Zange und Schwert II - Körper und Geist

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Teil 2 der Fortsetzungsgeschichte "Zange und Schwert"
Teil 1 und den Prolog findet ihr weiter unten.

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Zange und Schwert - Teil 2
"Körper und Geist"

Sarah sah aus dem Fenster ihres Zimmers auf die Straße 3 Stockwerke unter ihr. Wie jeden Tag folgte ihr Blick dem alten Mann mit dem Geigenkoffer der unten auf dem Bürgersteig lang ging. Sie malte sich jedes mal aus wo er wohl hin ginge. Mal dachte sie er würde zu einem Orchester gehören. Wieder an einem anderen Tag war er ein Straßenmusiker und heute stellte sie sich vor er würde bei einer Hochzeit musizieren. Sie mochte diese Gedankenspiele, denn dies war das Einzige an Zeitvertreib das ihr geblieben war.Kurz vor der Katastrophe wurde sie von einem Lieferwagen angefahren und lag seitdem Querschnittsgelähmt in einem Krankenzimmer der Klinik, die nun ihr zu Hause war. Man kümmerte sich rührend um sie, ihre Eltern besuchten sie jeden Tag und die Ärzte und Schwestern waren stets freundlich und zu Scherzen aufgelegt. Den Umständen entsprechend ging es ihr gut...

Doch dann war der Tag der Katastrophe da und niemand kam mehr zu ihr. In den Fluren wurde es still. 2 Tage lang lag sie da, ohne Nahrung, Wasser oder auch nur einer menschlichen Seele. Sie war alleine mit sich und ihren Gedanken. Hätte man sie nicht doch noch gefunden wäre sie längst tot. Aber wäre das wirklich schlimmer als ihr jetziger Zustand?

"Saaaraaaah", eine leise fiepsige und doch diabolische Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Sie drehte den Kopf auf dem Kissen in Richtung der Zimmertür in der ein gedrungener Schatten stand. Es war Dr. Gerber, oder zumindest nannte er sich so. Dr. Gerber war die einzige Person, die sich seit der Katastrophe um sie gekümmert hatte, doch sie bezweifelte, dass er wirklich ein Arzt war.

"Hallo, Doktor.", antwortete Sarah müde. "Was gibt es?"
"Ich muss für ein Weilchen weg, aber ich werde zum Frühstück rechtzeitig wieder da sein. Also mach dir keine Sorgen."
"Haben sie inzwischen vielleicht ein Buch im Krankenhaus gefunden oder irgendetwas anderes zum Lesen?", fragte sie ohne Hoffnung auf eine positive Antwort. Sie wurde nicht enttäuscht.
"Oh, das tut mir Leid, Kleines.", Die Anteilnahme des Doktors war unverhohlen schlecht gespielt, aber auch das kannte Sarah bereits von ihm. "Es scheint wirklich alles gestohlen worden zu sein."
Sarah wandte sich von der Tür ab und schaute dem Sonnenuntergang durch den einen Quadratmeter Freiheit zu, der ihr Fenster bildete.

"Ich werde jetzt gehen, lauf nicht weg, Kleines" und mit einem, immer leiser werdenden, heiseren Lachen verschwand er in den Gängen der Klinik.

Sarah war wütend und hätte am liebsten etwas an die Wand geworfen. Doch den letzten Gegenstand in ihrer Reichweite hatte sie bereits vor vier Jahren zur Hand genommen und an der gegenüberliegenden Wand zerschellen lassen. So blieb ihr nur sich zu beruhigen und ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, denn die konnte ihr keiner lähmen, geschweige denn rauben. In ihren Gedanken konnte sie springen, tanzen, rennen. In ihren Gedanken war sie frei...
 
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