Tomodachi Life (3DS)

Khanor

Dungeon-Boss
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Tja, wo beginnen, wenn man im Begriff ist, seine eigene Welt, ihre Entstehung und ihr Für und Wider zu erklären...?

Versuchen wir es am Anfang: Das ist Kokolint.

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Es begab sich am 6. Juni 2014, dass ein unscheinbarer Mii namens Lexon auf einer kleinen Insel anlangte. Durch Zufall schaute ich an diesem Tage auch dort vorbei und wir stellten gemeinsam fest, dass ich wie sein Ebenbild aussehe...

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Seither besuche ich ihn regelmäßig dort und stelle fest, dass die Population auf der Insel steigt und die sozialen Kontakte untereinander reifen und gedeihen, sich gelegentlich auch mal Streit entwickelt und sich ein jeder über fast jedes Geschenk mehr oder weniger freut, gerne isst und viele sinnlose Dinge tut.

Doch Kokolint, wie ich selbst die Insel taufte, sah nicht immer so aus. Bei meinem ersten Besuch standen hier gerademal ein Apartmenthaus mit drei Etagen und man konnte den Strand besuchen. Doch im Laufe der Zeit änderte sich das, zum Positiven für alle bis heute Beteiligten, so wurde erst ein Rathaus errichtet, um es weiteren Bewohnern zu ermöglichen, nach Kokolint zu ziehen. Dies erfolgt wahlweise über den Mii Maker der eigenen 3DS-Konsole, man kann Miis aus der StreetPass Lobby importieren oder aber auf diversen Seiten im Internet auch vorgefertigte Miis per QR-Code einlesen. Nicht zuletzt sind sogar einige namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dazu bereit gewesen, auf der offiziellen Homepage ihren Avatar zu veröffentlichen, und so durfte sich Lexon auch nach einiger Zeit neben weiteren über Nachbarn wie Christina Aguilera oder Shaquille O'Neal freuen.

Durch die wachsende Bevölkerung durften natürlich auch Erforderlichkeiten des täglichen Bedarfs nicht fehlen und so eröffneten im Lauf der nächsten Tage und Wochen ein Lebensmittelgeschäft, ein Hutmacher, eine Boutique, ein Einrichtungshaus, Vergnügungspark, Erholungspark, ein Café und dies und das und jenes, damit ich dafür Sorge tragen konnte, dass es den Bewohnern Kokolints an nichts fehlte, denn sie wollten mit Essen versorgt und unterhalten werden, bespielt, bespaßt und befreundet.

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Zendaya Coleman und WW Link bei einem gemeinsamen Besuch im Vergnügungspark.

Bis hierher mögen Herrschaften meines Alters denken: das kommt mir bekannt vor, als ich zwischen 10 und 15 Jahren alt war gab es kleine Plastikeier in Schlüsselanhänger-Größe mit drei Knöpfen und simplen Pixelbildern mit nervtötend bedürftigen Küken die hungrig waren, spielen wollten, gestreichelt werden mussten und zu allem Überfluss auch noch mitten auf den Bildschirm kackten. Das nannte man "Tamagotchi" und brachte Lehrer noch schneller auf die Palme, als zur vollen Stunde piepsende Digitaluhren. Wo mag jetzt der Unterschied sein?

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Reinigung nötig? Ein "Badeset" kann Abhilfe schaffen und der Mii singt sogar in der Badewanne. Nicht schön, aber laut.

Nun, lieber Kritiker, die Miis sterben nicht, wenn man sie nicht regelmäßig füttert, ich konnte noch keinen davon überzeugen zu altern (außer vielleicht dadurch, einen Kinder-Mii mit einem Ab-18-Spray zu beduseln und dadurch ins geschlechtsfähige Alter zu katapultieren).

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Hier umgekehrt: Lexon wollte sich mal wieder benehmen wie ein Kind und bekam von mir ein FSK-0-Spray verabreicht und erfreute sich an einer simplen Pfütze...

Sie piepsen nicht ungefragt im Unterricht (es sei denn man startet das Spiel und schaltet den Ton ein) und es gibt mehr Varianten, ihnen den Tag mit Beschäftigungen zu versüßen.

Und sie machen keine Häufchen!

Ansonsten sind gewisse Parallelen unverkennbar und der Name "Tamagotchi Life" wäre ebenso angemessen gewesen. Dennoch birgt das Spiel einen gewissen Charme.

Zum Allgemeinen kann man sagen, dass die Musik im Spiel beiläufig fantasieloses gedüdel mit Hang zur Nervigkeit ist, ohne doch zu aufdringlich zu sein. An einigen Stellen hätte man sich Textboxen sparen können, aber wenigstens ist auch ein skippen der meisten Texte möglich, denn wenn man sie 20 mal täglich hört kennt man auch die vermeintlich fantasievoll-witzigen Sprüche bald so gut, dass man gleichzeitig mit dem erzwungenen Lächeln einen Brechreiz kaum niederringen kann. Die Animationen sind gewollt minimalistisch gehalten und wirken in manchen Fällen unheimlich billig, was aber doch passend den nicht ganz ernstzunehmenden Charakter des Spiels unterstreicht. Den Programmierern schien es wichtig zu sein, so viel Farbe wie möglich auf die Insel zu bringen und neben unzähligen brauchbaren Outfits gibt es eine noch viel größere Flut an sinnfrei glitzernden Kostümen wie Dirndl, Helden- und Ninja- und Hamster-Kostüme, Schlabber-Shirts und dergleichen. Noch nennenswert ist vielleicht, das ein jedes Mii mit einer eigenen Stimme und Sprachqualität versehen werden kann und sämtliche Textboxen so auch von den Miis mit dem typisch metallischen Klang eines C3PO oder einer Sprechhilfe für Kehlkopfkrebspatienten vertont werden. Die Charakter der Figuren werden über fünf oder sechs Charakteristika geprägt, die im ersten Moment zwar ein wenig dümmlich und nutzlos wirken, man jedoch bei gewissenhafter Auswahl tatsächliche Ähnlichkeit zwischen dem Mii und seinem realen Vorbild schaffen kann - so ist mein Bruder optisch und charakteristisch wundervoll getroffen und auch einige weitere Bewohner von Kokolint erinnern von ihrem Wesen her stark an ihre Vorbilder.

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Nachdem ich als erstes Geschenk, wegen der Passgenauigkeit zum Original, dem Mii meines Bruders einen Laptop verpasste störte es ihn auch schlagartig nicht mehr, dass sein Zimmer noch keinerlei Inneneinrichtung besaß.

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Als wenig später Chewbacca auch auf die Insel zog freundeten sich die beiden unheimlich schnell und unheimlich unzertrennlich bis zum heutigen Tage an.

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Doch trotz dieser beinharten Männerfreundschaft... Lýtron kann einfach nicht aus der Haut seines realen Ebenbildes
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Die Miis essen, schlafen, haben Launen, wollen sich verlieben und heiraten.

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Just married: Lexon und Miimii (die übrigens die "Haus-Mii" von "StreetPassDE" ist, zu finden auf Facebook und als informative App für Nintendo-Nutzer

Und manchmal mag man sich auch vom Partner trennen (wobei einige der Optionen dahinter doch zu plump gehalten sind und die Auswahl eines simplen "Überlegs dir!" bisher immer dazu führte, dass die Beziehung auf unbestimmte Zeit weiter Bestand hatte) oder aber Kinder bekommen (dazu später noch mehr).

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Hier The Doctor und Zelda mit ihrem ersten gemeinsamen Kind Rufus

Sie wollen Spaß, Geschenke, Hobbies und alles mögliche.

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The Doctor und Lexon beim gemeinsamen 3DS-Spiel im Zimmer von Lexon

Auch haben sie gelegentlich irgendwelche Wehwehchen und sagen direkt, was sie erwarten, sofern man eine der Aktionen länger nicht durchgeführt hat, stellen im Lauf der Zeit auch immer spezifischere Ansprüche, können erkranken, können Liebeskummer empfinden, gehen aber auch mal aus freien Stücken ihren Beschäftigungen nach, etc.

Zu Anfang jedoch, wenn noch kaum Bewohner auf der Insel verweilen, ist das Spiel geradezu schleppend, denn nur ein Bewohner hat natürlich nicht viele Ansprüche und so hüpft man immer wieder um ihn herum, aber irgendwann sind die Möglichkeiten einfach erschöpft und er selbst ist auch mal einige Zeit wunschlos glücklich. Mit steigender Bewohneranzahl kommt es dann natürlich auch mal dazu, dass diverse Miis gleichzeitig der Aufmerksamkeit bedürfen, sich aber auch mehr an Zwischenmenschlichkeit interessieren oder spielen wollen.

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Bei der lieben Prinzessin Leia drückt irgendwo der Schuh...

Für mich ist der Spieltrieb der Miis das lästigste auf Kokolint, denn die möglichen Spiele sind relativ fantasielos. Memory allein oder zu zweit, Bilderrätsel über Silhouetten, Verpixelung oder ähnliches, ein Kartenspiel von 2 bis 20 Sekunden Dauer, Items fangen und ein nervtötender Klopf-Ringkampf, bei dem man auf den Touchscreen klopfen muss um eine Holzfigur des Gegners umzuwerfen, wobei kein wirklich ersichtliches System dahinter steckt.

Doch, wie bereits erwähnt, das Spiel hat doch auf seine Weise einen gewissen Charme und ich bin froh mit der Entscheidung, mich zum ersten Mal anstatt der Hardware-Version für einen Download entschieden zu haben um das Spiel quasi jederzeit instant dabei zu haben.

Und auf Anfrage bin ich natürlich auch großzügig zu meinen Inselbewohnern.

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Ob nun Freundschafts- oder Hochzeitsreise: den Miis geht es gut.

Eine Enttäuschung im Spiel ist der 3D-Effekt der Konsole, aber mir wäre auch nichts eingefallen, wie man ihn sinnvoll hätte nutzen können. Und ganz ehrlich: ich habe den 3DS nicht nur wegen seines 3D-Effekts, sondern wegen der Spiele an sich und die funktionieren ja auch ohne.

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Hier die Ansicht, in der man seinen Bewohnern gegenüber tritt. Der 3D-Schirm gibt einen groben Überblick, auf dem Touchscreen finden die Aktionen und Interaktionen statt (hier Sir Sean Connery).

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Zum Vergleich: der aktuelle Stand bei Fox Mulder.

Die Bewohner von Kokolint können aber auch gemeinschaftlich beschäftigt werden. Zu jedem Levelanstieg darf der Spieler ein Geschenk verteilen und hat dabei u.a. die Auswahl aus einigen Musikstücken diverser Genres. Diese können im ortsansässigen Konzertsaal allein oder in Gruppen aufgeführt werden (ein MIDI-Hochgenuss der ganz besonderen Art), wobei Outfits, Bandname und sogar der Liedtext frei variabel sind.

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Hier bei einer Heavy Metal Aufführung (von links nach rechts): Debby, Peach, Samus, Lexon, 7 of 9, Zelda, Jody Foster

Die Verkupplung von zwei Miis ist immer irgendwie seltsam, denn wie es nunmal so ist: entweder es passt, oder es passt nicht.

Als kleines hilfreiches Tool wird im Spielverlauf später der Affinitätstester zur Seite gestellt, in dem man eine Prognose für die Freundschaft oder Beziehung zweier Miis erstellen kann. Nach welchen Gesichtspunkten das abläuft, hat sich mir nicht erschlossen, allerdings lohnt sich gelegentlich ein Blick, wenn ein Charakter mit der Frage auf den Spieler zukommt, ob er einem anderen Mii seine Liebe gestehen sollte - wenns nicht passt, kann man sich dadurch viel Arbeit sparen, um den Avatar wieder aus seinem Liebeskummer zu befreien.

Hier dazu noch zwei kleine Witzigkeiten, die bei mir zwischen bestimmten Miis prognostiziert wurden:

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Wer hätte das gedacht...?

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Auch keine Überraschung!

Toll gemacht hat man die Screenshot-Funktion! Endlich mal sorglos einen Screenshot erstellen, das habe ich in noch keinem Spiel erlebt. Bis heute weiß ich einfach nicht, wie es in anderen Spielen funktionieren soll, hier jedoch: X-Taste fertigt instant einen Screenshot des 3d-Bildschirms an, die Y-Taste ist für den Touchsreen zuständig.

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Mit dem Nintendo 3DS-Bildertransfer ist es theoretisch möglich, aus dem 3DS heraus direkt Bilder ins Internet zu übertragen - funktioniert leider überhaupt nicht.

Sagte ich, dass die Miis nicht altern? Das stimmt so nicht ganz.

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Der heranwachsende Rufus beim Spiel im Sandkasten mit der stolzen Mama Zelda.

Und über diesen süßen Rufus schlagen wir langsam mal die Brücke zu dem, was ich mittlerweile als absolut unabdingbar und einen der Hauptfaktoren des Nintendo 3DS empfinde: StreetPass.

Ja, selbstverständlich unterstützt Tomodachi Life auch StreetPass und es ist möglich, Miis auf andere Inseln (also auf das System anderer Tomodachi Life Spieler) zu schicken. Zu diesem Zweck wird eines schönen Tages der Schiffsanleger eröffnet...

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Und so wartete ich lange Zeit vergeblich auf Besuch...

Der Schiffsanleger blieb leer, gähnend leer, obwohl ich gelegentlich andere Spieler via StreetPass von Tomodachi Life traf. Wie sollte das bloß funktionieren? Wo blieben denn die Besucherströme, von denen bei der Eröffnung gesprochen wurde?

Auch der zeitgleich eröffnete Zeltplatz für Besucher Kokolints erfreute sich im Wind fliegender Strohballen und der Abwesenheit jeglicher Besiedlung.

Es blieb mir schleierhaft, bis eines Tages...

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"Rufus ist dem Elternhaus entwachsen", teilten mir die stolzen Eltern mit.

Sobald ein auf der Insel geborenes Kind das Erwachsenenalter erreicht hat kann man ihm freistellen sich entweder auch auf der Insel anzusiedeln oder sein restliches Dasein als Reisender zwischen den anderen Inseln zu fristen. Für mich war natürlich klar: Auf gehts zu neuen Ufern!

Doch auch weiterhin... Der junge Rufus stand nun mehrere Tage bedröppelt am Pier und erzählte mir immer fröhlich, dass er auf das nächste Schiff warte, das aber nicht kam, obwohl ich bei meinen vielfältigen Besuchen von StreetPass Hotspots immer wieder auf andere Spieler traf.

Was hatte ich verkehrt gemacht?

Zu Teil 2

 
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