Auch dem Genuss alkoholischer Getränke sind wir nicht prinzipiell abgeneigt. Nur
reichlich muss es sein. Die Flüssigkeit darf auch gern ein paar Umdrehungen haben.
Was der Markt nicht hergibt, stellen wir selbst her. Vor allem in den
Schrebergartenanlagen gibt es nach wie vor Interessantes aus dem Hause
»Eigenbrau«, nicht zuletzt jenes Gesöff, welches mir vor ein paar Jahren in der
Kleingartenanlage Engelsburg e.V. in Stahlhausen kredenzt wurde. Ein eher
grobschlächtiger Gartennachbar meiner Eltern kam im Laufe eines zwanglosen
Beisammenseins auf mich zu und sagte: »Samma, du hass doch studiert, ne?«
»Allerdings.«
»Dann trink ma dat hier, dat macht ’n Mann aus dir!«
Mit diesen Worten stellte er eine Colaflasche vor mich hin, die bis zum Hals mit
etwas gefüllt war, das aussah wie der Himmel über dem Krupp-Gelände an einem
wolkenlosen, strahlenden Tag: sehr hellblau. Ich fragte, wie man das Zeug nenne,
und der Nachbar sagte: »Dat? Dat is Wodka Wick-Blau.«
»Entschuldigung«, gab ich zurück. »Ich habe Wodka Wick-Blau verstanden.«
»Genau darum gehdet, Junge.«
Wodka Wick-Blau wird folgendermaßen hergestellt: Man leere eine Ein-Liter-Flasche
Cola, Fanta, Sprite, Lift oder sonst was, spüle sie gründlich aus, kippe 0,7 Liter
Wodka hinein und gebe eine Tüte Wick-Blau-Hustenbonbons hinzu. Das Ganze lasse
man ein paar Stunden stehen und schüttele es von Zeit zu Zeit gut durch – fertig!
Wie das schmeckt? Nun, schmecken ist hier sekundär. Und zunächst passiert auch
mal gar nichts. Das erste Pinnchen rauscht in den Magen, und man hat den Eindruck,
man muss nie wieder husten. Beim zweiten Pinnchen kommen einem erste Zweifel,
und nach dem dritten sieht man plötzlich die Tierchen im Rasen ganz groß, obwohl
man sich gar nicht erinnern kann, umgefallen zu sein.
Und eine letzte Tour Leseprobe Frank Goosen^^