Ich gehe davon aus das wir diesen Trend bei kommenden Spielen öfter sehen werden und will auch darlegen warum.
Vor WoW gab es eine gezielte Fanbildung, denn der Markt war sehr klein und übersichtlich. Die paar MMORPG Fans die es gab haben sich gründlich über die Spiele informiert und wussten auch das diese mit Fehlern behaftet sein würden.
DAoC z.b. war alles andere als Fehlerfrei oder fertig, dennoch haben es immer mehr Leute gespielt, denn die wenigen Fans haben ihre Freunde dazu geholt.
Dann kam WoW und alles wurde anders.
Innerhalb eines Jahres hat sich der Pool an MMOPRG Spielern knapp verdoppelt. Denn anders als viele Annehmen hat WoW nicht so viele Spieler gekostet, vielmehr sind viele viele neue Spieler aus anderen Bereichen (primär Blizzard Spiele, aber auch aus der LAN Szene, denn sie haben WoW bei WC3 Spielern gesehen usw.).
Nun haben wir einen ganze anderen Markt, nämlich einen der von Spielern unterschiedlichster (spielerischer) Herkunft bevölkert ist, auf der Suche nach dem neuen heiligen Gral.
Viele spielen WoW aus Gewohnheit oder eben weil sie auch noch Spaß haben, suchen aber auch nach Alternativen. Diese tauchen seit dem Erfolg von WoW natürlich immer öfter auf, aber nur wenige treffen eben genau den Nerv - oder sind eben einfach unfertig auf den Markt gekommen.
Tabula Rasa war einfach als SF Spiel nicht so wirklich im Fokus der meisten Spieler und hatte auch schon vorher durch eher schlechte Berichte einen schlechten Stand.
Age of Conan würde ich als erstes "Opfer" bezeichnen, denn es hatte eine gute PR, viel Blut und Titten und war ab 18, also alles worauf Minderjährige stehen
- Natürlich waren auch die ersten Berichte überaus positiv, denn die ersten 20 Level sind wohl so das Beste auf dem Markt derzeit. Leider fällt es ab 20 immer weiter ab und hatte zudem noch mit vielen ungetesteten Inhalten zu kämpfen (kaum High Level Instanzen die getestet ware, keine Festungsschlachten getestet usw.) --> Daraus folge aber ein sehr guter Verkauf und dann ein schneller Fall. Leider kenne ich keine aktuellen Zahlen, aber ich vermute mal das die noch unter der 300k Marke liegen werden.
Warhammer ist der nächste Kandidat - extreme PR, große Pre-Launch Fanbasis. Auch hier wären 6 Monate mehr sicherlich nicht schlecht gewesen, wobei einiges (Festungen) sicher dann dennoch ähnliche Probleme bereitet hätte. Dennoch hatten (und haben) sie immer noch Probleme, die aber fast alle eher im Bereich "nervig" denn "game breaking" liegen. Außer die doch ungünstig designten Keeps und Festungen, die ein Angreifen gegen Verteidiger fast unmöglich machen
Auch hier gab es extrem gute Verkäufe und dann ein starker Abfall der Zahlen.
Hier würde ich davon ausgehen das viele "Sucher" sich diese Spiele geholt haben, oft evtl. auch ohne genaue Informationen zu haben ("Welche Inis gibts denn?" - "Wie nur die? - und sonst?"). Dann kommen dazu die "Springer" die sich eh jedes neue MMOPRPG anschauen und den Probemonat spielen und dann evtl. wieder bei ihrem alten Spiel landen.
Nicht außer acht lassen sollte man das Timing von Blizzard, denn die haben BC erst released als der Termin von Herr der Ringe fest stand und auch bei WotLK haben sie das ganze perfekt geplant getimed. Viele werden nach ihrem Probemonat zurück zu WoW und dem neuen Add-On gegangen sein - aber einige sind auch schon wieder zu WAR gekommen danach.
Ähnliches wird bei Aion passieren, das derzeit für den EU Markt schwer einzuschätzen sein wird, aber auch nach dem ersten Monat einen starken Einbruch verzeichnen wird, eben aus den oben genannten Gründen.
Dennoch sind 1,2 Mio. (oder 800.000 was auch immer) verkaufte Exemplare ein sehr gutes Ergebnis und auch die 300.000 Abonnenten sind wirtschaftlich gesehen ein sauberer Wert. Wenn man WoW mal außen vor lässt, dann spielen die meisten MMORPGs (P2P) in der westlichen Welt in einer Liga von 300k-20k Spielern. Somit gehört WAR in jedem Fall zur "Elite" dieser Spiele (was die Zahlen angeht - über Geschmack lässt sich ja streiten^^).
Daher sind Kommentare wie "boah nur 300k? Die schalten die Server in 6 Monaten sicher ab!!" mehr als unangebracht.