Okay, holen wir etwas aus:
Es ist vollkommen unerheblich, ob es bei MMORPGs wie WOW RP-Realms/Shards etc gibt, es bleiben letztlich komplett unrollenspielerische Erfahrungen. Im besten Falle spielt man in seinem kleinen Kreis von Leidensbereiten in einer RP-freien Umwelt.
Das einzige große MMORPG, wo RP mehr als eine Randerscheinung ist, ist wohl LOTRO. Das ist zwar auch vom ganzen Aufbau her nie und nimmer rollenspielerisch ne gute Lösung, aber es ist ein Kompromiss für Low-RP, also mal in-character schwätzen, andere tun es auch, auch mal nen Raid im RP durchführen, etc. Braucht jeweils Aufwand, ist NIE und NIMMER, auch auf dem einen deutschen RP-Server, das vorherrschende Spiel und das ganze Gamedesign streut RP mit Rest-Anspruch laufend Salz in die Wunden. Aber immerhin bleibt man von den schlimmsten Auswüchsen von Non-RP verschont, weil immerhin Codemasters auf die EInhaltung der Regeln achtet.
So, wenn nicht MMORPG, was denn dann?
Man muss in einem anderen Genre suchen, denn für alle MMORPGs gilt:
- Man kann nix ändern (lassen wir mal ganz alberne Capture-the-flag-Sachen aus)
- Es gibt nichtmal nen gemeinsames Setting (denn je nach Questlage jedes einzelnen unterscheidet sich das erheblich, man kann nicht mal davon ausgehen, dass Drache XYZ nun lebt oder schon tot ist)
- Jedwede Lösung außerhalb der Engine ist vergebene Liebesmüh
- Man kann nix herausfinden, was nicht in nem Dialog steht. Dadurch bleibt alles platt und flach. Klar kann man sich bei LOTRO einbilden, es hätte viel Hintergrund wegen der Bücher. Stimmt auch, im Makro-Setting (welche Götter, welche Rassen, welche Länder) ist LOTRO stark, eben wegen Herrn der Ringe, Simarilion und Co, aber im Mikrosetting (wer wohnt in dem Haus in Bree? Hat Questgeber XYZ Kinder? Wer hat hier politisch Einfluss in der Stadt?) ist LOTRO grausam schwach. Und DAS ist es, aus dem man tägliches RP mit Inhalt ziehen würde.
- Was Spieler A macht, wird Spieler B nie erfahren. Ergo kann das Gros der Spielerschaft auf Aktionen gar nicht reagieren.
Unter diesen Mängeln leidet jedes MMORPG. Ja, man KANN gutes RP haben, mit seinen Kumpels, auch mal spontan, aber gerade im Spontanen gibt es eben eine riesige Inhaltsleere.
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Okay, kommen wir zu dem einzigen Genre, in dem RP tatsächlich uneingeschränkt möglich ist, wo die Engine nicht die Begrenzung ist, sondern die Hilfe zur Darstellung.
Das Genre heißt MORPG ... Klingt ähnlich, ist ganz anders. Erstmal fehlt ein M, es ist nicht Massively. Ginge auch gar nicht. Die Betreuung je SPieler ist um den Faktor 1000 mindestens höher als bei einem MMORPG. Es gibt die klassischen Abenteurerquests, das, was man tut, hat tatsächlich Bestand, und zwar eben auch außerhalb skriptbarer Lösungen. Man will dort ein Warnschild anbringen? Kein Problem. Man vernichtet im RP wirklich eine Monstersorte? Dann ist morgen deren Höhle wirklich für ALLE weg. Was man tut, hat Konsequenzen, man gewinnt Ansehen in der Welt und verliert es aufgrund seines Verhaltens, also dessen der Spielfigur.
ALLE sind zu JEDER Zeit (jetzt lassen wir mal ne technische Besprechung, wo irgendjemand Probleme hat, aus) im Rollenspiel. Es ist keine Randerscheinung. Es ist IMMER aktiv. Und zwar von jedem, kann man gar nicht oft genug sagen.^^ Es gibt keinerlei repetitiven Quests, es gibt keinerlei vorgefertigten Wege, auf denen man das Spiel spielt. Der eigene Charakter will ein Räuber sein, der Leute ausraubt, oder ein Diplomat in Diensten der Krone? Alles möglich, null Einschränkungen, solange es zum Setting des Servers passt. Das wiederum wird auch überprüft, bzw jemandem wird geholfen, das passend zu machen.
Wie gesagt, es fehlt ein M. Statt tausend Leuten spielen das ... meinetwegen 30 Mann (in NWN) oder 120 Mann (in UO) gleichzeitg. Aber selbst 30 Mann heißt mindestens 100 Mann Community. Das sind locker 300 besetzte Rollen in einer Onlinewelt. Das langt vollständig!
300 Charaktere mit ihren Positionen und Profilen sind weitaus mehr Abwechslung als ein 1.000-Mann-gleichzeitig-Server überhaupt haben kann. Wieso? Weil die erlebte Vielfalt der Situationen davon abhängt, mit wievielen Leuten ich überhaupt über einen Gruß hinausgehendes Rollenspiel habe. Und das sind in einem MMORPG sicher nicht mehr. In einem MORPG kann ich das und werd ich das mit jedem der Community auf kurz oder lang haben, das ist alles viel enger. Und die Chars differieren viel stärker, sie stellen auch insgesamt eine größere Bandbreite dar.
30 Mann online sind auch mindestens 10 gleichzeitig laufende RP-Situationen, was wahrscheinlich sogar mehr ist als auf dem RP-Server eines durchschnittlichen MMORPG, und dass ich DORT Teil einer dieser 10 Situationen werde, ist unwahrscheinlich, denn die finden verteilt über eine gigantische Spielfläche statt, am Besten noch zurückgezogen in Housing-Instanzen.
Aber wenn es nur 30 Mann sind, dann treff ich ja niemanden? Die Welten sind so aufgebaut, das man sich trifft, und vor allem trägt das Voll-RP dazu bei, dass Ortschaften wirklich bewohnt sind. Und Straßen wirklich gegangen. Man gehe mal in LOTRO eine STraße lang. Man ist ein Exot und 95% aller Vorbeirenner flitzen so schnell vorbei, dass man das, was da geschah, nun wirklich nicht als RP bezeichnen kann.^^
Treff ich in einem MORPG jemanden, dann gibt es IMMER RP. Ausnahmslos. Selbst, wenn es nur ein Gruß wäre oder ein Umgehen des Gegenübers, ein geflssentliches Ignorieren .... es ist immer RP, auf das man reagieren kann, es ist kein "Zisch und weg war er". Alle Charaktere haben eine echte Agenda, die sich aus ihrem Charakter ergibt, kein zu füllendes Quest-Journal.
Das Ganze ist eine ERHEBLICHE Abweichung von MMORPGs, nicht nur bei der Spielerzahl. Level-Hatz? Item-Hatz? Ruf-Farming? Alles vollkommen unbekannte Begriffe in dem Zusammenhang. Die Stärke eines Charakters ergibt sich aus dem Weg, den er im Rollenspiel nahm.
Das Spielerlebnis zu vergleichen, ist tatsächlich wie der Vergleich von Licht + Schatten, solange es um RP geht. Ich würde nie den großen, kommerziellen MMORPGs ihre Stärken in Gamedsign, Questdesign, Lagfreiheit etc in Abrede stellen, aber in Sachen RP sind ALLE MMORPGs alberne, wirklich alberne, geradezu grotesk-stupide Parodien auf das, was Rollenspiel wirklich sein kann, und in MORPGs tatsächlich ist - natürlich nicht auf jedem Server.
Als Spieler bin ich aber auch mehr gefordert. Ich muss es ernst meinen. Ich muss es wirklich wollen. Mit der typischen Larifari-Einstellung in einem MMORPG ... "Ich renne hier rum und vielleicht RPe ich auch ein wenig" kommt man nicht weit. Es ist schlicht um den Faktor 1.000 komplexer. Wenn das reicht.
Ich denke es ist tatsächlich ein gutes Beispiel, wenn man sich anguckt, was in den 3 LOTRO-Foren an RP-Postings stattfindet, also Rollenspiel im Forum. Aushänge und dergleichen. Also, alle 3 Foren zusammen, über 250.000 Nutzer .... 3 Postings pro Woche. Unser eigenes Forum ... 400 Benutzer .... 200 pro Tag. Und ich denke das ist tatsächlich ungefähr der RP-Intensivitäts-Maßstab, der es circa ausdrückt. Geht ja in anderen Sachen weiter. Angekündigte RP-Events in allen LOTRO-Foren zusammen pro Monat: 1 ...... Bei uns pro Tag 2.
Okay, wo kann ich also nach diesem Muster Rollenspielen? Gibt zwei mir bekannte Lösungen. Das erste ist ein sogenannter Ultima Online Freeshard (Spiel ziemlich ot-of-date, aber dafür gratis - und Rollenspiel braucht nicht unbedingt Grafikpracht). Die zweite Möglichkeit ist eine sogenannte Neverwinter Nights Persistent World.
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Weil ich selber auf einer "Neverwinter Nights 2" - PW spiele, empfehle ich daher auch selbige:
Das Weltentor
http://www.dasweltentor.de/
Benötigt werden:
- Neverwinter Nights II
- Neverwinter Nights II: Mask of the Betrayer (Expansion-Pack zu NWN II)
Monatsgebühren oder sowas wird nicht fällig, aber man sollte es eben ernst meinen udn wirklich Rollenspiel wollen, denn um gar nix anderes geht es bei unserem Projekt. Und zwar ohne Regelfetischismus, wir sehen RP als kreatives Hobby mit viel SPaßpotenzial, und genau so wollen wir auch spielen. :-)
Btw muss es ja nicht unbedingt unser Server sein.
http://www.rpgguides.de/nwn2/
Da auf der rechten Seite sieht man eine Liste von PWs, muss man halt mal gucken, was etwas für einen ist.
Ne Übersicht über UO-Server kenn ich jetzt nicht, aber ich denke Google hilft da. Da gibt es definitiv auch noch gute Server. Und sie sind, im Gegensatz zu uns, nicht so schnell an der Kapazitätsgrenze.
P.S. Und mit 32 Jahren liegt man da im Altersschnitt ... Okay, leicht drüber.^^