ich hab hiern ganz wunderbaren Artikel auf Spiegel.de gesehn in dems um shopping in Tokios "Nerdviertel" geht.
und da von shopping in Tokio schon mal n paar gesprochen haben kommt das hier rein^^
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,665964,00.html
hier der Text für alle Linkskeptiker^^
Mangas, Maids und miese Mitbringsel
Zwei Stunden Zeit, 25 Euro in der Tasche, eine Mission: Es gilt, im Weihnachtsgetümmel die fünf absurdesten Souvenirs Japans zu finden. Prädestiniert als Shopping-Jagdgrund ist Akihabara, Tokios Lieblingsstadtteil der Nerds und Manga-Fans. Das Ergebnis ist eine Katastrophe.
Japaner lieben Ranglisten. Riesigen Erfolg hat die Kaufhauskette "ranKing ranQueen" mit dem Konzept, immer die Top fünf der meistverkauften Gesichtspuder, Fußmassagegeräte oder Waschlappen des Landes anzubieten. Die durchnummerierten Produkte geben die Sicherheit, das Richtige zu kaufen, weil vorher schon Hunderte das Gleiche gekauft haben.
Um mich den lokalen Gegebenheiten anzupassen, will ich meine eigene Rangliste machen: eine Top Five der absurdesten, skurrilsten, ungewöhnlichsten Souvenirs, die man in Japan für insgesamt 3000 Yen (knapp 25 Euro) kaufen kann. Als Inspiration dient der in Sachen alberne Gadgets unschlagbare Blog Tokyomango. Dort präsentiert Shopping-Expertin Lisa Katayama mit Vorliebe Dinge wie das Plastikmodell einer überfahrenen Katze mit Reifenabdruck und roten Plastik-Innereien. Oder einen Schlüsselanhänger, der Klospülungsgeräusche imitiert, um auf Toiletten unvorteilhafte Begleitgeräusche zu übertönen. Die Meßlatte ist hoch.
Wenn es irgendwo vergleichbare Souvenir-Highlights gibt, dann in Tokios Stadtteil Akihabara, auch bekannt als "Electronic City". Die verrückteste Shoppingmeile der Stadt ist Pilgerziel der Nerds des Landes. "Otaku" nennt man hier jenen Menschenschlag, der Schwächen in den Bereichen modisches Auftreten und Sozialkompetenz durch ein detailliertes Fachwissen über Mangafiguren, Eisenbahnen oder Roboter ausgleicht.
Damit mein Ausflug noch etwas spannender wird, setze ich mir im Heimatland der Pünktlichkeit ein Zeitlimit von zwei Stunden. Ein fataler Fehler.
16:00
Ich kenne mich in Tokio nicht aus, deshalb hoffe ich auf göttlichen Beistand am Kanda-Myojin-Schrein im Norden von Akihabara. Sonderlich traditionell geht es in diesem Tempel nicht zu: Von kleinen Holzplatten, auf die Besucher ihre Gebete schreiben sollen, lächeln Mangamädchen herab. Aus einem Glaskasten starrt ein Löwen-Roboter mit rotem Kopf nach draußen, sein motorisierter Plastikkörper wippt zu schrillen Flötenklängen aus dem Lautsprecher.
Geld ausgeben kann man auch hier. Ich werfe 200 Yen in den Münzschlitz am Kasten, der Löwe bedankt sich mit krächzender Stimme und bewegt den Kopf nach rechts. Dann zieht er ein gefaltetes Papier aus einer Box und lässt es in den Ausgabeschacht fallen: mein Horoskop.
"Du sollst im gemächlichen Tempo gehen, damit du ein friedliches Leben führen kannst", steht darin, und: "Viel Geld fliegt zum Fenster hinaus, deshalb sollst du viel sparen." Na großartig, da ist mein Schnell-Shopping-Experiment ja genau der falsche Tagesplan. Zum Glück sieht die Shinto-Religion vor, dass man einem unerwünschten Schicksal entfliehen kann, wenn man sein Horoskop an einer Art Wäscheleine zurücklässt.
Ich knote meine Zukunft weg und kaufe vorsichtshalber noch ein goldbesticktes Omamori-Säckchen im Tempel-Shop. Dieser teebeutelgroße Talisman soll Glück in Geldangelegenheiten bringen und ist entsprechend teuer: 800 Yen, etwa sechs Euro. Bevor es richtig losgeht, habe ich schon ein Drittel meines Budgets investiert, das fängt ja gut an.
16:18
Schnell weg vom teuren Tempel, rein ins (hoffentlich) günstige Konsumparadies mit seinen dicht aneinandergereihten Shopping-Hochhäusern, die "Laox", "Sofmap" oder "Onoden" heißen. Riesige Neonschilder blinken um die Wette, von den Wänden stieren Manga-Gesichter mit übergroßen Kulleraugen auf das geschäftige Hin und Her der Konsumentenmassen.
Der Mandarake Complex ist einer der bekanntesten Comic- und Mangafigurenläden der Stadt, da fange ich an.
Nicht nur der japanischen Popkultur wird hier Tribut gezollt, auch großformatige Puppen von Yoda aus Star Wars und von der Kino-Mörderpuppe Chucky warten auf Käufer. Die lebensgroßen Spiderman- oder Transformers-Kopfmasken würden sich auch beim Kölner Karneval gut machen, sprengen aber leider mein Budget um ein Vielfaches.
Also raus aus dieser Spielzeug-Apotheke. Und vorher noch schnell einen der Verkäufer fragen, wo es die verrücktesten Läden gibt. "Geh am besten zu 'Super Potato' und zum 'Anime Recycling Shop'", empfiehlt der hornbebrillte Kassierer. Klingt vielversprechend.
16:25
Draußen empfängt mich folgender Geräuschmix:
[GERÄUSCHMIX]
Eine junge Dame im Gewand eines viktorianischen Dienstmädchens hält mich auf. Ihr durchsichtiger Plastik-Regenschirm passt stilistisch nicht zu weißem Spitzenröckchen, rosa Fliege und Haarschleifchen. Sie drückt mir einen Flyer in die Hand und empfiehlt, einen Kaffee mit ihren Freundinnen zu trinken.
Für so was habe ich nun wirklich keine Zeit.
Andererseits: Im Reiseführer stand, dass jeder Akihabara-Besucher eines der berühmt-berüchtigten "Maid Cafés" besuchen sollte. Also gut.
Im Aufzug zum @home-Café fährt ein junger Mann mit, der mit weißen Turnschuhen, roter Bomberjacke und übergroßer dunkelgrüner Netzstoff-Baseballkappe viele Otaku-Klischees bestätigt. Er wird im 6. Stock gleich von einem Mädchen im rosa Kimono an seinen Platz geführt, ich bekomme erst mal eine englische Bedienungsanleitung in die Hand gedrückt: "Dear our Masters & Ladies", steht da drauf, und dass der Sitzplatz 700 Yen kostet. Und: "No pictures, no physical touching or asking the Maid for personal information."
Junge Mädels wuseln in ihren Dienstmädchen-Uniformen zwischen pinkfarbenen Tischen und Stühlen umher. Die Gäste zahlen dafür, dass die Damen sich ab und zu mal dazusetzen, ein bisschen reden und niedlich gucken. Souvenirs gibt es hier nicht, also schnell zurück auf die Straße. Bin ja nicht zum Spaß hier.
16:39
"Super Potato" ist ein Laden für Retro-Konsolenspiele. Wer seine digitale Initiation eckigen Kästen wie dem Atari 2800, Game Boy oder Super Nintendo verdankt, kann hier zwischen den Bildschirmen mit "Legend of Zelda" und "Super Mario" in Jugenderinnerungen schwelgen. Die Visitenkartenbox mit Pacman-Motiv ist mit 1080 Yen zwar eigentlich viel zu teuer, aber der Tempel-Löwe mit seinem Spar-Horoskop ist jetzt weit weg, und schließlich muss ich ja mal endlich mal was kaufen.
Fast nehme ich dazu noch eine Art Tamagotchi mit, das auf Knopfdruck die Titelmelodie von "Super Mario" spielt (und möglicherweise auch unwillkommene Klogeräusche übertönen könnte), aber ich beherrsche mich: ein Videospiel-Souvenir muss reichen.
16:49
Mit Anime-Trickfilmen hat der "Anime Recycling Shop" nichts zu tun. Stattdessen stehe ich in einem Waffengeschäft voller Katana-Schwerter, Streitäxte und Samuraihelme. Hübsch ist ein Brieföffner in Schwertform, leider sieht er eher nach "Herr der Ringe" als nach japanischer Traditionsschmiedekunst aus.
Die gezackte Formenvielfalt in der Ninjasterne-Box ist eindrucksvoll. "Nimm lieber einen Nachbau aus Gummi, das gibt sonst Ärger am Zoll", rät die komplett in schwarz gekleidete Verkäuferin. Also gut, 200 Yen, ein Schnäppchen. Und schon bin ich stolzer Besitzer eines Wurfsterns aus Gummi.
17:02
Kurze Halbzeitbilanz: Zwei Souvenirs, ein Glücksbringer-Säckchen, 2280 Yen weg. Hätte mehr auf mein Horoskop hören sollen, jetzt muss ich sparen. Also auf in die Taito Station, eine auf acht Stockwerke verteilte Spielhalle mit ganz vielen dieser Glaskästen mit Krallen und Spielzeug, die man von deutschen Autobahnraststätten kennt. Mit dem Unterschied, dass an deutschen Autobahnraststätten keine Mangafiguren oder Plüschhäschen im weiß-grünen Häftlingsanzug namens "Putin" zu ergrapschen sind.
Eine Mangafigur fehlt mir sowieso noch. 100 Yen rein, Kralle nach rechts bewegen, dann noch oben - Mist, schlecht gezielt, der Roboterarm greift ins Leere. Beim zweiten Versuch erwische ich wenigstens eine der Verpackungsschachteln, doch sie plumpst träge zurück auf ihren Platz statt in meine Tasche.
Zum Frustabbau könnte ich jetzt ein paar Egoshooter-Ballerspiele im 6. Stock testen. Oder zur Entspannung meine Füße in ein Aquarium mit lebenden Fischen stecken, die dann Hühneraugen und Hautfetzen abnagen. Aber die Zeit drängt, und das Geld ist sowieso schon knapp.
17:10
Kann man von einer Überdosis Riesige-Kulleraugen-Niedlichkeit Kopfschmerzen bekommen, so wie man von zu viel Zucker Bauchschmerzen kriegt? Man kann.
17:15
Kleine Korrektur: Das mit den Kopfschmerzen könnte auch an folgender Geräuschkulisse liegen:
[Geräuschkulisse]
Im zu diesem Soundmix gehörenden Laden kostet ein Bettlaken mit einem Mangamädchen in Dessous als Motiv satte 1200 Yen - zu teuer. Für den Preis würde man im "Autumnleaf"-Laden nebenan schon drei Pornocomics kriegen, reger Zulauf der Altersgruppe 45 bis 60 kündet von der Beliebtheit des Angebots.
17:38
Warum so viel Zeit seit dem vorigen Eintrag vergangen ist, wird nicht verraten. Ich beschließe, meine Erwartungen auf der Suche nach dem Super-Souvenir ein wenig der Realität anzupassen. Keine überfahrenen Plastikkatzen weit und breit, stattdessen: Dutzende Automaten voller undefinierbarem Hello-Kitty-Unsinn aus Plastik.
Ich werfe 200 Yen in einen davon. Heraus kommen vier Plastikkügelchen, eine davon mit dem in Japan allgegenwärtigen Katzenkopf bemalt. Sinn und Zweck sind nicht zu erkennen. Ich schmeiße die Plastikkugeln weg. Langsam wird dieser Ausflug zum Desaster.
17:43
In die Elektronik-Shops wage ich mich schon gar nicht rein, viel zu teuer sind Casio-Uhren und Canon-Kameras. Dafür entdecke ich endlich einen Laden mit bezahlbaren Manga-Miniaturen. Für 300 Yen kaufe ich ein niedliches braunhaariges Männchen, das mahnend den Zeigefinger hebt und auf Knopfdruck mit tiefer Stimme irgendwas auf Japanisch sagt.
17:49
Eins brauch ich noch. Vielleicht ein gelbes Gummihuhn, das bei Druck auf den Magen quietscht? Oder ein als "New Relaxation Item" angepriesenes Kopfkissen in Form kniender Damenbeine ohne Oberkörper? Ist ja schlimmer als im Ein-Euro-Laden hier.
In meinen Gedanken sehe ich das Löwen-Orakel aus dem Tempel wissend nicken. Hätte ich doch auf seine Ratschläge gehört!
17:59
Ich gehe zum "Don Quijote"-Laden am Bahnhof, ein Riesenkaufhaus, das bekannt ist für riesige Mengen an höchst absurdem Krimskrams. Vorbei an Bikinis im Weihnachtsmann-Look und Hautbleichungscremes, an Fußmassagegeräten und Furzkissen gehe ich zielstrebig in die Lebensmittelabteilung und kaufe eine Zehnerpackung Instant-Misosuppe. 296 Yen.
Die Suche nach skurrilem Quatsch gebe ich hiermit auf und freue mich endlich mal über etwas Sinnvolles: Die Suppenpaste ist klarer Spitzenreiter meiner Souvenir-Top-Five.