Von der kleinen Schurkin und der großen Liebe

Tyrena

Quest-Mob
Registriert
28.10.2007
Beiträge
22
Reaktionspunkte
0
Hallo ihr Lieben! Bin neu hier im Forum, aber nicht ganz neu im Rollenspielbereich. Hab früher mal ein paar Jahre mit Ultima Online (u.a. auch als Admin) verbracht und viele Rollenspielgeschichten geschrieben und auch gelesen. Mittlerweile habe ich mich zwar vom Rollenspiel selbst losgesagt (spiele WoW auf einem PvE Realm), aber die Geschichten schreibe ich noch immer gerne. Habe diese Story mit mittlerweile 5 Teilen schon in einem anderen Forum gepostet und bisher recht gute Resonanz erhalten. Mich würde daher auch mal eure Meinung interessieren! Bin für konstruktive Kritik immer offen! Viel Spaß beim Lesen des ersten Teils
smile.gif


Und wieder flammte dieser ganz besondere Tag in ihren Gedanken auf. Damals, als sie durch das Rotkammgebirge streifte, auf den Spuren des Schwarzfelsklans. Niemals hätte sie geahnt, welchen Wandel dieser Tag in ihrem Leben hervorbringen würde. So lasst sie ihre Geschichte erzählen:

Tyrena hat die Zwergenstadt Eisenschmiede hinter sich gelassen und den Weg nach Sturmwind angetreten. Obwohl sie als Schurkin nicht den besten Ruf genießt, so wird sie dennoch in die Dienste der Allianz gestellt und auch von den Menschen herzlich aufgenommen. Ihr weiterer Weg führt sie durch den Wald von Elwyn in das Rotkammgebirge nach Seehain.

Schon vielen Gnollen hat sie dort den Gar ausgemacht, als sie mit der Aufgabe betraut wird, dem Schwarzfelsklan zu folgen und nähere Informationen über deren Pläne in Erfahrung zu bringen. Die Späher des Klans waren in letzter Zeit verdächtig nahe an Seehain gerückt. Es musste etwas in Planung sein und das galt es herauszufinden.

Sie verlässt Seehain in Richtung Nordosten, jedoch wandelt sie nicht auf den Straßen, denn ihr Reich ist das Verborgene und so durchstreift sie das Gebüsch auf der Suche nach ersten Anhaltspunkten. Sie kann noch nicht weit gegangen sein, als ihr ein beißender Geruch in die Nase steigt, der beißende Geruch von Orks! Ihre Schritte werden langsamer und sie schließt kurz die Augen, um sich genau auf den Geruch und seine Richtung zu konzentrieren. Weit konnte es nicht mehr sein. Sie folgt ihrer Nase weiter fernab von der Straße in Richtung der Nahe liegenden Felsen am Tal von Althers Mühle. Vorsichtig späht sie durch einen Busch und wird sogleich in ihrer Vermutung bestätigt.

Sie hat tatsächlich einen Späherposten des Schwarzfelsklans entdeckt. Drei Orks sitzen um ein kleines Feuer und unterhalten sich angeregt, soweit Tyrena das deuten kann. Die orkische Sprache schien für sie lediglich eine Aneinanderreihung nicht zusammen passender Silben zu sein, doch stört sie das gerade recht wenig. Plötzlich verstummt das Gespräch und zwei der Orks stehen auf. Sie geben noch einen kurzen würgeähnlichen Ton von sich und verziehen sich dann beide in unterschiedliche Richtungen. Das ist ihre Gelegenheit. Vorsichtig schleicht sie sich hinter den noch immer am Feuer sitzenden Ork und schlägt ihn mit einem heftigen Hieb auf den Kopf sofort nieder. Dieser kippt seitwärts um und bleibt regungslos liegen. Schnell und flink sucht sie alles um die Feuerstelle ab, jedoch ist hier nichts Brauchbares zu finden. Sie wendet ihren Blick wieder dem toten Ork zu, wirft ihn auf den Rücken und durchsucht seine zerfetzten Taschen. Sie findet eine Notiz, die mit einer Zeichnung versehen ist. Doch noch bevor sie sich näher damit beschäftigen kann, wird sie vom Knacken eines Astes unterbrochen. Schnell steckt sie den Zettel ein, zieht ihre Dolche und dreht sich blitzartig um.

Einer der zwei Späher ist zu früh von seinem Rundgang zurückgekehrt und hat sie im Lager ertappt. Wutentbrannt zieht er seine Axt und rennt auf Tyrena los. Gerade noch rechtzeitig lässt sich die kleine Zwergin zur Seite fallen und stößt dem Ork einen ihrer Dolche ins Knie. Schreiend fällt dieser vorne über, während Tyrena sich schnell in den nächsten Busch zurückzieht. Aus dem Hinterhalt kann sie eben am besten agieren. Mit einem gequälten Grunzen erhebt sich der Späher des Schwarzfelsklans wieder und blickt schnell von einer Seite zur anderen. Das nutzt sie und wirft einen kleinen Beutel mit einem wundersamen Pulver auf die gegenüberliegende Seite des Lagers. Als der Beutel den Boden berührt, gibt es eine kleine Explosion und Funken schießen heraus. Sofort nimmt der Ork die Verfolgung auf und rennt somit in die Falle. Tyrena kommt aus ihrem Versteck und durchbohrt den vor ihr suchenden Ork mit ihrem Dolch. Noch bevor Tyrena ihre Waffe wieder an sich nehmen kann, kippt der Späher von der Wucht des Stoßes vorne über und rollt den kleinen Hang hinunter ins Tal von Althers Mühle. Sofort eilt Tyrena hinterher, schließlich will sie ihren Dolch wieder haben.

Als sie wenige Minuten später im Tal ankommt, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Ein Zwerg steht vor dem eben getöteten Ork, der noch immer den Dolch im Rücken stecken hat und mustert ihn sorgfältig. Als er Tyrena erblickt schaut er auf und zieht eine Augenbraue hoch. „Saubere Arbeit“, er nickt anerkennend und mustert die Schurkin eindringlich. Tyrena runzelt die Stirn: „Habt ihr etwas anderes erwartet?“, während sie den Zwerg eingehend betrachtet. Anhand seiner fein gearbeiteten Rüstung und der großen, feurig schimmernden Axt an seinem Gurt, vermutet sie, dass er ein großer Krieger sein musste. Jedoch hat er eine Spitzhacke in der Hand und schräg hinter ihm am nahe gelegenen Fels lag ein Bündel mit Erz. Doch das ist nicht alles, was ihr ins Auge sticht. Er hat einen weißen, sehr gepflegten Bart und wunderschöne, grau-grüne Augen. Sie weiß nicht wieso, doch irgendwie ist sie von diesem Zwerg fasziniert.

„Nun, in dieser Gegend trifft man häufig recht frisch gebackene Kämpfer der Allianz“, er schmunzelt kurz. Es scheint, als würde er seine Worte ganz genau überlegen, redet dann aber weiter: „Doch so präzise Arbeit zeugt von besserem Können. So erlaubt mir bitte die Frage, was jemanden wie euch in eine derartige Gegend treibt, wo ihr sicher verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen könntet?“

Etwas skeptisch zieht Tyrena eine Augenbraue hoch. Als sie jedoch merkt, dass ihr Gegenüber dies wohl keineswegs ironisch meinte, antwortet sie etwas verlegen: „Es freut mich zu hören, dass euch meine Kampfkünste zu beeindrucken scheinen, jedoch denke ich nicht, dass ich bereits genug Erfahrung gesammelt habe, um größere Aufträge anzunehmen.“ Wieder schaut sie an dem Zwerg herunter: „Doch ihr seht nicht aus wie ein unerfahrener Kämpfer. Darf ich erfahren, wer ihr seid und was euch hier her treibt?“
„Oh entschuldigt!“, nun ist es der Zwerg, der etwas verlegen schaut. „Wie konnte ich nur meine gute Sitte vergessen. Das Höhlenvolk zum Gruße werte Dame. Mein Name ist Morpheus, Krieger der Allianz, Bergbaufachmann und Rüstungsschmied, stets zu euren Diensten.“ Er macht eine leichte Verbeugung.

„Auch wenn dies wohl nicht der rechte Ort ist, so freut es mich eure Bekanntschaft zu machen werter Morpheus. Mein Name ist Tyrena, kräuterkundige Alchemistin.“, entgegnet sie vorsichtig. „Und wie ihr bemerkt habt“, sie schaut kurz auf den toten Orkspäher: „fröne ich der Kriegskunst eher aus dem Hinterhalt heraus.“ Um ein verlegenes Grinsen zu vermeiden, wendet sie sich schnell um und zieht ihren Dolch aus dem toten Ork.

„So darf ich wohl von Glück reden, dass ich euch am hellen Tag in eurer vollen Erscheinung zu Gesicht bekomme.“, Morpheus beginnt zu schmunzeln. Doch bevor Tyrena mit skeptischem Blick antworten kann, redet er weiter: „Ich will nicht zu forsch oder unhöflich erscheinen, doch dürfte ich euch vielleicht heute Abend ins Gasthaus von Seehain einladen?“

Etwas irritiert steckt Tyrena ihren Dolch weg. Sie ist kein Freund derart schneller Verabredungen und doch fühlt sie sich geschmeichelt. Jedem anderen hätte sie wohl eine Absage erteilt, doch Morpheus hatte eine so andere Art, die sie irgendwie faszinierte und dann diese wunderschönen Augen…
 
Ich bin mal so frei und poste euch auch direkt den zweiten, der insgesamt bisher fünf Teile, sollte tatsächlich jemand weiterlesen wollen
wink.gif
Über Kommentare freue ich mich natürlich immer!


...
*Dass Tyrena vor lauter Euphorie und Vorfreude eine Motivation an den Tag legte, die schier unglaublich war und sie dadurch noch ein weiteres Lager des Schwarzfelsklans ausmachte und sauber auslöschte, muss nicht weiter erwähnt werden. Genau so wenig wie die Tatsache, dass sie für die gute Ausführung ihrer Aufgabe und vor allem für die beschafften Informationen reichlich belohnt wurde*

Über die Dauer ihres Auftrages ist Tyrena im Gasthaus von Seehain untergebracht, natürlich auf Kosten der Allianz. Da nun langsam der Abend heran bricht, begibt sie sich auf ihr Zimmer, um sich nach einem derart anstrengenden und auch ereignisreichen Tag ein wenig frisch zu machen. Schließlich hatte sie noch eine Verabredung mit Morpheus, dem Zwergenkrieger, der ihr erst im Verlauf des Tages zum ersten Mal begegnet war, sie jedoch sogleich fasziniert hatte.

Als die Zeit gekommen und der letzte Sonnenstrahl hinter den Bergen verschwunden ist, begibt sich Tyrena die Treppe nach unten in den Schankraum des Gasthauses. Sie muss nicht lange suchen, bis sie Morpheus an einem Tisch entdeckt. Obwohl er ganz anders aussieht, als am Mittag, erkennt sie ihn sofort an seinem markanten Gesicht und dem fein gepflegten Bart. Als sie vorsichtig etwas näher kommt, erblickt sie seine noch immer verzaubernden Augen. Sie mustert ihn einen Moment, bevor sie ihn freundlich begrüßt. Er trägt eine schwarze, edle Hose und ein feines, beiges Hemd, welches mit braunen Stickereien verziert ist. „Guten Abend werter Morpheus“, sie lächelt ihn sanft an.

Seine etwas erstaunten Augen sind nicht zu übersehen, als er sie mustert: „Einen wunderschönen guten Abend werte Tyrena“, stottert Morpheus ein wenig zurrecht. Er räuspert sich kurz und fährt dann fort: „Verzeiht, jedoch bin ich über euren Anblick ein wenig erstaunt. Noch heute Mittag in schwarzes Leder gekleidet, machtet ihr einen wahrlich gefährlichen Eindruck. Etwas ungewohnt für eine Frau, wenn ich das so sagen darf.“ Er grinst leicht, spricht dann jedoch weiter: „Doch nun scheint ihr wie verwandelt“, er schaut noch einmal an ihr herunter, bevor er ein wenig zur Seite rückt und ihr einen Platz auf der Bank, an dem rundlichen Tisch anbietet. Sie trägt ein dunkelrotes, schlichtes Kleid, das nur an den Rändern mit hellroten Stickereien versehen ist und ihren langen schwarzen Haaren, die sie nun offen trägt, ebenfalls Geltung verleiht.

„Nun“, beginnt Morpheus seinen Satz, nachdem Tyrena, etwas verlegen schauend, neben ihm am Tisch Platz genommen hat „Was darf ich denn einer solch wandelbaren Frau für ein Getränk bestellen?“ Noch immer verlegen grinsend entgegnet ihm Tyrena: „Nach einem so ereignisreichen Tag hätte ich gegen einen Humpen Met nichts einzuwenden.“ Morpheus nickt kurz und winkt sofort einen der Kellner herbei: „Ein Dunkelbräu und einen Humpen Met bitte!“ „Sehr wohl der Herr“, entgegnet der Kellner und eilt schnellen Schrittes davon.

„Ich glaube ihr seid mir derweil noch eine Antwort schuldig“, grinst Tyrena Morpheus etwas schelmisch an, die ihre Fassung wieder gefunden hat: „Ihr wolltet mir verraten, was ein scheinbar so großer Allianzkrieger in einer Gegend wie dem Rotkammgebirge zu suchen hat?“ „Oh, das ist schnell erklärt“, beginnt Morpheus sofort zu antworten: „Ich bin im Auftrag meines Rüstungsmeisters unterwegs. Er lehrte mich vor einiger Zeit die Kunst des Rüstungsschmiedens und derzeit erhalte ich von ihm die Gelegenheit meine Künste darin erneut zu verbessern. Schließlich sind gute Rüstungsschmiede noch immer Mangelware und vor allem in solchen Zeiten schwer von Nöten. Doch hat jede Lehre auch ihren Preis. Die Materialien und Erze habe ich zur Verfügung zu stellen und so wandere ich durch die Länderein und ergattere ein paar wertvolle Erze und Edelsteine. Und um diese Aufgabe möglichst schnell zu erfüllen, versuche ich mein Glück gerne an den Orten, an welchen ich bereits einmal fündig geworden bin.“

Gerade als Morpheus seinen Satz vollendet, erscheint auch schon der Kellner wieder am Tisch und stellt die beiden Getränke ab. Sofort ergreift der Zwergenkrieger seinen Humpen und hält ihn Tyrena entgegen, die sofort den ihren ergreift. „Auf die Bekanntschaft mit einer wunderbaren Dame“, Morpheus lächelt Tyrena an und schaut ihr dabei tief in die Augen. Er prostet ihr zu und nimmt dann einen großen Schluck, noch bevor Tyrena die Röte ganz ins Gesicht gestiegen ist. „Ihr schmeichelt mir zu sehr“, ist das einzige was sie entgegnen kann, bevor sie mit dem Humpen ihr Gesicht verdeckt und einen großen Schluck Met nimmt.

Morpheus ist ihre Verlegenheit jedoch nicht entgangen und so versucht er vorerst das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. „Ihr erwähntet heute Mittag, dass ihr ebenfalls der Kriegskunst nachgeht, jedoch mehr aus dem Hinterhalt.“ Er zieht eine Augenbraue hoch und spricht langsam weiter: „Ihr wollt mir doch nicht weiß machen, dass ihr eine…“ Er kann seinen Satz nicht vollenden, als Tyrena ihm schon etwas schroff ins Wort fällt: „Ja, ich bin eine Schurkin, wenn ihr es so nennen wollt. Und mir ist durchaus bekannt, dass ich daher auch nicht unbedingt den besten Ruf habe, vor allem im Vergleich zu einem angesehenen, ehrenhaften Krieger, wie ihr sicher einer seid. Dennoch verstehe ich mein Handwerk sehr gut, habe meinen Platz in der Allianz gefunden und verdiene mir einen gewissen Respekt.“

Etwas irritiert hat Morpheus ihren schnellen Ausführungen mit noch immer offen stehendem Mund gefolgt. Er schüttelt kurz den Kopf, um das gerade gehörte zu verstehen und meint dann vorsichtig: „Werte Tyrena, verzeiht, aber ihr müsst mich falsch verstanden haben. Dies sollte bei weitem keine Anschuldigung, geschweige denn eine geringere Wertschätzung ausdrücken. Eher im Gegenteil…“ Er hält kurz inne, in der Hoffnung, dass seine letzten Worte ihr aufbrausendes Wesen etwas beruhigen und bei ihr Gehör finden. Als Tyrena’s strenge Gesichtszüge sich wirklich langsam entspannen und sie nun interessiert zu Morpheus blickt, redet er langsam weiter: „Nun, dass ihr euer Handwerk gut versteht, habe ich heute Mittag ja bereits bewundern dürfen“, er lächelt sanft und spricht dann weiter: „Ich habe Respekt vor dem, was ihr tut und wie ihr damit umgeht. Es bedarf eines gewissen Mutes, sich solchen Vorurteilen zu stellen. Dennoch muss ich gestehen, dass es mich sichtlich verwundert hat, dass eine so anmutige Dame wie ihr, einem, wie ihr bereits sagtet, etwas verrufeneren Handwerk nachgeht, wenn ihr mir erlaubt, es so auszudrücken.“

„Ihr schafft es doch immer wieder mich in Verlegenheit zu bringen!“, antwortet Tyrena, der erneut die Röte ins Gesicht steigt. Sie greift nach ihrem Humpen Met, doch bevor sie ihn hochheben kann, kreuzt ihr Blick den von Morpheus. Für ein paar schier unendlich lange Sekunden schauen sich beide tief in die Augen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. So seltsam es auch sein mag und für so unglaublich Tyrena eine solche Situation je gehalten hätte, so macht sich doch ein seltsames, kribbelndes Gefühl in ihr breit. Fast scheint sie in Morpheus Augen das Gleiche zu erkennen, doch siegt ihre Vorsicht. Sie bricht den Blick ab, hebt ihren Humpen und nimmt einen kräftigen Schluck Met. Auch Morpheus greift nun etwas langsamer nach seinem Krug und leert diesen zur Hälfte.

Nun ist es Tyrena, die ein neues Gespräch ins Rollen bringt. Sie will mehr über diesen Zwerg erfahren, bevor sie dem Gefühl in ihrem Bauch weiteren Raum lassen will: „Es wurden nun so viele Worte über mich verloren, wieso erzählt ihr mir nicht etwas mehr über euch? Wo liegen denn eure Wurzeln? Wie seid ihr zu einem solchen Krieger geworden? Wo soll euch eure nächste Reise hinführen?“ Sie hofft die etwas betretene Stille damit lockern zu können und gleichzeitig ihren Eindruck über diesen Krieger etwas bestätigen zu können. Morpheus setzt seinen Krug wieder ab und schaut Tyrena mit nun fast leerem Blick an. „Meine Vergangenheit und der Weg meines Kriegerdaseins sind eine sehr lange Geschichte, die wohl ein eigenes Buch füllen könnte.“, beginnt er und lacht dabei etwas künstlich. „Doch soll die Vergangenheit einen nicht krämen“, setzt er fort und seine Augen füllen sich wieder mit Leben: „Nun, wo soll meine nächste Reise hingehen? Meine nächste Reise führt mich wohl nach Beutebucht, da ich dort einen Händler aufsuchen muss, der ein paar besondere Materialien verkauft, die ich für meinen Rüstungsmeister benötige. Doch ist der Weg dorthin sehr lang. Er führt mich durch den Dunkelwald und das Schlingendorntal. Ich werde mehrere Tage, gar Wochen, brauchen.“ Unbewusst beginnen Tyrena’s Augen zu strahlen, als sie vom Dunkelwald hört, schließlich hat sie ihren Auftrag hier im Rotkammgebirge abgeschlossen und soll schon morgen nach Dunkelhain im Dunkelwald versetzt werden.

Auch Morpheus ist das Strahlen ihrer Augen nicht entgangen. Vorsichtig beginnt er zu fragen: „Darf ich denn erfahren, wohin euer nächster Auftrag euch denn bringen wird?“ Ein leichtes Schmunzeln ist in Tyrena’s Gesicht zu sehen als sie antwortet: „Wenn es euch nichts ausmacht, so würde ich euch vielleicht auf eurem Weg ein Stück begleiten. Dies ist mein letzter Abend in Seehain, ich wurde heute Nachmittag nach Dunkelhain versetzt.“ Nun zeigen auch Morpheus Augen ein interessantes Glitzern. Mit freudiger Stimme antwortet er: „Als könnte ich gegen eure Gesellschaft etwas einzuwenden haben. Gerne werde ich ein Stück mit euch reisen!“ Bei diesen Worten hebt er seinen Krug und Tyrena tut es ihm gleich. „Auf eine gute, gemeinsame Reise!“ Ihre Humpen berühren sich mit einem leichten Klirren, bevor sie geleert werden und auf dem Tisch zur Ruhe kommen…
 
Hi Tyrena,

Dass du deine Zwergin in der RP-Story nach dir benennst, zeugt von einem großen Ego.
tongue.gif


An und für sich ist die Geschichte ganz nett geschrieben. Nur geht sie mir ein wenig zu schnell und zu holperig voran. Man könnte unter anderem Beschreibungen der Umgebung mit einfließen lassen (ich habe zwar vor langer Zeit WoW gespielt, doch nie bei der Allianz. Dementsprechend wenig kenne ich mich im Rotkammgebirge aus...) und auch deine Hauptperson solltest du beschreiben. Bei dem Zwergen ist dies passiert, doch habe ich nach wie vor keine Ahnung, wie die Zwergin aussieht.
Auch mache ich das typische 'Schnellgeschreibsel' aus. Du versuchst, möglichst schnell von einem Ereignis zum nächsten zu kommen und vernachlässigst dabei die Beschreibungen, was der Atmosphäre nicht eben gut tut. Ich möchte das an diesem Beispiel verdeutlichen:

Tyrena hat die Zwergenstadt Eisenschmiede hinter sich gelassen und den Weg nach Sturmwind angetreten. Obwohl sie als Schurkin nicht den besten Ruf genießt, so wird sie dennoch in die Dienste der Allianz gestellt und auch von den Menschen herzlich aufgenommen. Ihr weiterer Weg führt sie durch den Wald von Elwyn in das Rotkammgebirge nach Seehain.

[...]

Sie verlässt Seehain in Richtung Nordosten, jedoch wandelt sie nicht auf den Straßen, denn ihr Reich ist das Verborgene und so durchstreift sie das Gebüsch auf der Suche nach ersten Anhaltspunkten.

Vor allem missfällt mir der letzte Satz. Man könnte ihn so unendlich ausführen: wie die Sonne durch das Blätterdach glitzert, die Zwergin im Zwielicht herumschleicht, es ab und an knackt, weil ein Hase oder ein Hirsch durchs Unterholz streift... und nun muss ich einen einzigen Satz lesen, der nicht eben von begeistertem Schreiben zeugt und mich möglichst schnell zu einem anderen Ereignis führen soll.

Auch verstehen sich die Zwerge für meinen Geschmack ein wenig zu gut. Steht man einem Fremden gegenüber, sollte zuerst einmal die Vorsicht obsiegen, auch wenn es sich um zwei Wesen der selben Rasse handelt. (Und vor allem, da die Zwergin eine Schurkin ist! Die vermuten doch ohnehin immer das Schlimmste und misstrauen so ziemlich jedem...)
Außerdem würde eine Liebesgeschichte (was die Story ja eindeutig ist) noch viel besser herüber kommen, wenn sich das Pärchen ab und zu zankt, streitet, kloppt etc. Denn Raufereien gibt es schließlich in jeder Beziehung.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Kritik ein wenig helfen!

Greets,
Fifi
 
Auch wenn Al Fifino recht hat, und wirklich mehr beschreibungen gut tun würden, ist das dennoch ein sehr gute geschichte.
@Tyrena: mach dir nichts aus seinen Kommentaren. Er schreibt bei beinahe jeder RPG Story seinen Senf dazu und auch selbst welche. Lass dich nicht einschüchtern und poste den Rest der Geschichte auch. ich möchte wissen, wie das mit den Zwergen weitergeht.
 
Hey, ich habe nicht gesagt, dass die Story schlecht ist! Ich habe lediglich Tipps gegeben, wie sie meiner Meinung nach noch besser sein könnte. (Und die Meinungen gehen ja oftmals auseinander!)

Und natürlich schreibe ich zu jeder Geschichte meinen Senf, ich schreib´ halt gerne Kritiken... und normalerweise helfen sie den Autoren auch, sich zu verbessern.
wink.gif


Tergenna spricht allerdings ein wahres Wort, ich würde auch noch gerne den Rest der Geschichte lesen... was ist also mit der Zwergin bzw. der Autorin geschehen? Verschollen? Von einem Drachen aufgefressen? Oder einfach bloß inaktiv...?
 
um erhlich zu sein, genaue BEschreibungen möchte ich in einem Buch lesen, und nicht im RP, im Rp möchte ich doch eine EGschichte erleben/lesen und micht nicht 2/3 der Zeit mit beschreibungen rumplagen, in ein gutes Buch oder Roman gehören sie mit rein, nur nicht unbedingt hier her.
das ist wie mit nem RPG tolle Grafik keien Story, sowas haut nen RP´ler nicht vond en Socken^^
 
Und ich habe nicht gesagt, dass du gesagt hast, dass die Geschichte schlecht ist. ich habe nur bemerkt, dass du bei allen geschichten was dazu schreibst. (Ach ja meistens geht es bei deinen kommentaren um Details und Einzelheiten.^^) Aber kein Problem. Ich finds doof immer auf Fortsetzungen zu warten. So where's Tyrena?
Ich hoffe sie sieht, dass ihe Geschichte weiter gefordert ist
tongue.gif

@Grimrogg: Geschichte ist wichtig aber ja schöner beschrieben, desto besser oder?
 
mhm..joah, gefällt mir schon..aber wie Al Fifino schon sagte...sie überstürzen es wirklich ziemlich schnell^^
 
bin zwar kein RP Fan aber die Geschichte muss ich sagen ist sehr schön erzählt und ich konnte mich sogar bei lesen entspannen (was mit der Atmosphäre der story zusammenhängt^^).

Bitte mehr davon
biggrin.gif
 
Oje, ist ja schon lange her, dass ich mich hier habe blicken lassen. Tut mir leid für die lange Wartezeit, hoffe die "alten" Leser finden sich hier wieder
wink.gif


Wie heißt es so schön: Liebe macht blind. Vielleicht hab ich daher die ersten beiden Teile der Geschichte sehr nah an den beiden Hauptcharakteren gehalten und großes Drumherum vermieden. Hoffe mal, dass ich beim nächsten Teil der Story ein wenig mehr von Umgebung etc. zeige. Dennoch werde ich ungern zu abschweifend, schließlich bleiben die beiden der Kern. Würde mich aber natürlich wieder über eure Kommentare und Kritik freuen!


Noch bevor die Sonne den Himmel erhellt, ist Tyrena bereits auf den Beinen. Es ist ein interessantes, wohliges Gefühl der Aufregung, welches sie schon so früh wach werden lässt. Sie streckt sich, während sie langsam zum Fenster geht. Nur wenige Gestalten sind vor dem Gasthaus zu sehen. Zwei große Figuren scheinen sich miteinander zu unterhalten, eine weitere liegt wohl schlafend am Baum schräg vor der Taverne. Trotz der leichten Dämmerung kann Tyrena erkennen, dass Morpheus noch nicht vor dem Gasthaus zu stehen scheint. Etwas beruhigter wendet sie den Blick vom Fenster ab und begibt sich zu einem Stapel Klamotten der etwas unsauber zusammengelegt auf einem kleinen Holzstuhl auf der anderen Seite des Zimmers liegt. Sie entledigt sich ihrem Nachthemd und legt ihre schwarze Lederrüstung an.

Als sie komplett gewandet und ausgerüstet ist, wirft sie noch einen Blick zurück in das Zimmer, bevor sie es verlässt. Sie begibt sich die Treppe hinunter in den Schankraum, noch immer ist Morpheus nicht zu sehen, nur der Wirt steht hinter der Theke und ein Streuner liegt mit dem Kopf links auf einem abgelegenen Tisch. Tyrena verlässt das Gasthaus und erblickt die mittlerweile am Horizont erschienene Sonne. Kurz schließt sie die Augen, um die wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen, als sie ein Klirren hinter sich hört und sich abrupt umdreht. Der Anblick, der sich ihr bietet, bringt sie zum Lachen. Morpheus hat in voller Rüstung versucht, sich an Tyrena heranzuschleichen. Noch immer auf Zehenspitzen stehend schaut er sie an: „Nun ja, beinahe wäre es mir gelungen.“ Er grinst breit: „Auch ein Krieger kann sich anschleichen, jedoch ist die Rüstung dabei etwas hinderlich.“ Tyrena bricht erneut in lautes Gelächter aus und Morpheus stimmt mit ein.

Als beide sich wieder etwas beruhigt haben, ist es Morpheus, der als erster wieder das Wort ergreift: „Nachdem ich euch sichtlich erheitert habe, wünsche ich euch einen wunderschönen guten Morgen, werte Tyrena!“, er verneigt sich vor ihr. „Euch ebenfalls einen wundervollen guten Morgen!", entgegnet Tyrena und macht, noch immer mit einem Grinsen im Gesicht, einen leichten Knicks. "Na dann lasst uns aufbrechen", meint Morpheus, geht an Tyrena vorbei und legt ein schnelles Tempo vor. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, dreht sich Tyrena um und folgt ihm. Schnellen Schrittes verlassen sie das noch schlafende Seehain in Richtung Süden dem Weg folgend. Fast lautlos bewegt sich die Schurkin neben dem etwas geräuschvolleren Krieger her.

Sie können noch nicht lange gelaufen sein, als Tyrena die nicht vorhandene Stille unterbricht: "Stört euch das Gequietsche und Geklirre eurer Rüstung denn nicht?" Etwas ungläubig schaut sie ihn an, als er antwortet: "Nein, schon lange nicht mehr. Ich trage diese Rüstung zum Schutz, der Geräuschpegel ist mir dabei gleich." Er schaut sie ernst an: "Zu viele, schlecht gerüstete Freunde habe ich zu Grabe tragen müssen, als dass ich nur einen Moment über einen Rüstungswechsel aufgrund der Geräusche nachdenken könnte." Etwas betrübt schaut Tyrena zum Boden: "Verzeiht, wenn ich ein so prikäres Thema aufgegriffen habe. Ich bin es jedoch gewohnt, lautlos durch die Gegend zu reisen. Den Gegner aus dem Hinterhalt und ohne Vorwarnung zu erwischen, nur so bin ich erfolgreich." Morpheus schaut an ihr herab: "Nun, in eurem Leder würde ich auch besser ungesehen bleiben wollen." Etwas empört öffnet Tyrena den Mund, doch Morpheus kommt ihr mit seiner Antwort zuvor: "Das sollte nicht heißen, dass ihr darin keine gute Figur machen würdet! Ganz im Gegenteil! Es war mehr auf den Schutz bezogen, den euch eine solche Rüstung bringt. Ich halte ein paar Schläge aus, bevor meine Rüstung wirklich Schaden nimmt." Er klopft sich auf den harten Brustharnisch und seine Rüstung klirrt noch lauter. Tyrena schließt langsam den Mund und ihr Gesicht zeigt ein verlegenes Lächeln. "Da schneide ich ein unschönes Thema an und ihr schafft es dennoch, daraus ein Kompliment zu formen." Sie schüttelt kurz den Kopf, als wollte sie die rote Farbe abschütteln, die ihr ins Gesicht gestiegen ist, als beide ihren Weg fortsetzen.

Eine ganze Weile später erreichen sie die Grenze des Rotkammgebirges. Vor ihnen erheben sich riesige, teils vermoderte Bäume, die einen dunklen Wald bilden. Man kann fühlen, wie es kühler wird, je näher man an den Dämmerwald herankommt. Große Schatten werden von den Bäumen geschlagen und scheinen Grimassen auf dem Boden zu ziehen. Obwohl die Mittagssonne hoch am Himmel steht, wirkt der Wald erschreckend finster. Unbewusst verlangsamt sich Tyrena’s Schritttempo. Als Morpheus dies bemerkt, wendet er sich um: „Ihr wollt doch nun keine Mittagsrast einlegen, oder? Es wird zwar ein spätes Essen, aber bis nach Dunkelhain können wir es schon noch schaffen.“ „Nun ja…“, erwidert Tyrena, die noch immer wie gebannt auf den Wald schaut, „Vielleicht wäre eine kleine Rast vorerst doch das Beste.“ Morpheus bemerkt das mitschwingende Unbehagen in Tyrena’s Stimme. Er geht auf sie zu und holt zwei Brote aus einem seiner am Gürtel befestigten Lederbeutel. Eines der Brote reicht er ihr und grinst sie verschmitzt an: „Lasst es euch schmecken! Auch wenn ich nicht glaube, dass es eure Angst sänftigen wird.“ Bei diesen Worten funkeln Tyrena’s Augen fast feurig auf. „Angst?“, ruft sie spöttisch, „Wie könnt ihr es nur wagen einer Schurkin wie mir etwas wie Angst zu unterstellen? Ich habe keine Angst! Ich erkunde lediglich ein neues Gebiet und das werde ich mit meiner gewohnten Vorsicht tun. Im Gegensatz zu euch interessiert mich nämlich auch der Bereich der Ländereien, der etwas weiter fernab des Weges liegt!“

Überrascht und gleichzeitig etwas betrübt schaut Morpheus in Tyrena’s glänzende Augen. Er hatte nicht die Absicht sie zu beleidigen oder ihr etwas zu unterstellen. „Verzeiht“, er räuspert sich kurz, „Ich bin mit den Vorgehensweisen einer Schurkin oder besser gesagt mit euren Vorgehensweisen nicht vertraut. Es hat nur den Eindruck erweckt…“ Er bricht seinen Satz ab und reicht Tyrena erneut das Brot. „Frieden?“, sagt er leise und schaut sie dabei mit den Augen eines kleinen Hundes an. Mit einem leisen Seufzer entschwindet Tyrena’s Wut und sie ergreift das Stück Brot. „Habt Dank“, entgegnet sie kurz, bevor sie sich auf der noch grünen Wiese niederlässt und das Stück Brot verspeist. Auch Morpheus tut es ihr gleich und beide sitzen schweigend da und genießen den Laib Brot, während sie schweigend über die große Wiese in den nahenden, dunklen Wald schauen.

Nach dem kleinen Mahl steht Morpheus als erster wieder auf. Auch Tyrena erhebt sich dann und langsam setzen sie ihren Weg in Richtung des Dämmerwaldes fort. Fast suchend blickt Tyrena ständig um sich, als sie den Dämmerwald betreten. „Das Rotkammgebirge hat mir besser gefallen“, gesteht Tyrena, noch immer um sich blickend, „Wisst ihr, welche Gefahren hier auf uns lauern?“ „Wenn ich ehrlich sein soll, ich habe diesen Weg nur ein einziges Mal passiert, in Begleitung einer Karawane, die auf dem Weg zum Jägerlager im Schlingendorntal war. Das war damals auch mein Ziel und da es zu keinen Zwischenfällen kam, kann ich euch darüber leider keine Auskunft geben.“ Etwas unzufrieden mit dieser Antwort schaut Tyrena weiter in den Wald rechts und links neben ihnen, während sie weiter auf dem Weg Richtung Dunkelhain marschieren. Große Büsche und Sträucher tun sich an den Seiten auf, sie hat manchmal das Gefühl, dass sich dahinter etwas bewegt, sie gar verfolgt.

Sie haben ein ganzes Stück Weg ohne Zwischenfälle zurückgelegt, als Tyrena gerade noch ein Rascheln aus dem Busch neben sich wahrnimmt. Instinktiv weicht sie zurück, zieht sofort ihre Dolche und ruft Morpheus gerade noch ein „Achtung!“ entgegen, als eine riesige, hellgrün schimmernde Spinne aus dem Busch direkt auf sie zu springt. Sofort zieht Morpheus seine Axt und springt schützend vor Tyrena. Ihm ist klar, dass er bessere Chancen gegen dieses Monster hat, da seine Rüstung für die giftigen Bisse der Spinne undurchdringlich ist. Mit lautem Gebrüll schlägt er auf das Monster ein, während Tyrena es vorsichtig umrundet und von hinten attackiert. Plötzlich springen noch zwei weitere Spinnen aus dem Gebüsch auf der gegenüberliegenden Seite, scheinbar von Morpheus Kampfschrei aufgeschreckt. Als nun auch von hinten harte Spinnenbeine gegen seine Rüstung hämmern, wendet Morpheus sich, seine Axt schwingend, um. Im gleichen Moment setzt die erste Spinne zur nächsten Attacke an. Durch die Wendung von Morpheus schlägt sie jedoch nicht auf seine Brust, sondern bleibt im Verschluss seiner linken Armschiene hängen. Als Morpheus seinen Axtschwung vollendet und damit eine der beiden hinzugekommenen Spinnen in zwei Hälften teilt, zerreißt der Lederverschluss und die Plattenarmschiene fällt zu Boden.

Tyrena steht noch immer hinter der ersten Bestie und hat von all dem nichts mitbekommen. Der Körper der Spinne ist so groß, dass sie kaum darüber schauen kann. Erneut holt sie mit ihren Dolchen aus und sticht auf die Spinne ein. Als diese endlich zu Boden geht und regungslos liegen bleibt, will Tyrena gerade aufatmen, als sie Morpheus erblickt. Während Morpheus zu einem neuen Schlag ausholt, ergreift die verbleibende Spinne ihre Chance und stürzt sich auf Morpheus freien Arm. Als Morpheus aufschreit, wird Tyrena von einem heftigen Gefühl von Angst und Wut überfallen. Wie in Trance umgreift sie ihre Dolche noch fester, rennt zu Morpheus und springt mit einem gewaltigen Satz auf die große Spinne. Ein Hagel aus Dolchstichen prasselt auf sie ein, bis sie zischend zu Boden geht.

Mit Herzrasen wendet sich Tyrena um und erblickt Morpheus am Boden liegend. Sofort steckt sie ihre Dolche weg und kniet sich bei ihm nieder. Er hat eine klaffende Wunde am Arm, die stark blutet. Etwas unsanft schlägt sie ihm auf die Wange. „Morpheus! Morpheus! Wach bleiben!“, wiederholt sie ständig. Als er endlich die Augen öffnet, fällt Tyrena ein Stein vom Herzen. „Ihr müsst wach bleiben! Es wird euch bald besser gehen, aber um Himmels Willen bleibt wach!“, schreit sie ihn nun förmlich an. Schnell nimmt sie zwei schwarze Beutel von ihrem Gürtel und legt sie neben sich. Aus einem dritten, der noch am Gürtel hängt, holt sie eine kleine Ampulle. Wieder schlägt sie Morpheus gegen die Wange, bis er erneut die Augen öffnet. Dann öffnet sie nacheinander die beiden Beutel, nimmt etwas des enthaltenen Krauts heraus und verreibt es zwischen den Fingern in die Ampulle. Erneut schreit sie Morpheus an: „Wach bleiben Morpheus, ich brauche euch noch! Ihr müsst wach bleiben! Noch einen Moment!“ Hastig öffnet sie ihren Wasserschlauch, der an ihrem Gürtel hängt und gibt ein paar Tropfen Wasser in die Ampulle dazu. Sofort färbt sich dieses grünlich. Sie verschließt die Ampulle mit ihrem Finger und schüttelt sie heftig, bevor sie sie vorsichtig über Morpheus Wunde am Arm entleert. Mit einem lauten Schmerzensschrei öffnet dieser wieder die Augen und will aufspringen, doch Tyrena hält ihn mit aller Kraft zurück. „Liegen bleiben, wenn euch euer Arm etwas wert ist!“, schreit sie ihn an. Reflexartig beißt Morpheus die Zähne zusammen und versucht ruhig liegen zu bleiben. Tropfen für Tropfen gießt Tyrena auf seine Wunde, während Morpheus vor Schmerz das Gesicht verzieht.

Wenige Minuten nachdem Tyrena die Prozedur beendet hat, scheinen die Schmerzen endlich besser zu werden und das Gesicht von Morpheus entkrampft sich. Schwer atmend öffnet er die Augen und schaut in das besorgte Gesicht von Tyrena. „Verdammt, was war das denn? Wie kann das nur…“, beginnt der Zwerg zu brummen, während er sich wieder schwungvoll erheben will. Ein Krieger liegt schließlich nicht am Boden herum und zeigt Schwächen. Doch wieder hält Tyrena ihn zurück: „Auch wenn ihr euch von einer nicht ganz so Kampf erfahrenen Zwergin nicht gerne helfen lasst, so seid euch gewiss, dass ich die Kunst der Alchemie und der Gegengifte sehr wohl beherrsche. Und wenn ich euch sage, dass ihr liegen bleibt, dann tut ihr das auch gefälligst!“ Etwas erstaunt über den aggressiven und doch besorgten Ton von Tyrena, leistet Morpheus ohne weitere Widerrede Folge.

„Das war eine Tarantula Pregnaris, eine hellgrüne Riesengiftspinne, die euch verwundet hat. Zwar kenne ich diese Monster nur aus Büchern, doch die Farbe und Größe sind unverkennbar. In bin in meinen Alchemiebüchern darauf gestoßen, als ich Lektionen über Gegengifte suchte. Ihr hattet wahrlich Glück, dass ich die Pflanzen für das Gegengift dabei hatte, ich weiß nicht, ob ich euren Arm sonst hätte retten können.“, beendet sie ihre Ausführungen. Bei diesen Worten versucht Morpheus vorsichtig seine Hand zu bewegen, dann langsam den Arm zu heben. Als beides unter starken Schmerzen jedoch funktioniert, atmen beide erleichtert auf. „Wunderbar“, beginnt Tyrena, „versucht jetzt bitte vorsichtig euch hinzusetzen.“ Als Morpheus sich aufgerichtet, hat Tyrena auch schon eine Seidenstoffbinde in der Hand und verbindet Morpheus den zum Glück nur leicht blutenden Arm. Als sie die Binde fest zuzieht, beißt Morpheus für den Bruchteil einer Sekunde die Zähne zusammen. „Verzeiht, aber mit dem festen Verband will ich versuchen, dass sich das restliche Gift nicht noch weiter ausbreitet. Zwar habe ich die Erstversorgung geleistet, jedoch müsst ihr bald von einem Heiler behandelt werden.“, entgegnet Tyrena.

Als Tyrena die Binde fertig angelegt hat und aufsteht, nickt sie Morpheus kurz zu, der nun auch vorsichtig wieder aufsteht. Seine Lippen zeigen ein Lächeln, als er auf Tyrena zugeht und in den Arm nimmt: „Vielen Dank für eure schnelle Hilfe, werte Tyrena!“
 
Schau mal an, die Autorin lebt noch... besser, Du lässt uns ab jetzt nicht mehr so lange warten.
biggrin.gif


Tja, wie ich sehe, hast Du die Kritiken gelesen und auch wirklich gut umgesetzt. Wie Tergenna ja so feinfühlig und sensibel enthüllt hat, achte ich vor allem auf Details, von denen ich dieses Mal einige zu Gesicht bekam. Alles in allem kann ich Dir in diesem Punkt nur beglückwünschen: Du hast saubere Arbeit geleistet, die Welt ein wenig verschönert und für mich auch verständnisvoller, da besser vorstellbar gemacht.

Etwas zu folgendem Satz:
Auch Morpheus tut es ihr gleich und beide sitzen schweigend da und genießen den Laib Brot, während sie schweigend über die große Wiese in den nahenden, dunklen Wald schauen.
Ich habe das Problem bei meinem ersten Kritikpost noch nicht angesprochen, aber da Du dich ja so gebessert hast, sollte das jetzt ein Klacks werden.
Es handelt sich hierbei um das Problem 'Wortwiederholung'. Das besagt, dass sich zwei identische Wörter kurz hintereinander alles andere als schön anhören und man lieber ein paar Synonyme suchen sollte. Wenn Dir der Fehler noch ein paar Mal passiert und ich Dich drauf aufmerksam mache, brauchst Du deshalb noch längst nicht verzagen - mir widerfährt er auch laufend. Aber wie gesagt, am besten achtest Du noch ein wenig vermehrt auf ihn. (Ein Tipp: wenn Du deine Geschichte in die Antwort gepostet hast, kannst Du mal Strg+g drücken. Da öffnet sich unten ein Suchfenster. Einfach ein Wort eingeben und besagtes Wort wird im Post gesucht. Durch 'Hervorheben' wird das Wort, egal wo es steht, markiert und Du erkennst perfekt, wo Du vielleicht ein Synonym reinklatschen solltest. Sehr praktisch, wenn man zu oft den Namen der Hauptpersonen oder Konjunktionen verwendet.
wink.gif
)

Ein paar Formfehler habe ich auch gefunden, aber die sind ja nicht so kritisch. Kommen halt immer wieder mal vor, was will man machen.

Zum Inhalt: fein, fein! Ich habe doch gleich gewusst, dass die Zwergin auch aufbrausend sein kann... sollte sie als Schurkin besser auch. Der Angriff hat mir auch gut gefallen, wobei ich die Attacke irgendwie schon erahnt habe. Vielleicht wäre der überraschende Schlag der Krabbelviecher besser angekommen, wenn sie während eines Gesprächs reingehüpft wären und nicht, während die beiden schweigend dahin trotten. Allerdings nur ein Ratschlag, den Du sicherlich nicht befolgen musst. Vielleicht findest Du ja sogar etwas noch besseres oder lässt es einfach stehen.
biggrin.gif


Tja, ich warte auf mehr!
smile.gif


Greets
 
Argh, hab genau in dem Satz eine Wortwiederholung rausgenommen und im Dusel wohl eine andere reingebaut, irgendwie doof ^^ Ich gestehe, manchmal ist es nicht so leicht, ein passendes, aber anderes Wort zu finden, aber ich versuchs natürlich immer gern
smile.gif



Endlich kommt Dunkelhain in Sichtweite. Am Horizont erstrecken sich kleine, in dunkles Holz gekleidete Häuser, die zwischen den großen Büschen und Bäumen emporschauen. Morpheus und Tyrena haben den restlichen Weg durch den Dämmerwald ohne weitere Zwischenfälle überstanden. Erst als sie die Wachen vor der Stadt passieren, steckt Tyrena ihre Dolche wieder weg und hält sofort Ausschau nach der Unterkunft eines Priesters. Als sie jedoch nicht gleich fündig wird, fragt sie eine der Wachen vor dem Rathaus, welches das größte Gebäude dieses kleinen Ortes darstellt: „Werter Wachmann, könnt ihr mir verraten, wo ich in Dunkelhain einen Priester finde? Mein Weggefährte wurde von einer hellgrünen Riesengiftspinne gebissen und braucht Hilfe.“ Etwas irritiert über Tyrenas ruhigen Ton, antwortet der Wachmann jedoch sofort: „Der Priester befindet sich in einer kleinen Holzhütte direkt hinter der Schmiede von Dunkelhain. Dort vorne könnt ihr sie sehen. Aber wie könnt ihr nur so ruhig bleiben? Ihr müsst euch beeilen! Wenn erst die Lähmungserscheinungen eingetreten sind, dann ist eurem Freund nicht mehr zu helfen! Wo wurde er verwundet? Habt ihr jemanden zu seinem Schutz bei ihm gelassen?“ Schnell unterbricht Tyrena den immer panischer werdenden Wachmann: „Keine Sorge, die Erstversorgung habe ich bereits mit einem Gegengift geleistet. Er ist wohlauf und gut zu Fuße, ich möchte lediglich, dass ein richtiger Priester sich noch einmal seine Wunde anschaut.“ Der Wachmann atmet merklich auf: „Wieso sagt ihr das nicht gleich? Viele Fremde, die unwissend nach Dunkelhain wandern, werden von den Riesengiftspinnen attackiert und gebissen. Meist kommen wir zu spät, wenn wir ausrücken, um die Verletzten zu holen. Als wäre das untote Gesindel im Dämmerwald nicht schon schlimm genug…“

Plötzlich ist ein lautes Gebrüll aus der Schmiede zwei Häuser hinter ihr zu hören. Tyrena grinst verlegen den Wachmann an. Diese Stimme kennt sie doch! „Entschuldigt mich bitte…“, murmelt sie kurz und wendet sich dann ab. Schnellen Schrittes bewegt sie sich an den beiden kleinen Wohnhäusern links von ihr vorbei, auf die Schmiede zu. Als sie diese betritt, sieht sie den schnaubenden Morpheus, wie er scheinbar einen Schmiedelehrling beschimpft: „Wozu trage ich denn eine solche Rüstung? Sicher nicht, damit große Spinnen mir diese einfach vom Leibe reißen können! Ich verlange eine sofortige Reparatur!“ „A-aber gewiss werter Herr. I-i-ich werde sehen, w-was ich tun kann!“, schnell wendet der Lehrling sich um und rennt durch den Hinterausgang der Schmiede ins Freie. Noch bevor Morpheus ihm etwas hinterher rufen kann, meldet sich Tyrena zu Wort, die noch immer unbemerkt hinter Morpheus im Eingang steht: „Man darf euch wirklich keinen Moment aus den Augen lassen.“ Sofort wendet Morpheus sich um und schaut in das schmunzelnde Gesicht von Tyrena, die mittlerweile die Arme in die Seiten gestemmt hat. „Nun, ihr habt mich ja einfach stehen lassen, da dachte ich mir, ich gehe mich um die wichtigen Angelegenheiten kümmern!“, entgegnet er mit einem Zwinkern. „Ach ja, eure Gesundheit ist natürlich nicht so wichtig, wie eure Rüstung. Und ein armer, unschuldiger Schmiedelehrling ist auch sicher am Versagen selbiger schuld.“, meint sie voller Ironie und zieht dabei eine Augenbraue hoch.

Morpheus will darauf gerade reagieren, als von hinten eine andere Stimme zu hören ist: „Na was ist denn hier los? Wer hat den armen Burschen denn so in Angst und Schrecken versetzt?“ Wieder wendet Morpheus sich um und erblickt diesmal einen alten Zwerg mit grau-weißem, langem Bart, der einen großen Schmiedehammer auf der Schulter trägt. Etwas erleichtert und nicht mehr so aufbrausend antwortet Morpheus: „Bei einem Schmied gleichen Formates fühle ich mich doch gleich wohler. Aber bei solchen Bohnenstangen als Lehrlinge wundert es mich nicht mehr, wenn so etwas zu Stande kommt!“ Er reicht dem Zwergenschmied seine kaputte Armschiene, welcher sie sofort begutachtet. Nach kurzer Zeit beginnt er zu seufzen: „Nun, die Platte selbst ist sauber gefertigt, eine gute Schmiedearbeit. Doch die Lederverschlüsse gefallen mir nicht. Ihr solltet euch wohl besser bei eurem Lederer beschweren gehen.“

Das Feuer in der offenen Schmiede schräg hinter dem Zwerg knistert laut, während Tyrena das Geschehen etwas irritiert verfolgt hat: „Ich dachte, ihr seid ebenfalls Schmied Morpheus?“ Er blickt über die Schulter und nickt: „Das stimmt auch, jedoch bin ich erst auf dem Weg ein fähiger Rüstungsschmied zu werden. Diese hier habe ich mir von einem anderen Schmied in der Eisenschmiede anfertigen lassen.“ Wieder meldet der alte Zwerg sich zu Wort: „Ich könnte euch ein Angebot machen werter Herr. Wenn ihr interessiert seid, würde ich eure Rüstung gerne überarbeiten. Ich habe einige Lederverschlüsse vom Lederer meines Vertrauens hier. Ich könnte eure ersetzen. Außerdem gibt es eine Möglichkeit die Lederbänder mit Metall zu verstärken, damit der Halt verbessert wird. Es kann allerdings sein, dass das Tragen dadurch ein wenig unangenehmer wird.“ „Und wieso hat der andere Schmied das nicht erledigt, wenn es doch möglich ist?“, wirft Tyrena unverhohlen in den Raum. „Nur fähige Rüstungsschmiede sind in der Lage das Leder mit Metall zu verstärken, ohne es dabei zu zerstören. Außerdem ist dieses Verfahren selbst nicht jedem Rüstungsschmied bekannt.“, antwortet der Zwerg, der Morpheus noch immer erwartungsvoll anschaut. „Und es ist eine Frage des Preises…“, ergänzt Morpheus die Ausführungen. „Der Preis ist egal, ihr müsst jetzt erst einmal zu einem Priester. Eure Rüstung werdet ihr heute sowieso nicht mehr brauchen.“, entgegnet Tyrena sofort und meint dann mit Blick zum Schmied gewandt: „Werter Herr, ihr könnt die Rüstung in ein paar Augenblicken haben und beim Priester nebenan abholen. Ich muss diesen Herren hier nur noch dorthin bewegen.“ Mit einem schelmischen Grinsen schaut sie Morpheus an und zeigt dann auf den Ausgang der Schmiede: „Hättet ihr die Freundlichkeit voranzugehen Morpheus?“ „Aber sehr gerne doch, werte Tyrena.“, entgegnet ihr Morpheus, der ebenfalls ein Grinsen unter seinem Bart zeigt und voranschreitet.

Nur wenige Schritte links von der Schmiede befindet sich eine alte, kleine Holzhütte, die nicht ganz so dunkel wirkt, wie die restlichen Häuser des Ortes. Gerade als Morpheus den ersten Schritt in die Hütte setzen will, hallt ihm von innen eine Stimme entgegen: „Tretet ruhig ein meine Lieben. Ich hoffe, ich kann euch einen guten Dienst erweisen.“ Morpheus verzieht ein wenig das Gesicht, betritt aber dennoch den Raum. Er ist kein großer Freund von Wesen, die sich der Kunst der Heilung verschrieben haben. Schon zu oft sind Freunde in den Händen eines Priesters gestorben, als dass er ein großes Vertrauen zu ihnen aufbauen könnte. Jedoch kennt er Tyrena mittlerweile so gut, dass er genau weiß, dass sie ihn nicht in Ruhe lassen würde, wenn er diesen Besuch verweigert. Kaum sind beide eingetreten, erscheint ein großer, älterer Herr wie aus dem Nichts. Er trägt ein weißes Gewand, welches zu seinem ebenfalls weißen, langen Bart passt, während die Haare auf dem Kopf wohl das Zeitliche gesegnet haben. Ein paar tiefe Falten sind in seinem Gesicht zu sehen, die von einem freundlichen Lächeln jedoch zur Seite geschoben werden.

„Seid gegrüßt, werte Dame, werter Herr. Welches Anliegen führt euch zu mir?“ „Das Höhlenvolk zum Gruße“, erwidern Tyrena und Morpheus, wobei es Morpheus ist, der dann weiter spricht: „Hättet ihr die Güte, diese Wunde noch einmal zu betrachten?“ Er beginnt den Verband an seinem linken Arm abzuwickeln: „Ich wurde auf dem Weg hierher von einer hellgrünen Riesengiftspinne gebissen und die Dame hinter mir hat mir ein Gegengift verabreicht.“ Er zögert kurz und spricht dann weiter: „Und ich fürchte, sie wird nicht ruhen können, bevor ihr ein Urteil über die Wunde und ihre Versorgung gefällt habt.“ Er wirft einen kurzen Blick über die Schulter und schaut die grinsende Tyrena mit hochgezogener Augenbraue an. „Sehr gerne werde ich eure Wunde betrachten.“, antwortet der Priester kurz, „Wenn ihr mir bitte folgen würdet.“ Er verschwindet in einem angrenzenden Raum. Noch während Morpheus und Tyrena ihm folgen, brummelt Tyrena: „Dafür, dass ihr nun solch große Sprüche macht und meine Besorgnis abtut, habt ihr heute Mittag jedoch doch noch einen ganz anderen Eindruck gemacht!“

„Wenn ihr so nett wärt, euch eurer Rüstung zu entledigen und euch auf diese Liege zu legen, damit ich euch untersuchen kann.“, meint der Priester, während er einen seiner Schränke öffnet und ein paar Tinkturen herausholt. Wortlos beobachtet ihn Tyrena, als er einige davon zusammen mischt und schließlich einen Mörser hervorholt. Im Hintergrund ist das Klirren von Morpheus Rüstung zu hören, während er sich dieser entledigt und zur Liege an rechten Ende des Raumes bewegt. Der Priester nimmt nun ein paar scheinbar frische Kräuter, zerkleinert sie mit dem Mörser und gibt sie der Tinkturmischung hinzu.

Morpheus hat es sich mittlerweile auf der Liege bequem gemacht. „Na dann lasst mich doch einmal schauen.“, der Priester nimmt ein nasses Leinentuch aus einem großen Wassereimer, der neben dem Schrank steht, dreht es aus und wischt damit zunächst das getrocknete Blut von der Wunde, bevor er sie sich näher betrachtet. Vorsichtig zieht er mit den Fingern die verletzte Stelle noch etwas auseinander. „Was haben wir denn hier?“, meint er nach kurzer Zeit. „Nun, die werte Dame hat euch gut versorgt. Ihr werdet keine bleibenden Schäden durch das Spinnengift haben. Da hattet ihr wirklich Glück! Ich hatte schon ganz andere Fälle auf meiner Liege…“, er seufzt kurz. „Doch da ist etwas anderes, was mir nicht gefällt. Es scheint, als hätte der Giftbiss noch etwas anderes zu Tage gefördert. Lasst mich einmal nachsehen.“, er steht kurz auf, holt ein merkwürdig aussehendes Metallgerät, welches einer Zange ähnelt und nimmt wieder neben Morpheus an der Liege Platz. „Das könnte jetzt etwas unangenehm werden“, meint er zu Morpheus, während dieser schon einen Schmerz im Arm verspürt, diesen jedoch gekonnt ignoriert, schließlich sind Zwerge nicht wehleidig. Kurz darauf legt der Priester etwas Glänzendes samt Zange auf den Tisch neben sich. Hastig nimmt er eine Binde und tunkt diese in die bereitgestellte Tinktur. Er dreht sie kurz aus und wickelt sie sofort fest um den Arm von Morpheus.

Als der Verband fertig ist, hält er das zangenähnliche Werkzeug wieder hoch und betrachtet, was er so eben aus Morpheus Arm entnommen hat. „Ihr hattet wohl Glück im Unglück werter Herr Zwerg. Das hier ist eindeutig das Stück einer Klinge. Ich vermute nicht, dass diese von der Spinne stammt. Kann es sein, dass ihr vor nicht all zu langer Zeit schon einmal an diesem Arm eine Wunde davon getragen und den Besuch eines Heilers gemieden habt?“ Während Tyrena etwas geschockt zu Morpheus schaut, antwortet dieser: „Nun, ich hatte eine etwas unerfreuliche Begegnung auf meiner letzten Schiffsreise nach Menethil…“ Sofort wird er von Tyrena unterbrochen: „Aber wieso habt ihr nichts gesagt? Hätte ich das gewusst…“ Doch dann bricht Tyrena ihren Satz ab, den Rest möchte sie lieber mit Morpheus allein klären. Langsam kommt sie etwas näher, um sich das Stück der Klinge genauer zu betrachten, während der Priester nun weiterredet: „Ihr könnt fast dankbar für den Spinnenbiss sein mein Herr, diese Klinge hätte euch sonst noch mehr Übel bereitet!“

Tyrena betrachtet das glänzende Stück Metall eingehend. Obwohl es nur die Größe ihres Daumennagels hat, so weist es doch eindeutige Merkmale einer Klinge auf. Die Form der Spitze verrät ihr schließlich die Art: „Das war nicht irgendeine Klinge! Ich kenne diese Klingenart sehr gut! Dies war ein Dolch, ein Schurkendolch!“
 
Zurück