Nachdem die unsägliche NDA endlich gefallen ist (die paar Stunden werde ich nicht mehr warten) werde ich mal meine Meinung kund tun. Wenigstens einer muss zwischen den WAR-Hypern und WAR-Hatern mal sachliche Berichte für unentschlossene Spieler bringen. Hart, fair und völlig subjektiv als absoluter WarCraft- und Warhammer-Fanboy. Damit beuge ich hoffentlich der „Bist ja nur ein WoW-Fanboy!“-Aussagen vor. Mein Stand ist zudem Betatester von Frühjahr 2008 bis Anfang August 2008 (Kernelemente werden sich bis zum Release wohl eh nicht mehr großartig ändern).
Was mir an WAR gefiel:
1. Das packende Mittendrin-Gefühl habe ich zum Start so noch nie erlebt. Während man bei anderen MMOGs zu Beginn erst einmal für Kleinbauer Schmidt 10 Wölfe tötet und 3 Hasen jagt, jagt man bei WAR seine Gegner in NPC-Form. Eine hervorragende Vorbereitung auf das Zusammentreffen mit den Spielern der Gegnerfraktion. Zudem sind die Quests mittlerweile standardtechnisch gut gescripted – hat wohl bald jedes MMOG, ab Wrath auch WoW – und erzählen nette Geschichten. Auf jeden Fall ist der Einstieg bei WAR bei jeder Rasse packend und völlig stylisch.
2. Viele Klassen verlangen mehr Hirn als Dauerspammen eines Zaubers. So verlangt z.B. die Zauberin Fingerspitzengefühl, ansonsten tötet sie sich schneller als es ein Gegner tun würde. Oder das Gleichgewicht des Erzmagiers, das er braucht, um effektiv zu heilen und zu kämpfen. Das macht eine Menge Spaß, wobei die meisten Klassen auf dem Prinzip der Aktionspunkte mit Spezialpunkten beruht.
3. Die Rüstungen sind für jede Klasse passend und absolut stylisch. So trägt z.B. eine Hexenkriegerin nicht dasselbe wie eine Schattenkriegerin, sondern hat eigene Rüstungen. Somit bewahrt jede Klassen ihren erkennbaren Stil.
4. Die Grafik ist auch sehr stimmig und erinnert an eine Verbesserung des WoWschen Grundgrafik von Classic-WoW. Diese hier ist allerdings allgemein dunkler gehalten und passt so zum dunklen Szenario von Warhammer. Wer das erste mal vor z.B. der Schwarzen Arche Uthorin steht, wird mehr als nur beeindruckt sein.
5. Die Idee der Public Quests ist einfach nur genial³. Die meiner Meinung nach beste Neuerung, die man hoffentlich auch bald in anderen MMOGs findet.
Und nun, was mir an WAR nicht gefiel:
1. Der Kampfablauf wirkt irgendwie etwas zäh und erinnert an LotRO. So richtig prickelnd ist das nicht. Auch wenn ich keinen Turbomodus alá WoW erwarte, so sollte es etwas zügiger ablaufen.
2. Die Klassen haben trotz ihres Styles nicht so richtig das „Flash“-Gefühl. Als alter Warhammer-Veteran hätte ich da einfach „mehr“ erwartet.
3. Das PvP hat sich zumindest in der Beta zu oft auf die Szenarios (=BGs) konzentriert und zu wenig auf das Open-PvP. Mag natürlich auch sein, dass ausgerechnet ich das Pech hatte, zur falschen Uhrzeit am falschen Ort zu sein.
4. Dieser Punkt ist eher eine Befürchtung als eine Kritik, nur denke ich, dass ab Release die großen Gilden mit großen Stammgruppen die Gebiete abfarmen werden. Das mögen jetzt viele nicht als schlimm ansehen, sondern eher als gut, nur graut es mir persönlich vor der neuen PvPler-Generation, die brandschatzend durch WAR zieht. Selbst als Freund des offenen PvP sehe ich diesem Punkt als sehr kritisch entgegen.
Ansonsten gibt es nur noch den üblichen Kleinkram, den ich hier aber nicht kritisieren will (z.B. ab und an Laggs und wahrscheinlich bei Release starke Probleme mit der Serverstabilität). Alles in allem muss ich zugeben, dass ich wohl WAR spielen würde, wäre mein Drang zu den tollen Dingen von Wrath nicht größer. Trotzdem erhoffe ich mir, dass wenigstens WAR ein starker Konkurrent von WoW wird, damit Blizzard mit der „Ein Contentpatch pro Jahr“-Politik nicht mehr so einfach fortfahren kann.
Und nun den Flamern beider Fraktionen (WAR und WoW) viel Spaß beim missdeuten und zerlegen meiner subjektiven Meinung.