Ich liebe FFXIV!

Nexilein

Welt-Boss
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Ja, ich liebe es wirklich. Aber nicht weil es das beste Spiel aller Zeiten ist ("Aller Zeiten" würde sowieso mit dem nächsten MMORPG-Release enden), sondern weil es viele Dinge gerade rückt.

Da wären z.B. die Quests. Und wenn ich "Quests" schreibe, dann meine ich auch "Quests": Töte 10, sammle 7, bringe X nach Y. Das ist absoluter MMORPG Standard. Die Betonung liegt aber auf MMORPG, nicht auf Standard. Y liegt nämlich des öfteren ziemlich weit entfernt. Man muss laufen, rennen und reiten, denn scheinbar verstehen wir Spieler sonst nicht wie groß und frei die Spielwelt eigentlich ist. Wenn mir ein Questgeber im Level 15 Gebiet erklärt, dass nur der "Bronzium-beschichtete adamantit Hyperflux-Ektoplasmator" das schlimmste aller Übel verhindern kann, dann grinse ich und denke "MMO Quest". Wenn der "Bronzium-beschichtete adamantit Hyperflux-Ektoplasmator" dann aber nur einen Steinwurf vom Questgeber hinter einem Baum liegt, dann komme ich mir verarscht vor. Hier ist FFXIV wirklich "oldschool", denn es lässt den Spieler die größe der Spielwelt wirklich erleben. Natürlich gilt es auch die Wölfe direkt vor dem Stadttor zu töten, aber die Ausname zeigt eben wie groß die Spielwelt wirklich ist. Und wenn der Skeptiker selbst nach mehren Maratons von Nord nach Süd die Spielwelt für "schlauchig" hält, dann darf er ein paar Quests später eben von Ost nach West rennen.
Hier verbindet FFXIV das Angenehme mit dem Nützlichen: Es gibt Questhubs, man wird an Hand einer fortlaufenden Questreihe durch die Welt geführt, aber die Größe der Welt wird dem Spieler dabei eben dennoch vor Augen geführt; nicht jede Aufgabe lässt sich in Rufweite des Questgebers erfüllen.

Aber auch abseits der Quests präsentiert sich FFXIV abwechslungsreich:
Normalerweise ist das Handwerk in Themepark MMORPGs z.B. eher ein Grund zum Fremdschämen. Wärend er Levelphase klopft man tausende Steine, verhüttet hunderte Erzklumpen und schmiedet dutzende Rüstungen die eigentlich niemand braucht. Pünktlich zum erreichen der Maximalstufe ist dann auch das Handwerk "gemaxt", man darf sich 3 nützliche Ausrüstungsgegenstände herstellen, und dann wird auf den nächsten Content-Patch gewartet.
Bei FFXIV ist es so ähnlich. Allerdings darf man nicht nebenbei Erze sammeln oder Kräuter pflücken, denn der Beruf ist eine Klasse. Wer also Erz möchte, der muss Zauberstab oder Schwert zur Seite legen und eine Sammelklasse annehmen. Und wer 100 Wappenröcke nähnen möchte, der muss auch genau das tun: Mindestens hundert mal die Nadel schwingen; durch hundert Klicks auf die "Nadel-Attacke".
Zur Belohnung gibt es dann nicht unnützen Tand bei dessen Anblick selbst dem NPC Händler schlecht wird, sondern Ausrüstung die für das eigene (oder ein anderes) Handwerk nützlich ist. Selbstversorger die in anderen Spielen mit 3 Charakteren alle wichtigen Berufe abdecken sollten also entweder selten sein, oder haben sich das Leben als Selbstversorger hart "erarbeitet". Dem Handel kann das nur gut tun. Gewürzt wir dies außerdem noch mit Rohstoffen in zwei verschiedenen Qualitätsstufen. Das hebt das FFXIV-Crafting zwar nicht auf Star Wars Galaxies Niveau, aber es könnte dem Handwerk im Endgame zu dem verhelfen, was es in anderen Spielen nicht hat: Relevanz.

Das sind nur zwei Beispiel bei denen FFXIV etwas anders ist. Etwas ungelenkt, wenig stromlienienförmig, so ein bisschen wie Vanilla-WoW. Aber das heißt nicht, dass das Spiel von Gestern ist, oder dem letzten Jahrzehnt entstammt:

Es gibt auch Neues: Da wären z.B. die "Fates", plötzlich auftretende Ereignisse bei denen eine Horde Spieler (umgangssprachlich: Zerg) auf eine Horde plötzlich auftauchender Monster einprügeln darf. Gerade heute abend habe ich sogar ein "Fate" entdeckt, bei dem man einen NPC durch einen Wald eskortieren muss. Plötzlich auftauchende Monster dürfen dabei von den Spielern niedergezergt werde. Manch einer mag nun sagen "Das ist doch geklaut", und in der Tat gab es auch schon andere Spiele mit einer ähnlichen Mechanik: Rift verdankt den "Rifts" seinen Namen, und Guild Wars 2 unterwirft sich fast komplett dem "Event-Paradigma". Aber FFXIV nimmt diese Events, nutzt sie zur zeitweisen Auflockerung, und bietet dem Spieler dennoch Quests und ordentliches Storytelling.

Insgeheim träume ich seit GW2 ja von einem WOW, bei dem jede Stunde zwischen Southshore und Tarren's Mill die NPC Truppen aufmarschieren. Bei FFXIV mangelt es da noch an der Inszenierung, aber zumindest nutzen sie ein Gimmick als das was es ist, und erklären es nicht zur Revolution die der Spielwelt durch sich wiederholenden Trivialzerg Leben einhauchen soll.


Auch beim Kampfsystem wagt FFXIV den Drahtseilakt zwischen Gestern und Heute: Es beginnt mit ein paar einfachen Fähigkeiten, und der Global Cool Down (GCD) ist sogar deutlich höher als bei anderen Spielen. Aber im Lauf der Zeit erweitert sich das Repertoir (wenn auch nicht immer sinnvoll), der GCD sinkt, die Spontanzauber nehmen zu, und das Ausweichen wird wichtiger. Einige Kampfelemente, wie z.B. das CCen, werden dem Spieler sogar in Questform beigebracht; daran arbeitet Blizzard nun auch schon seit einiger Zeit. Am Ende ist das Spiel auch mit diesem System schnell, auch wenn sich nicht jeder Feuerball im Laufen schleudern lässt. Aber das ist auch nicht erstaunlich, denn auch wenn viele Spieler "aktivere" Kampfsysteme feiern, so bleibt selbst bei WoW und Co. kaum Zeit zum Herumstehen. Dafür bekommt man in FFXIV am Ende aber auch das, woran es vielen neueren Spielen mangelt: die Wahl zwischen Fähigkeiten. In "modernen" Spielen darf man sich zunehmend auf eine handvoll Fähigkeiten beschränken, und die Spannung im Kampf basiert auf der Inkompetenz des eigenen Charakters. Bei FFXIV zieht ein falsch zusammen gestelltes Skill-Deck nicht als Ausrede; man darf im Kampf alles, muss aber die richtige Entscheidung treffen. Dennoch darf man, auf aktive Art und Weise, aus roten Kreisen rennen...

Unterm Strich ist natürlich nicht alles "wonderful, awesome & fantastic". Einige Quests könnten in der Tat abwechslungsreicher sein, und warum ich als Thaumaturg relativ früh einen "anti push back"-Skill bekomme, aber relativ lange auf einen Spontanzauber warten muss, das erschließt sich mir nicht ganz. Und auch die Community, die es erlaubt einem Tank innerhalb einer Instanz das Tanken beizubringen, kann sich in den Monaten nach dem Release noch wandeln.

Aber dennoch ist FFXIV für mich ein großes Spiel. Es zeigt, dass man nicht jedem angeblichem Trend hinterherlaufen muss, und das Stromlinienförmigkeit auch Nachteile haben kann. Dadfür liebe ich es. Und für ein "altbackenes", Asia-MMORPG scheint es auf jeden Fall viel Interesse geweckt zu haben. Wie viele Spieler daür eine monatliche Gebühr bezahlen werden, das steht freilich auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall macht es Lust auf mehr, und neben den Entwicklern kann auch ich mir vorstellen regelmäßig zu zahlen. Andere Spiele haben sich dies von vornherein nicht zugetraut.
 
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