"Nachtelfengeflüster" - Kapitel 2

Myríel1

Rare-Mob
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Nach einiger Wartezeit und um euch Zeit zum Verdauen des ersten Kapitels zu geben, kommt jetzt erst das 2. Kapitel meiner Geschichte um die Erlebnisse meiner Nachtelfin Nudowen. Viel Spaß dabei und beißt euch durch!!

Kapitel 2

Majestätisch erhoben sich die Mauern von Darnassus aus dem dichten Blätterdach des Waldes. Von Efeu und Blütenranken überwachsen erschienen sie wie ein natürlicher Teil der Umgebung. Selbst in ihrer Hauptstadt war die Verbundenheit der Nachtelfen zur Natur zu spüren. An der östlichen Seite des Walls befand sich das große Eingangstor zur Stadt, streng bewacht von einem riesigen, lebenden Baum, der ständig ein Auge auf diesen Einlass hatte. An den Seiten des Eingangs befanden sich außerdem alte Belagerungs- und Kriegsmaschinen, welche vor langer Zeit ihre Funktion verloren hatten als die großen Schlachten zu ende waren. Nun waren sie nur noch dem Verfall durch die Elemente preisgegeben.
Durch eben jenes Tor schritten in diesem Moment Nudowen und Nosverato hindurch und betraten die Stadt. „Wohin müssen wir nun?“, fragte Nudo und blickte ihren Begleiter an. „Zur Enklave des Cenarius. Dort wohnt ein alter Freund von mir. Er wird uns bei unserem Vorhaben unterstützen.“, damit er ergriff er ihre Hand und bog nach rechts ab. Sie kamen vorbei an Häusern, die nicht aus Bäumen, sondern um diese herumgebaut waren. Einige waren ebenerdig, andere befanden sich in schwindelerregender Höhe und lange Wendeltreppen um die Bäume herum verbanden Behausung und Erdboden miteinander. An einigen gingen sie vorbei, darunter auch Werkstätten, in denen emsig gearbeitet wurde. Doch ihr Weg führte sie weiter in den Norden der Stadt, dorthin, wo die Druiden und Jäger ihre Heimstatt hatten. Nosverato führte sie zum dritten von drei riesigen Bäumen und an diesem blieb er stehen und dreht sich zu Nudowen um. „Warte kurz hier.“, sagte er. „Ich werde gleich zurück sein.“ Geschwind erklomm er die Treppe und war bald aus dem Blickfeld der Elfe entschwunden. Sie seufzte tief und begann sich umzusehen. Es war lange her, dass sie das letzte Mal hier war. Damals befand sie sich noch in der Ausbildung zur Druidin, war jung und unerfahren gewesen, im Gegensatz zu heute, wo sie sich sehr wohl ihrer Haut zu erwehren wusste. Hier war es auch gewesen als sich ihre Wege und die ihrer Schwester getrennt hatten. Ihre Augen verschleierten sich als sie an Taldeá dachte. Sie hatte damals den Weg einer Heilerin eingeschlagen und Nudowen den der zauberkundigen Druidin. Nun sahen sie sich nur ganz selten und hatten kaum Zeit ein Wort zu wechseln, da ihre Schwester in den jetzigen Zeiten der Unruhe sehr viel zu tun hatte und sich selbst kaum eine Ruhepause gönnte. Nudowen seufzte erneut und schüttelte die Gedanken an früher ab. Um sich abzulenken schaute sie sich etwas um. Es hatte sich kaum etwas verändert in der Zeit, in der sie fort war. Noch immer waren die Lehrer im selben Wohnbaum wie damals und noch immer gingen junge Druiden in der Ausbildung hier ein und aus. Die Elfe lief etwas herum und verharrte bei den großen Reitsäblern, die meist schlafend unter den Bäumen lagen. Sie selbst war auch im Besitz eines solchen Tieres, doch er war davongejagt worden von den Orcs, welche sie überfallen hatten und Nudowen war sich nicht sicher, ob sie ihn jemals wiedersehen würde. Langsam näherte sie sich einem schwarzen Nachtsäbler, der sie unter halbgeschlossenen Augen ganz genau beobachtete. Sie lächelte und hockte sich neben ihn. „Na du.“, sprach sie ihn ruhig an und legte eine Hand hinter sein Ohr, wo sie anfing ihn zu kraulen. Nach kurzer Zeit war ein wohliges Brummen, fast wie der Schnurren eines Kätzchens, zu hören und ein Lächeln huschte über Nudowens Gesicht. Nur schwer konnte sie sich von dem Tier wieder lösen, dass fragend den Kopf hochstreckte als sie sich erhob. „Wir wollen es doch nicht über treiben mein Freund. Dein Besitzer wird dir noch genug Streicheleinheiten geben.“ Der Säbler steckte den Kopf wieder zwischen seine Vorderpranken und döste weiter. Nudowen wendete sich ab und schaut nun langsam ungeduldig hinüber zu dem Baum, in dem Nosi verschwunden war. Sie ging wieder hinüber und setzte sich an den Fuß der Treppe. Langsam schloss sie die Augen und ließ die Geräusche der Stadt in sich hinein. Das Rascheln der Bäume. Das entfernte Lachen kleiner Kinder. Die Gesänge, die vom Mondtempel herüberwehten. Das Gähnen eines Nachtsäblers. All das waren Dinge, die sie innerlich vermisst hatte ohne es wirklich zu merken, doch die sich nun umso stärker in ihr regten. Tief sog sie den Duft in sich hinein. Eine Mischung aus Wald und Wasser. Eine Geruch, der so nirgends zu finden war. Nudowen wurde je aus ihren Gedanken gerissen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Sie blickte auf und erkannte Nosi, der in Begleitung eines ihr unbekannten Elfen war. „Das ist mein alter Freund Scarfaces.“, stellte er ihn ihr vor. „Wir haben früher oft gemeinsam gekämpft und sind daher gute Kameraden geworden. Er ist bereit uns bei unserem Vorhaben beizustehen.“ Scar nickte Nudowen nur flüchtig und wand sich dann an Nosi. „Wir sollten so schnell wie möglich aufbrechen, wenn wir ihre Spur nicht verlieren wollen“ Der Elf mit den langen, grünen Haaren ging ein Stück von ihnen weg und pfiff. Etwas löste sich aus dem Schatten und kam zu ihnen herüber gelaufen. Es war ein gestreifter Nachtsäbler, nicht so groß wie die Reittiere der Elfen, sondern von der kleineren Sorte. Nudowen schloss daraus, dass Scarfaces ein Jäger sein musste, denn nur sie waren in der Lage Tiere zu zähmen und mit ihnen gegen Feinde zu kämpfen. Der Säbler stellt sich genau an der linke Seite des Elfen und blickte erwartungsvoll zu ihm hoch. „Das ist mein treuer Begleiter. Dank ihm konnte ich mich schon oft meiner Haut erwehren. Und er würde mich auch nie im Stich lassen.“, er grinste plötzlich breit. „Wenn dieser Kerl mir denn nicht alle Haare vom Kopf fressen würden.“ Er lachte und der Nachtsäbler lies ein dumpfes Grummeln hören, ganz so als hätte er seinen Herren verstanden. „Genug geredet.“, meldete sich Nosverato jetzt zu Wort. „Wir erreichen nichts wenn wir hier rumstehen und nichts tun.“ Und schon ging er in Richtung des westlichen Ausgangs, welcher zur Küste der Insel führte, davon. Nudowen und Scar beeilten sich ihm zu folgen.

Kurze Zeit später gelangten alle am Steg an, von dem Schiffe Reisende zum anderen Ufer übersetzten. Nosi ging sofort zum Ende und hielt nach dem nächsten Schiff Ausschau. Nudowen hatte ihn noch nie so gesehen. Er war von einer wilden Entschlossenheit beseelt, die so durchdringend noch nie gewesen war. Natürlich hatten sie schon oft Aufgaben für die unterschiedlichsten Mitglieder der Allianz erledigt, doch nie hatte Nosverato sich so in eine Sache verbissen und war bereit alles zu riskieren. Wie sollte die Elfe auch ahnen, dass sich diese unbändige Wut auf die Bande von Orcs daraus schließen ließ, dass Nosverato sich nichts schlimmeres vorstellen konnte als sie zu verlieren. Diese Halunken hätten ihm um ein Haar das Wichtigste geraubt was es in seinem Leben gab und das konnte er ihnen niemals verzeihen. Dafür würden sie büßen müssen.
„Wie lange wollen wir noch hier sitzen und warten?“ maulte Scar plötzlich rum. „Wieso setzen wir uns nicht einfach auf einen Hypogryphen und fliegen dieses kleine Stück bis hinüber nach Auberdine.“ Der Elf hatte sich an die Seite des Stegs gestellt und seine Angel ausgeworfen, aber da die Fische heute offenbar nicht so anbissen wurde es ihm schnell langweilig. Nosi wendete sich zu ihm um. „Du kannst auch gerne schwimmen wenn du so weiter machst.“ Scarfaces lachte und schaut den anderen Elf mit hochgezogener Augenbraue an. „Ich glaube eher unsere Eule schwimmt besser als ich. Testen wir es doch mal.“, sagte er und wand sich Nudowen mit einem verschmitzten Lächeln zu. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Bitte was hast du gesagt?“ Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. „Ich habe dich Eule genannt, denn in so was verwandelst du dich doch immer.“ Er lachte wieder. Nudowen baute sich drohend vor ihm auf. „Jetzt pass mal auf! Ich bin ein Mondkin! Ein von Elune persönlich gesegnetes Wesen! Beleidigst du mich, so beleidigst du unsere Göttin!“ Scar hob abwehrend die Hände, aber konnte sich ein weiteres Grinsen nicht verkneifen. „Ach sieh das doch nicht so ein eng, ich meine das doch nicht böse.“ Die Elfe funkelte ihn immer noch böse an, doch dann entspannte sie sich plötzlich, verschränkte die Arme vor der Brust und grinste ihn nun ihrerseits an. Verwirrte schaute Scar sie an. „Wenn du mich eine Eule nennst, dann hast du sicher nichts dagegen wenn ich dich…Narbi nenne.“ Und mit diesen Worten ging sie an ihm vorbei und in Richtung Flugmeister, welcher sich um die Hypogryphen kümmerte. Mit weit offnen Augen und Mund starrte der Jäger hinter ihr her und Nosi prustete los vor lachen und hielt sich nach kurzer Zeit den Bauch. „Das findest du also witzig.“, sagte Scar mit sauertöpfischer Miene. „Ja sehr.“, antwortete Nosi und wischte sich sogar eine kleine Träne aus dem Augenwinkel. Er klopfte seinem Freund auf die Schulter und ging dann den selben Weg hinauf, den Nudowen auch genommen hatte. Scar stand noch einige Sekunden auf dem Steg, dann zuckte er mit den Schultern, murmelte: „Was soll’s.“ und folgte dann den anderen beiden.

Nudowen wartete in einem etwas erhoben stehenden Pavillon, der außer dem Dach nach alle Seiten offen stand. Hier befanden sich die Nester der Hypogyphen. Diese Tiere dienten den Nachtelfen als schnelles Transportmittel, da sie dank Flügel schnell von einem Ort zum anderen gelangen konnten. Im Großen und Ganzen sahen sie aus wie Vögel mit Schnabel und Federn. Allerdings hatten sie vier Gliedmaßen, von denen die hinteren zwei eher denen eines Pferdes ähnelten als einem Vogel, doch ein noch markanteres Merkmal war das Geweih auf ihrem Kopf. Das Gefieder schimmerte in dunklen Farben und die gelben Augen funkelten jeden kritisch an, der vorüberging. „Entschuldigt, aber könnten wir mit einem Gryph nach Auberdine fliegen?“ Nudowen war an den Flugmeister herangetreten und wartete auf eine Antwort. Der ältere Elf wand sich um und musterte sie. „Der Flug ist aber nicht umsonst, werte Maid. Etwas Silber müsstet Ihr erübrigen.“ Inzwischen waren auch Nosverato und Scarfaces zu ihnen gestoßen. „Wir möchten ebenfalls eines Eurer Tiere benutzen und natürlich haben wir das gewünschte Zahlungsmittel dabei.“ Nosi griff in seinen Beutel und holte einige Münzen heraus, die er dem Flugmeister in die Hand zählte. Dieser nickt, steckte das Geld weg und ging zu drei Nestern, die direkt links von ihm lagen. Die Tiere breiteten aufgeregt die Flügel aus als er näher kam und die Zügel von den Pfählen löste, an die sie angebunden waren. Alle drei führte der Flugmeister zum Ende des Pavillons, welches in Richtung Meer zeigte. „Sitzt nun auf wenn ihr fliegen wollt.“ Die Gryphen scharrten nervös mit den vorderen Klauen während die drei Elfen auf ihre Rücken kletterten. Kaum saßen sie richtig, ließ der Flugmeister auch schon die Zügel los und die Tiere schossen in die Höhe. Nudowen presste die Schenkel in die Flanken des Gryphen und klammerte die Hände in dessen Nackenfedern fest. Er flog allerdings gleichmäßig und zielstrebig gerade aus und so entspannte sie sich wieder etwas. Das Meer befand sich direkt unter ihnen und glitzerte im Sonnenlicht im schönsten blau. Die Insel der Nachtelfen wurde hinter ihnen immer kleiner und verschwand irgendwann endgültig in den dunstigen Schleiern. Die Elfe lächelte und schien sogar langsam an dem schnellen Flug gefallen zu finden. Der Gryph schoss über die Schaumkronen dahin und Gicht perlte leicht auf Nudowens Gesicht als das Tier mit den pferdeartigen Hinterbeinen die Wasseroberfläche streifte. Nach nur kurzer Zeit war der Flug auch schon vorbei und sie landeten auf einer hölzernen Plattform, auf der eine Flugmeisterin stand und die Zügel in Empfang nahm als sie abgesessen hatten. Sie brachte die Tiere zu einigen abseits stehenden Nestern und die Reisenden gingen eine Rampe hinunter, die sie direkt in das Gasthaus des kleinen Elfendorfes Auberdine führte. Dort angekommen setzten sich Scar und Nudo an einen Tisch in der Ecke und Nosi holte etwas zu trinken. Er kam mit drei vollen Bechern zurück und stellte sie auf den Tisch. Scar nahm sofort einten kräftigen Schluck, verzog dann jedoch sofort das Gesicht. „Melonensaft. Hast du nichts Besseres finden können?“ Nosverato schüttelte den Kopf. „Met war leider aus. Wir müssen uns eben damit zu frieden geben.“ Er nahm auch einen Schluck und versuchte nicht die Nase zu rümpfen, was ihm nur halbwegs gelang. Nudowen hatte im Gegensatz dazu kein Problem mit dem Saft. Im Rahmen ihrer Druidenausbildung hatte sie ihn früher oft zu sich genommen und so war es für sie etwas ganz normales. Obwohl auch ihr ein Becher Met lieber gewesen wäre. „Nun sind wir in Auberdine.“, begann Nosi. „Wir müssen unsere Schritte genau planen. Das Lager dieser Orcs liegt wahrscheinlich im Gebiet des Eschentals. Es wird eine längere Reise, da wir nur zu Fuß unterwegs sind.“ Sein Blick verfinsterte sich kurz, denn auch sein Säbler war seit dem Überfall verschwunden. „Wieso fliegen wir nicht einfach weiter?“, warf Scar ein. „Du denkst nicht mit, Narbi.“, sagte Nudo und nippte an ihrem Saft. „Und wieso nicht Eule?“, erwiderte er scharf. „Nun die Orcs überwachen jeden Hypogryphen, der ins Eschental fliegt. So haben sie auch uns gesehen und konnten uns im Nachhinein überwältigen. Wenn wir also nun fliegen und sie erkennen uns wieder, dann ist der Überraschungsmoment nicht mehr auf unserer Seite.“ Sie sah ihn nun direkt an. „Was ist dir lieber ein ungeordneter Haufen oder eine kontrollierte Gegenwehr?“ Scar hob seinen Becher und brummelte etwas Unverständliches während er trank. Nudo lächelte schief und sah dann Nosi an. „Wie willst du nun vorgehen?“ Nosverato hatten geschwiegen und auf die Tischplatte gestarrt. Nun schaute er sie an. >Am liebsten würde ich dich irgendwo in Sicherheit bringen und allein gehen um es diesen Hordlern zu zeigen und sie für das was sie dir beinahe angetan haben zu bestrafen.
 
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