Ich wollte es ja schon selbst beinahe nicht mehr glauben, aber ich habe das nächste Kapitel fertig gestellt. Es gibt also noch Hoffnung, dass ich die Geschichte irgendwann noch abschließen kann.
Ich wünsche viel Spaß und Kommentare und Kritik dürfen jederzeit angebracht werden.
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Gedankenspiele
Schweigend und einzig in Gesellschaft der eigenen Gedanken, schritt Lynette den Gang hinab, welcher aus Mandrogars Thronsaal hinaus in den Vorhof der kleinen Feste führte, in dem der Lord seinen Sommersitz zu halten pflegte. Ihre Schritte verhallten ungehört in den dicken Teppichen, die jedes Geräusch begierig aufsogen und schmückend den weißen Bodenmarmor bedeckten. Draußen herrschte Hochsommer und obwohl Mann und Frau ob der schwelenden Hitze ächzten, sobald sie nur das Haus verließen, standen in gleich bleibenden Abständen kunstvoll verzierte Kupferpfannen, in denen ein stetes Feuer brannte und die doch nicht rußten. Lynette hatte an diesen Kleinigkeiten jedoch wenig Interesse und vermutlich bemerkte sie sie nicht einmal, ebenso wenig die Augenpaare hunderter Soldaten, deren Blicke starr in die Ferne gerichtet schienen und die ob ihrer gespannten Körperhaltung die nahende Schlacht ankündigten. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Heer, hatte sich eine Abordnung aller Magistraten, Landvogte, und ein kleiner Teil der wohlhabendsten Pächter eingefunden. Kostbarer Brokat aus Lordaeron, teuer erstandene Seide aus Kalimdor und Schmuck, der schillerte wie feinstes Perlmut aus den Dschungeln Stranglethorns, war von kunstfertigen Händen zu einem pompösen Gesamtbild vereint worden. Obwohl man hier und dort ins Gespräch vertiefte Grüppchen beim Tuscheln beobachten konnte, war die Würde und Eleganz der Krönung greifbar. Ein junger Mandrogar, dessen noch junges Antlitz ein wenig gelangweilt und dessen jugendlicher Körper verloren im gewaltigen Eichenthron wirkte, schien sich mehr als Gast, denn als Hauptdarsteller zu fühlen.
Lynette schritt an der Festgesellschaft vorbei und überließ sie der Dekadenz, ehe Mandrogar um Jahre gealtert und mit Blut gesprenkelt, von dem nicht klar ersichtlich war ob es sich um sein eigenes handelte, neben ihr stand. Er lächelte versonnen und der Grund dafür stak einige Meter über ihm auf der Spitze eines Speeres. Ein Ogerkopf. Der Erste, wie der Seneschall zu erklären gewusst hätte, den seine Lordschaft in den Dustwallow Marschen getötet hatte. Er war der Letzte, der der Nachtelfe ein Geleit gab, ehe sie den Gang mit den kunstvollen Wandteppichen verließ, in das Licht der Sommersonne trat und schützend die Hand vor die Augen hob und sachte blinzelte. Jetzt, da sie wieder im Freien stand, kehrten auch die Geräusche zurück. Zuerst das leise Knirschen von Platten die aneinander rieben, als die Wachen zu jeder Seite des Einganges in Hab Acht Stellung gingen, dann endlich auch die Gespräche im Vorhof der Feste. Lynette verlagerte ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen und konnte endlich auch wieder die Hand senken, da sich ihre silbern schimmernden Augen an das Licht gewöhnt hatten. Ohne weitere Verzögerung strebte sie den Ställen zu und mit jedem Schritt spürte sie mehr von der intensiven inneren Unruhe des Ortes. Die schlanke Nachtelfe gestattete sie sich ein kurzes Grinsen, denn sie kannte den Grund für die Missstimmung. Obwohl von den Pferden jedes seine eigene Box besaß und feines Holz eine stabile Barriere bildete, drängten sich die Tiere verunsichert in den hinteren Teil der Stallungen. Ein Säbler, das bevorzugte Reittier der Nachtelfen von Kalimdor lag zusammengerollt und mit dem Kopf auf den Vorderpfoten gebettet unter dem Vordach des Stalles. Im Schatten dösend kümmerte sich die große Katze nicht um ihre Umwelt, doch wäre dem wachsamen Beobachter das Zucken der spitzen Ohren aufgefallen als sich Lynette näherte.
“Thor falah nor dora!“, flüsterte die Nachtelfe während sie sich in die Hocke sinken ließ und ihrem treuen Begleiter am Ohr kraulte. Unverzüglich öffnete das große Tier die Augen und begann genüsslich zu brummen. Die Schurkin lächelte versöhnlich und erhob sich im selben Moment wie es auch der Säbler tat. Wie auf Stichwort schälte sich jetzt auch ein hagerer Bursche aus den Schatten, der in einfacher Kleidung ein geschnürtes Bündel in Händen hielt und es der Elfe reichte, wobei die geöffneten Lippen wohl ein Wort hervorzubringen versuchten, sich aber im, für menschliche Maßstäbe, makellosen Antlitz Lynettes verloren. Noch immer mit dem sanften Lächeln, das ursprünglich ihrem Begleiter galt, besah sie sich den Stallburschen. Letztenendes nahm sie ihm das Bündel aus den Händen, achtete darauf, dass sich ihre Finger für den Hauch eines Augenblickes streiften und wandte sich schließlich dem Wintersäbler zu. Später am Abend würde Hector, so der Name des Stallburschen, in gemütlicher Runde und seinen Handrücken streichelnd, verlauten lassen, dass sich Beide für Stunden angesehen hatten, ehe sie auf ihrer Raubkatze grußlos davonritt.
„Du hältst einen Hammer keinen Zauberstab in der Hand, also benutze ihn entsprechend oder ich befördere Dich mit einem Tritt aus meiner Schmiede, dass noch deinen Ahnen der Hintern schmerzen wird.
Nicht mich, schau nicht mich an, vor Dir liegt die Arbeit. Bei Magnis Bart, ich schwöre, noch nie habe ich einen so untalentierten, faulen, unfähigen, zwei linke Hände besitzenden Tunichtgut von einem Lehrling gesehen. Ich muß verrückt gewesen sein, nein, verrückt trifft es nicht. Es ist verrückt Ogerbier ungefiltert zu trinken, es ist verrückt einem Nachtelf den Wert von Eisen und Stein, Thorium und glühendem Stahl beizubringen. Dich als meinen Lehrling anzunehmen war …war…war….trollisch!“
Mit hochrotem Kopf und zitterndem Bart stand Thorin, Sohn von Dwalin, bester Schmied im Zwergendistrikt von Stormwind vor der Esse seiner Schmiede und hielt einen gewaltigen eisernen Hammer in der linken Hand, in der sich kein Tropfen Blut mehr befinden konnte, so eng gefasst hielt er den Stiel, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sein Gesicht, eine Maske aus schäumender Wut, beherbergte für gewöhnlich die Züge eines gestandenen Zwerges im besten Alter. Buschige Augenbrauen thronten über erdbraunen Augen, aus denen Gift und Galle zu sprühen schienen. Die Stirn aufgetürmt wie ein drohendes Gebirge und der zitternde Bart, von der Farbe zwischen stumpfen Kupfer und karmesin, vollendeten das Bild des manischen Schmiedes. Die Ursache für den Wutausbruch stand völlig perplex mit einer Zange bewaffnet und dem noch weiß glühenden Werkstück vor der Esse. Dem Gesichtsausdruck zu folgern, rangen Instinkt und Willenskraft in einer titanischen Schlacht miteinander. Panisch flüchten oder ohnmächtig werden ließen ihn jedoch zu dem Schluß kommen, dass es wohl besser war die Standpauke des Meisters auszusitzen und möglicherweise dem Schmiedehammer auszuweichen, was trotz der Größe meistens gut ging. In Gedanken versuchte Malin bereits abzuschätzen, ob die Zahl der Wutausbrüche seit dem Beginn seiner Lehre eher gewachsen war oder wider Erwarten abgenommen hatte, was ihm einen verträumten Blick verlieh. Thorins Augen wären aus ihren Höhlen gerollt, hätten sie die Möglichkeit dazu gehabt. Als er den Gesichtsausdruck seines Lehrlings bemerkte bildeten seine Lippen zuerst nur einen dünnen Strich. Die Schimpftirade, in der sich der Zwerg großzügig bei allen freien Völkern und deren Feindbildern bedient hatte, endete fast schon beiläufig und mit frömmischer Gelassenheit stellte er den Hammer zu Boden. Über die nächsten Momente verlor daraufhin, und auch sonst bei keiner Gelegenheit, niemand mehr ein Wort. Ohnehin kannte jeder den Grund, wenn Malin einige Tage lang einen Verband trug. Er war in einem großen Bogen und mit wild rudernden Armen aus der Schmiede geflogen, so wie just in jenem Moment und landete meist, mit dem Kopf voraus, in einem der quadratischen Blumenbeete oder dem erstbesten Gegenstand, welcher die Gnade besaß seinen Flug zu beenden. Dies galt in beiderseitigem Einverständnis als Ende des Unterrichts für diesen Tag.
Thorin atmete schwerfällig aus und klopfte sich die Hände von unsichtbarem Schmutz frei, ehe er zurück in die rauchende und qualmende Schmiede stapfte und sich augenblicklich besser fühlte. In einer fließenden Bewegung hob er die Feuerzange vom Boden auf und hängte sie an ihren angestammten Platz, ehe ihm einfiel, dass die Zange noch vor Beendigung des Unterrichts ein Werkstück gehalten hatte. Es dauerte nur einen Wimpernschlag ehe er das orange glimmende Metal unter einer Bank entdeckte, es mit bloßer Hand hochhob, kurz begutachte und ohne mit der Wimper zu zucken zurück in die Esse warf. Sein ganzer Körper sei mit Brandmalen übersäht und Narben können nicht verbrennen, entgegnete er lapidar, wen sich ein Außenstehender verwundert und nicht weniger schockiert nach seiner Hand erkundigte. Thorin ging tiefer in die Schmiede hinein. Seine gegerbte Lederschürze, die er stets beim arbeiten trug, fand ihren Platz am Hacken der hinteren Wand. Schweigend betätigte der stämmige Zwerg den Blasebalg und fast gleichzeitig stoben rote Funken überall in der Schmiede umher, bevor sie, Himmelskörpern nacheifernd, wie kleine Sterne vergingen. Noch immer in Gedanken, die schon davon geeilt waren, strebte er einem Wasserbottich zu und schöpfte mit seinen großen schwieligen Händen zweimal hinein um sich prustend das Gesicht zu waschen. Wie durch kleine Rinnsale verschwand das Wasser in seinem Bart und endlich entspannten sich die Züge des Zwergen.
„Wie lange bist du schon hier?“, brummte er unvermittelt in die Leere seiner Schmiede und zunächst mochte man an ein Selbstgespräch glauben, als eine Stimme aus dem Nichts erklang.
„Erst seit kurzem“, entgegnete die Nachtelfe ein wenig versöhnlich, obwohl sie log und schon seit Beginn des Wutausbruchs zugegen war.
„Es geht Dir gut?“, erkundigte sie sich, bevor sie erst als Schemen, langsam immer stofflicher wurde und plötzlich in einer Ecke auf einem kleinen Schemel saß, ein feines Tuch vor Mund und Nase gebunden.
„Was kann ich für dich tun?“, Thorin hatte sich in den hinter der Schmiede gelegenen Raum begeben und kam gerade mit einer Blechkaraffe, zwei Bechern und einer runden Holzplatte, auf der ein halber Laib Brot lag, zurück in die Werkstatt.
„Wir müssen reden…..“
Fortsetzung folgt!