Jaja, der die das liebe Olnigg...
Wenn ein gefrusteter Mittzwanziger daheim im finsteren Kämmerlein seinen verflossenen Berufsaussichten hinterhertrauernd an der vom Ein-Euro-Job-Sklaventreiber verordneten Aufgabe "zerfetze ein Spiel möglichst sarkastisch und wortgewandt" werkelt, dann dürfte in etwa ein Machwerk der vorliegenden Qualität draus entstehen. Allein markieren hier keine Rotweinflecken die Umrandung des Questgebiets - hinsichtlich des erschreckenden Mangels an Originalität gepaart mit sprachlicher Versiertheit vermute ich hier die richtungsweisenden Markierungen in Form von Raviolisaucen-Klümpchen in einem beliebigen Wörterbuch.
Aber genug gelästert, gehen wir doch die Kritik, wenn man diesen Einheitsbrei aus gewohnt gefälligen flames denn so nennen mag und seine Ansprüche unterhalb der virtuellen Erdkruste ansiedelt, an. Dabei wird allerdings, das sei vorweggenommen, ähnlich viel Wert auf klare Strukturen gelegt wie offenkundig bei der Vorlage. Die Vorgabe ist, ganz ähnlich dem verquasten Olnigg-flame: Drei Seiten geballter verbalflatulenter Demontage, wobei Glaubwürdigkeit, Zurechnungsfähigkeit und Informationsgehalt allesamt nicht als essentielle Eckpunkte verstanden werden sollen.
Als ersten Punkt greifen wir uns aus dem Olniggschen Grabbelsack an Belanglosigkeiten doch mal die Pauschalkritik an Computerspielen generell, die in ihrer Brachialität an einen im Blutrausch befindlichen Conan-der-Zerstörer gemahnt - die allerdings leider auch ebenso durchdacht ist wie die rasenden Wutanfälle des tobsüchtigen Cimmeriers. Zum Beispiel wird sich da an einer Kerze aufgehangen, die doch tatsächlich die Stirn besitzt, bis zum Sankt Nimmerleinstag weiterzubrennen. Dies wird, geschmackvoll untermauert vom Protrait eines grimmigen Zwergen, der von besagter Kerze romantisch ausgeleuchtet wird, auch gleich plakativ in Szene gesetzt. Dabei lässt man natürlich geflissentlich ausser acht, daß es kein Multiplayerspiel gibt derzeit, bei dem die Umgebung bis ins letzte Detail den natürlichen Gesetzen unserer Welt anpasst. Nein, liebe Redaktion von Olnigg, ich kann euch den Schrecken nicht ersparen, ich muß es euch enthüllen - auch die angepflanzten Blumen und Pilze wachsen nicht in Echtzeit - sie verhalten sich auch nicht gänzlich so, wie man es von der einheimischen Flora her kennt. Die Einwohner der alten Welt essen nicht. Die meisten bewegen sich nicht einmal. Dies sind nur einige Punkte, bei denen, man glaubt es kaum, ein Computerrollenspiel immer auf Vorstellungskraft und -bereitschaft des Spielers zurückgreifen muß. Eure Beschwerde hierzu wirkt ähnlich, als würde ich beklagen, daß ich Euer Machwerk nicht zusammenfalten und mit aufs Klo nehmen kann (denn nachdem mir das Papier an besagtem Ort ausgegangen ist, wäre das wirklich äusserst praktisch).
Was war denn noch erwähnenswert in diesem Wust aus seelenloser Bosheit? Ahja, ich entsinne mich, da wurde so verbittert über die Doppelmoral von Gewalt im Text und klinisch sauberen Bildern gewettert, nicht wahr? Ja, ich verstehe, daß man in seinem finsteren Kellergemach auch gerne mal die ansprechend aufbereiteten Bilder eines liebevoll filetierten Einhorns goutieren möchte, wenn einem schon im Begleittext der Mund wässrig gemacht wurde. Insofern kann ich die Enttäuschung durchaus nachvollziehen. An dieser Stelle erspare ich mir das erneute rumreiten auf technischer Umsetzbarkeit ("Diese Gießkanne sieht aber nicht verrostet aus, hier steht aber "verrostet", und die hier ist grau, obwohl da "Kupfer" steht") und gehe gleich zum für mich wesentlichen: Ich unterstütze Euren Eindrucksvollen Appell wider die Bigotterie: Her mit ungeschöntem Blut und Eiter (und ja, Titten, wo wir schon dabei sind) - unsere Gesellschaft ist bigott, und es wird Zeit, daß jemand das ekle Tuch alles verhüllender Prüderie von den Augen unserer Jugend reisst. Gerade ein MMO hat durch seine Verbreitung hierbei eine moralische Verpflichtung, die Vorreiterrolle einzunehmen und die Speerspitze im aufklärerischen Schlag gegen das Establishment zu führen. Was kümmert es einen Olnigg, wenn dabei dann nicht genug finanzielles bleibt, um das Spiel betreiben zu können? Hat Christus vielleicht gefragt "Und was ist für mich dabei drin?", bevor man ihn ans Kreuz genagelt hat?
Bevor uns allerdings jetzt katholische Fundamentalisten auf den Scheiterhaufen packen, liebe Olnigger, wenden wir uns doch mal artverwandtem zu. Wo wir von Scheiterhaufen gesprochen haben: Euer Kritikpunkt an der Individualität der Charaktergenerierung ist durchaus legitim, nur geht Ihr da definitiv nicht weit genug, da wäre Raum für mehr - so ziemlich jeder zweite Klon aus der alten Welt läuft mit Messer oder Schwert durch die Wallachei - ich meine, Ihr habt die Pflicht, auch hier letzte Konsequenz zu fordern. Nicht nur jammern über den Faschingsfriseur, nein, warum denn kann der Spieler mit Coiffeurleidenschaft nicht selbst Hand anlegen? Das wäre wahre Individualität. Wo bleibt denn nun der Scheiterhaufen, fragt Ihr? Da habt Ihr mich erwischt - ich habe doch tatsächlich kurzzeitig Eure argumentative Strategie verfolgt, den Leser mit elaborierten Phrasen zuzuschütten und dabei eigentlich wild durch verschiedene Themen zu springen, aber gut, nachdem ich also damit aufgeflogen bin: Der Feuermagier. Wie um alles in der Welt kann man bei einem Spiel, das in einem lizensierten Hintergrund angesiedelt ist, den Spielehersteller ob des Aussehens von Charakteren, der verwendeten Sprache oder gar der Geographie kritisieren? Ok, man kann, aber welcher nicht-Insasse einer geschlossenen Abteilung würde so etwas in gutem Glauben tun? Das vorliegende Spiel bezieht sich auf einen in Jahrzehnten entstandenen Hintergrund mit veritablen Tonnen an Artwork, Hintergrundtexten, Miniaturen und Publikationen. Daß imperiale Feuermagier, um hier das plakative Beispiel aufzugreifen, eben aussehen mögen, wie sich klein Bruno aus Recklingobertrauben das Opfer eines durchgeknallten Friseurs vorstellen mag, sei hier nicht in Abrede gestellt. Nur erwarte ich persönlich eigentlich von jemandem, der sich anmaßt, Spiele zu rezensieren, auch ein wenig mehr Hintergrundinformation als von klein Bruno.
Eigentlich könnte man in diesem Stile noch lang weitersalbadern, aber meine Zeit ist begrenzt, mehr als zehn Minuten konnte und wollte ich nicht für einen Kommentar auf euer gewollt-sarkastisches Geschreibsel erübrigen. Mit genügend Motivation (Und nein, ein Euro die Stunde reizt mich nicht, ich bewohne schließlich keine Kleinstmansarde) könnte ich ebenso apart mit Fotos und Schmuckkästchen aufbereitet, ohne weiteres im selben Stil jeden Eurer "Artikel" fleddern.
Das ist dann auch gewollt sarkastisch. Nur lustig? Ich finde nicht.
Euer
Sethek