Laurelin

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Laurelín beugte sich über das matte Antlitz ihrer Mutter und legte die Hand auf ihre Stirn. Sie war kalt und feucht von Schweiß. Ihr Atem ging flach und war kaum noch zu bemerken.

Sie blickte zu ihrer kleinen Schwester, die tränenüberströmt am Fußende des Bettes kniete und Laurelín mit großen, fragenden Augen anblickte. Laurelín versuchte ein Lächeln aber besann sich dann eines Besseren. Sie konnte Lalaith nicht mehr länger vorspielen das es ihrer Mutter bald wieder besser gehen würde. Ihre Mutter lag im Sterben und nichts auf dieser Welt konnte das noch verhindern.

Laurelín sah ihrer Schwester in die Augen, seufzte leise und schüttelte den Kopf. Lalaith' Augen weiteten sich schreckerfüllt - trotz ihres jungen Alters verstand sie. Dann vergrub sie ihr Gesicht in den Händen und weinte bitterlich. Laurelín sah hilflos auf ihre zusammengesunkene Schwester und wendete sich dann wieder ihrer Mutter zu. Laurelín blickte zärtlich auf ihre Mutter herab, deren Leben langsam und unaufhaltsam verlosch.

Ninqueliel, ihre Mutter, war stets eine Frau von berückender Schönheit gewesen. Die Männer und sogar einige Frauen hatten sie oftmals bewundernd und begierig angesehen. Laurelín sah aber manchmal auch etwas anderes in den Augen: Unverständnis und Neid, dass ihr Vater - ein grobschlächtiger und wenig attraktiver Jäger und Waldläufer - solch eine Schönheit zur Frau nehmen konnte. Aber Nilqueliel liebte ihn...vorbehaltlos und mit ihrem ganzen Herzen. Liebe - so tief wie sie Laurelín noch nie gespürt hatte und wohl auch nie spüren würde.

Bange Tage hatten sie alle auf Nachricht von ihrem Vater gehofft bis die niederschmetternde Nachricht kam, das er tot aufgefunden worden war - inmitten einer Vielzahl von halb verwesten Leichen. Er hatte einige der Untoten erlöst die ihn angegriffen hatten - aber letztendlich doch mit seinem Leben dafür bezahlt.

Als er an diesem einen morgen aufbrach, war ihre Mutter zwar unglücklich, aber zuversichtlich gewesen. Er war oft alleine in den Wäldern Ashenvales unterwegs und ging auf den Pfaden des Jägers und Wächters. Ninqueliel wirkte zu diesen Zeiten der Trennung immer etwas schwach, erholte sich aber sobald er wieder zurückgekommen war. Das war diesmal anders gewesen. Ihr Vater war schon einige Tage fort, da wurde Ninqueliel plötzlich von einem zum anderen Moment immer schwächer und brach zusammen. Es war fast als würde sie vor den Augen von Laurelín und Lalaith verwelken...

Als bald darauf die Nachricht vom Tod ihres Vaters kam, war ihre Mutter bereits ohne Bewusstsein gewesen und nunmehr konnte es nicht mehr lange dauern bis auch ihr letzter Lebensfunke erlosch. Die Ältesten Astranaars nahmen Anteil - Druiden von überall her kamen um zu helfen - jedoch ohne Erfolg. Offensichtlich verlor die Mutter der Mädchen durch ihren tragischen Verlust jeden Lebenswillen und lag aus lauter Gram und Kummer im Sterben. So lautete zumindest das Urteil der Druiden. Doch so war es nicht...Laurelín wusste es. Ihre Mutter hatte ihr eines Tages ihr Geheimnis anvertraut von dem nicht einmal der Vater etwas ahnte - und sie wusste was nun zu tun war.

Nilqueliel schlug plötzlich die Augen auf und wirkte ganz ruhig. Sie sah friedlich aus und blickte an die Decke. Laurelín lächelte ihre Mutter an und strich ihr sanft über die Wange. Nilqueliel blickte weiter starr zur Decke als sei sie bereits weit fort. Mit einem Lächeln hauchte sie noch ein letztes Wort - den Namen ihres geliebten Mannes - dann schloss sie die Augen und hörte auf zu atmen.

Laurelín erhob sich wie unter einer Zentnerlast, trat an die Tür und winkte die Druiden zu sich, die vor dem Haus gewartet hatten. Sie ging mit ihnen zurück ins Haus, fasste die leise wimmernde Lalaith an den Armen und zog sie auf die Füße, nahm sie fest in die Arme und zog sie mit sich vor die Tür. Die Druiden würden sich jetzt um ihre Mutter kümmern.

Lalaith beruhigte sich lange Zeit nicht mehr und bemerkte erst viel später das Laurelín sie an der Hand hielt und langsam mit ihr durch den Wald lief. Laurelín schien wie in Trance und nach einiger Zeit traten sie auf eine Lichtung, auf der in der Mitte ein gewaltiger Baum stand.

Seine Äste hingen herab als sei jedes Leben aus ihm gewichen - um seinen Stamm herum lagen Unmengen von Laub und Blättern, und es fielen immer wieder neue hinab. Dieser Baum lag im sterben...man konnte dabei zusehen wie ihn seine Kraft verließ.

Lalaith sah ihre Schwester erstaunt an. "Warum zeigst Du mir diesen Ort, Schwester?", fragte sie - erhielt aber keine Antwort. Laurelín war schon immer sehr still und zurückhaltend gewesen. Nie hatte sie sich den Spielen der Kinder angeschlossen. Entweder sah sie nur aus der Entfernung zu oder streifte allein durch die Wälder. Lalaith empfand ihre Schwester eigentlich immer als Langweilig - aber das hier war richtig aufregend. Sie konnte nicht einmal sagen warum. Es hatte etwas mit diesem Ort auf sich...

Laurelín hielt Lalaith weiter an der Hand und trat näher an den Baum heran. Sie kniete sich vor den Stamm und zog Lalaith neben sich. Um sie herum fielen weiter die weißen Blätter des Baumes zu Boden - fast sah es aus als würde es schneien. Dann legte Laurelín ihre beiden Hände an den Stamm des Baumes. Ein Zittern durchlief das Holz...sie konnte es spüren.

Lalaith wollte grade etwas sagen, aber ein Blick in das Gesicht ihrer Schwester brachte sie zum Schweigen. Laurelín wirkte als sei ihr Geist weit fort - und dann begann sie plötzlich zu singen:


Durch dunkle Wege wandert er
verborgne Tiere bangen sehr
Ob Unheil bringt der Jägersmann?
Habt keine Angst - er denkt nicht dran
Er folgt nur meinem leis\' Gesang
der grade bis ins Herz ihm klang

Als ich ihn sah das erste mal,
erblickte hier in diesem Tal,
verborgen vor manch andrem Blick,
da traf mich seltsames Geschick
In süsser Liebe sah ich ihn
und Sehnsucht trieb mich zu ihm hin

Ich folgte ihm dann oft so lang
mein Baum mich fortliess ohne Bang
Doch bald verliess mich dann die Kraft
die der Dryaden Bande schafft
mit ihrem Baum - dem einzgen hier
Sein Leben ist verknüpft mit mir

Ein neues Band ich knüpfe nun
Kein Halten mehr in meinem Tun
Ein Liebesband zu diesem Mann
wie stärker es nicht seien kann

Ein Zittern läuft durch jeden Ast
Doch mach ich weiter ohne Hast
"Ich liebe ihn und liebt er mich
so brech ich Band das ewiglich
verbunden hat mich mit dem Baum
wie Schlaf verbunden ist mit Traum"

Der Baum gab nach - er ließ mich gehn
Doch würde er auch nicht vergehen
Ein letztes Band war das Versprechen,
und Tod uns holt würd' ich es brechen,
dass wenn ein Kind daraus entsteht
es als Dryade zu ihm geht
und weiter lebt mit diesem Baum
und weiter träumt Dryades Traum

Und so wurd' fertig neues Band
der Liebste nahm mich bei der Hand
verknüpft mit ihm mein ganzes Sein
es liegt nicht mehr in diesem Hain
Mein Leben jetzt solange währt
Wie Atem durch den Liebsten fährt

Und kommt der Tag an dem er schweigt
Und Baumes Stamm die Äste neigt
dann gilt das Wort und letztes Band
wird Töchter führen - Hand in Hand
zu diesem Hain, wo alter Bund
erneuert wird mit dieser Stund'

Der Lebensbaum ihr Atem schenkt
solang die Göttin alles lenkt
was Elfenkind mag wichtig sein


Als die letzte Note verklungen war, hüllte plötzlich ein warmes Licht die beiden Schwestern und den Baum ein. Lalaith legte ihren Kopf in den Nacken und sah nach oben ins Geäst. Sie öffnete erstaunt den Mund und sah wie sich an allen Ästen neue Blätter bildeten. Sieh sah zu Laurelín, die noch immer vor dem Stamm kniete und sich umsah, als sei sie grade erst aus einem tiefen Schlaf erwacht.

Lalaith entdeckte überrascht ein grünes Kleid, das von einem der Äste herabhing - sie streckte sich um es abzunehmen, doch jedes Mal hoben die Äste es aus ihrer Reichweite. Erst als Laurelín aufstand und nach ihm greifen wollte, senkten die Äste das Kleid in ihre Arme. Es fühlte sich seltsam warm an und wie lebendig - dies war kein Kleid aus Stoff...es lebte....

Eine tiefe grummelnde Stimme erklang plötzlich "Dies zum Geschenk ich Dir mache - nicht binden will ich dich bei mir wie einst deine Mutter, die ich liebte seit dem Tag als ich ein Spross war."

Laurelín sah in stummer Bewunderung das Kleid in ihren Armen - es schien aus feinsten Ranken und Fasern gewebt und kleine Blätter wuchsen daraus hervor. Sie streifte das Kleid über, und plötzlich zogen sich die Ranken und feinen Äste darauf zusammen und zurrten es sanft um sie fest.

Die beiden Schwestern traten einige Schritte zurück und sahen staunend, dass der gewaltige Baum in neuem Leben erstarkt war. Kraftvoll trugen die Äste ihre Last und überall im Geäst öffneten unzählige Blüten ihre Blätter.

Laurelín zog die immer noch staunende Lalaith mit sich. Noch war Laurelín verwirrt und doch wusste sie bereits seit langem im Voraus was grade eben passiert war und auch was sie hierher geführt hatte. Sie hatte den lange verwaisten Platz ihrer Mutter eingenommen, aber dafür eine Gunst erhalten. Solange sie dieses Kleid bei sich trug, würde ihr Baum bei ihr sein und ihr Kraft spenden. Bald würde sie Ashenvale verlassen und in die Welt ziehen - dem Weg der Druiden folgend. Aber dabei enger mit der Natur und ihren Geschöpfen verbunden als irgendein Lebewesen sonst. Was für ein Geschenk.....

dryadee.jpg
 
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OOC Erklärung:

Dryaden sind weibliche Fabelwesen der keltischen und griechischen Mythologie. Die Dryaden sind die in den Bäumen (griech. drys, Eiche, Baum) lebenden Nymphen mit dem Aussehen von wunderschönen weiblichen Wesen. Genaugenommen sind sie Nymphen der Eichbäume, aber der Begriff wurde für alle Baumnymphen üblich.

Dryaden gelten als die Beschützer der Natur. Ganz besonders aber schützt die Dryade ihren eigenen Baum. Ist eine Dryade zu lange von ihrem Baum getrennt oder leidet der Baum, so leidet auch die Dryade. Somit besteht also eine Symbiose zwischen den Dryaden und den Bäumen.

Während die übrigen Nymphen als langlebig, aber nicht unsterblich galten, glaubte man, daß Dryaden mit dem Leben ihres Baumes endeten.

Laurelin war einer meiner ersten WoW Chars und ich hoffe ihre Geschichte gefällt Euch. Es gibt sie immer noch aber sie schläft schon sehr lange. ich hab es einfach nicht übers Herz gebracht sie zu löschen. Kommentare zu Laurelíns Geschichte sind willkommen. Aber bitte keine Diskussion ob es in Azeroth Nymphen oder Dryaden geben kann oder nicht - von einer weiss ich zumindest *zwinker*
 
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wunderschön
smile.gif

total liebevoll geschrieben.. sowohl die geschichte als auch das lied.
man merkt wieviel mühe du dir gegeben hast und es ist dir wirklich gelungen, finde ich :>

das einzige das ich nicht so gut fand war die art und weise wie der baum spricht "Dies zum Geschenk ich Dir mache" erinnert mich an den kleinen grünen yoda^^
wenn ich einen baum sprechen lassen würde, würde ich versuchen ihn alt/weise/mächtig/ruhig klingen zu lassen.
da das aber irgendwie geschmackssache ist, ist es kein richtiger kritikpunkt *^^*

lg
G.
 
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