Raiden in WoW - Teil 1: Classic

Thorn84

Quest-Mob
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World of Warcraft wird bald 10 Jahre alt und bekommt ein spannendes Event spendiert. Für PvE Spieler wird es eine spezielle 40-Spieler-LFR-Version des Geschmolzenen Kerns geben, um nochmal ein wenig des Flairs vergangener Raidtage aufblitzen zu lassen. Aber wie war es eigentlich damals, das Raiden? War es wirklich DAS große Ding und wurde es über die Jahre wirklich so viel schlechter?

Bis ein Schlachtzug zustande kam, war es ein weiter Weg. Man brauchte nicht nur 40 Spieler. Diese mussten alle gleichzeitig online und anwesend sein (dazu später mehr), einen gewissen Ausrüstungsstand erreicht und die Vorquest abgeschlossen haben, um die Instanz überhaupt betreten zu dürfen und im Idealfall hatten sie auch noch die Quest erledigt, um den Eingang außerhalb anderer Instanzen nutzen zu können. Ja, damals lag der Eingang zum Geschmolzenen Kern noch mitten in den Schwarzfelstiefen und der zum Pechschwingenhort in der Oberen Schwarzfelsspitze.
Das Problem an der Spieleranzahl war, dass nur eine handvoll Gilden auf einem Server so viele raidwillige Spieler vorzuweisen hatten. Deshalb gingen viele Gilden Raidbündnisse ein, um überhaupt einen großen Raid angehen zu können. Das brachte aber weitere Probleme mit sich. Die Leitung der verschiedenen Gilden mussten sich zuvor abstimmen, wie alles ablaufen soll. Zeitpunkt, Beuteverteilung, administrative Dinge wie DKP, wer leitet den Raid und vieles mehr.

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Waren alle Vorbereitungen abgeschlossen und hatte man es tatsächlich geschafft, 40 Spieler in einem Schlachtzug zu haben und dazu auch noch die richtigen Klassen mit der richtigen Talentverteilung, konnte man losschlagen - zumindest fast. Spielte man auf einem PvP Server, war auch der Weg zum Instanzportal sehr interessant. Die beiden ersten großen 40-Spieler-Schlachtzüge - Der Geschmolzene Kern und Pechschwingenhort - liegen beide im Schwarzfels (damals noch Blackrock) und somit war dort immer viel los. Der Name Gankrock kam nicht von ungefähr. Der Weg zum Instanzportal war nicht selten mit den Skeletten getöteter Charaktere gepflastert. Mit pünktlichem Beginn war nur selten zu rechnen. Entgegentreten konnte man dem, indem sich alle Spieler erst sammelten und dann gemeinsam loszogen. Aber das war noch keine Garantie dafür, dass nicht ein anderer Schlachtzug, der wild marodierend durch den Schwarzfels zog, die eigene Gruppe angreift.

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Stand man dann endlich allen Umständen zum Trotz in der Instanz, konnte es wirklich endlich losgehen. Buffen und... Ach ja, da waren ja noch diese Buffs. Priester, Magier und Druiden freuten sich über einstündige Gruppenbuffs. Paladine dagegen hatten Buffs, die nur Fünf Minuten lang hielten und doch so nützlich waren, dass man sie haben wollte und brauchte. Erst später hatte Blizzard Mitleid mit den buffenden Blechdosen und gab ihnen 15 Minuten Buffs, die obendrein alle Spieler einer Klasse im Schlachtzug bufften. Länger als einen Bosskampf hielt das zwar auch nicht an, aber immerhin mussten die armen Lichtritter nicht mehr den gesamten Kampf über buffen.
Da wir gerade bei Bossen und deren Bekämpfung sind. Das war auch die Zeit, in der, zumindes meistens, alle Spieler auch wirklich anwesend waren. Zwischen den Bossen waren oft viele Spieler schlichtweg abwesend und folgten automatisch anderen Spielern. Nicht selten waren es insgesamt zwei bis drei ganze Gruppen, die sich mitschleifen ließen. Das mag vielleicht in größeren Gilden, die Raiden als Berufung und nicht als Freizeitspaß verstanden, anders gewesen sein. Aber die meisten Schlachtzüge werden wohl ähnliches erlebt haben.

Um einen Boss überhaupt besiegen zu können, brauchte man mit vielen Klassen genau die eine passende Talentverteilung. Priester waren Heiler mit einer Heiligskillung, Druiden wurden dazu verdonnert Wiederherstellung zu skillen, um das wichtige Anregen zu haben und sowieso mussten sie auch heilen. Paladine durften skillen was sie wollen, so lange sie trotzdem Heilzauber werfen und mindestens einer Segen der Könige bzw später Segen des Refugiums verteilen konnte. Krieger waren fast immer dazu bestimmt zu tanken, aber es war auch möglich sie als Schadensausteiler zu spielen. Jedoch wurde das nur selten erlaubt. Schadensklassen durften quasi tun was sie wollten, außer eine. Magier mussten eiskalt sein, um gegen den vielen Bosse im Geschmolzenen Kern und Pechschwingenhort überhaupt schaden zu können, da die meisten schlichtweg immun gegen Feuer waren und Arkan damals noch keine sinnvolle Alternative darstellte.
Aber wieso wurde das überhaupt so bestimmt? Ganz einfach, die Sets der verschiedenen Klassen gab es in genau einer Ausführung und die war auf genau eine Talentverteilung festgelegt. Andere Gegenstände gab es fast keine, immerhin waren Sets damals noch achtteilig. Erst im Tempel von Ahn'Qiraj gab es beispielsweise für Priester ein fünfteiliges Set, das eine Schattenskillung erlaubt hätte. Trotzdem blieben Priester im PvE dauerhaft Heiler.

Dann gab es aber auch noch die Schlachtzüge Zul Gurub und Ruinen von Ahn'Qiraj für 20 Spieler. Der organisatorische Aufwand war sehr viel geringer und die meisten Gilden konnten diese auch intern besuchen, ohne ein Bündnis eingehen zu müssen. Mit etwas Übung und Kenntnis der Instanz waren die wesentlich kleineren Schlachtzüge auch an einem Abend zu meistern. Trotzdem waren die Bosse darin eine Herausforderung und auch die Beute war sehr begehrt. Aber auch hier gab es nur wenige Möglichkeiten das Korsett, in welches die einzelnen Klassen gezwängt wurden, zu lockern.

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Außer den instanzierten Schlachtzügen existierten auch noch Weltbosse. Diese erschienen nur einmal pro Woche und waren teilweise sehr wichtig für große Gilden, denn sie konnten Gegenstände mit hoher Naturresistenz hinterlassen, die für den Tempel von Ahn'Qiraj sehr wichtig waren. Entsprechend begehrt waren die Weltbosse und nur die Gilde, die am schnellsten genug Spieler zusammentrommeln konnte, hatte eine Chance auf die Beute. Auf PvP Servern arteten Weltbosse oft in große PvP Schlachten aus, die ausgetragen wurden, während der Boss durch die Reihen fegte. Die siegreiche Truppe konnte dann den Boss töten, sofern sie schnell genug war. Richtig gemein wurde es, wenn einzelne Spieler der gegnerischen Fraktion die Heiler der gerade kämpfenden Gilde tötete. Dann war diese zum scheitern verdammt, denn die meisten Bosse hatten eine Debuffmechanik, die es einmal getöteten Spielern nicht mehr erlaubte, für die nächsten 15 Minuten am Kampf teilzunehmen. Die wenigsten Spieler konnten damals Weltbosse wirklich erleben, jedoch war es unvergesslich, wenn man einmal an einem solchen Gemetzel teilgenommen hatte. Denn genau das war es auf einem PvP Server.

Aus heutiger Sicht würden aber wohl die meisten Bosse dieser Zeit bei den Spielern durchfallen. Wirklich ausgefeilte Bosstechniken waren selten, die meisten Bosse beherrschten nicht mehr als eine Spezialität, die man richtig handhaben musste. Baron Geddon platzierte eine Bombe auf einem Spieler, Nefarian verdammte Spieler einer Klasse zeitweise zur Untätigkeit und selbst einige Bosse aus dem gefürchteten Naxxramas hatten nicht mehr auf dem Kasten. Es war eher die Unerfahrenheit der Spieler, die nichtvorhandenen Bossguides und fehlende Addons sowie heutige Standardfunktionen, die die Bosskämpfe wesentlich schwieriger machten, als sie tatsächlich waren. Dazu kommt natürlich, dass 40 Spieler aufwändiger zu koordinieren sind, als 25 oder gar 10 Recken.

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Das liest sich jetzt, als wäre damals vieles schlecht gewesen. Aber es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht zu raiden. Etwas Besseres kannte man damals nicht und vor 8 bis 10 Jahren waren die Schlachtzüge in WoW einsame Spitze, trotz schwieriger Organisation, Mitspielerinnen, die während des Trashs zwischen Magmadar und Garr baden gingen und strengen Klassenkorsetts.
Es war ein großes Fest auf dem ganzen Server, wenn der Maintank endlich alle Materialien für Donnerzorn zusammen hatte und man nach Silithus zog, um einen Weltboss zu beschwören, der nur diesem einen Spieler dazu verhalf, sein legendäres Schwert zu bekommen. Nicht nur die eigene Gilde zog aus, um Donneraan dem Windsucher den Garaus zu machen, sondern auch viele weitere Spieler. Solche Events wollte niemand verpassen, denn sie waren selten, wenn nicht gar einzigartig. Wie die Öffnung der Tore von Ahn'Qiraj. Nur ein Spieler des gesamten Servers hatte die Ehre, die Tore mit einem Gegenstand zu öffnen, für den eine lange Questreihe durch viele Schlachtzüge nötig war. Um die Tore überhaupt Öffnen zu können, mussten sehr viele Rohstoffe von allen Spielern des Servers gesammelt und abgegeben werden. Raiden war damals also vor allem eine große Gemeinschaftsangelegenheit. Das soziale Zusammenspiel war ebenso wichtig wie das spielerische.

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Viele Spieler schwärmen immer von der besten Zeit für Raider und erzählen wie toll 40-Spieler-Schlachtzüge waren. Aber ganz objektiv gesehen waren diese Raids ein Albtraum für die Organisatoren sowie auch für viele Spieler. Mit nur zwei Gegenständen pro Boss waren viele Spieler unglücklich, wenn sie mal wieder leer ausgingen und es gab noch viel mehr Potential für soziale Reibungen durch die höhere Spieleranzahl. Natürlich machten die Schlachtzüge eine Menge Spaß, aber man kannte eben auch nichts anderes.

Ganz persönlich hatte ich damals eine tolle Zeit, jedoch wird die Anfangszeit von WoW meiner Meinung nach von sehr vielen Spielern verklärt, ähnlich einem romantischen Mittelalter, das es so niemals gab. Für mich brach erst mit der ersten Erweiterung die schönste Zeit für Schlachtzüge an.

Weiter geht es demnächst im zweiten Teil mit The Burning Crusade, das viele wichtige Änderungen mitbrachte.
 

Falcoron

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JAAAA die Classiczeit - schöne Erinnerungen und auch einige schlechte....
Das mit den verschiedenen Gilden im Raid war eigentlich kein Problem - jeder bekam DKP und gut war.... wer eben lange dabei war (egal von welcher Gilder) konnte sich eben mehr erlauben als jemand mit wenig DKP - so einfach war das.
Das einzige Problem waren eigentlich eher die Questitems in MC - für den Jäger so ein Blatt und für den Priester "das Schattenauge" oder war es "Auge des Lichts"? boah laaange her.... jedenfalls hatte ich als Priest im Raid als einziger schon das Schattenauge und brauchte nun das Gegenstück. Das hat laaange gedauert - ca. 3 Monate ^^ bis ich die Priesterquest machen durfte.
Ja 40 Leute und damit nicht genug.... man musste im "Leutepool" locker 60-70 Leute haben, damit man noch einen Ersatz hatte, wenn jemand nicht mit konnte.
Doch eines war wunderbar - es funktionierte eben... wäre heute wohl undenkbar.... jetzt wo die beste Zeit vorbei ist.
 
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