Die Sterne über Dalaran - Dritter Abschnitt, Teil 3 (3.3)

Melian

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Dalaran

„.. gibt Gerüchte, dass der Silberbund etwas pla.. Sonnenhoffnung? Sonnenhoffnung? Verdammt?“
Jorith Hathorel starrte den Kommunikator an, schüttelte die runde Scheibe einmal in der Hand, obwohl er wusste, dass das unnütz war. Die Verbindung war unterbrochen. Er konnte nur hoffen, dass Dairean in Ordnung war. Es musste wohl einen Grund gegeben haben, warum er die Verbindung unterbrach. Oder vielleicht hatte er die Scheibe falsch magisch konstruiert? Möglicherweise hatte es Daireans magisch begabte Reisegefährten auf sich aufmerksam gemacht? Womöglich hatte ihn das alles gerade jetzt enttarnt?
Er biss sich auf die Unterlippe und konnte sich gerade noch beherrschen, die Scheibe nicht wütend wegzuwerfen. Er brauchte sie noch. Als er sie auf seinem Schreibtisch verstaut hatte, führten ihn seine Füsse zum Tisch, der in einer anderen Ecke des Arbeitszimmers stand. Er blickte auf die Karte, mit der er erst vor wenigen Tagen zusammen mit Dairean die Routen geplant hatte.
Sie waren beim Wyrmruhtempel. Er konnte nur hoffen, dass alles glatt ging. Es gab so viele mögliche Komplikationen. Die Drachen könnten ihn enttarnen, die Silberbundler konnten ihn enttarnen, Dairean selbst konnte sich enttarnen, obwohl er letzteres nicht von ihm dachte. Der Spion war viel zu geschickt dafür. Erneut fluchte er, und seine Gedanken drehten sich unaufhörlich.
< Was wenn ich Schuld bin? Sonnenhäscher wird mir nie vergeben.. Was wenn er wegen mir enttarnt wird? Festgenommen? Wenn er wegen mir stirbt? Verflucht, wie soll ich das je seinem Vater..>
In diesem Moment klopfte es an die Tür. Hathorel wurde – wohl zu seinem Glück – aus seinen Gedanken gerissen, bevor er sich vor lauter Panik wahlweise aus dem Fenster gestürzt oder im Schrank versteckt hätte. Er erhob sich hastig, wollte zur Tür eilen, da ging sie auch schon auf.
Hathorel erlitt den zweiten Schreck am heutigen Tage. Er verbeugte sich tief, als Aethan Sonnenhäscher in sein Studierzimmer trat, und seinen Kopf zum Grusse senkte. „Seid gegrüsst, Arkanist Hathorel.“
„Shorel.. Shorel'aran, Erzmagier Sonnenhäscher“, stammelte er. < Meine Nerven..>, dachte er, während er sich wieder aus der Verbeugung löste, als Sonnenhäscher ihm einen Wink gegeben hatte.
„Steht auf, Arkanist. Zuviel Förmlichkeit schadet nur dem Rücken“, sagte Sonnenhäscher und schmunzelte. „Ich wollte euch auch gar nicht zulange aufhalten, denn es ist dringend.“
„Womit kann ich euch behilflich sein, Erzmagier Sonnenhäscher?“ Er eilte zu einem kleineren Tischchen, und suchte vergeblich nach einem sauberen Glas und einer nicht halb geleerten Flasche Wein. „Ich brauche nichts zu trinken, nur eure Aufmerksamkeit“, sagte Sonnenhäscher da, und setzte sich ungefragt auf einen Stuhl beim Tisch.“ Hathorel liess von seiner Suche ab und blickte den Erzmagier an.
„Ja.. ja.. natürlich.. Also.. hrm.. worum.. wie kann ich euch helfen?“
Aethan Sonnenhäscher legte die Fingerspitzen aneinander. Von irgendwo im Gebäude, einen Stock unter ihnen, so schätzte Hathorel, erklang eine energische Stimme, die auf irgendjemanden einredete.
„Ich will Informationen über die Mission. Wo befinden sie sich? Ist schon etwas herausgekommen bei der ganzen Sache? Wie sieht die Lage aus? Wie macht sich Sonnenhoffnung?“ Sonnenhäscher beugte sich etwas vor und blickte Hathorel an.
„Wisst ihr, mich beunruhigt etwas. Bei meinem vorletzten Treffen sowie beim Treffen gestern mit Rhonin war dieser Magister dabei.. Wie hiess er noch gleich? Der oberste Speichellecker von Windläufer.“
„Ihr meint.. Tyballin? Melodir Tyballin?“
„Ja, exakt, das war sein Name. Nun.. beim vorletzten Mal schien er mich noch recht neutral anzuschauen, doch gestern Abend.. Seine Blicke hatten etwas von Dolchstössen. Seine Herrin verhielt sich wie immer, aber irgendetwas.. Habt ihr etwas gehört? Wurden wir enttarnt? Ich will einen Bericht.“
Hathorels Herz sank in die Hose. Wenn Tyballin so blickte, dann konnte das nur bedeuten, dass... Er schob den Gedanken beiseite. Bericht. Bericht.. Er musste berichten.
„Ich.. habe mich gerade vor wenigen Momenten mit Sonnenhoffnung unterhalten. Sie sind am Wyrmruhtempel angekommen. Er konnte mir nicht viel erzählen, denn die Verbindung wurde unterbrochen, er sagte aber, seine Tarnung sei noch intakt. Ich gab ihm den Auftrag, das Buch über die Zwillingsklingen zu besorgen.“
„Hmm..“ Sonnenhäscher lehnte sich wieder etwas zurück. Die Stimme, die vorhin so energisch gesprochen hatte, erklang recht nahe seines Studierzimmers.
„Das bedeutet also ..“, Sonnenhäscher wurde im Satz unterbrochen, als es heftig gegen die Tür polterte. Jemand hatte es wohl eilig, zu Hathorel zu gelangen.
Erneut wurde die Tür selbstständig geöffnet. < Ich sollte meine Autorität wirklich mal etwas besser darlegen.. alle stapfen sie hier rein, als wäre das hier eine Taverne statt ein Studierzimmer>, dachte Hathorel bei sich, ehe er den Elfen musterte, der sich verbeugte. „Anu belore dela'na, Sire. Ich habe eine sehr dringende Nachricht.“
Hathorel erkannte einen der niederen Späher, der wie viele für ihn arbeitete. „Meeran. Was habt ihr für mich? Ich hoffe es ist wirklich wichtig, denn ich habe hohen Besuch.“ Erst in dem Moment fiel der Blick des Angesprochenen auf Sonnenhäscher und er erbleichte, schluckte leer und verbeugte sich tief. „Verzeiht, wenn ich gewusst hätte, dann.. es tut mir leid.. also.. ehm..“ Hathorel unterbrach das Stottern mit einem Wink. „Berichte, Meeran. Berichte.“
„Ihr solltet.. sofort.. zum Flugplatz kommen. Eine.. Da.. Sie fliegen weg.“ „Wer fliegt weg, und warum? Könntest du dich bitte klar ausdrücken?“
„Also nicht jetzt sofort, aber bald. Silberbund. Sie bereiten eine mehr`köpfige.. Expeditionsgruppe.. oder sowas.. vor.“
„Ist das etwas spezielles?“
Meeran holte tief Luft. „Arkanist Tyballin fliegt mit. Und.. und ich konnte etwas aufschnappen. Sie sprachen davon, dass sie 'diesen Mistkerl von Spion' schon schnappen würden.“
Hathorel starrte Meeran an. In seinem Kopf formte sich ein Bild. Sonnenhäscher und er tauschten einen Blick und ohne weiteren Kommentar erhoben sich der Erzmagier, nickte Hathorel zu. „Sire? Ich dachte.. es sei wichtig..?“, stotterte Meeran.
„Geh zurück an die Arbeit. Es war wichtig. Danke.“ Sonnenhäscher übernahm es für Hathorel zu sprechen, der nur einen Kloss im Hals spürte.
Dairean war enttarnt. Da war er sich ganz sicher.

Hathorels Schritte führten ihn wie automatisch zum Flugplatz Dalarans brachten.
Und was er sah, beunruhigte ihn.
Seine Blicke kreuzten die von Melodir Tyballin, der über sein Auftauchen ebenso überrascht schien wie Hathorel selber. Er blieb an der Seite stehen, musterte die Arbeiten, die an den Greifen und am Gepäck verrichtet wurden, liess den Blick wieder zu Tyballin schweifen, der das Zentrum darstellte, mit zwei Händen gleichzeitig ungefähr vier Befehle gebend, Dinge rufend.
Auch sein Blick fiel erneut auf Hathorel und seine Gesichtsausdruck versteinerte sich. Hathorel seufzte.
Er kannte seinen einstmaligen Freund lange genug, um zu wissen, dass dieser gerade sehr ernste Gedanken hatte. Dass er bei Hathorels Erscheinen derart finster geblickt hatte, genügte ihm, um die Verbindung nicht nur zu ihm, sondern zu den Sonnenhäschern zu ziehen.
So finster hatte ihn Arkanist Melodir Tyballin das letzte Mal angeblickt, als er ihm eine Affäre ausgespannt hatte. < Nein >, korrigierter Hathorel sich selber. So finster hatte ihn sein ehemalig bester Freund noch nie angeschaut. Nicht einmal dann, als sich ihre Wege getrennt hatten. Als Hathorel den „Verrat“ begangen hatte, wie Tyballin es ihm wütend entgegen geschleudert hatte.
Arkanist Melodir Tyballin wünschte ihm den Tod auf den Hals. Und wenn nicht den Tod, dann zumindest elendige Schmerzen.
Hathorel seufzte erneut und wandte den Blick wieder ab. „Vorwärts, Silberbund. Wir müssen vorwärts machen. Bald werden wir es diesem Abschaum von Sonnenhäschern zeigen, dass man mit dem Silberbund nicht scherzen kann. Beeilt euch. Lasst alles hier, was unnötig ist.. Beeilt euch.“ Tyballins Worte waren an ihn gerichtet, doch Hathorel wandte sich ab. Er wollte.. er konnte sie sich nicht anhören.
 
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