Hartor hatte recht behalten, wie immer. Ein letztes Mal.
Es tat weh. Verflucht weh.
Sie versuchte, ihre Augen zu öffnen, doch sie war noch nicht bereit. Ihr Körper war auch nur in groben Ansätzen vorhanden, ein Geflecht aus Eisen und Knorpel. Noch kein ganzes Wesen. Noch nicht bereit.
Sie seufzte, es klang wie der letzte Laut eines geprellten und gemeuchelten Trinkers.
Sterben tat weh, egal, welche hehren, anderen Beschreibungen des Todes man ansonsten vernahm. Und Hartor, ihr Gefährte, hatte sie gewarnt. Doch den Dolchstoß hatte sie sich selbst zufügen müssen, um die Schande zu überwinden.
Ihr langes Leben bereitete sich vor ihr aus.
Sie erlebte ihre erste Wiedergeburt im Namen Ogrimars, des geflügelten Gottes. Damals war sie stark gewesen, und böse. Geschändet hatten sie die weißgeflügelten in dieser Welt, und getötet, wo sie sie trafen.
Ein Lichtblitz. Ein weiteres Leben, eine andere Welt. Sie hatte als Kobold gelebt, und auch als Gythja, als Dienerin der Götter des Nordens. Midgard. Sie hatte sogar Feinde vermählt, die einander im Schlachtenglück erkannt hatten.
Die Erinnerungen zogen vorbei, dann kam der Schmerz zurück.
Gequält spürte sie, wie sich Fleisch um ihr Skelett legte.
Nur, wer einmal gehäutet worden ist, mag sich annähernd vorstellen, welche Schmerzen das Behäuten verursacht, denn Nerven, die sich nicht kennen, werden verbunden und testen ihre Fähigkeiten bis zur Grenze aus.
Um nicht ohnmächtig zu werden, zwang sie sich, weiterhin ihre Vergangenheit zu bestimmen.
Da war ein Leben als Schatten. Ein Diener Albions, bewaffnet mit giftigen Dolchen, der aus dem Hinterhalt heraus tötete. So viele Tote hatte er erzeugt... Genug, um ein ganzes Dorf zu entvölkern, ja, sogar ein ganzes Land.
Dann eine andere, leuchtende Welt. Tyria. Ein Leben in Gemeinschaft, mit vielen Recken an der Seite. Ein weiteres Leben für den Krieg, eine weitere Zeit des Tötens. Dämonen, Menschen oder Geister. Sie sah Hände von Sterbenden, die sich ihr entgegen reckten.
Und sich selbst. Sie schlug zu. Immer und immer wieder.
Die Bilder verblassten, und erneut spürte sie den Schmerz, als sich Haut auf ihre titanummantelten Wirbel legte, gerade so, als müssten diese Knochen aus Stahl vor irgendetwas behütet werden. Sie verlor erneut das Bewusstsein, als der Schmerz unerträglich wurde. Diesmal träumte sie.
Sie ritten dem Horizont entgegen, wo ein mächtiger König auf sie wartete. Sie waren wie Zwillinge, und das Schwert des einen war der Schutz des anderen. Und umgekehrt. Hartor und sie. Sie machten niemals Gefangene, um dem König zu gefallen. Conan, das war sein Name. Ihm dienten sie, und seine Macht war verführerisch. Sie hatte sich schließlich dem Barbaren hingeben wollen, um von seiner Stärke zu zehren, und dafür ihren Gefährten verlassen. Doch des Königs Antwort auf ihre Geste war nur Herablassung gewesen. Gelächter hatte sie begleitet, als er sie aus seiner Burg hatte treiben lassen wie eine lausige Straßendirne. Sie hatte ihrem Leben durch einen Dolchstoß in die eigene Kehle ein Ende bereitet, um nicht Hartors Enttäuschung über ihren Verrat, geboren aus niederen Gelüsten, und nicht mal erfolgreich vollzogen, erleben zu müssen. Es war vorbei, und blutend, mit den Händen ihre Waffe umklammernd, war sie in den Staub Aquiloniens gesunken.
Der Traum verging. Die Dinge waren geschehen, die Zeit hielt nicht inne. Endlose Momente kamen und gingen.
"Wer bist Du?" Die Stimme war nur ein flüstern im Walde, doch sie vernahm sie, und sie klang so wohl, als würde ein Gott sprechen. Sie wollte antworten, doch ihre Sinne fanden keinen Zugang zum Leib.
Eine andere Stimme erklang.
"Ich bin der Gott des Todes und der Niedertracht. Dies ist mein Kind. Ich will es auf diese Welt entsenden, wie schon auf viele zuvor. Siehe, ich habe ihren Körper aus Titan geschaffen."
Wieder die erste Stimme. "Das ist gut... ich kann sie gebrauchen. Ich bin Malekith, Hexenkönig von Naggaroth, und ich will diese Seele in meinen Diensten wissen."
"Ach?" entgegnete der Andere. Die Stimme klang gelangweilt.
"Es wird ihr an nichts fehlen. Sie soll die Macht erhalten, Ehen zu schließen in meinem Namen, auf dass sich das Dunkle vermehre."
Stille herrschte. "Nun, wenn Du gut auf sie acht gibst..." sagte der Andere dann. Auch, wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie, wie der Gott mit den Schultern zuckte. Oder etwas von ähnlicher Bedeutung machte. Auf eine Weise, wie es nur Götter können.
Sie versank wieder in den Schlaf der Körperlosen.
"Dein Leib ist bereit", flüsterte ihr der Andere zu. "Dein Weg ist das Chaos..." Sie sprang auf. Der Körper fühlte sich gut an, er war sehnig und muskulös.
Chaos, Chaos. Das hatte sie noch immer gut bereiten können. Und hatten ihre Götter sie nicht ebenfalls jedes mal in ein neues Leben gesendet, wenn sie ihre Aufgaben gut erfüllt hatte?
Das Böse war immer mächtiger als das Gute. Von Anfang an.
"Und diesmal", sagte der Andere, "dieses Mal erwarte ich alles von Dir. Lebe Wohl, Sarokeion."
Ein Lachen erklang, dann ein Ausbruch von Licht aus der Dunkelheit. Riesenhafte, grün leuchtende Augen waren das Letzte, was sie sah. Sie stierten direkt in ihre Seele.
Das Bild verschwamm vor ihren Augen.
**********
Sarokeion, die Priesterin, führt nunmehr Hochzeiten im Namen des Chaos auf der Welt Huss vor, um das Dunkle zu vermehren. Sprecht sie an, und sie wird euch zu Diensten sein.
Es tat weh. Verflucht weh.
Sie versuchte, ihre Augen zu öffnen, doch sie war noch nicht bereit. Ihr Körper war auch nur in groben Ansätzen vorhanden, ein Geflecht aus Eisen und Knorpel. Noch kein ganzes Wesen. Noch nicht bereit.
Sie seufzte, es klang wie der letzte Laut eines geprellten und gemeuchelten Trinkers.
Sterben tat weh, egal, welche hehren, anderen Beschreibungen des Todes man ansonsten vernahm. Und Hartor, ihr Gefährte, hatte sie gewarnt. Doch den Dolchstoß hatte sie sich selbst zufügen müssen, um die Schande zu überwinden.
Ihr langes Leben bereitete sich vor ihr aus.
Sie erlebte ihre erste Wiedergeburt im Namen Ogrimars, des geflügelten Gottes. Damals war sie stark gewesen, und böse. Geschändet hatten sie die weißgeflügelten in dieser Welt, und getötet, wo sie sie trafen.
Ein Lichtblitz. Ein weiteres Leben, eine andere Welt. Sie hatte als Kobold gelebt, und auch als Gythja, als Dienerin der Götter des Nordens. Midgard. Sie hatte sogar Feinde vermählt, die einander im Schlachtenglück erkannt hatten.
Die Erinnerungen zogen vorbei, dann kam der Schmerz zurück.
Gequält spürte sie, wie sich Fleisch um ihr Skelett legte.
Nur, wer einmal gehäutet worden ist, mag sich annähernd vorstellen, welche Schmerzen das Behäuten verursacht, denn Nerven, die sich nicht kennen, werden verbunden und testen ihre Fähigkeiten bis zur Grenze aus.
Um nicht ohnmächtig zu werden, zwang sie sich, weiterhin ihre Vergangenheit zu bestimmen.
Da war ein Leben als Schatten. Ein Diener Albions, bewaffnet mit giftigen Dolchen, der aus dem Hinterhalt heraus tötete. So viele Tote hatte er erzeugt... Genug, um ein ganzes Dorf zu entvölkern, ja, sogar ein ganzes Land.
Dann eine andere, leuchtende Welt. Tyria. Ein Leben in Gemeinschaft, mit vielen Recken an der Seite. Ein weiteres Leben für den Krieg, eine weitere Zeit des Tötens. Dämonen, Menschen oder Geister. Sie sah Hände von Sterbenden, die sich ihr entgegen reckten.
Und sich selbst. Sie schlug zu. Immer und immer wieder.
Die Bilder verblassten, und erneut spürte sie den Schmerz, als sich Haut auf ihre titanummantelten Wirbel legte, gerade so, als müssten diese Knochen aus Stahl vor irgendetwas behütet werden. Sie verlor erneut das Bewusstsein, als der Schmerz unerträglich wurde. Diesmal träumte sie.
Sie ritten dem Horizont entgegen, wo ein mächtiger König auf sie wartete. Sie waren wie Zwillinge, und das Schwert des einen war der Schutz des anderen. Und umgekehrt. Hartor und sie. Sie machten niemals Gefangene, um dem König zu gefallen. Conan, das war sein Name. Ihm dienten sie, und seine Macht war verführerisch. Sie hatte sich schließlich dem Barbaren hingeben wollen, um von seiner Stärke zu zehren, und dafür ihren Gefährten verlassen. Doch des Königs Antwort auf ihre Geste war nur Herablassung gewesen. Gelächter hatte sie begleitet, als er sie aus seiner Burg hatte treiben lassen wie eine lausige Straßendirne. Sie hatte ihrem Leben durch einen Dolchstoß in die eigene Kehle ein Ende bereitet, um nicht Hartors Enttäuschung über ihren Verrat, geboren aus niederen Gelüsten, und nicht mal erfolgreich vollzogen, erleben zu müssen. Es war vorbei, und blutend, mit den Händen ihre Waffe umklammernd, war sie in den Staub Aquiloniens gesunken.
Der Traum verging. Die Dinge waren geschehen, die Zeit hielt nicht inne. Endlose Momente kamen und gingen.
"Wer bist Du?" Die Stimme war nur ein flüstern im Walde, doch sie vernahm sie, und sie klang so wohl, als würde ein Gott sprechen. Sie wollte antworten, doch ihre Sinne fanden keinen Zugang zum Leib.
Eine andere Stimme erklang.
"Ich bin der Gott des Todes und der Niedertracht. Dies ist mein Kind. Ich will es auf diese Welt entsenden, wie schon auf viele zuvor. Siehe, ich habe ihren Körper aus Titan geschaffen."
Wieder die erste Stimme. "Das ist gut... ich kann sie gebrauchen. Ich bin Malekith, Hexenkönig von Naggaroth, und ich will diese Seele in meinen Diensten wissen."
"Ach?" entgegnete der Andere. Die Stimme klang gelangweilt.
"Es wird ihr an nichts fehlen. Sie soll die Macht erhalten, Ehen zu schließen in meinem Namen, auf dass sich das Dunkle vermehre."
Stille herrschte. "Nun, wenn Du gut auf sie acht gibst..." sagte der Andere dann. Auch, wenn sie es nicht sehen konnte, spürte sie, wie der Gott mit den Schultern zuckte. Oder etwas von ähnlicher Bedeutung machte. Auf eine Weise, wie es nur Götter können.
Sie versank wieder in den Schlaf der Körperlosen.
"Dein Leib ist bereit", flüsterte ihr der Andere zu. "Dein Weg ist das Chaos..." Sie sprang auf. Der Körper fühlte sich gut an, er war sehnig und muskulös.
Chaos, Chaos. Das hatte sie noch immer gut bereiten können. Und hatten ihre Götter sie nicht ebenfalls jedes mal in ein neues Leben gesendet, wenn sie ihre Aufgaben gut erfüllt hatte?
Das Böse war immer mächtiger als das Gute. Von Anfang an.
"Und diesmal", sagte der Andere, "dieses Mal erwarte ich alles von Dir. Lebe Wohl, Sarokeion."
Ein Lachen erklang, dann ein Ausbruch von Licht aus der Dunkelheit. Riesenhafte, grün leuchtende Augen waren das Letzte, was sie sah. Sie stierten direkt in ihre Seele.
Das Bild verschwamm vor ihren Augen.
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Sarokeion, die Priesterin, führt nunmehr Hochzeiten im Namen des Chaos auf der Welt Huss vor, um das Dunkle zu vermehren. Sprecht sie an, und sie wird euch zu Diensten sein.
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