Die Telekom und die Bandbreite - eine Ergänzung

win3ermute

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Das I-Net - unendliche Weiten! Eine technologische Höchstleistung; selten sinnvoll benutzt; häufig mißverstanden und heute kaum aus dem Alltag wegzudenken!

Wobei ich kaum glaube, daß sich das heute als "Internet" bekannte (und kaum verstandene) Gefüge aus den verschiedensten Einzelteilen so schnell und vor allen Dingen "frei" entwickelt hätte, wenn nicht Herr Torvalds irgendwann zu seiner eigenen Überraschung festgestellt hätte, daß sein "Unix-Emulator" eigentlich ein komplett eigenes Betriebssystem ist und sein "Projekt" als "offenes, kostenloses System" der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Das Beispiel "Linux", das heute zwar kaum mehr Bedeutung im privaten, umso mehr jedoch in fast jedem professionellen Bereich hat, zeigt deutlich eines: Nämlich wie schnell sich eine Sache entwickeln kann, wenn kein entwicklungshemmendes Unternehmen dahintersteht, das in erster Linie versucht, seine eigenen Pfründe zu sichern und dem Markt die eigenen Vorstellungen aufzuzwingen bzw. die Konkurrenz auszubremsen.
In das Projekt "Linux" sind unendliche Mannjahre Entwicklungszeit geflossen; es wurde direkt auf die Anforderungen der Technologie reagiert, ohne sich einen Deut um "Wirtschaftlichkeit" oder "Marktbeherrschung durch Patente" zu kümmern. Und auch damit wurden Milliarden verdient: Durch Supporter, individuelle Programmlösungen oder auch als Administratoren. Nur: Keiner Firma gehört das Endprodukt; das gehört dank Herrn Torvalds Weitsicht immer noch uns allen. Herr Torvalds ist übrigens auch Millionär - ein Resultat von Vorzugsaktien, die ihm ein börsennotiertes Unternehmen aus Dankbarkeit für seine Arbeit hat zukommen lassen. Deshalb arbeitet er heute unentgeltlich weiter an seinem "Baby".

Im Gegensatz dazu steht ein Unternehmen wie die T-Kom. Bandbreite, das sagen sog. Experten, sei ein Centgeschäft. Der Ausbau in Deutschland hinkt hinterher; jede Menge Einwohner surfen mit 384 kbit/s durch die Gegend, weil eine Anbindung gar nicht lohnend ist (das Gesetz der Marktwirtschaft). Vor und auch noch während der Privatisierung des einstmaligen staatlichen Postzweiges wurden Kupferkabel in der Erde versenkt, während andere Experten die Hände über dem Kopf zusammenschlugen, etwas von "Glasfaser" murmelten und ungewiß in die Zukunft winkten. Das war Politik, das war billig - das war "nach mir doch die verdammte Sintflut"-Denken. Es ist erstaunlich, in wie wenigen Gebieten selbst in der Hauptstadt Berlin tatsächlich 16.000 kbit/s zur Verfügung stehen. Ganze Industriegebiete liegen brach; sind unvermittelbar, weil die Netz-Infrastruktur komplett vernachlässigt wurde!

Den versäumten Ausbau in der Vergangenheit erwähnt die T-Kom lieber nicht, wenn sie von viel zu viel verbrauchter "Bandbreite" (ein Begriff, mit dem die wenigsten etwas anfangen können geschweige denn nur eine vage Vorstellung davon haben, was das eigentlich ist) spricht: Einige wenige verbräuchten zuviel; weswegen eine Drosselung im Sinne der heutigen Politik "alternativlos" sei.

Wir erinnern uns: Derselbe Laden, der uns seit Jahren mit eigener Cloud, VoD etc. einen unbegrenzten und stetig wachsenden Verbrauch erst schmackhaft machte, zieht plötzlich die Notbremse: Das, was wir gestern noch in der Werbung propagiert haben, ist gar nicht machbar! Wir werden demnächst alle verfügbare Bandbreite für eigene Produkte wie das Internet-TV brauchen! Außerdem wollen wir ab 2016 das analoge Telefon-Netz komplett abschalten und komplett über das I-Net gehen - selbstverständlich mit HD-Qualität bei der Übertragung, was zusätzliche Bandbreite kostet! Das spart uns Milliarden!

Ob allerdings durch das T-Kom-verursachte Eigenverbrauchen der sog. "Bandbreite" tatsächlich eine Knappheit besteht, darf bezweifelt werden. Dennoch wird behauptet: Einzelne User (nicht das T-Kom-eigene TV) verbrauchen zuviel; das können wir nicht mehr finanzieren!

Es bleibt zu klären, ob wirklich eine Knappheit der Bandbreite vorliegt. Ferner sollte geklärt werden, inwiefern die T-Kom als Inhaber der Netze und gleichzeitig Content-Anbieter (wohlgemerkt: Internet-TV via Telekom unterliegt nicht der Drosselung) mitverantwortlich an der "Bandbreitenknappheit" ist!

Mich erstaunt allerdings, wie in diesem Bandbreitennetz die Diskussion geführt wird! Nein, das stimmt nicht wirklich. Mich erstaunt eher die Bandbreite der Idiotie.

Da sagen Schadenfreudler, daß auch derjenige, der mehr verbraucht, mehr bezahlen soll. Das sind Leute mit meist sehr niedriger Bandbreite. Warum diese Leute eine Flatrate buchen und keinen kostensparenden Volumentarif, darüber kann man nur spekulieren - es mag Blödheit sein; es mag völliges Desinteresse sein (oder ein sich aus dem anderen Umstand ergebender Zusammenhang). Bei einem Volumentarif zahlen sie eben nicht das, was die Flatrate-Benutzer zahlen, sondern tatsächlich das, was sie verbrauchen - und wenn das wenig ist, dann bleibt das unter dem Betrag einer Flatrate!
Richtige Vielsauger zahlen übrigens bereits mehr: Sie zahlen an Dienste, die ihrerseits der Telekom einen nicht geringen Beitrag zahlen für den von ihnen verbrauchten Traffic! Noch schlimmer: Vielsauger haben bereits einen VDSL-Tarif und zahlen dementsprechend mehr, weil ihnen die T-Kom versprochen hat, nicht nur unbegrenzt, sondern sogar noch in viel höherer Geschwindigkeit zu saugen, um noch mehr aus der Leitung herauszukitzeln!

Dann haben wir die "Marktwirtschaftler"; kurz BWL-Idioten genannt: Die sagen, so ein Betrieb dürfe doch machen, was er möchte; schließlich sei sein einziger Daseinszweck, Geld zu verdienen! Abweichler mögen doch nach "drüben" gehen!
Dummerweise findet der Gewinnmaximierungswille der Firmen und Leute, die so denken, ihre Grenzen in den Gesetzen. Genau betrachtet gibt es aus Sicht der Gewinnmaximierer keinen Grund für diese Gesetze. Schlimmer noch: Diese Gesetze sind völlig irrational aus Sicht der gewinnoptimierten Denkweise, denn sie schützen das Individuum und die Gesellschaft, um eben nicht komplett hilfloses Opfer einer lediglich auf Profit ausgelegten Wirtschaft zu sein - Ethik ist eben nicht mal ansatzweise ein Thema der Wirtschaft!
Ein Gesetz zur "Netzneutralität" (da ist jedes Byte ein Byte; alle Bytes sind gleich; und kein Byte darf bevorzugt behandelt werden) ist im BWL-Idioten-Sinne eine Katastrophe und wäre es wohl auch für die T-Kom: Da wären die Entertainment-Produkte via IP derselben Drosselung unterworfen wie jedes andere durchschnittliche Byte - und damit völlig am Arsch! Niemand würde ein TV-Programm haben wollen, das innerhalb weniger Tage nicht mehr zu gebrauchen ist (gut, die Formulierung ist schlecht gewählt: ca 90 % des TV-Programmes ist bereits derzeit unbrauchbar; aber immerhin flimmert es ruckelfrei über die Bildschirme).
Irrationale Kartell- und Monopol-Gesetze greifen hier noch nicht - hier muß im europäischen Zusammenhang ein Netzneutralitätsgesetz her, das das Individuum und die Gesellschaft vor den Gedankengängen der BWL-Idioten schützt - und das bitte möglichst schnell!

Einer dritten Gruppe ist das völlig scheißegal: Sie wissen zwar nicht, was sie verbrauchen und wollen das auch gar nicht wissen. Sie glauben allerdings, unter der Drosselungsgrenze zu sein.
Zu dieser Gruppe gehören auch die "Altvertragskandidaten": Da die Änderung doch nur Neuverträge betrifft, kann es ihnen doch ganz egal sein.
Letzterer Gruppe kann man nur sagen, daß auch ihr Vertrag - wenn sie nicht bereits einen VoIP-Vertrag geschlossen haben - angeglichen wird, da ALLE herkömmlichen Anschlüsse bis spätestens 2016 - dem Jahr der Drosselung - auf IP-Telefonie umgestellt werden sollen. Jupp, richtig gelesen: Ab 2016 telefoniert Telekom-Deutschland nur noch über VoIP - und verursacht damit noch mehr Traffic, den wir doch eigentlich gar nicht in genügender Weise zur Verfügung haben!
Im Sinne eines sozialen Zusammenlebens wegen muß man auch erste Gruppe unter die schonende Fittiche nehmen: Sie wissen ja gar nicht, was sie tun. Es ist typisch für diese besondere Klientel, daß es nur dann meckert, wenn sie plötzlich selbst betroffen ist. "Aber das wußte ich doch vorher nicht!" Eben! Haben wir Dir gesagt, haste nicht begriffen! Sei froh, daß Du nicht entmündigt bist!
Es schmerzt manchmal ein wenig, daß die Stimme solcher Leute bei der Wahl gleichberechtigt neben der eigenen ist. Aber das ist tatsächlich ganz gut so...

Die vierte Gruppe sind jene Technologie-Verweigerer, die so ziemlich alles, was mit dem I-Net zu tun hat, eh als Teufelszeug ansehen und den Rückschritt als willkommene Befreiung von der Technologie ansehen. Die verstehen nicht, daß Technologie-Verzicht nicht aufgezwungen, sondern nur freiwillig erfolgen sollte. Das sind Leute, die Notwendigkeiten mit einer "besseren Welt" verwechseln. Die machen auch Technologie oder ganz allgemein von der eigenen Ansicht abweichende alternative Lebensweisen für das "Böse" in der Welt verantwortlich - egal in welcher Hinsicht: Sei es im religiösen, technologischen oder ideellen Sinne!

"Hannes, hast Du nicht was vergessen?"

Jupp. Jene Gruppen, die gegen die Drosselung sind. Jene Raubkopierer und unsäglichen Netzvielnutzer, die lieber mal an die Sonne gehen sollten!

Leute wie meine Schwester und ihre Familie. Da sind neben ihr noch ein Mann und 4 Kinder, die allesamt I-Net nutzen. 75 GB sind da so gut wie nix. Familien werden hier zu "Vielverbrauchern" und über Gebühr belastet oder eingeschränkt. Die "faire" Behandlung von wegen "wer mehr braucht, sollte auch mehr bezahlen!" bekommt dann ihren bitteren Nachgeschmack, wenn plötzlich die "Stütze der Nation" - eben jene Familien mit Kindern, die immerhin unsere Rente aufbringen sollen - mit dem Standard-Anschluß samt 75 GB gar nicht mehr so fair belastet sind.

Mein Einzelschicksal liegt in meiner Filmsucht. 75 GB sind 5 HD-Filme über VoD und ein wenig surfen; das habe ich in ca. einer Woche wech. Ich bin nicht mal exemplarisch: Was mir gefällt, verleibe ich mittels Kauf meiner Sammlung ein. Crux dabei: Was ich nicht kenne, kaufe ich nicht. Würde ich nicht mehr soviel saugen können, würde ich auch nicht mehr so viel kaufen! Wie gesagt betrachte ich mich dennoch als Einzelfall, auch wenn ich im Bekanntenkreis 4 Leute habe, die genauso verfahren.

Und natürlich und ganz selbstverständlich gibt es auch jene Vielsauger, die sich alles und jeden Scheiß aus dem Netz saugen. Nur: Um das zu können abseits von Youtube etc., braucht es einen bezahlten Filesharer oder Usenet-Account - und die Anbieter solcher Dienste bezahlen bereits die Telekom für den Traffic, der in die Netze eingespeist wird. Sie sollen dann demnächst doppelt zur Kasse gebeten werden!

Wenn die Kabelnetze tatsächlich ihre Ankündigung wahrmachen, daß sie bei der Drosselung nicht mitziehen, so werden wir alsbald ein Preisgefälle bei der Wohnungssuche ausmachen können: Je mehr Kabel, desto teuro!

Das ist übrigens bereits heute "nicht mal eben an den Haaren herbeigezogen": Miet- oder Verkaufsobjekte mit schlechter I-Net-Anbindung erfahren eine echte Wertminderung!
Kommt die allgemeine 75GB-Grenze und das Kabelnetz zieht nicht mit, dann weiß ich zumindest ein Kriterium, nach dem ich die nächste Wohnung aussuche. Ein Standard-Festnetz-Anschluß ist dann keine Option mehr, sondern ein absolutes Ausschlußkriterium!

tl;dr - keine Lust, das jetzt sofort gegenzulesen! Wer Grammatik- und Rechtschreibfehler findet, dem sei versichert, daß das bei meiner peniblen Wiederlesungsweise ansonsten hätte vermieden werden können. Wer trotzdem rummeckert abseits des Inhalts, der wird nicht ernst genommen!

Breitwandige Grüße
Hannes
 
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