Forscherliga Interview: Coiren Bayvanar

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Coiren Bayvanar ist eine eisern disziplinierte Priesterin auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder. Die Geschichte des Charakters ist wortgewandt geschrieben und umschifft gekonnt die Klischees gewöhnlicher Charakterdarstellungen.

Dies ist das siebte Interview der Forscherliga Reihe und der Spieler von Coiren hat sich den Fragen gestellt.


Hildegard: Dir wird das Zitat nachgesagt: "Heilende Paladine sind keine richtigen Männer."

Coiren: Ein Hoch auf Vergelter, Rächer des Lichts und Schutzpaladine, die wissen wozu sie ihre strahlende Platte tragen! Priester sind die "spirituellen Führer", aber Paladine sind die Faust des Lichts.

Hildegard: Im Einleitungstext habe ich Dich als wortgewandt gelobt. Was sind Deine fünf liebsten Wörter im Duden ?

Coiren: Das kann ich dir nicht beantworten. Es sind andere Dinge, die wichtig sind. Nicht einzelne Wörter, sondern dass der Satz stimmt, dass er aussagt, was der Schreiber sagen will.

Hildegard: Coiren ist ein sehr tief entwickelter Charakter. Hast Du Dir vor dem Erstellen viele Gedanken zu ihr gemacht ?

Coiren: Als ich mit WoW angefangen habe, etwa einen Monat nach Veröffentlichung des Spiels, wusste ich noch nicht sehr viel über die Welt. Ein inneres Grundgerüst stand aber schon: Priester, Mensch, weiblich, gelehrt, würdevoll und streng.

Hildegard: Coiren ist ja auch als Charakter aus "Wheel of Time" bekannt. Haben die beiden Ähnlichkeiten ?

Coiren: Coiren im "Wheel of Time" von Robert Jordan, eine ellenlange Romanreihe, die ich nur empfehlen kann, ist ein ziemlicher Nebencharakter. Sie erfüllt in der Geschichte nur kurze Zeit eine kleine aber wichtige Funktion. Sie entspricht aber einem ähnlichen Stereotyp. Würdevoll und gelehrt aber auch überheblicher. Letzten Endes ist es der Name, den ich übertragen habe, ziemlich früh hat sich Coiren in WoW sehr entkoppelt.

Hildegard: Coiren in World of Warcraft hat eine Strenge und Disziplin, die einem sehr früh auffällt, wenn man mit ihr Kontakt tritt. Trotzdem hat sie auch viele Schwächen. Sind Schwächen das Geheimnis der Charakterdarstellung ?

Coiren: Meines Erachtens ja. Rollenspiele ermöglichen sich anders (und auch mächtiger) zu machen als man normalerweise ist. Macht ist aber verhältnismäßig eindimensional zu spielen, wenn nicht Schwächen hinzukommen, die das ausbalancieren. Ohne Schwächen werden Charaktere oder Figuren in Geschichten zu Pappfiguren. Eine der ersten Schwächen von Coiren, die sich zeigte war ihre Vorliebe für Kirschkuchen. Das ist eine harmlose Schwäche, die ihre Rundungen betrifft. Aber es war ein Angriffspunkt, um anderen Gelegenheit zu geben, zu spotten. Später entwickelten sich ernstere Schwächen.

Hildegard: Die World of Warcraft hat viele Inkonsequenzen, die eine überzeugende Charakterdarstellung erschweren, wenn man am ganzen Spiel teilnehmen will. Wie erklärt sich beispielsweise, dass Coiren mit einer Hasardeurin wie Hildegard in einer Goblinarena kämpft ?

Coiren: Coiren hält Gnome für ein "tapferes, geschundenes kleines Volk". Mit ihnen zusammen zu kämpfen ist für sie da nur folgerichtig. Die Kämpfe in der Arena sind Vorbereitung für den großen Krieg.

Hildegard: Wie gehst Du mit anderen Inkonsequenzen um ?

Coiren: Ich ignoriere sie. Ernsthaft: Horden von Untoten kann ich vernichten und es so drehen, dass die immer wieder neu belebt werden. Aber bei Feinden mit einem Namen, die kann man meist nur einmal vernichten. Das ist der Spielmechanik geschuldet und ich beziehe mich einfach nicht darauf. Die schwersten Inkonsequenzen ignoriere ich im Spiel also, obwohl Coiren nahezu immer IC ist.

Hildegard: Mama Jippa hat neulich im Interview ein Zitat gebracht, dass sie wohl noch einige Zeit verfolgen wird, weil es bei vielen Spielern einen Nerv getroffen hat. "WoW hat ernste Seiten und mein Rollenspiel hat die auch, aber m.M. eignet sich das MMORPG WoW nur dann für Rollenspiel, wenn man es mit einem Augenzwinkern und einem Trashfaktor spielt. Vieles ist sonst einfach unmöglich erklärbar." Was denkst Du dazu ?

Coiren: Die Welt von WoW ist voller Trash und Easter Eggs. Und das Rollenspiel kann auch so sein. Coiren ist ja ein wirklich bierernster Charakter. Aber in dieser Überzogenen Ernsthaftigkeit und Disziplin liegt meine Art von Trash. Coiren wird unfreiwillig komisch. Ich würde sie auch z.B. niemals auf einem viel zu kleinen Netherrochen reiten lassen oder beim Braufest mitmachen. Aber dadurch, das andere das tun, hab ich Bezugspunkte, Coiren noch steifer und sogar zuweilen weltfremd und lebensverneinend erscheinen zu lassen. Das Feiern der anderen, ihre Haustiere, ihre Saufgelage, das alles bietet mir den Kontrast, meine Figur umso strenger erscheinen zu lassen. Also: Ja, Der Trash kann und will genutzt werden.

Hildegard: Bist Du ein Bücherwurm ?

Coiren: Ja! Coiren übrigens auch.

Hildegard: Deine fünf liebsten Bücher sind...

Coiren: Lass mich kurz überlegen.
1. "Maria Stuart" von Schiller
2. "Das Nibelungenlied" von Anonymus
3. "Draußen vor der Tür" von Borchert
4. "Wheel of Time" von Robert Jordan
5. "Die unendliche Geschichte" von Ende
Und, weil es sich nicht in eine 5-Besten-Reihenfolge bringen lässt, weil es da nicht hingehört: Die Bibel

Hildegard: Hast Du wirklich die Bibel gelesen ?

Coiren: Nicht von vorne bis hinten, sondern auszugsweise. Völlig unabhängig von Glaubensfragen ist es ein kaum zu begreifendes Stück Weltliteratur.

Hildegard: Bist Du gläubig ?

Coiren: Meistens ja. Aber ich bin ein Zweifler.

Hildegard: Wo sollte jemand, der die Bibel lesen will anfangen ?

Coiren: So blöd es klingt: Am Anfang. Oder mit dem Johannesprolog ("Am Anfang war das Wort..", jeder kennt es, nicht jeder kann es weitersprechen)

Hildegard: Themenwechsel. Achievements sind für gelangweilte Spieler, die gerne komische Haustiere sammeln und sich von einer aufpoppenden Erfolgsmeldung verarschen lassen.

Coiren: Wenn man so denkt, muss man das ganze Spiel wegschmeißen. Instanzen sind grafisch mal mehr, mal minder gut gestaltete Pseudowelten, in denen sich Spieler über randomisiert auftretenden Pixelverkleidungen ihres Alter Ego freuen. Spiel ist Spiel. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn jemand sich über einen Erfolg freut, dann freut er sich eben. Eine Einschränkung mache ich. Wenn jemand einen Charakter spielt, der den Frieden mit der Horde beschwört, dann stehen ihm PvP-Erfolge nicht gut.

Hildegard: Du spielst sehr aktiv auch Schlachtfelder und bist in der Arena unterwegs. Was ist Dein Fazit nach vier Arenasaisons ?

Coiren: Es ist immer alles im Fluss. PvP ist schnell und wenig vorhersehbar. Das ist für mich der Spaß daran. Ich gewinne gern, ich verliere weniger gern. Aber ich nehme die Dinge, wie sie sind. Meistens. Manchmal. Also... ich habe Druiden gehasst. Mein Fazit ist: Ich mache weiter und würde mich freuen, wenn noch etwas mehr Zufall bzgl. Talenten und Fähigkeiten herausgenommen würde.

Hildegard: Hast Du schon Pläne, wie Deine Teams mit 80 aussehen werden ?

Coiren: Sobald Coirens verschollener Bruder aufgetaucht ist, macht unter Umständen ein weiterer Todesritter die Schlachtfelder unsicher. Konkretere Pläne, auch für Coiren, habe ich noch nicht, da ich denke, dass sich noch so einiges verändern wird. Klar ist aber: Ohne PvP hätte ich dem Spiel schon lange den Rücken gekehrt. Ich werde es also weiterhin machen.

Hildegard: Du ziehst mit Schatzsuchern in die großen Schlachtzugsinstanzen. Kommt das Deiner Vorstellung von einem idealen Schlachtzug nahe ?

Coiren: Genau dieser Vorstellung habe ich mich entledigt. Ein Schlachtzug ist ein solches Kompromissprodukt, dass es nicht annähernd einen Idealzustand erreichen kann. Ich mag einen Großteil der Leute, ich mag die Mühe um Rollenspiel und ich mag den Versuch, die meisten Fragen mit Verstand zu lösen. Vieles davon geht auch in die Hose. Aber mir ist eine gewisse Loyalität wichtig, darum braucht es einen starken Impuls, um mich aus den Schatzsuchern zu treiben.

Hildegard: Könntest Du Dir auch vorstellen gänzlich ohne Rollenspiel zu raiden ?

Coiren: Nein.

Hildegard: Warum. Ist Rollenspiel nicht eigentlich nur hinderlich bei Schlachtzügen ?

Coiren: Versteh mich nicht falsch: Ich brauche keine großen Geschichten zwischen "Magie bannen" und "Große Heilung". Aber ich schätze Leute, die einen Bezug zu ihrer Figur haben und eine Idee, was es für die Figur bedeutet, gerade im Kampf zu sein.

Hildegard: Hilft VoiceChat bei Schlachtzügen ?

Coiren: Ich bin unentschieden. Manche Ansage ist dann einfach schneller gemacht. Aber es wird oft zu viel Unnötiges geredet. Wenn dann noch Mikrofone rauschen, Sprechtasten knacken und drei Leute gleichzeitig etwas sagen wollen, dann wird es für mich schnell ermüdend. Die Stimmung bzgl. Rollenspiel kann auch leiden. Nicht zwangsläufig, aber häufig ist es so.

Hildegard: Du hast vor kurzem die Geschichte zu Coiren vollendet, die Du über Monate geschrieben hast.

Coiren: Es ist ein vorläufiges Ende, eine Zwischenstation. Coiren ist mit dem Aufbruch nach Nordrend und dem Finden ihres Bruders am Ziel. Aber sie lebt ja noch und wird sich in den Krieg stürzen.

Hildegard: Du hast lange gezögert die Geschichte für ein breiteres Publikum als die Schatzsucher zugänglich zu machen, warum?

Coiren: Ich habe mit der Geschichte überhaupt begonnen, weil ich meinem unmittelbaren Umfeld mehr von Coiren zeigen wolle als die gestrenge Herrin. Vielleicht auch, um Appetit zu machen, sie mal intensiver anzuspielen. Plötzlich ergab sich ein Eigenleben und unter der Dusche oder auf dem Weg zur Uni kam mir ein Gedanke, was so einer Menschenpriesterin noch so passieren könnte und wie sie vielleicht reagiert. Etliche Notizen und Entwürfe habe ich verworfen. Fragen kamen auf: Was hat sie eigentlich für eine Familie? Wo ist ihr Bruder? Dann kam die Ankündigung, dass es ein Add-on mit der Klasse Todesritter geben würde. Da bekam ich meine Antwort. Die Geschichte diente zwischendurch auch einem Herausschreiben Coirens aus dem Spiel. Da wollte ich aufhören und sie nach Nordrend segeln lassen. Mit der Geschichte habe ich sie auch zurückkehren lassen.

Hildegard: Du hast überlegt aufzuhören und Dir auch andere Spiele angesehen. Warum bist Du letztlich geblieben ?

Coiren: Zunächst die Frage, warum ich überhaupt gehen wollte: Andere Spiele hatten die bessere Grafik und das ist mir wichtig. Bisher bin ich dann aber vom anderen Spiel enttäuscht worden. Bugs, undynamisches Spiel, ein Charakter, den ich ganz neu aufbauen muss, neue Spielmechaniken, in die man sich einlesen muss. Außerdem kenne ich hier einige Leute mit denen ich gerne spiele und die nicht nur von "rofl" und "droppen" sprechen. Die neuen Texturen und die Einführung von Schatten in WoW hat mich dann auch nochmal zusätzlich versöhnt.

Hildegard: Der Hunger kommt beim Essen. Wird man bald mehr von Dir lesen ?

Coiren: Burning Crusade war für Coiren eigentlich eine Trockenzeit, sie interessiert sich nicht sehr für Naga und Illidan. Nordrend ist ganz sicherlich mehr ihre Welt, denn es geht gegen die Geißel und sie wird sich rächen, da bin ich sicher. Vielleicht erzählt aber auch bald ihr Bruder, aber irgendetwas wird ganz sicher erzählt werden

Hildegard: Mit wem würdet Du hier gerne ein Interview lesen ?

Coiren: Mit jemandem, der einen zweifelhaften oder tatsächlich boshaften Charakter spielt. Jemand vom Schlag Kerzufals vielleicht. Auch, um mehr über Plot-Rollenspiel zu erfahren.

Hildegard: Welche RP-Events sind Deine Favoriten ?

Coiren: Spontane Situationen mit viel Improvisation.

Hildegard: Danke für das Interview Coiren.

Coiren: Der Krieg hat begonnen!http://my.buffed.de/user/328243/blog/
 
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