[Poem] No Fantasy

Al Fifino

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No Fantasy

Schon wieder kein Gedanke, bin voll neben der Spur.
Wozu noch etwas schreiben? Ich nehme Drogen pur,
Nichts Hartes, nur das Weiche; Computer, noch ein Spiel,
Vor lauter blinden Ballern seh´ ich nicht mehr das Ziel,
Um endlich das zu kriegen, was ich doch schon mal hatte.
Um mich anders zu fühlen, nicht wie ´ne kleine Ratte,
Die´s dauernd nur versucht und es dann doch nicht schafft.
Die dauernd nur herum rennt, bis sie es auch mal rafft:
Die Zeit, da man noch schrieb, ohne daran zu denken,
Dass vielleicht auch was Falsch ist, mal etwas zurecht renken.
Als alles noch perfekt war, als alles perfekt lief.
Doch das ist jetzt verschwunden. Zurück bleibt nur ein Tief.

Was ist aus mir geworden, dass meine Fantasie
So leicht, so verflucht einfach hinabging in die Knie.

<+>​
Ich denke, das Thema ist klar. Lob, Kritik und sonstige Anmerkungen sind gerne gesehen.
 
Also ich finds ok.... man erkennt den sinn und die schreibweise gefällt mir +
 
Hallo Al Fifino,

ich muss sagen, dass mir das Thema bei diesem Text (Gedicht) noch nicht ganz klar ist. In den letzten zwei Zeilen heißt es bei Dir: "Was ist aus mir geworden, dass meine Fantasie so leicht, so verflucht einfach hinabging in die Knie." Wenn ich mich nicht irre, ist in diesem Fall mit Fantasie doch die Vorstellungskraft gemeint, was im Englischen mit 'imagination' widergegeben wird.

Andererseits beginnt Dein Text mit den Worten "Schon wieder kein Gedanke", was sich nach meiner Meinung eher auf Fantasy – als Ausdruck für das Resultat der Einbildungskraft, also das Erdachte, das Fantastische – beziehen lässt. Hinzu kommt noch eine Suchtproblematik: "Ich nehme Drogen pur, Nichts Hartes, nur das Weiche; Computer, noch ein Spiel".

Die Frage ist jetzt, wie das alles zusammenpasst. Geht es Dir bei diesem Text mehr darum, das Nachlassen oder sogar das Aussetzen der Einbildungskraft zu thematisieren? Oder ist bereits ein Zustand eingetreten, in dem vorhandene (eigene) Fantasien schon gar nicht mehr vergegenwärtigt bzw. erfasst werden können? Und wie hängt das alles mit dem Medium Computer zusammen?

Bitte erkläre es mir.

Viele Grüße

ophtar
 
N'Abend ophtar,

Das Gedicht entstand in einer Phase von permanenter Kreativlosigkeit. Mit "Fantasie" ist also tatsächlich, wie Du schon vermutet hattest, die Vorstellungskraft, auch bekannt als "Muse", gemeint. Diese Fantasie drückt sich nun mal normalerweise mit Gedanken aus, die einem während oder vor dem Schreiben kommen. Die Kombination aus "Schon wieder kein Gedanke" und "Was ist aus mir geworden, dass meine Fantasie so leicht, so verflucht einfach hinabging in die Knie." bedeutet also nichts anderes, dass das lyrische Ich der einstmals schillernden und nunmehr verloren gegangenen Kreativität nachtrauert, die sich nicht mehr in Form von ideenreichen Gedanken zeigt.
Um die Frage der Zeit zu beantworten, so weise ich auf das Präsens, welches das gesamte Gedicht dominiert, hin, das aber in den letzten beiden Zeilen vom Präteritum, also der 1. Vergangenheit, abgelöst wird. Das Ereignis der verlorenen Kreativität ist demnach bereits vergangen (hält aber immer noch an!), während die Erkenntnis, dass die Gedanken keinerlei lyrischen Sinn mehr liefern, in der Gegenwart erschallt.

Der Zusammenhang mit dem Medium Computer ist vielleicht nicht sofort erfassbar, solange man nicht in solch einer Situation gewesen ist. Wenn die Kreativität gerade am Abkratzen ist, Du am PC sitzt, auf die Tastatur starrst und krampfhaft überlegst, was Du schreiben könntest, nur um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Dir schlichtweg die Kreativität und damit auch die Motivation fehlt... dann greifst Du schnell zu einer Ablenkung. In diesem Fall sind mehr oder minder stupide Shooter gemeint, wie etwa die "Call of Duty"-Reihe etc. Somit wird der Computer zu einer Art willkommene Droge, die Dich effektiv von der Wahrheit weglockt, nämlich dass Du gerade in diesem Moment vollkommen ausgebrannt bist.

Ich wünsche Dir, lieber ophtar, dass dieser Zustand niemals bei Dir eintreten wird. Er ist alles andere als schön, das kann ich Dir sagen.
Ich hoffe, dass ich damit all deine Fragen beantworten konnte. Wie empfindest Du das Gedicht denn allgemein, rein von der Form her?

Greets
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo Al Fifino,

erstmal Glückwunsch zum neuen Porträt, das wirkt gleich viel kraftvoller. Danke auch für Deine Erklärungen,
besonders zu den Zeit-Formen der Verben. Das rückt die Sache noch mal in ein etwas anderes Licht. Das Ge-
dicht hat mich sehr angesprochen, weil es mich zum Nachdenken über eine ganze Reihe Dinge angeregt hat.
Dazu gleich mehr. Zuvor wollte ich noch sagen, dass ich mir das Format des Textes anders gewünscht hätte.
Einen Vorschlag dazu habe ich weiter unten gemacht.

Mit der Form ist es so eine Sache. Ich glaube da haben sich im Laufe der Zeit einfach die Geschmäcker und
auch die Anforderungen an einen Text geändert. In einem Kommentar hier im Forum hast Du ja einmal ge-
schrieben, dass für Dich zu einem Gedicht immer auch ein Reim gehört. Man müsste genauer sagen: ein sog.
Endsilben-Reim, d. h., dass die Worte am Zeilenende jeweils miteinander reimen, wobei es da verschiedene
Möglichkeiten gibt. In Deinem Text passt der Endsilben-Reim gut, vor allem weil er über die Sätze hinausgeht.

Jetzt noch etwas zu meinen Gedanken zu Deinem Text: Besonders die Sentenz am Schluss und das Bild des
vor dem Computer sitzenden, gedanklich ausgehöhlten Menschen hat mich interessanterweise an die Geschichte
von Odysseus erinnert. Dort gibt es ja die Sirenen, die von einem Felsen im Meer aus ihre Gesänge zu allen
vorbeifahrenden Schiffern tragen. Wer ihrem Gesang verfällt, steuert unweigerlich auf ihre Insel zu, wo er mit
seinem Schiff zerschellt oder nach einiger Zeit der Selbstvergessenheit umkommt.

Auch die Figur in Deinem Gedicht scheint in gewisser Hinsicht einem besonderen Reiz erlegen zu sein. Mit dem
Unterschied, dass sie noch genügend Kraft besitzt, ihren Zustand zu beschreiben bzw. zu beklagen. Doch los-
reißen kann sie sich auch nicht mehr. Der Computer ist für die Figur in Deinem Text vielleicht Sirenenfelsen und
Arbeitsgerät zugleich, je nachdem ob sie sich mit Spielen ablenken will oder selbst etwas schaffen möchte. Das
macht die Sache natürlich ziemlich schwierig: Odysseus musste den Sirenen nur ein einziges Mal entkommen,
doch Deine Figur ist dem Sog der Selbstvergessenheit (durch Spiele) mit nur einem Klick jederzeit ausgesetzt.

Dadurch entsteht ein starkes Spannungsverhältnis in der Figur selbst, die sich immer wieder zwischen der ver-
lockenden Sorglosigkeit der Spiele und dem anstrengenden, jedoch selbstbestimmten Handeln entscheiden muss,
diesen Kampf jedoch zunehmend zu verlieren scheint. Vielleicht ist die Figur bald so blind wie das Ballern auf dem
Bildschirm, so dass sie den vorgegebenen Fantasien auf dem Monitor keine eigene Welt mehr entgegensetzen
kann &#8211; und somit untergeht. Soweit erst einmal meine Gedanken dazu. Unten steht noch mein Format-Vorschlag.

Viele Grüße

ophtar


[Text von Al Fifino:]

No Fantasy

Schon wieder kein Gedanke, bin voll neben der Spur.
Wozu noch etwas schreiben? Ich nehme Drogen pur,
Nichts Hartes, nur das Weiche; Computer, noch ein Spiel,
Vor lauter blindem Ballern seh' ich nicht mehr das Ziel,
Um endlich das zu kriegen, was ich doch schon mal hatte.

Um mich anders zu fühlen, nicht wie 'ne kleine Ratte,
Die's dauernd nur versucht und es dann doch nicht schafft.

Die dauernd nur herum rennt, bis sie es auch mal rafft:
Die Zeit, da man noch schrieb, ohne daran zu denken,
Dass vielleicht auch was falsch ist, mal etwas zurecht renken.
Als alles noch perfekt war, als alles perfekt lief.
Doch das ist jetzt verschwunden. Zurück bleibt nur ein Tief.

Was ist aus mir geworden, dass meine Fantasie
So leicht, so verflucht einfach hinabging in die Knie.​
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu den Gedanken kann ich nur sagen, dass ich sie so oder so ähnlich im Hinterkopf hatte, als ich die Geschichte geschrieben hatte. Wohlgemerkt im Hinterkopf - ich habe sie keineswegs bewusst eingebaut. Ich bin nach wie vor ein Verfechter jener, die behaupten, dass sich die vielen Dichter in der Romantik und anderen Epochen gar nicht so viele Gedanken zu ihren Gedichten gemacht haben, wie man ihnen gerne unterstellt.
victory.gif


Entschuldige, wenn ich das jetzt so sage, aber von deiner neuen "Einteilung" des Gedichts halte ich nicht eben sonderlich viel. Der Text sollte als ein Guss, als ein großer Gedanke mit verschiedenen Details, als gehetzte Erkenntnis erscheinen. Durch die Teilung allerdings werden die verschiedenen Gedanken explizit gegliedert und jedem ein gewisser Freiraum zum Nachdenken gegeben, den ich schlichtweg nicht haben will. Deshalb wird das Gedicht wohl so bleiben, wie es ist.
wink.gif


Greets
 
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