[Story] Ein Hauch von Sternen

Al Fifino

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18.08.2007
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Kritik ist gerne gesehen. Für diejenigen, die es gerne schon ein wenig eher wissen wollen: es handelt sich hierbei um eine Story, deren Handlung zwar nicht zu kurz kommen, die aber von Sarkasmus und Ironie nur so gespickt sein wird.
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Gründe dafür, von hier endlich zu verschwinden, gab es genügend.
Der erste wurde von der Gewalt und Kriminalität gekennzeichnet. Beides nahm dermaßen überhand, dass es bald keine einzige Stadt mehr auf der gesamten Welt gab, in der es nicht ein wie eine Festung aufgebautes Reichen- und ein in seinen Slums und Unrat versinkendes Armenviertel gab. Dörfer und Kleinstädte waren schon längst aufgelöst oder von Umweltkatastrophen dem Erdboden gleich gemacht worden. Die Idee, das Wetter zu Gunsten der Menschheit zu manipulieren, war eben doch nicht so schlau gewesen, wie es sich angehört hatte: wenn an einem Ort Sonnenschein herrschte, schüttete es an einer anderen Stelle dafür all den Regen herunter, der dort hätte erscheinen sollen. Überschwemmungen waren die Folge. Brauchte nun ein Land Wasser, bedeutete das meist auf der anderen Seite der Weltkugel Dürre und damit verbundener Hunger. Als die Forscher aus den USA es 2186 ein wenig übertrieben und einen Schneesturm organisierten, damit es auch garantiert weise Weihnachten gab, brach in Madagaskar innerhalb von Sekunden ein gigantischer Vulkan aus der Erde hervor, spuckte Feuer und Flammen und vernichtete praktisch die gesamte Insel. Durch die gewaltigen Lava-Massen wuchs sie auf etwa die doppelte ihrer eigentlichen Größe an. Leben gab es dort trotzdem für die nächsten paar Jahrzehnte nicht wieder.
Dann war da die Sache mit dem Treibhaus-Effekt. Noch immer war es nicht gelungen, den Schadstoffausstoß genügend zu reduzieren, um die Klimaerwärmung dauerhaft ein zu dämmen. Stattdessen wurden ab und an kleinere Erfolge verzeichnet, die jedoch von den ebenso kleinen und manchmal auch größeren Fehlschlägen wieder wett gemacht wurden. Uran und Öl waren schon lange ausgegangen, Holz dominierte inzwischen die Energieindustrie. Damit man dieses auch her bekam, wurden weltweit etliche Wälder abgeholzt und noch mehr wieder gepflanzt, um eine einigermaßen sichere Lieferquelle zu erhalten. Wind- und Wasserenergie wurden dabei nicht vernachlässigt, kamen an den wachsenden Energielieferant aber bei weitem nicht heran. Um Platz für das viele Holz zu schaffen, war das Bilden von Mega-Cities und das Vernichten der kleinen Dörfer und Städte vorangetrieben worden – was unumgänglich auch zur Verschärfung der Konflikte zwischen Arm und Reich führte.
Schließlich folgte der wohl größte Fehler der Menschheit: als in Russland ein Hardliner an die Macht kam und ein wenig mit den Muskeln spielte, indem er aus Spaß einen Spionage-Satellit der USA abschoss, der gerade über "Mütterchen Russland schwebt und eine Gefahr für unsere so glorreich erworbene und immer verteidigte Freiheit darstellt", reagierte Deutschland umgehend und verurteilte dieses Vorgehen immens. Der Reichskanzler, ein sehr enger Freund des amerikanischen Präsidenten, gab dem Militär die Freiheit, jegliche russische Satelliten abzuknallen, die vorbei schweben sollten – und die Armee kam diesem Befehl mit Freude in den Augen nach, konnten sie doch endlich auch mal zeigen, was sie drauf hatten. Irgendwann schaltete sich auch noch die USA, Frankreich, Italien, Portugal, der Iran und der Irak, Ägypten, Israel und zu guter Letzt Ungarn, die über eine verblüffend effektive Streitkraft verfügten, in den Konflikt ein. Irgendwann war es soweit, dass man wieder das gute, alte Kabelfernsehen auspacken musste, um noch ein Programm in die Flimmerkiste zu bekommen. Die Länder einigten sich darauf, nur noch Satelliten ohne jeglichen militärischen Zweck in den Orbit zu schicken. Natürlich konnte sich der eine oder andere nicht daran halten, was wiederum zu groß angelegten Treibjagden auf die Funkvermittler führten. Dummerweise blieb es nicht lange dabei: den USA reichte es irgendwann, dass die Russen scheinbar bevorzugt amerikanische Fabrikate auf´s Korn nahmen, und schickten kurzerhand eine Kriegserklärung raus. Diese wurde von den Menschen in dem nach wie vor kühlen und von Schnee bedecktem Land auch noch mit Jubel entgegen – der Ring für einen neuen Weltkrieg war eröffnet. Dass die Atombomben schon vor ein paar ein paar Jahren vernichtet worden waren, um der totalen Zerstörung der Menschheit einen Strich durch die Rechnung zu machen, stellte sich als ziemlich wirkungslos heraus, nachdem die ersten Wasserstoffbomben flogen und weite, meist unbewohnte Teile der Welt zerstörten, um den Feind kräftig einzuschüchtern.
Das war der Zeitpunkt gewesen, an dem ich beschlossen hatte, abzuhauen. Auch, als ein Tag später das Schlimmste überstanden und Friedensverträge erneut geschlossen wurden, hielt ich an diesem Plan fest. Ich hatte keine Lust, noch einmal ein solch sinnloses Scharmützel mit ansehen zu müssen, und wollte nur noch weg von der Erde, die mich mit ihren bescheuerten Einwohnern dermaßen an den Rand des Wahnsinn trieb, zumal mit einem Schlag die gesamte Welt unter den USA und Russland aufgeteilt worden war. Im Grunde genommen hatte es die restlichen Länder ohnehin nicht mehr gegeben – sie bestanden meist nur noch aus zwei, drei der abnormal riesigen Städten, die von einer vollkommen automatisierten Wirtschaft versorgt wurden. Und all diese Ansammlungen von Wolkenkratzern und Blechhütten gingen nun in den Besitz der beiden ehemaligen Konkurrenten über. Die Städte, die sich dem widersetzten, wurden kurzerhand eingenommen oder dem Erdboden gleichgemacht.
In ihrer unermesslichen Güte hatten beide Reiche immerhin ein einziges Raumschiff aufgetrieben, dass ein paar Menschen auf weite Reisen mitnehmen würden. Den meisten war das egal – ihnen ging es unter den Amerikanern oder den Russen nicht besser als unter den Portugiesen, Chinesen oder Brasilianern. Aber für mich war es die letzte Chance, von hier weg zu kommen und an einem anderen Ort noch einmal von vorne anzufangen.
Der Abschied von meiner Familie dauerte nicht sonderlich lang, war aber schmerzhaft genug gewesen. Immerhin konnte ich mit Stolz sagen, dass mein Vater an mich glaubte: er meinte scherzhaft, er würde mich bald einmal besuchen, sobald ich dort draußen mein eigenes Geschäft am Laufen hätte.
Inzwischen befinden wir uns schon im Orbit und fliegen an den Trümmern vorbei, die von den Satelliten übrig geblieben sind. Ich kann nur hoffen, dass mein neues Leben besser und friedlicher wird als mein altes – und ich habe eigentlich keinen Zweifel daran.

Al


- Tagebucheintrag Nr. 1, irgendwo in unserer Galaxie
 
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Die Hände waren noch gefaltet und die Lider geschlossen, als ein letztes Wort über seine Lippen huschte.
»Amen.«
Augenblicklich öffneten sich die Augen und entblößten ihre nussbraune Farbe. Die Finger lösten sich voneinander, fünf von ihnen wanderten zu der Hosentasche der Bermuda-Shorts, um sich darin zu verkriechen und erst einmal abzuwarten. Der Kopf, bedeckt von blondem Haar, dass relativ kurz gehalten wurde, hob sich wieder, wobei sich der schmale Mund zu einem kurzen Lächeln hinreißen ließ.
Die freie Hand nahm vorsichtig, beinahe zögerlich, den Strohhut vom kleinen Tisch, der gleich neben der Gestalt stand, und setzte ihn doch noch bestimmt auf das Haupt des Jungen. Danach fing sie an, behutsam über den Kinnbart zu streichen, wobei die leicht schiefe Nase geräuschvoll nach oben gezogen wurde, dicht gefolgt von einem leisen, doch langen Ausatmen.
Al betrachtete noch eine kurze Weile sein Ebenbild im Spiegel, vor dem er gerade stand. Die schwarz umrandete Brille schimmerte ein wenig in dem hellen Licht, dass in der Kajüte herrschte und die Unordnung grandios beleuchtete: das Bett, welches in der hinteren Ecke stand, war mit allen möglichen Dingen vollgestellt, darunter einige Bilder, CDs, einem Rucksack, der mit Wäsche vollgestopft war, und vielem mehr. Daneben setzte sich das Chaos auf dem Fußboden fort: Kleidung lag überall verstreut und machte somit sogar den Verpackungsresten Konkurrenz, die vom Essen übrig geblieben waren.
Kurz kratzte sich der Junge am nackten Bauch, bevor er über den Müll und abgetragene Shirts in Richtung Ausgang stieg, den er dank seiner Latschen auch unverletzt erreichte. Er war sich selbst nicht so recht sicher, was sich noch alles unter dem Berg aus Kleidern und Plastik verbergen mochte, und es war gut möglich, dass sich schon ein paar Schmarotzer eingenistet haben mochten. Er hatte erfahren, dass es keine Ratten im All gab, aber ähnliche Tiere, die ein wenig wie Meerschweinchen mit zwei Fühlern auf dem Schädel aussahen und meist ein vollkommen schwarzes Fell besaßen. Die kleinen Viecher wurden gerne benutzt, um Abfälle zu beseitigen – sie fraßen praktisch alles. Als der Teenager allerdings sein bestes Hemd mit einem riesigem Loch in der Brust vorfand, an dessen Rand noch eindeutig Bissspuren zu erkennen waren, wurde ihm seine tatsächliche Lage bewusst. Die wichtigsten Dinge hatte er sogleich in den Rucksack gestopft und auf dem Bett deponiert. Nach allem, was er über Meerschweinchen wusste, konnten sie höher gelegene Stellen nicht erreichen, solange sie noch nicht einen Weg gefunden hatten, einer senkrechten Wand hinauf zu wackeln. Wie es sich mit Weltraum-Meerschweinchen verhielt, konnte Al natürlich nicht wissen. Er hoffte einfach nur das Beste.
Mit einem leisen Fingerschnippen surrte die winzige Glühbirne, die eine solch gewaltige Leuchtkraft aus sandte, ein letztes Mal wehleidig auf, bevor sie mit einem Schlag erlosch und den Raum in Dunkelheit versinken ließ. Der Junge tat einen weiteren Schritt und betrat damit den Flur, der mit einem weichen Teppich ausgelegt und ebenfalls von den kleinen Lämpchen erhellt wurde. Hinter ihm konnte er das metallene Knirschen der Tür vernehmen, die sich gerade aus der Wand schob und sein Zimmer verbarrikadierte.
Einen Moment lang blieb Al im Gang stehen, unschlüssig, was er jetzt tun sollte, bis ihm ein vielleicht einigermaßen guter Gedanke kam und er sich in Bewegung setzte.
»Hey! Du da!«
Seufzend verharrte der Teenager und zog seinen Hut vorsorglich ein wenig tiefer ins Gesicht, bevor er sich umdrehte. Zugleich hörte er eiliges Fußgetrappel, das näher kam. Als er wieder aufblickte, sah er sie vor sich.
Das Mädchen zwinkerte ihn freundlich an, setzte ihr schönstes Lächeln auf und strich sich in einer verführerischen Geste das schulterlange, hellblonde Haar hinter das Ohr, wo es jedoch nicht lange blieb und wieder wie ein Vorhang vor ihr Gesicht viel und dabei ein Auge verdeckte. Dies hinterließ einen geheimnisvollen Eindruck, der sie sogar noch ein Stück schöner wirken ließ. »Ich glaube, ich kenne dich noch gar nicht...«
Al musterte sie einen Augenblick lang von oben bis unten: sie trug einen Minirock, aus denen wunderschöne und lange Beine ragten, und ein enges T-Shirt, das den Bauch mitsamt Nabel frei ließ und ihre Kurven dermaßen zur Geltung brachte, dass er den Verdacht hegte, sie habe es sich selbst geschneidert. Ihre Füße steckten in schicken Vans, am Arm klimperten einige Armreife.
Ihr Gesicht war praktisch ohne Makel: rötlich angehauchte Haut, blaue Augen, die ihn frech und auch neugierig anschauten und unter denen eine niedliche Stupsnase saß, gefolgt von Lippen, eines Models würdig, die aber dennoch eindeutig von Natur aus da waren.
Der Junge brummte nur leise: »Ich dich auch nicht.« Dann wandte er sich wieder um und schlurfte den Gang entlang. Die Schönheit hinter ihm sah ihn einen Moment lang verdutzt und überrascht an, bevor sie aus ihrer Starre erwachte und ihn schnell einholte, um neben ihm herzugehen. Mit unverwandtem Lächeln erwiderte sie: »Ich heiße Sharon. Und du?«
»Anders.«
»Oh...« Die aufgesetzte Freudenmaske des Mädchens bekam einen Sprung und zeigte kurz die Verwirrung, die sie gerade beherrschte, als sie fort fuhr: »Ich bin hier mit geflogen, weil ich keinen Bock hatte, mein Leben jetzt schon wegzuwerfen. Ich meine, komm schon, wer ist denn so blöd und glaubt irgendeinem dahergelaufenen Kerl? Und Gott würde niemals verlangen, dass wir alle sterben sollen! Schließlich hat er uns ja erschaffen... warum bist du denn hier?«
Mit ebenso emotionsloser Stimme wie bisher antwortete der Junge: »Aus einem anderen Grund als du.«
»Das habe ich mir schon fast gedacht...« Das Model betrachtete ihren Gegenüber mit einem skeptischen Blick, der bei weitem nicht verheimlichen konnte, was sie gerade über ihn dachte.
»Lass mich dir eine Frage stellen.«
Freudig überrascht darüber, dass ihre Annäherungsversuche und damit ihr Vorhaben, das sie erst dazu gebracht hatte, ihn anzusprechen, anscheinend doch nicht gescheitert waren, nickte sie eifrig. »Klar doch, schieß los!«
Sein Blick traf sie direkt in die Augen und jagte ihr beinahe sofort einen Schauer über den Rücken, als er mit genervter Stimme meinte: »Gibt es nicht irgendeinen anderen auf diesem verfluchten Schiff, den du mit deinem dummen Wimperngeklimper und heuchlerischen Fragen auf den Geist gehen kannst? Ich hätte nämlich besseres zu tun, als meine Zeit mit einem kleinen Mädchen zu verplempern, dass anscheinend einen Beschützer sucht.«
Geschockt blieb sie stehen, starrte ihm nach. Al kümmerte sich nicht darum, sondern lief einfach den Gang weiter entlang, bis er nach einer Biegung aus ihrem Sichtfeld verschwand. Ein kurzes Grinsen ob ihrer entsetzten Miene huschte über sein Gesicht, als sie es nicht mehr erblicken konnte, wich jedoch gleich darauf einer etwas schuldbewussten Miene. Ich glaube, das hatte sie nicht verdient... vielleicht wollte sie ja tatsächlich nur ein wenig mit mir sprechen.
Einen Moment lang überdachte er, was er da gerade gesagt hatte. Dann vertieften sich die kleinen Fältchen um die Augen und dem Mund, als er leise lachte.
 
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Das erste Kapitel hört sich schon einmal ganz vielversprechend an.
Ich werde schauen, wie es weitergeht.

Al Fifino ich wünsche dir viel Spaß beim Schreiben und viele Ideen.
 
Hallo,

Ich muss sagen das erste Kapitel ist dir sehr gut gelungen, ich hoffe bald mehr von dir zu lesen.
Mach man weiter so.
 
mehr Mehr MEhr MEHr MEHR MEEEEEEEEEEEEEEEEEHR
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*Ähem*
Change in plans!
Anders gesagt: Kapitel Nr. 1 wird zum Prolog hinzugefügt, da mir eine neuere, bessere Idee gekommen ist, die es umzusetzen gilt.
Vielen Dank für das Verständnis, das ich natürlich voraussetze, und den lieben Kommentaren.
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Allerdings hielt das Lachen nicht sonderlich lange an. Schon bald war die Miene wieder ernst, der Hut noch weiter ins Gesicht gezogen und der Blick auf den Boden geheftet worden. Ohne auch nur etwas zu murmeln, ging Al dem Korridor entlang. Ab und zu passierte er eine der stählern glänzenden Türen, die der zu seinem Zimmer zum Verwechseln ähnlich sah, jedoch immer eine andere Nummer besaßen. Soweit er die vorherrschende Stille richtig deutete, waren die meisten der Kabinen anscheinend unbesetzt. Das Einzige, was er bei seinem Spaziergang hören konnte, waren seine eigenen, gedämpften Schritte, die in einem monotonen und ständig gleich bleibenden Rhythmus auf den Teppich unter ihm traten.
Ab und zu hob er den Kopf, um sich kurz umzuschauen. Vor allem die vielen abzweigenden Gänge erregten seine Vorsicht. Mit einem wachsamen Auge kontrollierte er innerhalb jener Sekunde, die er benötigte, um daran vorbei zu schreiten, jede Abzweigung. Weiter Menschen fand er nicht, nur ein einziges Mal raschelte etwas leise, und sein Blick erhaschte das kleine Knäuel aus schwarzem Fell, das hektisch und quiekend um die Ecke trippelte.
Mit einem Achselzucken schaute er wieder nach vorne, als er endlich das Ziel seines Weges erkannte. Der Gang beschrieb eine Biegung, hinter der sich eine Sackgasse befand. Am Ende des Korridors würde eine Tür mit zwei aufgedruckten Nullen die Toilette verschließen, doch soweit er sich erinnern konnte, war sie nicht abgesperrt.
Mit einem leichten Grinsen umrundete Al die Ecke und schob den Hut ein wenig nach oben, um eine bessere Sicht zu erhalten.
Bis er abrupt stehen blieb und das Mädchen ansah, welches seinen Blick nicht weniger verwundert erwiderte. Im Gegensatz zu seinen Lippen verzogen sich aber die ihren zu einem gewitzten Lächeln, als sie mit beinahe unschuldiger Stimme säuselte: »Oh, ich glaube, du hast da einen Umweg gemacht, wenn du hierher wolltest... und leider gibt es nur ein Klo. Sieht wohl so aus, als müsstest du...«
Sie schaute ihn fragend an, als der Junge mit mürrischer Miene seinen Hut wieder tiefer gezogen und sich in Bewegung gesetzt hatte. Ohne ein Wort an sie zu richten, schritt er einfach an ihr vorbei und wollte gerade die undurchdringbare Tür berühren, als sie ihm schon zuvorkam und ihre Hand auf den kalten Stahl klatschte. Sofort ertönte ein leises Surren, der Durchgang öffnete sich und entblößte ein sauberes, mit weißen Kacheln ausgelegtes Badezimmer. Es gab zwei Duschen, vier Badewannen mit eingebautem Whirpool sowie drei Kabinen, in denen sich wahrscheinlich die Toiletten versteckten.
Als Al seinen Fuß in das Zimmer setzen wollte, war das Model schon an ihm vorbei gehuscht und baute sich nun direkt in der Öffnung auf. »Du kannst jetzt nicht hier rein!«
Der Junge atmete tief und resignierend aus, als er fragte: »Und warum nicht?«
»Ganz einfach! Ich will mich hier waschen!« Die Schönheit funkelte ihren Gegenüber an, der nur mit den Achseln zuckte. »Und was weiter?«
»Was weiter?« Man konnte ihr die Empörung nur zu gut anhören, als sie fort fuhr: »Ich bin ein Mädchen!«
»Wirklich?« Al musterte sie ein weiteres Mal, bevor er gespielt verblüfft antwortete: »Verdammt, hast ja Recht... das hätte ich niemals erkannt! Kann ich jetzt endlich auf die Toilette?«
»Nein, kannst du nicht!« Die Zornesröte schoss dem Model ins Gesicht, als sie versuchte, den Eingang mit allen Mitteln zu verteidigen. »Ich dusche doch nicht, wenn du Lustmolch mit da drin bist! Was bist du überhaupt für einer?! Man lässt einer Lady gefälligst den Vortritt, und... auf was schaust du eigentlich?«
Der Junge, der bereits beim ersten Wort wie gebannt auf den Boden gestarrt hatte, sah sie mit ernsten und warnenden Augen an und erwiderte leise: »Ich glaube, da krabbelt eine Spinne dein Bein hoch.«
Ein entsetztes Kreischen erschallte und hallte durch das Raumschiff, als das Mädchen einen gewaltigen Satz zurück machte, durch das halbe Bad rannte und dann endlich auf die Idee kam, das befallene Körperteil genauer unter die Lupe zu nehmen. »Ist sie weg? Ist sie weg?!«
Ein leises Quietschen, gefolgt von dem metallenen Knirschen des Sicherungsriegels ertönte, als sich die Tür einer der Kabinen schloss. Die gedämpfte Stimme des Teenagers drang daraus hervor. »Keine Ahnung. Wenn da tatsächlich eine war, dann hat sie nach der Schreiattacke garantiert einen Herzanfall erlitten.«
Langsam schien dem Mädchen ein Licht aufzugehen, denn sie hielt in ihrer Fluchtbewegung inne, drehte sich langsam und mit einem Blick, der frischeste Milch hätte sauer werden lassen, um und betrachtete abschätzend die Kabinentüren, fast so, als versuchte sie gerade herauszufinden, welche sie eintreten müsste, um an den Jungen zu gelangen und ihm den Hals umzudrehen. Die Suche erübrigte sich einen Augenblick später, als leises Plätschern aus der hintersten Toilette erschallte. Augenblicklich stampfte die Betrogene darauf zu, stellte sich davor und fragte möglichst ruhig, auch wenn der stinkwütende Unterton nicht zu überhören war: »Willst du damit sagen, dass du mich gerade angelogen hast?«
Ruhe kehrte ein, das Plätschern verklang. Ihm folgte das leise Rauschen der Toilettenspülung und der Stimme des Jungen. »Nein.«
Die Tür öffnete sich rasch. Al hatte wieder seinen Hut ins Gesicht gezogen, auch wenn er diesmal in die Augen seines Gegenübers blicken konnte. Mit einer ernsten Miene fügte er hinzu: »Ich habe lediglich gesagt, dass ich glaube, eine Spinne krabbelt dein Bein hoch. Vielleicht habe ich mich ja auch nur getäuscht? Das wird wohl nur Gott wissen.«
Ohne auf eine Reaktion des Models zu warten, ging er einfach an ihr vorbei und zielstrebig auf den Ausgang zu, den er auch einen Moment später erreichte und durchschritt. Im Bad hinterließ er ein verwirrtes und wütendes Mädchen, das ihm nachsah, bis das metallene Tor sich zischend schloss.
 
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Geniale Story, wenn man hier weder Ironie noch Sarkasmus findet, muss man echt blind sein. Genau meine Art von Geschichte.
 
Kapitel 1 - Erste Erkundungen

Heute gab es die erste Kontaktaufnahme zwischen mir und einem weiteren, menschlichen Wesen. Dabei kommt in mir die Frage auf, von wem dieses Schiff eigentlich gesteuert wird, aber das konnte ich bisher noch nicht heraus finden. Vielleicht treffe ich unseren Captain ja in nächster Zeit.
Das Gespräch zwischen mir und dem Mädchen verlief nicht sonderlich gut. Ich habe sogar ihren Namen schon wieder vergessen, kann aber nicht behaupten, das zu bedauern. Sie war das, was meine Schwester immer "Tussi" genannt hat – eine echte Zicke also. Sofort komplett überreagierend, sobald sie sich mal mit einer teils peinlichen Situation konfrontiert sieht. Was soll´s, immerhin weiß ich jetzt, dass es auf dieser riesigen Sternenschaukel auch noch andere außer mir gibt. Sieht man mal von diesen kleinen, verfressenen Meerschweinchen ab, die mir bereits ein Loch in eine meiner Hosen gefressen haben, genau da, wo normalerweise meine


Das Zischen der Tür ließ mich inne halten, von meinem Tagebuch aufschauen und mich ein wenig überrascht umdrehen. Ich staunte nicht schlecht, als ich das Gesicht eines anderen Teenagers erkannte, der vielleicht mein Alter haben mochte. Mein Gegenüber war jedoch sicherlich noch einen guten Kopf größer als ich selbst, hatte strohblondes, kurzes Haar auf dem Kopf und einen etwas dümmlich wirkenden Blick, mit dem er den Raum zu untersuchen schien. Außerdem füllte er beinahe den gesamten Eingang aus, was sich jedoch bei der Breite der Tür als nicht sonderlich schwer gestaltete. Mit seiner relativ großen Nase, den kleinen, blauen Schweinsaugen, dem breiten Mund und dem massigen Körper hätte er einen nahezu perfekten Rugby-Spieler abgegeben. Gekleidet war er in einem grell-gelben Sweatshirt und einer alten Jeans, die bei den weißen Turnschuhen endete.
Als sein Blick auf den Schreibtisch, an dem ich noch immer saß, und damit auf mich fiel, formte der Mund ein schwaches Lächeln. Mit einer Stimme, die weder sonderlich hoch noch allzu tief war, meinte er: »Hey. Alles klar?«
»Ähm... ja, klar. Alles paletti.« Ein wenig verwirrt stand ich von meinem Stuhl auf und wackelte über das nach wie vor herrschende Chaos auf den Neuankömmling zu, der mich noch immer angrinste. »Kommst du auch aus Europa?«
»Aus Deutschland.« Ich hatte endlich den gefährlichen Weg gemeistert, war bei meinem Gast angekommen und musterte ihn kritisch, bevor ich fragte: »Was suchst du eigentlich hier?«
»Och, weißt du...« Das Lächeln des Jungen wurde noch eine Spur breiter. »Du kennst doch garantiert auch diese komischen kleinen Meerschweinchen, die hier überall rumflitzen. Tja, die schmeißen in meiner Kabine gerade ´ne Party. Ehrlich, egal, wo du hin trittst, irgend was quiekt immer panisch auf. Und ich habe keine Lust, eines nach dem anderen von den Viechern rauszutragen, die kommen ständig wieder...«
»Ein schwerwiegendes Problem, kann ich verstehen. Aber was willst du bei mir?«
»Na ja, bei dir sind ja scheinbar noch nicht so viele Schweinchen, oder?« Sein Gesicht hellte sich auf, als er noch einmal einen Blick in den Raum warf, bevor er fort fuhr: »Und du hast ja auch noch genügend Platz, also kann ich doch garantiert bei dir pennen?«
Einen winzig kleinen Moment lang war ich versucht, ihm ein 'Nein' entgegen zu schmeißen, und mein Mund formte bereits das Wort. Dann jedoch musste ich erkennen, dass mir der riesenhafte Kerl irgendwie sympathisch war. Vielleicht lag es einfach nur an seiner Art, mich anzugucken, oder sich bei jedem Satzende ein wenig zu verbeugen, was mich tatsächlich zum Lächeln brachte.
Aber ich hatte auch das Gefühl, dass ich in ihm einen guten Freund finden würde. Also änderte ich meine Meinung innerhalb eines Sekundenbruchteils und erwiderte nur: »Such dir ´nen Platz. Schieb zur Not das ganze Zeugs auf einen Haufen. Und pass auf, ein paar dieser kleinen Biester wuseln hier auch irgendwo rum...«
»Aye.« Mit dem Grinsen, das scheinbar niemals von seinem Gesicht wich, kam er herein und begann sogleich damit, ein paar Kleidungsstücke durch die Luft segeln zu lassen. Erst jetzt bemerkte ich den winzig anmutenden Rucksack auf seinem Rücken, aus dem eine Schlafmatte heraus ragte. Des weiteren beförderte er eine Decke und ein kleines Kopfkissen daraus hervor, was er alles in der neu geschaffenen Kuhle ausbreitete, bevor er wieder aufstand, mich dankbar ansah und mir seine Hand entgegen streckte. »Ich heiße Christian Hilz. Für meine Freunde Barney.«
Ich konnte mir erneut ein Lächeln nicht verkneifen, als ich seinen Spitznamen hörte und einschlug. »Philip Weisel. Nenn mich Al.«
»Okay.« Kaum hatte ich seine Hand wieder losgelassen, als sie auch schon zu seinen Hosentaschen wanderten und in ihnen verschwanden. »Und was machst du so die ganze Zeit, Al?«
»Keine Ahnung.« Ich zuckte nur resignierend mit den Achseln, als ich mich umdrehte und das Tagebuch schloss, um es einen Moment später in einer der Schubladen des aus einem mir unbekannten, verdammt widerstandsfähigen, jedoch merkwürdig weichem Material gebauten Schreibtischs zu stecken. Die silberne Farbe der Arbeitsplatte schimmerte dabei leicht im Licht der Deckenlampe. Zugleich setzte ich mir wieder meinen alles geliebten Strohhut auf, der noch auf dem Tisch lag. »Ich bin seit dem Start nur in der Kabine gewesen, abgesehen von meinem Spaziergang vorhin zur Toilette. Dabei habe ich diese eine Zicke getroffen...«
»Oh, du meinst Sharon? Das Mädchen aus den USA?«
Mit hochgezogenen Augenbrauen wandte ich mich wieder meinem neuen Mitbewohner zu. »Du kennst sie?«
»Na klar!« Der Riese hatte sich auf meinem Bett gesetzt und betrachtete mich von dort aus, während er antwortete. »Ich finde sie eigentlich recht nett. Und sie ist mal richtig hot!« Bei dem letzten Wort sprang seine Stimme ein wenig in die Höhe, was bei mir einen noch witzigeren Eindruck von ihm hinterließ.
Mit einem leichten Grinsen entgegnete ich schließlich: »Ja, wer auf Mädchen steht, die sich wegen jeder Kleinigkeit gleich ins Höschen machen, für den ist sie bestimmt genau das Richtige...«
»Hey, sind nicht alle Mädchen so?«
Ich musste leise lachen, als ich das hörte. »Ja... ja, wahrscheinlich schon.«
»Na also! Dann nehme ich doch lieber eine, die sich wegen jeder Kleinigkeit aufregt und dabei gut aussieht, als eine, die sich dauernd aufregt und dafür mal so richtig hässlich ist!«
»Gut möglich.« Ich fing gerade an, meinen Rucksack, der neben dem Schreibtisch lag, nach meinen letzten Essensrationen zu durchsuchen, bis ich das Loch im Boden, zusammen mit den letzten Krümeln meiner dort gebunkerten Süßigkeiten, entdeckte. »Oh, verdammt! Die Meerschweinchen haben mir meine letzte Tafel Schokolade geklaut!«
Einen Augenblick später stand Barney neben mir und schaute mir über die Schulter, während ich zwischen einigen Klamotten und Unterwäsche herum wühlte. »Und was weiter? Warst du etwa noch nicht in der Küche?«
»Küche?« Verwirrt stand ich wieder auf und schaute ihn fragend an. »Was denn für ´ne Küche?«
»Du kennst sie noch gar nicht? Na, dann komm mal mit, Waislboy!«
»Ähm... was noch mal?«
»Na, Waislboy!« Grinsend ging mein Gegenüber bereits auf die Tür zu, die sich gehorsam öffnete, kaum dass er seine Finger auf sie legte. »Von deinem Nachnamen halt! 'Al' hört sich so komisch an, da nenn´ ich dich lieber Waislboy!«
»Waislboy...« Leise seufzend folgte ich ihm hinaus auf den Korridor, zog diesmal jedoch eine kleine, weiße Plastikkarte aus der Hosentasche heraus und steckte sie in den kaum erkennbaren Schlitz neben der Tür, woraufhin von dieser ein stetiges Knacken und Knirschen ertönte, das gleich darauf verstummte. So verschlossen, würde niemand in mein Zimmer eindringen können, und ich brauchte mir keine Sorgen mehr um mein bisschen Hab und Gut machen.
»Sag mal, Waislboy, willst du dir kein Hemd anziehen?«
Ich schritt gemächlich neben meinem neuen Kumpanen her, während ich mich gelangweilt am Bauch kratzte. »Nö, wieso denn? Ich meine, ich mache jeden Morgen und Abend Training für meine Muskeln, da brauch ich doch nichts zu verbergen, oder?«
»Jo, stimmt schon. Aber weißt du was?« Barneys Grinsen wurde so breit, dass es vom einem Ohr zum anderen reichte, als er erwiderte: »Ich hab lieber ein ganzes Fass anstatt so ´nem billigen Sixpack.«
»Oh, klar.« Ich konnte meinerseits ein Grinsen nicht verkneifen. »Dann wirst du aber bei deiner Sharon keine großen Chancen haben, glaubst du nicht?«
»Ach, wenn schon... es gibt sicherlich genügend süße Mädels hier auf dem Schiff!«
»Habe ich da gerade meinen Namen gehört?«
 
Wenn das nicht eine interessante Begegnung wird.

Ich kann den beißenden Humor schon förmlich aus der Zukunft riechen.
 
Einfach mal wieder eine geniale Story. Diesen Humor und Sarkasmus mag ich ganz besonders.
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Was bei meinem neuen, riesenhaften Kumpel ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, ließ meine Miene abrupt verdüstern und mich tatsächlich fragen, ob ich vielleicht bereits das Ziel einer Stalkerin geworden war. Und während sich Barney schwungvoll und mit fröhlichen Augen umdrehte, vollführte ich die Bewegung mit der gleichen Motivation, mit der ich stets mein Zimmer aufräumte. Was mich daran erinnerte, dies tatsächlich beizeiten einmal tun zu müssen, ansonsten würde ich in einer Flutwelle von Kleidung und Müll ertrinken.
Sharon kam auf uns zugeschwebt, gleich einem Engel, der einige umgekehrte Sünder für ihre Reue belohnen wollte. Ihr Lächeln stand dem meines Zimmergenossen in Nichts nach, und sie hatte noch immer das gleiche Zeugs von damals an, als ich sie das erste Mal getroffen hatte. Dementsprechend reizend wirkte sie auf Barney – wogegen ich mich mit ihr kein Stück anfreunden konnte.
Kaum war sie bei uns angekommen, als sie auch schon den Mund öffnete und ein paar Worte über ihre Lippen hauchte. »Also, was ist mit mir? Ich dachte wirklich, ich hätte meinen Namen gehört...«
Mit einem angedeuteten Achselzucken meinte ich beiläufig: »Schon möglich.« Dann wandte ich mich mit betonter Gleichgültigkeit um und sagte an den Riesen gewandt: »Was ist jetzt, Barney? Wolltest du mir nicht die Küche zeigen?«
»Jo, schon. Aber da gibt es ein Problem... ich muss mal aufs Klo.« Das Grinsen des Jungen verwandelte sich in ein langgezogenes Lachen. Überrascht stellte ich fest, dass ich selbst anfing, leise zu lachen, und das, obwohl der Witz dermaßen geschmacklos war, dass nicht einmal ein Schwein ihn gefressen hätte.
»Oh, das macht nichts! Ich kann dich hin führen!«
Mein Lachen stoppte abrupt, als einen Moment später das Mädchen meinen rechten Arm umschlang, sich dicht an mich drängte und mich von dannen zog, während Barney uns mit einer gewissen Belustigung beobachtete, bevor er in die andere Richtung marschierte, immer seinen Bedürfnissen folgend.
»Also, du willst in die Küche? Warst du denn da noch gar nicht? Mann, du glaubst gar nicht, was du da verpasst! Der Raum ist so was von -«
Da meine Versuche, meinen Arm aus ihrer Umklammerung zu befreien, unfruchtbar blieben, beließ ich es vorerst dabei und fragte sie stattdessen mit finsterer Stimme: »Woher kommst du eigentlich noch mal?«
Einen Augenblick lang sah sie mich verständnislos an, dann hellte sich ihr Gesicht auf. »Du meinst, von der Erde? Ich komme aus Iowa, in den USA.«
»Wie kann es dann sein, dass ich dich verstehe, obwohl ich aus Europa komme?«
»Oh, das ist einfach...« Sie strich sich mit einer Hand das Haar hinter die Ohren, wobei sie die andere keine Sekunde lang von meinem Arm entfernte. »Die haben hier im Raumschiff so eine Art Universal-Übersetzer eingebaut. Das Ding macht es möglich, wirklich alles und jeden zu verstehen, ganz egal, was für eine Sprache du sprichst, woher du kommst und so weiter. Ich habe den Captain gefragt, der hat es mir so erklärt. Und er hat auch gesagt, wenn man sich lange genug im Bereich eines dieser Übersetzer befindet, dann lernt man irgendwann auch alle Sprachen und kann sich verständigen, ohne so ein Ding ständig mit sich führen zu müssen.«
»Aha.« Ich betrachtete mit mäßigem Interesse den Gang, dem wir folgten: er glich den restlichen Korridoren wie ein Ei dem anderen. Auch hier sorgten die winzigen Glühlampen in regelmäßigen Abständen für genügend Licht, um jede Einzelheit und jedes Staubkorn zu erkennen. Der weiße Teppich unter meinen Füßen dämpfte die Schritte ungemein und musste daher unheimlich weich sein. Meinen Arm aus ihren Klauen heil heraus zu bekommen, hatte ich aufgegeben: ihre spitzen Fingernägel stachen ohnehin schon, und hätte ich gewaltsam versucht, mich von ihr zu lösen, hätte sie mir wohl eher die Haut vom Fleisch geschält, als los zu lassen.
Jetzt fiel mir langsam auf, über was für Zeugs ich gerade sinnierte, und ich rückte stattdessen meine Begleiterin in den Mittelpunkt meiner Konzentration. Als ich ihr einen unauffälligen Blick zuwerfen wollte, blickte sie mich gerade verstohlen an, und unsere Blicke trafen sich. Ihr Lächeln wurde eine Spur breiter, als sie meine Absicht erkannte. »Hey! Willst du mich etwa ausspionieren?«
»Sagt die, die sich an meinen Arm krallt und mich nicht in Ruhe lassen will.«
»Ähm...« Meine Aussage ließ sie ein wenig rötlich anlaufen, ihre Umklammerung löste sich ein wenig. »Wenn es dir was ausmacht, dann kann ich auch los lassen. Ich meine, ich will ja nicht an dir dran kleben wie eine Klette, und ich will dich auch nicht stören oder so, aber -«
Mein erleichterter Seufzer ließ sie verstummen. »Wollen? Du glaubst gar nicht, wie froh ich darüber bin, dass ich nicht mehr deine Finger auf meiner Haut spüren muss.«
 
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Na da bahnt sich doch was an.
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Mal so ne Frage: Wie kann man andere Sprachen lernen wenn man seine eigene spricht und nur seine eigene hört? Oder greift dieser Übersetzer auf das Gehirn zu und macht da irgend was damit wir das in unserer Sprache hören aber in Wirklichkeit die anderen Sprache hören und unser Hirn das trotzdem irgend wie aufnimmt und lernt. Etwas verwirrend nicht?
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Vielleicht ist es so, dass man zwar alles in seiner eigenen Sprache versteht, aber es in der ursprünglichen Sprache hört. So wäre es vielleicht möglich, dass man alle Sprachen unterbewusst lernt. Wie das ganze technisch möglich sein soll musst du jemand anderen fragen.
 
Hach ja, die Technik ist schon was Feines...
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»Oh...« Das schiefe Lächeln, welches sie mir zuwarf, zeugte eindeutig von der Enttäuschung und der Wut, die sie gerade durchströmen mussten. Dennoch versuchte sie umgehend, das einseitige Gespräch aufrecht zu erhalten. Ihre nächsten Worte hörte ich aber gar nicht mehr richtig, sie waren mir, gelinde gesagt, vollkommen egal. Stattdessen nickte ich nur ein paar Mal, brummte Zustimmung, wann sie einigermaßen passte, und lief den Gang entlang.
Als meine Begleiterin schließlich bemerkte, was für ein Interesse ich der Unterhaltung beizollte, schwieg sie ein wenig betreten und entfernte sich sehr zu meiner Freude sogar ein Stück weit von mir. Dem folgte ein kurzer, verwunderter Blick meinerseits, den sie mit traurigen, großen Hundeaugen beantwortete. In diesem Moment änderte sich meine Einstellung ihr gegenüber ein wenig, und das nicht unbedingt zum Besseren. Einerseits tat es mir tatsächlich ein wenig leid, dass ich sie so behandelte. Das Gefühl war jedoch einen Moment später schon wieder vergangen, als mir eine leise Stimme im Hinterkopf eine äußerst interessante Erkenntnis mitteilte. Sharon war kein einfaches Mädchen mehr, das ihre Reize auszuspielen wusste. Sie war geradezu eine Expertin darin.
Als ich mit einem fast schon verächtlichen Gesichtsausdruck mein Gesicht wieder abwandte, begriff sie allerdings, dass zumindest ihre körperlichen Reize nicht sonderlich viel bewirken würden, wollte sie mich um den Finger wickeln. Der Grund dafür war ihr höchstwahrscheinlich ein Rätsel, und ich lachte in mich hinein, als ich mir vorstellte, wie sie gerade versuchte, sich eine Taktik zurecht zu legen, um mich doch noch zu erobern. Dass sie dafür so viel Anstrengung an den Tag legte, verwunderte mich einerseits, doch andererseits erfreute es mich – sie würde sich an mir gnadenlos die Zähne ausbeißen, egal, was sie anstellte, dessen war ich mir vollkommen sicher.
»Wir sind da.«
Überrascht wachte ich aus meinen Überlegungen auf und betrachtete mit gewisser Neugier die Tür, vor der wir nun standen. Sie war, entgegen allen anderen, die ich bisher gesehen hatte, weiß gestrichen, und ein Messer, gekreuzt mit einer Gabel, prangerte darauf. Sharon lächelte mir aufmunternd zu, als wir einen Schritt näher heran traten.
Etwas zögerlich drückte ich meine Hand auf den kalten Stahl, und augenblicklich wurde die Pforte geöffnet.
Ein Schwall warmer Luft, angereichert mit köstlichen Düften von gebratenem Fleisch, Gemüse, Obst und Gewürzen, schlug mir entgegen. Tische säumten den komplett weisen, mit hölzernem Boden ausgelegten Raum, der sicherlich fünfzig Meter lang war, in einer Reihe zur Linken, komplettiert von ebenso langen, hölzernen Bänken. Die Wände waren sauber verputzt worden und am anderen Ende des Zimmers konnte ich sogar einen Kamin mit angefachtem, knisterndem Feuer und rundherum aufgestellten Sesseln erkennen, was den Gesamteindruck noch ein Stückchen gemütlicher werden ließ.
Auf der rechten Seite hingegen stand ein gigantisches Metallungetüm, dass augenscheinlich eine Maschine darstellte. Sie war über und über mit Anzeigen, Knöpfen und Schaltern bedeckt, Lampen blinkten in verschieden grellen Farben an den unmöglichsten Stellen. Sah man davon ab, stand das Ding im Moment, ohne auch nur ein einziges Piepen von sich zu geben, da.
»Was zur Hölle ist das?« Ich deutete mit einem großen Maß an Skepsis auf das abnormal riesige Gerät, als wir darauf zuschritten und sich die Tür hinter uns schloss.
»Na ja, das ist so ´ne Art Futtermaschine.« Das Mädchen grinste breit, als das Wort über ihre Lippen drang und meine Verwirrung vollends anfachte. »Pass auf, ich erklär´s dir mal... hier, da ist eine Liste mit dem ganzen Essen.«
Sie schnappte sich einen Block, der an einer winzig anmutenden Eisenkette hing und den ich im ersten Moment gar nicht bemerkt hatte, fing an, darin herum zu blättern, und hielt mir schließlich eine offene Seite direkt vor die Nase. »Siehst du? Hier gibt´s sogar Sushi...« Ihr Finger zeigte auf das Fischröllchen, welches auf dem Papier abgebildet war, bevor sie den Block achtlos fallen ließ und munter fort fuhr: »Du stellst dich einfach vor diese Öffnung da«, sie deutete auf ein kleines Loch, dass sich zwischen den vielen Schaltern auftat, »und sagst deutlich rein, was du haben willst.«
Entschlossenen Schrittes trat sie an den schwarzen Kreis heran und sprach gut vernehmlich: »Hamburger.«
Eine Sekunde lang erschallte ein leises Sirren, dass jedoch sofort wieder verstummte. Ohne zu zögern, griff meine Begleiterin in die Dunkelheit des Lochs hinein und beförderte ein Brötchen, belegt mit gegrilltem Fleisch, Salat, Majo und Senf, daraus hervor. »Kapiert? Ganz einfach.« Mit einem strahlenden Lächeln drückte sie mir das Gericht in die Hand und sah mich erwartungsvoll an.
Ich betrachtete das Essen einen Moment lang, bevor ich kurz entschlossen hinein biss. Tatsächlich schmeckte es nach einem Hamburger – und es schmeckte auch noch ganz gut.
Anerkennend nickte ich Sharon zu. »Nicht schlecht. Wie wird das Zeugs hergestellt?«
»Alles echte Zutaten. Sie werden dort drin per Laserfrost-Technologie kühl gestellt und sind über Jahre hinweg haltbar. Und außerdem in dermaßen rauen Mengen vorhanden, dass man eine gesamte Armee für ein paar Monate versorgen könnte.«
Ich besah noch ein letztes Mal die Maschine, bevor ich mir den Hamburger vollends einverleibte. »Coole Sache. Die haben also einen McDonalds sowie Restaurants von allen Ländern der Welt und«, ich blätterte noch einmal den Block durch, immer beobachtet von meiner Begleiterin, »scheinbar auch aus dem gesamten Universum, in einen Metallkasten gepackt. Wenn das mal nicht revolutionär ist. Sieht man davon ab, dass man ein paar Milliarden Lebewesen ins Verderbnis stürzt, die plötzlich keine Arbeit mehr haben, weil sie ihr Restaurant schließen müssen. Wozu noch da rein gehen, wenn man alles bei einer einzigen Bar haben kann?«
Das strahlende Lächeln des Mädchens bekam einen leichten Knacks, als sie meine letzten Worte vernahm. »Nun, ja, schon möglich. Aber uns kann´s doch egal sein, oder?«
Ich zog eine Augenbraue hoch, bevor ich mich mit düsterer Miene umwandte und mit mürrischer Stimme im Gehen antwortete: »Uns kann es also egal sein? Das bisschen Sympathie, dass du dir erarbeiten wolltest, ist gerade verloren gegangen.«
 
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Geile Maschine. Die will ich haben.
 
Ja die Maschine wäre wirklich genial. Würd ich mir sofort ins Zimmer stellen.
 
Alle Welt redet über die Maschine, obwohl sie nur Nebendarstellerin ist... krass.
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Einen Moment später spürte ich ihre Hand auf meiner Schulter, als sie mich festhielt. »Was soll das heißen? Ich will mir keine 'Sympathie erarbeiten' -«
»Na klar.« Ich konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, als ich mich zu ihr umwandte und ihr ins überraschte, aber auch ein wenig verärgerte Gesicht sah. »Weißt du, ich habe da so ein Problem, das mir gerade ziemliches Kopfzerbrechen bereitet. Und zwar: wie kann es sein, dass so ein kleines, süßes Mädchen mit genügend Sexappeal, um problemlos im Playboy unterzukommen, sich ausgerechnet an meine Hacken hängt?«
Von meiner geschlossenen Hand, die ich gut sichtbar vor mir hielt, hob sich der Daumen. »Zuerst einmal kennst du hier niemanden und brauchst in irgendeiner Weise scheinbar einen Beschützer, auch wenn ich absolut nicht verstehe, warum. Vielleicht bist du auch hinter etwas anderem her, schlussendlich kommt es auf´s Gleiche raus. Dass du ausgerechnet mich ausgesucht hast, ist nicht unbedingt verwunderlich: ich bin nicht eben schlecht gebaut, und bei deinem Körper hast du dir wahrscheinlich auch noch gedacht, dass es kein Problem sein wird, mich um den Finger zu wickeln. Leichte Beute eben. Dummerweise bin ich keine leichte Beute, zumindest nicht, wenn Mädchen die Jäger sind.«
Der Zeigefinger streckte sich aus und berührte beinahe ihre Nase, als ich fröhlich fort fuhr: »Dann bist du wirklich nett, aber eben nur dann, wenn es gerade mal sein muss. Mich würde mal interessieren, was mit deinen Eltern passiert ist. Haben die dich rausgeschmissen, weil dir alle anderen "egal" waren? Würde mich nicht wundern, bei deinem Egoismus. Du könntest der halben Erde was abgeben und hättest noch mehr als genug für dich übrig, um sagen zu können, dass du die Schönste bist.«
Sie starrte mich mit beinahe entsetzten Augen an. »Aber -«
Der dritte Finger erhob sich und schnitt ihr in der gleichen Bewegung das Wort ab. »Und zu guter Letzt: lass mich, verdammt noch mal, in Ruhe.«
Nach meinen letzten, in einem bedrohlich leisen Ton geäußerten Worten entstand eine kleine Pause, in der niemand von uns beiden etwas sagte. Wir standen uns nur gegenüber und sahen uns an – jeder mit dem Blick, den er für angebracht hielt. Ich hatte einen ernsten aufgesetzt, während aus ihrem einerseits Verwunderung, andererseits die blanke Wut sprach.
Dann, ohne noch etwas zu erwidern, umrundete Sharon mich und stampfte in Richtung Tür. Ich hätte schwören können, dass ein paar der Bretter klagend quietschten und ächzten, als sie darüber hinweg trampelte, und wäre die Tür nicht in der Wand verschwunden, so hätte sie die Pforte unter Garantie mit solch einer Gewalt zugeschlagen, dass sie aus den Angeln gesprungen wäre. So blieb ihr nichts anderes übrig, als mich voller Hass zu betrachten und zu hoffen, dass ich tot umfallen würde. Dann war sie endlich in den Flur getreten und wurde von der stählernen Tür verdeckt, die wieder an ihren vorgesehenen Platz wanderte und dort verharrte.
Kaum dass sie aus den Raum getreten war, wich meine ernste Miene jener des Triumphs. Ich konnte mir selbst ein breites Grinsen nicht verkneifen, auch wenn niemand hier war, um es mit mir zu teilen. Das schlechte Gewissen, Sharon dermaßen nieder gemacht zu haben, wurde gleich darauf von dem Gedanken vertrieben, dass sie mich nur für ihre Zwecke hätte einspannen wollen und nun vielleicht von mir ablassen würde.
Dementsprechend besser gelaunt und mit einem leisen Knurren im Magenbereich, wandte ich mich erneut an die Futtermaschine und bestellte mir per Knopfdruck noch zwei Cheeseburger, bevor ich mich mit meiner dampfenden Ware und auf der Suche nach einem möglichst bequemen Stuhl an einen der Tische setzte.
Gerade, als ich mich mit einem wohligen Seufzer auf den Lippen in die Bank sinken ließ, zischelte es erneut und die Tür ging ein weiteres Mal auf. Als ich hinblickte, erkannte ich einen hochgewachsenen Jungen, den ich bisher noch nie gesehen hatte. Sein Haar war noch ein Stück kürzer als meins, dafür aber genauso dunkelblond. Die braunen Augen betrachteten mich kurz und das etwas in die Länge gezogene Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, während er geradezu übertrieben die Hand zum Gruß hob. Ich nickte ihm nur leicht zu und beobachtete dann, wie er mit interessierter Miene zu der Maschine ging, um im Katalog herum zu blättern. Dabei raschelte das blau-weiß karierte Hemd, welches er trug, leise, und auch die Jeans rieb mit unverkennbaren Geräuschen aneinander. Lederne Schuhe komplettierten sein Aussehen, das alles in allem einen sehr ordentlichen Eindruck machte und dabei beinahe ein wenig Autorität ausstrahlte.
Gleich darauf surrte die Futtermaschine erneut und eine Pfanne aus gebranntem Ton flutschte aus dem Loch heraus. Was sich darin befand, konnte ich noch nicht genau erkennen, aber ich musste nicht lange warten, um es identifizieren zu können, denn der Neuankömmling trat mitsamt seinem Essen zu meinem Tisch und setzte sich mir gegenüber hin.
»Hi.« Sein Grinsen erinnerte mich ein wenig an alte Comics, in denen diese Emotionen immer stark übertrieben dargestellt worden waren. Das Einzige, was bei seinem Anblick noch fehlte, war die Sprechblase, in der ein 'Grins' stand.
»Tag.« Ich konzentrierte mich wieder auf meinem Burger, den ich gerade vertilgte. Er schmeckte wirklich sehr gut, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass Sharon ein wenig geflunkert hatte und es sich hierbei nicht um frische Zutaten, sondern irgend etwas anderem handelte. Ich konnte mir schlichtweg nicht vorstellen, dass genügend Zeugs für all das, was es laut der Betriebsanleitung gab, in die Maschine passte.
»Fastfood, hä?«
Ich nickte nur und zentrierte meinen Blick nach wie vor auf meinem Essen, während ich es in mich hinein schlang. Zwei Bissen später war der Cheeseburger vernichtet, und ich konnte mich wieder auf den Jungen konzentrieren. »Und was isst du?«
»Käsespätzle natürlich!« Mit einem noch breiteren Grinsen als vorher, das von einem Ohr zum anderen reichte, deutete er auf seine Pfanne, in der sich das Besagte befand. Ein köstlicher Duft stieg von ihr auf, und er konnte nicht umhin, mit seiner im Vergleich zum Mund eher kleinen Nase daran zu schnuppern.
Ich langte derweil nach meinem Teller und nahm den zweiten Burger in die Hand. »Warum denn ausgerechnet Käsespätzle?«
»Ich bin Vegetarier.« Wie aus dem Nichts zog er Besteck aus seiner Hosentasche hervor und fing an, seine Nahrung zu vertilgen. »Wie heischt du eigentlisch?«
»Philip Weischel. Sehr erfreut, disch gennen schu lernen.« Ich konnte nicht umhin, mein Gesicht zu einer belustigten Grimasse zu verziehen. »Und du?«
»Birk Schröder. Isch komm ausch Deutschland.«
»Aha.« Auch der zweite Cheeseburger war in meinem Mund verschwunden, und ich fing an, noch einmal meine Finger abzuschlecken. An zwei oder drei hingen noch die letzten Rest von Sesamkörner, Ketchup und Senf. »Komischer Name für einen Deutschen... ich komme auch aus Deutschland.«
»In Nordrhein-Westfahlen ist das ganz normal.« Mit klimpernden Besteck machte er sich gerade daran, ein weiteres Stück seines Essens vom großen Rest zu trennen, um es hinterher zu verspeisen. »Warum bist du hier auf dem Schiff?«
Ich musterte ihn überrascht, bevor ich etwas langsam antwortete: »Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil ich noch keinen Bock hatte, drauf zu gehen.«
»Jaa, genau.« Mein Gegenüber nickte zustimmend, während er Messer und Gabel hinlegte und den fast noch komplett vollen Behälter ansah. »Ich glaube, das hebe ich mir für später auf... jedenfalls, ich wollte auch noch nicht sterben. Das hat ja noch genug Zeit.«
»Kann man wohl sagen.« Mit einem schiefen Lächeln stand ich auf und ging zur Tür voraus, um sie zu öffnen und dann den Jungen hindurch zu lassen, um gleich hinter ihm in den Gang zu treten. »Sag mal, welche Nummer hat dein Zimmer? Ich habe nämlich absolut keine Peilung mehr, wohin ich muss...«
»Ich habe Nummer 43. Und du?«
»Nummer 42, gleich daneben.« Ich ging neben ihm den Korridor entlang, auch wenn ich ihm mehr oder weniger hinterer lief. »Findest du denn wieder hin?«
»Klar doch!« Seine relativ helle Stimme klang dermaßen voller Selbstsicherheit, dass ich gar nicht erst die in die Versuchung kam, daran zu zweifeln. »Gut, gut. Dann latsche ich einfach mal mit dir rum, wenn das dir nichts ausmacht.«
»Nö, warum sollte es denn?« Unsere gedämpften Tritte huschten über den Teppich, während wir den weisen Gang entlang gingen. Ich hatte inzwischen meine Hände wieder in die Hosentaschen gesteckt, wogegen mein neuer Kumpane seine stets hin- und herschlenkerte. »Du kennst doch sicherlich auch diesen Hilz, oder?«
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als wir auf ihn zu sprechen kamen. »Ja, der hat sich in mein Zimmer eingenistet. In seinem schmeißen diese Alien-Meerschweinchen ´ne Party, wie er gesagt hat. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich nehme es einfach mal stark an.«
»Und was hältst du von ihm?«
Ich zuckte nur mit den Achseln, während ich ein wenig überlegte. »Er ist ein recht netter Kerl. Verdammt groß, aber echt nett. Sozusagen ein überdimensionaler Teddybär.«
Der Junge lachte leise auf, als er diesen Vergleich hörte. »So in der Art kam er mir auch vor. Ich denke, mit dem kann man viel Spaß haben, oder?«
»Ich denke, er zieht Probleme an wie das Licht die Motten. Oder Schokolade die Meerschweinchen.« Schmerzlich erinnerte ich mich daran, dass meine letzten Portionen Süßes von den kleinen, gierigen Nagern vernichtet worden waren. »Die fressen ja angeblich absolut alles, aber auf Süßigkeiten sind sie besonders scharf, das steht fest.«
»So, wir sind da.«
»Was?!« Überrascht blickte ich die Wand mir gegenüber an. Tatsächlich öffnete sich eine kleine Ausbuchtung darin, die wiederum von einer der Türen gesichert wurden. Eine große 42 war darauf gemalt, auch wenn die Farbe bereits abblätterte. Etwas verwirrt wandte ich mich erneut an ihn. »Verdammt, wieso war hat das nicht länger gedauert?«
»Hm?« Mit einer erhobenen Augenbraue betrachtete mich mein Gegenüber, während er fragte: »Wie meinst du das?«
»Na, Sharon – ich meine, dieses Mädchen – also, die Zicke aus der USA hat mich vorhin zur Küche begleitet, und wir haben um einiges länger für den Weg gebraucht!«
»Na ja, vielleicht habt ihr ja ´nen kleinen Umweg gemacht?« Sein Grinsen hätte dem eines Honigkuchenpferdchens ohne Probleme Konkurrenz gemacht, als er mich ansah. Wahrscheinlich stieg sofort die Röte in mein Gesicht, zumindest fühlte ich, wie es sich ziemlich stark erhitzte. »Nein, natürlich nicht! Jedenfalls nicht das, was du schon wieder denkst!«
Ob meines Anblicks, der wirklich ziemlich drollig aussehen musste, lachte der Junge erneut in wahrer Comicmanier auf, bevor er mit erheiterter Stimme erwiderte: »Okay. Jedenfalls sind wir da.«
»Ja, das sind wir.« Meine Laune hatte gerade einen Tiefpunkt erreicht, und ohne noch ein weiteres Wort mit ihm zu wechseln, trat ich an meine Kabine heran, holte die Entsicherungskarte aus meiner Hosentasche heraus und zog sie durch den Schlitz, woraufhin sich die Pforte gehorsam öffnete und den Blick auf mein mir nur allzu gut bekanntes Chaos freigab.
 
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Na dann warten wir mal darauf was dem armen Kerl noch so erwartet.

Ach ja, wegen der Geschichte hab ich jetzt Hunger.
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Also erstmal zum negativen
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:
Die Sprache ist oftmals umständlich und "überformuliert". Du brauchst eigentlich nicht jede Person bis aufs kleinste Detail beschreiben. Auch manch andere Formulierung kannst du aufgrund von Übersichtlichkeit und Lesefluss durchaus weglassen. Man braucht zb nicht genau wissen, was alles aufm Boden liegt, es reicht wenns nicht aufgeräumt ist.
Desweiteren erscheinen mir manch kleine Logikfehler vorhanden zu sein (siehe Beiträge vor mir); da vielleicht vorher etwas genauer überlegen ob es ins Gesamtkonzept passt und wie man es logisch erklären könnte.
Auch manche Unstimmigkeiten sind mir aufgefallen, die aber auch im Laufe der Geschichte geklärt werden könnten. Zb warum die Raumstation so verlassen ist. Warum jeder Charakter blonde Haare hat (ich hoffe ich nehme nichts vorweg). Warum sich nur Kinder auffinden lassen und wo die Servicekräfte hin sind. Wieso die Teenies dabei sind, gibt es da eine spezielle Auswahl (es wollen ja sicherlich mehrere Leute weg...). Usw usw. Man muss also noch sehr genau das Grundgerüst ausarbeiten, um eine anständige Story herzubekommen.
Leider fällt mir auch ein wechselnder Schreibstil auf. Manchmal sehr schön ironisch/zynisch/sarkastisch, dann wiederum etwas zu zahm. Das sieht man am besten an Sharon (mal wird sie auf übelste und lustigste beleidigt, dann gibts wieder das happy-family-paket). Mir gerade persönlich gefällt wie die Tussi niedergemacht wird, das ist aber Geschmackssache. Leider läufts wohl wieder auf eine Standard-Liebesgeschichte heraus.

Dennoch muss ich sagen, dass die Grundstory äußerst nett ist und sehr zum weiterlesen verleitet. Viel besser als die Standard-Fantasy-Kost. Gefällt mir bisher sehr gut. Weiter so! Und vor allem noch bitterbösere Kommentare und Seitenhiebe einbauen!
 
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