Die Geschichte von Ninva Schattenschreiter 6

Tayury

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Ras Frostwispher...einst ein Mensch, nun machtvoller Handlanger des Lichkönigs und Beherrscher der dunkelsten, magischen Künste...
Was...was in Namen von Sylvanas hat dieses seelenkalte Geschöpf dazu bewegt die verfluchten, magieerfüllten Gemäuer Scholomance zu verlassen und sie, Ninva, hier und heute aufzusuchen...?
Eine Frage auf die Ninva keine Antwort hat und die sie sich dennoch immer wieder von Neuem stellt während der Lich auf sie zukommt und schließlich, etwa zwei Armeslängen von ihr entfernt, verharrt.

Seine pure Nähe lässt Ninva erschaudern, er scheint die Kälte des Todes selbst an sich haften zu haben, scheint sie wie einen Mantel zu tragen. Sein ganzer Anblick ist erschreckend und impostant-ehrfürchtig zugleich doch Ninva unterliegt als Untote nicht mehr dem naiven, allzu leicht zu beeindruckenden Wesen der Sterblichen. Sie sieht den Lich als genau das was er ist, ohne jegliche Verblendung: ein dämonisches Gerippe, eingehüllt in Gewänder aus Schatten, die Ketten des Lichkönigs um sich gelegt...und genau so sieht sie ihn auch an, genau so sieht sie zu ihm empor.

Der Lich hat sich derweil zu ihr herab geneigt, Ketten klirren leise in der Kälte, ein Hauch von Moder und kaltem, nassem Stein steigt der Schurkin in die Nase.
Sei gegrüßt, Ninva., erklingt eine ihr mehr als bekannte Stimme auf einmal in unmittelbarer Nähe. Es ist die Stimme von Azaet. Ninva will den Kopf zur Seite reißen, nach ihrem Gefährten suchen doch eisige Vernunft hält sie davon ab. Sie weiß, dass Azaet nicht hier ist...
Dennoch hört sie sogleich erneut die unverwechselbare, knirschend-rauhe Stimme ihres treuen Weggefährten.
Ich habe dich schon erwartet, Ninva.
Es ist der Lich, der spricht.
Der mit Azaets Stimme zu ihr spricht obwohl es eigentlich kein Sprechen ist denn er hat weder Zunge noch Stimmbänder um dies zu vollbringen. Ninva vernimmt die Stimme in ihrem Kopf, an einem Fleck knapp hinter ihrer Stirn. Ein widerliches Gefühl da es ihr das Gefühl gibt auf einmal nicht mehr allein in ihrem Geist zu sein. Ein Gefühl, dass sie mit Zorn erfüllt.

"Nimm deine eigene Stimme sofern du so etwas hast!", faucht sie den Lich an. "Ich erlaube dir nicht Azaets Stimme zu missbrauchen!"
Einen kurzen Augenblick lang scheint das Schattenwesen von diesem scharfen Worten ihm gegenüber überrascht zu sein, dann flackert das blaue Feuer in den knochigen, leeren Augenhöhlen, gespenstig auf.
Ich bin beeindruckt., erklingt nun eine neue Stimme, die von Ras Frostwispher selbst, in Ninvas Kopf.
Eine Stimme die aus purem Eis zu bestehen scheint, in der sich bei jedem Wort tausende, nadelspitze Eiskristalle in die Seele des armen Geschöpfes, das das Pech hat sie zu vernehmen, zu bohren scheinen.
Ninvas Untotensein bewahrt sie davor schreiend zusammen zu brechen, doch fühlt sie, selbst mit ihrem untoten Körper, noch den bohrenden Schmerz den die Stimme des Schattenwesens in ihr auslöst.

"Ich glaube nicht, dass du hier bist um dich von mir beeindrucken zu lassen...", knirscht sie gepresst und zugleich von tiefem Zorn erfüllt. "Was willst du von mir, Ras Frostwispher..."
Anstatt einer Antwort beginnt der Lich zu lachen.
Ein grauenhaftes, schepperndes Geräusch, als würde man einen Amboss mit einer eisernen Stange bearbeiten, begleitet vom schauerlichen Geräusch klimpernder Ketten und klappernder Knochen.
Ninva fühlt sich als würden Zentnerschwere Eisbrocken auf ihren Kopf herab regnen doch gibt sie sich nicht die Blöße dies auch zu zeigen.
Erhobenen Hauptes wartet sie bis das furchtbare Gelächter erstirbt und der Lich sich ihr wieder zuwendet.
Das in einem ewigen Grinsen erstarrte, knöcherne Antlitz neigt sich erneut zu ihr herab, der leere und zugleich lebendig wirkende Blick von blauem Feuer erfüllter Augenhöhlen, legen sich auf die Schurkin.

Ich weiß, was in dir vorgeht, Ninva..., ertönt die eisige Stimme leise, beinahe verschwörerisch flüsternd in Ninvas Gedanken. Ich weiß es ganz genau...
"Gar nichts weißt du...", flüstert Ninva zurück, auf einmal einen furchtsamen Schauer in sich verspürend. "Alles was du weißt kommt vom Lichkönig, du selbst bist nur eine leere Hülle, erfüllt von seinem Geist..."
Der Lich klickt leise mit den spitzen Zähnen, scheint beleidigt zu sein.
Das sind Sylvanas Worte..., erwidert der dann kühl. Nicht deine eigenen. Demnach wärst du genauso so eine Marionette jener Abtrünnigen wie du mich bezeichnest wenn dies der Wahrheit entspräche.
"Zieh den Namen meiner Herrin nicht in den Schmutz!", zischt Ninva angewidert. "Sag endlich was du willst!"
Das knöcherne Grinsen des Lichs scheitn sich in die Breite zu ziehen, das blaue Feuer seiner Augen flackert stärker auf.
Ich will dir ein Angebot machen, Ninva....eine Art Tauschhandel wenn du es so nennen möchtest.

Ninva blinzelt irritiert, ist einen Moment lang sprachlos, kann und will nicht glauben was sie gerade eben gehört hat.
"Ich bin kein Überläufer!", faucht sie Frostwispher dann an, die Stimme vor Abscheu triefend. "Niemals werde ich Sylvanas verraten, egal was du mir anbietest oder versprichst!!"

Ninva läst sich von dem Baum an den sie bis jetzt schutzsuchend gedrückt hat, will sich in ihreml überschäumenden Zorn an dem Lich vorbei drängend der ihr tatsächlich Platz macht und sie an sich vorüber ziehen lässt.
Ihre gefrorene Kleidung knirscht bei jedem Schritt, jede Bewegung kostet Kraft doch nichts davon nimmt sie wirklich wahr während sie davon stapft.
Sag mir doch, Ninva, ertönt wieder Ras Stimme in ihr, ...hat es dir großes Vergnügen bereitet ein Stück reine Schönheit zu zerstören...?

Die Schurkin erstarrt im Schritt, fühlt einen eisernen Ring sich um ihr Herz legend und schmerzhaft fest zudrückend.
Hat es dir Freude bereitet das Leben dieser Frau zu beenden...?, fährt der Lich beinahe sanft fort. Ihr Blut zu vergießen und damit das Leben aus diesem schönen Körper fließen zu lassen...?
Ninva erwidert nichts, steht immer noch regungslos da, starrt mit weit aufgerissenen Augen ins Leere während sich das Bild der flehenden Allianzlerin vor ihr inneres Auge schiebt. Die Worte des Lichs sind wie tiefe, eisige Dolchstöße die ihr Ziel genau kennen und selbiges ohne Gnade traktieren.
Ein leises, dunkles Lachen ertönt.
Sie hatte es verdient, nicht wahr...?
"Hör auf..."
Sie hatte kein Recht ein derartiges Leben zu besitzen..fährt Ras unbeirrt und doch weiterhin ruhig und sanft fort. Ein Leben voll Wärme und Schönheit...welches Recht hatte sie es zu besitzen...?
"Hör...auf..."
Während du in diesem Zwischenleben gefangen bist...weder tot noch lebendig...
"Bitte..."
...für immer ausgeschlossen...von allem was dir einst teuer war...und wichtig...was deiner Existenz Sinn gab...
"Aufhören..."
Die Stimme des Lichs verliert ihre Sanftheit, wird wieder kalt und erbarmungslos, trieft vor Seelenkälte und Mitleidslosigkeit.
Gefangen im Vorhof deiner eigenen Hölle, auf die gleiche Stufe gezwungen wie die welche du bekämpfst, ein runreines Stück Existenz, ohne wirklichen Platz auf dieser Welt, eine verfluchte Unto-
"HÖR AUF, BITTE!!!!!"

Ninvas schriller Aufschrei hallt über die Wipfel der kranken Bäume, steigt auf bis zum grauen Himmel dieses toten Landes und verliert sich in einem stockenden Schluchzen.
Langsam sinkt die Untote auf die Knie, das Gesicht nass von schwärzlichen Tränen die ihr über die Wangen laufen.
Alles ist aus hier hervor gebrochen...mit diesem einen Schrei...ihre Wut, ihre Enttäuschung, ihre Furcht, ihr Zorn. Alle jene Gefühle die sie all die Zeit über so verzweifelt in sich zu verbergen versucht hat, haben nun ihre Ketten gesprengt und den letzten Rest widerstehender Willenskraft in ihr, gleich einer riesigen, alles zerstörenden Flutwelle, fortgerissen.
Zurück bleibt nur sie selbst.
Nackt und schutzlos dem einen Wunsch gegenüber der in ihr besteht seitdem sie in ihrem Grab die Augen aufschlug und sich ihres zweiten Lebens bewußt wurde: der Wunsch nach dem entgültigen Tod.
Nur noch dieser eine Wunsch scheint in ihr zu bestehen...sie will endlich sterben und nie wieder erwachen.

Ein kalter Hauch streift ihr Genick, eine Kette klimpert leise, dann legt sich eine knöchernde Hand auf Ninvas rechte Schulter.
Wir beide sind uns ähnlich, Ninva..., flüstert der Lich beinah zärtlich in ihrem Geist. Beide sind wir vom Schicksal verflucht und beide haben wir unsere Ketten zu tragen...
Ninva antwortet nicht, vergießt immer noch stumm schwarze Tränen aus purer Trauer und Bitterkeit die auf halbem Weg auf ihrem Gesicht zu Eis erstarrren.
Ihre Schulter ist völlig von eisiger, tauber Kälte durchzogen, die Hand es Lichs wiegt ungewöhnlich schwer auf ihr und obwohl sie bei dieser Berührung zutiefste Abscheu empfindet, ist sie doch zugleich das Tröstenste das ihr je wiederfahren ist...

Ein Moment von Stille folgt, nur das hauchzarte Geräusch gefrierender, frischer Tränen erfüllt die Luft.
Meine Ketten...sie sind für die Ewigkeit, Ninva., flüstert der Lich dann auf einmal weiter. Doch deine sind leicht zu sprengen...
"Ja...", flüstert Ninva tonlos. "Töte mich..."
Ein eisiger Hauch weht über sie hinweg, der Licht grinst erneut.
Es wäre keine große Kunst diesem Wunsch nachzukommen...erwidert das Schattenwesen. Doch es gibt einen anderen Weg...deine Ketten abzustreifen Ninva...
Die kalten Finger der knöchernden Hand streicheln schmeichelnd über die Schulter der Untoten.
Es gibt einen Weg...einen Weg den nur ich dir zeigen kann...einen Weg den nur ich kenne...
Die kalte Hand packt fester zu, die Stimme des Lichs in Ninvas Kopf ist nur noch ein eisiges Hauchen.
Ninva...ich gebe dir ein neues Leben als Mensch ...wenn du mir im Gegenzug etwas aus den Reihen der Verlassenen bringst...
 
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