devil-may-care
Rare-Mob
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Attra sitzt mit gekreuzten Beinen neben dem Haufen Felle, welche ihr Bett bilden, auf dem Boden. Ihren Kopf hat sie gegen das niedrige Regal gelehnt, das neben ihr an der Wand steht. Leicht kitzelt sie eines der Kräuterbündel am Nacken, die an groben Nägeln über ihr hängen.
Ihre Augen sind geschlossen, sie hat den Raum auch ohne hinzusehen vor Augen. Die weichen Felle, auf ihrem Lager. Der Schemel in der Ecke daneben, den sie eigentlich immer nur als Ablage für ihre Rüstung benutzt. Die alte Truhe, gegen die sie immer erst treten muss, bevor die Scharniere sich öffnen lassen. Den bunten Flickenteppich auf dem Boden. Und die Kräuterbündel die von den Balken hängen, welche die niedrige Decke stützen.
Ihre kleine Kammer, eng und nur durch das Kochfeuer erhellt. Aber doch ihre Kammer.
Der Durchgang zur Halle wird von einem ledernen Vorhang verdeckt. In der Regel ist er geöffnet, aber heute will Attra nicht gestört werden. Sie hat nachzudenken.
Über damals, die Zeit in den Internierungslagern.
Und die Zeit danach.
Es war kalt, seit Tagen nieselte es ununterbrochen. Feiner Regen, der fast wie nasser Nebel vom Himmel fiel. Ihr war kalt, die feuchte Wolldecke um ihre mageren Schultern war viel zu dünn um sie bei diesem Wetter warm zu halten. Sie hatte ihren kleinen Kopf an die Schulter der alten Frau neben ihr gelehnt. Mutter? Großmutter? Leicht strich ihr die Hand der Frau über die Stirn, das leise Gemurmel eines Gesprächs drang an ihre Ohren.
Das kleine Feuer, um das sich die Anwesenden scharrten rauchte und zischte kläglich im Regen. Sie zog sich die Wolldecke so gut es ging über den Kopf, der langanhaltende Regen zerrte an ihren Nerven.
Ruhig, ruhig meine Kleine. Das ist nur Wasser. Kannst du hören was es sagt?
Sie kuschelte sich lächelnd enger an die Frau neben ihr, schloss die Augen und lauschte. Sie konnte die fluchenden Wachen hören, wie sie auf den Mauern, die das Lager umschlossen patrouillierten. Ihre Stiefel verursachten einen unangenehmen Klang auf dem nassen Stein. Zwei Wachen waren beieinander stehen geblieben und unterhielten sich leise. Sie versuchte herauszufinden, was die beiden Männer sagten, aber die Worte blieben ihr unverständlich. Nur der Tonfall war unverkennbar. Dreckiges Wetter, dreckige Orcs. Ich wünschte, ich müsste jetzt nicht Wache halten sondern wäre bei Ihre Aufmerksamkeit wanderte weiter. Diese Wachen waren nicht weiter interessant. Sie lauschte dem Regen. Plitsch. Platsch. Plitsch. Attra, Attra. Versteck Dich nicht vor mir, ich will Dir nichts, und wenn ich wollte, würde Dir auch die Wolldecke nichts nützen. Plitsch, platsch. So klang es, wenn die feinen Tropfen auf den Boden aufschlugen.
Das kleine Mädchen kicherte, was ihr einen scharfen Blick der alten Frau einbrachte, an welche gelehnt sie immer noch saß. Aber das Mädchen hatte die Augen immer noch lauschend geschlossen. Das Wasser wollte spielen, fand es durchaus lustig alle Menschen und Orcs solange zu zusetzen, bis sie wünschten die hätten Kiemen.
Das Mädchen ließ die Decke von ihrem Kopf rutschen und streckte die Zunge in den Regen um einige Tropfen aufzufangen. Sie leckte sich über die Lippen und schmiegte sich wieder an die alte Frau, die nun wieder ins Feuer starrte. Das Feuer. Attra konnte hören, wie es wütend war auf das Wasser, wie es ums Überleben kämpfte und sich husten und rauchend dagegen wehrte zu erlöschen.
Die alte Frau blickte mit einem zärtlichen Lächeln auf das Mädchen nieder. Ein starker Wille, hörst Du meine Kleine? Ein starker Wille lässt Dich durchhalten. Du musst sein wie das Feuer, Dich dagegen stemmen, wenn ein Größerer Dich gegen Deinen Willen zu etwas bringen will. Hörst Du? Ein starker Wille. Sie blickte kurz zu der Frau hoch, lächelte und schloss dann wieder die Augen. Lauschte. Lauschte dem Brummen der matschigen Erde, auf der sie saß. Dem gesprächigen Säuseln des Windes, der durch die Bäume außerhalb des Lagers pfiff. Dem plätschernden Regen, dem fauchenden Feuer. Aber da war noch etwas. Etwas das Sie dachte darüber nach. Und schlief darüber ein.
Der Regen tropfte beständig auf ihr junges Gesicht, in welches das Alter noch keine Falten gegraben hatte. Die alte Frau neben ihr legte schützend ihren Arm um sie und schloss ebenfalls die Augen. Da waren Geschichten im Wind, die der Kleinen entgangen waren.
Geschichten von Zerstörung.
Und Freiheit.
Sie erwachte. Es war Nacht. Lärm. Schreie. Was ist passiert? Eine Hand zerrte sie hoch. Mutter! Sie stolperte hinter ihr her, kaum nahm sie wahr, was passierte. Etwas brannte. Eine der Baracken der Wachen? Der Feuerschein beleuchtete gespenstisch die Nacht. Brüllende Menschen versuchten sie aufzuhalten. Aber ihre Mutter zerrte sie einfach weiter. Dann ein dumpfes Grollen, und die Mauer brach ein. Durch diese Lücke dringen Orcs in das Lager, viele Orcs. Sie sind bewaffnet, schlagen auf die Wachen ein. Nur einen kurzen Blick erhaschte Attra von denen die sie befreiten. Drückt panisch die Hand ihrer Mutter. Verlass mich nicht! Ich hab Angst! Was passiert hier? Und dann waren sie auch schon aus dem Lager hinaus, rannten über das Gras auf den nahen Waldrand zu. Einen kurzen Blick warf das verängstige Mädchen noch über ihre Schulter, dann wurde sie von der Frau zwischen die Bäume gezerrt und ihr Blick auf das Lager in dem sie so lange Zeit mein ganzes Leben verbracht hatte verschwandt.
Ihre Augen sind geschlossen, sie hat den Raum auch ohne hinzusehen vor Augen. Die weichen Felle, auf ihrem Lager. Der Schemel in der Ecke daneben, den sie eigentlich immer nur als Ablage für ihre Rüstung benutzt. Die alte Truhe, gegen die sie immer erst treten muss, bevor die Scharniere sich öffnen lassen. Den bunten Flickenteppich auf dem Boden. Und die Kräuterbündel die von den Balken hängen, welche die niedrige Decke stützen.
Ihre kleine Kammer, eng und nur durch das Kochfeuer erhellt. Aber doch ihre Kammer.
Der Durchgang zur Halle wird von einem ledernen Vorhang verdeckt. In der Regel ist er geöffnet, aber heute will Attra nicht gestört werden. Sie hat nachzudenken.
Über damals, die Zeit in den Internierungslagern.
Und die Zeit danach.
Es war kalt, seit Tagen nieselte es ununterbrochen. Feiner Regen, der fast wie nasser Nebel vom Himmel fiel. Ihr war kalt, die feuchte Wolldecke um ihre mageren Schultern war viel zu dünn um sie bei diesem Wetter warm zu halten. Sie hatte ihren kleinen Kopf an die Schulter der alten Frau neben ihr gelehnt. Mutter? Großmutter? Leicht strich ihr die Hand der Frau über die Stirn, das leise Gemurmel eines Gesprächs drang an ihre Ohren.
Das kleine Feuer, um das sich die Anwesenden scharrten rauchte und zischte kläglich im Regen. Sie zog sich die Wolldecke so gut es ging über den Kopf, der langanhaltende Regen zerrte an ihren Nerven.
Ruhig, ruhig meine Kleine. Das ist nur Wasser. Kannst du hören was es sagt?
Sie kuschelte sich lächelnd enger an die Frau neben ihr, schloss die Augen und lauschte. Sie konnte die fluchenden Wachen hören, wie sie auf den Mauern, die das Lager umschlossen patrouillierten. Ihre Stiefel verursachten einen unangenehmen Klang auf dem nassen Stein. Zwei Wachen waren beieinander stehen geblieben und unterhielten sich leise. Sie versuchte herauszufinden, was die beiden Männer sagten, aber die Worte blieben ihr unverständlich. Nur der Tonfall war unverkennbar. Dreckiges Wetter, dreckige Orcs. Ich wünschte, ich müsste jetzt nicht Wache halten sondern wäre bei Ihre Aufmerksamkeit wanderte weiter. Diese Wachen waren nicht weiter interessant. Sie lauschte dem Regen. Plitsch. Platsch. Plitsch. Attra, Attra. Versteck Dich nicht vor mir, ich will Dir nichts, und wenn ich wollte, würde Dir auch die Wolldecke nichts nützen. Plitsch, platsch. So klang es, wenn die feinen Tropfen auf den Boden aufschlugen.
Das kleine Mädchen kicherte, was ihr einen scharfen Blick der alten Frau einbrachte, an welche gelehnt sie immer noch saß. Aber das Mädchen hatte die Augen immer noch lauschend geschlossen. Das Wasser wollte spielen, fand es durchaus lustig alle Menschen und Orcs solange zu zusetzen, bis sie wünschten die hätten Kiemen.
Das Mädchen ließ die Decke von ihrem Kopf rutschen und streckte die Zunge in den Regen um einige Tropfen aufzufangen. Sie leckte sich über die Lippen und schmiegte sich wieder an die alte Frau, die nun wieder ins Feuer starrte. Das Feuer. Attra konnte hören, wie es wütend war auf das Wasser, wie es ums Überleben kämpfte und sich husten und rauchend dagegen wehrte zu erlöschen.
Die alte Frau blickte mit einem zärtlichen Lächeln auf das Mädchen nieder. Ein starker Wille, hörst Du meine Kleine? Ein starker Wille lässt Dich durchhalten. Du musst sein wie das Feuer, Dich dagegen stemmen, wenn ein Größerer Dich gegen Deinen Willen zu etwas bringen will. Hörst Du? Ein starker Wille. Sie blickte kurz zu der Frau hoch, lächelte und schloss dann wieder die Augen. Lauschte. Lauschte dem Brummen der matschigen Erde, auf der sie saß. Dem gesprächigen Säuseln des Windes, der durch die Bäume außerhalb des Lagers pfiff. Dem plätschernden Regen, dem fauchenden Feuer. Aber da war noch etwas. Etwas das Sie dachte darüber nach. Und schlief darüber ein.
Der Regen tropfte beständig auf ihr junges Gesicht, in welches das Alter noch keine Falten gegraben hatte. Die alte Frau neben ihr legte schützend ihren Arm um sie und schloss ebenfalls die Augen. Da waren Geschichten im Wind, die der Kleinen entgangen waren.
Geschichten von Zerstörung.
Und Freiheit.
Sie erwachte. Es war Nacht. Lärm. Schreie. Was ist passiert? Eine Hand zerrte sie hoch. Mutter! Sie stolperte hinter ihr her, kaum nahm sie wahr, was passierte. Etwas brannte. Eine der Baracken der Wachen? Der Feuerschein beleuchtete gespenstisch die Nacht. Brüllende Menschen versuchten sie aufzuhalten. Aber ihre Mutter zerrte sie einfach weiter. Dann ein dumpfes Grollen, und die Mauer brach ein. Durch diese Lücke dringen Orcs in das Lager, viele Orcs. Sie sind bewaffnet, schlagen auf die Wachen ein. Nur einen kurzen Blick erhaschte Attra von denen die sie befreiten. Drückt panisch die Hand ihrer Mutter. Verlass mich nicht! Ich hab Angst! Was passiert hier? Und dann waren sie auch schon aus dem Lager hinaus, rannten über das Gras auf den nahen Waldrand zu. Einen kurzen Blick warf das verängstige Mädchen noch über ihre Schulter, dann wurde sie von der Frau zwischen die Bäume gezerrt und ihr Blick auf das Lager in dem sie so lange Zeit mein ganzes Leben verbracht hatte verschwandt.