollte sich auf dem Boden zusammen, und gab ab und zu Laute des Protests von sich, während Dairean Ylaria hinein trug, und sie auf den Boden legte.

Einzig ihren Kopf bettete er auf seinen Oberschenkel, ehe er seinen Umhang stärker um sich zog und sich an den kahlen Felsen lehnte.

„Nur ein paar Stunden ausruhen“, murmelte er. „Dann.. dann..“

Er beendete den Satz nicht, schloss die Augen.
 
War nicht anders zu erwarten, wieder ein guter Teil.
 
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Finderlohn

Imenia sass nahe des Feuers in der Gaststube des Gasthauses in der Feste Wintergarde.

Ihre Hände schlossen sich etwas enger um die Tasse, die ihr die freundliche Gastwirtin gegeben hatte. Sie war gefüllt mit einem heissen Getränk, dass sie nicht identifizieren konnte. Süss schmeckte es, und gleichzeitig stark. Es schien alle Sinne zu beleben, und sie von innen heraus zu wärmen.

Sie hatten noch mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Stunden damit verbracht, nach dem Griff, dem Spion oder – was noch viel schlimmer war – Ylaria zu suchen. Doch sie hatten nichts gefunden.Weder hatten sie sie lebendig angetroffen, noch ihre Leiche. Nur vereinzelte Blutspuren, von denen sie nicht genau bestimmen konnten, ob sie zu der Elfe gehörten oder zum toten Greifen. Der Schnee war zu aufgewühlt gewesen, um Spuren zu erkennen.

Und dann mussten sie die Suche abbrechen. Gerade noch rechtzeitig hatten sie die Feste Wintergarde erreicht, bevor ein von den nördlichen Bergen ausgehender Sturm über sie hinweggefegt war.

Sie seufzte. Müdigkeit, so schwer wie ein Brocken Mithrilerz, hatte sich über sie gelegt. Immer wieder musste sie dagegen ankämpfen, die Tasse wegzuschieben, den Kopf in die Arme zu legen, und einfach hier am Tisch einzuschlafen. Doch es war ihr nicht erlaubt, das hatte Tyballin klar gemacht.

Sie rieb sich die Augen, als er sich sich zu ihr setzte, ihr gegenüber. „Connell ist versorgt, und alle sind zu Bett“, sagte er und deutete der Gastwirtin, sie solle sich entfernen.

Die Feste Wintergarde hatte sowieso selten Besucher, und die waren um die späte Uhrzeit längst im Bett. Die Gastwirtin war auch froh, zu Bett gehen zu können, das sah man ihr an.

Imenia blickte in die Tasse, und nahm noch einen Schluck des heissen Gebräus.

„Gut“, murmelte sie und hob den Blick nicht.

„Sieh mich an, wenn ich mit dir spreche“, kam es postwendend in eisigem Tonfall zurück. Imenia zuckte etwas zusammen. Sein Blick durchbohrte sie.

Sie erwartete Wut zu sehen, aber eigentlich wirkte er nur enttäuscht.

„Und nun erkläre mir, was geschehen ist. Ausführlich.“

Imenia seufzte. So schnell würde sie wohl nicht zu Schlaf kommen.

„Wir bekamen deine Nachricht gestern Abend.“, fing sie an zu erzählen. „Lorethiel erreichte uns direkt nachdem ich und Silbersang von der Audienz bei den Drachen zurückgekommen sind.“

Tyballin nickte. „Fahr fort“.

„Leireth war bei mir. Dämmerpfeil hat den Fehler gemacht, sie auch für vertrauenswürdig zu halten, und so erfuhr sie, dass er ein Spion war. Wir konnten nicht mehr überlegen, was wir tun sollten, denn sie hat ihn angegriffen.“

„Sie hat.. Was?“

„Gegen die Wand geschleudert. Wir konnten sie nur noch mit Mühe davon abhalten, noch weiteren Unsinn zu machen. Hammerschmied hat sie dann betäubt. Das war's dann mit der Heimlichkeit.“

Tyballin seufzte.

„Ich entschloss mich für eine vorwärts gerichtete Taktik und liess sein Gepäck durchsuchen. Er hatte das Buch dabei, welches uns die Drachen nicht entleihen konnten, weil ein Sonnenhäscher schon dagewesen sei. Bereits bei der Nachricht war mir klargeworden, dass wir womöglich beobachtet wurden. Ich fand auch einen Kommunikator.“

„Das kann ich mir vorstellen.. Wo hattest du eigentlich deinen eigenen? Ich konnte dich nicht erreichen.“

Imenia trank noch einen Schluck. „Ich weiss es nicht. Ich habe ihn eingepackt, aber ich nehme an, der Spion hat ihn entfernt oder zerstört.“

„Gut möglich. Fahr bitte fort.“

„Als ich den Kommunikator benutzte, zeigte er mir ein zu festes Bild. Es war eine Täuschung. Ich zwang ihn also letzte Nacht, seine Hände darauf zu legen, und hatte auch tatsächlich Kontakt mit seinem Auftraggeber.“

Tyballin verengte die Augen. „Sag mir, wer es war!“, verlangte er.

„Es war Magister Hathorel. Ich habe ihn sofort erkannt.“

Tyballin sprang auf und ballte eine Faust. „Der Bastard, ich hätte wissen müssen, dass..“

Imenia unterbrach ihm. „Ich habe ihm gedroht, und gesagt, wir würden den Spion töten, wenn er uns nicht in Ruhe nach Dalaran zurück kehren liesse. Aber dann wurde die Verbindung unterbrochen, denn der Spion biss Dämmerpfeil, und die Verbindung brach ab.“

„Ihr müsst mir nicht jedes Detail verraten“, schnaubte Tyballin. „Kommt zum Punkt.“

„Der Punkt?.. Nun.. ich entschied, dass wir am nächsten Tage aufbrechen würden.“ Imenia überlegte hin und her, ob sie Leireths erneuten Angriff oder zumindest den Versuch auch erwähnen sollte und entschied sich schliesslich dagegen. „Am nächsten Tag brachen wir auf und.. wie du gesehen hast, hatten wir einen unerfreulichen Zusammenstoss und dann.. den Rest weisst du.“

Tyballin setzte sich wieder und blickte sie an, verschränkte die Arme.

„Ich wollte.. den Spion nicht im Tempel lassen, ich wusste nicht, ob er dort sicher verwahrt würde. Ausserdem dachte ich, er wäre möglicherweise ein Druckmittel, wenn Hathorel sich dazu entschliessen würde, uns 'entgegenzukommen' und ihr uns verpassen würdet.“ Imenia nahm den letzten Schluck, beliess die Hände aber immer noch um die Tasse. „Das war keine gute Idee“, schlussfolgerte sie.

„Die Expedition verläuft gar nicht so, wie ich es wollte, aber das war eine bessere Idee als ihn dazu lassen, das muss ich zugeben. Aber..“ Tyballin erhob sich wieder etwas und stützte die Hände auf den Tisch, beugte sich leicht zu ihr herunter und starrte sie an. „Was bei den dreckigen Kanälen Sturmwinds hast du dir gedacht, dass du den Schwertgriff weggegeben hast?“

Er hatte sich so schnell in Rage geredet, dass ein kleiner Spuckefleck auf ihrer Wange landete. Sie schnaubte, und erhob sich, stützte die Hände ebenfalls auf den Tisch.

Er fuhr fort, sie auszuschimpfen.„ Es war deine Aufgabe, und du hättest ihn nehmen müssen. Wie konntest du dieses wertvolle Relikt in Lorethiels Hände geben? Es hätte in deine Hände gehört und..“

„Hör auf, mir Dinge zu erzählen, die ich schon weiss, Arkanist Melodir Tyballin“, fuhr sie dazwischen. „Was denkst du denn, was passiert wäre, wenn ich den Griff verwahrt hätte? Die Sonnenhäscher hätten ihn sofort gefunden, wenn wir tatsächlich auf sie gestossen wären. Dämmerpfeil hatte den Auftrag, bei Feindkontakt sofort auszuscheren und zu fliehen. Sie hätten ihn ziemlich sicher nicht verfolgt!“

Tyballin starrte sie an, und sie starrte zurück, wich seinem Blick nicht aus. „Und es hätte auch funktioniert“, fuhr sie fort, „wenn uns dieser Wyrm nicht dazwischen gekommen wäre. Das weisst du genau.“

Tyballin entfuhr ein „Hmpff“, und er hob die Hände vom Tisch und setzte sich wieder, etwas seitlich von ihr abgewandt. Imenia setzte sich wieder und unterdrückte ein Lächeln. Dieses Argument war auf ihrer Seite, aber sie wollte sich nicht so siegessicher fühlen.

„Warum hast du den Spion und Silbersang soweit hinten fliegen lassen?“, fuhr Tyballin sie schliesslich an, im beleidigten Tonfall des Verlierers einer Diskussion.

Ylaria hob die Hände leicht abwehrend. „Ich weiss es nicht. Als ich zurück geschaut hatte, sah es so aus, als würde sie direkt bei Dämmerpfeil fliegen. Aber das ist keine Entschuldigung. Das war mein Fehler. Ich hätte die Gruppe zusammenhalten sollen.“

„Ja, das hättest du tun müssen“, giftete Tyballin, aber er klang schon nicht mehr so verärgert. „Du weisst so gut wie ich, dass dies Konsequenzen nach sich zieht.“

Imenia nickte nur. „Das ist mir klar“, sagte sie leise. Es war ihr auch egal. Jede Strafe war ihr Recht – sie selbst fühlte sich als Versagerin. Sie konnte nur hoffen, dass Ylaria oder der Griff noch gefunden werden würde, ansonsten hätte sie zwei Tote Silberbundler, einen verletzten Soldat sowie den Verlust von Relikt und dem Spion zu verantworten. „Ich akzeptiere alles, was du mir auferlegst“, fügte sie tonlos nach.

Tyballin antwortete nicht sofort, sondern legte eine Hand auf ihre, die wieder die Tasse umklammert hatte. „Keine Sorge, Imenia. Du hast fast alles richtig gemacht. Der Frostwyrm und Leireth, das kann man dir nicht zu Last legen. Ich enthebe dich nur vorerst von der Leitung der Expedition. Wenn wir wieder in Dalaran sind, sehen wir weiter.“

Imenia nickte. Es war ihr alles Recht. Selbst wenn sie alles richtig gemacht hätte, wäre die Verantwortung über die Expedition mit seinem Eintreffen sowieso an Tyballin gefallen.

„Und nun – geh zu Bett. Du siehst grauenhaft aus. Du brauchst Kraft für Morgen. Wir setzen die Suche weiter fort.“

„Danke“, brummelte Imenia. Sie zögerte nicht lange, erhob sich, nickte Tyballin mit einem kurzen Abschiedsgruss zu, und steig die Treppe des Gasthauses hoch zu ihrem zugewiesenen Zimmer, das sie mit Leireth teilen musste.

Das raue Federbett, in das sie sank, fühlte sich an wie das Bett einer Königin.




In der Schlucht

Ein Wimmern weckte Dairean abrupt. Alarmiert schlug er die Augen auf, aber er konnte nichts Verdächtiges erkennen. Sein Herz klopfte dennoch. Brennender Hunger rumorte in seinem Magen, sein Kopf schmerzte und er fror. Er wusste nicht, wie viele Stunden vergangen waren, seit er weg genickt war, doch die Höhle war fast ganz schwarz. Kein Licht fiel mehr durch den kleinen Eingang.

„Verfluchte Drachenfalkenpisse“, murmelte er, und rieb sich mit den Händen die Oberarme etwas – eine verzweifelte Bemühung, gegen die Kälte anzukämpfen, die auch in die Höhle eingedrungen war. Der nackte Felsen unter ihm fühlte sich an wie Eis.

In der Ecke lag der Drachenfalke immer noch zusammengerollt da, doch bei Daireans Fluchwort fiepte das Tier leise. „Ist ja gut, Phönix. Ich bin hier“, sagte Dairean beruhigend. In weiser Voraussicht hatte er die eine Satteltasche nahe neben sich gelegt, so musste er nicht lange tasten, um sie zu erreichen.

Erneut drang ein Wimmern an seine Ohren und dann ein leichtes Zähneklappern. < Ylaria! >, fuhr es ihm durch den Kopf und erneut fluchte er. Anstatt nach der Satteltasche zu greifen, seufzte er und rieb sich mit der Hand durch die Haare. Er konnte nur hoffen, dass sie noch etwas länger ohne Bewusstsein blieb. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sie mit zu schleppen? Er hörte das Flattern von Flügeln, und schliesslich kam Phönix auf ihn zu geglitten. Das Fliegen fiel dem Tier etwas schwer in der Höhle, aber dennoch schaffte er es. Dairean wusste, dass sich Drachenfalken zu einem gewissen Teil auch der Magie bedienten, um sich fortzubewegen.

Ein Flügel schmiegte sich um seinen Hals.

„Ja, ich weiss, es ist kalt“, murmelte Dairean. „Aber ich kann es nicht ändern. Ich kann dir auch nichts zu fressen geben, tut mir leid.“

Das Wimmern Ylarias wurde konstanter, und schliesslich keuchte sie auf. Dairean legte ihr eine Hand auf die Stirn, während er mit der anderen den rechten Oberschenkel massierte, der unangenehm prickelte. In der ungewohnt sitzenden Position war nicht nur er eingeschlafen, sondern auch Teile seines Körpers. Er hasste dieses eklige Gefühl.

„Ssscht“, flüsterte Dairean. Sie wachte auf. Ein erneutes Wimmern ging übergangslos in einen schmerzerfüllten Schrei auf, ehe die Elfe wohl endgültig erwachte und zusammenzuckte, versuchte den Kopf zu heben.

Dairean wünschte sich, er hätte zumindest ein klein wenig Licht, um die Höhle für sie zu beleuchten, aber genauso, wie er nicht im Besitz der Kommunikationsscheibe war, die ihm Imenia genommen hatte, besass er auch keine Waffe mehr, kein Fleisch für Phönix, kein Holz für Feuer, keine Decken gegen die Kälte.

„Ganz ruhig, Ylaria“, sagte er, und versuchte, ruhig zu klingen. „Ganz ruhig. Du bist verwundet. Beweg' dich nicht.“

Ylaria keuchte erneut, ihr Atem klang angestrengt und sie klapperte mit den Zähnen. Und natürlich bewegte sie sich. Dairean konnte nur ahnen, dass sie wohl versuchte, aufzustehen. Ein durchdringender Schmerzensschrei bestätigte seine Vermutung, und belehrte Ylaria. Sie sank aber nicht zurück mit dem Kopf auf seinen Oberschenkel, eher entnahm er dem Rascheln und Scharren auf dem felsigen Boden, dass sie sich versuchte von ihm zu entfernen. „Ich. . .was.. wo..“, stammelte sie, und blieb dann liegen. „Mein Bein.. Arrgh..“

„Ja, dein Bein“, versuchte Dairean wieder ganz leise und ruhig zu sagen. „Bitte, beruhige dich. Wir sind in einer Höhle. Es ist Nacht. Ganz ruhig, Ylaria.“

Ylaria schluchzte leise, ihr Atem ging immer noch schneller. Verdammt, das war gar nicht gut. Er musste kein Heiler sein, um zu wissen, dass sie nicht so schnell atmen durfte. Das erhöhte nur die Panik.

„Ylaria, ganz ruhig, hör mir zu. Konzentriere dich. Ich habe kein Licht. Du bist Magierin. Konzentriere dich. Kannst du ein magisches Feuer herbei beschwören?“, versuchte er sie abzulenken.

Sie schluchzte erneut, und gab keine Antwort, doch Daireans aufmerksame Ohren vernahmen, dass ihr Atem langsamer wurde. Das Klappern der Zähne blieb aber weiterhin aufrecht. Er streckte eine Hand aus, tastete ganz langsam nach ihr, doch fand sie nicht. Er nahm an, dass sie sich in eine sitzende Position aufgerichtet hatte.

Er ächzte, als er seine Beine etwas bewegte und in ihre Richtung kroch. Er kam direkt hinter ihr zu knien, und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter.

„Ganz ruhig, Ylaria“, wiederholte er, in der Hoffnung, sie würde ihm zuhören. „Du bist hier sicher.“

„K.. k.. kalt“, murmelte Ylaria.

„Ja, es ist kalt. Ich kann es nicht ändern. Aber du. Bitte“, drängte er sie, und legte die andere Hand auf die andere Schulter.

Ylaria tat nichts, klapperte weiter mit den Zähnen. „Schm.. Schmerz.. au.. Ich..“, schluchzte sie, und keuchte erneut auf. Vermutlich hatte sie versucht, sich zu bewegen. Dairean murmelte einen leisen Fluch, und griff dann doch nach der Satteltasche. Nach einem kurzen Moment des Suchens zog er den kleinen Beutel aus der Tasche, die im Moment seinen wertvollsten Besitz beinhaltete.

Blutdistelpulver hatte nicht die Fähigkeit, Verletzungen zu kurieren, oder Schlaf zu bringen. Aber es brachte Entspannung, und bis zu einem gewissen Grad betäubte es auch Schmerzen. Dies rief sich Dairean in den Kopf, als er das Säckchen öffnete, und einen Teil davon auf seine Hand schüttete. Das Säckchen war fast leer.

Ylaria war erschöpft und müde. Er drückte ihr die Hand mit dem Pulver an die Nase, und schloss mit der anderen ihren Mund. Als sie durch die Nase nach Luft schnappte, und gezwungen war, das Pulver die Nase hochzuziehen, konnte er nur hoffen, dass es nicht nur ihre Schmerzen betäuben würde, sondern sie in ihrem Zustand auch etwas wegtreten liesse..

Er hielt sie davon ab, sich mit den Fingern in die Nasenlöcher zu fahren, um sich von dem scharfen und sicherlich auch brennenden Pulver zu befreien. Sie schluchzte, weinte, beschimpfte ihn mit unvollständigen Wortfetzen, doch dann wurde sie langsam ruhiger. Er schloss die Arme um sie, und drückte sie an seine Brust, um sich an ihr zu wärmen. Oder sie an ihm?

< Wie bin ich bloss in diese Situation hineingeraten >, fragte er sich nicht zum ersten Mal an diesem Tag.

Er sehnte den Morgen herbei.

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OoC: Viel Spass auch mit diesem Teil
 
Wir wollen mehr!...WIR Wollen Mehr!!...



WIR WOLLEN MEHR!!!


Sry, die Stimme des Volkes.


Also, wie immer wieder ein gelungener Teil und vermtlich der Übergang zum einem großartigen Kapitel, Wie wird Dairean handeln? Was für eine Strafe wird Imenia erwarten? So viele Fragen.


Ich freu mich auf die Antworten
 
OOC: Wenn das nicht anspornend ist, Alux. *lächelt* Dann mal gucken, ob das hier ein paar Fragen beantwortet.
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Am nächsten Tag

Das erste, was Ylaria spürte, waren die Schmerzen, die stetig durch ihren Körper pulsierten. Dumpf und in wellen schlugen sie immer wieder hoch. Ylaria keuchte leise, öffnete die Augen und blickte an die Höhlendecke. Durch den Eingang der Höhe fiel Licht hinein. Sie drehte den Kopf ganz leicht in Richtung der Lichtquelle.

Ihr Mund fühlte sich fürchterlich ausgetrocknet an. &#8222;Durst", ächzte sie, ohne zu wissen, ob sie überhaupt jemand hören würde. Dann hörte sie ein Rascheln, und drehte den Kopf wieder. Irgendetwas lag unter ihrem Nacken, und nahm dem kargen Felsenboden etwas die Härte. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, immer wieder unterbrochen durch die Schmerzen. Wo war sie? Was war passiert? Sie erhob sich, um aufrecht zu sitzen und wurde sofort von Schwindel und Schmerz begrüsst. Nicht nur ihr Bein pochte, ihr ganzer Körper fühlte sich grün und blau geschlagen an. Sie keuchte leise und kniff die Augen zusammen, versuchte langsam zu atmen und sich zu konzentrieren. Vor Anstrengung und Schmerzen wurden ihre Augen feucht, aber sie wollte nicht weinen.

Ein Teil des Lichts verschwand für einen Augenblick, dann hörte sie Schritte auf dem Höhlenboden.

&#8222;Ah, du bist wach", drang eine ihr nur allzu bekannte Stimme in ihr Bewusstsein und sie stöhnte innerlich. Was machte der denn hier? Warum ausgerechnet.. Dairean? Sie antwortete nichts.

Dairean liess sich ihr gegenüber auf den Knien nieder und blickte sie an. Seine Lippen waren blau, und er trug keinen Umhang.

&#8222;Dairean?", würgte sie hervor und blickte ihn an, wie sie hoffte feindselig. Warum bei allen Sonnen war sie mit ihm allein? Was war passiert? Warum hatte sie solche Schmerzen?

Dairean rollte mit den Augen. &#8222;Leg dich lieber wieder hin. Du solltest dich nicht so sehr bewegen", sagte er.

&#8222;Was.. ist passiert?", brachte sie hervor, und versuchte möglichst nicht panisch zu klingen.

&#8222;Wir wurden von einem Frostwyrm angegriffen. Er hat dich erwischt."

Ylaria legte sich wieder hin, bettet den Kopf auf die Unterlage. Dairean nickte und setzte sich neben ihr. Sie blickte ihn nicht an.

&#8222;Ich hab dich aufgesammelt und hergebracht."

&#8222;Wo.. sind die anderen? Was ist.. Wo sind wir?", fragte sie weiter. Langsam wurden ihre Gedanken klarer.

&#8222;Keine Ahnung", sagte er und blickte sie an. Sie erwiderte den Blick.

&#8222;Wie.. keine Ahnung? Du musst doch etwas gesehen haben? Wie wurde ich verletzt? Verdammt nochmal, sag mir, was passiert ist."

Erneut erhob sie sich, schneller, kam ins Sitzen und blickte sich um. Sie sah nichts, ausser den kargen Felswänden und Daireans Drachenfalke, zusammengerollt in einer Ecke. Sie wusste nicht, ob das Tier tot oder lebendig war, aber eigentlich war es ihr auch egal. Sie sah niemanden. Weder Verian, noch Leireth, noch Imenia, oder die zwei Menschen.

&#8222;Wo sind die anderen?", verlangte sie zu wissen, und nun drang die Panik wirklich in ihre Stimme.

Dairean hob die Hände. &#8222;Ylaria, hör auf dich aufzuregen. Du bist schwer verwunden. Es hat eine Menge Mühe gekostet, dich hierher zu bringen. Ich hatte dir doch gesagt, es droht ein Sturm. Der ist auch gekommen."

&#8222;Sag endlich die Wahrheit.. Wo sind die anderen?", sagte sie lauter, ihre Stimme klang schrill. &#8222;Ich will weg von hier", fügte sie sofort nach, noch bevor er etwas sagen konnte. &#8222;Ich will weg.. Bring mich zurück.. Nein.. Bleib hier. Folg' mir nicht."

Sie drehte sich um, stützte sich auf die Hände, und versuchte wegzukommen von ihm, weg zu krabbeln, aber als sie das Knie des Beines, welches so sehr schmerzte, auf den Boden drückte, schrie sie auf und drehte sich wieder um, umklammerte mit beiden Händen das Knie, wagte nicht, weiter hinabzufahren.. Der Schmerz kochte hoch, loderte in ihr.

Dairean seufzte. &#8222;Ich sagte, beweg' dich nicht", fuhr er sie an. &#8222;Ich hatte nichts, um dein Bein zu fixieren, je mehr du dich bewegst, desto mehr machst du kaputt."

Ylaria biss sich auf die Lippen, und unterdrückt ein Wimmern. Es tat so weh. Längst liefen ihr Tränen über die Wange, die eine warme Spur auf ihrer kühlen Haut hinterliessen.

&#8222;Und jetzt hör mir mal zu", fuhr Dairean weiter fort. &#8222;Ich hab wirklich keine Ahnung, was mit den anderen ist. Ich hab versucht, meinen Arsch zu retten. Und deinen auch. Sei froh dass du noch lebst."

Ylaria blickte ihn an und dann zu Boden. &#8222;Du hättest nachschauen können", sagte sie. &#8222;Ja, natürlich.", entgegnete er ironisch. &#8222;Ich schlepp' mich halb kaputt zu der Stelle, an der ein riesig grosser Frostwyrm gegen fünf hoffnungslos unterlegene Menschen und Elfen kämpfen, die es zufälligerweise auch noch auf mich abgesehen haben. Ich bin doch nicht blöd", schnaubte er.

Ylaria starrte ihn wütend an. &#8222;Doch, das hättest du tun müssen, weil.. weil.."

&#8222;Weil was?" Er zog eine Augenbraue hoch.

&#8222;Ich weiss auch nicht", murmelte sie, und rieb sich über das Gesicht, keuchte leise, als sie eine neue Welle Schmerz traf.

Dairean seufzte und erhob sich.

&#8222;Ich hab heute morgen nachgesehen - keine Chance von hier aus etwas zu sehen. Der Sturm hat alles mit einer frischen Schneedecke überzogen, und ich sehe gar nichts mehr. Allerdings auch keinen Frostwyrm", sagte er, während er in der Satteltasche kramte, und dann zu ihr zurückkam und sich wieder neben sie setzte. Er hatte einen kleinen Beutel in der Hand. &#8222;Ich hab keine Medizin oder so, aber nimm das. Es nimmt dir einen Moment die Schmerzen."

&#8222;Was ist das?", fragte Ylaria misstrauisch.

&#8222;Das willst du lieber nicht wissen", sagte Dairean, und schüttete eine kleine Menge des Pulvers auf seinen Handrücken. &#8222;Sei froh, solange ich noch etwas davon habe. Es ist fast leer." Mit diesen Worten nahm er den Bändel, der den Beutel zusammenhielt, in den Mund, damit er eine Hand frei hatte, um ihren Kopf etwas hochzuheben. Fast schon zärtlich mutete die Berührung an, mit der er ihren Kopf etwas hochhob und ihr das Pulver auf dem Handrücken nahe an die Nase hielt. &#8222;Schnupf'", befahl er.

Sie zog die Luft durch die Nase ein, und wollte sofort husten. Das Pulver brannte in ihrer Nasenschleimhaut, verstopfte ihre Atemwege und lief in ihren Rachen. Sofort wollte sie es loswerden, schnäuzen, doch Dairean hielt sie ihr zu, unnachgiebig und unerbittlich.

Erneut schossen ihr Tränen in die Augen und sie wimmerte. &#8222;Nicht.. au.. hör auf.."

&#8222;Glaub mir, 's ist besser so", murmelte Dairean.

Es kam Ylaria wie eine Ewigkeit vor, bis er ihren Kopf losliess. Sie schniefte, und er beugte sich über sie, wischte ihr mit einem Finger eine Träne weg. &#8222;Schlaf jetzt", sagte er. Ylaria wollte etwas erwidern, doch ihr sanken die Lider zu.


Irgendwo westlich der Front der Legion

&#8222;Immer noch keine Spur, Arkanist", erstattete einer der ihr fremden Elfen Tyballin Bericht. Sie waren aus geschwärmt, und hatten versucht, unter dem Neuschnee des Sturms die Spuren des gestrigen Kampfes wieder zu finden. Erfolglos. Nur per Zufall waren sie auf einen der Greifenkadaver gestossen, weil sie mit dem Stab in einem der kleineren Hügel herum gestochert hatte. Imenia nahm an, es war Lorethiels, doch sicher konnte sie sich nicht sein. Die Satteltaschen waren &#8211; wie am Vortag &#8211; noch immer leer.

Sie blinzelte. Noch immer hielt sie die Müdigkeit und die Erschöpfung vom Vortage fest in ihren Krallen.

Leireth und Verian bewegten sich agiler und flinker, gerade Verian schien aus einem unerschöpflichem Vorrat Energie zu schöpfen, und durchsucht eine Schneewehe nach der anderen. Seine Haare waren zerzaust, seine Schuhe und Hosen feucht vom Neuschnee. Er rief immer wieder Ylarias Namen, doch er bekam keine Antwort. Manchmal schmelzte er den Schnee mit einem Hauch Feuermagie weg.

&#8222;Weitersuchen", befahl Tyballin. &#8222;Versuchen wir zu rekonstruieren, wo der Frostwyrm entlang geflogen ist, so finden wir sie vielleicht. Fangen wir an bei der Front"

&#8222;Aye, Sire", schallte es ihm entgegen.

Imenia seufzte und bestieg ihren Greifen wieder. &#8222;Auf ein weiteres", murmelte sie. Eigentlich wollte sie nur schlafen.


Mittags in der Schlucht

Daireans Blick ruhte auf Ylaria, die mit offenen Augen da lag, ein seliges Lächeln auf dem Gesicht. Die zweite Portion Blutdistelpulver hatte sie nicht lange schlafen geschickt, allerdings war ihr Aufwachen weitaus sanfter gewesen, als die vorherigen zwei Male. Sie schwebte wohl irgendwo zwischen Illusion und der Realität, in irgendwelchen Träumen und schmerzlos. Dairean seufzte und stand auf. Es waren erst wenige Minuten vergangen, seit er sich gesetzt hatte, aber die Kälte war bereits so sehr in seine Kleidung eingedrungen, dass er sie kaum aushielt.

Er konnte in der Höhle nur ganz knapp stehen, und so nahm er seinen Pfad wieder aus. Er drehte eine Runde nach Runde in der Höhle, während er sich den Kopf über die ausweglose Situation zerbrach, in der er sich befand. Sie sich befanden.

Phönix wimmerte aus der Ecke der Höhle, bewegte sich aber kein bisschen. Dairean blickte zu seinem treuen Flugtier und es gab ihm einen Stich ins Herzen. Er hatte nichts für sein treues Reittier, nicht einmal Wasser, geschweige denn von Nahrung. In der Nacht war Phönix ein oder zweimal zum Eingang gekrochen und hatte am Schnee geleckt.

&#8222;Phönix.. Nicht einmal für uns habe ich zu essen." Er fluchte leise und rieb sich durch die Haare. Sein eigener gähnend leerer Magen und das brennende Gefühl in seiner Kehle erinnerten ihn, dass er selber kaum noch Nahrung hatte. Eine Ration war noch in der Satteltasche, doch Dairean wollte sie so lang wie möglich sparen.

Er hielt in seinem Schritt inne und seufzte erneut. Er musste jetzt noch einmal raus aus der Höhle, um zu sehen, wo genau er sich befand, und ob es in der Nähe irgendwie Hilfe gab.

Dairean schlüpfte aus dem Höhleneingang. Ein bisschen Schnee fiel ihm in den Nacken und sofort schlotterte er, ballte eine Faust und knurrte. Die Kälte verschaffte ihm einen Energieschub, und mit wenigen schritten erklomm er den Aufgang, und kam oben an der Schlucht zu stehen, mit schweren Atemzügen holte er tief Luft.

Dann hob er den Blick.

Vor ihm war nur weite, endlose weisse Wüste. Er konnte die Umrisse der Gebirgszüge ausmachen, er sah die Silhouette des Wyrmruhtempels, aber beide schienen so endlos weit weg. Kilometer um Kilometer unberechenbarer Neuschnee zwischen ihm und jeglicher Zivilisation.

Er tat probeweise ein paar Schritte, und versank sofort bis zu den Knien im Schnee. Jeder Schritt kostete ihn grosse Mühe, und er schaffte kaum 10 Schritt, bevor er erschöpft innehalten musste.

Er spürte neben der körperlichen Schwäche auch bereits, wie der Entzug ihn wieder langsam in seinen Griff bekam. Die Kopfschmerzen, das Zittern.. Der Entzug vom Pulver kam dieses Mal schneller, schlug härter ein, doch er verbot sich den Gedanken an die letzte Prise, die sich noch im Beutel befand. Sie war nicht für ihn. Und er war sich sicher, dass es sinnvoller wäre, sie Ylaria zu geben. Einer Frau beim Sterben zusehen war sicherlich noch unangenehmer, wenn sie dabei schreien würde wegen den Schmerzen.

< Und sie wird sterben. Ich schaffe es niemals, mit ihr auf dem Rücken so weit zu gehen. >, dachte er. Er verkrampfte sich etwas, holte tief Luft. Seine Brust wurde ihm eng. Er wusste nicht einmal, ob er es allein schaffen würde, so weit durch den Schnee zu stapfen, geschweige denn, ob er sie einfach da liegen lassen könnte. &#8222;Natürlich kann ich das", sagte er laut, doch es war eine Lüge. Er wollte es sich nicht eingestehen, aber bereits in dem Moment, als er sie mitgenommen hatte, anstatt sich selber in Sicherheit zu bringen, war ihr Schicksal enger an seines geknüpft, als er es gewollt hatte.

Erneut ballte er die Faust und blickte sich um.

Ihre einzige Hoffnung war, dass sich jemand auf der Suche nach ihm oder ihr oder dem Griff in ihre Nähe bewegte. Doch selbst dann würde man sie unten in der Höhle nicht vermuten. Allerdings konnte er nicht ständig hier oben sitzen, er würde erfrieren.

Sein Blick fiel auf einen alten, knorrigen Baum, der sich auf der anderen Seite der Schlucht, nur wenige Meter von ihm gegenüber befand. Nur noch wenige nackte kahle Äste zierten das Skelett des Baumes. Er musste längst tot sein.

Das war ihre letzte Chance. Er musste irgendetwas an diesen Baum binden, dann.. würde man sie eher finden.

Er stapfte die 10 Schritte wieder zurück, rutschte den Abhang hinunter und betrat die Höhle. Zuerst dachte er an den Umhang, dann entschied er sich anders, und griff nach Phönix Sattel, der nutzlos in einer Ecke lag. Der Umhang wärmte wenigstens. Den Sattel würde er kaum mehr brauchen.

Er verliess die Höhle mitsamt seiner Last wieder.


abends in der Feste Wintergarde

Neben Verian liess sich jemand auf die Bank fallen. Ein warmer Arm legte sich um seine Schultern. Er blickte zur Seite. Leireth hatte sich neben ihn gesetzt. &#8222;Verian", sagte sie leise und strich mit der anderen Hand über seine Wange. &#8222;Es gibt etwas zu essen und warmen Tee", fügte sie hinzu. &#8222;Kommst du?"

Verian seufzte. &#8222;Ich will nicht.. Hab' keinen Hunger."

&#8222;Nun komm schon. Du hast seit gestern Abend nichts mehr gegessen. Denk bloss nicht, das ist mir entgangen."

&#8222;Ich.. bin nicht hungrig."

&#8222;Ist es wegen Ylaria?", fragte Leireth. &#8222;Ich bin sicher, es geht ihr gut."

&#8222;Wie kannst du das sagen?", fuhr Verian sie an und stand auf. Sie tat es ihm gleich und versuchte ihm die Hand auf den Arm zu legen. &#8222;Sie ist da draussen, und es hat gestürmt, und es gibt gar keine Unterschlupfmöglichkeiten, und.. Verflucht, Leireth, sie ist ganz allein!" Er konnte es nicht verhindern, dass seine Stimme laut klang und die Schankstube füllte. Nur wenige Soldaten hockten nach Dienstende noch in einer Ecke, hielten sich von den Silberbundlern fern, die an einem Tisch in der Mitte sassen, während Verian die Bank beim Feuer vorgezogen hatte.

&#8222;Ich weiss, Verian, es tut mir ja auch leid, aber .. es nützt niemandem etwas, wenn du nichts isst, oder?"

Verian seufzte erneut. &#8222;Na gut", sagte er und trottete zum Tisch.

Brionna blickte ihn mitfühlend an. &#8222;Das Licht ist bei Madame Silbersang, ich bin mir sicher", versuchte sie ihn zu trösten.

Arkanist Tyballin war nicht zugegen, wohl aber Imenia. Die fünf Silberbundler, die Tyballin mitgebracht hatte, sassen auch für sich am Tisch neben den Expeditionsmitgliedern, und verzehrten gerade ihr Abendessen. Sie hatten noch länger nach den Vermissten Ausschau gehalten.

Auf dem Tisch standen Schüsseln, ein grosser Pott Suppe war in der Mitte aufgebaut, auf einer Platte befand sich Wurst und Speck. Verian liess sich etwas Suppe in die Schüssel schöpfen, und griff widerwillig nach dem Löffel. Leireth liess sich neben ihm nieder, und lehnte sich sofort etwas an ihn.

&#8222;Connell geht es auch schon besser", sagte Brionna und lächelte ihn an. &#8222;Das Licht ist gut und weise. Ich bin sicher, es wird auch über Madame Silbersang scheinen. Wir sollten ein Gebet sprechen."

&#8222;Ich bin sicher, ihr meint es gut mit mir, Tallys", entgegnete Verian. &#8222;Aber ich glaub nicht, dass mir das jetzt hilft. Meine beste Freundin ist da draussen, und ist wohl schon tot und ich kann nichts dagegen tun, ausser hier sitzen. Ich.."

&#8222;Das dürft ihr nicht denken, Himmelswispern", fuhr ihn Imenia an. Er blickte sie an. Sie war bleich und gezeichnet von den Anstrengungen. &#8222;Das Licht bewahre, dass sie tot ist. Dann haben wir ein riesiges Problem."

&#8222;Ach ja.. ein Problem..? Ist das die einzige Sorge, die ihr habt? Dass ihr eine weitere Leiche zu verbuchen habt?", ätzte er. Er konnte sich nicht zurückhalten.

Imenia hob die Hände. &#8222;Wie denkt ihr nur von mir? Natürlich nicht. Ich schätze Ylaria sehr, und das wisst ihr genau. Ich habe nur etwas mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten, als ihr es habt."

&#8222;Ich habe auch Vertrauen in ihre Fähigkeiten, aber.. der Spion ist auch noch da draussen, und.." Er beendete den Satz nicht, schüttelte nur den Kopf und legte den Löffel beiseite. Er musste nicht laut aussprechen, was er dachte, denn alle hatten denselben Gedanken. Imenia hatte durchblicken lassen, dass jemand Lorethiels Ableben etwas beschleunigt hatte. Was, wenn dieser Jemand das auch bei Ylaria getan hatte?

&#8222;Verian, wir hätten ihre Leiche gefunden, wenn dieser dreckige Abschaum ihr etwas angetan hätte", sagte Leireth, und strich ihm über den Oberschenkel. Es sollte wohl beruhigend wirken, aber er spürte die Berührung kaum.

&#8222;Darf ich mich zurückziehen?", fragte er in Imenias Richtung.

&#8222;Natürlich. Geruhsamen Schlaf. Morgen suchen wir weiter."

Verian nickte, salutierte und verliess die Gaststube dann. Leireth folgte ihm schweigend. Als er sein Zimmer betrat, schlüpfte sie ebenfalls durch die Tür, und umarmte ihn. ER wollte etwas sagen, doch sie legte ihm den Finger auf die Lippen. &#8222;Sschh", murmelte sie und lächelte ihn an. < Noch vor wenigen Tagen wäre ich so glücklich gewesen, wenn ihr Lächeln auch nur einmal mir gegolten hatte, doch nun als es mir gilt, kann ich kaum denken vor Sorge >, dachte er, als sie ihn entkleidete und ihn dann mit sich auf das Bett zog. < Welche Ironie >, fuhr es ihm noch durch den Kopf, ehe er sich Leireth zu wandte, um in ihren Armen zumindest für ein paar Stunden zu vergessen, was ihn quälte.


abends in der Schlucht

&#8222;Verrate mir eines, Dairean." Ihre Stimme drang an seine Ohren, doch er öffnete die Augen nicht. Er war zu erschöpft.

&#8222;Mmh?", murmelte er.

&#8222;Warum hast du mich gerettet?"

Einen Moment lang antwortete er nicht. Dann blickte er sie doch an, aus dunkel umrahmten Augen.

&#8222;Ich..", setzte er an. Dann schüttelte er den Kopf.

&#8222;Was.. du hast dir also nichts dabei gedacht?". Sie zog eine Augenbraue hoch.

&#8222;Nein, natürlich nicht", fuhr er sie an.

&#8222;Also?"

&#8222;Ich weiss es nicht.", murmelte er.

&#8222;Wie du weisst es nicht? Willst du mich veralbern?"

&#8222;Nein, will ich nicht. Ich will es wirklich nicht."

Von der Ecke, aus der Phönix lag, kam ein leichtes Kreischen. &#8222;Schhh Phönix", murmelte Dairean. &#8222;Ich weiss es nicht.. Ich schätze, ich konnte dich einfach nicht so da liegen lassen", sagte er dann.

&#8222;Warum?", wollte sie wissen.

&#8222;Darum", sagte Dairean.

&#8222;Aber du musst doch eine Erklärung haben, dass du.."

Er fuhr ihr ins Wort. &#8222;Sei still und spar' dir deine Energie."

&#8222;Sparen.. wofür denn.. Wir werden hier sterben.."

&#8222;Das werden wir nicht. Rettung wird kommen", murmelte er. Seine Stimme klang erschöpft.

&#8222;Natürlich", fuhr sie ihn an. &#8222;Und ich bin ein Troll. "

Dairean schmunzelte. Seine Lippen waren ausgetrocknet und rissig.

&#8222;Nein, wir werden sterben. Ich werd' hier sterben, und das letzte, was ich gesehen haben werde, wird ein blutelfischer Spion sein", stöhnte sie.

&#8222;Als ob das etwas Schlimmes wäre.. Zählt denn nur mein Volk?"

&#8222;Du bist ein Verräter, natürlich zählt das."

Dairean seufzte. &#8222;Wollen wir wirklich darüber diskutieren?", fragte er.

&#8222;Nein.. nein. Nicht wirklich.", musste sie zugeben.

&#8222;Na dann denk nicht drüber nach, schlaf' einfach."

&#8222;Schlaf du mal bei diesen Schmerzen", murmelte sie und blickte ihn an. &#8222;Du hast nicht noch.. von dem.. Pulver?"

Dairean entgegnete den Blick und nickte.


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