Aus den Augen...

mehr! *sabber*
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das ist echt die packendsde geschichte neben verlorene Wege und heldentum! da muss ich dir echt ein lob aussprechen evi, die geschichte packt mich sogar mehr als die beiden ebend genannten zusammen!

bitte schreib bald weiter!
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Es war ein wundervoller Tag. Die Sonne prangte am blauen Himmel, tauchte den Tag in ihr helles Licht. Bienen summten zwischen dem reichhaltigen Angebot an Blütenkelchen umher, und stritten mit den Schmetterlingen um den Nektar. Die zwitschernden Vögel untermahlten die Situation mit ihren Liedern.
Arlando saß zufrieden pfeifend auf seinem Kutschbock, und hielt die Zügel locker in Händen. Seine Mulies trotteten gemächlichen Schrittes dahin, dankbar das Tempo selbst bestimmen zu können.
Hinter ihm, auf der Ladefläche türmten sich allerlei Güter.
Die Jahre hatten ihn gelehrt, dass man als fahrender Händler für alle Kundenwünsche gewappnet sein musste. So war sein Angebot stetig angewachsen. Da waren Holzschemel, Messersets, Netze, Nähgarn, Stoffe, Felle, kunstvoll gestaltete Truhen zum Aufbewahren von Wertsachen -mit den neusten Schlössern versehen – Gnomenarbeit versteht sich.
Ebenso eine große Auswahl an Waffen. Von Schwertern, Äxten, Dolchen über Bögen und Pfeilen, zu Wurfäxten und -Messern. Aber auch Werkzeuge wie Hämmer, Dreschflegel, Sägen, Scheren.
Von den Außenseiten seines Wagens hingen Töpfe, Pfannen, und Krüge herab welche bei jeder Bodenwelle gegeneinander klirrten, und sein Ankommen schon frühzeitig ankündigten.

So taten sie es auch, als er die Tore von Lohenscheit passierte. Der erwartete Strom von Menschen, welche für Gewöhnlich seinen Wagen umringten und nach der neusten Ware schaute, blieb aus.
Er traf auch auf dem Weg zum Dorfplatz auf nur wenige Passanten. Wenn er sie freundlich grüßte, senkten sie nach knappem Nicken ihre Köpfe, und gingen weiter ihrer Arbeit nach.
Als Arlando seinen angestammten Platz erreicht hatte, begann er seinen Wagen abzuladen, und seine Verkaufstische aufzustellen.
Spätestens jetzt, hätte er einen Kundenauflauf erwartet, denn wenn er auch versuchte ein breit gefächertes Sortiment feil zu bieten, so war doch bekannt, dass er die Ware nicht in unbegrenzter Anzahl zur Verfügung hatte. Was bedeutete, dass meist schon beim Abladen, heftige Diskussionen um seine Ware entbrannten, die nicht selten sogar in Schlägereien endeten.
Doch heute war offenbar nicht sein Tag. Die Passanten schienen so in ihre eigenen Gedanken versunken, dass sie ihn gar nicht bemerkten. Wenn er dann, in bester Markschreiermanier, versuchte ihre Aufmerksamkeit mit einem Spruch auf sich zu lenken, schraken sie sogar zusammen, und gingen nur noch schneller vorbei.

Nach drei Stunden hatte er gerade einmal ein Topf und zwei Messer verkauft.
Das war mehr als bescheiden.
Da sich keine Veränderung abzeichnete, beschloss Arlando heute seinen Laden früher als geplant zu schließen. Er räumte die Tische ab. Verstaute alles wieder auf seinem Wagen, und parkte diesen dann neben dem Wirtshaus „Zum durstigen Wanderer“. Die Mulis gab er in die Obhut des Stallburschen und warf ihm zwei Silberstücke aus seinem Beutel zu, die jener mit breitem Grinsen in einer Tasche seiner dreckigen Hosen verschwinden ließ.
Arlando hoffte, dass er sich dafür gut um die Tiere kümmern würde, auch wenn diese sich bockig gegeben hatten. Silber, so wusste Arlando, war das beste Motivationsmittel für junge Burschen wie diesen.

Als Arlando den Schankraum betrat, schlug ihm abgestandene Luft entgegen. Schaler Tabakqualm vom Vorabend, vermischt mit dem Geruch nach Bier und Wein, in jedweder Ausführung. Der verheißungsvolle Duft der den Fässern entströmte, die vergorenen Reste die auf Boden und Bar klebten, sowie die Ausdünstungen der Trinker selbst.
Arlando fühlte sich sofort heimisch. Genau so mochte er es am liebsten.

Er ging zum Tresen, hinter dem der Wirt des Hauses gerade dabei war die Humpen auszuspülen.
Der Wirt, ein Fassrunder Gesell, mit dickem Schnauzbart, und roter Trinkernase, hatte bei Arlandos eintreten aufgeschaut, und schien noch nicht recht zu wissen was er von dessen eintreten halten sollte.
Als Arlando jedoch in den Beutel an seiner Seite griff und kurz darauf ein blitzendes Silberstück auf den Tresen legte, gefolgt von der Bitte nach einem Humpen Bier, zeigte sich unter dem Schnauzer ein breites Grinsen.
Das erste Bier trank Arlando schweigend mit nur zwei Zügen leer, und bestellte Nachschub.
Wenn er hier schon nicht richtig seine Waren absetzten konnte, würde er sich wenigstens einen anständigen Rausch gönnen.

„Was führt euch in diese Gegend? Ihr seid Händler, was?“, brach der Wirt das Schweigen als Arlando gerade bei seinem dritten Bier angelangt war.
„Ja, so sagt man. Allerdings seid ihr mit der Einzige der mich heute so behandelt. Der Rest eures Dorfes hat mich kaum eines Blickes gewürdigt. Schienen irgendwie abwesend fast verängstigt.“, erwiderte Arlando.
„Tja, Verängstigt. Das dürfte es wohl am Besten beschreiben. Was aber wohl kaum verwunderlich ist, nachdem was wir durchgemacht haben.“, der Wirt lachte derb, wirkte auf Arlando allerdings nicht wirklich amüsiert.
„Wieso? Es ist doch hoffentlich nicht die Seuche bei euch ausgebrochen?“. Arlando hoffte dies weniger für den Ort, denn für sich selbst. Erstens hatte er keine Lust als untoter Zombie zu enden, und andererseits war nur wenig schlechter für das Geschäft als das Auftauchen der Geißel.
„Nein, die Geißel lässt sich hier so gut wie nie Blicken. Der Greymanewall scheint sie fern zu halten. Allerdings war unser Besuch auch nicht viel besser. Ihr kommt doch weit herum, habt ihr noch nichts von den Worgen gehört?“, beim letzten Satz beugte er sich ein Stück zu Arlando vor und senkte die Stimme.

Er hatte von den Worgen gehört.
Nun ja, er hatte von Worgen gehört. Es ging das Gerücht um, dass eine Armee auf dem Weg nach Lorderon sei, angeführt von einem Magier aus Dalaran, der mit ihrer Hilfe die alte Hauptstadt von der Geißel befreien wolle. Hatte es jedoch kurzerhand als Dorfgeschwätz abgetan und sich nicht näher damit beschäftigt.
Doch was der Wirt dann begann ihm zu berichten, klang nach mehr als einer aufgebauschten Kindergeschichte.

Er behauptete Worgen seien nach Lohenscheit gekommen, hatten aber keinen Einlass erhalten. Seien erst abgezogen, dann jedoch in der Nacht wieder gekehrt und hatten ein schreckliches Gemetzel unter der Bevölkerung angerichtet. Wen sie am Leben ließen trieben sie auf dem Dorfplatz zusammen, und dann waren sie über die Wehrlosen hergefallen.
Arlandos Einwand, wie es möglich war, dass Brega – mittlerweile waren sie beim Du angelangt - behauptete selbst dabei gewesen zu sein, und nun hier stehen und ihm berichten konnte, entkräftete dieser in dem er sein Hemd anhob und eine vernarbte Bisswunde an seiner Schulter enthüllte.
„Wir dachten diese Bestien würden uns töten!“, berichtete Brega dessen Augen reges Zeugnis ablegten, dass er innerlich die Vorgänge noch einmal durchlebte. „Und dann, als wir dachten alles sei verloren, zogen sie plötzlich ab. Ließen uns in unserem Blut zurück. Viele hatten weit schlimmere Verletzungen als ich davon getragen.“, missmutig verzog er den Mund als er sich zurück erinnerte. „Aber wir starben nicht! Keiner derer die noch lebten, als die Worgen abzogen erlag seinen Verletzungen. Zuerst glaubten wir, wir hätten uns die Seuche eingefangen, die uns zu Monstern machte. Zu Guhlen oder Zombies. Doch anders als bei diesen, heilten unsere Wunden. Keiner kann es verstehen. Es ist wie ein fauler Zauber. Doch wer würde sich beschweren, wenn doch als Alternative nur der Tod bleibt?“
Brega blickte Arlando erwartungsvoll an, als er geendet hatte.
Hoffnung stand in seinen Augen.
Hoffnung das Arlando ihm glauben würde.
Hoffnung, dass er ihm alles erklären könnte, worauf er selbst keine Antworten hatte.
Doch Arlando konnte es nicht.
Während Bregas Ausführungen war er stets zwischen Verwunderung und Unglaube geschwankt.
Worgen, wilde Bestien aus Kindergeschichten. Die erst angriffen und dann verschwanden. Es klang einfach zu verrückt. Es wäre immer noch genug Zeit daran zu glauben wenn er es mit eigenen Augen gesehen hätte, und darauf konnte Arlando gerne verzichten.

Ein Blick durchs Kneipenfenster zeigte ihm, dass die Dämmerung bereits herein gebrochen war. Er beschloss die Nacht hier zu verbringen und erst am nächsten Tag weiter zu ziehen.
Auch in relativ hellen Vollmondnächten war es nicht ratsam einen beladenen Wagen über die schlecht ausgebauten Straßen der Außenbezirke zu lenken.
Schon gar nicht, wenn die, wenn auch kleine Wahrscheinlichkeit bestand, dass Worgen die dichten Wälder seitens der Wege durchstreiften.

Er ließ sich von Brega die Rechnung für Zimmer und Getränke machen, zahlte etwas über Gebühr als dank für die Unterhaltung und begab sich dann, Bregas Anweisungen folgende, die Treppe nach oben in seine Kammer.

Er hatte gerade seine Kleidung bis auf die Unterhose abgelegt und begonnen sich an einem Waschzuber, den eine Magd gebracht hatte, frisch zu machen, als ein langgezogenes Heulen durch die Nacht hallte.

To be continued…

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
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Arlando schrak zusammen.
Dann lachte er über sich selbst.
Ein Heulen; An jedem anderen Tag hätte er es kaum wahrgenommen. Immerhin war es nicht ungewöhnlich in Azeroth auf Wölfe zu treffen.
Er schlüpfte ins Bett, und dachte noch einmal über die Geschichte Bregas nach.
Worgen, pah. Er hüllte sich tief in die Decken und schloss die Augen.
Ein erneutes Heulen drang durch die Nacht.
Diesmal deutlich näher.
Arlandos Augen sprangen auf und er lauschte angespannt.
Was, wenn der Wirt doch die Wahrheit gesagt hatte?
War es möglich, dass die Worgen zurück kämen um ihr Werk zu vollenden?
Sein Atem ging flach, die Nacht lag still.
Zu still.

Ein Klapperndes Geräusch vor dem „durstigen Wanderer“ drang an sein Ohr.
Machte sich da etwa jemand an seinem Wagen zu schaffen?
Mit einem Sprung war er aus dem Bett und eilte ans Fenster.
Der nur vom Mondlicht erhellte Platz lag voller Schatten.
Sein beladener Wagen war nur ein dunkler Hügel.
Alles war ruhig.

Seine Augen gewöhnten sich mehr und mehr an die Lichtverhältnisse, und plötzlich glaubte er eine Bewegung hinter dem Wagen auszumachen.
Wenn diese Dörfler glaubten, sie könnten ihn erst ignorieren und nun auch noch bestehlen, hatten sie sich geschnitten.
Immer hin war er Arlando.
Stammte einem alten Händlergeschlecht ab, und war schon mit ganz anderen fertig geworden.
Er riss das Fenster auf.

„Weg da von meinem Wagen!
Ich schwöre dir, wenn du nicht sofort zusiehst, dass du Land gewinnst, komm ich runter und dann gnade die Elune!“, schrie er so laut er konnte.
Und durch seine Tage als Marktschreier war diese Lautstärke beträchtlich.
Der Schemen zuckte beim Klang seiner Stimme zusammen, machte jedoch keinerlei Anstallten zu fliehen.
Na wenigstens hatte er offenbar die Aufmerksamkeit des Tunichtguts geweckt.
„Ich kann dich genau sehen! Hau ab du, oder ich…“
Arlando verstummte mitten im Satz als plötzlich ein goldenes Augenpaar in der Nacht aufflackerte.
Ganz so wie er es von Katzen kannte.
Was ihm jedoch Schauder über den Rücken jagte, war die Tatsache, dass diese Katze über zwei Meter groß sein musste.

Halbherzig klatschte er in die Hände.
Hoffte sein Wahrnehmung habe ihm einen Streich gespielt hatte und die „Katze“ auf seinem Wagen säße, und nur daher so groß wirkte.
Dann tauchte das Flackern allerdings nocheinmal auf, im Freiraum zwischen Wagen und Wand.
Näher bei ihm, blieb es jedoch in der gleichen Höhe.
Sein Gefühl der Wut, über den unbefugten Zugriff auf seinen Wagen, schlug um in Beklemmung.
Plötzlich fühlte er sich beobachtet, und wünschte er wäre im Bett geblieben.
Er schlug das Fenster zu und eilte aus dem Zimmer.
Er musste die anderen informieren.
Hilfe holen.

Er stieg die Holztreppe so schnell hinab, dass er bereits den Schankraum erreicht hatte, als er gerade dabei war sein Hemd überzuwerfen, welches er im vorbei eilen vom Stuhl neben seiner Zimmertür aufgeklaubt hatte.
Natürlich war der Schankraum leer.
Brega lag sicher bereits schlafend in seinem Bett.

Arlando eilte die Treppe wieder hinauf und schaute sich um.
Vom Flur, auf dem die Tür zu seinem Zimmer lag, gingen noch vier weitere ab. Die Gästezimmer waren jedoch nicht belegt, und die Türen waren nur angelehnt.
Am Ende des Ganges führte eine Treppe nach oben. Dort mussten Bregas Gemächer liegen.
Kurzerhand eilte Arlando nach oben. Bregas Zimmer war nicht verschlossen.

Brega hatte es geräumig.
Circa viermal so groß wie Arlandos Gästezimmer war das seine.
Ein dunkles Bett aus Nussbaumholz dominierte den Raum. Ein ausladender Schrank bedeckte die Hälfte der Wand gegenüber.
An den Wänden hingen Bilder die offenbar Bregas Vorfahren zeigten.
Die Verwandtschaft ließ sich nicht leugnen. In allen Gesichtern prangte die rote Trinkernase.
Den Dielenboden bedeckte ein dicker Teppich.
Überall lagen Dinge herum die Brega wohl von Gästen über die Jahre geschenkt bekommen hatte.
Doch Arlando hatte für all dies keinen Blick.
Er eilte zu Bregas Bett.
Es war leer.
Wo konnte er nur sein?

Arlando verließ das Zimmer, eilte die Treppen wieder hinunter.
Er bog nicht in den Schankraum ab, sondern folgte der Treppe noch eine Etage tiefer.
Der Keller war kühl und roch modrig. Arlando erhaschte im Dämmerlicht einen Blick auf mehrere Weinfässer die dick mit Staub bedeckt waren.
Der Beginn von Bregas Weinkeller. An der linken Wand hing eine kleine Öllampe neben einer Holztür. Das musste das Zimmer des Dienstmädchens sein.

Arlando klopfte.
Nichts.
Er klopfte erneut.
Gerade als er schon wieder nach oben eilen wollte, vernahm er eine verschlafene Stimme.
„Was ist denn? Brega bist du das? Falls ja, geh wieder nach oben und schlaf deinen Rausch aus. Ich habe dir gesagt, ich will das nicht mehr!“
„Ähmm… nein ich bin es. Arlando, der Gast dem sie vorhin den Waschzuber bereiteten.", als eine Antwort ausblieb fuhr er energisch fort: "Machen sie auf! Irgendetwas geht vor dem Haus vor, und ich kann Brega nicht finden!“
Arlando hörte ein leises Stöhnen, gefolgt von nackten Füßen auf Steinboden.
Ein Schlüssel wurde gedreht, und die Tür einen Spalt breit geöffnet.
Das verschlafene Gesicht der Magd wurde im Spalt sichtbar.
Ihr Haar stand wild in alle Richtungen und sie blinzelte müde.
„Der alte Trunkenbold ist sicher seinen Rausch ausschlafen gegangen. Wird wieder schnarchend und stinkend in seinem Zimmer liegen. Da bekommen sie ihn nicht wach. Auch nicht wenn sie die Tür eintreten würden.“, Verachtung lag in ihrer Stimme.
„Nein, nein. Ich war bereits in seinem Zimmer. Es war leer, und auch nicht verschlossen. Ganz so als wäre er gar nicht dort gewesen. Ich hatte etwas an meinem Wagen bemerkt. Irgendetwas … Großes.“, Arlando wollte seine Ängste nicht aussprechen.
Hatte Angst sie würde ihn auslachen.
„Sie meinen…“, er konnte sehen ihrem Gesicht alle Farbe wich.
Sie begann am ganzen Leib zu zittern. „Sie meinen die…“, ihre Augen nahmen den gleichen Ausdruck an, wie die Bregas als er von dem Gräuel berichtet hatte, welchem sie beim Angriff der Worgen ausgesetzt gewesen waren.
Die schiere Panik in ihrem Blick, tilgte die letzten Zweifel die Arlando an Bregas Geschichte geblieben waren.
Irgendwo im Haus ging eine Scheibe klirrend zu Bruch.
Beide erstarrten.

„Da ist etwas im Haus.“, sie war ein wimmerndes Häufchen Elend. Tränen blitzten in ihren Augen.
Ihre Angst weckte Arlandos Beschützerinstinkt.
Sie war ein schönes Mädchen.
Ihr volles braunes Haar, war ihm schon bei ihrer ersten Begegnung aufgefallen, doch nun gab ihr Nachthemd den Blick auf die sanfte Rundung ihres Busens frei. Makellos und weis war ihre Haut, und schien zart wie ein Pfirsich.
Mit einem Kopfschütteln vertrieb er diese Art von Gedanken.
Es gab gerade wichtigeres.
Vielleicht würde sie ihm ja einen Platz in ihrem Gemach anbieten, wenn er Heldenhaft genug war.
Nein diese Gedanken brachten ihn wirklich nicht weiter.

Er schaute sich um, und entdeckte einen langen Holzprügel, den Brega wohl zum anzapfen der großen Fässer verwendete.
Arlando schnappte ihn sich und schwang ihn einige Male hin und her.
Er lag gut in der Hand.
Kein Schwert, aber immerhin etwas.

Eine knarrende Bodendiele erinnerte sie an den unliebsamen Besucher.
„Wie heißt ihr eigentlich?“, fragte Arlando.
„Marla.“, war die kleinlaute Antwort.

„Hör mir zu Marla. Ich werde auf dich aufpassen. Wir gehen jetzt nach oben und sehen nach was da los ist.“
Marlas Augen wurden groß. Sie wollte zurück in ihr Zimmer schlüpfen.
Arlando packte sie sanft am Arm und hielt sie zurück.
„Wahrscheinlich ist es eh nur Brega der auf der Suche nach einem weiteren Krug durch die Schankstube schlurft. Dann sitzen wir in wenigen Minuten lachend zusammen und amüsieren uns, wie ängstlich wir waren. Aber wir sollten uns jetzt auf keinen Fall trennen.“
Arlando hoffte er würde recht behalten.

Marla dicht hinter sich, den Prügel hoch erhoben, schlich er die Kellertreppe nach oben.
Als sie den Schankraum erreichten war dieser leer.
Wen immer sie gehört hatten, er war offenbar in die Küche weiter gezogen.
Von dort ertönte Geklapper von Töpfen.
Arlandos Hoffnung stieg, dass es wirklich Brega war, der Lust auf einen Mitternachtsimbiss verspürte.
Sein Herz schlug im bis zum Hals.
Marla klammerte sich von hinten in sein Hemd. Ihr Atem ging flach und schnell.
Den Prügel fest mit seinen schweißnassen Händen umklammernd, ging Arlando auf die Tür zur Küche zu.
Wenn Brega nun aus der Küche käme, mit einem Mitternachtsimbiss, und sie so würde stehen sehen, er würde sie wohl Auslachen.

Er hatte allem Anschein nach etwas zu essen gefunden, denn Schmatzgeräusche drangen aus dem Dunkel.
Dem Geräusch nach, aß Brega wie ein Schwein.

Arlando verharrte vor dem Tresen.
„Brega?!“, rief er leise, nicht mehr als ein Flüstern.
Marla krallte sich, ob der unerwarteten Laute, noch fester in sein Hemd.
„Nicht.“, jammerte sie.
„Keine Angst, wer immer es ist, ich trete ihm lieber hier im Licht als da drin in der Dunkelheit gegenüber.“, Arlandos Stimme war nur in Flüstern. Doch versuchte er Zuversicht in sie zu legen.
„Brega!?“, diesmal lauter.
Das Schmatzen verstummte.

Für einen Moment glaubte Arlando ein Aufblitzen in der Finsternis auszumachen.
Doch da war es auch schon wieder verschwunden.
Keine Antwort ertönte.
Arlando packte den Knüppel fester, schlagbereit.
Nur das Knarren von Dielen kündete von Bewegung in der Küche.
Marla kauerte hinter ihm.
Dann schwang die Küchentür zur Seite.
Brega trat in den Schankraum.
Zumindest trug er Bregas Kleidung.

Die lederne Schürze war das einzige Kleidungsstück, das ihm noch halbwegs passte.
Sein Leinenhemd war an den Schultern zerrissen und gab den Blick auf braunes Fell frei.
Seine Hosen waren ihm zu kurz und aus Schuhe, welche Arlando an zerplatzte Bananen erinnerten, ragten Klauen an riesigen Pranken hervor.
Der Kopf war der eines Worgen.
Genau so wie ihn sich Arlando in den Alpträumen seiner Kindheit ausgemalt hatte.

Gieriger Blick unter buschigen Brauen.
Messerscharfe Zähne in Sabber triefenden Lefzen.
Wache Ohren, die wie bei aggressiven Hunden zurück gelegt waren.
Die Messerscharfen Klauen, die einst seine Hände waren, angriffsbereit.

Hinter Arlando stieß Marla einen Schrei des Entsetzens aus.
Auf ihren Schrei hin passierte alles ganz schnell.
Brega schnellte nach vorne, und setzte mit einem Sprung über den Tresen hinweg.
Arlando, von Marlas Schrei aus der Schreckensstarre erlöst, schwang den Prügel und erwischte Brega, oder was er nun war, direkt am Kopf.
Krachend traf die Holzkeule auf die Seite des Schädels.

Arlando hatte all seine Kraft in den Schlag gelegt.
Die Energie reichte aus Bregas Schwung aufzuheben, und er knallte vor Arlando und Marla auf die Dielen.
Bewusstlos blieb er dort liegen.
Seine Zunge hing ihm aus dem Maul.
Blut rann aus einer Wunde über seinem rechten Auge.

Arlando stand da wie gelähmt und starrte auf den gewaltigen Worgen vor ihm.
Brega hatte also nicht gelogen.
Es gab die Worgen wirklich.
Aber warum hatte Brega ihn gewarnt, wenn er doch offenbar selber einer von ihnen war.
Die wie wild an seinem Hemd reißende Marla holte Arlando zurück in das hier und jetzt.

„Wir müssen hier weg, hier weg…“, Marla flehte.
Gerade als Arlando sich umwante, packte ihn etwas am Fuß.
Er schaute nach unten und entdeckte mit entsetzten, dass Bregas Klaue seine Wade umklammerte.
Er schaute zu dem Worg zurück, dessen Augen wieder offen waren.
Er kam langsam zu sich.

Arlando dachte nicht eine Sekunde nach.
Er holte aus, und hieb in weitem Bogen auf Bregas Kopf.
Dumpf prallte der Prügel auf die Schädeldecke des Worgen. Seine Augen wurden wieder glasig. Der Griff um sein Bein lockerte sich leicht.
Wieder schwang er die Keule.
Wieder und wieder und wieder, verfiel in einen Rausch.
Obwohl schon beim fünften Schlag, die Schädeldecke mit einem widerlichen Krachen nachgab, und Blut aus der Nase, welche einst die von Brega gewesen war schoss, schlug er wieder und wieder zu, bis der Kopf des Worgen kaum noch als ebensolcher zu erkennen war.
Erst dann ließ das Adrenalin in seinen Adern nach, und er bekam wieder etwas von seiner Umwelt mit.

Marla war während seiner Attacke zurück gewichen.
Sie kauerte schreiend und weinend in der Ecke hinter ihm.
Er hatte sie gar nicht gehört.
Als er auf sie zukam, den Prügel an dessen Ende noch Reste von Brega hingen, in der Hand. Wich sie verängstigt zurück.

„Keine Zeit jetzt zu trauern.“, sagte er knapp. „Wir müssen hier weg. Wer weiß ob sich nicht noch mehr von denen hier herum treiben.“ Er packte nach ihrer Hand und zog sie auf die Füße.
„Bleib hinter mir!“, war seine knappe Anweisung als er die Tür öffnete und auf die Veranda vor dem Wirtshaus trat.

Als Arlando seinen Blick über den Platz gleiten ließ, sank sein Herz.
Aus zwei der Gassen die auf den Dorfplatz führten, traten Worgen ins Mondlicht.
„Bleib zurück! Da sind noch mehr dieser Biester!“, zischte er zu Marla und dreht sich um, im Bestreben ins Haus zurück zu kehren.

Marla stand da und starrte über seine Schulter.
Ihre Augen hatten einen merkwürdigen Schimmer angenommen.
Arlando folgte ihrem Blick.
Sie beobachtete den Mond.
„Mädchen das ist nicht der richtige Moment!“, fuhr er sie an, gerade als sie sich zusammen krümmte. „Marla, dreh jetzt nicht durch!“, sagte er scharf, packte sie an den Schultern und wollte sie aufrichten.
Da fiel sein Blick auf ihren Nacken.
Wie im Zeitraffer schossen Haare aus ihrer Haut.
Knochen knackten unter ihrer Haut.
Dann krümmte sie sich nach hinten, und legte dabei den Kopf in den Nacken.
Mit aufgerissenen Augen starrt Arlando fassungslos auf ihr ehemals hübsches Gesicht, das sich grotesk verzerrte.
Ihre Eckzähne wuchsen, und ihre Nase verformte sich.

„Oh, mist!“, entfuhr es ihm und er ergriff die Flucht.
Er musste die Stallungen erreichen. Auf seinen eigenen Beinen hatte er keinerlei Chance.
Ein Schulterblick zeigt ihm, dass auch die Worgen, die den Platz betreten hatten, ihn durchaus bemerkt hatten.
Sie kamen.

Er rannte um sein Leben.
Wenn er es schaffte auf ein Pferd zu springen, hatte er eine Chance.
Er war immer ein guter Reiter gewesen. Schon als Kind. Sattel hin oder her.

Er bog um die Ecke des „durstigen Wanderers“ und hielt auf die Ställe zu.
Perfekt die Tür war nicht verschlossen, stand sogar leicht offen.
Ohne anzuhalten rannte er direkt hinein.
Keine Zeit verlieren.
Es mochte an dem durch seine Adern schießenden Blut gelegen haben.
Vielleicht war es auch der Lärm seiner gehetzten Schritte.
Was auch immer es war, er hörte das Schmatzen erst viel zu spät.
Da stand er bereits vor der Boxentür und starrte fassungslos auf den schwarzen Rappen, der in seinem eigenen Blut lag.
Über ihm, an seinem Hals nagend, kauerte ein grauer Worg.
Arlando erkannte an den Resten seiner Kleidung, den Stallburschen wieder, dem er die zwei Silberstücke zugeworfen hatte.
Die ehemals nur dreckige Hose, hing nun in Fetzen von seinen muskulösen Beinen.

Der Worg fuhr zu ihm herum und zeigte seine blutroten Zähne.
Sabber und Blut rannen als zähe Masse durch das Fell an seinem Hals.
Die Augen blitzen in Blutgier.

Arlando wandte sich um und wollte fliehen.
Doch auch am Stalleingang, stand bereits ein Worg.
Ein Worg, in der Keidung Marlas.
Es gab keine Anzeichen, dass sie in ihm noch mehr sah als Nahrung.

Gehetzt schaute er von links nach rechts, suchte einen Ausweg.
Plötzlich erkannte er, dass außer ihm und den zwei Worgen, nichts mehr im Stall am Leben war.
Seine Mulies lagen mit zerfetzten Kehlen in einer der Boxen.
Einem Pferd, fehlte sogar ein Vorderlauf.
Ein Geräusch ließ ihn aufsehen.

Von der Galerie über den Pferdeboxen, wo Heu und Stroh gelagert wurden, blitzten mehrere goldene Augenpaare aus massigen Schatten zu ihm herab.
Arlandos Kehle entwand sich ein sarkastisches Lachen.
Es wuchs an, und hallte durch die Nacht.
Hallte dahin, bis es erstarb.
Dann war nichts mehr zu hören, außer einem leisen Schmatzen. Begleitet von einem Knurren und Kläffen.

Mit Arlando, war auch das letzte menschliche Leben aus Lohenscheit verschwunden.

Flinnegar der von der Palisade aus den Dorf überblickte, stieß ein langgezogenes Heulen aus.
Von überall im Dorf erhielt er Antwort.
Dann sprang er los, und lief in den Wald.
Gamrei würde äußerst zufrieden sein.

To be continued…

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
wie immer super der teil =)
(ok der war hier vlt besonders gut, sehr spannend jedenfals!)
 
Fast zwei Dekaden waren verstrichen, seit den traumatischen Ereignissen in Lohenscheit, und doch lag noch immer ihr dunkler Schatten über Ellenora.
Ihre Seele hatte eine tiefe Wunde erlitten in jener Nacht.
Jener Nacht, in der sie eine Waise geworden war.
Unauslöschlich, gingen mit den schönen Erinnerungen an ihre Kindheit, stets auch jene einher wie sie alleine und verängstigt durch die Lohenscheit umgebenden Wälder gerannt war.
Weinend, und erfüllt vom Glaube an den sicheren Tod.

Der Nebel hatte wie Watte gewirkt, so dicht war er.
So hatte ihre Kleidung, bald von ihm klamm und von den Büschen zerrissen, wenig Schutz vor der Kälte der Nacht geboten.
Aber am schlimmsten waren mit Abstand die Geräusche.
Noch immer jagten Schauder über Ellenoras Rücken wenn sie sich erinnerte.
Sogar die Käuze, deren schauriger Ruf sie unter normalen Bedingungen zu Tode geängstigt hätte, hatten eine willkommene Abwechslung dargestellt.
Die Laute, welche aus Lohenscheit ertönten waren viel schlimmer gewesen.
Schreie, Wimmern, Todesqual.
Am schlimmsten waren die Schreie, bei denen Ellenora glaubte die Stimmen zu erkennen.

Zu Anfang hatte sie sich am Waldrand hinter einen Baum gekauert, und auf Framiers Rückkehr gewartet.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sie ständig zwischen Hoffen und Verzweifeln schwankte, erhob sich aus Lohenscheit ein solch unglaubliches Crescendo der Qual, dass sie es nicht mehr aushielt.
Begleitet vom Geschrei aus dutzenden Kehlen, rannte sie tiefer in den Wald hinein.
Tiefer und tiefer.
Wollte nur weg von hier.
Tränen rannen von ihren Wangen und tropften ihr Kinn hinab.
Sie konnte nicht mehr sagen wie weit sie gelaufen war.
Jedenfalls so lange, bis ihre Beine den Dienst versagten und sie auf dem moosigen Waldboden zusammen gebrochen war.
Dort war sie liegen geblieben. Die Beine bis zur Brust angezogen, und war bald darauf leise wimmernd eingeschlafen.

Sie hatte nicht damit gerechnet wieder zu erwachen.
Wenn nicht den Worgen, so gab es viele andere Tiere in Azeroths Wäldern, denen sie zum Snack gereicht hätte.
Doch irgendeine Höhere Macht musste ihr wohl gesonnen sein, denn das einzige Tier, welches am Morgen auf ihrer Lichtung stand war ein Reh.
Seine friedlichen Augen, seine wachsamen Ohren und die elegante Gestallt war die letzte Erinnerung an die sich Ellenora noch erinnern konnte.

Die Tage danach, als sie dreckig und frierend den Wald durchstreifte, vom Hunger fast wahnsinnig, schien in ihrer Erinnerung wie hinter einem Vorhang verborgen.
Dieser lüftete sich erst als Miras sie fand.

Wäre er nicht gewesen, Ellenora wäre wohl gestorben. Ihr Wille war fast erschöpft, als er plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht war.
Auf seinem Pferd, in leichter Kettenrüstung, mit hoch erhobener Lanze an der sein Wimpel flatterte, war er Ellenora wie ein Prinz erschienen.
Mit offenem Mund hatte sie da gestanden und ihn betrachtet.
Geradezu dämlich musste sie gewirkt haben, denn sie war so gebannt, dass sie zu Anfang gar nicht auf seine Fragen antwortete.
Wer sie sei. Wo sie herkomme.
Doch Miras hatte ihre Notlage erkannt. Hatte ihr die Hand gereicht, und sie auf sein Pferd gehoben.
Was passiert war, könne sie ihm bei einer deftigen Suppe und einem anständigen Kanten Brot erzählen, meinte er, und Ellenoras Magen zog sich auch nach all den Jahren noch freudig zusammen wenn sie zurück dachte.

Und so kam es, dass Ellenora ins Flüchtlingslager am Greymanewall einzog.
Auf Westwinds Rücken - so nannte Miras seinen Schecken.
Geborgen in Miras Armen, fühlte sie zum ersten Mal, seit der verhängnisvollen Nacht in Lohenscheit, wieder Friede.

Miras kümmerte sich liebevoll um sie.
Besorgte ihr neue Kleidung und die versprochene Suppe.
Obgleich es eine ganze Weile dauerte, bis sie das Schweigen über die Ereignisse brach, welche sie hergeführt hatten, war er geduldig und drängt sie nie.
Ellenora war ihm sehr dankbar.

„Dort musst du nie wieder hin. Das verspreche ich dir.“, hatte er einst versucht sie zu trösten, als sie nach einem Alptraum, in dem sie von Worgen durch Lohenscheit gejagt worden war, weinend in seinen Armen lag.
Doch Ellenora wusste es besser.
Sie hatte es sich selbst geschworen.
Sie würde zurück kehren, und sie würde die Worgen bereuen lassen.

To be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Also mir gefällt dieser Teil am besten ..so schön stimmig die Übergänge
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Ein Mensch hätte den Schatten wohl einfach übersehen.
Hätte die leichte Abstufung in der Dunkelheit gar nicht bemerkt.
Doch für Arled galten keine menschlichen Beschränkungen mehr.
Es war für seine Beute unmöglich sich auf diese kurze Distanz vor ihm zu verbergen.

Seine Augen waren perfekt an das Sehen bei Mondlicht angepasst.
Was diese nicht erkannten, wurde durch seinen Geruchsinn ergänzt.
Und sollte selbst dies nicht ausreichen, hatte er ja immer noch seine Ohren.
Es überwältigte ihn noch immer wie fein sein Gehör war.
Wenn er sich konzentrierte, war er selbst in der Lage die unter ihm durch die Erde gleitenden Regenwürmer zu vernehmen.
Und nun saß da dieser fette Braten, duckte sich an einen Baumstamm und glaubte seiner Aufmerksamkeit so zu entgehen.
Wut kochte in ihm.
Und Gier, gier nach Fleisch, nach Blut.

Flugur kauerte neben ihm.
Arled konnte an der Art wie er roch erkennen, dass auch er seinen Angriff kaum noch zurückhalten konnte.
Er roch, erwartungsvoll.
Arled wusste instinktiv, dass er nicht zuerst losschlagen durfte.
Allein beim Gedanken daran, spürte er wieder Flugurs Zähne an seiner Kehle.
Sein Maul leicht geöffnet, atmete er in kurzen schnellen Atemzügen.
Seine olfaktorische Wahrnehmung erreichte auf diese Weise ihren Höhepunkt.
Milliarden und Abermilliarden Geruchs und Geschmackzellen schickten ihre Informationen an sein Hirn.
Die Welt wurde vor seinem inneren Auge in Farben getaucht.
Seine Beute war nun mehr denn nur „gut“ erkennbar.
Sie leuchtete rotorange vor der ansonsten dunklen Landschaft.
Der braune Baumstamm, wirke fast wie ein Pfeil, der auf seine Beute zeigt.

Offenbar hatte auch ihr Opfer etwas gewittert.
Das leise ausgestoßene Blöken dröhnte durch seine Ohren und drang in die Tiefen seines Verstandes.
Irgendwo in seinem tiefsten Innern regte sich etwas.
Ging jedoch in den Wellen des Jagdtriebs und der Blutgier verloren, wie ein über Bord gespülter Seemann in der aufgepeitschten See.
Arleds Ohren zuckten nervös umher.
Ihr Opfer konnte nicht entfliehen. Ein Zaun versperrte ihm die Fluchtwege nach allen Richtungen.
Warum gab Flugur nicht endlich das Zeichen zum Angriff?


Kein Zweifel, Esmeralda wusste einfach dass der Geruch nach Arled mehr war, als eine Illusion.
Sie roch ihn, schwach, aber unverkennbar.
Was machte er nur hier draußen.
Normalerweise wäre sie umhergehüpft vor Freude, so wie sie es sich an all den einsamen Tagen ausgemalt hatte. Doch war da noch dieser andere Geruch, wild und gefährlich. Ihr Instinkt riet ihr sich nicht zu bewegen.
Sie konnte nur hoffen, dass Arled ebenfalls ein stabiles Gatter hatte, in dem er sich verstecken konnte.


Flugur war angespannt.
Arled, nur wenige Ellen von ihm entfernt, kauerte sprungbereit.
Er roch seine Anspannung.
Beißend stieg sie in seine Nase.
Drang tief in sein Innerstes, und rüttelte an den Toren, hinter denen er seine Mordlust gefangen hielt.
Es kostete ihn doppelte Anstrengung sich nicht vom Rudelgefühl mitreißen zu lassen.
Wenn er jetzt schwach wurde, und das Schaf zeriss, sein Blut schlürfte, sein Fleisch von den Knochen riss… Bilder formten sich in seinem Kopf, Geschmackserinnerungen mischten sich mit seiner tatsächlichen Wahrnehmung. Er drohte abzuschweifen, sich zu vergessen.
Die Anstrengung seine Triebe wieder unter Kontrolle zu bekommen, fügten ihm fast physische Schmerzen zu.
Er durfte jetzt nicht nachlassen.
Wichtige Entscheidungen standen an.
Zumindest er, musste die Kontrolle behalten.


Esmeralda hatte sich am Fuß ihres Baumes zusammengekauert und verharrte dort, offenbar in der Hoffnung alles auszusitzen.
Das fette Ding. So gutmütig und zutraulich sie auch war, Intelligenz war kein Attribut welches man mit ihr verbunden hätte.
Flugur konnte spüren und riechen, wie Arleds Anspannung weiter und weiter wuchs.
Wie eine dritte Person, fast greifbar stand sie im Raum.
Wenn er nicht bald reagierte, würde er einen neu aufflammenden Rangkampf mit Arled riskieren.
Das durfte unter keinen Umständen geschehen.
Um Zeit zu gewinnen, gab er Arled ein Zeichen an seiner Position zu verharren und begann langsam um das Gatter herum zu schleichen.


Esmeralda presste ihre Augen, so fest sie konnte, zusammen.
Ihre Angst hatte ein Stadium erreicht, in dem sie sich als drückender Klos in ihrem Hals bemerkbar macht.
Das Schlucken fiel ihr schwer.
Kaum wahrnehmbar hört sie ein Rascheln im Gras zu ihrer rechten.
Es war außerhalb ihres Reichs, und doch direkt hinter dem Zaun.
Leise blökte sie in sich hinein.


Alred beobachtete jede Bewegung Flugurs.
Auf Leisen Sohlen schlich dieser um das Gehege.
Arled fragte sich was diese ganze Scharade sollte.
Ihr Opfer hatte keine Chance.
Zu allen Seiten war ihr Fluchtweg versperrt.
Ein Name geisterte durch seinen Verstand.
Begleitet von Bildern, Erinnerungen die aber fremd schienen.
Da Arleds Erinnerungen nur aus optischen Eindrücken bestanden, ging er davon aus, es müsse sich wohl um Erinnerungen seines menschlichen Ichs handeln.
Sie waren nur flüchtig und konnten in der Flut von Eindrücken die durch seinen Verstand brausten nicht bestehen. Wurde einfach hinfort gerissen wie eine Rauchfahne im Sturm.
An ihre Stelle trat sofort wieder der Hunger.
Erwartungsvoll blickte er zu Flugur.
Mittlerweile hatte er hinter dem Gatter Position bezogen.
Gerade als er begann sich zu fragen, ob es die richtige Wahl gewesen war, sich diesem zögerlichen Worgen unterzuordnen, setzte Flugur über das Gatter.


Esmeraldas Augen sprangen auf, als hinter ihr etwas schwer auf dem Gras landete.
Etwas schweres, großes, viel zu nahes.
Sie machte sich klein.
Versuchte in den Boden zu sinken.
Vielleicht hatte dieses „was-auch-immer“ sie ja noch nicht bemerkt.
Ihr Herz schien aus ihrer Brust direkt in ihren Kopf gewandert zu sein. Sein Pochen dröhnte in ihren Ohren, und sie konnte es bis in ihre Augäpfel spüren.
Dann setzt das leise, gutturale Knurren hinter ihr ein, welches ihr eh zum zerreißen gespanntes, Nervensystem zum Zusammenbruch brachte.
Sie sprang auf die Beine, und fuhr herum.
Beim Anblick der sich ihr bot setzte ihr Hirn vollends aus.
Ein Hund, ein Wolf, riesig, aufrecht stehend, sie um vier Körperhöhen überragend.
Der Blick ihrer braunen Schafsaugen traf sich mit dem blitzenden Blick des Todes.
Sie fuhr herum und rannte um ihr Leben.
Zwei Meter, solange brauchte sie bis sie den weißen Worgen wahrnahm welcher von der anderen Seite ihres Geheges auf sie zukam.


Endlich.
Flugur war aus seinem Hinterhalt hervorgekommen.
Die Jagd war damit eröffnet.
Das war offenbar auch ihrer Beute bewusst.
Sie sprang auf, und ergriff die Flucht.
Was sie direkt auf ihn zu führte.
Wieder blitzten Erinnerungen in Arleds Verstand auf, die das Bild der Realität überlagerten.
Für einen Moment sah er ein Schaf, viel kleiner als diese Fleischration auf vier Beinen.
Weder hatte es so angstgeweiteten Augen wie sein Opfer, noch wetzte es so dahin.
Es erweckte einen unbekümmerten Eindruck, schien erfreut.
Ein Kribbeln wallte durch seinen Verstand.
Der Worgenteil Arleds versuchte diese, der Jagd unzuträglichen Gedanken, zu unterdrücken.
Es gelang ihm, fiel ihm aber merkwürdig schwer.
Das Schaf, machte eine scharfe Wende nach Links und rannte so schnell es konnte weiter.
Nach wenigen Metern fand es sich vor dem Zaun wieder, der ihr Gehege umrahmte.
Mit dem Rücken zur Wand, fehlten ihr die Ausweichmöglichkeiten.
Von links näherte sich mit halb geöffnetem Maul der weiße, von rechts der graue Worg.


So also würde es mit ihr zu Ende gehen.
Trotz, machte sich in Esmeralda breit und linderte etwas die Todesangst.
Ein Gefühl der Wärme breitete sich in ihrem Bauch aus und spendete ihr Trost.
Sie saugte noch einmal tief Luft in ihre Lungen, und ihr letzter Gedanke galt ihrem Arled, dessen Geruch sie noch immer zu riechen glaubte.
Sie lies die Erinnerung an ihn auch dann nicht fahren, als der weiße Worg mit einem Sprung auf sie zuschnellte, und sein Zähne in ihren Nacken trieb.

…to be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
Ich finde die Schafsgeschichte ergreifender als die von der Kleinen aus der Stadt. Ist irgendwie persönlicher.
schade trotzdem, ich hatte gehofft, dass Arled sich wieder fängt.
So gut geschrieben wie immer
smile.gif


-Anni-
 
Flugur kauerte hinter dem Gatter und beobachtete den weißen Worgen.
Sein Fell schimmerte im Mondlicht.
Die Ohren wachsam erhoben, der Körper sprungbereit.
Sein Geruch war ein Spiegel seiner Inneren Anspannung.
Flugur zögerte.
Zweifel keimten in ihm auf, während er seinen Sohn beobachtete.
War die Zeit bereits reif?
Der Geruch den der Wind von Arled herüber trug, kündete von immer stärkerer Anspannung.
Er musste handeln, so oder so.
Kurz entschlossen setzte er über die Balustrade hinweg.

Esmeralda reagierte wie erwartet als sie ihn sah.
Auch wenn sie, unter den eh schon nicht sonderlich intelligenten Schafen, nicht gerade zu den Leuchten zählte, wusste sie was die Stunde geschlagen hatte, als sie ihn sah.
Sie war von ihrem Platz aufgesprungen, und Panik stand in ihrem Blick.
Flugur tat sie leid.

Irgendwie mochte er das dümmliche Tier.
Auch wenn dies nie auf Gegenseitigkeit beruht hatte.
Während sie Arled, dem er sie als kleinen Jungen geschenkt hatte vergötterte, hatte sie nie eine Chance ausgelassen, ihn selbst während des Fütterns zu knappen oder mit ihrem massigen Kopf zu rammen.

Esmeralda fuhr herum und versuchte so schnell Land zu gewinnen, dass dicke Erdbrocken unter ihren Füßen aufflogen bevor sie Haftung fand, und nach vorn schoss.
Na wenigen Schritten endete ihre Flucht jedoch bereits wieder, da Arled seinerseits über den Zaun gesetzt hatte und mit halb offenem Maul auf sie zukam.
Esmeralda schlug einen Haken wie man ihn mehr von Hasen denn von Schafen erwartet hätte, und stand dann mit dem Rücken zur Wand.
Die Panik in ihren Augen war in Wahnsinn umgeschlagen. Ihre Augäpfel rollten wild umher, so dass teilweise nur noch das weiße zu sehen war.

Flugur beobachtete Arled aus dem Augenwinkel.
Sein Herz schlug schnell.
Wie würde Arled reagieren?
Wäre er in der Lage seine Mordgier zu zügeln.
Er liebte Esmeralda, daran hatte Flugur keine Zweifel.
Zumindest seine menschliche Seite.
Arled stand da, und Sabber troff aus seinen Lefzen.
Von dem Geruch der Verwunderung, den er verströmt hatte, als er Esmeraldas Gehege erkannte, und von dem Flugur glaubte, während des Anpirschens Spuren aufgenommen zu haben, war nichts mehr geblieben.
Im Augenblick umwehte ihn nur der mitreißende Geruch der Jagd.
Flugur wusste das er sich nicht zu sehr auf diesen Geruch konzentrieren durfte, denn sein Blut geriet in Wallung wenn er es doch tat.
Die Frage war nur, konnte Arled ebenfalls seine tierischen Instinkte kontrollieren.
Die Antwort folgte auf dem Fuß.

Wie ein weißer Blitz stieß Arled auf Esmeralda nieder.
Noch ehe Flugur reagieren konnte, hatte er das Schaf an seinen Seiten gepackt, und seine Zähne in ihren Nacken gebohrt.
Das Fell Esmeraldas polsterte den Biss etwas ab.
Trotzdem entfuhr ihr ein schmerzerfülltes Blöcken, als die Spitzen das Fell durchdrangen und in ihre Haut fuhren.
Blut strömte in ihr dichtes Fell und färbte es Rot.
Flugur roch das frische Blut, und bedurfte all seiner Willensstärke, sich nicht mit Arled auf das Schaf zu stürzen, und sich seinen Anteil zu nehmen.
In den Sekunden die ihn dies kostete, trieb Arled seine Zähne tiefer in Esmeralda, welche sich wand, und ein flehendes Blöken nach dem anderen von sich gab.
Auf den Weiden ringsum ertönten gehetzte Warnrufe, der anderen Tiere.

Erst als Arled seinen Kopf zurück riss, und Esmeralda ein nicht gerade kleines Stück Fell und Haut aus dem Genick riss, war sich nur sehr widerwillig und von einem ekelhaften Geräusch begleitet löste, fand Flugur die Kontrolle wieder.
Beherzt machte er einen Schritt nach vorne, und packte Arleds Kopf. Gerade noch rechtzeitig, da dieser bereits im Begriff war, erneut zuzubeißen.


Arled genoss den metallischen Geschmack der sich in seinem Maul ausbreitete.
Aus der frischen Wunde im Nacken des dicken Tieres sprudelte reichlich der Lebenssaft.
Er riss den Kopf nach hinten und trennte ein Stück Fleisch ab.
Er warf den Kopf in den Nacken und verschlang es am Stück.
Gerade als er erneut zubeißen wollte, packte Flugur seinen Kopf und zog ihn nach hinten.
Wut flammte in ihm auf.
Er schnappte zu.
Knapp verfehlte er Flugur.
Diesen Klauen schossen sofort wieder nach Vorne, und kackten seinen Kopf.
Fest wie ein Schraubstock hielten sie ihn.
Arled versuchte vergeblich sich zu befreien.
Da er beide Hände benötigte um seine immer noch blökende, zappelnde Beute festzuhalten, hatte er Flugur nicht mehr entgegenzusetzen.

„ARLED! ARLED! HÖR MIR ZU! ICH BIN ES DOCH, FLUGUR! BEHERRSCHE DICH!“, die Worgenstimmbänder Flugurs brachten die Worte nur mit Mühe zustande.
Arled hörte ihm ohnehin nicht zu.
Fühlte nur den glühenden Futterneid in sich aufsteigen.
Wand sich, knurrte und schnappte im Versuch sich Flugurs Griff zu entwinden.
„ARLED!“, Flugur erkannte das Arled so nicht beizukommen war. Zu tief waren seine menschlichen Empfindungen unter den animalischen Trieben verschüttet.
Flugur zuckte zurück um einer von Arleds Beißattacken zu entgehen, dann verengten sich seine Pupillen.
Er war hier der Alphaworg.
Wenn Arled sich nicht zu kontrollieren wusste, musste er die Konsequenzen tragen.
Wie schon früher am Tag, schoss er nach vorne und legte seine Zähne um Arleds Kehle.

…to be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
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bin schon gespannt wann arled wieder zusich kommt
wink.gif
 
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Trotz des am Himmel prangenden Vollmonds, lag der kleine Waldweg in völliger Dunkelheit.
Die gespenstige Stille wurde nur von gelegentlichen Eulenrufen, durchbrochen.
Leise raschelten Blätter, im über die Baumkronen sacht dahin streichenden Wind.
Aus der Ferne nährte sich, mehr eine Ahnung als ein Geräusch, Hufgeklapper.
Der Reiter schien keine Eile zu haben. Langsam ließ er sein Pferd dahin trotten.

Auf einem dicken Ast, etliche Meter über dem Waldboden, kauerte Hetsch und wartete.
Für seine Sinne, war es ein leichtes die Dunkelheit zu durchdringen. Seine Augen ließen ihn die Straße, fast wie am Tag, wahrnehmen. Dank der Kombination mit den Informationen seiner Nase und Ohren, ging es jedoch weit über alles hinaus, was ein Mensch selbst am Tag zu bemerken fähig gewesen wäre.
So wusste er, bereits bevor der Reiter um die einige hundert Meter entfernte Biegung kam, dass es sich um nur einen Reiter handelte.
Leichte Beute.

Der Umstand, dass die meisten Menschen, den Geschichten über Worgen in den Wäldern um Lohenscheit keinen glauben schenkten, machte ihre Jagd schon fast zu einfach.
Ein Blick über den Weg zeigt ihm, dass auch seine Gefährten den Reiter bereits bemerkt hatten.
Er konnte ihre Erregung, ob der anstehenden Ereignisse, bereits riechen.
Ihre Ohren zuckten, und ihre Augen blitzten.

Der Reiter hatte bereits die Hälfte der Strecke zu ihrer Position zurück gelegt.
Leicht vorn über gesunken schien er in Gedanken versunken und sich keiner Gefahr bewusst.
Der schwarz weiße Rappe, war gut gebaut, auch wenn er nicht gerade groß war.
Hetsch zog ohnehin durchtrainierte, drahtige Pferde vor.
Verfettetes Fleisch lag ihm immer so schwer im Magen.
Plötzlich stieg Hetsch ein Geruch in die Nase, der ihn unwillkürlich grinsen lies.
Dieser Reiter, war eine Reiterin.
Das erklärte auch den ärmlichen Körperbau, der ihn erst irritiert hatte.
Die Schultern hatten auf ihn gleich zu schmal gewirkt.
Die Arme und Hände zu zart.
Sie roch angespannt.
Wie recht sie mit ihrer Angst hatte, war ihr selbst gar nicht klar.
Hetsch schmunzelt.

Es war nicht ungewöhnlich in diesen Breiten, fern ab von größeren Städten, dass eine Frau in leichter Rüstung reiste, statt in den Kleidern des Hofes. Einerseits um besser gegen etwaige Wildangriffe gewappnet zu sein, aber auch um Männer zu täuschen.
Allzu oft verschwanden junge Mädchen die alleine reisten. In den Wäldern traf man nicht immer auf Freunde.
Hetschs Grinsen wurde noch etwas breiter. Im Grunde genommen begegnete sie nun Rauen Männern und Wildtieren in einem, damit hatte sie sicher nicht gerechnet, als sie Papi einen Abschiedskuss auf die Wange gedrückt hatte, mit der Versicherung auf sich acht zu geben.

Sabber lief seine Lefzen hinab, beim Gedanken an ihr zartes Fleisch.
An den Gerüchen die von seinen Begleitern herüber wehten, konnte er erkennen, dass auch sie bemerkt hatten welches Geschlecht ihre Beute heute hatte.
Nur noch wenige dutzend Meter trennten die Reiterin von der Stelle an der sie losstürzen würden.

Hetsch konnte sie nun genau erkennen.
Sie trug eine leichte Lederkappe unter der dichtes braues Haar hervor lugte. Ihr Gesicht war fein geschnitten und hätte ihm in seiner menschlichen Form durchaus gefallen. Obgleich sie unter ihrem leichten Kettenhemd, zum Schutz vor dem reibenden Stahl, ein Leinenhemd trug, konnte Hetsch ihren Körperbau erahnen. Zart zeichnete sich ihr Busen ab, der sich bei jedem Atemzug leicht hob und wieder senkte. Ihre Beine hingen lässig an den Seiten des Pferdes herab.
An ihre Hüfte trug sie ein kleines Schwert, was jedoch eher nach Zierde denn nach einer ernst zu nehmenden Waffe aussah.
Nichts deutete darauf hin, dass sie auch nur eine Ahnung hatte was ihr blühte.
Armes Mädchen.

Der Schecke, musste sie wohl doch noch im letzten Moment bemerkt haben, denn er scheute plötzlich und stieg auf die Hinterbeine.
Egal, sie stand genau wo sie sie haben wollten.
Hetsch kläffte ein Signal und sie wie ein Mann sprangen er und seine Gefolgsleute aus ihren Verstecken um sich auf sie zu stürzen.

Hetschs Körper brauchte nur Bruchteile von Sekunden um durch die an ihm vorbei rauschenden Blätter zu brechen, die wenigen Meter freien Falls zu überbrücken und wenige Meter neben dem Schecken zu landen.
Auf seinem Flug beobachtete er, wie sich mit dem Mädchen ein Wandel vollzog.
In dem Moment als ihr Rappe scheute, hob sie den Blick Richtung Baumkronen.
Keine Angst lag in ihren Zügen, eher Erwartung.
Sie ließ die Zügel fahren und in einer fließenden Bewegung fuhren ihre Hände in die Aufschläge ihrer Ärmel.
Ihre Hände bewegten sich so schnell, dass sie selbst für Hetschs Augen fast verschwammen.
Im nächsten Augenblick, schleuderte sie etwas Blitzendes seinen Begleitern entgegen.
Im freien Fall hatten sie keine Möglichkeit auszuweichen.
Eines der Messer bohrte sich direkt in Brogars Kehle, und drang bis um Heft ein.
Seine Augen brachen, bevor er auf dem Boden aufschlug.
Auch Ramirez hatte nicht mehr Glück.
Ihn traf das Messer direkt ins Auge.
Er lebte zwar noch als er aufkam, packte das Messer unter Schmerzensgejaule und versuchte es herauszuziehen, doch vergebens. Sie setzte umgehend nach, schleuderte eine weitere Klinge, und traf damit Ramirez zweites Auge.
Ein letztes Mal jaulte dieser gepeinigt auf, bevor er zuckend zusammenbrach.

Nun stand Hetsch ihr alleine gegenüber.
Die Wut über seine gefallenen Begleiter brodelte wild in ihm.
Sein Blick traf den ihren, und er konnte kaum glauben was er sah.
Ein Grinsen lag auf ihrem Gesicht.
Der Geruch der Anspannung war einem der Genugtuung gewichen, und der, Freude.

Gerade noch rechtzeitig, warf er sich zur Seite und entging einem weiteren Messer welches sie auf ihn schleuderte nur um Haaresbreite.
Hetsch knurrte vor Zorn.
Was glaubte dieses Menschlein wer sie war?
Er drückte sich vom weichen Waldboden ab, und schoss auf sie zu.
„Lauf Framier!“, stieß sie ein Kommando hervor und trat ihrem Pferd in die Seiten.
Der Rappe hätte des Ansporns kaum bedurft.
Seine Hufe rissen Grassoden aus dem Boden als er mit aller Kraft antrat.
Hetsch schoss knapp an ihm vorbei wendete und setzte ihm nach.



Dicht an den Hals Framiers geklammert, schoss Ellenora dahin.
Den Worgen dicht auf den Fersen.
Knurrend und sabbernd rannte er hinter ihr her.
Der Tod seiner Gefährten hatte ihn rasend gemacht.
Ellenora verspürte kein Mitleid.

Für sie hatten diese Bestien nichts mehr mit den Menschen gemein die sie einst waren.
Bei einigen konnte sie an deren Kleidung oder an Schmuck erkennen wer sie einst waren. Doch nachdem sie ein Zögern fast das Leben gekostet hätte, als sie einst einem Worgen gegenüberstand, in dem sie ihren Vetter zu erkennen glaubte, sorgte sie sich darum nicht mehr.
Worg, war Worg.
Und nur ein Toter, war ein Guter Worg.

Ihr Verfolger blieb dicht hinter ihr, konnte jedoch nicht aufschließen. Ellenora packte mit ihrer Linken fest den Zügel, visierte über die Rechte Schulter, und schleuderte einen weiteren Dolch nach hinten.
Zielgenau bohrte er sich in den Oberschenkel der Kreatur, quittiert von einem heißeren Aufheulen.
Die Geschwindigkeit des Worgen senkte es jedoch nur unmerklich.
Ellenora hatte nichts anderes erwartet. Im Wutrausch kannten diese Kreaturen kaum noch Schmerz.
Nur der Tod konnte sie in diesem Zustand stoppen.
Doch damit würde sie sich noch etwas Zeit lassen, noch hatte die Kreatur ihren Zweck nicht erfüllt.
Framier preschte weiter voran, denk Kopf weit nach vorne gestreckt, die Nüstern geweitet.


Hetschs Wut war zu blinder Raserei geworden.
Er gierte danach sie und ihr Pferd in Stücke zu reißen wie ein Verdurstender nach Wasser.
Er fühlte keine Erschöpfung, er fühlte keinen Schmerz, erfühlte kein Bedauern mehr für seine gefallenen Kameraden. Alles was er fühlte war der Hass, der ihn innerlich aufzufressen schien.
Sie würde ihm nicht entkommen.
Nicht in seinem Wald.
Zwei waren tot, aber es gab ihrer viele.
Zwischen zwei tiefen Atemzügen stieß er zwei Kläfflaute aus, die weit durch das Unterholz hallten.


Ellenoras Rappe setzte gerade über einen umgestürzten Baum hinweg, als ihr Verfolger Kläfflaute ausstieß.
Na endlich, sie glaubte schon ihn zu sehr gereizt zu haben.
Sie hatte noch keine zehn Steinwurfweiten zurück gelegt, als Bewegung ins Dickicht kam.
Aus dem dichten Unterholz zu ihrer linken schossen zwei weitere Worgen hervor, jedoch zu spät um ihr den Weg abzuschneiden.
Nun jagten die drei Worgen gemeinsam hinter ihr her.
Als sie den Kopf wieder nach vorne richtete musste sie feststellen, das ein weiterer Worg, Position auf dem Weg vor ihr bezogen hatte und sie erwartete.
Sie duckte sich noch flacher auf Framier und legte ihren Kopf an dessen Hals.
„Keine Angst mein kleiner.“, flüsterte sie ihm so liebevoll er der harte Ritt zuließ zu und gab ihm die Sporen.
Framier legte noch einen leichten Zahn zu und hielt auf den Worgen zu.
Dieser Stand Angriffsbereit mitten auf dem Weg.
Ellenoras Hand fuhr zum Griff ihres Schwertes.
Im letzten Moment, bevor Framier auf den Worgen prallte, gab sie ihm das Kommando und Framier drückte sich vom Boden ab.
In einer fließenden Bewegung richtete sie sich auf, zog ihr Schwert, klammerte sich mit einer Hand an den Sattelknauf, ließ sich seitlich an Framier hinab gleiten, und trennte dem, ungläubig auf das ihn überspringende Pferd schauenden Worgen, den Kopf von den Schultern.
Ohne einen Blick zurück preschte sie weiter.
Ein schreckliches Wutgeheul brach unter den Worgen hinter ihr aus.

Schaum bildete sich vor Framiers Maul, er atmete gierig, sein Fell war schweißnass. Lange konnte er diese Hetzjagd nicht mehr aushalten. Ellenora zog leicht an den Zügeln und korrigiere leicht seine Bahn. Die Worgen hatten nicht bei ihrem Toten verharrt und rasten unvermittelt nah hinter ihr daher.
„Komm mein Großer, Endspurt.“, raunte sie Framier zu und trieb ihn ein letztes Mal an.
Das Ziel ihres Ritts lag nicht mehr in weiter Ferne.
Dann tauchte die kleine Lichtung zwischen den Bäumen auf. Als Ellenora zwischen zwei dicht beieinander stehenden Bäumen vorbei preschte, zerhackte sei mit schnellen Hieben die auf deren Rückseite befestigten Seile.
Sofort peitschten die von ihnen zurück gehaltenen Äste nach vorn. Direkt in die hinter ihr her hetzenden Worgen.
Die von ihr daran befestigten Holzpfähle, bohrten sich den überraschten Worgen direkt in ihre Brust.
Nur von dem Worg, welcher sie von Anfang an verfolgte, hatten die Erschöpfung und die Beinverletzung ihren Tribut gefordert. Er war deshalb ein paar Ellen zurück gefallen und konnte mit einem Sprung über seine fest genagelten Kameraden, dem Tod entrinnen.
Jedoch nur, um beim Aufkommen den halt unter den Füßen zu verlieren und von einem Netz, welches unter dem Laub verborgen gelegen hatte in die Höhe gerissen zu werden.
Jaulend, kratzend und beißend konnte er sich nicht befreien.

So musste er mit ansehen, wie die Frau, die am Ende der Lichtung ihr Pferd zum halten gebracht hatte, abstieg und zufrieden zu ihm aufschaute.
Sie tätschelte liebevoll den Hals ihres Pferdes, und dankte ihm für den schnellen Ritt.
Hetsch hätte sonst etwas dafür gegeben sie zu zerreißen.
Noch wilder Riss er an den Seilen aus denen das Netz gefertigt war.
Es gab zwar nach, riss jedoch nicht.
So hing er noch immer zischend und fauchend in dem Netz, als sich eine kleine Reiterschar näherte.

…to be continued

Mit freundlichen Grüßen
Eure Evi
 
ne worg jägerin?^^ Mal sehen wie du die ganzen handlungsstränge aneinander fügst =) bin sehr gespannt!
 
Ellenora schaute dem dicken Bündel zu, das baumelnd von dem dicken Ast herabbaumelt.
Der Worg versuchte verzweifelt aus dem Netz herauszukommen, doch das Tau hielt.
Ellenora war bis ins Zufluchtlager der Allianz, im Alterachochland gereist, um es zu bekommen.
Obgleich nicht mehr als ein befestigter Vorposten im Gebiet der Horde, gab es dort, dank der Greifenmeisterei,
fast alle Waren der vereinigten Reiche. So auch die Taue der Nachtelfen von Darnassus, deren Tragkraft mit der menschlicher Seile nicht zu
vergleichen war. Ellenora wäre bereit gewesen durchaus noch weiter zu reisen, wenn dies bedeutet
hätte noch mehr dieser Bestien zur Strecke zu bringen.

Sie wand sich um als Hufgeklapper die Ankunft mehrerer Reiter ankündigte. Vorne weg, auf Westwinds Rücken,
ritt Miras. Wenn auch sein Haar grau geworden war, seit jenem Tag an dem sie ihm erstmals begegnet war,
war sein Arm noch immer stark, und sein Kampfgeist ungebrochen. Dies, und seine über die Jahre gewonnenen
Erfahrungen sowohl im Kampf als auch im Leiten einer Gemeinschaft, sicherte ihm den Platz als Anführer der Ihren.

Sein kantiges, Wettergegerbtes Gesicht, welches die meiste Zeit einen harten Ausdruck prägte, hellte sich bei Ellenoras
Anblick auf. Sie, so pflegte er immer zu sagen, halte die Liebe in seinem Herzen, so hart das Leben auch an manchem
Tag zu sein schien. Er hatte sich seit jenem Tag, vor so vielen Jahren, immer offenherzig und liebevoll um sie gekümmert,
und über die Jahre hatte Ellenora in ihm einen zweiten Vater gefunden.

Auf den Pferden hinter ihm, kannte Ellenora fast jeden beim Namen.
Wenn sie die Worgen jagte, ritt sie meist allein, das garantierte fast immer einen Angriff. Diese Bestien waren einfach
zu dumm um sie wieder zu erkennen, oder in einer Frau, noch dazu alleine eine Bedrohung zu erkennen.
Durch ihr enges Verhältnis zu Miras, blieb es jedoch natürlich nicht aus, das sie etliche Nächte am Feuer der Stadtwache
verbracht hatte. Das hatte zwar ihre Umgangsformen - sagen wir, nicht gerade für ein Essen bei Hofe geschliffen -
aber sie vieles über die Vorgänge in der Welt gelehrt.

Tesius, ein noch junger Rekrut, der gerade erst der Kinderstube entwachsen war, saß auf seinem Pferd und schaute mit
offenem Mund, auf den sich im Netz windenden Worg. Es dürfte wohl das erste mal für ihn sein, dass er einen Worgen
lebendig zu Gesicht bekam. Angriffe auf ihr Lager hatten stark abgenommen, seid sie begonnen hatten Jagd auf die Bestien zu
machen. Zuvor war es häufig zu Angriffen gekommen, die viele der Flüchtlinge das Leben gekostet, oder noch schlimmer, einige
Infiziert hatte, was auf das gleich hinauslief. Sie konnten es sich nicht erlauben einen Infizierten entkommen zu lassen.
Wäre die Verwandlung erst vollzogen, wären sie nicht mehr oder weniger für ihn gewesen, denn Futter.

"Haahabt ihr den ganz alleine gefangen, Mylady Ellenora?", setzte er stammelnd an.
"Der ist ja riesig. Hattet ihr keine Angst, er hätte euch fressen können?" Sein Gesicht war ganz blaß.
"Ich und Framier, ja.", sie tätschelte liebevoll den Hals ihres Pferdes. "Klar wollte er mich fressen. Aber genau das,
ist ja das Problem dieser Viecher. Im fressrauch erkennen sie nicht, wenn sie es mit jemandem zu tun bekommen der ihnen
überlegen ist. Ach, und spar dir diesen MyLadyquatsch. Ellenora reicht völlig." Missmutig verzog sie den Mund als ob das Wort
"MyLady" einen üblen Nachgeschmack hinterließe wenn sie ihn aussprach.
"Wie ihr wünscht, Myl.. Ellenora", er schlug die Augen nieder, und errötete leicht.
Dann Blicke er wieder zu dem Worgen im Netz auf.

"Tesius, steh nicht herum und halt Maulaffenfeil! Komm her und hilf mir mit diesen hier!", Rewa, ein betagter Veteran von
Miras Männern, damit begonnen die aufgespießten Worgen von den Speeren zu entfernen. Obwohl ihm bereits Lestitus zur Hand ging,
hatten die Männer schon mit einem Leichnahm schwer zu schaffen.
Tesius der noch immer gebannt nach oben geschaut hatte, wandte sich um, und zuckte beim Anblick der beiden Worgen erschrocken
zurück. Dann blickte warf er einen bewundernden Blick auf Ellenora, die sich mit Miras unterhielt. Sich vorzustellen wie diese
zierliche Person, sich diesen Bestien stellen konnte, überstieg seine Vorstellungskraft.
Kopfschüttelnd ging er zu Rewa.

"Drei weniger.", stellte Miras zufrieden fest, und betonte seine Worte mit einem zufriedenen Kopfnicken.
"Sechs.", warf Ellenora trocken ein. "Zwei liegen dort wo sie aus ihrem Hinterhalt kamen, und einer auf dem Weg hierher. Es
wäre zu gefährlich sie zu holen. Ich war recht nah bei Lohenscheit. Sollen sie den anderen eine Warnung sein." Ellenora blickte
in die Richtung in der Lohenscheit lag, und spuckte angewidert zu Boden."
Miras wünschte, sie würde ihren Aussagen nicht immer so dratisch ausdruck verleihen. Ihre Kindheit zwischen all den Soldaten
hatte für das Mädchen in ihre nicht viel Raum gelassen.
Ellenora die Miras genau kannte, wischte sich nur lässig mit dem Handrücken über die Lippen, warf ihm dann ihr gewinnenstes
Lächeln zu und sagte dann ohne auf seine Worte weiter einzugehen: "Na kommt schon Leute, lasst uns diese stinkenden Flo-
säcke verbrennen, und dann holt den Wagen. Wir wollen doch unseren Gast nicht hängen lassen.", sie grinste über die doppel-
deutigkeit ihrer Worte und lief zu Rewa, Tesius und Lestitus, welche die beiden Leichnahme mit tockenen Ästen
und Zweigen zu einem Haufen aufgetürmt hatten.
Miras gab einem Reiter der noch auf seinem Pferd saß ein zeichen, "Du hast sie gehört. Geh und hol das Gespann."
 
Mit widerspenstig knarrenden Speichen, rumpelte der kleine Wagen in das Flüchtlingslager, welches sich in den Schatten des Greymanewalles duckte. Die Ohren der beiden Pferde, welche vor den Karren gespannt waren, zuckten nervös hin und her. Immer wieder wiehrten und schnaubten sie unruhig. Angesichts des sieben Fuß großen Worgen, welcher wie wild an den Stäben seines Käfigs auf der Ladefläche rüttelte, war dieses Verhalten noch ausgesprochen gefasst.

Sie hatten die Pferde Wochen auf diesen Tag vorbereitet. Hatten sie langsam an den Geruch toter Worgen gewöhnt, welcher für sich allein schon ausreichte Pferde in Panik zu versetzen. Es dauerte zwar eine ganze Weile, doch schließlich zeigten sie kaum noch eine Reaktion.

Einen toten Worgen zu riechen, oder ihn Geifer speiend direkt hinter sich zu haben, machte dann aber doch einen gewaltigen Unterschied.
Rewa, der auf dem Kutschbock saß, redete unentwegt auf die beiden ein um sie abzulenken und leitete sie ohne seine Peitsche zum Einsatz zu bringen.
Die Pferde schienen es ihm zu danken.

Etliche Augen verfolgten neugierig den Tross, als er durch das Lager zog. Aufgrund der Tatsache, das Worgenangriffe selten, jedoch nicht unmöglich waren, kam es praktisch nie vor, dass das gesamte Lager schlief.
Zur Nachtwache eingeteilte Männer, saßen in kleinen Gruppen um Lagerfeuer und vertrieben sich die Zeit mit Würfel- oder Kartenspielen.
Durch das knarren der Räder und die laute des Worgen angelockt, blinzelte aus manchem Zelt das ein oder andere verschlafene Augenpaar, welches sich beim Anblick der tobenden Fracht meist erschrocken weitete und schnell wieder im Zelt verschwand.

Tesius, der dicht hinter dem Wagen ritt genoss die verstohlenen Blicke. Stolz trug er den Kopf hoch erhoben, und streckte seine Brust nach vorn. All die alt eingesessenen Soldaten, die ihn jeden Tag aufzogen weil er noch grün hinter den Ohren sei, würden nun eines besseren belehrt. Er war sich sicher, dass viele von ihnen noch nie so nah an einen Worgen herangekommen waren. Sie mussten ja nicht wissen, dass er sich lieber ein Bein abgehackt hätte als solch ein Husarenstück aufzuführen wie es Ellenora getan hatte.
Hätte er die Wahl gehabt, er hätte dieses stinkende Dreckslager schon lange hinter sich zurück gelassen. Sollten doch diese Mistviecher den Wald haben. Auch wenn es dann vielleicht hier und da einen Durchreisenden erwischen würde, der auf ihrem Speiseplan landete; Es wäre ihm gleich, solange er währenddessen im Warmen sitzen und es sich gut gehen lassen konnte.

In der Mitte des Lagers erreichten sie einen freien Platz, der von großen Feuern umgeben war, die ihn hell ausleuchteten. Man erwartete sie bereits. Trotzdem stand manchem Wächter der Unglaube, über das was sie da sahen ins Gesicht geschrieben. Nur die wenigsten waren fähig beziehungsweise feist genug, den Worgen freiwillig im Wald gegenüberzutreten. Sie kannten nur die Leichen die ab und an mitgebracht wurden, um ihre Köpfe am Waldrand als Mahnmal aufzupflanzen.

„Miras, Miras. Ihr habt es also tatsächlich geschafft. Ein Teufelskerl wie er im Buche steht!“, Miras engster Vertrauter Rumgar, hatte die Leitung über die sie erwartenden Wachen. Ein Band der jahrzehntelangen Freundschaft verband die Beiden. Rumgar und Miras hatten schon Schlachten gemeinsam geschlagen als Ellenora noch ein Baby, oder gar nicht einmal geborgen war. Auch all die Wirren des Krieges, welche sie in dieses kleine Lager geführt hatten, vermochte es nicht sie zu trennen.
„Rumgar, mein alter Freund. So gern ich mir diesen Fang auf meine Fahne schreiben würde, die Ehre gebührt nicht mir. Ellenora hat ihn gefangen. Alles was wir beisteuern konnte, war ihr zu helfen ihn in diesen Wagen zu stecken.“, stolz lag in Miras Worten.
„Tja, wie der Stahl so die Klinge. Immerhin hatte sie einen der Besten als Lehrer.“, Rumgar klopfte Miras, der von seinem Rappen gestiegen war freundschaftlich auf die Schulter, und nickte Ellenora respektvoll zu. „Stellt das Vieh einfach hier ab. Meine Männer passen schon auf das er keinen Unsinn macht. Ihr seid sicher müde. Ich habe Medwin aufgetragen einen Eintopf vorzubereiten. Es wäre mir eine Freude, euch vor dem zu Bett gehen, noch an meinem Feuer als Gäste willkommen zu heißen.“
Ellenoras Magen knurrte bei der Erwähnung einer warmen Mahlzeit, und erinnerte sie lautstark daran, seit ihrem Aufbruch am Mittag, nichts mehr an Nahrung bekommen zu haben.
„Die Freude ist ganz unsererseits.“, entgegnete Ellenora und fügte mit einem schelmischen Grinsen hinzu: „Geht ihr zwei schon einmal vor. Ich weis doch das ältere Herren gerne ihre Gelenke, nach einem Ausritt, am Feuer wärmen. Ich sehe hier noch zu das alles richtig vertäut wird, dann komme ich nach.“
Die Männer legten synchron ihre Stirn in Falten, nur um im nächsten Moment in ein gemeinsames Lachen auszubrechen. Auch für Rumgar war Ellenora so etwas wie eine Tochter, und sie wusste genau wie sie die beiden zu nehmen hatte.
Jeder Soldat der es gewagt hätte, solch einen Spruch loszulassen, hätte einige Stockschläge riskiert.
Miras und Rumgar legten sich die Arme über die Schultern, und liefen in Richtung eines der Feuer davon. Miras begann bereits ausschweifend von Ellenoras Jagd zu bereichten, und Rumgar hörte gebannt zu.

Dies war auch das Zeichen für ihr gefolgt sich ihren Schlafstätten zuzuwenden und der Tross löste sich auf. Ellenora schaute den Soldaten zu, die den Käfig gegen das umfallen sicherten, ließ hier ein Seil noch fester ziehen, dort die Verankerung noch etwas tiefer in die Erde treiben und folgte dann Miras und Rumgar, der Geruch nach dampfendem Eintopf leitete ihr den Weg.

…to be continued

Mit freundlichen Grüßen

Eure Evi
 
Wirklich schön, wie die Geschichte immer neue Wendungen nimmt
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Und ich dachte erst, die weiße Frau mit dem Armbändern sei Ellenora...

wie man sich irren kann
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