Für mich liegt die Sache relativ klar auf der Hand.
Warner verbietet Codemasters den Mund.
Wie ich darauf komme?
Warner hatte bereits einen Fuß auf dem Boden der Computerspielebranche mit Atari Games, welches sie 1985 an Namco verkauften, 1994 zurückkauften (für teurer Geld) und 1996 wieder verkauften an Midway Games. Diese hat man mittlerweile ebenfalls wieder aufgekauft.
Für Turbine hat Warner 160 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt, dass ist aber nur ein Bruchteil dessen, was sie in den letzten Monaten für das "schlucken" von bekannten Größen in der Computerspielbranche ausgegeben haben. Vorher hatten sie die Macher von F.E.A.R., Snowblind (Macher von Baldurs Gate Dark Alliance, Rocksteady (Batman: Arkham Asylum) und Telltale Games (Lego-Spiele) verschlungen.
Es geht hier also um Geld, um viel Geld. 2009 verlor Time Warner knappe 10 Milliarden US-Dollar, weil sie dringend umstrukturieren mussten (wegen der Fusion mit AOL, was ein Debakel war). Es geht um einen Aktienkurs, um Investoren und es geht um Jobs. Ne Menge Jobs, bis hinauf zum CEO, der erst kürzlich gefeuert und ersetzt worden ist.
Wer den Release vom F2P in Amerika etwas verfolgt hat und die Foren der großen Fansites, der weiß, dass das Release bei neuen Spielern sehr gut ankommt. Dafür war es für einen Großteil der Prä-F2P-Spieler eine Katastrophe. Accounts wurden gleich Reihenweise falsch umgewandelt, LTA-Spieler fanden sich im F2P Modus wieder. Im Shop gekaufte Sachen verschwanden auf vorerst Nimmerwiedersehen (weil sie in Taschen gelandet waren, die diese Spieler eigentlich haben sollten, aber wegen des verkehrten Umwandelns nicht hatten). Shop-Punkte wurden falsch Berechnet und es gab einige weitere unschöne Bugs.
Warner hat Turbine aus zwei Gründen übernommen. Der erste ist, dass Warner nun alle Lizenzen an Herr der Ringe besitzt. (Die von EA haben sie vor einiger Zeit schon gekauft). Der zweite Grund ist, dass sie ein Stück vom MMO-Markt-Kuchen abhaben wollen. Darum auch der Umstieg auf F2P. Man hat gesehen, dass es bei DDO funktioniert, dass mehr Spieler als vorher spielen und Geld hereinkommt. Deshalb also die Umwandlung von HdRO.
Jetzt ist das Release in den Staaten da und es ist ein halbes Debakel. Und in Amerika erntet Warner den Ärger der Community. In Deutschland war es keine große Sache, dass Warner Turbine gekauft hat. Und betrifft das ja erst in zweiter Instanz. Aber in Amerika gab das ziemliche Wellen.
Was sich in den Monaten seit Ankündigung aufgestaut hat, brach nun Bahn und die Community sieht sich bestätigt in dem Urteil, dass Warner LotRO kaputt macht.
Um ihr Image wenigstens in Übersee zu retten, stoppt Warner den Release in Europa. Das ist noch nix ungewöhnliches. Würde es sich bei HdRO um ein Auto handeln und es hätte gravierende Defekte, würde man es genauso machen.
Nun hat man Warner in Europa aber noch ein anderes Problem. Codemasters. Die gehören nicht zu Warner, haben auch keinen Vertrag mit Warner. Dafür einen mit Turbine. Und der gilt, Übernahme hin oder her. Warner ist das ein Dorn im Auge. Sie hätten gerne den exklusiven Weltweiten vertrieb und sie werden den irgendwann auch bekommen. Mark my words.
In solchen Verträgen stehen auch Verschwiegenheitsklauseln (bis runter in die Verträge des Communitymanagers), die besagen, dass man keine Informationen über Firma oder Produkt nach draussen bringen darf, wenn sie nicht vorher genehmigt wurden, sonst sind Kündigung und Geldstrafe angedroht.
Im Verhalten der Community-Manager hat sich etwas verändert. Das merken wir. Woher diese Veränderung kam, sehen wir nicht.
Kam Sie von Codemasters? Eher nicht, die hatten in der Vergangenheit ja auch keine Probleme damit, ehrlich über technische Probleme zu reden.