Das Programmierte Böse- Philosophie für Nerds

Soladra

Welt-Boss
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Das Leben ist voller Bösewichte .Satan, Joker,die Zeugen Jehowas, Terroristen, korrupte Politiker. Jeder,der schonmal ein Videospiel gespielt hat, weiß außerdem, dass man das Böse bekämpfen muss. Natürlich muss man die virtuelle Welt befreien, um als Held zu gelten, ein Pazifist wie Gandhi wird es in Spielen wie Word of Warcraft nicht weit kommen. Schon der Name dieses Spiels zeigt, dass es nur um Krieg und Gewalt geht. In der ersten Erweiterung stellt man einen halbdämonischen Elfen, der sich die Augen ausgebrannt hat und so dermaßen abtrünnig ist, dass er den Titel „DER VERRÄTER“ trägt. Klingt ja schon so böse, dass sich die jungen Mädchen unter Mamas Rock verstecken wollen. Trotzdem geht man hin und versucht, ihr am Wocheneide mit zwei Dutzend Kameraden zu töten, bevor er am Mittwoch wieder aufsteht. In seiner Epischen „ Ich- muss-sterben-will-aber-noch-etwas-melodramatisches-sagen“-Sequenz verflucht er eine Elfische Priesterin, seine Erzfeindin Maiev, mit den Worten „ Der Jäger ist nichts ohne seine Beute. Du bist nichts ohne mich!“, bevor er endlich abkratzt und man sich epische Artefakte unter den Nagel reißen kann, um mit einem blitzenden Erfolg, einem tollen neuen Titel, einer schillernden Rüstung und dem Gefühl, etwas Gutes für die Welt getan zu haben, nach Hause zu gehen. Yay

Allerdings haben die Spielentwickler diesem Oberbösen Oberbösewicht keine Dummheit in den Mund gelegt. Wenn das,was man sich fest vorgenommen hat, erreicht ist, braucht man ein neues Ziel. Bekommt man keines vorgestellt, beginnt man am ende noch, selbstständig zu denken, und das tut denen, die die zu wenig graue Zellen haben, um die Folgen ihrer Handlungen einschätzen zu können, nicht gut. Noch viel weniger ihrem Umfeld. Außerdem verläuft sich so die Energie der Menge im Nirgendwo, weil jeder in einer kleinen Ecke sein eigenes Süppchen kocht. Es kann außerdem sein, dass man Depressiv wird, und dann stürzt man sich über kurz oder lang vom Hochhaus, was nun wirklich niemand möchte, am allerwenigsten die Straßenreinigung.
Was soll man also tun, wenn das, was man schaffen wollte, erreicht ist? Man macht das Abi, und jetzt? Sie wollen etwas tun, können sich allerdings nicht für eine Sache entscheiden? Das Haben wir Genau das Richtige für sie: DAS BÖSE™ bietet ihen eine lang-zeitige Beschäftigung, wenn sie es bekämpfen, und gibt ihnen außerdem das angenehme Gefühl, etwas Gutes zu tun! Ist das nicht wundervoll? Was DAS BÖSE™ ist, fragen sie? Nun... das ist Definitionssache. Sind sie Amerkianer? Nein? Schade, dort ist unser Modell Terrorist seit einigen Jahren sehr beliebt. Sind sie Teenager? Eindeutig die Eltern, eindeutig! Lehrer? Sehen sie sich doch nur einmal ihre Klasse an? Das sind bösartige kleine Teufel! Sie sehen: DAS BÖSE™ ist für jedermann und alle Altersgruppen geeignet. Selbst für soziale Außenseiter haben wir ein Exklusiv Paket!Sie sind ein Comicheld mit Fledermausphobie? Ein junger Mann mit grünen Haaren und freundlichem Lächeln ist empfehlenswert! Wenn sie also ein blinder halbdämonsicher Endboss sind, kann das Böse für sie eine Nachtelfenpriesterin mit heroischem Gefolge sein!

Oh... Entschuldigung. Habe ich da gerade etwas verwechselt? Tut mir leid. Natürlich ist der Dämon der Bösewicht. Ist klar, wissen alle...außer ihm selbst. Wenn er sich selbst für böse halten würde, beziehungsweise seine Taten für schlecht, würde er sich, schätze ich, ändern.Die Taliban halten sich ja schließlich au selbst für gut, und als die lieben immerguten Christen in Jerusalem einfielen und alles und jeden abgeschlachtet haben, war das ja auch für Gott und das Gute, klar. Die Moslems, die dort wohnten, sahen das vermutlich anders. Das Böse liegt im Blickwinkel, für jeden ist das Böse anders. Was ist in dem Fall das Böse? Das, was die anderen um anderen um einen Herum als Böse empfinden, und wofür die meisten sind, das ist DAS BÖSE im allgemeinen und im besonderen , oder anders gesagt: Die Gesellschaft macht das Böse sichtbar, und wenn die Gesellschaft mal keine Zeit dafür hat, weil sie zufällig am Verhungern oder sich Bekriegen ist, übernehmen das freundlicher weise unsere besten Freunde Kirche und Staat beziehungsweise Obrigkeit, zeigen uns die Übeltäter der Welt auf und gestalten unsere Umgebung und Wahrnehmung wie Programmierer in einem Computerspiel.

Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken... Nein , halt,das sollte man nicht. Das Könnte den Durchschnittsbürger,d er sonntags Bildzeitung ließt, am ende Darauf aufmerksam machen,dass es größere Probleme gibt als Gina Lisas falsche Brüste und ihn verstören, ihm Angst machen, und das wäre ja schließlich böse.Böse ist also von Gesellschaft, Staat und Kirche definiert und dirigiert. Wo bleiben dann Bitte Satan und seine Heerscharen, das Urböse? Das gibt es nicht, genauso wenig wie die schillernden Helden. Wir haben uns das Böses selbst ausgedacht, um uns selbst als gut definieren und besser fühlen zu können. Deshalb kann das Gesicht des Bösen sich auch so schnell ändern. Wenn in der Klasse zum Beispiel ein Kind gemobbt wird, ziehen die meisten, wenn nicht sogar alle mit. Vielleicht verhält es sich anders als die anderen oder sieht anders aus, aber es ist Anders und wird abgelehnt wie der Teufel persönlich. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, dass als Gruppenzwang bezeichnet wird, um von der eigenen Schuld abzulenken, sorgt schließlich dafür. Dann kommt der Lehrer und hält die Standpauke, oder es passiert später etwas viel schlimmeres, das alle erschüttert. Und dann? Dann wird der Sündenbock gesucht und verachtet.Die Fronten haben sich verschoben, Böse ist Gut geworden und visa versa. Natürlich gibt es Menschen, die Böse tun, Kinder vergewaltigen, Banken ausrauben und und und. Aber das Verteufeln bringt doch nichts, viel mehr sollte man sich fragen, warum böse Dinge getan werden, und etwas dagegen tun, die „bösen Leute“ therapieren oder zumindest ihren zuhören. Sonst kann es ganz schnell passieren, dass uns die Beute ausgeht und wir uns neue suchen müssen. Am Ende müssen wir gegeneinander kämpfen, obwohl wir doch die Guten sind.... oder die Bösen, je nachdem.
 
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