Noname.

Numbe

Rare-Mob
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Guten Abend / Morgen.
jester.gif


Da ich den heutigen Tag genutzt habe um mich im Keller zu verkriechen (Mit ordentlich kaltem Eis und viel grünem Tee:blub:)... Nein, Quatsch.
Das mit dem Keller jedenfalls, der Rest stimmt!
Ich hab' mich heut mal dazu durchgerungen den Anfang einer Geschichte aufzuschreiben, die mir schon länger im Kopf herum schwirrte.
(Leider neige ich dazu Geschichten auch dort zu lassen, oder sie unvollendet auf Papier zu bringen *sfzl*)

Wie auch immer.
Ich würde gerne eure Meinung dazu hören.

Vorweg: Es spielt nicht in der Zeit von Hannibal und seinen Elefanten und eine mysteriöse Klinge, die seinem Träger was ins Ohr munkelt taucht ebenfalls nicht auf.
Es ist 'Real-Time'. Und ich hoffe, man darfs trotzdem hier posten.

Zum Titel: Ich habs Noname genannt weil... Ich noch keinen Namen habe. Sowas kommt bei mir meist sehr spät.

Nun dann, hoffe ich auf viel Kritik.

__________


Mo ist heute gar nicht nach Hause gekommen. Mutti hat furchtbar geweint und Vati hat sie getröstet.
Aber Mo ist nur bei einem Freund, hat Mutti gesagt. Ich habe sie nicht gefragt, warum sie traurig ist.
Mutti will doch nicht, dass ich sie weinen sehe.




Heute war es ganz doll warm. Wir waren Schwimmen in der Schule.
Allein darf ich das noch nicht, sagt Vati. Die Stadt ist zu gefährlich für sein Mädchen.
Sonst geht Mo immer mit mir schwimmen, aber er kommt erst später zurück. Ich mag Sommer.





Ich habe Mutti gefragt wo Mo ist. Wohnt er jetzt bei einem Freund? Aber Mutti hat gesagt, Mo kommt nicht mehr wieder.
Er geht in einer anderen Stadt zur Schule. Wenn ich groß bin, kann ich ihn besuchen. Ich bin sehr traurig. Ich vermisse Mo.
Ich mag den Herbst nicht.





Genervt drückte sie ihre Zigarette am Fensterrahmen aus.
Dort, wo schon viele runde Brandlöcher den Putz schmückten.
Den Stummel schnippte sie raus, runter in den Innenhof.
Sie schwang die Beine von der Fensterbank und schloss im Gehen das alte Tagebuch,
in welchem sie in letzter Zeit wieder öfter las. Woran das lag? Sie wusste es nicht.
Vermutlich an der Jahreszeit. Es war einfach zu heiß um das Haus zu verlassen.
Vielleicht redete sie sich das aber auch nur ein. Mit dem ewig genervten Gesichtsausdruck
schob sie das Büchlein unter die Matratze ihres Bettes, wobei ihr ein anderes Erinnerungsstück ins Auge fiel.
Ein altes, zwei mal gefaltetes Foto. Sie setzte sich auf ihr Bett und öffnete es. Ein merkwürdiges Kribbeln machte
sich in ihren Lippen breit, ihre Mundwinkel zuckten als könnten sie sich nicht zwischen Trauer und Freude entscheiden.
„Mo...", murmelte sie leise. „Wo bist du nur?" Mit der Fingerkuppe ihres Daumens fuhr sie über das Gesicht
des kleinen Jungen auf dem Bild. Er hatte immer diesen kalten, zurückhaltenden Blick. Ganz anders als die anderen Kinder
in seinem Alter. Aber vielleicht kam ihr das auch nur so vor. Sein eigentlich kurzes, haselnussbraunes Haar hätte einen
Haarschnitt gut vertragen können. Der Pony war viel zu lang und allgemein wirkte es recht zottelig, wie bei einem Hund
der sein Fell nach einem Bad geschüttelt hatte. Die blasse Haut des Jungen stand im heftigen Kontrast zu seinem Haar,
die grauen Augen ebenfalls. Sein Gesamtbild wirkte recht hager. Aber sie wusste, dass er nicht krank war.
Er war schon immer dürr gewesen. Wehmütig seufzte sie. Eine Ecke des Bildes hatte sie abgerissen.
Dort war sie drauf gewesen, er hatte sie an der Hand gehalten. Doch wenn sie eines hasste, dann waren das Bilder von ihr.
Egal wie jung sie auch gewesen war, Bild ist Bild.

„Jill? Alles okay mit dir?" Ruckartig hob sie den Kopf und blickte zur Tür.
Reflexartig zerknüllte sie das Foto und warf es in Richtung Papierkorb, verfehlte ihn aber um ein gutes Stück.
„Hab ich nicht gesagt, dass ihr anklopfen sollt?", antwortete sie genervt und auf ihrem Gesicht machte sich wieder diese
Gefühlslosigkeit breit, die sie in letzter Zeit viel zu oft in sich spürte. „Ja schon Liebes... Nur...",
begann die Frau welche im Türrahmen stand. Sie spielte nervös mit ihren Fingern am Rahmen. Ihre grünen Augen,
welche von dunklen Augenringen umrahmt wurden, zuckten leicht. Sie war groß, hager, wobei hager ein wirklich ungesundes Bild beschrieb,
hatte dünnes kupfernes Haar welches sie zu einem Pferdeschwanz gebändigt hatte und trug ein kurzes, weißes Sommerkleid,
dessen Farbe sich kaum von ihrer Haut unterschied. Wäre sie jünger und gesünder gewesen, hätte Jill sie vermutlich als sehr hübsch empfunden.
„Miriam hat angerufen, sie will mit dir sprechen. Ich habe dich gerufen, aber du warst wohl beschäftigt.", endete sie,
warf einen kurzen Blick zum Papierkorb und hielt ihr dann das Telefon entgegen. Auf den ersten Blick war ihr gar nicht aufgefallen,
dass sie es bei sich gehabt hatte. Jill stand schnaufend auf. „Grüß schön.", endete die Frau als ihre Tochter ihr das Telefon abnahm.
Jill lächelte kurz und knapp und wandte sich schon wieder ab um sich dem Telefonat zu widmen, als die Stimme ihrer Mutter sich nochmals erhob.
Diesmal um einiges besorgter. „Du riechst nach...", begann sie, doch ihre Tochter kam ihr mit einer Antwort zuvor:
„Ich hab nicht gekifft, Mom. Keine Sorge." Und damit schob sie die Tür mit ihrem Fuß zu, ohne der Frau nochmal einen Blick zu schenken.

„Hey, Mimi. Wart mal kurz.", raunte sie in den Hörer und lauschte aufmerksam.
Die Schritte ihrer Mutter entfernten sich rasch auf der anderen Seite der Wand.
Wenn sie eines mehr hasste als Fotos, dann die Tatsache, dass Menschen dazu neigten furchtbar neugierig zu sein was Gespräche anderer anging.
Bis auf ihren Herzschlag und dem Entfernten Rauschen der Autoreifen auf dem Asphalt der Stadt, war es ruhig im Haus.
Zufrieden nickte sie, drückte die Lautsprecherfunktion des Telefons und warf erst das Gerät und dann sich selbst aufs Bett.
„Was gibt's?", fragte sie dann und streckte alle Viere von sich. Warum war es nur so warm?

„Naja, ich wollt fragen ob du Lust hast heut' Abend mit zum Paten zu komm. Was trinken und so."

Oh ja. Jill wusste genau was 'und so' bei Mimi hieß. Garantiert kein Essen.
„Ich hab' keine Lust morgen früh an der U-Bahn auf zu wachen, nur weil ich zu bekifft war um in die Bahn zu steigen.",
antwortete sie wenig begeistert. „Meine Alte schiebt eh schon ewig viel Stress. Ich brauch nur eine Rauchen,
dann will die schon die Polizei rufen. Die züchtet sich bald nen eigenen Drogenspürhund."
Mimi grummelte leise etwas Unverständliches in den Hörer, ehe sie vermutlich zum wahren Grund kam, warum sie angerufen hatte.
„Wir haben dich schon so lang nicht mehr gesehen. Ist doch nicht mehr normal mit dir. Als wenn du gestorben wärst.", beklagte sie sich.
Jill verzog das Gesicht. Ja, genau das konnte sie nun gebrauchen. Noch mehr Vorwürfe.
„Wir waren neulich doch erst bei Mulle aufem Geburtstag." „Das war vor nem halben Jahr! Mensch Jill, du tickst doch gerad nicht richtig.
Sonst warst du ja auch nicht so." Ja, sonst war auch alles mehr oder weniger normal gewesen.
Sie schwieg und vergrub sich in ihren Gedanken, welche ihr in der brütenden Hitze den Kopf zermahlten.
„Du kommst nicht mehr zur Schule, gehst nicht mehr raus. Anrufen tust du auch nicht mehr. Was geht denn bei dir ab,
dass du so scheiße bist gerad? Wenn du Stress hast kannst du bei mir wohn, meine Alten störts eh nicht. Oder bei Passi,
du weißt wie er dich mag! Und der wohnt immerhin allein."
„Hast du nur angerufen um Stress zu machen? Oder was soll das werden?", knurrte Jill genervt und richtete sich langsam zum Sitzen auf.
Sie nahm das Telefon in die Hand und musterte es grimmig. „Ich mach mir nur Sorgen um dich.
Komm heut Abend vorbei und ich lass dich in Ruhe. Versprochen." Sie wusste, dass Mimi ihr nichts Böses wollte.
Irgendwie wusste sie ja selber nicht, was mit ihr los war.

„Ja, geht klar. Nacher beim Paten. Wann seid ihr da?", stimmte sie zögernd zu.
Ja, der Jubelschrei am anderen Ende der Leitung zauberte ihr sogar ein Lächeln auf die Lippen.
„Um sieben geht's los. Wird ne lange Nacht. Und du kommst wirklich! Keine Ausreden mehr!"
„Ja. Ich versuchs."
„Dann bis nacher, wir seh'n uns." Irgendwie atmete sie fast erleichtert aus,
als das laute Tuten des Telefons das Zimmer erfüllte. Sie drückte den Lautsprecher weg und sah zur Uhr,
welche über der Tür hing. Es war schon vier. Drei Stunden Zeit sich zu entscheiden ob sie wirklich gehen würde.

Oder drei Stunden Zeit sich zu entscheiden, was sie anziehen sollte.
Wage Lächelnd stand Jill vom Bett auf und schlurfte zum Kleiderschrank, erst wollte sie ihn einfach öffnen,
doch ihr Blick verfing sich in dem Gesicht der Person die sie aus dem Spiegel heraus ansah welcher an der Schranktür hing.
War das wirklich sie? Erst jetzt wurde ihr klar wie lange sie sich schon nicht mehr bewusst betrachtet hatte.
Ihr war das Spiegelbild so unbekannt, dass es ihr kalt den Rücken herunter lief. Nicht negativ, nein. Denn es störte sie keineswegs,
was sie dort sah. Eine junge Frau um deren Gesicht sich eine leicht gelockte Haarpracht schmiegte.
Ihr Haar war schulterlang und kupfern wie das ihrer Mutter, nur um einiges dunkler. Die Augen hatten etwas katzenhaftes,
mit ihrem strahlenden Smaragdgrün. Sie war zwar schlank,
aber trotzdem zeichneten sich ihre weiblichen Rundungen prall und wohl proportioniert unter ihrem Pyjama ab.
Sie lächelte verwirrt, was ihr leichte Grübchen ins Gesicht zauberte. War sie nicht mal blass gewesen?
Und krank? Hatten nicht einmal Augenringe ihr makelloses Gesicht zerstört? Anscheind hatten ihr die letzten Monate gut getan.
Der viele Schlaf. Die Enthaltung. Auch wenn ihre Seele vermutlich etwas anderes behaupten würde.
Sie war einsam geworden, furchtbar einsam. Einige Momente begutachtete sich Jill im Spiegel,
bis sie die Tür auf schob, ihr Spiegelbild verschwinden ließ und sich ihren Klamotten widmete.

Und sie war sogar recht schnell, was das Aussuchen anging.

Eine Stunde später stand sie zufrieden vor dem Spiegel, ein weißes Neckholder-Top,
eine schwarze, knielange Jeans die sie mal zerschnitten hatte und ihre Lieblinge: Die schwarzen Turnschuhe,
welche mittlerweile schon fast auseinander fielen. Zwar hatte Mimi sie schon immer mal zwingen wollen, sich neue zu kaufen,
jedoch war sie mehr als eitel was ihre Schuhe anging. Sie trägt sie, bis sie nicht mehr zu flicken sind. Punkt.
Schnell band sie ihre Haare zu einem wilden Zopf zusammen, trug noch etwas Kajal auf und schnappte sich ihre Tasche.
Zwei Stunden hatte sie ja noch.

Und die würde sie auch brauchen.

„Ich bin draußen!", rief sie durch die Wohnung.
Ein Stuhl wurde gerückt, doch sie wartete nicht auf ihre Mutter.
Schnell war sie aus der Tür geschlüpft und das Treppenhaus schon halb runter.
Sie redet nicht gerne. Und erklärte auch nicht gerne, was sie so tat. Wie sie tickte.
Jedenfalls nicht gegenüber ihrer Familie.

Die Luft war erschlagend. Es kam ihr so vor als wäre sie aus dem Gebäude nicht in den Innenhof,
sondern gegen eine Wand gesprungen. Es war warm und schwül und die Abgase der Fahrzeuge auf der Straße machten alles noch schlimmer.
Obwohl es hier ruhig war, in dem Hinterhaus des Wohnblocks, wusste sie, dass die Hauptstraße gut gefüllt war.- Trotz des Wetters.
Wie immer eben.

Schnellen Schrittes durchquerte sie den Innenhof.
Er war voll gestopft mit alten Fahrrädern, Kinderspielzeug was die Kleinen liegen gelassen hatten,
gerauchten Kippen und Müll. Die Leute achteten auf ihr Leben.- Nicht auf das, was nicht dazu gehörte.
Und dieser Innenhof gehörte garantiert nicht dazu!

An der Straße war es, wie erwartet, nicht angenehmer. Es war sogar noch um einiges schlimmer.
Jill hatte das Gefühl, dass ein dicker Puffer aus Abgasen und Hitze auf der Straße lag, dem Bürgersteig und in den Kneipen,
welche sich langsam füllten. Kurz blickte sich die junge Frau um, dann schlug sie zielsicher den Weg in Richtung U-Bahn ein.
Es waren nur wenige Menschen auf dem Bürgersteig unterwegs und wenn sie welche traf, dann mit Badetasche und Handtuch in der Hand.
Dafür war die Straße überfüllt. Feierabend, Badesee, schnell ein Eis einkaufen. Die Gründe waren vermutlich überraschend verschieden.

Nur war es unter der Erde nicht viel besser. Sie hasste die U-Bahnbahnhöfe.
Es roch nach Alkohol, Zigaretten und Urin, und in der Bahn selbst würde vermutlich noch Schweiß dazu kommen.
Keine angenehme Vorstellung, wie sie für sich entschied.
 
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Dellon

Quest-Mob
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Find die geschichte gut kommt da noch mehr
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Oh. o_O Tschuldige... Ich hatte hier gar nicht mehr reingeschaut. Ja, ich denke schon. *g*
 
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